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Tierhetzen im Alten Rom. Der Verzehr von kostbaren Überresten

Analyse anhand von Donald Kyles Aufsatz "Animal Spectacles in Ancient Rome. Meat and Meaning"

Titel: Tierhetzen im Alten Rom. Der Verzehr von kostbaren Überresten

Hausarbeit , 2019 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Lisa Firlus (Autor:in)

Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Verzehr von Tierfleisch nach Tierhetzen im Alten Rom. Sie bezieht sich auf den Aufsatz von Donald Kyle "Animal Spectacls in Ancient Rome. Meat and Meaning". Er ist der Meinung, dass das Fleisch der Arenatiere einen so hohen symbolischen, wirtschaftlichen und somit auch politischen Wert gehabt haben muss, dass es durch die Spieleveranstalter zum Verzehr an die städtische Bevölkerung gegeben wurde.

So wie Kyle durch eine Schülerfrage mit seinen Forschungen begann, so entstand meine Fragestellung durch eine Frage meines Professors: Für wie glaubwürdig halte ich Kyles These anhand seiner Argumentation in seinem Aufsatz "Animal Spectacles in Ancient Rome. Meat and Meaning". Auch wenn die Frage nach der Entsorgung der Tierkörper zunächst banal klingen mag, so erfordert ihre Beantwortung doch das Vordringen in zahlreiche komplexe Themenbereiche. Um seine These zu stützen, bezieht sich also auch Kyle auf die Entstehungsgeschichte der Tierhetzen und damit auf die antike Jagd und traditionelle Opferungen. Und ebenso argumentiert er mit dem Essverhalten der Bevölkerung, der Versorgungslage in Städten und politischen Umständen.

Christliche Quellen erhalten im Zusammenhang mit Tierhetzen, wie auch bei anderen öffentlichen Spektakeln, eine Sonderstellung und werden mit als führendes Argument behandelt. Trotz dieser thematisch breit aufgestellten Argumentation und dem logischen Aufbau seiner Argumente, ist noch nicht gewährleistet, dass diese ausreichend durch Quellen gestützt sind. Um ausschließen zu können, dass seine Argumentation lediglich auf Plausibilitätsbasis beruht, muss jedes seiner Argumente auf seine zugrundeliegenden Quellen untersucht und auf deren Aussagekraft und Glaubwürdigkeit geprüft werden. Um zu Kyles These wissenschaftlich Stellung beziehen zu können, ist es nicht möglich, einzelne Hauptargumente außer Acht zu lassen, jedoch werde ich mich bei meiner Arbeit mit manchen Themengebieten mehr beschäftigen als mit anderen, da ich sie für die Fragestellung als relevanter einstufe. Alternative Entsorgungsmethoden der Tierkadaver, wie beispielsweise durch den Tiber oder das Verfüttern an andere Arenatiere werden nicht thematisiert, denn deren Untersuchung würde in diesem Fall zu weit führen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehungsgeschichte

2.1 Die Jagd

2.2 Die Opferungen

3. Die Gesellschaft

3.1 Die Versorgung

3.2 Die Politik

3.3 Die Christen

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der These von Donald Kyle, wonach das Fleisch getöteter Tiere aus den römischen Tierhetzen (venationes) als wertvolle Ressource an die städtische Bevölkerung zum Verzehr weitergegeben wurde. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die Quellenlage eine solche Praxis belegt oder ob sie eher als symbolische Interpretation zu werten ist.

  • Analyse der Entstehungsgeschichte der Tierhetzen und deren Verbindung zur antiken Jagd und zu Opferritualen.
  • Untersuchung der römischen Versorgungsstruktur und der Rolle von Fleisch als wertvolles Gut.
  • Politischer Stellenwert von Arenaspektakeln und die Rolle des Veranstalters (editor).
  • Kritische Würdigung christlicher Quellen als Zeugnisse für das Verzehren von Arenafleisch.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Versorgung

Rom, der niemals satte „Bauch der Welt“, fasste im späten 1. Jahrhundert n. Chr. rund eine Millionen Einwohner und das Bedürfnis nach Nahrung hatten alle von ihnen gemein. Das Problem der Versorgung der Stadt war eine äußerst wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste, politische Angelegenheit der römischen Machthaber, für die eine Menge Geld aufgebracht wurde. Sogar Tiberius, der häufig Zeit außerhalb Roms verbrachte, äußerte sich besorgt über dieses Thema. Das entwickelte, komplexe Versorgungssystem (annona) war jedoch abhängig von enormen Mengen an Importgütern, da das Umland allein nicht ertragreich genug war, und diese Importe wiederum waren abhängig von der Wetterlage und Raubüberfällen. Die Importe begrenzten sich nicht nur auf Getreide, Gemüse und Obst, auch Fleisch und lebendige Tiere mussten nach Rom bestellt werden, wobei große Schweinezucht- und Masthöfe (villae rusticae), das Volk der Gallier und das der Germanen als Handelspartner hervorzuheben sind. Dementsprechend waren Lebensmittel extrem wertvoll und Fleisch in besonderem Maße, denn „Fleisch gehört nicht zu den regelmäßig genossenen Nahrungsmitteln“ bei ärmeren Römern.

