Der britische Faschismus und die British Union of Fascists

Die Entstehung des Faschismus in Großbritannien. Oswald Mosley und die British Union of Fascists. Das Scheitern des Faschismus in England


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Faschismus in England
2.1 Von den British Fascists zur British Union of Fascists

3. Sir Oswald Mosley und die British Union of Fascists
3.1. Die Gründung der British Union of Fascists
3.2. Das Arbeiten der British Union of Fascists

4. Das Scheitern der British Union of Fascists
4.1. Die Reaktion der regierenden Parteien
4.2. Der Public Order Act und das Ende der British Union of Fascists
4.3. Das Scheitern des Faschismus in England

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während in Europa ein Mächteringen zweier extremer politischen Richtungen, dem Kommunismus und dem Faschismus, vonstatten ging, blieb es in England in diesen Angelegenheiten relativ ruhig. Das Parlament regierte das Land, größere Angriffe auf die Demokratie gab es nicht zu verzeichnen.

Doch gab es auch hier faschistische Strömungen, die zwar Abseits des Interesses der großen Politik des Landes standen, sich aber dennoch Gehör verschaffen konnten. Insbesondere trat hier die British Union of Fascists hervor, auf welche in dieser vorliegenden Hausarbeit das Hauptaugenmerk gerichtet werden soll.

Zunächst gilt es, einige grundlegende Fragen zur Entstehung des Faschismus zu klären. Wie konnte er sich, wenn auch nur in kleinen Kreisen, bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges etablieren? Wer waren seine Vorgänger? Wie wurde er von der Bevölkerung angenommen?

Weiterhin soll die politische Arbeit der British Union of Fascists unter ihrem Führer Oswald Mosley untersucht werden, ebenso das Scheitern der Partei und des gesamten Faschismus in Großbritannien.

Ich werde in meiner Hausarbeit einen kurzen Überblick über den Faschismus bis 1940 und dessen Auswirkungen in England mit dem Forschungsstand einschließlich 2006 geben.

2. Die Entstehung des Faschismus in England

Um die Entwicklung des Faschismus in England zu verstehen, muss man sich die verschieden Strömungen der „radikalen Rechten“[1] und ihrer Motive schon vor der Wende zum 20. Jahrhundert vergegenwärtigen. Von einem Faschismus im eigentlichen Sinne kann zu dieser Zeit keine Rede sein, eher waren es Vorbehalte und Ängste, die die politisch rechte Seite zum Thema machten.

Bereits seit ca. 1870 bekamen die Juden in England einen latenten Antisemitismus zu spüren. Verschwörungstheorien machten die Runde. Die Situation verschärfte sich in den Jahren zwischen 1880 und 1910, als in England ein sprunghafter Anstieg der Juden von 60.000 auf 240.000 zu verzeichnen war. Dieser führte zu verschärften Spannungen in den Siedlungsgebieten zwischen Briten und jüdischen Einwanderern[2] und löste „bei englischen Arbeitern Verdrängungsängste“ aus[3], da sie um die wenigen Arbeitsplätze bangten.

Spielte der Kommunismus in England zu dieser Zeit auch eine eher untergeordnete Rolle, bildete er trotzdem für die Briten sowie in ganz Europa die Grundlage für eine „eingebildete Bedrohung“[4] durch Kommunisten und Juden, die dem Antisemitismus zu einem Anstieg verhalf.[5]

Erstmals in der Parteienlandschaft wurde das Thema Antisemitismus in der British Brothers League (BBL) aufgegriffen. Die 1900 gegründete konservative Partei „verurteilte die Juden auf ihren Kundgebungen in undifferenzierter Weise als Rasse, die gegen die Staatsinteressen Großbritanniens agierte und eine Assimilierung grundsätzlich ablehne.“[6] Dass diese Form von politischer Äußerung zum ersten Mal Gehör bekam, zeigt sich in den Mitgliederzahlen dieser Organisation: 1902 verzeichnete die BBL bereits 12.000 Mitglieder.[7]

Die BBL verstand es dadurch, Einfluß auf die britische Regierung zu nehmen. Um den weiter wachsenden Zahlen der Immigranten aus Osteuropa Einhalt zu gebieten, wurde im April 1904 der „Aliens Act“ verabschiedet, der ein „Verbot der Einwanderung mittelloser kranker Personen, die auf Unterstützung angewiesen waren“[8], vorsah. Die Namensbezeichnung „Juden“ für die religiöse Gruppierung tauchte hier zwar nicht auf, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die Immigranten größtenteils zu dieser Gruppe der Einwanderer gehörten.

