Die Hausarbeit befasst sich mit der Frage, ob Fuckup Nights ein geeignetes Instrument zur positiven Beeinflussung der polizeilichen Fehlerkultur darstellen können.
Hierzu werden zunächst wesentliche Begriffe definiert. Das nächste Kapitel widmet sich daraufhin möglichen Wirkfaktoren einer positiven Fehlerkultur, bevor das Veranstaltungsformat der Fuckup Nights vorgestellt wird. Nachfolgend werden die polizeiliche Fehlerkultur und ihre Defizite betrachtet. Die gewonnenen Erkenntnisse sowie Ergebnisse aus der Forschung bezüglich der möglichen Implementierung eines solchen Formats innerhalb der Polizei werden anschließend diskutiert.
Die Angst davor, im beruflichen Umfeld Fehler zu begehen und zu scheitern, ist in deutschen Unternehmen weit verbreitet. Doch innerhalb der Polizeiforschung wird häufig kritisiert, dass auch die Polizei eine ungenügende Fehlerkultur habe. Fehlverhalten wird innerhalb der Polizei aus den unterschiedlichsten Gründen oftmals verschwiegen oder vertuscht, mit der Folge, dass es keine Möglichkeit gibt, aus dem Fehler persönlich und organisational zu lernen.
In jüngerer Vergangenheit hat sich allerdings eine Gegenbewegung zu diesen etablierten Strukturen entwickelt. Bei sogenannten Fuckup Nights berichten „Gescheiterte“ einem Publikum von ihren größten unternehmerischen Misserfolgen und Fehlern. Diese Formate stoßen auf eine sehr hohe Resonanz.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionsansätze
2.1 Organisation
2.2 Fehler und Fehlerkultur
3 Wirkfaktoren einer positiven Fehlerkultur
3.1 Organisationskultur
3.2 Führung
3.3 Externe Einflussfaktoren
4 Fuckup Nights – Scheitern als Event?
5 Polizeiliche Fehlerkultur und ihre Defizite
6 Diskussion
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, ob das Veranstaltungsformat der "Fuckup Nights" ein geeignetes Instrument darstellen kann, um die Fehlerkultur innerhalb der Polizei positiv zu beeinflussen, indem sie den Umgang mit Misserfolgen reflektiert.
- Grundlagen von Organisation, Fehler und Fehlerkultur.
- Analyse der Wirkfaktoren einer positiven Fehlerkultur (Organisationskultur, Führung, externe Einflüsse).
- Vorstellung und kritische Betrachtung des Fuckup Nights-Konzepts.
- Untersuchung der spezifischen Defizite in der polizeilichen Fehlerkultur.
- Diskussion über die Übertragbarkeit von Event-Formaten auf den Polizeialltag.
Auszug aus dem Buch
Fuckup Nights – Scheitern als Event?
Mandl (2017, S. 31) sowie Kuckertz und Röhm (2015, S. 40) stellen fest, dass sich in der Gründerszene seit einigen Jahren der offene Umgang mit unternehmerischen Fehlentscheidungen in Form sogenannter Fuckup Nights kultiviert hat. Dieses Format wurde 2012 von drei Freunden in Mexiko-Stadt gegründet. Dabei werden eigene Fehler und persönliches Versagen auf offene, lockere und humoristische Weise thematisiert und einem Publikum mitgeteilt (vgl. Fichtel 2019).
In der Regel werden drei Redner(innen) eingeladen, die in einem ca. zehnminütigen Vortrag über ihr persönliches oder berufliches Scheitern berichten (vgl. ebd.). Die Redebeiträge sollen mindestens drei Lektionen enthalten, aus denen das Publikum lernen kann (vgl. Vogt 2018). Im Anschluss findet eine offene Frage- und Diskussionsrunde mit den Zuhörer(inne)n statt (vgl. Fichtel 2019). Kolosowa, Gamillscheg und Krüger (2018) sprechen von einer Inszenierung des beruflichen Scheiterns. Das Konzept ist so erfolgreich, dass derartige Veranstaltungen mittlerweile in den meisten Großstädten Deutschlands stattfinden.
