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Was ist öffentliche Meinung?

Title: Was ist öffentliche Meinung?

Term Paper , 2002 , 25 Pages , Grade: 1.7

Autor:in: Nannette Remmel (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
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Der Begriff ,,Öffentliche Meinung" wurde schon in der römischen und griechischen Antike wie selbstverständlich gebraucht. Seit Menschendenken thematisiert, hat sich seine Definition im Laufe der Zeit dabei jedoch erheblich verändert. Noch im 17. und 18. Jahrhundert schloss der Begriff - wie auch schon in der Antike - das gesamte gesellschaftliche Leben, wie z.B. auch die Mode mit ein. Mit öffentlicher Meinung waren auch häufig Urteile gemeint, ,,die (...) wegen ihrer moralischen Qualität Druck auf einzelne Gesellschaftsmitglieder ausübten." 1 Im 19. und 20. Jahrhundert verengte sich die Betrachtungsweise dann überwiegend auf den Aspekt der Politik, woraus eine große Verwirrung darüber entstand, wie nun öffentliche Meinung richtig zu definieren sei.2 Nicht zuletzt aufgrund dieser Begriffsverschiebung haben sich ,,schon Generationen von Philosophen und Juristen, Historikern, Politologen und Publizistikwissenschaftlern die Zähne [an dem Versuch, öffentliche Meinung zu definieren] ausgebissen."3 Harwood Childs zitiert in seinem Werk ,,Public Opinion: Nature, Formation and Role" (1965) insgesamt 50 verschiedene Definitionen, die im Laufe der Zeit aufgestellt wurden. In den 50er und 60er Jahren führte die allgemeine Verwirrung - nicht zuletzt auch durch Childs Veröffentlichung genährt - sogar vermehrt zu Forderungen nach Aufgabe des Begriffs, da es sich bei ihm um reine Fiktion handele. Am Ende dieser Arbeit soll unter anderem beantwortet werden können, ob diese Forderung ihre Berechtigung hat(te) oder nicht. Es scheint aber, ,,daß der Begriff öffentliche Meinung eine Wirklichkeit trifft, auch wenn es noch Schwierigkeiten macht, diese Wirklichkeit präzise zu fassen."4 Denn nicht nur in der Umgangssprache wird nach wie vor an diesem Begriff festgehalten, ,,auch die Wissenschaften, vor allem Jurisprudenz, Politik und Soziologie, sind offensichtlich außerstande, traditionelle Kategorien wie...>öffentliche Meinung< durch präzisere Bestimmungen zu ersetzen."5 Was also ist öffentliche Meinung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Begriffsgeschichte

3) Öffentliche Meinung als Raisonnement

4) Öffentliche Meinung als soziale Kontrolle

5) Vergleich der Konzepte

5.1) Unterschiede in den Begriffsdefinitionen

5.2) Exkurs: Meinungsforschung

5.3) Wissenschaftstheoretischer Vergleich

6) Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Begriff der "öffentlichen Meinung" auseinander, um die theoretische Verwirrung um seine Definition aufzuklären. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welches der beiden dominanten Konzepte – "öffentliche Meinung als Raisonnement" (manifeste Funktion) oder "öffentliche Meinung als soziale Kontrolle" (latente Funktion) – eine größere wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und Erklärungskraft besitzt.

  • Historische Entwicklung des Begriffs der öffentlichen Meinung
  • Analyse des Konzepts der öffentlichen Meinung als politisches Raisonnement
  • Untersuchung der Theorie der Schweigespirale als Instrument sozialer Kontrolle
  • Vergleichende Bewertung der Konzepte anhand wissenschaftstheoretischer Gütekriterien
  • Reflektion der Eignung aktueller Meinungsumfragen zur Erfassung öffentlicher Meinung

Auszug aus dem Buch

4) Öffentliche Meinung als latente Funktion: Soziale Kontrolle

„Als Anfang der siebziger Jahre zur Aufklärung des rätselhaften Befunds von 1965 - gleichbleibende Wahlabsicht zur Bundestagswahl und unaufhörlicher Anstieg der Siegeserwartung für eine Seite - die Hypothese von der Schweigespirale aufgestellt wurde, begann ich mich Elisabeth Noelle-Neumann zu fragen, ob hier vielleicht ein Glied des Monsters „öffentliche Meinung“ gegriffen worden sei.“ „Schweigespirale heißt: Menschen wollen sich nicht isolieren, beobachten pausenlos ihre Umwelt, können aufs Feinste registrieren, was zu-, was abnimmt. Wer sieht, daß seine Meinung zunimmt, ist gestärkt, redet öffentlich, läßt Vorsicht fallen. Wer sieht, daß seine Meinung an Boden verliert, verfällt in Schweigen. Indem die einen laut reden, öffentlich zu sehen sind, wirken sie stärker, als sie wirklich sind, die anderen schwächer, als sie wirklich sind. Es ergibt sich eine optische oder akustische Täuschung für die wirklichen Mehrheits-, die wirklichen Stärkeverhältnisse, und so stecken die einen andere zum Reden an, die anderen zum Schweigen, bis schließlich die eine Auffassung ganz untergehen kann.“ Bewiesen wurde die Theorie beispielsweise „beim dramatischen Popularitätsverlust von Präsident Bush nach dem Golfkrieg, vor der Präsidentschaftswahl 1992. Dort wurde die Schweigespirale getestet und die zurückgehende Redebereitschaft der Anhänger Bushs in der Öffentlichkeit einwandfrei bestätigt.“

