Drogenabhängigkeit im Jugendalter. Sozialisierung und soziales Umfeld bei abhängigen Jugendlichen


Bachelorarbeit, 2017

39 Seiten, Note: 2,6

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFSBESTIMMUNG JUGEND

3. BEGRIFFSBESTIMMUNG DROGENABHÄNGIGKEIT UND MISSBRAUCH

4. ABHÄNGIGKEITBEIJUGENDLICHEN
4.1. Gruppenzwang als Ursache
4.2. Therapie und Behandlung
4.3. Rückfallrisiko in Abhängigkeit

5. DROGENABHÄNGIGKEIT UND BEHANDLUNG IM GEFÄNGNIS

6. RÜCKFALLPROPHYLAXEGRUPPE IN DER JVA XY
6.1. Die Gruppe
6.2. Ablauf
6.3. Subjektives Rückfallrisiko in Bezug zum sozialen Umfeld

7. FAZIT

8. LITERATURVERZEICHNIS

9. ANHANG

1. Einleitung

Das Drogenproblem bei Jugendlichen nimmt im Laufe der Zeit immer weiter zu. Durch die Erfindung der chemischen Drogen bedeutet das enorm ansteigende und lebensge­fährliche Risiken für konsumierende und vor allem abhängige junge Menschen. Jugend­liche befinden sich in der Adoleszenz, einer Phase, in welcher sie zu selbstständigen jungen Erwachsenen heranwachsen. In dieser Phase sind primär die Freunde von gro­ßer Bedeutung. Jugendliche haben durch natürliche Gegebenheiten den Wunsch, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und respektiert und geachtet zu werden. Dies scheint das „Problem" zu sein, weshalb es oftmals bei den Heranwachsenden zu einem Kon­sum von Drogen kommt.

Somit soll in dieser Arbeit geklärt werden, inwiefern das soziale Umfeld bei drogenab­hängigen Jugendlichen eine Rolle spielt und ob Gruppenzwang tatsächlich eine Ursache für solch eine Abhängigkeit sein könnte. Weiterführend soll schließlich geklärt werden, inwieweit das soziale Umfeld wie Freunde oder Familie schließlich bei einer Re­Sozialisierung behandelter Jugendlicher beitragen. Hierfür wird ein empirisches Bei­spiel genannt, welches auf Fragebogen-Interviews mit abhängigen jugendlichen Straf­gefangenen einerJustizvollzugsanstalt basiert.

Im ersten Teil der Arbeit wird zuerst der Begriff der Jugend definiert. Das Jugendalter ist ein schwierig zu definierender Begriff und daher ist es sinnvoll, diesen zuerst zu klä­ren. Daraufhin wird der Begriff der Drogenabhängigkeit bestimmt, wie auch der des Missbrauchs, um beschreiben zu können, ab wann von einer Abhängigkeit gesprochen werden kann und was genau darunter zu verstehen ist. Anschließend wird die Abhän­gigkeit bei Jugendlichen genauer betrachtet. Hierzu werden einige Auslöser wie auch statistische Zahlen genannt und wie sich der Konsum im Vergleich zu Erwachsenen un­terscheidet. Ein grundlegender Auslöser ist, wie anfangs schon kurz geschrieben, der Gruppenzwang bei Jugendlichen. Im nächsten Kapitel geht es folglich um eben diesen Gruppenzwang, wodurch dieser ausgelöst wird und warum Jugendliche ihm oftmals unterlegen sind. Anschließend wird auf das Thema der Therapie und Behandlung ge­nauer eingegangen, welche sich ebenso wesentlich von der bei Erwachsenen unter­scheiden. Da bei Jugendlichen andere Methoden angewandt werden, kann eine Be­handlung abhängiger Menschen nicht pauschalisiert werden. Außerdem trägt sie maß­geblich zu einer Sozialisierung nach der Abhängigkeit bei. Infolge dieses Kapitels geht es schließlich um das Rückfallrisiko in jene Abhängigkeit, welches nicht zu unterschät­zen ist.

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Abhängigkeit im Gefängnis und der Behandlung dieser während der Haftzeit. So wird auch hier erst auf die Behandlung im Allgemeinen eingegangen, wo weiterhin ein Punkt der Behandlung genauer betrachtet wird. Die Rückfallprophylaxe ist ein wesentlicher Bestandteil solch einer Behandlung und auch in der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche eine wichtige Maßnahme. Sie be­reitet auf die Entlassung vor und kann zu einer besseren Integration verhelfen. Daher wird vorerst geklärt, was eine Rückfallprophylaxe bedeutet und im folgenden Kapitel wird genauer über die Gruppe, die Teilnehmer und auch die Betreuer berichtet. Um eine Rückfallprophylaxegruppe noch besser nachvollziehen zu können, wird auch der Ablauf dieser beschrieben. Anschließend werden die jungen Gefangenen mittels eines Fragebogens zu ihrer Einschätzung eines möglichen Rückfalls befragt und wie dieser in Zusammenhang mit ihrem sozialen Umfeld stehen könnte. Diese Ergebnisse werden detailliert analysiert.

Der letzte Punkt dieser Arbeit wird das Fazit sein, in welchem noch einmal alle Ergeb­nisse und Eindrücke, welche ausführlich diskutiert werden, zusammengefasst und ge­klärt werden, um die Bachelor-Thesis zusammenfassen zu können.

Zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit nur das maskuline Geschlecht genannt, welches aber alle Geschlechter impliziert.

