Die Social Media Plattform Instagram. Mögliche Effekte auf das Selbstbild junger Frauen

Eine kritische Beleuchtung und empirische Studie


Bachelorarbeit, 2019

77 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Oh, du schönes Instagram

Einleitung

1. Social Media
Wie kommt das Soziale in das Medium?
1.1 Wer oder was ist Instagram?
1.2 Die Influencer
1.3 Darstellung des Nutzungsverhaltens anhand der JIM-Studie

2. Warum hat Social Media uns im Griff?
Das Individuum zwischen Medium, Vergleich und Selbstbild
2.1 Ich sehe mich durch deine Augen
2.2 Medienaneignung
2.3 Medienwirkung
2.4 Die Flucht aus der Realität Eskapismus sei Dank
2.5 Die Theorie des sozialen Vergleichs
2.6 Darum hat Social Media uns im Griff Eine kleine Zusammenfassung

3. Was macht Instagram mit dir?
Die Empirie
3.1 Allgemeines zum Forschungsvorgehen
3.1.1 Der Fragebogen
3.1.2 Pretest
3.1.3 Feldzeit und Datenbereinigung
3.1.4 Zugang zur Stichprobe
3.2 Hypothesen
3.3 Datenauswertung
3.3.1 Allgemeines zur Stichprobe – Soziodemographie
3.3.2 Nutzungshäufigkeit und -einschätzung
3.3.3 Influencer, Nutzungsverhalten, -motive und Identifikation
3.3.4 Auswertung anhand der Hypothesen
3.3.5 Durch Instagram fühle ich mich inspiriert, kritisiert und motiviert
3.3.6 Fazit zur Empirie

4. Instagram – Fluch oder Segen
4.1 Eine Zusammenfassung möglicher Vor- und Nachteile der Plattform auf das Selbstbild junger Frauen
4.1.1 Instagram und seine Chancen
4.1.2 Instagram und seine Risiken
4.2 Bedeutung für die soziale Arbeit und ein angemessener Umgang
4.3 Katze sein

Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Screenshot Profil-Übersicht der Influencerin Pamela Reif

Abbildung 2 Screenshot Feed-Übersicht von Pamela_rf

Abbildung 3 Screenshot Profil-Übersicht der Influencerin Stefanie Giesinger

Abbildung 4 Screenshot Feed-Übersicht von Stefaniegiesinger

Abbildung 5 Altersverteilung der Stichprobe

Abbildung 6 Höchster Bildungsabschluss und derzeitige Beschäftigung der Stichprobe

Abbildung 7 Darstellung der Ergebnisse zur Nutzungshäufigkeit der Plattform Instagram

Abbildung 8 Darstellung der Ergebnisse zur Frage: „Findest du, du nutzt Instagram zu häufig?“

Abbildung 9 Intention der Instagramnutzung

Abbildung 10 Intention Folgen der Influencer

Abbildung 11 Korrelationstabelle zur Identifikation

Abbildung 12 Korrelationstabelle zu realistischen Vorbildern

Abbildung 13 Realistisches Körperbild

Abbildung 14 Korrelationstabelle Beeinflussung des Verhaltens

Abbildung 15 Beeinflussung des Essverhaltens

Abbildung 16 Beeinflussung des Wohlbefindens/der Stimmung

Abbildung 17 Darstellung „Durch Instagram fühle ich mich…“

Abbildung 18 Einschätzung Einfluss von Instagram

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Oh, du schönes Instagram

Der Wecker klingelt, das Smartphone wird gezückt, Instagram geöffnet, das neueste Bikinifoto von Pamela Reif (Influencerin) erscheint auf dem Bildschirm. Jede*r Zweite der 14 bis 29-Jährigen in Deutschland kann sich ein Leben ohne soziale Medien und somit ohne Instagram nicht mehr vorstellen, dies geht aus einer Studie des Digitalverbandes Bitkom aus dem Jahr 2018 hervor (vgl. Bitkom 2018, o.S.). „Dieses soziale Netzwerk schadet deiner Psyche am meisten“ – Instagram (Ulrich 2017), jedenfalls laut einer Studie der Royal Society for Public Health. Dass Instagram erhebliche Einflüsse auf das Selbstbild und die Körperwahrnehmung - und das nicht unbedingt im positiven Sinne – hat, stellt momentan ein brisantes Thema dar und füllt zahlreiche Zeitungsartikel und Reportagen. Vor allem junge, weibliche Nutzerinnen tendieren dazu, sich stark mit Influencern zu vergleichen. Forschungsarbeiten in diese Richtung fanden bis jetzt vor allem im englischsprachigen Raum statt. Umso wichtiger scheint es, die Einflüsse von Instagram auf das Selbstbild junger Frauen auch in Deutschland kritisch zu beleuchten und genau zu untersuchen. Dies soll in der vorliegenden Bachelorthesis anhand bereits veröffentlichter Forschungsergebnisse (wie der noch frisch veröffentlichten Studien der Malisa-Stiftung), sowie einer selbst durchgeführten empirischen Untersuchung erfolgen. Dabei sollten sowohl die Chancen als auch Risiken der Plattform für das junge Selbst deutlich werden.

Zum Verständnis wird zunächst der Begriff Social Media verortet und Instagram, sowie die Influencer als Protagonisten der Plattform vorgestellt. Darauf folgt die Definition grundlegender Begriffe und die Thematisierung von Eskapismus als Nutzungsintention, sowie die - für diese Thematik bedeutende - Theorie des sozialen Vergleichs von Leon Festinger. Nach der Vorstellung der Empirie und einer erfolgten Hypothesentestung werden allgemeine Vor- und Nachteile der Plattform zusammengefasst, sowie die Bedeutung dieser für die Profession der Sozialen Arbeit aufgezeigt, um dann diese Arbeit mit einem Fazit abzuschließen.

1. Social Media

Wie kommt das Soziale in das Medium?

Social Media, so ziemlich jeder hat schon mal davon gehört oder am Frühstückstisch in der Zeitung (oder je nach Modernität im Tablet oder Smartphone) darüber gelesen. Im Zuge der Themen Zukunft, Gefahren und Datensicherheit spielt Social Media eine immer bedeutender werdende Rolle. Doch was oder wer genau und wie viele sind diese sozialen Medien, vor welchen jede Zeitung, jede*r Psychologe*in (als extremes Beispiel für digitale Medien allgemein wäre hier Prof. Dr. med. Spitzer zu nennen) heutzutage warnt? Dieses Kapitel wird sich mit den allgemeinen Eckdaten des großen Begriffs Social Media beschäftigen und versuchen ihn verständlich einzugrenzen.

