Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener psychotherapeutischer Perspektiven bei Depression

Ätiologie, Setting und Interventionen bei Depressiver Episode


Hausarbeit, 2020

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Aufbau dieser Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Symptomatik und Einordnung des Störungsbildes Depression (nach ICD-10)
2.2. Entstehung und Auslösung einer depressiven Erkrankung
2.3. Ätiologie, Setting und Interventionen des Störungsbildes Depression aus verschiedenen psychotherapeutischen Perspektiven heraus
2.3.1. Tiefenpsychologie
2.3.2. Verhaltenspsychologie
2.3.3. Systemische Sichtweise

3. Anwendung
3.1. Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich Ätiologie
3.2. Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich Setting und Interventionen

4. Diskussion

5. Abschließende Worte und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Depressionen sind ein weit verbreitetes psychisches Beschwerdebild in Deutschland, das die Betroffenen sowie deren Umfeld in unterschiedlicher Intensität und Erscheinungsform belastet. Bei einer Studie im Jahr 2011 wurden bei den teilnehmenden Frauen zwischen 40 und 49 Jahren ca. 14,3%, zwischen 30 und 39 ca. 10,4%, 50 bis 59 ca. 10,9% und zwischen 20 bis 29 Jahren ca. 9,1% Depressionen diagnostiziert (12-Monats-Prävalenz). Die Männer sind mit jeweiligen Prozenten zwischen 5,1% und 6,2% weniger häufig betroffen.1

Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts beträgt die Lebenszeitprävalenz einer diagnostizierten Depression im Durchschnitt 11,6% (Frauen 15,4%; Männer 7,8%).2 In den letzten Jahren ist ein Anstieg der Prävalenzraten zu verzeichnen.3

Depressionen führen zu längerer Arbeitsunfähigkeit. Im Jahr 2018 wurden pro Patient mit der Diagnose „Depressiver Episode“ durchschnittlich 53,6 Arbeitsunfähigkeitstage ausgeschrieben. Bei einer rezidivierenden psychischen Störung waren es sogar 64,6 Tage.4 Auch aus wirtschaftlicher Hinsicht erhalten die Prävention und Behandlung von Depressionen besondere Wichtigkeit.

Patienten mit „Depressiver Episode“ zeigen individuell verschieden belastende Symptomatik. Oftmals treten Depressionen komorbid zu anderen psychischen Erkrankungen auf. Die Ursachen und auslösenden Faktoren für den Ausbruch von Depressionen sind nach aktueller Forschungslage und aus den verschiedensten psychotherapeutischen Sichtweisen heraus vielfältig und daher schwer greifbar, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können. Es gibt nach aktuellem Stand eine breite Vielzahl an anerkannten Behandlungsmethoden.

1.2. Zielsetzung

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird aus verschiedenen psychotherapeutischen Sichtweisen heraus ein Überblick über die Ätiologie, das Setting einer Therapie und mögliche Interventionen zu Depressionen gegeben. Hierzu werden insbesondere theoretische Hintergründe zur tiefenpsychologischen, verhaltenspsychologischen und systemischen Therapie aufgeführt und hinsichtlich Depressionen in Bezug gesetzt. Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit liegt in der Herausarbeitung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei vorgenannten psychotherapeutischen Sichtweisen hinsichtlich der Ätiologie, des Settings und der Interventionen eines Patienten mit der Diagnose „Depressive Episode“.

Damit wird ein verständliches Bild hinsichtlich der Unterschiedlichkeit, aber auch Gemeinsamkeiten der Therapieansätze gezeichnet. Bei einem Patienten mit Depressionen kann nach individuellen Bedürfnissen jede der drei Therapierichtungen in unterschiedlicher Hinsicht wirksam sein.

1.3. Aufbau dieser Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit werden die theoretischen Grundlagen hinsichtlich der Symptomatik von Depressionen, der Einordnung nach dem ICD-10 sowie der Entstehung und Auslösung im Allgemeinen erläutert. Es werden weiterhin theoretische Grundlagen zur tiefenpsychologischen, verhaltenspsychologischen und systemischen Therapie, insbesondere bezüglich eines Patienten mit „Depressiver Episode“, aufgeführt. Der Schwerpunkt wird hierbei auf die Ätiologie, das Setting und die Interventionen nach den verschiedenen Sichtweisen gelegt. Im Anschluss daran werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten beschrieben und analysiert.