2. Begriffsbestimmung jugend

Eine Gesellschaft hat generell eine Vorstellung darüber, in welchem Alter heranwach­sende Jugendliche sind und ab wann diese zu Erwachsenen werden. Zahlenmäßig sind Minderjährige im Alter von 14 bis 18 Jahren Jugendliche. Doch noch nicht sehr lange wird klar zwischen dem Kindes- und Erwachsenenalter abgegrenzt (vgl. Richter o.J.: 27).

Ein Dozent einer österreichischen Universität liefert einen soziologischen Jugendbegriff. Dieser schreibt, soziologische Jugendbegriffe würden sich nicht immer an der Empirie orientieren, sondern gehen davon aus „wie Gesellschaften Jugend verstehen, was als Jugend bezeichnet wird" (Richter o.J.: 27).

Es kann durch verschiedene Blickwinkel die Jugendphase gesehen werden. In der Bio­logie ist dies die Phase der Sexualreife. Aufbauend auf dieser geht die Persönlichkeits­entwicklung einfacher, bei welcher sich die jungen Menschen immer freier entfalten und selbstständiger werden. „Die Hinwendung zur Gleichaltrigengruppe ist für diese Persönlichkeitsentwicklung notwendig" (Richter o.J.:28). Somit ist das Jugendalter vor allem durch die Entwicklung zu einer sozialen Person gekennzeichnet. Freunde und Ansehen erhalten einen immer höheren Stellenwert und sind von großer Bedeutung. Sie sind ständig auf der Suche nach möglichen Freunden (vgl. Richter o.J.: 28). Dies ist ein wesentlicher Faktor für diese Arbeit, welche auf das sozialen Umfeld Betroffener fokussiert ist.

Generell ist Jugend sehr vielfältig geworden. So finden die einen in ihrer Jugendphase schon eine Arbeit und eine feste Anstellung, während andere Jugendliche noch die Schule und später eine Hochschule besuchen. Aufgrund verschiedener Veränderungen wie dieser kann der Jugendbegriff nicht mehr nur auf das Alter begrenzt werden, son­dern ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig.

3. Begriffsbestimmung Drogenabhängigkeit und Missbrauch

Um in dieser Bachelorarbeit über das Thema der Drogenabhängigkeit bei Jugendlichen schreiben zu können, muss vorerst geklärt werden, was Drogenabhängigkeit überhaupt ist und wie diese entsteht. Deshalb wird im folgenden Kapitel der Begriff der Abhängig­keit, wie auch der Begriff des Missbrauchs definiert, da dieser so gesehen der Schritt vor der Abhängigkeit ist.

Remschmidt bestimmt Missbrauch als eine „nicht sachgerechte oder über das sachge­rechte Maß hinausgehende Anwendung von Arznei- oder Genußmitteln" (1988: 127). Ein Substanzmissbrauch liegt anschließend dann vor, wenn Substanzen mit hohem ge­sundheitlichen Risikopotenzial konsumiert werden. Dies kann über längere Zeit hinweg, oder auch in unangemessenen Situationen wie beispielsweise während der Arbeit oder in der Schule erfolgen (vgl. Thomasius 2005: 15f). Viele Autoren und Wissenschaftler definieren den Begriff des Missbrauchs in anderer Weise, es gibt jedoch nur eine einzi­ge anerkannte Definition, wie Haak und Schay berichten (vgl. 2013: 80). Diese liegt dem DSM IV1 zugrunde: Hier wird Missbrauch als ein „unangepasstes Konsummuster psychotroper Substanzen [...], das u.a. dadurch gekennzeichnet ist, dass der Konsum trotz des Wissens um ein ständiges oder wiederholtes soziales, berufliches, psychisches oder körperliches Problem, das durch den Gebrauch der psychotropen Substanzen ver­ursacht oder verstärkt wird, fortgesetzt wird" (Heek/ Schay 2013: 82) beschrieben. Sil­bereisen und Reese nennen ebenfalls eine Begriffsbestimmung, welche dem DSM IV folgt. In dieser heißt es, Missbrauch liege vor, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sei: 1) erhebliche Probleme in Haushalt, Familie oder Schule wegen Substanzgebrauch 2) Substanzgebrauch in gefährlichen Situationen 3) Probleme mit dem Gesetz wegen Substanzgebrauch 4) Soziale und zwischenmenschliche Probleme wegen Substanzgebrauch (vgl. 2001: 132). Wie anhand der verschiedenen Definitionen zu erkennen ist, handelt es sich bei Missbrauch lediglich um einen bewussten Umgang mit gefährlichen Substanzen. So wird anfangs der Zugang „zu neuen und positiv bewer­teten Erlebnisformen" (Thomasius 2005: 17) wahrgenommen, wobei die negativen Konsequenzen jedoch noch außer Betracht bleiben. Thomasius erklärt 2005 die fünf Stadien des Missbrauchs anhand des Modells von Comerzi aus 1987. Die ersten beiden Stufen der Gefährdung (1) und der Experimentierfreude (2), wie auch die des regelmä­ßigen Konsums ohne Kontrollverlust (3) scheinen noch ohne Konsequenzen für die Konsumenten auszugehen und stellen somit einen Missbrauch dar. Die letzten beiden Stadien des regelmäßigen Konsums mit Kontrollverlust (4) und der abhängige Konsum multipler Substanzen (5) fließen dann allerdings in eine Abhängigkeit hinüber (vgl. Thomasius 2005: 16).