Auf eine allgemeine Definition für Social Media hat man sich 2013 in Frankfurt am Main im Zuge des 25. NEON-Plenums geeinigt: „Social Media ist eine Vielfalt digitaler Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglicht, sich auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu gestalten. Die Interaktion umfasst den gegenseitigen Austausch von Informationen, Meinungen, Eindrücken und Erfahrungen sowie das Mitwirken an der Erstellung von Inhalten. Die Nutzer nehmen durch Kommentare, Bewertungen und Empfehlungen aktiv auf die Inhalte Bezug und bauen auf diese Weise eine soziale Beziehung untereinander auf. Die Grenze zwischen Produzent und Konsument verschwimmt ... Als Kommunikationsmittel setzt Social Media einzeln oder in Kombination auf Text, Bild, Audio oder Video und kann plattformunabhängig [auf Kommunikation bezogen] stattfinden.“ (Quelle: 25. NEON-Plenum, 18. Februar 2013, Frankfurt am Main, zit. nach Scheffler 2014, S.13; Auslassung S.O). Soziale Medien reihen sich unter den Begriffen „Web 2.0“ oder auch „Social Web“ ein, was ausdrücken soll, dass das Web, das Internet eben nicht mehr nur das Internet wie es früher bekannt war ist, sondern ein neuartigeres System darstellt. Jedoch scheiden sich hier die Meinungen, so wird teilweise von einem komplett neuen WorldWideWeb, andererseits nur von einem neuen Umgang mit dem gleichen System gesprochen. Social Media fällt unter den Begriff des Social Webs, wobei die Grenzen hier sehr unscharf sind. Spengler kategorisiert und definiert „[…] Social Web als die Gesamtheit von Social Software, die als technologische Realisierung einer Struktur zu betrachten ist, innerhalb derer Social Media die (kulturellen) Inhalte [bildet].“ (Spengler 2018, S.401f.; Auslassung und Ergänzung S.O.). Social Web und somit Social Media als Bestandteil des Web 2.0 stellen nach Spengler eine „[…] konsequente Weiterentwicklung des Internets“ (Spengler 2018, S.402; Auslassung S.O.) dar. Obwohl die Hauptintention des Webs immer noch die Information darstellt, zeigt sich die wohl signifikanteste Veränderung zum Web 2.0 bzw. Social Web hinsichtlich der Kommunikation (vgl. Spengler 2018, S.402). Es begann ganz harmlos mit E-Mails, verlagerte sich dann stärker in Online-Foren mit Chatfunktionen und findet seinen Höhepunkt in den sozialen Medien mit seinen Social-Network-Diensten und Social-Sharing-Angeboten, getreu dem Motto „je öffentlicher, desto besser“. Logisch, dass mit der Entwicklung des Social Webs auch die Angst vor Datenunsicherheit, Big Data und anderen Algorithmen in die Medienwelt einzog.

Nach Scheffler (2014, S.14) benutzen mittlerweile sage und schreibe 80% der Gesamtbevölkerung, über die verschiedenen Kulturen und Gesellschaften hinweg, soziale Medien. Tendenz steigend. Das wohl bekannteste Soziale Medium ist Facebook, wobei es sich bei den, am häufigsten genutzten sozialen Plattformen nicht mehr ganz oben einreihen darf (siehe „JIM-Studie“ im nächsten Kapitel). Auch der Nachrichten-Dienst WhatsApp, sowie YouTube, Pinterest, Snapchat und natürlich das sich extrem an Beliebtheit erfreuende Instagram welches mittlerweile zur Facebook-Kompanie gehört, zählen (neben vielen weiteren) zu den sozialen Medien. Schmidt und Taddicken (2017) schreiben den sozialen Medien sieben Funktionen zu, welche nun knapp erläutert werden.

1 . Das Erstellen von Medieninhalten, sei es die Schaffung eines komplett neuen Beitrages (in Text-, Bild-, Video-, oder Audioform) inklusive der Bearbeitung durch z.B. einen Fotofilter, oder das Teilen („Reposten“) und Verlinken eines bereits vorhandenen Posts (siehe auch 5.) (vgl. S.25).
2. Nachdem ein Beitrag erstellt wurde, geht es an die Veröffentlichung des Konstrukts als zweite Funktion sozialer Medien. So wird beispielsweise ein Selbstporträt auf der Plattform Instagram publiziert. Hierzu gehört auch die Auswahl, welcher Personenkreis den Beitrag zu Gesicht bekommen darf und wem er verborgen bleiben sollte (siehe auch Kapitel 1.1 zu Instagram). Auch wenn das Erstellen und Veröffentlichen eines Beitrages oft zusammenhängen, sind sie doch zu separieren, so ist beispielsweise das Erstellen in Form der Nutzung des Mediums auch ohne das Veröffentlichen denkbar. (Vgl. S.25f.).
3. Wurde ein Beitrag der (u.a. selbst gewählten) Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, kann dieser in der Regel von den Rezipienten kommentiert werden. Je nach Social Media Plattform kann dies vom Produzenten mehr oder weniger gesteuert werden. (Vgl. S.26).
4. Unter der vierten Funktion des Annotierens verbirgt sich die Möglichkeit, einen Beitrag zu bewerten (z.B. durch „Daumen hoch“, „Daumen runter“ geben bei Facebook, „Liken“ in Form eines Herzchens bei Instagram, oder allgemein durch sogenannte Emoticons) aber auch das Klassifizieren eines Inhaltes durch das Setzen eines Tags (vgl. S.27).
5. Das Weiterleiten ermöglicht das Teilen gewisser Inhalte mit anderen Personen. Die meisten Social Media Dienste arbeiten hier bereits zusammen und bieten direkte Links zur u.a. plattformexternen Weiterverbreitung an. (Vgl. S. 27f.).
6. Auch das Abonnieren, je nach Plattform auch unter Folgen bekannt, stellt eine essentielle Funktion sozialer Foren dar, ist es doch für die Vernetzung (siehe 7.) unentbehrlich. Außerdem bietet es den Nutzern eine gewisse Art der Filterung der großen Masse an dargebotenen Inhalten hin zu einem personalisierten „Feed“. (Natürlich helfen hier auch gewisse Algorithmen mehr oder weniger erwünscht mit). (Vgl. S.28).
7. Die letzte Funktion sozialer Medien stellt wohl deren grundlegendste, das Vernetzen, dar. Hierbei wird zwischen der Verknüpfung von Beiträgen und der Beziehungen der Nutzer untereinander unterschieden. Bei den Nutzern zeigt sich diese Vernetzung z.B. durch das Weiterleiten an und Abonnieren von anderen Usern, was in der Regel wechselseitig, aber auch einseitig geschehen kann. Unter der Verknüpfung von Objekten wird z.B. das Verlinken eines Textes in einen Wikipedia-Eintrag oder das Versehen eines Beitrages mit einem Hashtag, verstanden. (Vgl. S.29).