In der Definition Öffentlicher Meinung von Elisabeth Noelle-Neumann „tritt der Begriff „Meinung“ als Schlüsselbegriff ganz zurück.“ Die Theorie beruht vielmehr auf den beiden Schlüsselbegriffen Isolationsdrohung und Öffentlichkeit. Dazu bedient sie sich mehrerer psychologischer Hypothesen. Wie oben beschrieben fürchtet der Mensch die Isolation. Daraus ergibt sich eine gewisse Konformität, d.h. Menschen beugen sich dem Druck der Meinungen der Umwelt, auch wenn sie den eigenen widersprechen. „Öffentliche Meinung ist [also] in diesem Verständnis keine Sache der Berufenen, der zur Kritik Befähigten, der „politisch fungierten Öffentlichkeit (Habermas). Alle sind beteiligt.“ Die Öffentlichkeit wird dabei vom Individuum als Tribunal empfunden und weil es sich nicht isolieren will, orientiert es sich an ihren Maßstäben.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Begriffsverwirrung und begründet die Notwendigkeit einer differenzierten Untersuchung öffentlicher Meinung in den Sozialwissenschaften.

2) Begriffsgeschichte: Hier wird der historische Wandel des Begriffs von einer allumfassenden gesellschaftlichen Norm hin zu einer verengten, politisch fokussierten Definition nachgezeichnet.

3) Öffentliche Meinung als Raisonnement: Das Kapitel erläutert das Elitenkonzept, welches öffentliche Meinung als rationalen Prozess des Austauschs von Argumenten zur Kontrolle der Regierung begreift.

4) Öffentliche Meinung als soziale Kontrolle: Dieses Kapitel stellt die Theorie der Schweigespirale vor, die öffentliche Meinung als Integrationsmechanismus und Konformitätsdruck innerhalb der Gesellschaft definiert.

5) Vergleich der Konzepte: Hier werden die beiden Konzepte systematisch gegenübergestellt, wobei Aspekte wie Funktionen, Begriffsdefinitionen und die Rolle von Umfragen analysiert werden.

6) Fazit: Das Fazit bewertet das Konzept der sozialen Kontrolle als wissenschaftlich leistungsfähiger und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung sozialpsychologischer Prozesse in der Öffentlichkeitstheorie.

Schlüsselwörter

Öffentliche Meinung, Schweigespirale, soziale Kontrolle, Raisonnement, Konformitätsdruck, Isolationsfurcht, Demokratie, Partizipation, Meinungsforschung, Soziologie, Politische Kommunikation, Elitenkonzept, Integrationskonzept, Politische Psychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Definition von "öffentlicher Meinung" und dem Vergleich zweier unterschiedlicher Konzepte, die das Verständnis dieses Phänomens maßgeblich geprägt haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die historische Wandlung des Begriffs, die Unterscheidung zwischen öffentlicher Meinung als rationalem Diskurs und als sozialem Kontrollinstrument sowie deren Relevanz für die Demokratie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der konkurrierenden Konzepte – Raisonnement vs. soziale Kontrolle – zu prüfen und zu klären, welches Modell die Wirklichkeit öffentlicher Meinung besser abbildet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und vergleicht die Konzepte anhand wissenschaftstheoretischer Gütekriterien wie empirischer Anwendbarkeit, Komplexität und Kompatibilität mit anderen Theorien.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung des Elitenkonzepts (Raisonnement) und des Integrationskonzepts (Soziale Kontrolle/Schweigespirale) sowie deren systematischen Vergleich.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Öffentliche Meinung, Schweigespirale, Soziale Kontrolle, Konformitätsdruck und Isolationsfurcht charakterisiert.

Warum sind herkömmliche Meinungsumfragen laut der Autorin oft problematisch?

Repräsentativumfragen behandeln Meinungen oft als statistische Aggregate, ohne den zugrunde liegenden Kontext, den sozialen Druck oder den unterschiedlichen Einfluss von Individuen zu berücksichtigen.

Inwiefern beeinflusst das Konzept der Schweigespirale die individuelle Meinungsäußerung?

Menschen beobachten ihr Meinungsklima kontinuierlich und neigen dazu, ihre eigene Meinung zu verbergen, wenn sie fürchten, damit in die Isolation zu geraten, was zu einem Schweigeprozess bei Minderheiten führt.

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Details

Title
Was ist öffentliche Meinung?
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Publizistik)
Course
Übung: Öffentliche und veröffentlichte Meinung
Grade
1.7
Author
Nannette Remmel (Author)
Publication Year
2002
Pages
25
Catalog Number
V9231
ISBN (eBook)
9783638159944
Language
German
Tags
latent manifest Raisonnemt soziale Kontrolle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nannette Remmel (Author), 2002, Was ist öffentliche Meinung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9231
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