Die historische Entwicklung des deutschen Bildungssystems

Eine exemplarische Betrachtung der Volkshochschulen


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

I Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thematische Einführung und Aufbau der Arbeit
1.2 Begriffsdefinitionen
1.3 Vorüberlegungen

2 Historische Entwicklung des Bildungssystems
2.1 Elementarbereich und frühkindliche Betreuung
2.2 Primarstufe
2.3 Sekundarstufe
2.4 Tertiärer Bildungsbereich
2.5 Quartärer Bildungsbereich

3 Exemplarische Betrachtung der Bildungsinstitution Volkshochschule
3.1 Personelle und organisatorische Struktur
3.2 Rahmenbedingungen
3.3 Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen

4 Konklusion
4.1 Historische Entwicklung
4.2 Volkshochschulen

III Literaturverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Thematische Einführung und Aufbau der Arbeit

Bei der vorliegenden Hausarbeit handelt es sich um eine Literaturrecherche zum Themenkomplex der gesellschaftlichen Bedingungen der Pädagogik.

In der Ausführung werden zwei Fragestellungen bearbeitet. In einem ersten Schritt findet eine historische Betrachtung des deutschen Bildungssystems statt. Dabei wird der Fragestellung folgend, besonderen Bezug zu „gesellschaftliche[n] Entwicklungen, Besonderheiten des deutschen Bildungssystems sowie auf die Bedeutung von Bildung, Betreuung und Erziehung“ genommen (IUBH Internationale Hochschule 2019, S. 7).

Die historische Betrachtung erfolgt anhand der Bildungsbereiche und -stufen, wie sie von der Kultusministerkonferenz für Deutschland festgelegt sind (KMK 2019a): Elementarbereich, Primarstufe, Sekundarstufe I u. II, tertiärer und quartärer Bildungsbereich. Die jeweiligen Bildungsbereiche dienen als logische Gliederung für das zweite Kapitel. Im letzten Unterkapitel wird der quartäre Bildungsbereich betrachtet.

Auf der Basis des Abschnittes zum quartären Bildungsbereiches (→ Kap. 2.5) folgt eine exemplarische Betrachtung der Institution der Volkshochschulen in Deutschland. Die Betrachtung gliedert sich in folgende Unterpunkte, welche sich aus der Aufgabenstellung ergeben (IUBH Internationale Hochschule 2019, S. 7):

1. Personelle und organisatorische Grundstrukturen
2. Rechtliche und politische Rahmenbedingungen
3. Aktuelle Herausforderungen und gesellschaftliche Entwicklungen.

1.2 Begriffsdefinitionen

Bevor im Folgenden das deutsche Bildungssystem und die Bildungsinstitutionen genauer betrachtet werden, so scheint es gerechtfertigt, beide Begrifflichkeiten in einem ersten Schritt zu definieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.3 Vorüberlegungen

1.3.1 Exemplarische Auswahl der Institutionen

Bei den einzelnen Bildungsbereichen, allen voran der Sekundarstufe I und II, werden jeweils exemplarische Institutionen betrachtet. Eine umfassende Betrachtung scheint in Hinblick auf den vorgegebenen Umfang und den Fokus auf den quartären Bildungsbereich im dritten Kapitel als vernachlässigbar. Zumal sich die Bundesländer in Deutschland sehr stark unterscheiden (Gudjons/Traub 2016, S. 276ff; KMK 2019b, S. 2).

Ferner wird vor allem die historische Entstehung der heutigen Institutionen vordergründig dargestellt.

1.3.2 Zeitlicher Beginn der historischen Betrachtung

Bei der historischen Betrachtung des deutschen Bildungswesens mag die Frage aufkommen, ab welchem Zeitraum die Betrachtung beginnen soll. Historisch und völkerrechtlich wird von Deutschland ab den 1870er Jahren gesprochen (Seel/Hanke 2015, S. 231). Es scheint aber durchaus gerechtfertigt, bereits den Beginn der deutschen Klassik ab 1800 mit aufzunehmen. Denn nur so können Persönlichkeiten wie ein Wilhelm v. Humboldt oder Friedrich Wilhelm August Fröbel mitbetrachtet werden, die nachweislich das deutsche Bildungssystem stark geprägt haben (→ Kap. 2.1, 2.4.2 und 2.5).