Zweifellos sollte deutlich sein, dass sich die sieben Funktionen nicht immer klar trennen lassen und wechselseitig beeinflussen.

Zusammenfassend ist Social Media also eine neue bzw. erneuerte Form des Internets, bei dem es sich in der Regel um Netzwerkplattformen mit der Erstellung eines Profils inklusive gewisser Angaben zur eigenen Person handelt. Zwar war schon immer der Aspekt der Vernetzung ein wichtiger, um nicht zu sagen der wichtigste Bestandteil des Webs, nie wurde er aber so prägnant wie durch die sozialen Medien. Social Media setzt also mehr auf Teilen, Kommunikation, Vernetzung, Austausch und Öffentlichkeit, weniger auf bloße Informationsbeschaffung. Somit wäre auch geklärt, wie der soziale Aspekt seinen Weg in das Medium fand, denn nach Georg Mead „wird der Mensch erst durch die Kommunikation mit anderen zu einem „sozialen Wesen“.“ (Kneidinger-Müller 2017, S.65). „Sozial“ wirkt auf den ersten Blick also recht positiv, facettenreich und erfolgsversprechend. Welche Chancen, aber eben auch Risiken Social Media in Hinblick auf das Selbstbild junger Frauen bergen, soll im Laufe dieser Bachelorthesis deutlich werden. Nachfolgend wird „der Protagonist“ dieser Arbeit, das soziale Medium Instagram vorgestellt.

1.1 Wer oder was ist Instagram?

Da sich die wissenschaftliche Arbeit mit dem sozialen Medium Instagram beschäftigt, soll im Folgenden diese Plattform zunächst allgemein beleuchtet werden. Instagram wurde ursprünglich von den beiden Standford-Universitätsabsolventen Mike Krieger und Kevin Systrom entwickelt und kam 2010 auf den Markt. Anfänglich konnte die App nur mit Applegeräten genutzt werden, mittlerweile ist sie auch für Besitzer von Androidsmartphones zugänglich. Wie bereits erwähnt, ist Instagram mittlerweile Mitglied der „Facebookfamilie“, wurde 2012 für eine gute Milliarde Dollar „adoptiert“. Bei Instagram handelt es sich um einen kostenlosen Foto- und Video-Verbreitungsdienst, der verschiedene Filter und spezielle Effekte zur Video- und Fotobearbeitung bietet. (Vgl. Kobilke 2014, S. 14ff.). Relativ neu sind Funktionen wie die Instagram-Stories (Fotos/Videos werden in der „persönlichen Story“ der Benutzer veröffentlicht und sind für 24h sichtbar) die auf das Prinzip des Storytellings setzen, Live-Videos und der Messenger-Dienst „Instagram-Direct“. D.h. es besteht mittlerweile die Möglichkeit, private Nachrichten über Instagram zu verschicken. Bei Instagram kann der/die Nutzer/in selbst entscheiden ob das eigene Profil „öffentlich“ - d.h. veröffentlichte Inhalte sind für alle zugänglich - oder „privat“ - der/die Nutzer/in kann selbst wählen wer Beiträge sehen darf - ist. Bereits wenige Monate nach Veröffentlichung der Foto-App stiegen die Nutzerzahlen auf eine Millionen, mittlerweile nutzen weltweit um die 200 Millionen Menschen Instagram, laut der britischen Digital-Agentur „We are Social“76 Millionen davon sogar täglich (vgl. Kobilke 2014, S.29). Instagram setzt auf die Verbreitung von Fotos, Videos aber auch Texten, Hyperlinks, u.ä.. Außerdem können Personen und Orte unter den Beiträgen verlinkt werden. Ebenso spielen sogenannte Hashtags (Schlüsselwörter die durch ein #-Zeichen „aktiviert“ werden) eine große Rolle, soll die Reichweite der geposteten Inhalte erhöht werden. Doch nicht genug, mittlerweile zählt Instagram zu den bedeutendsten Werbe- und Selbstdarstellungsplattformen unserer Zeit. Geworben wird in der Regel von großen Konzernen direkt oder etwas unauffälliger über sogenannte Influencer*innen, als „Experten“ dieser Selbstdarstellung. Diese spielen eine wichtige Rolle für die Arbeit weshalb ihnen das nächste Kapitel gewidmet wird.

Es wird in den folgenden Kapiteln überwiegend die Formulierung „Influencer“ verwendet, wenn es um die Mehrzahl dieser geht. Hier ist auch bzw. im Kontext dieser Arbeit hauptsächlich die weibliche Form inbegriffen.

1.2 Die Influencer

Ist Instagram das Schachbrett, sind Influencer die Schachfiguren. Instagram ohne Influencer? Undenkbar. Sie stellen eine neue, greifbarere Art von Stars, die Prominenz der sozialen Medien, dar. Wörtlich übersetzt meint es so viel wie „Beeinflusser“, wobei dies eine sehr negative Konnotation beinhaltet. Angenehmer scheint die Bezeichnung des Dudens, dieser beschreibt Influencer als „Vorreiter“ und „Meinungsführer“. Influencer sind Social-Media-Nutzer mit einer hohen Reichweite, übersetzt Personen deren (Instagram-)Profil über eine bemerkenswerte Anzahl an Followern (ab ca. 50.000-100.000) - also Nutzer*innen die das tägliche Geschehen der Person verfolgen - verfügen. „Durch ein hohes Ansehen und eine starke Präsenz haben sie einen großen Einfluss auf ihre Follower.“ (Clement o.J, o.S.). -Influencer wirken jedoch nicht nur auf Instagram, sondern auf fast allen Social-Media-Plattformen wie Youtube, Twitter usw. Durch beständige, identifizierbare Eigenschaften, die sie vor allem oberflächlich durch geteilte Fotobeiträge zeigen, werden die Influencer selbst zu einer eigenen Marke, welcher sie in der Regel treu bleiben. Dieser Markenkern stellt eine Art Verlass für die Follower dar (vgl. Becker, Götz 2019, S.21). Der Einfluss der Influencer wird häufig von sehr bekannten, aber auch weniger populären Marken zu Werbezwecken genutzt, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass jedes einflussreiche Instagramprofil von Werbung belagert ist. Grob lassen sich die „Meinungsführer“ unter die verschiedenen Schwerpunkte Mode, Fitness, Ernährung, Familie, Nachhaltigkeit und Umwelt gliedern, wobei sich die Punkte nicht selten überschneiden. Um einen genaueren Einblick in die Vielschichtigkeit des „Influencen“ zu gestatten, werden nun zwei Profile, die auch für die Empirie in Kapitel 3 von Bedeutung sind, vorgestellt. Pamela Reif Pamela Reif, eine deutsche Influencerin mit dem Instagram-Profil „pamela_rf“, konzentriert sich bei ihren Beiträgen (auch Feed genannt) auf die Themen Fitness und Ernährung. Sie erreicht momentan über vier Millionen Nutzer (Stand 29.05.2019). Neben ihrem Instagram-Profil betreibt sie noch einen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Screenshot Profil-Übersicht der Influencerin Pamela Reif. Quelle: https://www.instagram.com/pamela_rf/

