Internationale Verrechnungspreise in multinationalen Unternehmen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsabgrenzung

3. Funktionen von Verrechnungspreisen
3.1. Abrechnungs- und Planungsfunktion
3.2. Koordinations- und Lenkungsfunktion
3.3. Erfolgszuweisungsfunktion

4. Arten von Verrechnungspreisen
4.1. Marktorientierte Verrechnungspreise
4.2. Kostenorientierte Verrechnungspreise
4.3. Verrechnungspreise als Verhandlungsergebnis

5. Der Arm´s Length Grundsatz und seine Verankerung im deutschen Steuerrecht
5.1. Der Arm´s Length-Grundsatz
5.2. Der Arm´s Length-Grundsatz im deutschen Steuerrecht

6. OECD – Pricing Methoden
6.1. Die Standardmethoden
6.1.1. Die Preisvergleichsmethode
6.1.2. Die Wiederverkaufspreismethode
6.1.3. Die Kostenaufschlagsmethode
6.2. Die gewinnorientierten Methoden
6.2.1. Die Gewinnaufteilungsmethode
6.2.2. Die Nettomargenmethode

7. Einblicke in gesetzliche Neuregelungen in Bezug auf Dokumentationspflichten und Sanktionsvorschriften
7.1. Erhöhte Mitwirkungspflicht bei Vorgängen mit Auslandsbezug
7.2. Neue Schätzungsbefugnis für die Finanzverwaltung (im Folgenden FinVerw)
7.3. Weitere Sanktionen bei Nichtbeachtung der Dokumentationspflicht

8. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Unter multinationalen Unternehmen versteht man zwei oder mehrere Unternehmungen, die unter gemeinsamer Kontrolle stehen, über gemeinsame Ressourcen verfügen und gemeinsame Ziele verfolgen.“[1] Zudem müssen die einzelnen Unternehmungseinheiten in mehr als einem Land sitzen. Die Bedeutung von multinationalen Unternehmen (im Folgenden MNU) für den internationalen Handel ist beträchtlich. Waren- und Dienstleistungsexporte von den Ländern der EU in die USA, die über MNU erfolgen, erreichen etwa einen Anteil von 50 % der gesamten Exporte. Auch in umgekehrter Richtung kann von einem Anteil der Leistungsimporte in die EU, die von MNU erbracht werden, von über 50 % ausgegangen werden.[2]

Die Bildung von MNU hat verschiedene Ursachen. Unternehmen können sich makroökonomische Standortvorteile anderer Länder, wie etwa die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, geringe Kosten von Zwischenprodukten oder die Größe des Absatzmarktes, aneignen, indem sie zum Beispiel Tochterunternehmen in diesen Ländern errichten.

Neben diesen betriebswirtschaftlichen Vorteilen gibt es noch weitere Gründe für die Errichtung von MNU. Bekanntester Grund dafür dürfte die Möglichkeit sein, das internationale Steuergefälle für eigene Zwecke zu nutzen und zu einer internationalen Steuerarbitrage mit dem Ziel ansetzen, die globalen Gewinne vor allem dort auszuweisen, wo sie einer geringeren steuerlichen Belastung unterliegen.[3] Die daraus resultierende, fortlaufend wachsende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft hat dazu geführt, dass das Thema der „Internationalen Verrechnungspreise“ weiter in den Vordergrund rückt.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex der Verrechnungspreise hat für die BWL eine sehr lange Tradition. Bereits Eugen Schmalenbach habilitierte sich 1903 mit diesem Thema. Er diskutierte das Problem, den zutreffenden Preis für Lieferungen und Leistungen zwischen verschiedenen Bereichen innerhalb eines Unternehmens zu gestalten.[4] Diese grundlegende Analyse wurde Schritt für Schritt erweitert, insbesondere bezüglich der Steuergesetzgebung. Die steuerrechtliche Diskussion zur sachgerechten Gestaltung von Verrechnungspreisen ist noch relativ jung. Es lässt sich aber bereits eine Zunahme der zu diesem Problembereich veröffentlichten Berichte und Artikel beobachten.[5]

Die nachfolgende Seminararbeit analysiert und diskutiert wesentliche Ansätze der Verrechnungspreisproblematik. Darüber hinaus gibt sie noch einen Überblick über gesetzliche Neuregelungen im Bereich internationaler Verrechnungspreise.