2 Historische Entwicklung des Bildungssystems

2.1 Elementarbereich und frühkindliche Betreuung

Der Kindergarten in seiner heutigen Form wurde 1840 von Friedrich Wilhelm August Fröbel etabliert (ebd., S. 856f). Bereits 3 Jahre später bildete Fröbel die ersten Kindergärtnerinnen aus (ebd.). Als Aufgabe wurden dem Kindergarten 3 Säulen angedacht (ebd., S. 857):

1. „bewahren
2. betreuen, bilden, erziehen
3. unterstützen der Eltern.“

Genau diese zugeschriebene Aufgabe ist auch heute noch Ziel der Kindergärten. So schreibt der Gesetzgeber: „Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes …“ (§ 22 SGB 8 Abs. 3). Auch die Unterstützung der Eltern ist im Gesetz heute zu finden (§ 22 SGB 8 Abs. 2 Nr. 3).

In den Jahren 1851 bis 1860 kam es zum preußischen Kindergartenverbot, in deren Folge schließlich die Kindergärten unter staatliche Kontrolle kamen (Seel/Hanke 2015, S. 856f). In den 1920er Jahren erfolgte die Zuordnung zu dem Jugendhilfebereich (ebd.). Ab den 1960er wurde der neue Beruf „Erzieher/in für Kinder- und Jugendpfleger“ in Deutschland etabliert (ebd., S. 856f). Seit den 1980er Jahren findet eine zunehmende Akademisierung statt (ebd., S. 858). Doch auch die neu etablierten Studiengänge führten lange Zeit nicht dazu, dass von den bekannten Modellen der frühkindlichen Pädagogik auf empirische erprobte Methoden und Ansätze umgestellt wurde (ebd.).

2.2 Primarstufe

Die heutigen Grundschulen, welche explizit für alle Kinder vorgesehen sind, entstanden 1920 „unter Abschaffung der gymnasialen Vorschulen“ (Gudjons/Traub 2016, S. 278). Die speziell auf ein Gymnasium vorbereitenden Vorschulen sind noch heute verfassungsrechtlich verboten (Art. 7 Abs. 6 GG). Die Grundschulen konkurrieren als einzige Schulart in Deutschland mit keiner anderen Schulform (KMK 2019b, S. 2). Sie stellen die erste Stufe des dreigliedrigen Schulsystems in Deutschland dar (ebd.).

Die heutige Grundschule dauert in der Regel 4 Jahre, nur in Berlin und Brandenburg existiert die 6-jährige Grundschule (Gudjons/Traub 2016, S. 278). Während Grundschulen noch bis in die 50er und 60er Jahren als „Unterbau für weiterführende Schulen“ (ebd., S. 293) galten, änderte sich ihr Bildungsauftrag in den 70er Jahren hin zu mehr Chancengleichheit (ebd.). Auch die zunehmende Akademisierung der Lehrkräfte wurde in dieser Zeit angestrebt (ebd.). In den 1980er Jahren führten schließlich Veränderungen in der Lebenswelt der Kinder und die starke Migrationsbewegungen abermals zu veränderten Aufgaben und Anforderungen der Grundschulen (ebd., S. 293f).

2.3 Sekundarstufe

2.3.1 Allgemeinbildende Schulen

Also zweite Phase des Schulsystems in Deutschland gilt die Sekundarstufe, welche wiederum in die Sekundarstufe I und II ausdifferenziert werden kann (KMK 2019b, S. 2). Die Sekundarstufe I kann in Haupt- und Realschulen genauso durchlaufen werden, wie an Gymnasien (Gudjons/Traub 2016, S. 278f; KMK 2019b). An den Gymnasien, sowie den Fachoberschulen, kann dann aufbauend die Sekundarstufe II besucht werden, welche in der Regel zur jeweiligen Hochschulreife führt (KMK 2019b).

Die Bürger- und Realschulen wurden in der Zeit der Deutschen Klassik als weiteres Glied neben den Gymnasien gegründet (Gudjons/Traub 2016, S. 97). W. v. Humboldt kritisierte diese Schulformen, da er mit den Gymnasien ein Einheitsschulsystem bevorzugte; konnte sich mit dieser Ansicht aber nicht durchsetzen (ebd., S. 94f). Mit dem Abschluss der Realschulen konnten Bürger in Preußen ihre Militärzeit von drei auf ein Jahr reduzieren und hatten gleichzeitig die Voraussetzung für den „mittleren Dienst“ erfüllt (ebd., S. 97). Noch heute ist dies an der Bezeichnung „Mittlere Reife“ erkennbar.

