Die Arbeit untersucht die These von einem "New Great Game" der Großmächte im Kaukasus und Zentralsien. Im Mittelpunkt stehen dabei die geostrategischen Maßnahmen der Großmächte, sowie der betroffenen Staaten, in der Frage der Weltmarktzuführung der kaspischen Öl- und Gasreserven. Im besonderen wird dabei die Rolle und Bedeutung Afghanistans vor dem 11. September 2001 untersucht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Das „New Great Game“ - Begriffliche Abgrenzung
2 Politische und Ökonomische Voraussetzungen des „New Great Game“
3 Die internationalen Akteure und ihre Interessen
3.1 Die ehemaligen Sowjetrepubliken
3.2 Die internationalen Öl- und Erdgas-Konsortien
3.3 Die USA
3.4 Russland
3.5 Der Iran
3.6 Die Türkei
4 Die Rolle Afghanistans im „New Great Game“
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das „New Great Game“ im Kaukasus und in Zentralasien vor dem 11. September 2001, um die geostrategischen Interessen der internationalen Akteure sowie die Rolle Afghanistans in diesem komplexen Geflecht zu analysieren.
- Konzeptualisierung des „New Great Game“ im Vergleich zum historischen Vorbild
- Analyse der politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen in der Region
- Untersuchung der nationalen und internationalen Akteure und ihrer spezifischen Interessen
- Bewertung der Rolle Afghanistans im Hinblick auf Transitrouten und regionale Stabilität
Auszug aus dem Buch
3.2 Die internationalen Öl- und Erdgas-Konsortien
Die Erschließung der kaspischen Öl- und Erdgasvorkommen erfordert immense Investitionen in Förderanlagen und Infrastruktur, welche in aller Regel von privaten Unternehmen getätigt werden. Diese Unternehmen haben ein fundamentales Interesse an der Sicherheit und Rentabilität ihrer Investitionen, welche in erster Linie von einer stabilen politischen Umgebung, sowie der klassischen unternehmerischen Kosten-Nutzen-Rechnung abhängen. Insofern können Unternehmen als die berechenbarsten Akteure des „New Great Game“ angesehen werden, folgen ihre Entscheidungen doch in aller Regel klar ersichtlichen und vor allem meist politisch neutralen Entscheidungskriterien. Dies hat aber auch zur Folge, dass die Unternehmen, im Gegensatz zu staatlichen Akteuren, weitgehend unabhängig von politischen oder moralischen Erwägungen die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit beinahe jedem anderen Akteur zeigen, der die benötigte Stabilität in ihrem Investitionsumfeld garantieren kann.
Insofern konkurrieren staatliche Akteure also um die Gestaltung der Rahmenbedingungen, in denen Unternehmen dann tätig werden. Auch wenn es daher in der öffentlichen Debatte zuweilen gelegen erscheint, die Geopolitik von Staaten mit den Interessen einheimischer Konzerne zu begründen, greift ein solcher Ansatz zu kurz. Denn die „multinationalen Ölunternehmen, welche die Erschließung der Energiereserven betreiben, sind weder Instrumente von Regierungen, noch sind Regierungen die Exekutiven von Interessen der Ölfirmen.“ Zwar stehen dem, insbesondere im Fall der USA und Russlands zuweilen personelle Verflechtungen von Regierungen und Unternehmen entgegen, die an der jeweiligen Unabhängigkeit staatlicher und unternehmerischer Akteure zweifeln lassen. Erstens jedoch ist eine Zusammenarbeit von nationaler Politik und Wirtschaft nicht nur Recht, sondern mithin sogar Aufgabe beider Seiten. Vor allem aber wird die gegebenenfalls vorhandene Interessenverquickung durch die Tatsache gemildert, dass es sich bei der Erschließung von Energiereserven meist um das Werk multinationaler Konsortien (meist unter Beteiligung US-amerikanischer, europäischer und russischer Konzerne) handelt, sodass eine einseitige Interessenpolitik schon durch die fehlende Anteilsmehrheit unwahrscheinlich wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung umreißt die Transformation der Staaten Transkaukasiens und Zentralasiens sowie die Relevanz des Begriffs „New Great Game“ für die Analyse der geopolitischen Interessen in dieser Region.
1 Das „New Great Game“ - Begriffliche Abgrenzung: Dieses Kapitel differenziert den Begriff vom historischen „Great Game“ des 19. Jahrhunderts und hebt die höhere Komplexität sowie die Rolle nicht-staatlicher Akteure hervor.
2 Politische und Ökonomische Voraussetzungen des „New Great Game“: Hier werden der Zusammenbruch der Sowjetunion als Zäsur und die daraus resultierenden Herausforderungen für die Region, insbesondere hinsichtlich der Rohstoffvorkommen und Transportwege, analysiert.
3 Die internationalen Akteure und ihre Interessen: Dieses Kapitel untersucht detailliert die Ambitionen der betroffenen Staaten, westlicher Ölkonzerne sowie der Mächte USA, Russland, Iran und Türkei.
4 Die Rolle Afghanistans im „New Great Game“: Hier wird beleuchtet, wie der afghanische Bürgerkrieg und der Aufstieg der Taliban die strategischen Überlegungen zur Errichtung südlicher Transitkorridore beeinflussten.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und konstatiert, dass trotz rhetorischer Abgrenzungen von imperialer Politik bei den Großmächten weiterhin Machtstreben dominiert.
Schlüsselwörter
New Great Game, Kaukasus, Zentralasien, Energiepolitik, Pipelines, Sowjetunion, Geopolitik, Afghanistan, Taliban, Erdöl, Erdgas, USA, Russland, Iran, Türkei
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die geopolitischen Interessen internationaler Akteure im Kaukasus und in Zentralasien nach dem Zerfall der Sowjetunion, unter besonderer Berücksichtigung des Begriffs „New Great Game“.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themenfelder umfassen die Identitätssuche der neuen Staaten, die Bedeutung der Rohstoffvorkommen, die Rolle internationaler Konsortien sowie die sicherheitspolitischen Herausforderungen durch regionale Konflikte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Grundlinien des „New Great Game“ und die Beleuchtung der Rolle Afghanistans als Transitland sowie als sicherheitspolitischer Störfaktor.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse, die theoretische Konzepte mit empirischen Entwicklungen und einer Untersuchung der Akteursinteressen verbindet.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Publikation im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die divergierenden Interessen der betroffenen Anrainerstaaten, die Rolle privater Öl- und Erdgas-Konsortien sowie die spezifischen Strategien von Großmächten wie den USA und Russland.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Schlagworten gehören geostrategische Interessenzonen, Rohstofferschließung, Energieabhängigkeiten und die geopolitische Transformation nach 1991.
Welchen Einfluss hatte der Aufstieg der Taliban auf das „New Great Game“?
Der Aufstieg der Taliban verhinderte langfristig die Nutzung Afghanistans als sichereren Transitkorridor für zentralasiatische Energieressourcen und forcierte eine sicherheitspolitische Annäherung der Region an Russland.
Warum wird die Rolle privater Konsortien in der Arbeit als so zentral bewertet?
Die Konsortien werden als wichtige Akteure analysiert, da sie primär wirtschaftlichen Logiken folgen und durch ihre Investitionen die Rahmenbedingungen für staatliche geopolitische Strategien massiv mitgestalten.
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- Stefan Weidemann (Author), 2007, Afghanistan und das "New Great Game" um Öl und Gas im Kaukasus und Zentralasien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92249