Wahrnehmung von Aufstand und Krieg der Niederlande gegen Spanien in der Propaganda


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

28 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1.Quellenlage
1.2. Forschungsstand

2. Vom Aufstand zum Krieg – die Jahre 1566 – 1609
2.1. erste Spannungen bis zum Bildersturm
2.2. Eskalation der Ereignisse
2.3. Der spanisch-niederländische Krieg bis 1609 und die endgültige Teilung

3. Die Mittel der Propaganda

4. Darstellung von Aufstand und Krieg in der Propaganda
4.1.Die Propaganda in Flugblättern
4.2. Die schwarze Legende und ihre Stellung in der Propaganda
4.3. Die Wahrnehmung des Aufstandes im Deutschen Reich

5. Schlussbemerkungen

6.Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1.Quellen
6.2. Literatur

1. Einleitung

„Es gibt keinen günstigen Wind, für den, der nicht weiß, in welche Rich­tung er segeln will.“[1]

Das Haus Oranien - Nassau war in der Geschichte kein unbedeutendes Adelsgeschlecht. Ohne dieses Geschlecht wäre die deutsche, aber vor allem die niederländische Geschichte mit Sicherheit anderes verlaufen. Als im Jahr 1533 auf dem Stammsitz der Familie in Dillenburg ein Junge namens Wilhelm geboren wurde, da war wohl noch niemanden klar, welche wichti­ge Rolle dieser Wilhelm in der Geschichte des Familie Oranien einmal einnehmen sollte. In der Nationalhymne der heutigen Niederlande wird genau dieser Wilhelm, der später den Namen „der Schweiger“ erhielt, gefeiert. Denn genau er gilt als Lichtgestalt eines in der Mitte des 16. Jahrhundert beginnenden Kampfes gegen die spanische Herrschaft. Das Ende dieser Auseinandersetzungen ist 1648 anzusetzen. Verbunden mit dem Ende ist ein Frieden mit Spanien, aber auch eine vollkommene Neuordnung der politischen Verhältnisse. Zu diesem Zeitpunkt war Fürst Wilhelm von Oranien jedoch bereits viele Jahre tot. Er fiel 1584 einem Attentat zum Opfer, nachdem er durch den spanischen König für vogelfrei erklärt wurde. Zu diesem Zeitpunkt stand die Trennung der sieben vereinigten Provinzen[2] vom übrigen Teil der spanischen Erblande fest. Oranien hatte in den letzten Jahren seines Lebens immer wieder erleben müssen, dass er manchmal sehr ungünstigen Wind hatte. Trotzdem hielt er zumindest äußerlich an seinen Grundüberzeugungen bis zum Schluss fest. Gerade das ließ ihn Erfolg erleben und trotzdem am Ende als tragische Figur scheitern. Seine Rolle soll in der vorliegenden Hausarbeit unter anderem beleuchtet werden. Dass Oranien seine wichtige Rolle, die er zweifelsohne hatte, nicht von Beginn einnahm, scheint einleuchtend. Wie kam es also dazu? Genau 100 Jahre vor dem Frieden zwischen Spanien und den Niederlanden, waren die räumliche Strukturen bereits einem Wandel unterworfen. Im Burgundischen Vertrag von 1548 wurden die niederländischen Provinzen mehr oder weniger von den übrigen Reichsständen getrennt. Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, war auf dem Höhepunkt seiner Macht und hatte begonnen das Reich nach seinen Vorstellungen zu gestalten. 1512 bereits waren die niederländischen Provinzen im Burgundischen Reichskreis zusammengefasst worden. Die gesellschaftlich führenden Gruppen hatten sich jedoch im Laufe der Zeit vom restlichen Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation immer mehr entfremdet. Auf dem Reichstag in Augsburg 1548 wurde dem Reich zwar der Oberherrschaft des burgundischen Kreises entzogen, jedoch sollten die spanische Erblanden weiter Umlagen für die Türkenkriege zahlen. De facto galten die niederländischen Territorien als souverän. Dieser Aspekt wird in der vorliegenden Arbeit genauso noch einmal ein Rolle spielen wie der Gesichtspunkt der Religion. Im Reich wurde 1555 der Reichsreligionsfrieden geschlossen, als Folge der Reformation. Als überzeugter Katholik stellte sich Karl V. mit aller Entschiedenheit der sich ausbreitenden Lehre Luthers entgegen. Dies war auch, in den niederländischen Territorien zu spüren. Das ius emigrandi[3], welches seit dem Reichsreligionsfrieden im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation galt, wurde nicht auf die niederländischen Territorien ausgedehnt. Es sollte allein die katholische Religion gelten. Obwohl diese Spannungen vorhanden waren, wurde die Herrschaft Karl V. im Kern nicht in Frage gestellt, denn trotz alledem achtete er auf die ständischen Rechte und Privilegien. 1555 dankte Karl V. aus verschiedenen Motiven[4] als Kaiser ab. Die Kaiserkrone wurde auf seinen Bruder Ferdinand übertragen, den Titel des spanischen Königs bekam Philipp II., der Sohn Karl V. Mit diesem Machtwechsel begannen nun auch, die Spannungen in den niederländischen Provinzen immer mehr in den Vordergrund zu treten. Als der Aufstand ausbrach, begann sich eine Propagandamaschinerie in Gang zu setzen. Natürlich sah Propaganda im 16. Jahrhundert anders aus, als in den Kriegen des 20. Jahrhunderts. Der Buchdruck machte es erst möglich, Flugblätter, Flugschriften und Pamphlete zu drucken. Mit Hilfe dieser Medien konnte Propaganda betrieben werden. Wie das genau aussah, wird Gegenstand der Hausarbeit sein. Das Hauptaugenmerk liegt schlussendlich darauf, wie der Aufstand und der daraus resultierende Krieg in der Propaganda aussah. Wie wird dabei die Rolle des Fürsten von Oranien dargestellt? Welche Ziele verfolgte die Propaganda? Es wird also der Aufstand in seiner Gesamtheit darzustellen, der Fokus aber auf die Propaganda und ihre Mittel gerichtet. So ist es möglich, aus dem Blickwinkel der Propaganda den Aufstand und die Rolle des Prinzen von Oranien beleuchten und einordnen zu können.