Genauso argumentiert auch Kyle unter Heranziehung zahlreicher Sekundärliteratur und zusätzlichen Quellen, welche zwar die Nahrungsknappheit Roms ausreichend belegen, jedoch nicht das Verzehren von Arenafleisch. Diesen Sachverhalt versucht er über das Essverhalten der Römer zu erklären: Während ein Großteil der Bevölkerung „not fussy eaters“ gewesen sein soll, so seien es die Reichen umso mehr gewesen. Um das Arenafleisch als Nahrung nicht zu abnormal wirken zu lassen, verdeutlicht er die Unattraktivität des damaligen Essens. Er bezieht sich hier unter anderem auf Horaz, der von dem Verzehren von verdorbenem Wildschweinfleisch berichtet, und auf die römische würzige Soße garum, welche aus fermentiertem Fisch, nicht aus „rotten fish“ wie Kyle es beschreibt, gewonnen wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der römischen Tierhetzen ein und erläutert die zentrale Forschungsfrage bezüglich der Entsorgung und möglichen Verwertung der tierischen Überreste.

2. Die Entstehungsgeschichte: Dieses Kapitel beleuchtet die Wurzeln der venationes in der antiken Jagd und den Opferritualen, um den symbolischen Kontext des Arenafleisches zu ergründen.

2.1 Die Jagd: Hier wird der Zusammenhang zwischen der antiken Jagdpraxis, dem Sport und der Nahrungsgewinnung sowie die damit verbundene Argumentation Kyles kritisch diskutiert.

2.2 Die Opferungen: Das Kapitel analysiert, inwiefern der Opfercharakter und die symbolische Bedeutung des Fleisches bei Opferriten als Beleg für den Verzehr von Arenafleisch dienen können.

3. Die Gesellschaft: Es wird erörtert, wie das römische Verhältnis von Mensch und Tier sowie die Versorgungssituation die Sichtweise auf die Tierhetzen beeinflussten, ohne dabei in moderne moralische Wertungen zu verfallen.

3.1 Die Versorgung: Dieser Abschnitt untersucht die prekäre Versorgungslage im antiken Rom und die Rolle von Fleisch als seltenes und kostbares Gut.

3.2 Die Politik: Hier wird die Vermutung analysiert, dass editoren Arenafleisch als politisches Instrument zur Stabilisierung ihrer Position und zur Befriedung der Bevölkerung nutzten.

3.3 Die Christen: Das Kapitel befasst sich mit den spärlichen christlichen Quellen, die den Verzehr von Arenafleisch erwähnen, und bewertet deren Intention sowie Glaubwürdigkeit.

4. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Quellenlage zu Kyles These als äußerst brüchig einzustufen ist.

Schlüsselwörter

Römische Tierhetzen, venationes, Arenafleisch, Nahrungsmittelversorgung, antikes Rom, Tieropfer, politische Machtlegitimation, Gladiatorenkämpfe, Ernährungskultur, historische Quellenkritik, Donald Kyle, Tertullian, Versorgungssystem, Symbolik, Fleischverteilung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Hypothese, ob das bei römischen Tierhetzen in der Arena getötete Fleisch als Nahrungsmittel an die städtische Bevölkerung abgegeben wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die antike Versorgungslage, die symbolische Bedeutung von Tieropfern und Jagd sowie die politische Instrumentalisierung von Arenaspektakeln.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die wissenschaftliche Validität der These von Donald Kyle kritisch zu prüfen und festzustellen, ob sie durch antike Quellen ausreichend gestützt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche Analyse, die primäre und sekundäre Quellen kritisch hinterfragt und auf ihre Plausibilität sowie Aussagekraft hin untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Entstehungsgeschichte der Tierhetzen, die gesellschaftliche Versorgungsstruktur, die politische Rolle der Spieleveranstalter und christliche Zeugnisse analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie venationes, antike Ernährungskultur, Quellenkritik und politische Machtlegitimation charakterisiert.

Inwiefern spielen christliche Quellen eine besondere Rolle?

Christliche Texte sind die einzigen expliziten Zeugnisse für den Verzehr von Arenafleisch, werden jedoch als tendenziös und mit eingeschränkter Glaubwürdigkeit bewertet.

Warum reicht Logik allein zur historischen Erklärung nicht aus?

Die Autorin argumentiert, dass historische Handlungen nicht ausschließlich rational oder nach modernen Maßstäben erklärbar sind, da moralische Vorstellungen und Lebensbedingungen des antiken Roms sich grundlegend von heutigen unterscheiden.

Wird die These des Autors Donald Kyle bestätigt?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Quellenlage für Kyles These zu brüchig ist und der Verzehr von Arenafleisch vermutlich kein gängiges Entsorgungsmuster darstellte.

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Details

Titel
Tierhetzen im Alten Rom. Der Verzehr von kostbaren Überresten
Untertitel
Analyse anhand von Donald Kyles Aufsatz "Animal Spectacles in Ancient Rome. Meat and Meaning"
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Die römischen Gladiatorenkämpfe
Note
1,0
Autor
Lisa Firlus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V923477
ISBN (eBook)
9783346248657
ISBN (Buch)
9783346248664
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gladiatorenkämpfe venationes munera Gladiator Brot und Spiele Donald Kyle Kadaver Fleisch Entsorgung Unterhaltung Römer Tierhetzen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Firlus (Autor:in), 2019, Tierhetzen im Alten Rom. Der Verzehr von kostbaren Überresten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923477
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Leseprobe aus  17  Seiten
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