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Screenshot Feed-Übersicht von Pamela_rf. Quelle: https://www.instagram.com/pamela_rf/ erfolgreichen YouTube-Kanal mit Sportvideos zum Mitmachen und zahlreiche

Kooperationen mit einflussreichen Marken. Abbildung 2 zeigt, dass die Influencerin vor allem freizügigere, sportliche Fotos veröffentlicht, die ihren trainierten Körper in Szene setzen. Pamelas „Marke“ sind überwiegend Selbstportraits, selten zeigt sie sich mit anderen bekannten Personen oder Freunden. Dabei zeigt sie sich in der Regel knapp bekleidet, den ausgeprägten Sixpack-Bauch präsentierend, nicht selten an traumhaften Urlaubsorten. In der Regel wird der überwiegend komplette Körper, von langen, blond-braunen Haaren umrandet, in Szene gesetzt. Der Blick meist in die Ferne gerichtet, die Mimik durch einen Schmollmund oder seltener ein leichtes Lächeln gekennzeichnet. Dabei wirkt Pamela immer makellos und perfekt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Screenshot Profil-Übersicht der Influencerin Stefanie Giesinger Quelle: https://www.instagram.com/stefaniegiesinger/

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Screenshot Feed-Übersicht von Stefaniegiesinger

Quelle: https://www.instagram.com/stefaniegiesinger/

Stefanie Giesinger, ehemalige Gewinnerin der Serie „Germanys Next Topmodel“ und Influencerin. Auch Stefanie hält ihre 3,6 Millionen Follower (Stand 29.05.2019) mit perfekt in Szene gesetzten Fotos auf dem Laufenden. Auf ihrem Instagramprofil zeigt sie sich meist leicht bekleidet an Urlaubsorten, bei sportlichen Aktivitäten oder mit ihrem Freund Michael, der ebenfalls aktiv in den sozialen Medien ist. Die Darstellung der beiden Instagram-Profile soll einen beispielhaften Einblick in Instagram und seine prominenten Nutzer*innen geben. Deutlich sollte werden, dass die Influencer mit den größten Reichweiten überwiegend auf selbstinszenierende, perfekt in Szene gesetzte, aber eben auch teils unrealistische, schwer nachzuahmende Fotos setzen. Welche Wirkung können derartige, täglich geteilte Beiträge auf junge Frauen haben? Um dieser Frage weiter auf den Grund zu gehen, wird im nächsten Kapitel das Social-Media-Verhalten junger Menschen anhand der JIM-Studie vorgestellt. Daraufhin werden gewisse sozialpsychologische und medienpädagogische Theorien zu dieser Thematik unter die Lupe genommen. 1.3 Darstellung des Nutzungsverhaltens anhand der JIM-Studie

Die JIM-Studie 2018 (Jugend, Information, Medien) wurde vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest veröffentlicht und beschäftigt sich mit der Mediennutzung von 12-19-Jährigen, lässt sich jedoch auch allgemein auf junge Menschen übertragen. Zur Datenerhebung wurden 1200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren in ganz Deutschland innerhalb von vier Monaten telefonisch befragt. Der Geschlechteranteil der Studienteilnehmer und das Alter, unterschieden in den Gruppen zwölf bis 13, 14-15, 16-17 und 18-19, ist hier recht ausgeglichen. Hauptsächlich handelt es sich um Schüler, 63% davon besuchen das Gymnasium (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2018, S.4). Im Durchschnitt besitzen 98% der befragten Mädchen und Jungen ein Smartphone, Unterschiede hinsichtlich des Alters sind hier nur minimal zu erkennen.

Instagram wird im Durschnitt von 67% der Jugendlichen täglich bzw. mehrmals pro Woche genutzt. Allgemein sind junge Menschen zwischen 14 und 17 Jahren aktiver bei Instagram, dabei weibliche Jugendliche mehr als männliche, das Verhältnis steht hier bei 73% zu 61% (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2018, S.40). Die Plattform liegt damit auf dem zweiten Platz der, am häufigsten genutzten, Kommunikationsmedien und folgt dem „Bestseller“ WhatsApp. Ein Drittel der Befragten verfolgt laufend Veröffentlichungen öffentlicher Personen auf Instagram, 82 % folgen jedoch Personen, die sie nach eigener Angabe persönlich kennen (ähnliche Ergebnisse konnten in der Empirie in Kapitel 3 festgestellt werden). Nur ein Zehntel gibt an auch selbst regelmäßig Inhalte in Form von Videos und Fotos zu veröffentlichen. Erwähnenswert ist auch, dass sich hinsichtlich des Geschlechts kaum Unterschiede im Nutzungsverhalten zeigen. Signifikant ist lediglich, dass 40% der Mädchen und somit doppelt so viele als bei den männlichen Befragten, öffentlichen Personen, also Prominenten und Influencern folgen, dies kann ebenfalls dem Forschungsbericht entnommen werden. (Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2018, S.40f.).

Was wissen wir nun? Ein Großteil junger Frauen nutzt Instagram, und das nicht zu selten. Sie folgen Influencern, die mit perfekt in Szene gesetzten Bildern werben. Fehlt nur noch zu klären, warum Instagram so häufig und gerne genutzt wird und welche Wirkung es mit seinen Facetten auf das heranwachsende Selbst hat. Einfacher gesagt als tatsächlich getan bzw. in diesem Fall gefragt und beantwortet, doch wir wollen es wagen. Mithilfe grundlegender Definitionen der Begriffe rund um „Das Selbst“, mediennutzungstheoretischer Ansätze und der Theorie des sozialen Vergleiches kommen wir der Antwort hoffentlich einen Schritt näher.