1.1.Quellenlage

Um historische Ereignisse wie den Aufstand der Niederlande richtig verstehen und bearbeiten zu können, ist es natürlich von immenser Bedeutung auf Quellen dieser Zeit zurückgreifen zu können. Das scheint für Geschehnisse, die weit in der Vergangenheit liegen schwierig zu sein. Jedoch ist festzustellen, dass gerade die Zeit des Aufstandes editorisch gut erschlossen ist und so ein geschichtlicher Einblick in die Abläufe gewährt wird. Allein in den den Archiven in Den Haag, Gent und Leiden sind ca. 10.000 Flugschriften vorhanden. Ca. 2000 Flugschriften mit politischen Inhalt können der Zeit zwischen 1555 und 1590 zugeordnet werden.[5] Natürlich bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Quellen, da diese natürlich eine gewissen Intention verfolgten. Trotzdem scheinen gerade diese Quellen eine gute Grundlage, die Ausgangsfrage beantworten zu können. Neben den Flugschriften stehen auch Flugblätter zur Verfügung. Bei kaum einer anderen Quelle, ist es möglich auf die Klischees, Hoffnungen, Ängste und Erwartungen der Zeitgenossen zu blicken. Neben den Flugschriften und Flugblättern können so genannte Sendschreiben als historische Quelle angesehen werden, so weit diese noch vorhanden sind. Das gleiche gilt für Pamphlete, die ebenfalls zu dieser Zeit vertrieben wurden. Ebenfalls als Grundlage können Schriften der beteiligten Protagonisten, wie zum Beispiel die Apologie des Prinzen von Oranien verwendet werden, wobei natürlich gerade diese immer kritisch betrachtet werden müssen, da die Gefahr der Subjektivität hier besonders hoch ist.