Der Veranstalter der Leipziger Fuckup Nights, Marco Weicholdt, sieht den Erfolg der Reihe darin, dass Fehler und Niederlagen, die in Deutschland einem Tabu unterliegen, öffentlich präsentiert werden (vgl. ebd.). Auch Fichtel (2019) postuliert, dass bezüglich des Erfolgs und des Scheiterns in Deutschland ein Schwarz-Weiß-Denken vorherrscht. Ziel der Fuckup Nights ist es, eine „neue Kultur des Scheiterns“ zu etablieren, in der Niederlagen akzeptiert und öffentlich gemacht werden. So soll anderen die Chance gegeben werden, aus den Fehlern der „Gescheiterten“ zu lernen und nicht dieselben zu begehen. Weiterhin ist es wichtig zu verinnerlichen, dass Fehler immer zum Erfolg dazugehören (vgl. ebd.). Kolosowa et al. (2018) kritisieren indes, dass nur diejenigen die Bühne betreten, die es trotz ihres Scheiterns zum Erfolg gebracht haben. Jene, die sich von ihrem Misserfolg nicht erholt haben, blieben nach wie vor unsichtbar. Dennoch sei es ein Anfang im Hinblick auf einen veränderten Umgang mit Niederlagen, wenn Menschen sich auf die Bühne stellen und über ihre Fehler berichten (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Fehlerkultur innerhalb der Polizei und Vorstellung der Forschungsfrage zur Relevanz von Fuckup Nights.
2 Definitionsansätze: Theoretische Einordnung der Begriffe Organisation, Fehler und Fehlerkultur im Kontext polizeilicher Strukturen.
3 Wirkfaktoren einer positiven Fehlerkultur: Darstellung zentraler Einflussfaktoren wie Organisationskultur, Führungsverhalten und externer gesellschaftlicher Bedingungen.
4 Fuckup Nights – Scheitern als Event?: Vorstellung des Gründerszenen-Konzepts und dessen Zielsetzung, eine neue Fehlerkultur durch öffentliche Berichte über Scheitern zu etablieren.
5 Polizeiliche Fehlerkultur und ihre Defizite: Analyse der strukturellen Probleme und der "Cop Culture", die einen konstruktiven Umgang mit Fehlern in der Polizei erschweren.
6 Diskussion: Kritische Würdigung der Übertragbarkeit von Fuckup Nights auf die Polizei unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen wie dem Legalitätsprinzip.
7 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage mit Empfehlungen zur Implementierung von Formaten für eine offene Fehlerkultur.
Schlüsselwörter
Fehlerkultur, Polizei, Fuckup Nights, Organisationskultur, Führung, Fehlermanagement, Organisationsforschung, institutioneller Wandel, Scheitern, polizeiliche Fehler, Just Culture, Lernkultur, psychologischer Druck, Fehlerreflexion, Polizeialltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das aus der Gründerszene bekannte Veranstaltungsformat „Fuckup Nights“, bei dem offen über persönliches und berufliches Scheitern berichtet wird, als Instrument geeignet ist, die Fehlerkultur innerhalb der Polizei zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Organisation und Fehlerkultur, die spezifischen strukturellen Defizite innerhalb der Polizei sowie die Möglichkeiten und Grenzen des Transfers neuer Kommunikationsformate auf eine staatliche Institution.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob Fuckup Nights ein geeignetes Instrument zur positiven Beeinflussung der polizeilichen Fehlerkultur darstellen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Anwendung organisationstheoretischer Ansätze (z. B. Neoinstitutionalismus) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition theoretischer Begriffe, die Identifizierung von Wirkfaktoren einer positiven Fehlerkultur, die Vorstellung des Fuckup Nights-Konzepts sowie eine kritische Analyse der aktuellen Defizite in der polizeilichen Kultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Fehlerkultur, Polizeiarbeit, Organisationskultur, Führung, Scheitern und Fehlermanagement.
Warum ist das Legalitätsprinzip für die Fehlerkultur relevant?
Das Legalitätsprinzip verpflichtet die Polizei zum Einschreiten bei Straftaten. Dies führt oft zu einer Angst vor Disziplinarmaßnahmen, was wiederum das Verschweigen von Fehlern begünstigt, anstatt eine offene Lernkultur zu fördern.
Warum können Polizeibeamte Fehler nicht genauso offen thematisieren wie Startups?
Im Gegensatz zu Startups steht die Polizei unter einer hohen öffentlichen Beobachtung und muss eine Autorität wahren. Politische und mediale Prozesse führen bei bekanntgewordenen Fehlern häufig zu Legitimationsverlusten, was ein offenes Scheitern riskanter macht.
Welche Rolle spielen Führungskräfte bei der Etablierung einer positiven Fehlerkultur?
Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion. Sie müssen eine angstfreie Atmosphäre schaffen, in der Fehler als Chance zur Reflexion gesehen werden, statt als reines persönliches Versagen, das sanktioniert werden muss.
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- Ulrike Horn (Author), 2019, Fehlerkultur bei der Polizei. "Fuckup Nights" als positiver Einfluss?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922522