Die Instagram-Nutzung und die psychische Gesundheit der Digital Natives. Eine Darstellung der Auswirkungen


Bachelorarbeit, 2020

122 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen zum Online-Dienst Instagram als Social Media Plattform
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Entwicklung und aktueller Stand
2.3 Funktionen und Aufbau

3 Risiken der Instagram Nutzung aus gesundheitspsychologischer Perspektive
3.1 Depression
3.2 Abhängigkeit
3.3 Cybermobbing

4 Zwischenfazit

5 Aktuelle Präventionsansätze zum riskanten Instagram-Konsum
5.1 Lebenswelt Familie
5.2 Lebenswelt Schule
5.3 Interventionsmöglichkeiten durch das Unternehmen Instagram

6 Methodische Vorgehensweise
6.1 Stichprobe
6.2 Untersuchungsdesign
6.3 Datenaufbereitung

7 Ergebnisse

8 Diskussion

9 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

Die vorliegende Bachelor-Thesis beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie die Generation der Digital Natives vor den gesundheitspsychologischen Risiken der Instagram-Nutzung geschützt werden kann. Dies wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der Familie, der Schule, des Instagram-Nutzers selbst und des Unternehmens Instagram geschildert. Außerdem wird analysiert, wie bekannt aktuell bestehende Präventionsmaßnahmen in der Gesellschaft sind und wie eine bessere Aufklärung erfolgen kann. Im Rahmen einer qualitativen Studie werden mit zwei Lehrern, einem Psychologen, einer Psychologin, zwei Elternteilen und zwei Instagram-Nutzerinnen Experteninterviews durchgeführt. Die Durchführung der Interviews erfolgt online mithilfe der Webseite Questionstar. Für jede Expertengruppe gibt es einen eigenen Interview-Leitfaden. Alle Leitfäden beinhalten die gleichen Kategorien, damit eine Vergleichbarkeit der Interviewdaten gewährleistet ist und anschließend die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt werden kann. Durch die vorliegende qualitative Studie können die aus der Literatur bereits bekannten Präventionsmaßnahmen bestätigt werden und zudem einige neue Vorschläge für Präventionsmaßnahmen und Aufklärungsmöglichkeiten herausgearbeitet werden. Die wichtigste neu gewonnene Erkenntnis ist, dass es bereits einige Präventionsmaßnahmen gibt, deren Existenz jedoch in der Gesellschaft noch nicht ausreichend bekannt ist (Anhang 9). Es ist daher von Relevanz, dass alle Beteiligten über die Risiken und Präventionsmaßnahmen informiert werden, um die Prävention der gesundheitspsychologischen Risiken der Instagram-Nutzung voranzutreiben.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl der Instagram Nutzer nach Altersgruppe und Geschlecht weltweit im Januar

Abbildung 2: Prozessschritte der Datenaufbereitung

Abbildung 3: Kategoriensystem

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ergebnisse des Annual Bullying Surveys 2019 von der Institution Ditch the Label

Tabelle 2: Ergebnisse der Studie vom Pew Research Center 2018

Abkürzungsverzeichnis

App Application

Et al. Et alii (und andere)

FOMO Fear of missing out

JAMA Journal of the American Medical Association

KIM Kinder + Medien, Computer + Internet

Mio. Millionen

n.a. not available

n.d. nicht datiert

RSPH Royal society for public health

RSS Real Simple Syndication

WHO Weltgesundheitsorganisation

Die Thesis hat einen Umfang von 21.204 Wörtern. Grundlage ist der Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten in der Wirtschaftspsychologie in der Version 1.1 vom 01.08.2019

1 Einführung

Im folgenden Kapitel wird Bezug zur Problemstellung sowie zum Ziel und Aufbau der vorliegenden Arbeit genommen.

1.1 Problemstellung

Wer heutzutage durch die Straßen läuft beobachtet häufig Personen, die mit gesenktem Kopf auf ihr Handy starren und ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen (Gabriel & Röhrs, 2017). Diese Menschen werden Smombies genannt. Das Wort ist aus der Kombination der beiden Begriffe Smartphone und Zombie entstanden (Gabriel & Röhrs, 2017). Acht von zehn Menschen in Deutschland nutzen regelmäßig ein Smartphone (Ametsreiter, 2019). Besonders viel Zeit verbringt vor allem die Generation der Digital Natives mit dem Smartphone (Royal Society for public health [RSPH], 2017). Als Digital Natives werden junge Menschen, die mit digitalen Geräten wie Computern oder Handys aufgewachsen sind, bezeichnet (Prensky, 2001). Einen Großteil der Smartphone-Nutzungszeit machen soziale Medien aus (Montag, 2018). Soziale Medien sind heutzutage kein Trend mehr, sondern ein Teil des Lebens fast aller Menschen (RSPH, 2017). Die Kommunikation innerhalb der jungen Generation verläuft vorrangig über Smartphone-Applikationen wie WhatsApp oder Snapchat (DAK-Gesundheit, 2017). Fotos werden nicht mehr gemeinsam im selben Raum angeschaut, sondern auf Instagram geteilt (DAK-Gesundheit, 2017). Im Jahr 2019 nutzten im Durchschnitt 1,62 Milliarden Menschen weltweit täglich einen der Facebook Dienste WhatsApp, Instagram oder Facebook (Facebook, 2019). Die Nutzung von sozialen Medien ist aktuell eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (Stiftung für Zukunftsfragen, 2018).

Soziale Medien dienen der Unterhaltung und Freizeitgestaltung (Gabriel & Röhrs, 2017). Für viele bedeutet dies einen Ausgleich zum stressigen Alltag. Jedoch kann die Nutzung von sozialen Medien schnell in die Sucht führen und sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken (Gabriel & Röhrs, 2017). Der Fokus in dieser Bachelor-Thesis liegt auf der riskanten Nutzung der Plattform Instagram. Die App (Applikation) zeigt im Netz eine scheinbar perfekte Welt, in der es keine Probleme gibt und alle glücklich sind (RSPH, 2017). Die dort präsentierten Bilder sind meist bearbeitet und perfekt in Szene gesetzt. Von Tiefpunkten oder negativen Erlebnissen wird selten berichtet. Diese scheinbar perfekte Welt kann vor allem bei jungen Menschen zu Selbstzweifeln und einer verzerrten Selbstwahrnehmung führen (RSPH, 2017).

1.2 Zielsetzung

In der wissenschaftlichen Literatur können bereits einige Studien den Zusammenhang von sozialen Medien und deren negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit belegen (Gabriel & Röhrs, 2017). Es ist von hoher Bedeutung den negativen Folgen entgegenzuwirken und herauszufinden, wie die Digital Natives entsprechend geschützt werden können. Das Ziel der vorliegenden Bachelor-Thesis ist es, aufzuzeigen welche Präventionsmaßnahmen die Instagram-Nutzer und Instagram-Nutzerinnen selbst, die Eltern, die Schule und das Unternehmen Instagram durchführen können. Um einen wissenschaftlichen Beitrag zur aktuellen Forschung zu leisten, wird im Rahmen dieser Arbeit außerdem erforscht wie präsent die bestehenden Präventionsansätze in der Gesellschaft sind und wie die Bekanntheit dieser erhöht werden kann, um einen höheren Wirkungseffekt zu erzielen.

1.3 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2.1 der vorliegenden Arbeit werden grundlegende Begriffe zum Thema Instagram und soziale Medien definiert. In den Kapiteln 2.2 und 2.3 wird darüber informiert, wie Instagram entstanden ist und welche die wesentlichen Funktionen sind. Im dritten Kapitel werden die Risiken der Instagram-Nutzung aus gesundheitspsychologischer Perspektive dargestellt. Daraufhin erfolgt mit Kapitel 4 ein Zwischenfazit, in dem die bisherigen Kernpunkte zusammengefasst und entsprechende Forschungsfragen abgeleitet werden. Anschließend werden in Kapitel 5 die aktuellen Präventionsansätze zum riskanten Instagram-Konsum aus der Perspektive der Eltern, der Lehrkräfte und des Unternehmens Instagram erläutert. Im Anschluss erfolgt in Kapitel 6 der Methodenausweis, in dem auf die Stichprobe, das Untersuchungsdesign, die Untersuchungsdurchführung und die Datenaufbereitung eingegangen wird. Im Rahmen einer eigenen Forschung werden qualitative Experteninterviews durchgeführt, um herauszufinden welche Präventionsmaßnahmen bereits präsent sind, wo Aufklärungsbedarf besteht und wer was genau tun kann, um die Jugendlichen zu schützen. Im anschließenden Kapitel Ergebnisse werden alle erhobenen Daten der Interviews zusammengefasst. Danach erfolgt die Diskussion. In diesem Kapitel werden die Forschungsergebnisse im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring analysiert und interpretiert. Das Fazit bildet gemeinsam mit dem Ausblick in die Zukunft das letzte Kapitel der vorliegenden Bachelor-Thesis.

2 Grundlagen zum Online-Dienst Instagram als Social Media Plattform

In den folgenden Ausführungen werden grundlegende Begriffe wie soziale Medien und soziale Netzwerke definiert. Anschließend wird die Plattform Instagram, die den Hauptfokus dieser Arbeit darstellt, näher erläutert. In Kapitel 2.2 wird über die Entstehung von Instagram berichtet. Außerdem werden die Entwicklung der Nutzerzahlen nach Altersgruppe und Geschlecht sowie die Entwicklung der Instagram-Funktionen dargestellt. In Kapitel 2.3 werden die aktuell wichtigsten Instagram-Funktionen sowie der Aufbau der App genau erläutert.