1.2. Forschungsstand

Neben den Quellen steht für die Beantwortung der Frage eine Vielfalt von Forschungsliteratur zur Verfügung. Glaubt man Dirk Maczkiewitz, so ist die Literatur zu diesem Thema eine Legion.[6] In der Tat reicht sie zurück bis in die Tage des Aufstandes selbst.[7] Jedoch gilt auch hier wieder, dass die Literatur natürlich im Kontext ihrer Entstehung betrachtet und gelesen werden muss. John Motley[8] beschäftigte sich im 19. Jahrhundert mit dem Aufstand. Dabei ist eine eindeutige Tendenz des Autors festzustellen. Fürst Wilhelm von Oranien ist der große Freiheitskämpfer, wohingegen König Philipp II. und der Herzog von Alba als Unterlegende dargestellt werden. Ein weiteres Werk[9] zu diesem Thema, allerdings mit genau umgekehrter Aussage, wurde durch den Österreicher Matthias Koch verfasst. Er kritisierte in seinem Buch scharf die Darstellungsweise Motleys. Das 19. Jahrhundert hatte sowohl Gegner als auch Befürworter des Aufstandes hervorgebracht. Es gilt für diese Zeit besonders die These, dass große Männer, große Geschichte machen und diese Auffassung des Historismus klingt in Werken dieser Zeit immer mit. Im 20.Jahrhundert setzte sich die Betrachtung des Aufstandes fort. Ernst Marx beschäftigte sich mit diesem Thema in seinem Werk[10], wobei er die bekannten Ansichten übernimmt. Eduard Heyck[11] vergleicht Wilhelm von Oranien mit Bismarck. Auch hier ist immer noch, die Geschichtsauffassung des Historismus zu finden. Als Meilenstein zu Beginn des 20. Jahrhundert wird in der Forschung die Arbeit[12] von Felix Rachfahls gesehen. Bis heute, glaubt man Autoren wie Anton van der Lem[13], hat dieses Werk große Bedeutung. Auch die marxistische Geschichtsschreibung kam nicht daran vorbei, sich mit dem Thema zu befassen. Erich Kuttner[14] legte noch zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges ein Buch zu diesem Thema vor. Wie in der Geschichtsschreibung der DDR üblich, deutet er den Aufstand aus sozialen Missständen heraus. Die Nützlickeit dieses Buches, scheint für eine objektive Betrachtung sehr gering zu sein. Aus der neueren Forschung ist Horst Lademacher nicht wegzudenken. Sehr ausführlich widmete er sich dem Aufstand[15]. Auch Geoffrey Parker[16] gehörte zu denen, die sich sehr ausführlich mit den Geschehnissen in den Niederlanden beschäftigten. Sehr bedeutend und aus heutiger Sicht eines der Standardwerke wurde von Jonathan Israel[17] verfasst. Seine Erkenntnisse dienen als Grundlage und werden mit in die Arbeit einfließen. Ebenfalls als Grundlage dienen die Arbeiten von Johannes Arndt[18] und Dirk Maczkiewitz[19]. Betrachtet man die Arbeiten der vergangenen Jahre, so ist festzustellen, dass sich das Bild über Oranien sehr gewandelt hat. Es ist wird nicht mehr auf die heroischen Taten des Wihelm geblickt, sondern versucht, Oranien in seiner Zeit zu begreifen und ihn und die gesamten Ereignisse in diesen Kontext einzuordnen. In der neu erschienen Biografie[20] über Wilhelm von Oranien, wird gerade dieses deutlich. In der neueren Forschung geht es mehr darum, das Ereignis und all die Protagonisten als Einheit zu verstehen und zu analysieren.

2. Vom Aufstand zum Krieg – die Jahre 1566 – 1609

In der Forschung hat sich in den letzten Jahren der Grundtenor durchgesetzt, dass der Aufstand und der sich daraus entwickelnde 80jährige Krieg nicht durchweg stattgefunden hat. In der Forschung hat sich eine Periodisierung der Ereignisse durchgesetzt. Dieses scheint sinnvoll und soll auch in der vorliegenden Arbeit geschehen. Die Problematik der richtigen Einteilung ist natürlich bei diesem Thema ebenso bekannt, wie allgemein in der Geschichtswissenschaft und hängt vom jeweiligen Betrachtungsschwerpunkt ab. Da die Arbeit sich auf Autoren stützt, die der niederländischen Historiographie folgen, kann es zu Abweichungen kommen, wenn andere Sichtweisen bevorzugt werden.