Nach diesem Einleitungskapitel folgt in Kapitel 2 der Versuch einer Begriffsabgrenzung. In Kapitel 3 werden die verschiedenen Funktionen von Verrechnungspreisen beleuchtet. Verrechnungspreise erfüllen als Hauptfunktion die Koordination des Managements und die Erfolgszuweisung der einzelnen Einheiten eines Unternehmens.

Kapitel 4 stellt verschiedenen Möglichkeiten dar, wie die zwischen verschiedenen Bereichen des Unternehmens ausgetauschten Lieferungen und Leistungen bewertet werden können. Man unterscheidet hier zwischen marktorientierten Verrechnungspreisen, kostenorientierten Verrechnungspreisen sowie zwischen Verrechnungspreisen die auf Verhandlungen basieren.

Kapitel 5 gibt die wesentliche Bedeutung des Arm´s Length-Grundsatzes wieder und reifiziert dessen Bedeutung im deutschen Steuerrecht.

Kapitel 6 befasst sich ausführlich mit den von der OECD anerkannten Pricing-Methoden. Zudem werden jeweils Vor- und Nachteile dargestellt.

Das letzte Kapitel des Hauptteiles gibt einen Überblick über gesetzliche Neuregelungen im Bereich internationaler Verrechnungspreise der letzten Jahre. Gerade aufgrund der Dokumentationspflicht müssen die Unternehmen Aufzeichnungen bezüglich ihrer Geschäftsbeziehungen erstellen.

Abschließend folgt eine Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte

2. Begriffsabgrenzung

Verrechnungspreise gelten in der betriebswirtschaftlichen Literatur als nicht genau definiert. Daraus resultierend existiert eine große Anzahl von Definitionen und Erklärungsversuchen.[6] Schmalenbach schrieb bereits 1908 über den Verrechnungspreis, dass er ein „eigenartiger Preis“ sei, der überall dort entsteht, „wo man im industriellen Rechnungswesen den Gesamtbetrieb aufteilt in Unterbetriebe derart, dass die Leistungen derselben untereinander im einzelnen gemessen und verrechnet werden.“[7] Nach Klein handelt es sich „um die in Geldeinheiten ausgedrückte Gegenleistung für konzerninterne Lieferungen und Leistungen“.[8] Ewert und Wagenhofer definieren Verrechnungspreise als „Wertansätze für innerbetrieblich erstellte Leistungen (Produkte, Zwischenprodukte, Dienstleistungen), die von anderen, rechnerisch abgegrenzten Unternehmensbereichen bezogen werden. Verrechnungspreise werden oft als Transferpreise oder Lenkpreise bezeichnet“.[9]

Mandler grenzt darüber hinaus Konzernverrechnungspreise von den „innerbetrieblichen Verrechnungspreisen“ ab. Sie unterscheiden sich dadurch, dass Konzernverrechnungspreise „effektiv fakturiert, geschuldet und gezahlt werden müssen“[10] während innerbetriebliche Verrechnungspreise innerhalb der einzelnen rechtlichen Einheiten angesetzt werden, um den dortigen internen Lieferungs- und Leistungsfluss zu bewerten und zu lenken (pretiale Lenkung).[11]

3. Funktionen von Verrechnungspreisen

Die wesentlichen Funktionen von Verrechnungspreisen im Rahmen der internen Verwendung im Unternehmen sind:

1. Abrechnungs- und Planungsfunktion
2. Koordinations- und Lenkungsfunktion, sowie die
3. Erfolgszuweisungsfunktion zur Beurteilung des Gewinnbeitrages der Bereiche.[12]

3.1. Abrechnungs- und Planungsfunktion

Gemeint ist bei der Abrechnungsfunktion vor allem die Ermittlung von Inventurwerten für die handelsrechtliche sowie für die steuerrechtliche Bilanzierung. Des Weiteren sollen die Betriebsabrechnung und die Kalkulation vereinfacht und die Ermittlung von Preisuntergrenzen erleichtert werden.