2.1 Begriffsbestimmungen

Die Autoren Gabriel und Röhrs (2017) definieren soziale Medien als digitale Medien und Technologien, die einen Austausch von medialen Inhalten im Internet ermöglichen. Ein soziales Netzwerk wird als gemeinschaftliches Netzwerk im Internet bezeichnet, bei dem Menschen miteinander kommunizieren können (Gabriel & Röhrs, 2017). Soziale Netzwerke sind eine Untergruppe der sozialen Medien (Schmidt & Taddicken, 2017). Das zentrale Element ist das eigens selbsterstellte Profil des Users (Puhm & Strizek, 2017). Soziale Netzwerkseiten bieten eine einfache Möglichkeit, um sich mit anderen Menschen zu vernetzen und grundlegende Bedürfnisse wie Zugehörigkeit, Anerkennung oder Selbstdarstellung zu befriedigen (Puhm & Strizek, 2017). Sowohl soziale Medien als auch soziale Netzwerke sind computergestützte Systeme im Internet, die von Menschen und Algorithmen gesteuert werden (Gabriel & Röhrs, 2017). Der Fokus in dieser Bachelor-Thesis liegt auf dem sozialen Netzwerk Instagram, das im nachfolgenden Abschnitt genauer definiert wird.

Das soziale Netzwerk Instagram beruht auf dem Motto „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ und wird von inzwischen Millionen Nutzern zur Präsentation von häufig qualitativ hochwertigen Fotos privat und zunehmend auch geschäftlich genutzt (Gabriel & Röhrs, 2017). Es handelt sich um eine kostenlose Foto- und Video-Sharing-Applikation, mit der Nutzer Fotos und Videos bearbeiten und mit ihrer Community teilen können (Kobilke, 2014). Instagram ist zugleich mobile, soziale und visuelle Kommunikation und verdeutlicht, wie stark sich das Kommunikationsverhalten der Menschen in den letzten Jahren geändert hat (Kobilke, 2019). Die Mission von Instagram lautet „Fang den Augenblick ein und teile ihn mit anderen auf der ganzen Welt“ (Kobilke, 2014). Die App ermöglicht es mit Usern auf der ganzen Welt zu kommunizieren und gleichzeitig in fremde Kulturen einzutauchen. Besonders beliebt wurde das soziale Netzwerk durch die Retro- und Vintage-Foto-Filter. Diese ermöglichen es den Nutzern ihre Bilder derart zu bearbeiten, dass sie aussehen als wären sie vor vielen Jahren mit einer analogen Kamera aufgenommen worden, z. B. in Schwarz-Weiß oder in 70-er-Jahre-Optik. Von den Gründern bewusst gewählt sind außerdem das bekannte Instagram App Icon und das quadratische Format der Bilder. Dies soll die Nutzer an die Kodak Instamatic und an Polaroid Kameras erinnern. Die Gründer verbinden ihre App somit mit Nostalgie und modernster neuer Technik. Instagram ist mittlerweile nicht nur eine App mit integrierter Bildbearbeitung, sondern eines der größten sozialen Netzwerke weltweit. Das Besondere an der App ist die geringe Komplexität und die unkomplizierte Bedienung. Jeder Nutzer kann auch ohne professionelle Foto-Ausrüstung besonders einfach und schnell Fotos bearbeiten und hochladen. Instagram dient als Plattform um sich selbst auszudrücken und andere Nutzer am eigenen Leben teilhaben zu lassen. Die riesigen Mengen an Fotos und Videos sind eine Inspirationsquelle für viele Menschen (Kobilke, 2014).

2.2 Entwicklung und aktueller Stand

Instagram wurde am 6. Oktober 2010 von den US-Amerikanern Kevin Systrom und Mike Krieger gegründet (Kobilke, 2014). Kevin Systrom arbeitete damals als Produktmanager bei einem Internetdienst für Reiseempfehlungen und entwickelte in seiner Freizeit die App Burbn. Zusammen mit dem Co-Gründer Mike Krieger analysierte er das Nutzungsverhalten der Burbn App. Schnell wurde den beiden Gründern bewusst, dass die beliebteste Funktion das öffentliche Teilen von Fotos war und die anderen Funktionen kaum genutzt wurden. Daraus entstand die Idee, eine App zu entwickeln die sich nur auf Fotos konzentriert. Die wesentlichen Funktionen sollten das Hochladen sowie das Bearbeiten, Kommentieren und Liken von Bildern sein. So entstand aus Burbn Instagram. Der neue Name Instagram ist aus den beiden Wörtern instant camera (Sofortbildkamera) und telegram (Telegramm) entstanden. Der Name verdeutlicht, worum es bei Instagram geht: das sofortige Teilen von Fotos von überall auf der Welt (Kobilke, 2014).

In den ersten Stunden nach Veröffentlichung von Instagram stieg die Nutzerzahl bereits auf über 10.000 (Kobilke, 2014). Nach einer Woche waren es schon 200.000 und nach drei weiteren Monaten eine Million. Im Jahr 2012 wurde Instagram von Facebook für eine Milliarde USD gekauft (Kobilke, 2014). Heutzutage, im Jahr 2020, kann Instagram eine weltweite monatliche Nutzerzahl von mehr als eine Milliarde aufweisen (Instagram, 2020 b). Davon sind 21,16 Mio. Nutzer und Nutzerinnen aus Deutschland (NapoleonCat, 2020).

Die Nutzungsintensität von sozialen Medien ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen (Hopkins, 2019). Verbrachten im Jahr 2012 die Menschen noch 1, 5 Stunden pro Tag in den sozialen Medien, waren es in 2019 bereits 2 Stunden und 24 Minuten (Hopkins, 2019). In der nachfolgenden Grafik wird die Anzahl der Instagram Nutzer bzw. Instagram-Nutzerinnen nach Altersgruppe und Geschlecht weltweit im Januar 2020 dargestellt. Die größte Nutzergruppe bilden die 25-34-Jährigen, dicht gefolgt von den 18-24-Jährigen (Rabe, 2020). Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass der Anteil von Frauen und Männern nahezu ausgeglichen ist. Die beiden kleinsten Nutzergruppen sind die 55-64-Jährigen und die über 65-Jährigen (Rabe, 2020).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Anzahl der Instagram Nutzer nach Altersgruppe und Geschlecht weltweit im Januar 2020 (Rabe, 2020)

Die Autorin Kristina Kobilke (2019) vermutet, dass sich in Zukunft auch die älteren Generationen verstärkt in sozialen Netzwerken aufhalten werden. In der Altersgruppe der 14-29-Jährigen nutzt jeder zweite Instagram täglich. Die wöchentliche Nutzung der 30-49-Jährigen ist von 2017 auf 2018 von 6 % auf 13 % gestiegen. 18-34-Jährige rufen die App durchschnittlich 19-mal am Tag auf (Kobilke, 2019). Bei der Umfrage Project Instagram aus November 2018, von dem internationalen Marktforschungsinstitut Ipsos, geben 57 % der Befragten an, dass sie die App noch intensiver nutzen als im Vorjahr (Facebook, 2018). 44 % äußern die Vermutung, dass sie Instagram in der Zukunft noch häufiger nutzen werden. Außerdem geben weltweit 64 % der 18-24-Jährigen, 49 % der 25-34-Jährigen und 35 % der 35-44-Jährigen an Instagram täglich zu nutzen. Diese Zahlen verdeutlichen den Stellenwert der App im alltäglichen Leben der heutigen Gesellschaft (Facebook, 2018).

Zu Beginn war Instagram vor allem für Privatpersonen interessant (Bettendorf, 2019). In den letzten Jahren rückte die Plattform jedoch mehr und mehr in das Interesse von Unternehmen. Sogenannte Influencer sind aktuell verstärkt in den sozialen Medien präsent und verdienen mit dieser Präsenz ihren Lebensunterhalt. Sie werben in ihrem Account für verschiedene Produkte und werden dafür von der jeweiligen Marke bezahlt. Ab einer Follower-Anzahl von 10.000 können sie ihren Account in einen Business Account umwandeln lassen. In ihrem Profil erscheint dann ein blauer Haken, der die Echtheit der Person gewährleistet (Bettendorf, 2019). Im Jahr 2017 gab es 15 Mio. Unternehmen die Instagram nutzen (Firsching, 2019). Im Jahr 2019 waren es bereits 25 Mio. Täglich besuchen ca. 200 Mio. Nutzer und Nutzerinnen ein Unternehmensprofil auf Instagram (Firsching, 2019). Instagram ist aktuell unter den Top 5 der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke weltweit und beliebter denn je (Kobilke, 2019).

In den folgenden Ausführungen wird auf die Entwicklung der Instagram-Funktionen eingegangen. Kurz nach der Übernahme von Facebook im Jahr 2012 wurde die Video-Funktion eingeführt (Kobilke, 2014). Diese ermöglicht die Aufnahme von 15-sekündigen quadratischen Videos, die mit Effekten versehen werden können. Im Juni 2014 erschienen einige neue, hochwertige Bildbearbeitungsfunktionen wie z. B. Kontrast, Schatten oder Schärfe (Kobilke, 2014). Außerdem wurden fünf neue Foto-Filter veröffentlicht (Instagram, 2014). Da sich die Trends in der Fotografie und auch die Kameraqualitäten der Smartphones in den letzten Jahren immer weiter verbessert haben, müssen auch neue Filter generiert werden (Instagram, 2014). Zwei Jahre später wurden die Instagram Stories veröffentlicht (Instagram, 2016). Diese neue Funktion ermöglicht es den Nutzern und Nutzerinnen, Fotos und Videos hochzuladen, die nach 24 Stunden automatisch wieder verschwinden (Instagram, 2016). In Kapitel 2.3 wird diese Funktion näher erläutert.