Dass der Antisemitismus zu dieser Zeit keine weitere Verbreitung fand, liegt wohl auch in der Natur der Briten. Der Historiker Arnd Bauerkämper nennt hier die englische „Tradition einer Toleranz gegenüber ethnischen Minderheiten sowie des Schutzes politischer und religiöser Verfolgter“, die „eine Radikalisierung antisemitischer Ressentiments in Großbritannien verhinderte.“[9]

Eine weitere Gruppe erzkonservativer radikaler Rechter bildete die Fraktion der Diehards in den Reihen der Conservative Party. Die Diehards waren vor allem „nationalistisch denkende Kreise der Mittel-und Oberschicht“[10], die über einen „ausgeprägten Nationalsozialismus, das enthusiastische Bekenntnis zum British Empire, […], einen radikalen Anti-Kommunismus sowie Zweifel am demokratischen System“[11] verfügten.

Ein erster Versuch, „die konservative Rechte als auch die patriotisch gesinnte Arbeiterklasse zu vereinigen“[12] war die Gründung der National Party im Jahre 1917, die sich zum Ziel setzte, aus England einen korporativen Staat, d.h. einen Staat, an dessen politischen Entscheidungsprozessen alle gesellschaftlichen Gruppen teilnehmen, zu formen. Die National Party, die sich vornehmlich aus Mitgliedern der Oberschicht sowie des Militärs zusammensetzte und bereits 1921 wieder auflöste, ist deshalb zu erwähnen, weil ihr Konzept des korporativen Staates „später […] von anderen faschistischen Gruppen übernommen werden sollte.“[13]

Weitere Gruppierungen, die sich zwischen 1900 und 1930 dem extremen Konservatismus zugewandt hatten, waren etwa die British Commonwealth Union, die National Citizens Union sowie die Anti-Socialist Union, die sich jedoch mehr durch die aktive Propaganda gegen die „organisierte, kommunistische Arbeiterschaft“[14] auszeichneten; häufig motiviert „durch den Glauben an eine akute Bedrohung durch den Bolschewismus.“[15]

[...]


[1] Vgl. Bauerkämper, Arnd, Die „radikale Rechte“ in Großbritannien. Nationalistische, antisemitische und faschistische Bewegungen vom späten 19. Jahrhundert bis 1945 (=Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Band 93), Verlag Vandenhoeck & Rupprecht, Göttingen 1991.

[2] Ebd., S. 75.

[3] Ebd., S. 76.

[4] Kershaw, Ian, Hitlers Freunde in England. Lord Londonderry und der Weg in den Krieg, Deutsche-Verlags-Anstalt GmbH, München 2005, S. 19-20.

[5] Vgl. ebd., S. 80.

[6] Bauerkämper, Die „radikale Rechte“ in Großbritannien, S. 80.

[7] Ebd., S. 80.

[8]. Bauerkämper, Die „radikale Rechte“ in Großbritannien, S. 80.

[9] Ebd., S. 81.

[10] Bussfeld, Christina, „Democracy versus Dictatorship“. Die Herausforderung des Faschismus und Kommunismus in Großbritannien 1932-1937, Verlag Ferdinand Schönigh, Paderborn 2001, S. 62.

[11] Ebd., S. 62.

[12] Ebd., S. 62.

[13] Ebd., S. 62-63.

[14] Bussfeld, „Democracy versus Dictatorship“, S. 63-64.

[15] Ebd., S. 64.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der britische Faschismus und die British Union of Fascists
Untertitel
Die Entstehung des Faschismus in Großbritannien. Oswald Mosley und die British Union of Fascists. Das Scheitern des Faschismus in England
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Instiut Jena)
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V92356
ISBN (eBook)
9783638057646
ISBN (Buch)
9783640109111
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Faschismus, British, Union, Fascists
Arbeit zitieren
Michael Stocker (Autor), 2007, Der britische Faschismus und die British Union of Fascists, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92356

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