Gymnasien gehen in ihrem historischen Ursprung auf W. v. Humboldt zurück, der diese aus den Lateinschulen 1812 etablierte (ebd., S. 96). Es wurden erstmalig Eingangsprüfungen für Lehrer angesetzt, welche Gudjons und Traub als die Vorläufer heutiger Staatsexamina bezeichnen (ebd.). Weiterhin folgten verbindliche Inhaltsbestimmungen mittels Lehrpläne 1837 (ebd.). Die neuen Gymnasien ermöglichten erstmalig eine Hochschulberechtigung unabhängig von der (sozialen) Herkunft (ebd.). Seit 1955 „... heißen alle höheren Schulen, die zur Hochschulreife führen, einheitlich Gymnasium“ (ebd., S. 301).

2.3.2 Berufsbildende Schulen

Eine deutsche Besonderheit ist das System der dualen Ausbildung. Die Ausbildung erfolgt nicht nur an dem Lernort Betrieb, sondern auch an berufsbildenden Berufsschulen (Seel/Hanke 2015, S. 49). Die Berufsschulen werden ebenfalls der Sekundarstufe II zugeordnet (KMK 2019b, S. 2).

Gemäß Greinert (2006, S. 499) entstand die Idee der dualen Ausbildung in drei Phasen. Die ersten Bemühungen sind in den 1870er zu finden (ebd.). Als Auslöser wird die Industrialisierung aufgeführt (ebd., S. 500).

Als „Fundament des ‚deutschen Systems‘ der Berufsausbildung, des Dualen Systems“ (ebd.) bezeichnet Greinert letztlich die Gewerberechtsnovellen von 1897 und 1908. Dabei bediente man sich teilweise der Fortbildungs- und Sonntagsschulen (ebd.). Hanke und Seel (2015, S. 261) sehen die Ackerbauschulen des 19. Jahrhunderts als eine weitere Vorgängerinstitution der heutigen Berufsschulen. Der Begriff der Berufsschule wird seit 1920 verwendet (Greinert 2006, S. 503).

Die letzte große Novelle im Bereich der dualen Ausbildung fand mit Schaffung des Berufsbildungsgesetzes im Jahre 1969 statt (ebd., S. 504).

2.4 Tertiärer Bildungsbereich

Aufbauend auf die Hochschulberechtigung können sich Schüler für eine Bildung in einer tertiären Bildungseinrichtung entscheiden. Im Gegensatz zur Primar- und Sekundarstufe unterliegen Schüler einer tertiären Bildungseinrichtung keiner Schulpflicht mehr. Nicht alle Schüler mit einer Hochschulberechtigung entscheiden sich für ein Studium. In den letzten Jahren zeigt sich jedoch der Trend, dass immer mehr Erwachsene ein Studium nach beruflicher Erstqualifizierung noch nachholen (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2018, S. 154: Anhang Tab.F1­14web).

Einrichtungen der tertiären Bildung werden in Deutschland auch als Hochschule bezeichnet und umfassen u. a. die Universitäten und die Fachhochschulen (§ 1 Hochschulrahmengesetz). Fachhochschulen und Universitäten haben sich in den letzten Jahren angenähert. Beide Hochschularten führen mittlerweile, ausgelöst durch den Bologna-Prozess, über die Bachelor- und Masterstudiengänge, zu den gleichen Abschlüssen (Brändle 2010, S. 85 & S. 88f). Einzig das Promotionsrecht unterscheidet heute noch Fachhochschulen von Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen (Pautsch 2019, S. 176).

Als erste deutsche Universität heutiger Form gilt die Humboldt-Universität zu Berlin, die 1809 unter Mitwirken von W. v. Humboldt gegründet wurde (Gudjons/Traub 2016, S. 95). Erstmals wurde Lehre und Forschung vereint an einer Stelle. Zusätzlich wurde die Freiheit der Forschung vor staatlichen Eingriffen festgehalten (ebd.). Als Zugangsvoraussetzung dient fortan das neu geschaffene Abitur als allgemeine Hochschulreife und -berechtigung (ebd.; vgl. Kap 2.4.1).