2.3 Funktionen und Aufbau

Die App Instagram besteht grundsätzlich aus fünf Reitern am unteren Bildschirmrand (Kobilke, 2014). Ganz rechts befindet sich das eigene Profil (Kobilke, 2014). Dieses bildet die Basis für alle Aktivitäten und ist Voraussetzung um mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten (Kobilke, 2019). Im Profil werden Angaben zur eigenen Person hinterlegt wie z. B. Interessen, Fotos oder Kontaktinformationen (Kobilke, 2019). Nutzer und Nutzerinnen definieren auf diesem Weg ihre soziale Identität und drücken mit der Gestaltung ihres Profils ihre gewünschte Selbstdarstellung aus (Oberst, Renau, Chamarro, & Carbonell, 2016). Von dem Profil ausgehend, werden soziale Beziehungen aufgebaut (BVDW, 2016). Nutzer und Nutzerinnen können Kontakte als Freunde bestätigen, selbst hinzufügen oder ablehnen. Mittels Text-, Bild- oder Videodateien können täglich Neuigkeiten im bestehenden Kontaktkreis ausgetauscht werden (BVDW, 2016).

Der Kern von Instagram ist das Aufnehmen, Verändern und Teilen von interessanten Fotos (Kobilke, 2014). Mit der Kamera, die sich in der Mitte der Navigation befindet, kann der Nutzer bzw. die Nutzerin neue Fotos oder Videos aufnehmen sowie bereits bestehende Fotos aus der eigenen Bibliothek des Smartphones hochladen. Sobald ein Foto über die App aufgenommen wird, gelangt der Nutzer bzw. die Nutzerin automatisch in die Filter Ansicht. Hier kann der gewünschte Filter ausgewählt werden und das Foto entsprechend bearbeitet werden. Nachdem das Foto nach den eigenen Wünschen bearbeitet ist, erfolgt die Wahl der Bildunterschrift. Hier besteht z. B. die Möglichkeit eine Geschichte zu dem Bild zu erzählen, den Ort zu erwähnen an dem das Bild aufgenommen wurde oder das Bild mit Hashtags zu versehen. Im Jahr 2014 enthielten 83 % der Instagram-Beiträge einen Hashtag. Durch die Verwendung des Hashtags wird der jeweilige Beitrag in eine bestimmte Kategorie eingeordnet (Kobilke, 2014). Die beliebtesten Hashtags weltweit zum Stand Juni 2019 waren #fashion mit 460.850 Posts und #love mit 363.320 Posts (Rabe, 2019). Wenn eine Person z. B. nach dem Hashtag „love“ sucht, werden ihr alle Fotos, Videos oder Texte angezeigt, die mit diesem Hashtag markiert sind (Kobilke, 2014). Die selbst erstellten Texte, Bilder und Videos können im Anschluss mit dem Smartphone veröffentlicht werden. Diese werden im eigenen Profil chronologisch gespeichert und sind dauerhaft auffindbar (Kobilke, 2014). Durch die Nutzungseinstellungen können User selbst entscheiden, wer ihre Beiträge sehen darf und wer nicht (Schmidt & Taddicken, 2017). Sie können ihre erstellten Inhalte z. B. nur für die eigenen bestätigten Kontakte zugänglich machen oder für alle (Schmidt & Taddicken, 2017).

Links neben dem Kamera-Reiter befindet sich der Newsfeed (Kobilke, 2014). Mithilfe eines Algorithmus analysiert Instagram das Verhalten der Nutzer und Nutzerinnen und erkennt auf diese Weise, welche Beiträge der Person gefallen könnten. Außerdem analysiert das soziale Netzwerk welche Accounts die Person bisher geliked hat oder mit wem sie kommuniziert hat (Bettendorf, 2019). Instagram zeigt anschließend individuelle auf den Nutzer bzw. die Nutzerin abgestimmte Beiträge an (Bettendorf, 2019). Auf der Startseite (ganz links in der Navigation) werden automatisch alle Fotos und Videos angezeigt, die kürzlich von Personen erstellt wurden, denen man selbst folgt (Kobilke, 2014). Das Abonnieren von anderen Usern ist eine wichtige Funktion bei Instagram (Schmidt & Taddicken, 2017). Sobald sich zwei User wechselseitig als Kontakt bestätigt haben, bekommen Sie automatisch die Profil-Aktualisierungen des jeweils anderen mitgeteilt. Durch die RSS (Real Simple Syndication) -Technologie gibt es ein sogenanntes Feed Readern. Dies ermöglicht es Usern alle neuen Beiträge von anderen Personen in einem einzigen Feed angezeigt zu bekommen. Es muss also nicht jede einzelne Seite nach Aktualisierungen überprüft werden. Die Funktion des Abonnierens dient hauptsächlich dazu einen personalisierten Informationsüberblick zu bekommen und immer auf dem aktuellen Stand zu sein (Schmidt & Taddicken, 2017). Über das Herz Symbol in der Navigationsleiste kann sich der Nutzer bzw. die Nutzerin alle aktuellen Likes und Kommentare zu den eigenen Beiträgen anschauen (Kobilke, 2014).

Eine weitere Funktion ist Instagram Direct (Instagram, 2020a). Diese Funktion ermöglicht eine direkte Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Nutzern. Es können Nachrichten, Fotos oder Videos untereinander ausgetauscht werden. Diese Beiträge werden nur im jeweiligen Chat-Verlauf angezeigt und nicht im öffentlichen Profil (Instagram, 2020a). Um mit anderen Instagram Nutzern zu interagieren, können auch öffentlich Likes oder Kommentare bei anderen Bildern erstellt werden. Um ein Bild zu liken, muss die Person nur auf das Herz unter dem Bild klicken. Ein Kommentar kann über die Sprechblase hinzugefügt werden. Über das @ Zeichen können in den Kommentaren andere Nutzer direkt angesprochen werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, andere Beiträge zu kommentieren (Instagram, 2020a). Auch hier gibt es Einstellungsmöglichkeiten (Schmidt & Taddicken, 2017). Es kann z. B. eingestellt werden, ob die Kommentare unter einem Bild direkt veröffentlicht werden oder ob diese vorher durch eine Prüfinstanz geprüft werden sollen (Schmidt & Taddicken, 2017).

Im Jahr 2018 erarbeiteten Ranadive und Ginsberg, in Zusammenarbeit mit führenden Experten und Organisationen für psychische Gesundheit, diverse neue Tools, um den Nutzern zu helfen, ihre verbrachte Zeit in den sozialen Medien besser kontrollieren zu können. Die beiden Manager betonten, dass die Zeit, die auf Instagram verbracht wird, bewusst, positiv und inspirierend sein solle. Die neuen Tools sollen außerdem dazu führen, dass Eltern mit ihren Kindern mehr über die eigene Instagram-Nutzung sprechen werden (Ranadive & Ginsberg, 2018). Es ist z. B. möglich, sich die tägliche Nutzungszeit in der App anzeigen zu lassen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, durch eine Mitteilung gewarnt zu werden, wenn die tägliche eingestellte Nutzungsdauer überschritten ist. Push-Benachrichtigungen lassen sich abstellen, sodass das Handy nicht ständig vibriert. Dies kann Nutzern dabei helfen, sich auf wichtige Dinge zu konzentrieren und nicht ständig durch das Vibrieren des Handys abgelenkt zu werden (Ranadive & Ginsberg, 2018).

Ein großer Erfolgsfaktor von Instagram sind die Instagram Stories (Bettendorf, 2019). Diese können unterschiedlich gestaltet werden (Kobilke, 2019). Nutzer haben die Möglichkeit Texte, Fotos, Videos oder Live-Videos hochzuladen und diese z. B. mit Hashtags, verschiedenen Stickern oder Emojis zu gestalten (Kobilke, 2019). Es gibt außerdem die Möglichkeit, innerhalb der Stories bestimmte Hashtags oder Orte auszuwählen bzw. zu markieren. Damit können Nutzer die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Beiträge gesehen werden, erhöhen. Videos, die in der Story hochgeladen werden, werden grundsätzlich in 15-Sekunden-Sequenzen gespeichert und hochgeladen. Es können außerdem bis zu 10 Nutzer in einer Story markiert werden (Kobilke, 2019). Die hochgeladenen Dateien werden als eine Art Geschichte zusammengefügt und wie in einer Diashow chronologisch abgespielt. Instagram Stories können grundsätzlich öffentlich oder auch nur privat mit einzelnen Nutzern geteilt werden. Jede einzelne Story ist nur für 24 Stunden online und verschwindet danach automatisch wieder. Eine Ausnahme bildet die Highlight-Story, diese kann dauerhaft im Profil des Nutzers gespeichert werden. Je häufiger eine Person eine Story hoch lädt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Story bei den jeweiligen Followern ganz vorne im Home Feed angezeigt wird. In der Profilansicht wird durch eine farbige Umrandung des Profilbilds signalisiert, dass die Person kürzlich eine Story online gestellt hat (Kobilke, 2019).