2.1. erste Spannungen bis zum Bildersturm

Erste Auseinandersetzungen, welche damit den Beginn der erste Phase des Aufstandes markieren, sind für den Regierungsantritt Philipp II. zu erken-nen. Das Ende dieser Phase wird der Bildersturm darstellen. Auch wenn der eigentliche Bildersturm nur die Jahre 1566/67 umfasst, scheint es sinnvoll, die Ereignisse ab dem Regierungsantritt zu betrachten, damit diese ersten Unruhen in den richtigen historischen Kontext eingeordnet werden können. Bereits erwähnt wurde ja, dass die Spannungen seit der Amtsübernahme von Philipp II. immer wieder in den Vordergrund traten. Ein Problem, welches damit zusammen hing, war die Tatsache, dass der neue Herrscher von Beginn an nie wirklich akzeptiert wurde. Maczkiewitz wie auch Parker weisen auf die in der Forschung anerkannte und auch in dieser Arbeit vertretende Meinung[21] hin, dass Philipp II. als geborener Spanier im Vergleich zu seinem Vater, der von Geburt Niederländer war, von Beginn an als Fremder angesehen wurde. Ein weiteres Problem erschwerte den Regierungsantritt. Zur Zeit der Machtübernahme befand das Haus Habsburg im Krieg mit Frankreich. Grund für die militärischen Auseinandersetzungen war der Kampf um die Vormachtstellung in Europa. Für diesen Krieg benötigte Philipp II. Gelder, die er unter anderem natürlich aus den Niederlanden bezog. Aufgrund der politischen Verhältnisse, brauchte er die Zustimmung der Generalstände. Im Jahr 1556 rief Philipp II. eben diese Ständeversammlung ein. In den Niederlanden war jedoch eine breite Masse gegen diesen Krieg, da für die Niederländer kein wirklicher Nutzen dabei heraus sprang und die finanzielle Belastung für die Wirtschaft zu groß war[22]. Die Generalstände nutzten also in den Jahren 1555-59 ihre Macht aus und diktierten Philipp II. ihre Bedingungen für die Bereitstellung der Gelder. Hier zeichnete sich bereits ab, dass es dauerhaft schwierig werden würde und Spannungen nicht ausbleiben sollten. Auch Philipp erkannte diese Tatsache und beschloss, dass diese Versammlung so nie wieder zusammen treten sollte.[23] Es wird also beim Blick auf die Anfangsphase der Regierung Philipp II. deutlich, dass er die politischen Verhältnisse in den Niederlanden ändern wollte. Das dieses den Protest der Niederländer herauf beschwören musste, ist einsichtig. Maczkiewitz deutet ebenfalls an, dass Philipp II. es von Beginn an versäumte, seinem negativen Erscheinungsbild entgegen zu wirken. Er verließ die Niederlande 1559 in Richtung Spanien. Obwohl seine Untertanen von ihrem Landesherren erwarteten, dass er zeitweise persönlich in der Niederlanden präsent war, sollte er dieses nur noch durch seine Berater sein. Zur Stärkung seiner Autorität hätte dieses mit Sicherheit beigetragen. Bevor er die niederländischen Provinzen verließ, setzte er seine Halbschwester Margarete von Parma als Generalstatthalterin ein. Zusammen mit einem Beraterstab sollte sie künftig über Personalfragen entscheiden. Genau hier treffen die beiden politischen Vorstellungen aufeinander. Die Adligen um Wilhelm von Oranien fühlten sich düpiert und fürchteten ihren Einfluss schwinden, da ihnen klar war, dass ihr Machtbereich verkleinert werden sollten. Diese Vorahnung sollte durch die Neuordnung der Bistümer untermauert werden. Zukünftig durften nur noch Theologen ordiniert werden und dem Adel war eine Karrieremöglichkeit versperrt. Das dieses zu Unruhe führen musste, scheint nachvollziehbar. Erstaunlich ist jedoch die Tatsache, dass der Protest des Adels sich nicht gegen Philipp II. richtete, sondern gegen seine Berater. Maczkiewitz begründet diese Tatsache damit, dass es für den Hochadel undenkbar war, sich gegen den rechtmäßigen Landesherren zu erheben.