2. Warum hat Social Media uns im Griff? Das Individuum zwischen Medium, Vergleich und Selbstbild

Um die Intention der Arbeit und der durchgeführten Empirie nachzuvollziehen, wird sich das folgende Kapitel, nachdem die grundlegenden Definitionen für Social Media und Instagram auf den vorherigen Seiten erörtert wurden, nun mit den Begriffen des Selbstbildes und der Selbstdarstellung beschäftigen. Daraufhin soll eine Beantwortung der Frage, weshalb Menschen Plattformen wie Instagram und andere soziale Medien nutzen bzw. sich aneignen und welche Wirkungen diese haben könnten ansatzweise gewagt. Hierzu wird auch das Konzept des Eskapismus und die Theorie des sozialen Vergleiches nach u.a. Leon Festinger herangezogen.

2.1 Ich sehe mich durch deine Augen

Selbstbild, Selbstkonzept, Identität und Selbstdarstellung als grundlegende Begriffe

Um der Frage nachzugehen, welche Einflüsse Instagram auf das Selbstbild junger Frauen haben könnte, muss zunächst der Begriff des Selbstbildes ganzheitlich definiert werden. Von Bedeutung ist hierfür auch, inwiefern sich die Terminen Selbstkonzept, Selbstbild, Identität und Selbstdarstellung unterscheiden, ergänzen und überschneiden. So wird nun Schritt für Schritt jeder Begriff beleuchtet um dann zu einem zusammenfassenden, möglichst einheitlichen Ergebnis zu finden.

Das Selbstbild umfasst sowohl Kognitionen als auch Emotionen die eine Person gegenüber sich selbst hat. Es meint, ganz simpel übersetzt, das Bild bzw. die Meinung die eine Person sich selbst gegenüber vertritt, die Art wie sich eine Person selbst sieht. Das Selbstbild entwickelt sich durch die Selbstbeobachtung, d.h. hier wird die eigene Wahrnehmung, welche in der Regel erwartungsgesteuert ist, beansprucht. Beeinflusst wird das Selbstbild auch durch Reaktionen anderer Menschen wie Lob, Strafe, usw.. Auch das vermutete Fremdbild, also die Annahme wie andere Personen einen wahrnehmen, wird in das Selbstbild integriert. Erwähnenswert ist hier auch die Ich-Ideal-Diskrepanz welche bei einer Nichtübereinstimmung des Ich-Ideals, also des gewünschten Selbst, und des tatsächlich erfahrenen Personenbildes entstehen kann. Diese Diskrepanz kann wiederum zu Unzufriedenheit bis hin zu psychischen Erkrankungen führen (siehe auch Kapitel 4.1.2 Instagram und seine Risiken) (Vgl. Wirtz 2017, S.1513).

Unter Selbstkonzept wird ein ganzheitliches, psychisches Konstrukt der Überzeugungen zur eigenen Person einschließlich der Bewertung dieser verstanden. Hierzu zählt das Bewusstsein persönlicher Fähigkeiten, Interessen, Eigenschaften aber auch eigener Emotionen und des Verhaltens bzw. Handelns. Wichtig sind hier auch die sozialen Vergleiche (siehe Kapitel 2.5) vor allem in der Adoleszenzphase -im Jugendalter- von Bedeutung für das Selbstkonzept sind. Im Jugendalter ist das Selbstkonzept am stärksten beansprucht, bleibt danach in der Regel relativ konstant und wird nur noch in gewissen Punkten angepasst und verändert. Allgemein tendiert der Mensch dazu, sich selbst so zu sehen, wie er (hypothetisch) von anderen gesehen bzw. bewertet wird. (Vgl. Wirtz 2017, S.1517-1519).

Hier wird deutlich, dass sich die Definitionen des Selbstbildes und -konzeptes stark überschneiden und nur schwer voneinander abgrenzen lassen, wobei der Begriff des Selbstkonzeptes im Sinne eines psychischen Konstruktes wohl einen etwas über- und weitergreifenderen als der des Selbstbildes gemäß einer wandelbaren Momentaufnahme darstellt. Laut des psychologischen Lexikons von Dorsch wird durch die Anpassung unserer, im Gehirn gespeicherten Erfahrungen an das Selbstkonzept nun das Gefühl einer Identität entwickelt.

„Identität beschreibt in der Psychologie die erlebte, stabile Einheit der eigenen Personen.“ (Wirtz 2017, S.790). Identität kann als permanenter Aushandlungsprozess, in welchem die Person ständig versucht ein Gleichgewicht zwischen persönlichen Erfahrungen, Wünschen, Werten und gesellschaftlichen Erwartungen herzustellen, verstanden werden (vgl. Keupp (2017, S. 153f.) Es geht also darum, eigene, innere Zustände mit der äußeren Gesellschaft zu vereinbaren. Die Identität umfasst Werte, Ziele, sowie die Selbsteinschätzung eigener Fähigkeiten, beinhaltet also sowohl nach außen Sichtbares wie auch innere Zustände und entsteht unter anderem durch den Vergleich mit und die Abgrenzung von anderen Personen. Somit spielt auch in der Identitätsbildung die Theorie des sozialen Vergleiches nach Leon Festinger eine nennenswerte Rolle (siehe ebenfalls Kapitel 2.5). Hauptfunktion der Identität ist die Schaffung eines positiven Selbstwertgefühles und einer gewissen Handlungssicherheit, außerdem wird sie im Umgang mit Stress und krisenbehafteten Situationen zur essentiellen Ressource (vgl. Keupp 2017, S.154). Identität ist ein lebenslanger Prozess und verfestigt sich in der Regel erst allmählich im Erwachsenenalter. Summarisch lässt sich Identität also als ein Konstrukt, welches besondere Merkmale einer Person umfasst, diese einzigartig und von anderen Menschen unterscheidbar, aber auch zugehörig zu gewissen, gesellschaftlichen Gruppen macht, erfassen (vgl. Buckingham 2008, S.1f.).

Selbstbild, Selbstkonzept und Identität sind gestaltende Prozesse, die sich erst im Laufe der Entwicklung ausdifferenzieren. Im Laufe dieser Prozesse filtert sich auch die Fähigkeit zur reflexiven Selbstbetrachtung aus. (Vgl. Greve; Thomsen 2019, S. 158). Zur Identität aber auch zum Selbstbild gehört die Selbstdarstellung als eine Art Werkzeug zur Identitätsentwicklung, welche mittlerweile stark in den sozialen Netzwerken (wie Instagram), aber auch im Alltag stattfindet.