3 Risiken der Instagram Nutzung aus gesundheitspsychologischer Perspektive

In diesem Kapitel werden die möglichen negativen Auswirkungen der Instagram-Nutzung auf die psychische Gesundheit der Digital Natives untersucht. Da es zahlreiche verschiedene Risiken gibt, beschränkt sich diese Arbeit auf drei mögliche gesundheitspsychologische Risiken: die Depression, die Sucht und das Cybermobbing. In den nachfolgenden Unterkapiteln werden die genannten Begriffe definiert. Anschließend wird der Zusammenhang der jeweiligen Risiken zur Instagram-Nutzung aufgezeigt. Hierzu werden verschiedene aktuelle Studien erläutert und der aktuelle Forschungsstand zu diesem Thema zusammengefasst.

3.1 Depression

Der Begriff Depression wird von der Weltgesundheitsorganisation als weltweit verbreitete psychische Störung definiert (Weltgesundheitsorganisation [WHO]-Regionalbüro für Europa, n.d.). Diese äußert sich z. B. durch Traurigkeit, Interesselosigkeit, ein geringes Selbstwertgefühl, Appetitlosigkeit oder Konzentrationsschwächen (WHO-Regionalbüro für Europa, n.d.). Laut der deutschen Stiftung für Depressionshilfe (n.d.) beeinflusst eine Depression das Denken, Fühlen und Handeln des Betroffenen. Betroffene leiden häufig unter Antriebslosigkeit und können sich kaum aus ihren negativen Gedanken befreien. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Krankheit, die mehr als nur eine vorübergehende depressive Phase ist (Stiftung Deutsche Depressionshilfe, n.d.). Die Krankheit dauert meist über einen längeren Zeitraum an und kann immer wieder neu auftreten (WHO-Regionalbüro für Europa, n.d.). Oft tritt auch der Fall ein, dass eine Depression die Arbeitsfähigkeit einschränkt. Es gibt sowohl leichte als auch schwere Formen von Depressionen. Bei einer schweren Depression sind Medikamente sowie eine professionelle Gesprächstherapie notwendig. Depressionen betreffen oft junge Menschen und häufiger Frauen als Männer. Die schlimmste Folge dieser Krankheit ist der Suizid (WHO-Regionalbüro für Europa, n.d.).

Laut der WHO haben 10-20 % der Kinder und Jugendlichen weltweit psychische Probleme (Mental Health Foundation, 2016). Die häufigsten psychischen Beschwerden sind Angstzustände und Depressionen (Mental Health Foundation, 2016). Nach der Royal Society for Public Health, ist in den letzten 25 Jahren die Verbreitung von Angst und Depressionen bei jungen Menschen um 70 % gestiegen (Royal Society for Public Health [RSPH], 2017). Depressionen und Angst können negative Auswirkungen auf schulische Leistungen und soziale Beziehungen haben und verstärken außerdem das Risiko für Drogenmissbrauch und Suizid (Copeland, Angold, Shanahan, & Costello, 2014; Gore et al., 2011; Hetrick, Cox, Witt, Bir, & Merry, 2016). Psychologen und andere Experten warnten in der Vergangenheit bereits vor den negativen gesundheitspsychologischen Auswirkungen von sozialen Medien (Greenfield, 2014; Twenge, 2006). In den folgenden Ausführungen werden die aktuellen Studien zum Zusammenhang zwischen der Instagram Nutzung und Depressionen zusammengefasst.

Der aktuelle World Happiness Report belegt in seinen Studien, dass Teenager noch nie so unglücklich waren wie im heutigen digitalen Zeitalter (Twenge, 2019). Dies liegt vor allem an dem permanenten Vergleich mit anderen Nutzern, durch den Jugendliche ihr eigenes Leben als minderwertig betrachten (Twenge, 2019). Täglich werden auf Instagram perfekt bearbeitete Bilder hochgeladen, die die Nutzer in ihrem besten Licht darstellen (RSPH, 2017). Mit der Realität hat dies nur wenig zu tun (RSPH, 2017). Wie in der sozialen Vergleichstheorie von Festinger (1954) beschrieben, neigen Menschen dazu sich mit anderen Menschen zu vergleichen. Dies kann auf zwei unterschiedliche Arten erfolgen. Es gibt Aufwärts- und Abwärtsvergleiche (Festinger, 1954). Bei einem Aufwärtsvergleich vergleicht sich eine Person mit einer anderen Person, die z. B. einen höheren sozialen Status hat oder besser aussieht (Tesser, Millar & Moore, 1988). Aufwärtsvergleiche können häufig zu einem verringerten Selbstwertgefühl und einem verringerten psychologischen Wohlbefinden führen (Tesser, Millar & Moore, 1988). Bei Abwärtsvergleichen hingegen, wird ein Vergleich zu einer Person mit einem geringeren sozialen Status bzw. einem weniger attraktiverem Aussehen als dem eigenen durchgeführt (Wills, 1981). Diese Art von Vergleich kann das Selbstwertgefühl stärken (Wills, 1981). Die starke Verbreitung manipulierter Beiträge in sozialen Netzwerken hat dazu geführt, dass es fast nur noch Aufwärtsvergleiche gibt und die Nutzer dazu geführt werden, ein falsches Selbstbild zu haben (Liu et al., 2017). Durch die Nutzung sozialer Medien wird vielen Menschen erst bewusst, wie stark sich ihr eigenes Leben von dem Leben ihrer Freunde oder Bekannten unterscheidet (RSPH, 2017). Jugendliche sind darauf konditioniert das vermittelte Schönheitsideal zu adaptieren (Stein, Krause & Ohler, 2019). Die Forschungsergebnisse der RSPH (2017) belegen, dass der ständige Vergleich auf Instagram zu unrealistischen Erwartungen an sich selbst, Selbstzweifeln, einer Unsicherheit für den eigenen Körper und Angstgefühlen führen kann. Außerdem belegt die RSPH (2017), dass die Menschen nach der Nutzung von sozialen Medien eher nach Möglichkeiten suchen, um ihren eigenen Körper zu optimieren, als vorher.

Im Rahmen der Studie #Statusofmind der RSPH (2017) werden die positiven und negativen Auswirkungen von sozialen Medien auf die Gesundheit junger Menschen zwischen 14 und 24 Jahren untersucht. Die Forscher und Wissenschaftler dieser Studie belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und der Nutzung von sozialen Medien gibt (RSPH, 2017). Bestätigt wird dieser Zusammenhang ebenfalls von McCrae, Gettings und Purssell (2017), der Studie von Tsitsika et al. (2014) sowie der Studie von JAMA (Journal of the American Medical Association) (Boers, Afzali, Newton & Conrod, 2019). Oft fühlen sich Betroffene wertlos und haben Suizidgedanken (Rößner, 2019). Durch die Algorithmen in den sozialen Medien sind die Jugendlichen einer verzerrten Wahrnehmung ausgesetzt und werden kontinuierlich mit individuell angepassten Inhalten konfrontiert, die ihre depressiven Symptome weiter verstärken (Rößner, 2019). Die Studie von Stein et al. (2019) kann ebenfalls nachweisen, dass häufiger Konsum von sozialen Medien das eigene Selbstwertgefühl, die Zufriedenheit und das generelle psychologische Wohlbefinden verschlechtern kann. Es gibt bereits einige Studien, die den Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und Depressionen untersucht haben. Jedoch konzentrieren sich die meisten Studien auf Facebook oder generell auf soziale Netzwerke. Über die Instagram-Nutzung gibt es nur wenige Studien.

Die Studie von Sherlock & Wagstaff im Jahr 2019 untersucht den Zusammenhang zwischen der Instagram Nutzung und dem psychologischen Wohlbefinden von Frauen zwischen 18 und 35 Jahren. Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass die Häufigkeit der Nutzung von Instagram mit depressiven Symptomen zusammenhängt (Sherlock & Wagstaff, 2019). Es ist plausibel, dass gerade der visuelle Kontext, der auf Instagram geboten wird, die Nutzer dazu veranlassen kann, soziale Vergleiche durchzuführen, die wiederum zu negativen psychischen Konsequenzen führen können (Lup, Trub, & Rosenthal, 2015). Visuelle Informationen können grundsätzlich besser erinnert werden als schriftliche Informationen (Noldy, Stelmack, & Campbell, 1990). Da die Hauptfunktion von Instagram das Teilen von Fotos und Videos ist, also eine rein visuelle Funktion, kann Instagram schädlicher sein als andere soziale Netzwerke, die nicht derart visuell geprägt sind und sich auf geschriebene Texte fokussieren (Lup et al., 2015). Die Autoren Lup et al. (2015) stellen fest, dass häufigere Instagram Nutzung marginal positiv verbunden ist mit depressiven Symptomen. Instagram hat einen indirekten Effekt auf Depressionen, bestimmt durch diverse Einflussfaktoren auf die in den nachfolgenden Ausführungen eingegangen wird.

Grundsätzlich lässt sich der Effekt der Instagram Nutzung auf Depressionen durch folgende Faktoren beeinflussen: die Art und Dauer der Nutzung, die Charakterzüge bzw. Vorerfahrungen sowie demografischen Daten der Nutzer und die Anzahl und Art der Personen denen der Nutzer bzw. die Nutzerin folgt (Lup et al., 2015; Burke, Kraut & Marlow, 2011; Neira & Barber, 2014; Lee, Ahn & Kim, 2014; Wu, Chang & Yuan, 2015; Chou & Edge, 2012).