Auch für die Definition der Abhängigkeit liefert der DSM IV eine Tabelle, in welcher mindestens drei Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine Abhängigkeit vorliegt: (1) To­leranzentwicklung (2) Entzugssymptome (3) Längerer oder stärkerer Konsum als beab­sichtigt (4) Erfolgslose Kontrollversuche (5) Hoher Zeitaufwand für Beschaffung, Ge­brauch und Erholung (6) Einschränkung von Aktivitäten und (7) Fortgesetzter Gebrauch trotz schädlicher Folgen (vgl. Silbereisen/ Reese 2001: 132). Anhand dieser Kriterien ist schon zu beobachten, dass sich eine Abhängigkeit nicht so leicht feststellen lässt, wie der ledigliche Missbrauch von Substanzen. Bei einer Abhängigkeit unterliegt der Kon- DSM IV ist die vierte Auflage der Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders sument dem zwanghaften Verlangen, die Einnahme der Drogen fortzusetzen, da er einer physischen Abhängigkeit der Wirkung unterworfen ist (vgl. Schay/ Schau 2011: 19). So bringt die Abhängigkeit den Zwang, „die Droge kontinuierlich oder periodisch zu nehmen, um ihre psychischen Wirkungen zu erleben und manchmal, um die unange­nehmen Folgen des Verzichts zu vermeiden" (Westerhagen 1987: 22).

Früher wurde der Begriff der Sucht öfter angewandt, welcher einen Zustand periodi­scher oder chronischer Vergiftung, die eine wiederholte Einnahme eines Arzneimittels hervorruft, meint (vgl. Remschmidt 1988: 127). Wissenschaftler jedoch fanden diesen Begriff zu allgemein gefasst und ziehen den Begriff der Drogenabhängigkeit vor, um die „charakteristische Wirkungsweise einer chemischen Substanz in der Definition zu be­rücksichtigen" (Remschmidt 1988: 128). Diese ist eine physische oder psychische Ab­hängigkeit von einer Droge, welche nach längerer Anwendung aufkommt. Sucht oder eben auch Abhängigkeit wird als eine komplexe Störung betrachtet (vgl. Schay/ Schau 2013: 36), die als eine Krankheit beschrieben wird, wenn ein zwanghaftes Verhalten entsteht, welches verwirklicht werden muss (vgl. Haak/ Schay 2013: 80). Behrendt et al. verstehen die Abhängigkeit weiterhin nicht als eine Ursache, sondern als „das Er­gebnis des Zusammenspielens vieler Faktoren" (2013: 16), wie beispielsweise die Per­son an sich (Eigenschaften und Lebensgeschichte), die Droge und die Umwelt (Fami­lien, Freunde, Wohnsituation und Freizeit). Das Merkmal der Abhängigkeit soll der Ver­lust der Kontrolle des eigenen Verhaltens sein (vgl. Haak/ Schay 2013: 80). Dieser Ver­lust, aber auch die Krankheit im Allgemeinen, kann die Persönlichkeit der Drogenab­hängigen und das soziale Umfeld dieser beeinträchtigen, schädigen und auch zerstören (vgl. Schay/ Schau 2013: 36). Somit ist die Abhängigkeit nach Wanken und Täschner (1985) ein psychisches Problem, welches sekundäre, physische und auch psychische Folgen mit sich zieht (vgl. Schay/ Schau 2011:19).

4. Abhängigkeit bei Jugendlichen

Vor allem im Jugendalter sind Drogen sehr beliebt. Diese Art der illegalen Suchtmittel auszuprobieren, liegt verschiedensten Auslösern zugrunde. Im Allgemeinen sind Can­nabis und Ecstasy die beliebtesten Drogen unter Jugendlichen (vgl. Poser 2005: 39), deren Konsum allerdings beim Erwachsenwerden und nach dem Experimentieren häu- fig wiedereingestellt wird (vgl. Möller 2005: 65). Nur wenige geraten in eine Abhängig­keit dieser Drogen.

Insgesamt konnten in den letzten Jahren Steigerungsraten beim Konsum von legalen, wie auch von illegalen Suchtmitteln festgesellt werden (vgl. Thomasius 2005: 13). Der Konsum von Drogen soll sich sogar in der Zeit von 1993 bis 2011 fast verdoppelt haben (vgl. Schau/ Schay 2011: 24), wobei der Cannabiskonsum in den letzten Jahren aller­dings gesunken ist. So konsumieren 4,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen gelegentlich und lediglich 0,8 Prozent regelmäßig. Bei den 18- bis 25-Jährigen konsumieren zwar 13,5 Prozent gelegentlich, jedoch auch nur 3,3 Prozent wieder regelmäßig (vgl. Schau/ Schay 2013: 38). Zu begründen scheint diese Entwicklung mit der Zunahme chemischer Drogen, welche sich in den letzten Jahren enorm verbreitet haben.

Gründe für den Konsum können, wie oben schon angesprochen, bei Jugendlichen viel­seitig sein. Das größte Motiv scheint aber die Gruppendynamik zu sein (vgl. Hurrel­mann 2002: 260), auf welche im nächsten Kapitel noch genau eingegangen wird. Wei­tere Auslöser sind die erhöhte Risikobereitschaft Jugendlicher und die Neugier (vgl. Poser 2005: 43), wie auch der Versuch, innere Spannungen oder Schmerzen im Alltag vergessen oder mindern zu können (vgl. Möller 2005: 66). Ebenso gehört es für man­che zum Erwachsenwerden dazu, um Anschluss zu finden, gegen die Eltern zu protes­tieren oder sich abzulenken (vgl. Palentien/ Harring 2010: 370). Eine große Rolle bei dem Konsum von Suchtmitteln spielt auch das soziale (vgl. Thomasius 2005: 13), wie auch das familiäre Umfeld, in welchem Auslöser zum Beispiel schwierige Beziehungen sind (vgl. Schau/ Schay 2011: 16).