Im anschließenden Diskussionsteil werden die untersuchten Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich Ätiologie, Setting und Interventionen aus den drei verschiedenen psychotherapeutischen Sichtweisen heraus im Hinblick auf die zuvor genannten theoretischen Grundlagen sowie hinsichtlich Aussagekraft kritisch reflektiert. Abschließend folgt eine Kurzzusammenfassung der praktischen Relevanz dieser Arbeit sowie ein Ausblick in die weitere Entwicklung und Bedeutung der behandelten Themen in der Zukunft.

Es wird darauf hingewiesen, dass in dieser Hausarbeit die Benennung „Depressionen“ gleichzusetzen ist mit „Depressiver Episode“.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Symptomatik und Einordnung des Störungsbildes Depression (nach ICD-10)

Viele Menschen erleben im Laufe Ihres Lebens vereinzelt oder wiederkehrend Symptome einer Depression, die oftmals im Zusammenhang mit psychosozial belastenden Ereignissen wie bspw. Trauerfälle, Krankheiten oder arbeitsbedingten Stresssituationen einhergehen. Abzugrenzen sind diese Beschwerden oder Lebensphasen von einer behandlungsbedürftigen depressiven Störung.

Bei depressiven Störungen handelt es sich um Störungen des gesamten Organismus, die sich durch Symptome auf mehreren Ebenen über eine längere Zeit hinweg auszeichnen. Emotional empfinden die Betroffenen oftmals einen Verlust an Interesse oder Freude, tiefe Trauer und Niedergeschlagenheit, Angst, Verzweiflung, Schuld, Schwermut und Leere.5

Diese Gefühle werden kognitiv begleitet von pessimistischen, negativen Gedanken und Einstellungen über sich selbst und seine Fähigkeiten, was zu einem verminderten Selbstvertrauen und Gefühlen der Wertlosigkeit führt.6 Pessimistische Gedanken bilden sich ebenfalls in Bezug auf das Umfeld und die Zukunft.

Die Betroffenen verfallen ins Grübeln und schwerfälliges Denken sowie ggf. in Suizidgedanken. Weiterhin treten Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten auf.7

Physiologisch-vegetativ fühlen sich die Betroffenen energielos, müde, antriebslos, innerlich unruhig und angespannt sowie wetterfühlig und reizbar. Vor allem morgens treten Motivationsschwierigkeiten auf (Morgentief). Auch weinen viele Betroffene regelmäßig und aus nicht eindeutig erklärbaren Gründen. Weiterhin können Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichts- und Libidoverlust auftreten.8

Alles in allem führt ebenfalls zu Veränderungen im Verhalten: Depressive Menschen zeigen eine kraftlose, gebeugte Körperhaltung, nervöse Unruhe sowie starre, traurige Mimik. Sie vermeiden oft Blickkontakt, bewegen und sprechen verlangsamt und haben allgemein eine nur sehr geringe Aktivitätsrate.9

Liegen mehrere Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen vor, spricht man von einer depressiven Episode.10 Depressive Episoden werden in leicht (F32.0), mittelgradig (F32.1) und schwer (F32.2 und F32.3) klassifiziert.11

Der nachfolgenden Abbildung sind die Möglichkeiten zur Eingruppierung von Depressionen in verschiedene Diagnoseschlüssel zu entnehmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Diagnosedarstellung bei Depressionen nach dem ICD-10

(Quelle: Laux (2008), Operationalisierte Diagnosedarstellung nach ICD-10, S. 415)

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird sich im Wesentlichen auf Erläuterungen zu monophasisch depressiven Episoden (nicht rezidivierend und nicht bipolar) beschränkt.

2.2. Entstehung und Auslösung einer depressiven Erkrankung

Risikofaktoren depressiver Erkrankungen können genetischer, biochemischer, physikalischer und psychosozialer Art sein. Ein klassisches, allgemein gültiges Ätiologiemodell zur Entstehung von Depressionen stellt das Diathese-Stress-Modell dar. Hier wird für weiterführende Informationen auf Beesdo-Baum & Wittchen (2011, S. 891) verwiesen.

Als Auslöser einer depressiven Erkrankung dienen nach Laux (2008) „Probleme mit nahen Bezugspersonen, Entwurzelungen, anhaltende Konflikte, aber auch Entlastungen und Veränderungen der gewohnten Lebensweise wie Berentung, Umzug, Beförderung (sog. Entlastungs- bzw. Umzugsdepression) sowie Erniedrigungen“, schwere Stressoren wie Erkrankungen und kritische Lebensereignisse wie „Tod eines Nahestehenden, Scheidung und Trennungen“. (S. 406)

In den folgenden Kapiteln wird näher auf die Ätiologie, das Setting und die Interventionen aus verschiedenen konkreten psychotherapeutischen Sichtweisen heraus eingegangen.