Selbstdarstellung meint die Art, wie sich ein Individuum selbst nach außen darstellt. Dies können sowohl reale, authentische als auch nicht-reale und nicht-authentische Fähigkeiten, Eigenschaften, Werte, Persönlichkeitsmerkmale, usw. sein. Die Selbstdarstellung gibt also nicht zwingend Auskunft darüber, wie sich eine Person tatsächlich selbst sieht, also welches Selbstbild diese von sich hat, sondern auch wie die Person selbst gerne wäre bzw. von anderen gesehen werden möchte. (Vgl. Wirtz 2017, S. 1115). Die Selbstdarstellung kann sich also durch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst, aber auch gesellschaftlichen Erwartungen, zeigen. Vor allem im Jugendalter aber auch allgemein werden soziale Medien wie Instagram als Instrument der Selbstdarstellung immer häufiger herangezogen. Döring beschreibt diese Art der Selbstpräsentation auch als „virtuelle Identität“, was die Verknüpfung von Selbstdarstellung und Identität wiederum verdeutlicht (vgl. Döring 200a, S.65 zit. nach Kneidinger-Müller 2017, S.63). Nennenswert ist hier auch, dass „die bewusste und reflektierte Gestaltung der eigenen Selbstdarstellung […] durchaus als Hinweis auf die Entwicklungsaufgabe, sich mit der Differenz zwischen der eigenen Sicht auf sich selbst und der Sicht von anderen auseinanderzusetzen gesehen werden.“ (Brüggen; Wagner 2013, S.159, Auslassung S.O.). In der heutigen, zunehmend digitalisierten Gesellschaft können Fotos – die über ein soziales Netz veröffentlicht bzw. verbreitet werden – als Art Segmente der Selbstdarstellung interpretiert werden (vgl. Götz 2019, S.2).

Identität, Selbstbild und Selbstkonzept werden in unterschiedlicher Fachliteratur auch häufig synonym verwendet, die Bachelorthesis wird sich jedoch mehr auf das Selbstbild und -konzept konzentrieren, da es (meiner Meinung nach) eine eher momentane Ansicht, Identität hingegen ein weitgreifenderes Konstrukt, darstellt. Selbstbild und Selbstkonzept werden in diesem Fall als weitestgehend synonym betrachtet. Das Selbstbild wird in dieser Arbeit als eine Art Vorstufe bzw. Entwicklungsphase der Identität gesehen und als eine Haltung, die sich durch die Selbstbeobachtung manifestiert und eine Person sich selbst gegenüber vertritt, definiert. Resonanzen anderer Personen, soziale Vergleichsprozesse (siehe Kapitel 2.5) sowie Situationsbedingungen und Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen das Selbstbild. Für die Bearbeitung der Frage, welche Einflüsse das soziale Netzwerk Instagram auf junge Frauen hat, sollte das der Begriff des Selbstbildes genügen, da es sich hier mehr um einen direkten, aktuellen Effekt auf die junge Frau, als um tatsächliche Langzeitwirkungen, die sich erst in späteren Lebensphasen zeigen werden und sich dann im Identitätsbegriff kennzeichnen lassen, handelt. Im Laufe der Arbeit sollten sich die Begrifflichkeiten u.a. anhand der durchgeführten Umfrage noch verfestigen.

Um nun der Frage nachzugehen, weshalb vor allem junge Menschen die soziale Plattform Instagram nutzen, wird folgend die Mediennutzung unter Einbezug zweier Ansichten, die des Eskapismus und des sozialen Vergleichs, vorgestellt. Dabei sollte auch deutlich werden, dass das Selbstbild, die Selbstwahrnehmung und die Identität wichtige -um nicht zu sagen die wichtigsten- Rollen hinsichtlich der Motivation soziale Medien zu nutzen, spielen. Davor soll knapp der grundlegende Ausdruck der Medienaneignung beleuchtet werden.

2.2 Medienaneignung

Ein knappes Kapitel zur Medienaneignung darf in diesem Beitrag nicht fehlen. Der Prozess oder Begriff der Medienaneignung ist wohl der zentrale Ausdruck, nicht wegzudenken in einer Arbeit, die auch nur im Entferntesten etwas mit Medien zu tun haben sollte. Dabei wird sie als „[…] Prozess der Nutzung, Wahrnehmung, Bewertung und Verarbeitung von Medien aus der Sicht der Subjekte unter Einbezug ihrer – auch medialen – Lebenskontexte“ (Schorb, Theunert 2000, S.35, Auslassung S.O.) definiert. Es geht also, ganz simpel gesagt, um das Zusammenspiel von Subjekt und Medium sowie die zu beachtende Wechselwirkung (vgl. Schorb 2017, S.215). Der Prozess der Medienaneignung beginnt mit der Wahrnehmung der medialen Information, schließt die Ver- und Bearbeitung mit ein und endet mit der Bewertung dieser. Noch weiter gegriffen kann der Terminus als eine Art „[…] Auseinandersetzung mit der Welt und all ihrer Phänomene materieller wie immaterieller Natur.“ (Schorb 2017, S.217, Auslassung S.O.) definiert werden. Wichtig ist, dass Medien (egal ob Schriftstück, Film, oder soziales Netzwerk) immer ein Produkt, ein Werkzeug und Mittel (materiell oder immateriell) des Menschen darstellen und somit nur in Bezug auf etwas existent sind. Der individuelle Aneignungsprozess wird von Umweltfaktoren, Interessen des Subjekts und Anregungen anderer Personen beeinflusst. (Vgl. Schorb (2017, S.218f.). Zusammenfassend wird der Prozess der Medienaneignung also von unterschiedlichen äußeren und inneren Faktoren hinsichtlich der Motivation, Auswahl, Wahrnehmung, Nutzung, und Bewertung bedingt. Auch die Kommunikation über Medieninhalte findet unter dem Prozess der Medienaneignung statt, Schorb (2017) beschreibt dies als eine Art Anschlusskommunikation. Zum zusammenfassenden Verständnis soll ein Zitat Schorbs helfen: „Medienaneignung beschreibt das in die menschliche Kommunikation eingebettete Wechselspiel des Menschen mit den Medien, die ihn umgeben. Sie umfasst die Weise einschließlich der Quantität, in welcher der Mensch die Medien nutzt, die Intensität und Richtung, in der er die Medien wahrnimmt, die Formen und Tiefen, in der er die Medien verarbeitet und schließlich die Kriterien, nach denen er die Medien als Inhaltträger wie auch als Inhalte bewertet.“ (Schorb 2017, S.221).