Doch nicht nur interne und externe Einflussfaktoren können den Konsum erhöhen, sondern auch Krankheiten. So weisen beispielsweise viele konsumierende Jugendliche komorbide Störungen auf. Diese können unter anderem durch Misshandlung in der Kindheit hervorgerufen werden (vgl. Streek-Fischer 2005: 176) und Stressreaktionen wie Entwicklungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und psychische sowie psychoso­matische Erkrankungen sein. Sie stehen ebenso in einem starken Zusammenhang mit der Intensität des Konsums (vgl. Schau/ Schay 2011: 16). Bei Jugendlichen lag im Jahr 2013 der Teil bei den unter 15-Jährigen mit seelischen Störungen bei 90 Prozent, aus welchem Grund der überwiegende Teil der Jugendlichen mit zehn bis 14 Jahren mit dem Konsum begonnen hat.

Vor allem bei Jugendlichen kann der Konsum von Drogen enorme Folgen haben. Zuerst kann er sehr schnell zu einer problematischen Form der Lebensbewältigung werden, aus welcher häufig Abhängigkeit und Sucht drohen (vgl. Palentien/ Harring 2010: 370). Allein der Konsum von illegalen Suchtmitteln verursacht Störungen wie beispielsweise Depressionen und Entwicklungsstörungen (vgl. Schau/ Schay 2011: 16f), sowie physi­sche Erkrankungen. Generell sind Suchterkrankungen zahlenmäßig die größten Risiken bei einer altersgerechten Entwicklung, welcher Jugendliche ausgesetzt sind (vgl. Thomasius 2005: 13).

4.1. GruppenzwangalsUrsache

„Suchtverhalten ist ein Gruppenphänomen. Gruppenzwang. Coolness" (Greca et al. 2009: 54).

Gruppenzwang erleben Jugendliche häufig. Um in einer Gruppe akzeptiert zu werden, haben sie so zu sein wie die anderen. Genauso „cool", genauso erwachsen und genau­so anerkannt. Machen sie nicht das, was die anderen auch machen, gehören sie nicht mehr zu der Gruppe dazu. Aus diesem Grund gaben bei einer Fallstudie 2009 von Gre­ca et al. 12 Prozent der Jugendlichen an, der Gruppenzwang sei Auslöser für den Kon­sum von Drogen gewesen (vgl. Greca et al. 2009: 45).

Nach Rohlfs allerdings sind Menschen dafür nicht selbst verantwortlich. Es liegt in ihrer motivationalen Tendenz, nach Zugehörigkeit und Anerkennung zu suchen. Grund hier­für sind drei Grundbedürfnisse, die der Mensch von Geburt an verfolgt: Zum einen ist es das Bedürfnis nach Kompetenz, des Weiteren das Bedürfnis nach Autonomie und zuletzt das Bedürfnis nach Eingebundenheit und Zugehörigkeit (vgl. 2010: 64). Aus die­sem Grund suchen Jugendliche vor allem bei Gleichaltrigen die Aufmerksamkeit, da diese ein Orientierungspunkt für sie sind (vgl. Buchholz 2000: 9). Damit ist die Bezie­hung zu ihnen von entscheidender Bedeutung für die (kulturelle) Lebensführung und die soziale Orientierung. Ebenso haben Freunde bedeutsamen Einfluss für den Erwerb von sozialen Kompetenzen, sie bieten unter anderem zum Beispiel Erfahrungs- und Experimentierchancen, „welche zur Entwicklung eigener Lebensstile, Normen, Werte und Ausdrucksweisen dienen" (Harring et al. 2010: 9). Somit erlauben Freundesgrup­pen, oder auch „Peers" genannt, autonome Handlungsspielräume, selbstbestimmte Organisation und die Gestaltung des eigenen Jugendlebens (vgl. Anhorn 2002: 63).

Aufgrund dieser Punkte möchten und brauchen Jugendliche gleichaltrige Freunde. Oftmals suchen sie sich jedoch falsche Bezugspersonen, bei welchen das Konsumieren von Alkohol und Drogen in der Gruppe alltäglich ist. Die Jugendlichen möchten aller­dings zu der Gruppe dazugehören und fangen somit ebenfalls mit dem Konsumieren an, woraus der Beginn einer Suchtkarriere entstehen kann. Bei den meisten Jugendli­chen ist es die Angst, außen vor zu bleiben, die zum Konsum verleitet. Denn oftmals werden Jugendliche im heutigen Zeitalter auch durch Statusgüter wie Markenkleidung anerkannt und beliebt. Daher ist die Alternative für jene, welche sich keine teure Klei­dung leisten können, das Mitbringen von Drogen und somit die Hoffnung auf Anerken­nung (vgl. Buchholz 2000: 9f).