2.3. Ätiologie, Setting und Interventionen des Störungsbildes Depression aus verschiedenen psychotherapeutischen Perspektiven heraus

2.3.1. Tiefenpsychologie

Die Grundlagen für den tiefenpsychologischen Ansatz bilden die psychoanalytischen Erklärungsansätze zur Depression von Sigmund Freud zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er unterscheidet verschiedene Entwicklungsphasen, die man als Kind durchläuft. Werden die Entwicklungsaufgaben einer Phase unvollständig durchlaufen, entwickeln sich hieraus später Persönlichkeitsstörungen oder psychische Erkrankungen. Weiterhin erschuf er ein drei-Instanzen-Modell der menschlichen Psyche mit den folgenden Elementen: das Es (unbewusste Triebe und Impulse), das Ich (Koordinierungsfunktion) und das Über-Ich (übergeordnete Werte, Normen, Ge- und Verbote der Gesellschaft). Darüber hinaus forschte er hinsichtlich Traumdeutung, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit ihrem Unbewussten auseinanderzusetzen.12

Nach Freud führen Objektverlust in der Kindheit, daraus resultierende Ambivalenz und Rückzug der Libido ins Ich zu einer Depression.13 Die Libido umfasst im psychologischen Sinne sämtliche Gefühlsausbrüche, die in diesem Fall nach innen verdrängt werden.

Ergänzend der psychoanalytischen Sichtweise existiert ein tiefenpsychologisch-psychodynamischer Erklärungsansatz:

„Psychodynamisch ist von einer frühkindlichen Mangelerfahrung im emotionalen Versorgungsbereich auszugehen, die zu einem tiefen Gefühl existenzieller Lebensunfähigkeit und einem Defizit im Bereich des Selbstwertgefühls führt.“14 Hieraus können sich später Depressionen ergeben.

Es gibt verschiedene Ansichten zu den Entstehungsmechanismen:

Einerseits kann es sein, dass der Patient in der frühen Kindheit die Liebe der Mutter erfahren, dann jedoch verloren hat. Hieraus entwickeln sich starke Sehnsucht nach Liebe und Verbundenheit und gleichzeitig starke Angst vor (erneutem) Liebesverlust. Werden die aus dieser zentralen Frustration entstandenen Gefühle der Enttäuschung und Wut nicht nach außen gerichtet, wo sie hätten verarbeitet werden können, sondern verdrängt, entsteht ein Ambivalenzkonflikt zwischen Liebe und Hass.15

Andererseits kann es sein, dass der Patient in der frühen Kindheit räumliche Trennung von der Mutter erfahren hat. Oder die Mutter war physisch anwesend, psychisch und emotional jedoch abwesend (bspw. aufgrund von Stress oder Erkrankungen). Das Kind zieht sich in dem Fall innerlich von der Mutter zurück und das Gefühl von Einsamkeit und innerer Leere manifestiert sich. Psychisch leichter zu ertragen formt sich daraufhin folgend das Bild der „bösen“ Mutter.16

Weiterhin könnte es sogar zu einer doppelten Enttäuschung gekommen sein: Indem sich das Kind nach der Liebesverlusterfahrung mit der Mutter an den Vater wendet, der jedoch die Bedürfnisse des Kindes aus diversen Gründen (bspw. durch seine Charaktereigenschaften oder arbeitsbedingte Abwesenheit) ebenfalls nicht bedienen kann. Das Gefühl des Verlassenseins wird verstärkt. Gleichzeitig entsteht das generelle Gefühl der Hilflosigkeit.17

„Der Verlust des Selbstwertgefühls führt im Sinne einer Ich-Schwäche zu einer besonderen Verletzlichkeit gegenüber Frustrationen und Enttäuschungen bei gleichzeitigem Abhängig sein von ständiger Zufuhr von Liebe und Unterstützung (Überanpassung, hypernormatives, hypersoziales Verhalten des Depressiven). (…) Kompensationsversuche sind [bspw.] die Erlangung einer Fremdwertschätzung durch die häufig übermäßige Erfüllung von Leistungsnormen (…).“18