Der erste Faktor auf den im Nachfolgenden eingegangen wird, ist die Nutzungsdauer von Instagram. Die Studie Instagram #Instasad? von Lup et al. (2015) kann nachweisen, dass eine höhere Nutzungsdauer von Instagram zu einer höheren Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Depressionssymptomen führt. Die Studie von Kelly, Zilanawala, Booker & Sacker (2018) belegt zudem, dass der Zusammenhang zwischen der Nutzungsdauer sozialer Medien und depressiven Symptomen bei Frauen größer ist als bei Männern. Bei Frauen kann eine höhere tägliche Stundenzahl in sozialen Medien mit einer schrittweisen Zunahme depressiver Symptome festgestellt werden (Kelly et al., 2018). Beispielsweise steigt bei einem Anstieg der täglichen Nutzungsdauer auf mehr als fünf Stunden bei Frauen das Risiko für eine Depression um 50 % und bei Männern nur um 35 % (Kelly et al., 2018). Bei einer Studie der Universität Pennsylvania belegen Wissenschaftler, dass die Limitierung der täglichen Nutzungsdauer von sozialen Medien auf 10 Minuten für drei Wochen lang das eigene Wohlbefinden steigern kann (Hunt, Marx, Lipson & Young, 2018). Forschungsteilnehmer dieser Studie berichten, dass es sich gut angefühlt habe, das eigene Leben nicht ständig mit anderen zu vergleichen und sie haben sich während der Testwochen deutlich wohler gefühlt (Hunt et al., 2018). Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Begrenzung der Nutzung von sozialen Medien auf etwa 30 Minuten pro Tag zu einer signifikanten Verbesserung des Wohlbefindens führen kann (Hunt et al., 2018).

Im Rahmen einer Studie der Pennsylvania Universität wurden 143 Studenten ausgewählt, um an einer experimentellen Studie zur Nutzung sozialer Medien teilzunehmen (Hunt et al., 2018). Es wurden zwei Gruppen gebildet. Die eine Gruppe reduzierte ihre tägliche Nutzungsdauer auf 10 Minuten und die andere nutzte die sozialen Netzwerke deutlich länger. Die Gruppe mit eingeschränkter Anwendung zeigte eine signifikante Verringerung der Einsamkeit und Depressionen über drei Wochen im Vergleich zur Kontrollgruppe (Hunt et al. 2018). Eine stärkere Nutzung von sozialen Medien steht außerdem in Zusammenhang mit wenigem Schlaf sowie der Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen (Hunt et al., 2018). Die Forscher Kelly et al. (2018) weisen nach, dass eine stärkere Nutzung sozialer Medien zu Beginn der Teenagerzeit mehrere Jahre später, zu einem schlechteren psychischen Wohlbefinden führen kann. Bei der Studie der Universität Pittsburgh kann ebenfalls ein Zusammenhang zwischen sozialen Medien und einer Tendenz zur Depression in Abhängigkeit der Nutzungsdauer gefunden werden (University of Pittsburgh Schools of the Health Sciences, 2016). Nutzer, die ihr eigenes Profil häufig prüfen, haben eine 2,7-mal höheres Risiko an einer Depression zu erkranken als Nutzer die nur gelegentlich ihr Profil überprüfen (University of Pittsburgh Schools of the Health Sciences, 2016). Laut der RSPH (2017) ist eine tägliche Überschreitung der Nutzungsdauer von zwei Stunden ein höheres Risiko für gesundheitsschädliche Folgen.

Nicht nur die Nutzungsdauer ist ein entscheidender Einflussfaktor, sondern auch die Art der Instagram Nutzung (Lup et al., 2015; Burke, Kraut & Marlow, 2011; Neira & Barber, 2014; Lee, Ahn & Kim, 2014; Wu, Chang & Yuan, 2015; Chou & Edge, 2012). Es gibt drei verschiedenen Arten auf die soziale Netzwerke konsumiert werden können: passiv, aktiv und interaktiv (Burke et al., 2011). Die Studie von Greven Medien (2018) belegt, dass 72 % aller Nutzer Instagram hauptsächlich passiv nutzen. Dies bedeutet, dass vorrangig die Beiträge anderer Nutzer konsumiert werden und keine eigenen Beiträge hochgeladen werden. Die Nutzer lassen sich lieber inspirieren, als selber kreativ zu werden (Greven Medien, 2018). Eine passive Nutzung kann sich schädlich auf die psychische Gesundheit auswirken, da die Menschen sich von ihrer besten Seite auf Instagram zeigen und sich andere Nutzer mit diesem perfekten Bild vergleichen (Fardouly & Vartanian, 2015). Außerdem kann passiver Instagram-Konsum zu einem Anstieg an Depressionen bei Jugendlichen führen (Frison & Eggermont, 2017). Die Studien von Burke, Marlow und Lento (2010) sowie von Verduyn et al. (2015) können ebenfalls belegen, dass passive Nutzung zu höherer Einsamkeit und einem geringeren Wohlbefinden führen kann. Bei der aktiven Nutzung werden eigene Beiträge wie z. B. Fotos oder Videos hochgeladen (Burke et al., 2011). Die interaktive Kommunikation beinhaltet z. B. das Liken von Fotos (Burke et al., 2011). Sowohl interaktive Kommunikation als auch aktive Nutzung können positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben, da soziale Interaktionen involviert sind (Aubrey & Rill, 2013). Außerdem belegt die Studie von Frison und Eggermont (2017), dass es keine Verbindung zwischen aktiver Instagram Nutzung und Depressionen bei Jugendlichen gibt. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die passive Instagram-Nutzung ein deutlich höheres Risiko für Depressionen zur Folge hat als die aktive und interaktive Nutzung.

Weitere Faktoren, die den Zusammenhang zwischen Depressionen und der Instagram-Nutzung beeinflussen, sind die demografischen Daten, die Charakterzüge sowie die Lebensumstände der jeweiligen Nutzer (Lup et al., 2015; Burke, Kraut & Marlow, 2011; Neira & Barber, 2014; Lee, Ahn & Kim, 2014; Wu, Chang & Yuan, 2015; Chou & Edge, 2012). Die Autoren Neira und Barber (2014) belegen, dass soziale Medien negative Auswirkungen auf weibliche Nutzer haben können und zugleich Positive auf männliche Nutzer. Jeder Mensch nutzt soziale Medien auf eine andere Art und Weise, unterschiedlich lange und unterschiedlich intensiv (Shensa, Sidani, Dew, Escobar-Viera & Primack, 2018). Manche Personen sind emotional mehr involviert als andere. Dies hat unterschiedliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit (Shensa, Sidani, Dew, Escobar-Viera & Primack, 2018). Britische Forscher stellen fest, dass deutlich mehr Frauen durch soziale Medien Depressionen bekommen als Männer (Kelly et al., 2018). Im Rahmen der Studie von Kelly et al. (2018) fühlen sich 50 % von den Frauen und nur 35 % von den Männern unwohl in ihrem Körper. Es stellt sich heraus, dass Frauen mehr Zeit in sozialen Medien verbringen als Männer. Ca. 2/5 der Frauen haben eine tägliche Nutzungsdauer von drei Stunden oder mehr, von den Männern sind es nur 1/5. 10 % der männlichen Nutzer geben an, dass sie soziale Medien gar nicht nutzen, bei den weiblichen Nutzern sind es nur 4 %. Frauen haben gegenüber Männern eher ein geringeres Selbstwertgefühl (12,8 % gegenüber 8,9 %), sind eher mit ihrem Körpergewicht unzufrieden (78,2 % zu 68,3 %) und eher mit ihrem Aussehen unzufrieden (15,4 % zu 11,8 %) (Kelly et al., 2018). Außerdem haben Frauen weniger Schlaf als Männer und vergleichen sich öfters mit anderen Personen (Gibbons & Buunk, 1999). Menschen mit geringer sozialer Unterstützung der Familie oder Freunden sind eher geneigt Depressionen zu bekommen als Menschen mit stabilem sozialen Hintergrund (Klineberg et al., 2006; Maulik, Eaton, & Bradshaw, 2011). Jugendliche, die in Haushalten mit geringem Einkommen leben, nutzen soziale Medien mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr als fünf Stunden täglich (Kelly et al., 2018). Ein weiterer Einflussfaktor sind die persönlichen Lebensumstände (Shensa et al., 2018). Wer seine sozialen Beziehungen vernachlässigt und nur noch in der virtuellen Welt lebt kann leichter Depressionen bekommen (Shensa et al., 2018). Menschen, die sich emotional mehr verbunden zum sozialen Netzwerk fühlen, sind ebenfalls eher anfällig für Depressionen (Pettijohn II, LaPiene, Pettijohn & Horting, 2012).

Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle (Orth, Maes & Schmitt, 2015). Junge Menschen sind besonders sensibel für die Entwicklung eines geringen Selbstwertgefühls (Orth et al., 2015). Jugendliche, die bereits eine schlechte psychische Gesundheit haben, sind eher anfällig eine längere Zeit in sozialen Medien zu verbringen (Kelly et al., 2018). Das Teenageralter ist die Zeit der sozialen Identitätsfindung (Erikson, 1950). Da sie sich selbst noch nicht gut kontrollieren können und anfällig sind in einer Gruppe mitzulaufen, können sie die Risiken der Nutzung nicht einschätzen und haben daher ein höheres Risiko negativen gesundheitspsychologischen Auswirkungen zu unterliegen (Keles, McCrae & Grealish, 2019). In dieser Phase sind Jugendliche oft anfällig für Depressionen oder Angst (Keles et al., 2019). 13 % der europäischen Teenager weisen Symptome von Angst und Depressionen auf (Skrove, Romundstad & Indredavik, 2013).

Soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen hängen auch von den Charakterzügen der Person ab (Lee, Ahn & Kim, 2014; Wu, Chang & Yuan, 2015). Extrovertierte Personen laden öfters Fotos in soziale Netzwerke hoch, schreiben mehr Kommentare und liken öfters andere Fotos als introvertierte Personen (Lee, Ahn & Kim, 2014). Der Autor Yang (2016) vermutet, dass häufiges Posten von Instagram Beiträgen daher kommt, dass die Nutzer Aufmerksamkeit brauchen. Wenn andere Nutzer nicht auf die eigenen Beiträge reagieren, kann dies zu negativer Stimmung bzw. einem Gefühl der Isolation führen (Yang, 2016). Die Studie von Frison & Eggermont (2017) belegt, dass depressive Stimmung zu mehr Instagram Posting führt. Intensives Instagram Posting kann ein möglicher Prädiktor für Depressionen sein. Die Selbstpräsentation auf Instagram kann Jugendliche, die bereits Depressionen haben, anziehen, weil sie nicht nur ihr Image durch eigenes Posting aufbessern können, sondern auch Bestätigung von anderen Nutzern einholen können wie z. B. Likes und Kommentare (Frison & Eggermont, 2017).

Ein weiterer Faktor, der in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt, ist die Art sowie die Anzahl der Nutzer, denen man selbst folgt (Chou & Edge, 2012). Fremden Menschen auf sozialen Netzwerken zu folgen und sich mit ihnen zu vergleichen, kann starke Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden haben. Menschen, die mehr fremden Nutzern folgen als richtigen Freunden, glauben eher, dass das Leben nicht fair ist und andere ein besseres Leben haben (Chou & Edge, 2012). Der negative Vergleich mit anderen Personen in den sozialen Netzwerken kann zu Depressionen führen (Feinstein et al., 2013). Außerdem stellen Lup et al. (2015) heraus, dass die Anzahl der fremden Menschen denen man folgt die depressiven Symptome erhöht. Für Nutzer die nur ihren richtigen Freunden folgen besteht kein gesundheitsschädliches Risiko (Lup et al., 2015).

Dieses Kapitel hat gezeigt, dass eine Depression eine ernst zu nehmende Krankheit ist, die durch den ständigen Vergleich auf Instagram vor allem Teenager betrifft (Twenge, 2019). Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Instagram-Nutzung und Depressionen (RSPH, 2017). Die Folgen einer Depression können im schlimmsten Fall bis zum Suizid gehen und sind daher nicht zu unterschätzen (WHO-Regionalbüro für Europa, n.d.). Jedoch hängt die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken von zahlreichen Einflussfaktoren ab, die berücksichtigt werden müssen (Lup et al., 2015; Burke, Kraut & Marlow, 2011; Neira & Barber, 2014; Lee, Ahn & Kim, 2014; Wu, Chang & Yuan, 2015; Chou & Edge, 2012).

3.2 Abhängigkeit

Abhängigkeit ist eine Krankheit bei der die betroffene Person unter einem starken Verlangen nach einer bestimmten Substanz oder einem bestimmten Verhalten leidet (Gesundheitsberichterstattung des Bundes, 2003). Abhängige haben ständig das Bedürfnis, sich ihrer Sucht hinzugeben und Entzugserscheinungen wie z. B. Angstzustände zu vermeiden. Laut der WHO ist bei einer Abhängigkeit das eigene Verhalten nicht mehr steuerbar (Gesundheitsberichterstattung des Bundes, 2003). Grundsätzlich wird zwischen substanzgebundenen und stoffungebundenen Abhängigkeiten unterschieden (Nold, 2020). Für diese Arbeit ist nur die stoffungebundene Abhängigkeit relevant. Bei der stoffungebundenen Abhängigkeit geht es um die Sucht nach einem bestimmten Erlebnis (Nold, 2020). In der vorliegenden Bachelor-Thesis liegt der Fokus auf der Abhängigkeit nach sozialen Medien bzw. nach dem sozialen Netzwerk Instagram. Die Auswirkungen einer Suchterkrankung können sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit betreffen (Batra, n.d.). Eine Abhängigkeit kann z. B. zu Depressionen, Vereinsamung, sozialem Rückzug oder körperlichen Beschwerden führen (Batra, n.d.). Soziale Medien gelten als süchtig machender als Alkohol und Zigaretten (RSPH, 2017). Die Autoren Andreassen und Pallesen (2014) beschreiben die Sucht nach sozialen Medien als einen starken Drang sich ständig in soziale Netzwerke einzuloggen und dort derart viel Zeit zu verbringen, dass andere soziale Aktivitäten, persönliche Beziehungen, der Job oder die Schule sowie das eigene Wohlbefinden darunter leiden.

Die DAK-Studie „WhatsApp, Instagram und Co. - so süchtig macht Social Media“ belegt im Jahr 2017, dass 8 % der 12-17-Jährigen ausschließlich über soziale Medien mit ihren Freunden kommunizieren (DAK-Gesundheit, 2017). Jüngere Nutzer neigen eher dazu als etwas ältere Nutzer. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es diesbezüglich nicht. Jeder dritte Befragte der DAK Studie (2017) gibt an, dass er in den letzten 12 Monaten soziale Medien genutzt hat, um sich von negativen Gedanken abzulenken. Hier ist der Anteil der Frauen etwas größer als der der Männer. 14 % haben soziale Medien schon mal heimlich ohne die Kenntnis der Eltern genutzt. Außerdem geben 14 % der Teilnehmer und Teilnehmerinnen an, dass sie nicht in der Lage sind die Nutzung zu stoppen, obwohl andere ihnen dazu raten. 13 % der Befragten sagen aus, dass sie sich bei Nicht-Nutzung unglücklich fühlen. 10 % der Befragten können an nichts anderes mehr denken als an den Moment, an dem sie das nächste Mal soziale Medien nutzen werden. Dies trifft auf Frauen häufiger zu als auf Männer. 9 % der Befragten geben an, dass sie unglücklich sind, weil sie nicht ausreichend Zeit in sozialen Medien verbringen können. 6 % haben regelmäßig Streit mit ihren Eltern aufgrund von sozialen Medien und 5 % haben kein Interesse mehr an anderen Hobbys, weil sie sich lieber mit sozialen Medien beschäftigen. Insgesamt zeigen 2,6 % der Befragten eine Abhängigkeit in Bezug auf soziale Medien (DAK-Gesundheit, 2017).

Betroffene einer Sucht nach sozialen Medien verbringen viel Zeit damit an soziale Netzwerke zu denken (Andreassen, 2015). Sie überlegen ständig, wie sie mehr freie Zeit für soziale Medien bekommen können und verbringen dort mehr Zeit, als sie beabsichtigt haben (Andreassen, 2015). Sie nutzen soziale Netzwerke um Gefühle wie Schuld, Angst, Ratlosigkeit und Depressionen zu reduzieren und versuchen auf diese Weise ihre Probleme zu vergessen (Andreassen, 2015). Eine häufige Nutzung bedeutet nicht direkt, dass jemand abhängig ist (Griffiths, 2010) und hat daher auch nicht immer negative Auswirkungen auf die mentale Gesundheit (Jelenchick, Eickhoff, & Moreno, 2013). Der Hauptunterschied zwischen einer häufigen Nutzung und einer Abhängigkeit ist, dass bei einer Abhängigkeit die Nutzung zwanghaft und nicht mehr kontrollierbar ist (Andreassen, 2015). Wenn Abhängigen die Nutzung sozialer Medien untersagt wird, fühlen sie sich gestresst und sind besonders leicht reizbar. Sie stellen andere Hobbys zurück und vernachlässigen ihre Familie und Freunde (Andreassen, 2015). Wie bei anderen Abhängigkeiten auch, wird die betroffene Person nach dem Verhalten süchtig, dass ihr dabei hilft negative Gefühle zu umgehen (Griffiths, Kuss & Demetrovics, 2014; Balakrishnan & Shaman, 2013; Xu & Tan, 2012). Süchtige sind aus eigener Kraft nicht in der Lage sich von sozialen Netzwerken fernzuhalten (Andreassen, 2015).

Die Nutzung sozialer Medien ist grundsätzlich nicht problematisch (Ershad & Aghajani, 2017). Problematisch wird es erst, wenn die Nutzungsdauer übermäßig wird (Ershad & Aghajani, 2017). Die tägliche Zeit die Menschen im Internet verbringen ist ein signifikant positiver Prädiktor für eine Instagram Sucht (Kircaburun & Griffiths, 2018). Die Autoren Ryan, Chester, Reece & Xenos (2014) belegen, dass viele Nutzer und Nutzerinnen süchtig werden, weil sie so viele Belohnungen (in Form von Likes) auf sozialen Netzwerken erhalten und diese im realen Leben nicht bekommen. Hirnforscher können bereits nachweisen, dass es bei einem Like zu einer erhöhten Hirnaktivität des ventralen Striatums kommt (Montag, 2018). Dies ist das Belohnungssystem des Gehirns. Soziale Netzwerke haben für viele eine belohnende Wirkung (Montag, 2018). Marketing-Experte Adam Alter vergleicht das Erhalten eines Likes auf Instagram mit der Einnahme einer Droge (Alter, 2017). Hintergrund ist, dass die Person vor dem Hochladen eines Beitrags nicht weiß, ob und wie viele Likes sie bekommen wird. Diese Unberechenbarkeit gibt dem Nutzer bzw. der Nutzerin einen gewissen Kick. Umso mehr Likes er oder sie erhält, umso mehr Likes wünscht sich die Person und das Risiko einer Sucht steigt (Alter, 2017).