[24] Dem Adel war durchaus bewusst, dass gewisse Privilegien nur durch den Landesherren verliehen werden konnten. Eine offene Provokation hätte eher geschadet als genutzt. Dieser Aspekt wird noch einmal zu thematisieren sein, wenn es um die Loslösung von Philipp II. geht. Während also der Hochadel seine Macht versuchte zu stabilisieren, beschäftigten den Rest der Bevölkerung vor allem zwei Probleme, welche die Situation zwischen dem Landesherren und seinen Untertanen schwierig gestalten sollten. Seit dem Krieg mit Frankreich im Jahre 1553 waren spanische Truppen im Land stationiert. Anton van Lem stellt die These auf, dass die finanzielle Unterstützung der Truppen durch die Niederländer nie Philipps Absicht gewesen sei.[25] Diese Aussage ist zwar durchaus möglich, aber nicht nachvollziehbar. Es ist bekannt das die Kassen des spanischen Königs gerade durch die Kriege, u.a. mit Frankreich, eine ständige Geldknappheit verursachten. Nicht nur Olaf Mörke weist in seinem Buch darauf hin, dass Philipp ständig die finanzielle Unterstützung des niederländischen Adels brauchte.[26] Also gerade weil Philipp kaum Geld zur Unterbringung aufbringen wollte oder konnte, wurden die Truppen dort stationiert und die Kosten durch die Niederlande aufgebracht. Es ist verständlich und einsichtig, warum die Unterbringung der Soldaten bei der niederländischen Bevölkerung so unbeliebt war. Zu dem sind Einquartierungen von fremden Truppen immer unbeliebt gewesen. Das zweite Problem war aber das schwerwiegendere von den beiden. Karl V. hatte schon erkennen lassen, dass der katholische Glauben der allein gültige sein sollte. Sein Sohn Philipp setzte in diesem Punkt die Politik ohne Änderungen fort. Doch gerade hier schienen die Niederländer und ihr weltliches Oberhaupt, schon lange verschiedener Meinung zu sein. Die Mehrheit der Bevölkerung verstand nicht, warum Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Sie verstanden auch nicht, warum Menschen trotzdem sterben mussten, obwohl sie widerriefen.[27] Das andere religiöse Gedanken als katholische ins Land kamen, konnte jedoch seit der Reformation nicht verhindert werden. Allerdings fanden die reformatorischen Schriften hier erst später ihre Leserschaft. Hinzu kam auch, dass viele Kaufleute vom Katholizismus mehr profitierten. Genauso waren das Gedankengut des Erasmus von Rotterdam sehr verbreitet und erschwerte eine Ausbreitung der reformatorischen Lehre. Ab 1550 kamen dann calvinistische Wanderprediger ins Land. Gerade diese Wanderprediger waren es, die sich am weitesten von Philipp und seinem System entfernten. Die Calvinisten waren überzeugt, dass die Obrigkeit auch Dienerin Gottes zu sein habe und somit der Calvinismus die einzig richtige Religion sei. Hierin lag nun eine explosive Mischung. Als es 1565/66 in Folge ausbleibender Getreideimporte, auf die man in den Provinzen jedoch angewiesen war, zu einer Verschlechterung der Lage und zu einer Hungersnot kam, fanden die Calvinisten ihre Zuhörerschaft. Der maßlose Reichtum der katholischen Kirche musste zwangsweise zu Neid und Anstoß führen. In Klöstern und Kirchen wurden bildliche Darstellungen zerstört. Außerhalb der Kirchen blieb es ruhig. Trotzdem schädigten sich die Calvinisten weitgehend selber. Maczkiewitz geht noch einen Schritt weiter. Er geht davon aus, dass es zwar Unmut über die Politik Philipps gab, aber grundlegende Änderungen waren nie gewünscht.[28] Das scheint zu diesem Zeitpunkt nachvollziehbar. Der Adel hätte, wie bereits erwähnt, niemals gegen den rechtmäßigen Landesherren opponiert. Mit einer grundlegenden Änderung der politischen Verhältnisse hätte der Adel auch mehr Macht abgegeben müssen, als er bereit gewesen wäre. Auch Wilhelm von Oranien und Graf Egmont zeigten sich über die Ausmaße des Bildersturmes beunruhigt. Da Philipp die Gelegenheit jedoch nutzen sollte, um alle Opposition nieder zuschlagen, sollte sich diese Überzeugung, nicht gegen den Landesherren zu opponieren, bald ändern.