Laux (2008) beschreibt weiterhin, „dass die Aggressionsgefühle gegen das verlorengegangene Liebesobjekt – unter dem Einfluss eines sich entwickelnden strengen Über-Ichs – in Schuldgefühle, Selbstanklage und suizidale Verhaltensweisen gewandelt werden.“ (S. 406)

Eine Depression entsteht demnach, wenn es unter ungünstigen Bedingungen zu einer Wiederholung der frühkindlichen, traumatisierenden Erfahrung verbunden mit einem Wiederaufleben der verknüpften negativen Gefühlsassoziationen kommt. Dies kann bspw. bei Verlusterleben jeglicher Art der Fall sein: Trennungen von wichtigen Mitmenschen, Verlust der Gesundheit, eigener Fähigkeiten, Ideale, Ziele, Freiheit, dem Arbeitsplatz, etc.19

Der Schwerpunkt der tiefenpsychologischen Sichtweisen liegt „in der Bedeutung des Unbewussten, in der Bedeutung der Entwicklung und der Erfahrungen in frühester Kindheit, in der Konzentration auf die innerpsychischen Konflikte und, bezogen auf Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene, in der Beratung selbst.“20 Ergänzend sei hier darauf hingewiesen, dass bei dem Punkt Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene Beratung mit Therapie gleichzusetzen ist. Bedeutend für die Problemlösung ist in diesem Fall die vertrauenswürdige Beziehung zwischen Therapeut und Patient sowie der Bewusstwerdungsprozess über Projektionen und damit verbunden die Wiederholung bereits erlebter Erlebnisse und Beziehungen, in eben dieser Beziehung ebenfalls, wie in vielen anderen Beziehungen des Patienten.

Das Setting der Psychoanalyse lässt sich wie folgt beschreiben: Der Patient (auch genannt Analysand) wird zum freien Assoziieren angeregt, während der Analytiker gleichschwebende Aufmerksamkeit schenkt und die in der Beziehung entstehende Übertragung und Gegenübertragung analysiert. Freies Assoziieren bedeutet, über alles zu reden, was einem gerade in den Sinn kommt. Der depressive Patient liegt dabei auf einer Couch, der Analytiker sitzt außerhalb des Blickfeldes. Der Analytiker deutet das Gesagte und stellt Hypothesen hinsichtlich unbewusster Wünsche, Emotionen und Motive des Patienten auf. Weiterhin betrachtet er die Beziehung des Analysanden zu sich selbst, denn in dieser spiegeln sich typische emotionale Beziehungsmuster wieder.21 Eine Psychoanalyse findet meist mehrere Jahre lang an zwei bis fünf Sitzungen pro Woche statt und wird daher nur noch selten genutzt.

Das Setting der psychodynamischen Psychotherapie unterscheidet sich dahingehend, dass sich Patient und Therapeut ein- bis zweimal wöchentlich gegenübersitzen und die Therapie-Dauer in Form einer Kurz- oder Langzeittherapie zeitlich begrenzt ist. Der Therapeut ist hier „deutlich aktiver, kann nicht-deutende Interventionen anwenden und versucht, die Übertragung gering zu halten und die Behandlung auf die aktuellen Konflikte des Patienten zu fokussieren.“22 Beide Therapieformen finden als Einzeltherapien statt.

Im Zentrum der Therapie steht die Suche nach dem grundlegenden Konflikt, bei dem der Depressive einen emotionalen Mangel erfahren hat, woraufhin sich als Folge die ambivalente Abhängigkeit zu einer dominanten Bezugsperson bildete. Es werden im Gespräch Beziehungsstrukturen analysiert und somit mögliche Auslöser aufgearbeitet. Dem Patienten wird zunehmend bewusst, dass er selbst und wie er an der Entstehung seiner Depression beteiligt ist.23 Ziel der Therapie ist die Bewusstwerdung des Patienten über die Zusammenhänge.