Im nachfolgenden Teil wird dargestellt, welche Faktoren eine Instagram Abhängigkeit begünstigen. Menschen die bereits in einer schlechten mentalen Verfassung sind, suchen in sozialen Medien nach einer Ablenkung vom realen Leben und entwickeln so schnell eine Abhängigkeit (Zywica & Danowski, 2008). Die Forscher Kuss & Griffiths (2017) belegen, dass das Phänomen „Fear of Missing Out“ (FOMO) zu einer Abhängigkeit beiträgt. Menschen die ständig Angst haben etwas zu verpassen, wenn sie nicht in sozialen Netzwerken online sind, entwickeln impulsives Handeln, das wiederum zu einer Abhängigkeit führen kann (Kuss & Griffiths, 2017). Die Autoren Kuss & Griffiths (2017) belegen außerdem, dass die junge Generation eher dazu geneigt ist eine Abhängigkeit für soziale Medien zu entwickeln. Die Studie von Wang, Ho, Chan & Tse (2015) stellt heraus, dass die beiden Big Five Komponenten Neurotizismus und Extraversion zu einer verstärkten Sucht führen können. Ershard & Aghajani (2017) beweisen in ihrer Studie, dass Neurotizismus mit Instagram zusammenhängt und dass Verträglichkeit direkte und indirekte Auswirkungen auf Instagram Sucht hat. Dies stimmt mit der Studie von Kircaburun & Griffiths (2018) überein. Diese Studie besagt, dass Menschen mit geringer Verträglichkeit zu einer krankhaften Nutzung sozialer Netzwerke neigen, weil sie Probleme haben neue Beziehungen aufzubauen und bestehende Beziehungen aufrechtzuerhalten (Kircaburun & Griffiths, 2018). Die Autoren Ershad & Aghajani (2017) belegen ebenfalls, dass Neurotizismus sowie Menschen die an Gefühlsblindheit leiden eher zu einer Instagram Abhängigkeit neigen. Jedes Verhalten, dass das Individuum zeigt, ist bestimmt durch die individuellen Charakterzüge (Ershad & Aghajani, 2017). Die Umstände des Neurotizismus können dazu führen, dass sich die Person lieber in sozialen Netzwerken aufhält als mit realen Menschen zu interagieren. Sie präsentieren sich in den sozialen Netzwerken so wie sie gesehen werden wollen und verstecken ihre wahre Seite. Es kann festgestellt werden, dass Instagram gerne dazu genutzt wird um negative Gedanken und Gefühle zu unterdrücken (Ershad & Aghajani, 2017).

Die Studien von Koc und Gulyagci (2013) sowie von Hong, Huang, Lin und Chiu (2014) können belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Abhängigkeit von sozialen Medien und Depressionen gibt. Die Abhängigkeit führt zu negativen Einflüssen auf die Gesundheit, Schlafproblemen und einer Verringerung des eigenen Wohlbefindens (Andreassen, 2015). Eine Abhängigkeit kann zu emotionalen Problemen führen (Andreassen, 2015). Es ist möglich, dass die Sucht nach sozialen Medien zu einem geringeren Selbstwertgefühl und dies wiederum zu einer Verschlechterung der mentalen Gesundheit führen kann (Hou, Xiong, Jiang, Song & Wang, 2019). Die Studie von Andreassen, Pallesen & Griffiths (2017) beweist eine negative Beziehung zwischen der Abhängigkeit nach sozialen Medien und dem eigenen Selbstwertgefühl. Eine Abhängigkeit nach sozialen Medien hat außerdem negative Konsequenzen für die schulischen Leistungen der Nutzer (Hou et al., 2019). Dies liegt daran, dass bei einer Sucht nach sozialen Medien viel mehr Zeit online verbracht wird als mit lernen. Außerdem hindert die Sucht die Jugendlichen daran fokussiert zu bleiben (Hou et al., 2019). Kuss und Griffiths (2017) belegen, dass Menschen mit übermäßigem Nutzungsverhalten Schwächen im realen Kommunikationsverhalten aufzeigen. Durch soziale Medien bekommen die Nutzer unzählige Rückmeldungen, können sich selbst verwirklichen und erhalten Bestätigungen von anderen. Dies kann wiederum zu einer gesteigerten Nutzungsdauer führen, die wiederum Depressionen und Frustration zur Folge haben kann (Kuss & Griffiths, 2017).

Dieses Kapitel hat gezeigt, dass eine Abhängigkeit für soziale Medien im direkten Zusammenhang mit Depressionen, Vereinsamung, sozialem Rückzug und auch körperlichen Beschwerden steht (Batra, n.d.). Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass vor allem junge, weibliche Nutzer mit einer hohen Ausprägung von Neurotizismus und Extraversion anfällig sind für eine Abhängigkeit (Kuss & Griffiths, 2017; DAK-Gesundheit, 2017; Wang, Ho, Chan & Tse, 2015). Ein entscheidender Faktor für eine Abhängigkeit ist außerdem die Intensität der Nutzung sowie die mentale Verfassung des Nutzers (Ershad & Aghajani, 2017; Zywica & Danowski, 2008). Die Hauptursache für eine Abhängigkeit ist die Angst etwas zu verpassen (FOMO), die Ablenkung von negativen Gedanken sowie das Erhalten von Belohnungen, die im realen Leben in dieser Form nicht realisierbar sind (Kuss & Griffiths, 2017; Andreassen, 2015; Ryan, Chester, Reece & Xenos, 2014).

3.3 Cybermobbing

Cybermobbing, oder auch Cyberbullying genannt, bezeichnet die bewusste Nutzung digitaler Medien um falsche, beschämende oder feindliche Informationen über andere Personen zu verbreiten (O´Keeffe & Clarke-Pearson, 2011). Es handelt sich um eine Form des Mobbings, die online stattfindet (Family Lives, n.d. b). Bekannte Formen sind z. B. Belästigung, Verleumdung, Stalking oder Ausgrenzung (Family Lives, n.d. b). Cybermobbing kann sich in sozialen Medien auf unterschiedliche Arten äußern (Klaus-Grawe-Institut, 2018). Dies können z. B. negative Kommentare zu Beiträgen sein, persönliche, beleidigende Nachrichten oder das Hochladen von Fotos, die das Opfer in einer unangenehmen Situation zeigen (Klaus-Grawe-Institut, 2018).

Die Verbreitung von Smartphones sowie die Entwicklung des Internets und der sozialen Medien hat das Cybermobbing maßgeblich beeinflusst (Pew Research Center, 2018). Diese Entwicklungen tragen dazu bei wo und wann Cybermobbing stattfindet (Pew Research Center, 2018). Durch die große Beliebtheit sozialer Medien gibt es heutzutage immer mehr Kommunikationsmöglichkeiten und somit auch immer mehr Möglichkeiten zum Mobbing (Klaus-Grawe-Institut, 2018). Jugendliche befinden sich heutzutage fast ununterbrochen in Kommunikation mit anderen Menschen (RSPH, 2017). Dennoch haben sie sich noch nie so sozial isoliert gefühlt wie im heutigen digitalen Zeitalter (Ditch the Label, 2019). Tagsüber verbringen Sie ihre Zeit in der Schule, in der sie persönlichen Kontakt zu anderen Schülern pflegen (RSPH, 2017). Nach der Schule verbringen sie ihre Zeit in sozialen Medien. Es gibt nur wenig Zeit, in der junge Menschen keinen Kontakt zu anderen pflegen. Diese Umstände machen es Mobbern einfach ihren Opfern näherzukommen, obwohl sie sich nicht in physikalischer Nähe befinden (RSPH, 2017).

Keine andere App ist derart stark in das soziale Leben Jugendlicher integriert wie Instagram (Lorenz, 2018). Immer mehr Jugendliche werden auf dieser Plattform gemobbt (Ditch the Label, 2017). 50 % der Betroffenen, die schon mal im Netz gemobbt wurden, geben bei der Studie von Ditch the Label (2017) an, dass sie auch auf Instagram schon mal gemobbt wurden. Bei Instagram gibt es alles, was es für Cybermobbing braucht: ein großes Publikum und Anonymität (Steinmetz, 2019). Die Studie von Ditch the Label (2017) belegt, dass von allen befragten Personen 78 % Instagram nutzen und 42 % der jungen Nutzer schon mal auf Instagram gemobbt wurden. Einer der Hauptgründe für Mobbing auf Instagram ist Eifersucht (Lorenz, 2018). Nutzer und Nutzerinnen posten ständig tolle Bilder aus dem Urlaub, von ihrem neuen Auto oder ihrem perfekten Körper. Diese Präsentation macht viele Menschen eifersüchtig (Lorenz, 2018). Bei der Studie von Ditch the Label 2019 vermuten 59 % der Befragten, dass sie wegen ihrem Aussehen gemobbt werden, 46 % wegen ihren Interessen bzw. Hobbys und 25 % aufgrund ihrer Kleidung. Instagram ermöglicht durch ihre große Reichweite unhöfliche Kommentare oder belästigende Bilder innerhalb weniger Stunden weltweit zu verbreiten (Lorenz, 2018). Es ist ganz einfach neue anonyme Profile anzulegen, die speziell für Cyberbullying verwendet werden können. Viele Teenager erstellen auf Instagram Hassseiten auf denen sie unangemessene Fotos von einer Person veröffentlichen, Geheimnisse aufdecken oder Screenshots von gemeinen Kommentaren über die Zielperson hochladen (Lorenz, 2018).