Somit stellt die Medienaneignung abschließend alles dar, was der Mensch mit dem Medium bzw. das Medium mit dem Menschen macht und „[.] ist damit nichts anderes als soziales Handeln, […]“ (Wegener 2008, S. 51; Auslassung S.O.). Somit ist auch die Medienwirkung eine Art Bestandteil des Aneignungsprozesses, stellt in der Forschung jedoch nicht selten eine eigene Position dar. Dazu folgend.

2.3 Medienwirkung

Dass Medien uns beeinflussen ist wohl kaum mehr erwähnenswert. Geforscht wird in Richtung Medienwirkung schon lange, vor allem das Aufkommen neuerer Medien veranlasst immer wieder dazu, deren Effekte zu messen bzw. es immerhin zu versuchen. So individuell der Mensch und das Medium, ist folglich auch die Wirkung der beiden Komponenten. Schweiger (2013) stellt fest, dass sich die Medienwirkungsforschung mit höchst unterschiedlichen Sachverhalten beschäftigt, was die Schaffung einer einheitlichen Definition erschwert. Zudem widmet die Öffentlichkeit ihr Interesse eher den negativen, gefährlichen Wirkungen der (neuen) Medien wie Gewalt, Abhängigkeit, Daten(un-)sicherheit, usw. und weniger den positiven Nutzen dieser. (Vgl. Schweiger 2013, S.18). „Formal lässt sich Wirkung nach Dauer, Intensität, Richtung und Eindeutigkeit differenzieren.“ (Jäckel 2017, S.407). Somit hat ein Medium und somit auch die Plattform Instagram gewisse Lang- und Kurzzeiteffekte auf den Menschen, wobei sich die konkreten Langzeiteffekte der Instagramnutzung erst im Laufe der nächsten Jahre eindeutiger erforschen lassen. Die Arbeit beschäftigt sich somit eher mit den kurzzeitigeren Einflüssen. Zur Erfassung der Medienwirkung wird häufig der Uses-and-Gratifacations-Approach, also Nutzen-und-Belohnungs-Ansatz verwendet. Dieser beschäftigt sich mit der Rolle des Rezipienten, also des Mediennutzers - in diesem Fall die junge Frau die Instagram nutzt - und dessen Motive und Bedürfnisse hinsichtlich der Mediennutzung. - Dieser Erklärungsansatz wird bewusst nicht konkret aufgefasst, da, für diese Arbeit als passender gewählt, das Eskapismuskonzept und die Theorie des sozialen Vergleiches als Medienwirkungsgegenstand in den nächsten Kapiteln behandelt wird. - Allgemein wird in der Medienwirkungsforschung zwischen kognitiven (Informations- bzw. Wissenserwerb), emotionalen (positive und negative Manipulation der Erregung, Stimmung und Gefühle) und Einstellungseffekten (Wirkung der Medien auf die eigene Einstellung gegenüber etwas) unterschieden, wobei die Einstellungseffekte eine Kombination von Kognition und Affekt darstellen und somit auch die bedeutendste Medienwirkung darstellt (vgl. Schweiger 2017, S.22f.). Soziale Medien können unser Denken beeinflussen, wobei sie jedoch eher bestimmen worüber wir nachdenken, als das was wir tatsächlich denken. Gemeint ist damit, dass uns durch, beispielsweise Instagram, zwar Inhalte bis zu einem gewissen Grade vorgegeben werden (wobei natürlich zu beachten ist, dass die Rezipienten durch die Funktion wem sie folgen und nicht-folgen auch selbst Einfluss auf die dargestellten Inhalte nehmen können), die Verarbeitung und Bewertung der Darstellungen jedoch jeweils individuell geschehen (vgl. Jäckel 2017, S.409). In der Regel wird über Veränderungen von Verhalten und Denken durch Medien gesprochen, seltener darüber, dass diese durch Medien auch abgewendet werden können (vgl. Schweiger 2013, S. 27). Die Medienwirkungsforschung beschäftigt sich mit den Effekten auf der Individual- (Mikro), der Gruppen- (Meso) und der Gesellschaftsebene (Makro) von Medien. Gegenstand der Bachelorarbeit ist vor allem die Wirkung auf Meso- und Makroebene. Abschließend zu diesem Kapitel ist anzumerken, dass sich die Wirkungsforschung eher mit Wirkungsbedingungen beschäftigt da die tatsächlichen Einflüsse auf die Rezipienten so individuell und komplex sind, dass sie schwer zu verallgemeinern sind (vgl. Schweiger 2013, S. 34). Folgend wird das Konzept des Eskapismus und die Theorie sozialer Vergleiche anhand der Nutzung von Instagram als Element von Medienwirkung thematisiert.

