Ziel dieser Arbeit ist es, einen groben Überblick über die Modellierung umweltökonomischer Fragestellungen zu geben, indem zwei Wirtschaftsmodelle vorgestellt werden, welche mit unterschiedlichen theoretischen Hintergründen versuchen, Interdependenzen zwischen Ökonomie und Ökologie abzubilden.
Der Fokus der Umweltökonomik liegt auf der Analyse von Wirkungszusammenhängen zwischen menschlichem Handeln und der Natur in ihrer Eigenschaft als physikalische Umwelt. Da Modelle als formale Abbildungen eines realen, komplexen Systems angesehen werden können und sich unter einem realen, komplexen System der in der Umweltökonomik zu untersuchende Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Handeln als einer Form des menschlichen Handelns und der Natur verstehen lässt, umfasst die Modellierung umweltökonomischer Zusammenhänge folglich, diese Interdependenzen in formalen Modellen zu erfassen. Ziel ist hierbei das Durchführen von Simulationen und Prognosen, um beispielsweise die Wirkung umweltpolitischer Instrumente wie Steuern auf die Umwelt zu analysieren oder umgekehrt die Folgen der Umweltverschmutzung für das wirtschaftliche Wachstum zu erfassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Systematisierung umweltökonomischer Modelle
3 Das GINFORS - Modell
3.1.Allgemeiner Modellüberblick
3.2.Das bilaterale Welthandelsmodell
3.3.Das Input – Output – Modell
3.4.Das Energie – Emissions – Modell
3.5.Simulationsergebnisse und kritische Würdigung des Modells
4 Das GEM-E3-Modell
4.1.Allgemeiner Modellüberblick
4.2.Das Verhalten der Produzenten
4.3.Das Optimierungsverhalten der Haushalte
4.4.Das Umweltmodul
4.5.Simulationsergebnisse und kritische Würdigung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Modellierung von Interdependenzen zwischen wirtschaftlichem Handeln und der Umwelt. Ziel ist es, verschiedene Ansätze zu systematisieren und zwei spezifische Wirtschaftsmodelle – GINFORS und GEM-E3 – hinsichtlich ihrer theoretischen Basis und praktischen Anwendung zu vergleichen.
- Systematisierung umweltökonomischer Modelle
- Methoden der Parametrisierung (neoklassisch vs. evolutorisch)
- Struktur und Funktionsweise des GINFORS-Modells
- Struktur und Funktionsweise des GEM-E3-Modells
- Analyse umweltpolitischer Instrumente und deren Auswirkungen
Auszug aus dem Buch
3.1.Allgemeiner Modellüberblick
GINFORS baut auf dem COMPASS – Modell auf und ist ein regional und sektoral disaggregiertes Weltwirtschaftsmodell. Das Modell umfasst 25 Waren und ein Dienstleistungsaggregat sowie 53 Länder und Regionen. Die abgebildeten Länder umfassen zusammen mehr als 95% des weltweiten BIP, der CO2 – Emissionen sowie des Handels Deutschlands. GINFORS lässt sich zur Gruppe der ökonometrischen Input – Output – Modelle zählen und baut hinsichtlich der Parametrisierung auf den Prämissen der evolutorischen Ökonomik auf. Es wird unterstellt, dass die Agenten wie Konsumenten und Produzenten nur über eine beschränkte Rationalität verfügen. Zudem wird die Heterogenität der Agenten und die Unvollkommenheit des Marktes u.a. hinsichtlich der Konkurrenzsituation auf den Märkten betont. Preise sind daher keine Gleichgewichtspreise, wie es in einem neoklassischem Ansatz bei vollständiger Konkurrenz der Fall wäre. Auf Grund der beschränkten Rationalität der Agenten kann keine Optimierung erfolgen, da die Agenten nicht über alle Informationen verfügen oder nicht in der Lage sind, die Informationen perfekt zu verarbeiten, und daher Handlungsalternativen, welche zu einem optimalen Ergebnis führen würden, nicht unbedingt kennen. Daher lassen sich Faktornachfragefunktionen nicht aus der über Nutzen- bzw. Produktionsfunktionen erfolgenden Maximierung ableiten. Neben der Möglichkeit, ad- hoc Annahmen(beispielsweise die Modellierung von Erwartungen der Unternehmen auf Märkten ohne atomistische Struktur) über das Verhalten der Agenten zu treffen, besteht die Möglichkeit, die nicht durch die Optimierung ermittelbaren Parameter ökonometrisch zu schätzen. Dieser Ansatz wird in GINFORS verfolgt, wodurch GINFORS einen hohen Endogenisierungsgrad besitzt. Allerdings ist das System wegen der Verwendung ökonometrischer Schätzungen nur brauchbar für kurz- bis mittelfristige Analysen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Fokus der Umweltökonomik auf Wirkungszusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und der Natur und stellt die Zielsetzung der Arbeit vor, verschiedene Modellierungsansätze zu vergleichen.
