Die vorliegende Arbeit untersucht die oppositive Verwendungsweise des Konnektors dann in politischen Diskussionen am Beispiel der Fernsehdebatte um den Bau des Kernkraftwerks in Wyhl. Im Fokus steht die Analyse der grammatischen Struktur in engem Zusammenhang mit der Interaktion, in der sie verwendet wird. Zuvor soll grundlegend das System des turntakings als interaktionssteuerndes Element erläutert werden sowie definiert werden, worum es sich bei einem Konnektor im Allgemeinen und um den Konnektor dann im Konkreten handelt. Schwerpunkt der konversationsanalytischen Untersuchung stellt die konklusive
Verwendungsweise des Konnektors, sowie der funktionalen Aspektes der Handlungsaufforderung, als auch die Position des Konnektors innerhalb des topologischen Feldermodells dar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Turn-Taking als Mittel der Interaktionssteuerung
2.2 Grammatische und funktionelle Grundlagen zum Konnektor dann
2.2.1 Konnektoren im Allgemeinen
2.2.2 Der Konnektor dann im Speziellen
3 Korpus und Methode
3.1 Erläuterung der Datengrundlage
3.2 Erläuterung des methodischen Vorgehens
4 Untersuchung des oppositiven Gebrauchs des Konnektors dann in politischen Diskussionen am Beispiel der Fernsehdebatte um das Kernkraftwerk Wyhl
4.1 Positionierung des Anschlusses mit dann innerhalb der Interaktion
4.2 Die funktionalen Aspekte des Konnektors dann
4.2.1 Kohärenzstiftung und Konklusivität
4.2.2 Handlungsaufforderungen
4.3 Die topologische Positionierung von dann
5 Fazit und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die oppositive Verwendungsweise des Konnektors "dann" in politischen Diskussionskontexten, konkret am Beispiel einer Fernsehdebatte zum Kernkraftwerk Wyhl. Ziel ist es, die grammatische Struktur in ihrem engen Zusammenhang mit der interaktionalen Verwendung, insbesondere hinsichtlich ihrer konklusiven Funktion und ihrer Rolle bei Handlungsaufforderungen, zu analysieren.
- Interaktionale Linguistik und Gesprächsanalyse
- Funktionsweise des Konnektors "dann" im Diskurs
- Zusammenhang zwischen grammatischer Struktur und Interaktionssteuerung
- Oppositive Verwendung in politischen Debatten
- Kohärenzstiftung und Konklusivität in der gesprochenen Sprache
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Handlungsaufforderungen
Einer der funktionalen Aspekte von Anschlüssen mit dem Konnektor dann stellt das Einleiten von Handlungsaufforderungen dar (vgl. Kapitel 2.2 dieser Arbeit).
In allen fünf hier analysierten Transkriptausschnitten ist die Handlungsaufforderung direkt an eine konkrete Person gerichtet und stellt Bestandteil der mit dem Konnektor dann einhergehenden Konklusion dar.
Im ersten Ausschnitt stellt die Handlungsaufforderung inhaltlich einen Appell an die Änderung des Vorgehens des Sprechers Lothar Späths, an den diese gerichtet ist, dar. Die Eindringlichkeit dieser Aufforderung wird zu dem dadurch verstärkt, dass diese nach dem sie in Zeile 20 bereits konkret formuliert worden ist, in den Zeilen 21 bis 23 noch weiter ausgeführt und sogar begründet wird:
20 ich beHAUpte dann können sie GLEICH ins hauptverfahren gehen;
21 weil DAS verfahren was SIE anstreben,
22 dann auch vor GERICHT (.)natürlich ne GANZ andere WIRkung und
schlagkraft,
23 und ÜBERZEUGUNGSKRAFT [der beVÖLkerung gegenüber hat?]
(Ausschnitt I, s. Anhang S. I).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die interaktionale Linguistik und Festlegung des Untersuchungsgegenstands, insbesondere die Analyse des Konnektors "dann" in politischer Interaktion.
2 Theoretischer Rahmen: Darstellung der Grundlagen zum Turn-Taking als interaktionssteuerndes Element sowie Definition der grammatischen und funktionalen Eigenschaften von Konnektoren.
3 Korpus und Methode: Beschreibung der Datengrundlage (Fernsehdebatte Kernkraftwerk Wyhl) und Erläuterung des methodischen Vorgehens auf Basis der Konversationsanalyse.
4 Untersuchung des oppositiven Gebrauchs des Konnektors dann in politischen Diskussionen am Beispiel der Fernsehdebatte um das Kernkraftwerk Wyhl: Detaillierte Analyse der Positionierung und der funktionalen Aspekte (Kohärenz, Konklusivität, Handlungsaufforderung) des Konnektors "dann" anhand konkreter Transkriptausschnitte.
5 Fazit und Diskussion: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach dem Konnektor "dann" in der untersuchten politischen Debatte eine deutlich oppositive Verwendungsweise zugesprochen werden kann.
Schlüsselwörter
Interaktionale Linguistik, Konnektor dann, politische Diskussion, Gesprächsanalyse, Turn-Taking, Kohärenzstiftung, Konklusivität, Handlungsaufforderung, Oppositive Verwendung, topologische Positionierung, Fernsehdebatte, Kernkraftwerk Wyhl, Argumentation, gesprochene Sprache, Intersubjektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Konnektor "dann" in politischen Diskussionen verwendet wird, um oppositive Argumentationsmuster und Interaktionsstrukturen zu erzeugen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der interaktionalen Linguistik, der Konversationsanalyse, der grammatischen Funktion von Konnektoren sowie dem Turn-Taking in asymmetrischen Gesprächssituationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass "dann" in politischen Debatten über seine temporale Funktion hinaus vor allem konklusiv und oppositiv genutzt wird, um Argumentationen zu steuern und Handlungsaufforderungen zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf Methoden der interaktionalen Linguistik und Konversationsanalyse unter Verwendung von authentischen Transkriptausschnitten (GAT2) aus dem Korpus "Dialogstrukturen".
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Positionierung von "dann", seine Rolle bei der Herstellung von Kohärenz sowie seinen Einsatz zur Einleitung von Handlungsaufforderungen in fünf ausgewählten Transkriptausschnitten einer Debatte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Interaktionale Linguistik, Konnektor dann, politische Diskussion, Konklusivität, Handlungsaufforderung und Oppositive Verwendung.
Welche Rolle spielt die Fernsehdebatte zum Kernkraftwerk Wyhl?
Sie dient als konkrete empirische Datengrundlage, um die forcierte, argumentative Sprechweise und den damit verbundenen oppositiven Gebrauch von "dann" in einem realen politischen Kontext zu belegen.
Wie unterscheidet die Autorin verschiedene Lesarten von "dann"?
Es wird zwischen temporalen, konklusiven und konditionalen Lesarten unterschieden, wobei der Fokus auf der konklusiven Verwendungsweise im oppositiven Kontext liegt.
Warum wird "dann" als oppositiv eingestuft?
Weil "dann"-Anschlüsse in den untersuchten Beispielen häufig als Einwände gegen Vorredner fungieren und dazu dienen, die eigene Argumentation gegenüber dem Gegenüber hervorzuheben und zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Clara Hager (Autor:in), 2020, Untersuchung des oppositiven Gebrauchs des Konnektors "dann" in politischen Diskussionen anhand der Fernsehdebatte um das Kernkraftwerk Wyhl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922950