Im Rahmen der Planungsfunktion müssen Verrechnungspreise Daten für die Kostenkalkulation der betrieblichen Leistungsrechnung liefern sowie Preiskalkulationen für Neuprodukte ermöglichen. Zudem müssen sie Entscheidungsgrundlagen zur Gewinnverlagerung zwischen Konzernunternehmen bereitstellen.[13]

3.2. Koordinations- und Lenkungsfunktion

Durch die Vergabe von Verrechnungspreisen können Instanzen versuchen, die Aktivitäten der ihnen unterstellten Bereiche zu koordinieren und sie damit langfristig auf die Erfüllung der übergeordneten Unternehmensziele auszurichten. Kurzfristig sollen Verrechnungspreise dafür sorgen, dass knappe Produktionsfaktoren, d.h. vor allem die vorhandenen Kapazitäten, aber auch die Investitionsmittel, optimal genutzt werden. Ziel der Verrechnungspreise muss es also sein, den Marktmechanismus auf das einzelne Unternehmen zu übertragen. Diese Art der Koordination nannte Schmalenbach pretiale Lenkung.[14] In seinen Ausführungen definiert Schmalenbach eine „optimale Geltungszahl“ als die „Zahl, die wir bei verschiedenen Gütern ansetzen müssen, um angesichts der Vielfalt der Güter die richtige Entscheidung treffen zu können. Richtige Entscheidung ist diejenige Zahl, die den höchsten Grad an Wirtschaftlichkeit verspricht.“[15]

3.3. Erfolgszuweisungsfunktion

Innerhalb einer dezentralen Unternehmensorganisation soll durch die Wahl eines geeigneten Verrechnungspreises der Erfolg der einzelnen Bereiche ermittelt werden. Die Zuordnung der Teilerfolge auf die einzelnen Bereiche soll deren Selbständigkeit fördern und zu höherer Motivation aufgrund höherer Einflussmöglichkeiten führen. Der Bereichserfolg dient ebenso der Leistungsbeurteilung des Bereichsmanagements, indem der Gewinn der Bereiche den Ergebnisbeitrag zum Gesamtergebnis des Konzerns darstellt.

Die Ermittlung der Bereichserfolge erfordert eine exakte Abgrenzung der Erfolgskomponenten, die den Bereichen zugeordnet werden können. Liegt keine leistungsmäßige Verflechtung zwischen den einzelnen Bereichen vor, sind die verschiedenen Geschäftsbereiche voneinander unabhängig und eine genaue Abgrenzung der Erfolgskomponenten ist möglich. Das Gesamtoptimum ergibt sich aus der Summe der einzelnen Teiloptima.

Die Abgrenzung gestaltet sich dann als schwierig, wenn Interdependenzen vorhanden sind. Die Verflechtungen können sich auf drei Ebenen ergeben.

1. Lieferungen und Leistungen eines Betriebs werden von einem anderen Bereich bezogen, d.h. die Bereiche sind sequenziell verknüpft.
2. Die Bereiche konkurrieren um knappe Ressourcen (Ressourceninterdependenzen) oder
3. auf einem gemeinsamen Absatzmarkt (Marktinterdependenzen).

Ein unkoordiniertes Handeln der Divisionen für diese drei Fälle kann dazu führen, dass eine individuelle Gewinnmaximierung nicht zum potentiellen Gesamtoptimum führt, da mögliche Verbundeffekte nicht genutzt werden. Demnach entspricht die Summe der Teiloptima nicht dem potentiellen Gesamtoptimum.[16]

[...]


[1] Wellisch, Dietmar, 2003, S. 333

[2] Vgl. ebenda, S. 333

[3] Vgl. ebenda, S. 333 ff

[4] Vgl. Coenenberg, 1992, S. 423

[5] Vgl. Stocker, 2006, S. 5

[6] Vgl. Coenenberg, 1992,S. 423

[7] Schmalenbach, 1908/1909, S. 167 ff.

[8] Klein, 1988 S. 2

[9] Ewert/Wagenhofer, S. 585

[10] Mandler, 2002, S. 929

[11] Vgl. ebenda, S. 929

[12] Vgl. Coenenberg, 1992, S. 424; vgl. Ewert/Wagenhofer, 2000, S. 587

[13] Vgl. Coenenberg 1992, S. 424

[14] Vgl. Coenenberg, 1992, S. 424 ff.; vgl. Domschke/Scholl, 2003, S. 384

[15] Schmalenbach, 1947, S. 14

[16] Vgl. Coenenberg, 1992, S. 425ff.; vgl. Ewert/Wagenhofer, 2000, S. 588ff.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Internationale Verrechnungspreise in multinationalen Unternehmen
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V92355
ISBN (eBook)
9783638057639
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internationale, Verrechnungspreise, Unternehmen
Arbeit zitieren
Thomas Rauchfuß (Autor), 2008, Internationale Verrechnungspreise in multinationalen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92355

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