Häufig ist der Konsum von Drogen auch die Eintrittsvoraussetzung und wird als Auf­nahmeritual in bestimmten Kreisen gesehen. So erscheint der Konsum als wichtiges Symbol für Gruppenzugehörigkeit (vgl. Blätter 2007: 85), welcher weiterhin Unsicher­heit überspielen und erwachsen wirken soll. Da Freundschaft dem Risiko der Beendi­gung unterliegt, muss diese stets aufrechterhalten und in sie investiert werden. Aus diesem Grund nehmen die Jugendlichen somit auch zur Not Drogen und folgen den falschen Bezugspersonen (vgl. Rohlfs 2010: 67). Jungaberle schreibt, „[pjsychoaktive Substanzen spielen insbesondere in Beziehungs- und Gruppengefügen eine Rolle. Da­bei kann der Umgang mit PAS stark affektgeladen sein, der einzelne 'fließt' mit seinem sozialen Kontext"2 (2007: 180). Dies beschreibt sehr gut, dass sich Jugendliche oftmals einer Gruppe anschließen, um sich ihr zugehörig zu fühlen. Weiterhin schreibt er, es gäbe acht verschiedene Typen im Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Zwei davon beziehen sich stark auf die Gemeinschaft und spiegeln so ebenso den Gruppenzwang wider. Der gemeinschaftliche Typus konsumiert, da der Konsum ein adoleszentes Ge­meinschaftsgefühl fördern kann. Gemeinschaften im Jugendalter fordern häufig Sub­stanzkonsum und somit wird in Gruppen Druck ausgeübt, zu konsumieren. Gleichzeitig entsteht aber auch ein Gemeinschaftsgefühl, welches den Jugendlichen zu weiterem Konsum verleitet (vgl. Jungaberle 2007: 184f). Der andere Typus, welcher sich auf PAS ist die Abkürzung für psychoaktive Substanzen Gruppen bezieht, ist der subkulturelle Typus. Bei diesem wird der Substanzkonsum zum bestimmenden Merkmal in der Gruppe. Zuerst sind Zugehörigkeit und Anpassung das Grundthema, welches sich irgendwann in ein Entfernen von der gesellschaftlichen Mit­te hin zu der Individuation umwandelt (vgl. Jungaberle 2007:182f).

Phrasenweise heißt es immer, das männliche Geschlecht muss das Stärkere sein. So kann angenommen werden, dass vor allem bei Jungen der Gruppenzwang und Drang besteht, sich beweisen zu müssen und stark zu wirken. Ob es beim Spielen auf dem Fußballplatz ist oder beim Rangeln auf dem Schulhof, Jungen möchten stärker sein (vgl. Jungaberle 2007: 177) und möchten sich so auch durch zum Beispiel dem Nehmen von Drogen beweisen, dass sie zu den anderen gehören und genauso stark und mutig sind. Bei Mädchen sieht das etwas anders aus. Zwar nehmen auch einige Mädchen Drogen, da sie zeigen möchten, sie können mehr vertragen und trauen sich mehr, als ihnen viel­leicht zugetraut wird (vgl. Jungaberle 2007: 177), jedoch stehen sie hinsichtlich des Gruppenzwangs nicht unter so sozialem Druck wie junge Männer. Wenn es bei Jungen häufig auf die Stärke und den Mut ankommt, welcher in Verbindung mit Drogen steht, geht es bei Mädchen stark um das Nacheifern von Schönheitsidealen (vgl. Buchholz 2000:10). Dies ist bei ihnen oftmals die Voraussetzung, um beliebt zu sein.

Oftmals wird gesagt oder geschrieben, Jugendliche aus sozial schwächeren Verhältnis­sen konsumieren mehr, weshalb auch der Gruppenzwang höher und der Jugendliche somit mehr von der Abhängigkeit bedroht sei, als Jugendliche aus einem sozial höhe­ren Milieu. Dyckmans belegt allerdings, dass „Jungen aus Familien mit niedrigem Wohl­stand [...] den kleinsten Anteil an Drogenkonsumenten (11,1 %)" (2012: 27) darstellen und Jungen aus mittlerem Wohlstand mit 15,3 Prozent hingegen den höchsten. Bei Mädchen ist der Unterschied etwas geringer (vgl. Dyckmans 2012: 27f). Diese Ergebnis­se lassen deutlich werden, dass in der heutigen gesamten Gesellschaft ein enormer Gruppenanpassungszwang besteht, wodurch es immer schwieriger wird, einen Stand­ort und somit eine feste Freundesgruppe zu finden (vgl. Buchholz 2009: 9). Das Verhal­ten der Jugendlichen liegt dem sogenannten Konfirmitätsdruck zugrunde, was bedeu­tet, dass sich Jugendliche für ein Zugehörigkeitsgefühl den geltenden Einstellungen und Verhaltensweisen anpassen und dementsprechend auch notfalls dem Konsum von Drogen verfallen. Somit führt diese Gruppendynamik, die hierbei entsteht, oftmals zu Handlungen, die der einzelne Jugendliche alleine nicht gemacht hätte (vgl. Baier et al. 2010: 315).

Die Dosierungen und Kombinationen der Suchtmittel hängen von der Gruppe ab (vgl. Blätter 2007: 85), was unter anderem auch bedeutet, dass die Anwesenheit von erfah­renen Konsumenten bei dem Konsum und die Wirkung von elementarer Bedeutung sind (vgl. Blätter 2007: 84). Folglich besteht fürJugendliche, welche in einer Gruppe mit Abhängigen konsumieren, eine deutlich höhere Gefahr selbst abhängig zu werden, als in jenen Gruppen, in denen nur gelegentlich konsumiert wird. Dieses bestätigen auch Akers und Cochran (1985), indem sie sagen, es bestehe ein hoher Zusammenhang zwi­schen dem (in diesem Beispiel) Marihuana-Konsum von Freunden und dem eigenen. Pires und Jerkins (2007), wie auch Baier (2005) führen weiterhin auf, dass die Devianz der Freunde ebenso einen starken Einfluss auf das Drogenkonsumverhalten hat (vgl. Baier et al. 2010: 309f). Infolgedessen können Freundesgruppen schnell ein Auslöser für delinquentes Verhalten sein (vgl. Baier et al. 2010: 315).