Neben den Universitäten entstanden in den 1960er Jahren die ersten Fachhochschulen (Pautsch 2019, S. 176). Ordinär oblag ihnen die Ingenieurausbildung, so gehen sie mehrheitlich aus ehemaligen Ingenieurschulen hervor (ebd., S. 178). Auch andere anwendungsorientierte Berufe wurden von Beginn an, an den Fachhochschulen ausgebildet (ebd., S. 176), woraus auch heute noch oft ein praktischer Charakter und Ruf resultiert. Die Etablierung der Fachhochschulen und der Akademisierung der entsprechenden Berufe war eine Notwendigkeit, die sich durch die zunehmende Technisierung zu Zeiten des Wirtschaftswunders ergab. Die Aufgabengebiete der Ingenieure wurden zunehmend komplexer und auch der internationale Wettbewerb nahm zu (Holuscha 2012).

2.5 Quartärer Bildungsbereich

Nach Wittpoth (2009, S. 24f) wird ab dem Ende der Aufklärung erstmals den Erwachsenen die Möglichkeit des lebenslangen Lernens erstmals zugesprochen. Ferner findet in der Bevölkerung ab diesem Zeitpunkt ein verstärktes Interesse an politischer Teilhabe statt (ebd.). Es ist jedoch anzumerken, dass Ende des 18. Jahrhunderts die Erwachsenen- und Weiterbildung noch lange nicht so formal und organisiert war, wie es heute der Fall ist (ebd.).

Ausgelöst durch das Recht der Vereinsgründung zur Jahrhundertwende um 1800, etablierten sich verschiedene Lesegesellschaften (ebd., S. 25f). Es folgten Handwerkerbildungsvereine um 1840 (ebd., S. 26f). Diese waren zuerst unpolitischer Natur. Aufgrund einer zunehmenden politischen Ausrichtung, unter dem Deckmantel der Arbeiterbildung, wurden sie schließlich 1854 verboten (ebd.). Aus der Arbeiterbildung entwickelte sich schließlich auch eine Vorgängerpartei der heutigen SPD (ebd., S. 27).

Ende des 19. Jahrhunderts boten die meisten deutschen Universitäten „Volkstümliche Hochschulkurse“ gemäß Wittpoth an (ebd.). Sie stellen eine historische Vorentwicklung der heutigen Volkshochschulen dar. Es folgte die Etablierung der Erwachsenenbildung mit namentlicher Nennung der Volkshochschulen in der Weimarer Verfassung 1919 (ebd., S. 27f). Aufgrund des Interesses der Bevölkerung wurden in diesem Jahr auch landesweit ca. 2000 Volkshochschulen betrieben, welche sich aber nicht auf Dauer halten konnten (ebd.): Acht Jahre später waren es bereits nur noch 215 Institutionen.

Die Volkshochschulen wurden im Zeitraum des Nationalsozialismus wie viele andere Organisationen zweckentfremdet (ebd., S. 28f). Besonders deutlich wird dies an der Tatsache, dass im Jahre 1933 den Volkshochschulen explizit die Aufgabe der „…Willenshaltung des deutschen Volkes zu fördern“ zugeteilt wurde (ebd.).

Ab den 1960er Jahren fand eine zunehmende Auseinandersetzung mit dem lebenslangen Lernen statt (ebd., S. 31f). Die Erwachsenen- und Weiterbildung wurde als vierte bzw. quartäre Säule des deutschen Bildungssystems etabliert (vgl. KMK 2019a). Nach Wittpoth (2009, S. 31f) ist dies u.a. auf eine zunehmende Technifizierung zurückzuführen. Arbeiter mussten ihr Wissen fortan immer mehr erweitern und auffrischen. Auf der anderen Seite nahm die Komplexität und die Möglichkeiten innerhalb der Gesellschaft zu. Für eine politische Teilhabe bedurfte der Bürger mehr Bildung (ebd.).

[...]

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Details

Titel
Die historische Entwicklung des deutschen Bildungssystems
Untertitel
Eine exemplarische Betrachtung der Volkshochschulen
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Veranstaltung
Gesellschaftliche Bedingungen der Pädagogik (DLBPGGBP)
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V922116
ISBN (eBook)
9783346225900
ISBN (Buch)
9783346225917
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungssystem, Schulsystem, Pädagogik, VHS, Volkshochschule
Arbeit zitieren
Sebastian Delles (Autor), 2020, Die historische Entwicklung des deutschen Bildungssystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922116

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