[...]


[1] Wilhelm von Oranien, Fürst von Oranien und Nassau.

[2] Zu diesen Provinzen gehören die Provinzen Holland, Zeeland, Groningen, Utrecht, Friesland, Gelderland und Oberijssel.

[3] Hierbei handelt es sich um das Recht, den sich dem Landesherren anzuschließen, der das Religionsverständnis hat, welches der Untertan vertritt.

[4] Vgl. Mörke, Olaf, Wilhelm von Oranien, Fürst und „Vater“ der Republik, Kiel 2006, S. 57.

[5] Maczkiewitz, Dirk, Der niederländische Aufstand gegen Spanien, in: Studien zur Ge­schichte und Kultur Nordwesteuropas, Band 12, Münster, 2005, S. 29.

[6] Ebd. S. 15.

[7] Um die Literatur übersichtlich zu halten, wird nur die das 19. und 20. Jahrhundert, so­wie die aktuelle Forschungslandschaft betrachtet.

[8] Motley, John, Der Abfall der Niederlande und die Entstehung des holländischen
Freistaates, 3 Bände 1860-1861.

[9] Koch, Matthias, Untersuchungen über die Empörung und den Abfall der Niederlande von Spanien, Leipzig, 1960.

[10] Marx, Ernst, Studien zur Geschichte des niederländischen Aufstandes, Stuttgart, 1902.

[11] Heyck, Eduard, Wilhelm von Oranien und die Entstehung der freien Niederlande, Bielefeld 1908.

[12] Rachfahl, Felix, Wilhelm von Oranien, 3 Bände, Den Haag 1906 – 1924.

[13] Lem, Anton van, Opstand, Der Aufstand in den Niederlanden, Amsterdam, 1995, S. 155.

[14] Kuttner, Erich, Het hongerjaar 1566, Amsterdam 1949.

[15] Lademacher, Horst, Geschichte der Niederlande, Darmstadt, 1993.

[16] Parker, Geoffrey, Der Aufstand der Niederlande, München, 1979.

[17] Israel, Jonathan, The Dutch, Republic, Its Rise, Greatness and Fall, Oxford 1995.

[18] Arndt, Johannes, Das Heilige Römische Reich und die Niederlande 1566 – 1648, Köln, Weimar, Wien, 1998.

[19] Maczkiewitz, Dirk, Der niederländische Aufstand gegen Spanien, Münster, 2005.

[20] Mörke, Olaf, Wihlem von Oranien, Stuttgart, 2007.

[21] Vgl. Maczkiewitz, Dirk, S. 96. Parker, Geoffrey, S.

[22] Vgl. Lem, Atnon van, S. 41.

[23] Ebd. S. 42.

[24] Maczkiewitz, Dirk, S. 110.

[25] Vgl. Lem, Anton van, S. 45.

[26] Vgl. Mörke, Olaf, S. 61.

[27] Vgl. Lem, Anton van, S. 47.

[28] Vgl. Maczkiewitz, Dirk, S.133.

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Details

Titel
Wahrnehmung von Aufstand und Krieg der Niederlande gegen Spanien in der Propaganda
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Niederlande und das deutsche Reich 1500 – 1800. Politische, kulturelle und wirtschaftliche Wechselwirkungen
Autor
Jahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V92329
ISBN (eBook)
9783638061254
ISBN (Buch)
9783638949972
Dateigröße
4008 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahrnehmung, Aufstand, Krieg, Niederlande, Spanien, Propaganda, Reich, Politische, Wechselwirkungen
Arbeit zitieren
Knut Kasche (Autor), 2007, Wahrnehmung von Aufstand und Krieg der Niederlande gegen Spanien in der Propaganda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92329

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