Somit sind Freunde einer der stärksten Risikofaktoren, in eine Sucht zu gelangen. Es mag einen Unterschied zwischen dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht geben, letztendlich möchte aber niemand alleine sein und jeder Freunde haben. Durch den Druck von außen heutzutage und dem inneren Verlangen nach Zugehörigkeit und Anerkennung begeben sich Jugendliche oftmals in gefährliche und unüberlegte Situati­onen und passen sich dem Handeln ihrer Peer-Group an. Einige von diesen können eine große Gefährdung für den Jugendlichen und dessen Gesundheit sein und können somit als Auslöser für die Abhängigkeit bei Jugendlichen gesehen werden.

4.2. Therapie und Behandlung

Um sich mit einem späteren möglichen Rückfall beschäftigen zu können, müssen je­doch erst Behandlung und Therapie erklärt werden, um sich auch mit der Rückfallpro­phylaxe auseinandersetzen zu können. Die Behandlung und auch eine mögliche Thera­pie sind bei jugendlichen Abhängigen unabdingbar und tragen unmittelbar zur Soziali­sierung bei. Die oben benannten möglichen Folgen des Suchtmittelkonsums können so gelindert und dem Jugendlichen kann eine drogenfreie Zukunft ermöglicht werden.

Neben Alkohol und Opiaten ist Cannabis der dritthäufigste Anlass für eine ambulante Behandlung oder Beratung (vgl. Schneider 2005: 188). Weshalb ein Jugendlicher be­handelt wird, oder ob der Patient im Jugend- oder Erwachsenenalter ist, spielt eine entscheidende Bedeutung.

Behandlungen mit Jugendlichen erfordern besondere Maßnahmen. So sind Besonder­heiten wie entwicklungspsychologische Aspekte, komorbide Störungen, Fehlentwick­lungen, fehlende Eigenmotivation, soziale Förderung oder das Erlernen von angemes­senen Grenzerfahrungen von obligatorischer Bedeutung (vgl. Möller 2005: 70ff). Aus diesen Gründen erfordert die Behandlung „im Kindes- und Jugendalter ein hohes Maß an störungs- und altersspezifischer Ausrichtung" (Thomasius 2005: 25), welche sich somit grundlegend von der der Erwachsenen zu unterscheiden hat. Daher müssen die Angebote an die Lebenswelten der Jugendlichen anknüpfen und als Verarbeitungs­raum für Erfahrungen dienen und Möglichkeiten für Sozialisations- und Entwicklungs­prozesse schaffen (vgl. Schau/ Schay 2012: 36). Das Problem in der Jugendhilfe aller­dings sind mangelnde Angebote, welche sich auf den Drogenkonsum spezialisiert ha­ben (vgl. Möller 2005: 69). Dies liegt laut Müller daran, dass die Drogenberatungsstel­len keine Jugendlichen aufnehmen möchten, da diese ihnen zum Beispiel zu unzuver­lässig oder unmotiviert sind (vgl. Möller 2005: 70).

Die Ziele sind bei den Behandlungen aber immer sehr ähnlich. Im Vordergrund steht immer die Suchtmittelabstinenz, welcher die Befähigung einer drogenfreien Alltags­und Freizeitgestaltung zugrunde liegt. Bei Jugendlichen liegt anschließend ein großer Schwerpunkt auf der schulischen oder beruflichen Integration, sowie auf der mögli­chen Einleitung in eine ambulante Psychotherapie (vgl. Thomasius 2005: 27f). Schnei­der führt die Ziele noch weiter aus und betont den Punkt der Identifizierung und Be­handlung der häufig vorliegenden komorbiden Störungen oder Folgeschäden (vgl. 2005: 203).