2.3.2. Verhaltenspsychologie

Nach der verhaltenstheoretischen Sichtweise entsteht eine Depression durch fehlgeleitete Lernprozesse. Martin Seligman entwickelte das Konzept der gelernten Hilflosigkeit, wonach eine Depression ein erlerntes Verhalten darstellt das entsteht, „wenn massive bzw. als massiv erlebte, unkontrollierbare bzw. als unkontrollierbar angenommene Bedingungen vorherrschen, die [die] Person als subjektiv bedeutsam wahrnimmt, kein Verhalten zur Bewältigung und Veränderung verfügbar hat und sich selbst als unfähig einschätzt.“24 Hieraus bilden sich generalisierte Erwartungshaltungen bezüglich der Unkontrollierbarkeit negativer Umweltbedingungen. Misserfolge werden auf internale, stabile und globale Faktoren zurückgeführt, woraus sich eine negative Erwartungshaltung hinsichtlich der eigenen Hilflosigkeit entwickelt, die wiederum zu depressiven Reaktionsmustern führt.25

Ein ätiologisches und aufrechterhaltendes Modell, stellt das kognitiv-verhaltenstheoretische Störungskonzept von Hautzinger (2017) dar. Nach diesem kommt es zur Depression durch einen Mangel an positiven Erfahrungen durch weniger (verhaltenskontingenter) positiver Verstärkung und somit einem Überwiegen von negativen Erfahrungen, nach einem Auslöser. Anhaltende geringe Verstärkung hält die Depression ebenfalls aufrecht und verstärkt diese. Die Aktivitätsrate verringert sich. Auch verstärken kurzfristig wirksame Hilfsangebote und Anteilnahme vom Umfeld die Symptomatik ggf. negativ, da weniger eigene Bewältigungsstrategien genutzt bzw. aufgebaut werden.26 Hier liegt zudem ein Krankheitsgewinn vor.

Parallel liegen, aktiviert durch belastende Situationen, abwärtsspiralförmig verlaufende kognitive Störungen vor, welche die Depression erzeugen, aufrechterhalten und verstärken. Das Denken depressiver Patienten ist stark einseitig, selektiv und übertrieben negativ verzerrt. Diesen Denkprozessen liegen automatisiert verfestigte, negativ generalisierte Überzeugungen zugrunde, was eine Veränderung mühsam macht.27

In einer kognitiven Verhaltenstherapie (kurz KVT), welche eine der bekanntesten verhaltenstherapeutischen Interventionen darstellt, werden die inneren und äußeren Bedingungen und aufrechterhaltenen Faktoren hinsichtlich Verhalten, Gedanken und Gefühle für die problematische Symptomatik erfragt (bspw. über die SORKC-Verhaltensanalyse) sowie durch Maßnahmen und Interventionen verändert, sodass ein Umlernen und Umdenken einsetzt. Nachdem das Ziel und das Problem analysiert wurde, werden geeignete Interventionen geplant.28

[...]


1 Vgl. BPtK (2011), S. 20

2 Vgl. Busch et al (2013), S. 737

3 Vgl. Statista Research Department (2016)

4 Vgl. Kliner/Rennert/Richter (2019), S. 67

5 Vgl. Beesdo-Baum/Wittchen (2011), S. 880

6 Vgl. Hautzinger (2017), S. 126

7 Vgl. Beesdo-Baum/Wittchen (2011), S. 880

8 Ebd.

9 Vgl. Beesdo-Baum/Wittchen (2011), S. 880

10 Vgl. Hautzinger (2017), S. 126

11 Vgl. DIMDI (2018)

12 Vgl. Von Ameln/Willemse ( 2018), S. 5 f.

13 Vgl. Laux (2008), S. 406

14 Ebd.

15 Vgl. Nickel et al (2009), S. 8

16 Vgl. Nickel et al (2009), S. 9

17 Ebd.

18 Vgl. Laux (2008), S. 406

19 Vgl. Nickel et al (2009), S. 10

20 Rohr / Schubert/Zwicker-Pelzer (2019), S. 65

21 Vgl. Nickel et al (2009), S. 14

22 Vgl. Nickel et al (2009), S. 15

23 Vgl. Laux (2008), S. 447

24 Laux (2008), S. 407

25 Vgl. Stapel/Helmrich ( 2019), S. 86

26 Vgl. Hautzinger (2017), S. 127

27 Vgl. Hautzinger (2017), S. 127 f.

28 Vgl. Rohr / Schubert/Zwicker-Pelzer (2019), S. 72

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener psychotherapeutischer Perspektiven bei Depression
Untertitel
Ätiologie, Setting und Interventionen bei Depressiver Episode
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
27
Katalognummer
V923066
ISBN (eBook)
9783346247148
ISBN (Buch)
9783346247155
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychotherapie, Depression, Depressive Episode, systemische Therapie, Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Ätiologie, Therapiesetting, Interventionen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Arbeit zitieren
Olivia Keil (Autor), 2020, Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener psychotherapeutischer Perspektiven bei Depression, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923066

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener psychotherapeutischer Perspektiven bei Depression



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden