Skinheads und Faschos - Rechtsextreme Jugendliche in der DDR


Seminararbeit, 2006
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Rechtsextremismus?

3. Von Skinheads zu Faschos
3.1 Die Entstehung der Skinheadbewegung
3.2 Wendepunkt der rechten Bewegung Der Zionskirchenprozess und seine Folgen

4. Ursachenforschung
4.1 Sozialisation in der DDR
4.2 Verdrängte Vergangenheitsbewältigung
4.3 Der Antifaschismus

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturangabe

1. Einleitung

In der DDR galt der Faschismus offiziell als mit „Stumpf und Stiel“ ausgerottet. Jedoch sah man in den achtziger Jahren zunehmend Jugendliche mit kahlgeschorenem Kopf, Bomberjacke usw. auf den Strassen, die sich selbst als Skinheads bezeichneten. Sie skandierten nationalsozialistische Parolen und wetterten gegen den sozialistischen Staat. Oft waren sie in Schlägereien mit anderen jugendlichen subkulturellen Gruppen, aber auch mit der Polizei verwickelt. Höhe- und Wendepunkt dieser Ausschreitungen war der Überfall einer Gruppe von Skinheads auf die Berliner Zionskirche 1987. Der Staat setzte daraufhin zu einer groß angelegten Verfolgung der Skinheads an. Diese reagierten mit Rückzug und entwickelten sich zu den noch politischeren Faschos weiter.

Diese Arbeit soll einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der rechtsextremen Jugendszene der DDR geben. Zu Beginn soll daher zunächst der Versuch einer Definition des Begriffes „Rechtsextremismus“ erfolgen.

Der genaue Untersuchungszeitraum erstreckt sich von der Entstehung der Skinheadszene Anfang der achtziger Jahre bis zum Fall der Berliner Mauer am

9. November 1989, denn ab diesem Zeitraum versuchten westdeutsche Parteien und Gruppierungen wie die Republikaner u. ä. Fuß in Ostdeutschland zu fassen.[1] Auch die staatliche Reaktion soll dabei Beachtung finden. Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit die staatliche Reaktion die rechten Gruppen beeinflusste.

In einem dritten Teil soll die Frage nach den Ursachen für rechtsextreme Einstellungen beantwortet werden. Allerdings kann die Antwort darauf nur aus Ansätzen bestehen, da die Entwicklung zu einem Rechtsextremen bei jedem Jugendliche andere Ursachen und Gründe haben kann. Daher sollen in dieser Arbeit ein paar staatlich- verursachte Probleme vorgestellt werden, die als Ursachen für Rechtsextremismus angesehen werden können.

Die wissenschaftliche Untersuchung des Problems setzte ziemlich bald nach der Wiedervereinigung ein. Besonders Busche- Baumann, Schumann und Waibel sind hier zu erwähnen, welche die Skinheadszene sowie rechte Gewalttaten anschaulich darstellen.

2. Was ist Rechtsextremismus?

Der Begriff „Rechtsextremismus“ ist weit verbreitet und eng mit Termini wie „Rechtsradikalismus“ oder „Neofaschismus“ verknüpft. Daher ist eine genaue Begriffsbestimmung von Nöten. Doch eine genaue Definition ist schwierig, da es eine einheitliche Ideologie nicht gibt, dafür aber eine Vielzahl von verwandten Begriffen existieren, die häufig für ähnliche Phänomene verwendet werden. Rechtsextremismus kann daher nur durch die Analyse grundlegender Muster genauer bestimmt werden.[2]

Als Extreme bezeichnet man die von einer Mitte am meisten entfernten Punkte. Übertragen auf den Staat heißt das, dass Gruppierungen „[…] extremistisch und damit verfassungsfeindlich im Rechtssinne nur dann“ sind, „wenn sie sich gegen den […] Grundbestand unserer freiheitlichen rechtsstaatlichen Verfassung richten. […]“[3]

Diese Definition ist zwar auf die Bundesrepublik gerichtet, doch kann man sie auf die DDR übertragen, wenn man Extremismus als einen Gegenentwurf zum „[…] real existierenden Sozialismus/ SED-Staat […]“[4] auffasst.

Der Rechtsextremismus hat die Ungleichheit und Unfreiheit der Menschen zum Kern. Es wird zwar eine Gleichheit angestrebt, aber diese ist auf das eigene Volk beschränkt.[5]

Um die Ausgrenzung anderer Gemeinschaften zu begründen, greift der Rechtsextremismus auf Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus und biologistische und sozialdarwinistische Menschen- und Gesellschaftsbilder zurück. Durch diese Vielzahl an Wurzeln gibt es keine geschlossene Ideologie, sondern lediglich Fragmente derselben.[6]

Ziel von Rechtsextremisten ist ein starker Staat, der die Interessen einer sog. „Volksgemeinschaft“ vertritt, indem er Minderheiten und Randgruppen rechtlich ausklammert. Als Vorbild hierfür dient der nationalsozialistische Staat.[7]

Somit sind rechtsextreme Gruppen ganz klar als fundamental-oppositionell zu betrachten.

3. Von Skinheads zu Faschos

3.1 Die Entstehung der Skinheadbewegung

Die Grundlagen für die Skinheadbewegung liegen bereits am Ende der 70er Jahre, bzw. am Anfang der 80er. In diesem Zeitraum „[…] ging die Identifikation mit dem Marxismus- Leninismus […] deutlich zurück. […]“[8] Auffallend früh begann der Rückzug von der offiziellen Ideologie bei den Lehrlingen bzw. jungen Arbeitern. Bei den Studenten änderte sich die Einstellung zur Staatsideologie messbar erst im Zeitraum 1987/88.[9]

Statt des Marxismus- Leninismus suchten die Jugendlichen neue Möglichkeiten und Freiräume. So entstanden neue Jugendbewegungen wie Punker, Gruftys, Heavy metals, Flowers und Skinheads. Jede einzelne Strömung identifizierte sich über ihre jeweilige Musik; erkennbar waren sie durch ihren besonderen Kleidungsstil sowie an ihren Frisuren.[10] Noch waren diese Bewegungen lose organisiert und häufig wechselten Jugendlichen zwischen den Stilen.[11]

Doch eine Gruppierung bildete schon bald eine Ausnahme: die Skinheads. Ein Hang zu rechtsextremistischen Vorstellungen war vereinzelt schon früh festgestellt worden, ebenso hin und wieder Gewalttaten gegen Jugendliche andere Szenen, wie Punker oder Gruftys, doch wurden diesen Aktionen keine Bedeutung zugemessen, im Gegenteil: dieser Aspekt wurde als schon bald verschwindende Modeerscheinung abgetan.[12] Binnen kurzem jedoch kamen „[…] Randale bei Fußballveranstaltungen […] als neue Erscheinungsform hinzu […]“[13], welche mit fremdenfeindlichen Beschimpfungen einhergingen. So wurde diese Bewegung immer politischer.[14] Seit 1983[15] begann sich die Szene zu strukturieren und bereits für 1985/86 werden die Skinheads als am besten organisierte Bewegung betrachtet. Für das wichtigste Kriterium halten sowohl Busche- Baumann als auch Ködderitzsch/ Müller das Erstellen von Eintrittsbedingungen in die örtliche Skinheadgruppe, die sich auf einen festen Mitgliedsstamm gründen.[16] Dabei ist festzustellen, dass sich die Gruppe aus langjährigen Bekannten aus der Schule, dem Wohngebiet, aus dem Fußballstadion usw. rekrutierte.[17]

Untereinander besprochen wurden vor allem Themen, die in der FDJ vernachlässigt wurden, ja Tabu waren, so z. B.: Ausländer, Arbeitsdisziplin, Reiseprobleme, die Teilung Deutschlands, Antikommunismus u. ä. Da diese Themen in der Öffentlichkeit eben nicht angesprochen wurden, isolierten sich die Skinheads von eben jener und bauten neben, bzw. als einen Punkt ihrer politischen Botschaft ein klares Feindbild auf.[18] Hierbei ist das Verhältnis der Skinheads zur Arbeit besonders bedeutungsvoll: Skinheads waren disziplinierte Arbeiter. Sie sahen dies als Notwendigkeit und Tugend an. Aus dieser Einstellung entwickelten sie Ansichten, mit denen sie rechtsextreme Äußerungen rechtfertigten.[19]