Stationäre Therapien erstrecken sich je nach Abhängigkeit in zwei verschiedene Arten von Zeiträumen. Zum einen gibt es die Kurzzeittherapie für drei bis sechs Monate und zum anderen die Langzeittherapie für zwölf bis 18 Monate, welche bei jüngeren Pati­enten mit erheblichen Entwicklungsdefiziten eher üblich ist (vgl. Thomasius 2005: 27). Stationäre Therapien können laut Schepker et al. in vier Phasen gegliedert werden. (1) In der Entgiftungsphase können Entzugserscheinungen auftreten und Motivationsge­spräche sind aufgrund hoher Abbruchzahlen sehr wichtig. Diese Phase kann von drei Tagen bis zu drei Wochen dauern und eine medizinische Versorgung ist obligatorisch. (2) Am Anfang der zweiten Phase, die Behandlungsphase, haben die Patienten häufig wegen der depressiven Symptomatik mit einem „Schwellenproblem" zu kämpfen. Es kann vorkommen, dass Patienten ihre Motivation verlieren und die Therapie abbre­chen möchten, da sie sich über die Schwere eines solchen Entzugs bewusstwerden. Aus diesem Grund folgen anschließend die Maßnahmen wie die Motivationsarbeit, das Auseinandersetzen mit der Sucht, Stressbewältigung oder die Konfrontation mit der Lebensrealität. Gespräche mit der Familie und über die Zukunftsplanung in und mit dieser sind ebenfalls von hoher Bedeutung, wie auch das Besprechen von Rückfallprä­ventionsstrategien. (3) Die Entlassphase folgt nach erfolgreicher Behandlung anschlie­ßend, wie auch (4) eine möglich folgende jugendtypische Entwöhnungsbehandlung (vgl. Schepker et al. 2009: 236f). Die Wahl des Behandlungssettings ist allerdings im­mer abhängig von Faktoren wie dem Vorhandensein medizinischer Komplikationen und Folgen des Konsums, komorbiden Störungen oder der Motivation (vgl. Thomasius 2005: 27). Solche komorbiden Störungen treten, wie oben schon erklärt, oft bei Ju­gendlichen auf, welche mit dem Problem einer Suchtmittelabhängigkeit konfrontiert sind. Viele Patienten im Jugendalter leiden an psychischen Erkrankungen, welche bei­spielsweise Folgeschäden des Missbrauchs in der Kindheit sind (vgl. Möller 2005: 70f). So setzen die meisten Einrichtungen ein breites Spektrum an psycho- und soziothera­peutischen Maßnahmen, pädagogischen Förderungsmaßnahmen und vor allem medi­zinischen Interventionen ein (vgl. Thomasius 2005: 26). Ebenso beinhalten die meisten Formen der Maßnahmen schulische und berufliche Förderung (vgl. Thomasius 2005: 28). Vor allem diese Formen der Förderung sind für die Re-Sozialisierung wichtig, da Jugendliche viel Hilfe von außen benötigen, um nach so einer Krankheit wieder alleine und selbstständig, aber abstinent leben zu können. Die freiwillige Mitarbeit der jungen Patienten ist ebenso wichtig, um behandlungsnotwendige Einschränkungen zu akzep­tieren. Hierzu zählt beispielsweise der eingeschränkte Außenkontakt anfangs (vgl. Schepker et al. 2009: 236), der dazu dient, dass sich die Jugendlichen während der Be­handlung nicht wieder in ihr altes Umfeld begeben und sich von ihren Freunden zum Konsumieren verleiten lassen. Ist der Behandlungsverlauf fortgeschritten, können, je nach Patient und Verfassung, Familiengespräche geführt und auch Beurlaubungen nach Hause den Jugendlichen erlaubt werden, um den Kontakt zur Außenwelt wieder­aufzubauen und zu fördern (vgl. Thomasius 2005: 27). Familiengespräche und die Ar­beit mit den Eltern ist für die jungen Patienten wichtig, da manche Erziehungsstile oder Gewohnheiten Missbrauch fördern und einen möglichen Rückfall riskieren (vgl. Thomasius 2005: 28f). Um dieses zu verhindern, soll versucht werden, eine bessere Bindung zu den Eltern und einen harmonischeren Umgang herzustellen.

Aufgrund des hohen Risikos eines Rückfalls bei dem möglichen Zurückkehren in das alte Umfeld und auch für das alltägliche abstinente Leben, ist die Maßnahme der Resi- lienzförderung von hoher Bedeutung. Die Sucht ist eine komplexe Erkrankung und mit dieser Förderung sollen sich die Jugendlichen auf schwierige Situationen einstellen und mit diesen weiterhin umgehen können. Somit geht es bei der Maßnahme um die Stär­kung des Jugendlichen, riskante Situationen meistern zu können (vgl. Schau/ Schay 2013: 36). Die Resilienzförderung wird auch beschrieben als die „Fähigkeit, auf die An­forderungen wechselnder Situationen reagieren und auch schwierige Lebenssituatio­nen bewältigen zu können" (Schay/ Schau 2011: 18). Die Förderung der Resilienz be­deutet also übersetzt Widerstandskraft, die beispielsweise für Problemlösungsfähig­keit, Bewältigungsstrategien, Selbstvertrauen und eine optimistische Lebenseinstel­lung steht (vgl. Schay/ Schau 2011: 18). Die Resilienzförderung ist Teil der Rückfallpro­phylaxe, bei welcher sich der Patient mit seiner Krankheit auseinandersetzt und zum Experten seiner selbst wird. „Rückfallprophylaxe muss als Kernaufgabe in der Bera­tung, Betreuung und/ oder Behandlung suchtmittelabhängiger Jugendlicher verstan­den werden, um das Krankheitsverständnis der Klienten auszudifferenzieren" (Schay/ Schau 2011: 45) und vor allem einen möglichen Rückfall verhindern zu können.

4.3. Rückfallrisiko in Abhängigkeit

Rückfälle können als „komplexe, krisenhafte und hochindividuelle Prozesse" (Schay/ Schau 2011: 43) verstanden werden. Definitorisch werden zwei Arten unterschieden. So gibt es enge und weite Rückfalldefinitionen. Eine enge Rückfalldefinition sieht einen Rückfall in einem einmaligen Konsum von den Suchtmitteln, da der Konsument entwe­der drogenfrei lebt oder rückfällig ist. Die weite Definition hingegen betrachtet die Häufigkeit von dem Konsum und die Menge der Substanz, wodurch die Rückfälle quan­titativ abgestuft werden. Somit ist eine genaue Rückfalldefinition nicht eindeutig zu treffen, da unterschiedliche Ansichten vorherrschen und vor allem auch bei Drogen die Frage nach der Art der Droge eine beachtliche Rolle spielt und ob „generell der Kon­sum von Alkohol bei drogenabhängigen Menschen als Rückfall zu bezeichnen [ist], un­abhängig von ihrer jeweiligen Vor- bzw. Krankheitsgeschichte mit dieser Substanz" (Görgen/ Klos 2009: 23).