2 Systematisierung umweltökonomischer Modelle: Dieses Kapitel erläutert Kriterien zur Einteilung von Modellen, wie etwa die Disaggregationstiefe, die Parametrisierung sowie die Unterscheidung zwischen Top-down und Bottom-up Ansätzen.
3 Das GINFORS - Modell: Das Kapitel beschreibt das GINFORS-Modell als ökonometrisches Input-Output-Modell, das auf der evolutorischen Ökonomik basiert und insbesondere die Interdependenzen zwischen Ökonomie und Ökologie endogen abbildet.
4 Das GEM-E3-Modell: Hier wird das neoklassische CGE-Modell GEM-E3 vorgestellt, das auf Optimierungsverhalten, vollständiger Konkurrenz und Gleichgewichtskonzepten basiert.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und weist darauf hin, dass trotz der modellierten Ansätze komplexe Aspekte wie der technische Fortschritt oder demografische Faktoren weitere Forschungsbedarfe offenlassen.
Schlüsselwörter
Umweltökonomik, GINFORS, GEM-E3, Computable General Equilibrium, Input-Output-Modell, evolutorische Ökonomik, Modellierung, CO2-Emissionen, Energieverbrauch, Strukturwandel, Interdependenz, ökonometrische Schätzung, Parametrisierung, doppelte Dividende, Umweltpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Modellierung von Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlicher Aktivität und der natürlichen Umwelt, indem sie zwei spezifische Modelltypen vergleicht.
Welche zwei zentralen Wirtschaftsmodelle werden in der Arbeit detailliert untersucht?
Es handelt sich um das GINFORS-Modell, das ökonometrisch und evolutorisch geprägt ist, sowie das neoklassische CGE-Modell GEM-E3.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Systematisierung existierender Ansätze zur Modellierung umweltökonomischer Zusammenhänge und die kritische Würdigung der Implikationen, die sich aus unterschiedlichen Parametrisierungen dieser Modelle ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt primär zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse sowie die strukturelle Gegenüberstellung von Wirtschaftsmodellen hinsichtlich ihrer mathematischen und ökonomischen Annahmen.
Welche Schwerpunkte bilden den Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen, die Modellstruktur (Handel, Produktion, Energie, Umweltmodul) und Simulationsergebnisse beider vorgestellten Modelle.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Umweltökonomik, CGE-Modelle, Input-Output-Analyse, Endogenisierung und ökologisch-ökonomische Interdependenzen.
Was unterscheidet GINFORS maßgeblich vom GEM-E3-Modell hinsichtlich der Rationalitätsannahme?
Während GEM-E3 von vollständig rationalen Akteuren ausgeht, die Optimierungsverhalten zeigen, unterstellt GINFORS eine beschränkte Rationalität der Agenten und verzichtet auf strikte Gleichgewichtspreise.
Warum wird im GEM-E3-Modell von einer "doppelten Dividende" gesprochen?
Der Begriff beschreibt den positiven Effekt einer Umweltsteuer, bei der die Einnahmen genutzt werden, um Sozialversicherungsbeiträge zu senken, was sowohl die Emissionen reduziert als auch Beschäftigungsimpulse setzen kann.
Welche Einschränkungen werden für GINFORS im Hinblick auf die zeitliche Analyse genannt?
Aufgrund der verwendeten ökonometrischen Schätzverfahren wird das Modell als primär für kurz- bis mittelfristige Analysen geeignet eingestuft.
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- Anonym (Author), 2009, Modellierung umweltökonomischer Zusammenhänge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922095