Bei dem Annual Bullying Survey 2019 von der Institution Ditch the Label (2019) wurden 7.347 Personen im Alter von 12-20 Jahren zum Thema Cyberbullying befragt. Die wichtigsten Erkenntnisse werden in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Tabelle 1 Ergebnisse des Annual Bullying Surveys 2019 von der Institution Ditch the Label (Eigene Darstellung nach Ditch the Label, 2019)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

91 % der Befragten des National Bullying Survey sagen aus, dass seitens des sozialen Netzwerks keine Reaktion auf das Cybermobbing eintrat, obwohl diese ausdrücklich angaben, dass Mobbing in sozialen Netzwerken strengstens verboten sei (Family Lives, n.d. a). Soziale Medien haben die Möglichkeit, unangemessene Kommentare zu melden bzw. zu löschen, jedoch wird dies nach Ansicht der Jugendlichen kaum umgesetzt (Klaus-Grawe-Institut, 2018). Bei der Studie von Ditch the Label (2017) sagen 71 % der Befragten aus, dass soziale Netzwerke nicht genug gegen Cyberbullying unternehmen.

In der nachfolgenden Tabelle werden aktuelle Kennzahlen der Studie vom Pew Research Center (2018) in Bezug auf Cybermobbing dargestellt.

Tabelle 2 Ergebnisse der Studie vom Pew Research Center 2018 (Eigene Darstellung nach Pew Research Center, 2018)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mobbing während der Kindheit ist ein großer Risikofaktor für die mentale Gesundheit und kann langfristige Auswirkungen bis in das Erwachsenen-Alter haben (Scott, Dale, Russell & Wolke, 2016). Es kann beispielsweise zu schlechteren Schulleistungen kommen, Depressionen, Ängsten, Einsamkeit oder Essstörungen (Klaus-Grawe-Institut, 2018). Weitere mögliche Folgen sind soziale Isolation und Suizid (Hinduja & Patchin, 2010). Außerdem tritt meist ein geringes Selbstwertgefühl ein (Family Lives, n.d. c). Viele versuchen ihr Äußeres an die gewünschte Norm anzupassen (Family Lives, n.d. c). Betroffene berichten, dass das Beängstigende an dem Cybermobbing sei, das sie nicht wissen, wer den Angriff durchführt. Bei einem normalen Mobbing ist der Angreifer meistens bekannt. Im Netz kann es jeder sein, jemand den man kennt oder eine fremde Person (Lorenz, 2018).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Nutzung von Instagram und Cybermobbing besteht (Ditch the Label, 2017). Der Hauptgrund für Cybermobbing ist Eifersucht, da auf Instagram permanent soziale Vergleiche durchgeführt werden (Lorenz, 2018; Twenge, 2019). Cybermobbing hat zahlreiche negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die dringend reduziert werden müssen.

4 Zwischenfazit

Die bisherigen Kapitel haben gezeigt, dass die übermäßige Nutzung von Instagram zahlreiche Risiken für die psychische Gesundheit Jugendlicher mitbringt (RSPH, 2017). Eine übermäßige Nutzung kann nachweislich zu Depressionen, Abhängigkeiten und Cybermobbing führen (Lup et al., 2015; RSPH, 2017; Ditch the Label, 2017). Jüngste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass vor allem junge Menschen anfällig sind für Depressionen und Abhängigkeiten (Keles et al., 2019). Die ständige Angst etwas zu verpassen kann leicht zu einer Abhängigkeit führen (Kuss & Griffiths, 2017).

Die drei beschriebenen Risiken Depressionen, Abhängigkeit und Cybermobbing sind ernst zu nehmende Risiken die alle untereinander zusammenhängen. Eine Depression kann aus einer Abhängigkeit heraus entstehen und umgekehrt (Koc & Gulyagci, 2013; Frison & Eggermont, 2017). Cybermobbing kann ebenfalls zu Depressionen führen (Klaus-Grawe-Institut, 2018). Bisherige Forschungen haben gezeigt, dass Jugendliche den Eindruck haben, dass es wenig Einsatz von Social Media Unternehmen gibt, um gegen diese Risiken vorzugehen (Pew Research Center, 2018). Die starke Verbreitung sozialer Medien und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die mentale Gesundheit Jugendlicher lassen ableiten, dass dringend etwas gegen den riskanten Instagram-Konsum getan werden muss. Daher ist es notwendig herauszufinden, welche Präventionsmaßnahmen von welcher Partei durchgeführt werden können, um Jugendliche zu schützen. Es ergeben sich die folgenden Forschungsfragen, die im Laufe dieser Arbeit beantwortet werden: Was können die Eltern der Jugendlichen gegen den riskanten Instagram-Konsum tun, was kann die Schule zur Prävention beitragen, wie kann das Unternehmen Instagram dabei helfen und was kann jeder Einzelne tun, um sich selbst zu schützen? Um die Forschungslücke zu schließen, wird außerdem im Rahmen dieser Arbeit erforscht, wie bekannt die bestehenden Maßnahmen sind bzw. wo noch Aufklärungsbedarf besteht und wie diese Aufklärung erfolgen kann. Im nachfolgenden Kapitel werden zunächst aktuell bestehende Präventionsansätze zum riskanten Instagram-Konsum aus drei verschiedenen Perspektiven aufgezeigt: der Lebenswelt Familie, der Lebenswelt Schule und aus der Sicht des sozialen Netzwerks Instagram. Im Rahmen einer eigenen qualitativen Forschung werden im Anschluss qualitative Experteninterviews mit den verschiedenen Parteien durchgeführt, um die Forschungsfragen beantworten zu können und einen Fortschritt in der aktuellen Forschung zu erreichen.

5 Aktuelle Präventionsansätze zum riskanten Instagram-Konsum

Die tägliche Instagram-Nutzung steht unter starker Kritik (RSPH, 2017). Viele Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich die tägliche Nutzung von Instagram negativ auf die Psyche auswirkt. Die RSPH (2017) bezeichnet Instagram sogar als das gesundheitsschädlichste soziale Netzwerk. Die Risiken können nie ganz verhindert werden, aber sie können minimiert werden, indem für Aufklärung und Aufmerksamkeit gesorgt wird. In den folgenden Ausführungen werden aktuelle Präventionsansätze aus den drei Lebenswelten Familie, Schule und der Social Media Firma Instagram vorgestellt.

5.1 Lebenswelt Familie

Das erste Smartphone bekommen Kinder heutzutage meist mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule (Eggert & Schubert, 2019). Häufig sind Familien damit überfordert ihren Kindern die nötige Medienkompetenz für ein sicheres Surfen im Netz zu vermitteln. Vater und Mutter können oftmals die umfassende Mediennutzung ihrer Kinder nicht komplett überblicken und wissen nicht welche Medien ihr Kind nutzt. Dies liegt auch daran, dass sie nicht über die neuesten technologischen Entwicklungen informiert sind, zumindest nicht so gut wie ihre Kinder (Eggert & Schubert, 2019).

Die Studie des Pew Research Centers (2018) belegt, dass Jugendliche kritisch gegenüber aktuellen Präventionsmaßnahmen des Cybermobbings eingestellt sind. Die Eltern sind die einzige Gruppe die von Jugendlichen als wirkliche Unterstützung angesehen wird. 59 % der Befragten schätzen die Unterstützung der Eltern, in Bezug auf Cybermobbing, als gut ein. 6 von 10 Eltern haben Angst, dass ihr eigenes Kind im Netz gemobbt wird (Pew Research Center, 2018).

Eltern sind sich oft nicht bewusst, dass sie auch ihren eigenen Medienumgang überdenken müssen, da sie eine Vorbildfunktion für ihre Kinder haben (Eggert & Schubert, 2019). Sie sind meist selbst ständig erreichbar und schalten ihr Smartphone kaum aus. Vielen Eltern fällt es außerdem schwer konsequent Nutzungsregeln einzuführen und diese auch durchzusetzen. Soziale Medien sind somit ein häufiger Konflikt in Familien. Doch gerade eine stabile soziale Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist wichtig (Eggert & Schubert, 2019). Erziehungsberechtigte zweifeln oft an ihrer Selbstwirksamkeit (Wagner, Eggert & Schubert, 2016). Dies führt dazu, dass festgelegte Regeln nicht eingehalten werden (Eggert & Schubert, 2019). Wissenschaftler belegen außerdem, dass viele Eltern kaum bereit sind ihr eigenes Verhalten zu überdenken oder zu verändern (Wagner, Eggert & Schubert, 2016).

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Ende der Leseprobe aus 122 Seiten

Details

Titel
Die Instagram-Nutzung und die psychische Gesundheit der Digital Natives. Eine Darstellung der Auswirkungen
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
122
Katalognummer
V922942
ISBN (eBook)
9783346318695
ISBN (Buch)
9783346318701
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Instagram, Social Media, Wirtschaftspsychologie, Digital Natives
Arbeit zitieren
Anna Gottmann (Autor:in), 2020, Die Instagram-Nutzung und die psychische Gesundheit der Digital Natives. Eine Darstellung der Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922942

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