Der Rückfall ist ein weit verbreitetes Problem, mit welchem die Betroffenen und der ihm umgebene Personenkreis konfrontiert werden (vgl. Schay/ Schau 2011: 43). Gene­rell muss mit einem Rückfall gerechnet werden, da dieser eher die Regel als die Aus­nahme bestimmt und der Weg aus der Sucht viel Zeit braucht (vgl. Hollweg 2000: 269). Ebenso ist es unabdingbar, die Krankheit verstehen zu lernen, da Abhängige oftmals unrealistische Vorstellungen von dem Weg aus der Sucht haben (vgl. Schay/ Schau 2011: 43) und mit dem Gedanken „Ich schaffe das eh" die Abstinenz beginnen. Dieses lässt erkennen, dass die Patienten oft nicht genügend über ihre Erkrankung und den Weg aus dieser informiert sind (vgl. Schay/ Schau 2011: 44), was jedoch ein wichtiger Punkt ist.

Stosberg lässt in ihrem Buch durch eine Tabelle - abgesehen von ein paar Ausnahmen - erkennen, je länger der Konsum oder die Abhängigkeit besteht, desto höher ist das Rückfallrisiko (vgl. 1993: 70). Somit haben Jugendliche statistisch gesehen noch eine deutlich höhere Chance, gegen den Konsum anzukämpfen und ihr Leben lang absti­nent zu leben. Auch Thomasius bestätigt dies und schreibt, die Haltequote des drogen­freien Lebens ist bei Jugendlichen wesentlich höher, welches durch Familientherapien noch einmal gesteigert werden kann (vgl. 2005: 29). Allerdings ist aber das Rückfallrisi­ko dennoch nicht zu unterschätzen, da die vorherigen Schwierigkeiten, welche durch den Konsum nicht mehr wahrgenommen wurden, wieder in den Vordergrund treten und das Thema der Grenzen im weitesten Sinne in der Pubertät eine wesentliche Rolle spielen (vgl. Hollweg 2000: 270).

Ohne eine stationäre Therapie ist die Chance eines Rückfalls deutlich höher (vgl. deut­sche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. o.J.), welches Stosberg ebenfalls durch Ergebnis­se im Rahmen der Erlanger3 Studien belegen konnte. Zwar waren die Unterschiede Drei Studien zur Suchtforschung (Cannabis-Studie, Hochstadt-Studie, Parsberg-Studie) im Rahmen einer mündlichen Befragung von freiwilligen Betroffenen; im Mittelpunkt standen Fragen zum Thema Drogenverhalten und Rückfälligkeit (vgl. Stosberg 1993: 23ff) zwischen abgebrochener und abgeschlossener Therapie nicht signifikant, jedoch trotz­dem erkennbar. So blieben Patienten nach abgebrochener Therapie zu 69.5 Prozent drogenfrei, wohingegen 18 Prozent rückfällig wurden und 12,5 Prozent eine unsichere Diagnose erhielten. Nach einer abgeschlossenen Therapie lebten 72,9 Prozent weiter­hin drogenfrei und 15,8 Prozent der Befragten wurden rückfällig. Bei 12,3 Prozent konnte nur eine unsichere Diagnose hergestellt werden (vgl. 1993: 74). Die jeweils zwölf Prozent der Patienten mit einer unsicheren Diagnose spiegeln das schon oben genannte Problem wider, wie schwierig es ist, einen Rückfall definitiv zu benennen und folglich Zahlen daraus schließen zu können. Zwar ist das Alter der Befragten hier unbe­kannt, da es nicht benannt wird, allerdings lässt sich annehmen, dass sich bei Jugendli­chen, wie auch bei Erwachsenen eine Therapie positiv auf die Abstinenz auswirkt und ein Rückfallrisiko deutlich verringert.

Für Brewer (1998) waren vor allem Komponenten wie eine abgeschlossene Therapie, protektiv wirkende psychosoziale Faktoren, abstinentes soziales Umfeld, die Unter­stützung der Familie oder eine Perspektive in Beruf oder Schule für eine erfolgreiche Therapie und ein dafür geringeres Rückfallrisiko von erheblicher Bedeutung. Williams et al. (2000) und Sonntag und Kürzel (2000) ergänzen Brewers Punkte und schreiben noch, wie wichtig beispielsweise Intensität und Strukturiertheit der Therapie seien, wie auch die Inanspruchnahme von Nachsorgeangeboten und das Anpassen auf die indivi­duellen Bedürfnisse (vgl. Thomasius 2005: 30). Überwiegend das soziale Umfeld ist für die Re-Sozialisierung der Patienten wichtig. So kann schnell ein Re­Sozialisierungsdefizit entstehen, wenn der Patient keinen Kontakt zu einem abstinen­ten Umfeld aufweist, sondern in einen konsumierenden Kreis zurückkehrt (vgl. Stras- berg 1993: 21). Dies liegt an den Aufforderungen zum Konsum auf beispielsweise Fes­ten, Feiern oder auch im Alltag mit Freunden und an der mangelnden Fähigkeit zur Abgrenzung von diesen. Ebenso steigern Konflikte mit anderen Menschen das Rück­fallpotenzial (vgl. deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. o.J.).

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Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Drogenabhängigkeit im Jugendalter. Sozialisierung und soziales Umfeld bei abhängigen Jugendlichen
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,6
Jahr
2017
Seiten
39
Katalognummer
V923363
ISBN (eBook)
9783346250438
ISBN (Buch)
9783346250445
Sprache
Deutsch
Schlagworte
drogen, drogenabhängige Jugendliche, JVA, Jugendgefängnis, Justizvollzugsanstalt, Sucht, Sozialisierung, Resozialisierung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Drogenabhängigkeit im Jugendalter. Sozialisierung und soziales Umfeld bei abhängigen Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923363

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