Daneben entstand die Gruppe der Faschos. Der Unterschied zwischen dieser Bewegung und den Skinheads scheint „[…] in erster Linie in modischen- und weniger in politisch- inhaltlichen Fragen […]“[20] gelegen zu haben. Es gab zwar verschiedene Auffassungen zu Konzentrationslagern, Hitler, Massenvernichtung usw., doch waren die Grenzen durchlässig.[21]

Während dieser Phase der Herausbildung der Organisationsstrukturen veränderte sich auch die Zusammensetzung der Skinheadguppen. Waren anfangs Jugendliche mit einem niedrigen Schulabschluss Träger der Bewegung, kamen Mitte der achtziger Jahre „normale“ Jugendliche dazu. Statistisch gesehen setzte sich jetzt die Szene zu 45% aus Facharbeitern, 24% Lehrlingen, 6% Schülern, 10% Teilfacharbeitern und 5% Fachschülern zusammen. Ohne Arbeit waren nur 10%.[22]

Ködderitzsch/ Müller liefern eine Statistik über die sozialen Hintergründe von Skinheads eines Bezirkes. Demnach gehörten 24% der Eltern von diesen Skinheads der sog. Intelligenz an. 47% waren Facharbeiter, 14% Handwerker und 15% Ungelernte.[23] Aus diesen Statistiken ist folgendes zu entnehmen: Facharbeiter, besonders im Bauwesen und der Industrie, waren überrepräsentiert. Hingegen war die Zahl der arbeitslosen Rechtsextremen verschwindend gering[24]. Das hängt sicher mit der überhöhten Vorstellung von Arbeit zusammen.

[...]


[1] Busche- Baumann, Maria, Rechtsextremismus und die Presse. Eine inhaltsanalytische Untersuchung der Berichterstattung über den ostdeutschen Rechtsextremismus in den Tageszeitungen Berliner Zeitung und Sächsische Zeitung; in: Hildesheimer Schriftenreihe zur Sozialpädagogik und Sozialarbeit 7; Hildesheim 1994; S. 49.

[2] Busche- Baumann; S. 15.

[3] Vorwort des Bundesministers zum Verfassungsschutzbericht 1991, zitiert nach: Neubacher, Frank, Jugend und Rechtsextremismus in Ostdeutschland vor und nach der Wende; Bonn 1994; S. 12.

[4] Busche- Baumann; S. 16.

[5] Vgl. Bugiel, Britta, Rechtsextremismus Jugendlicher in der DDR und in den neuen Bundesländern von 1982-1998; Münster 2002; S. 20.

[6] Vgl. Neubacher; S. 14.

[7] Vgl. ebd.

[8] Busche- Baumann; S. 29.

[9] Vgl. ebd.

[10] um hier nur einige Erkennungsmerkmale zu nennen, näheres: Vgl. ebd.; S. 30.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. ebd.

[13] Ködderitzsch, Peter, Müller, Leo A., Rechtsextremismus in der DDR; Göttingen 1990; S. 11.

[14] Vgl. Busche- Baumann; S. 30.

[15] Vgl. ebd.; S. 31f.

[16] Vgl. ebd.; S. 32 und Ködderitzsch/ Müller; S. 11.

[17] Vgl. Busche- Baumann; S. 32 und Ködderitzsch/ Müller; S. 12.

[18] Vgl. Busche- Baumann; S. 33.

[19] Ebd.; S. 34.

[20] Busche- Baumann; S. 31.

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. ebd.; S. 35.

[23] Vgl. Ködderitzsch/ Müller; S. 20.

[24] Vgl. Busche- Baumann; S. 34.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Skinheads und Faschos - Rechtsextreme Jugendliche in der DDR
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Opposition, Widerstand und politische Verfolgung in der DDR
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V92216
ISBN (eBook)
9783638060622
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skinheads, Faschos, Rechtsextreme, Jugendliche, Opposition, Widerstand, Verfolgung
Arbeit zitieren
Christoph Wowtscherk (Autor), 2006, Skinheads und Faschos - Rechtsextreme Jugendliche in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92216

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