2.4 Die Flucht aus der Realität

Eskapismus sei Dank

Warum wird Instagram so häufig genutzt? Welchen Zweck erfüllt es? Um dies zu beantworten, könnte das Konzept des Eskapismus behilflich sein. Es gehört zu den ältesten Modellen, um die Motivation, den Sinn der Mediennutzung zu erklären. Eskapismus beschreibt eine kurzzeitige Flucht aus der Gegenwart, der realen Welt in eine surreale, mediale Welt und stellt eine Art (vermeidungsorientierte) Coping-Strategie dar (vgl. Müller 2018, S.131). Dieses vorübergehende Eintauchen in eine andere Realität, sei es in ein PC-Spiel, eine Serie, ganz altmodisch in einen Krimi oder eben in ein soziales Medium wie Instagram, kann eine kurzeitige Ablenkung von realen Problemen schaffen. (Vgl. Müller 2018, S.15). Severina Müller beschäftigte sich umfassend mit dem Eskapismus hinsichtlich sozialer Medien, dabei konzentriert sie sich vor allem auf die Plattform Facebook, vieles lässt sich jedoch auf die eskapistische Nutzung von Instagram übertragen. Dass ein packender Roman oder der neueste Science-Fiction-Streifen eine Flucht aus der Realität begünstigen, dürfte logisch sein. Wie verhält sich dies jedoch bei Instagram, spielt sich Instagram nicht auch in der realen Welt ab? Prinzipiell ja, was es dem Eskapismus nicht unbedingt leicht macht. Fokussiert man jedoch darauf, dass es sich nicht nur um die Flucht in eine surreale, sondern allgemein in eine alternative (auch reale) Welt handelt, scheinen Instagram und Eskapismus wieder ein ansehnlicheres Paar abzugeben. Spricht man also nicht von der eskapistischen Nutzung traditioneller Medien, sondern neuer, sozialer Medien bietet vor allem die Art der Darstellung die nötige Grundlage. Dargeboten werden in Instagram, nicht ausschließlich aber hauptsächlich, schöne und positive Inhalte, Themen, Stimmungen und Erlebnisse. Der Selbstdarstellung sind wenige Grenzen gesetzt und die Influencer machen sich dies zu Nutzen. Das Leben einer Influencerin ist in der Regel doch etwas anders als das einer gewöhnlichen Schülerin oder Studentin und kann somit als eine Art alternative, schönere Welt, in die durch Instagram geflüchtet werden kann, angesehen werden. So können die Fotos mit passendem Filter des letzten Malediven-Urlaubs von Stefanie Giesinger (siehe Kapitel 1.2) eine kurzzeitige Ablenkung von möglichen eigenen Problemen bieten. Gegenüber den traditionellen haben soziale Medien sogar den Vorteil, über das Smartphone immer verfügbar zu sein und somit eine zwischenzeitliche Flucht aus dem Alltag zu ermöglichen. (Vgl. Müller 2018, S.16). Das Flüchten vor eigenen Problemen klingt zunächst eher negativ behaftet. Umso erwähnenswerter ist, dass ein fester Bestandteil des Eskapismus darstellt, auch immer wieder zum Fundament, zur Realität zurückzukehren (vgl. Müller 2018, S.28). Somit ist das positive Wirkungspotenzial eskapistischer Mediennutzung nicht außer Acht zu lassen. Beeinflusst wird Eskapismus vor allem durch soziodemographische, soziale, situative und emotionale Faktoren sowie Persönlichkeitsmerkmale. Diese sollen folgend anhand der Plattform Instagram beleuchtet werden.

Soziodemographische Merkmale wie Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen und Status der Familie bedingen eine Flucht aus der Realität. So wird ein junges Mädchen mit ärmlicheren Familienhintergrund eher eine kurzzeitige Zuflucht in einem Instagramprofil finden, welches die „reichen und schönen“ Seiten des Lebens beleuchtet. Allgemein sind Personen mit niedrigerer Bildung sowie geringerem Einkommen mehr von eskapistischen Episoden betroffen als andere. (Vgl. Müller 2018, S.56f.). Neurotizismus (eine labile, ängstliche, depressive Grundhaltung) zählt neben einem niedrigen Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, sozialen Phobien und Neurosen u.a. zu den Persönlichkeitseigenschaften, die Eskapismus begünstigen. Eine junge Frau, welche mit ihrer Figur unzufrieden ist, wird also anfälliger dafür sein, sich einer Influencerin mit (scheinbar) perfekt trainiertem Körper hinzuwenden als eine selbstbewusste junge Frau, die sich in ihrem Körper wohl fühlt. (Vgl. Müller 2018, S. 57f.). Zu den sozialen Faktoren werden Eskapismus-begünstigende Eigenschaften wie Einsamkeit, belastende Beziehungen und eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben geordnet. Ein junges Mädchen, dass sich eher einsam fühlt und über weniger freundschaftliche Kontakte verfügt, scheint anfälliger, sich in eine „Instagram-Beziehung“ zu flüchten. Influencer stellen, wie bereits erwähnt, eine neue, freundschaftliche und vor allem greifbare Art von Stars dar, weshalb sie auch eine gewisse Ersatzbefriedigung hinsichtlich freundschaftlicher Beziehungen bieten können. (Vgl. Müller 2018, S.58f.). Situative und emotionale Merkmale des Eskapismus scheinen auf der Hand zu liegen. So spielen gewisse Gemütszustände und Stimmungen sowohl bei der Motivation als auch der Kontinuität eskapistischer Verhaltensweisen eine essentielle Rolle. Am Beispiel Instagram: Hat ein Mädchen beispielsweise momentan viel Stress durch schulische Anforderungen, wird es sich eher mit dem Feed einer „Urlaubs-Bloggerin“ beschäftigen, um kurzzeitig in diese Welt zu flüchten. Erwähnenswert ist jedoch, dass Eskapismus nur (erfolgreich) gelingt, wenn die Beiträge, Fotos und Themen nicht in Zusammenhang mit den situativen Problemen stehen (vgl. Müller 2018, S.98). Anhand der Vorstellung der Umfrage-Ergebnisse in Kapitel 3.3 sollten sich die vier Faktoren noch verfestigen und somit verständlicher werden.

Das Flüchten von der realen in eine mediale Welt steht auch immer im Kontext sozialer Vergleichsprozesse, da die realen und medialen Eindrücke miteinander verglichen und meist auch bewertet werden. Dazu im nächsten Kapitel.

2.5 Die Theorie des sozialen Vergleichs

Wie bereits im ersten Kapitel erwähnt, beeinflussen soziale Vergleiche mit Personen, die durch ein Medium (in diesem Fall die Plattform Instagram) sichtbar werden, unser Selbstbild (vgl. Döring 2013, S. 295). Negative Auswirkungen können diese Vergleiche haben, wenn beispielsweise gewisse Schönheitsideale der öffentlichen Person(en) nicht erreicht werden können. Was genau diese sozialen Vergleiche sind, worauf das theoretische Konzept dieser basiert, welche Vergleichsarten es gibt und eben welche Effekte Vergleichsprozesse haben können, wird folgend thematisiert.

Das ursprüngliche Konzept des sozialen Vergleichs von 1954 geht auf den Sozialpsychologen Leon Festinger zurück und versucht eine Erklärung für die Entstehung des menschlichen Selbstbildes darzustellen (vgl. Gollwitzer; Schmitt 2009, S. 22). Mittlerweile wurde die Theorie umfassend weiterentwickelt und besagt zusammenfassend, „[…] dass sich Menschen bei ihrer Selbsteinschätzung an anderen Personen orientieren.“ (Döring 2013, S.300; Auslassung S.O.). Menschen vergleichen sich hinsichtlich einzelner Merkmale wie körperlicher Attraktivität, sozialen Status und körperlicher wie kognitiver Leistungsfähigkeit. Dabei beeinflussen soziale Vergleiche die menschliche Selbsteinschätzung und das Selbstbild (Kognition), das Selbstwertgefühl (Emotion) sowie die Selbstentwicklung und die Selbstwirksamkeit (Motivation und Verhalten).

Hier lassen sich gewisse Parallelen zur renommierten sozial-kognitiven Lerntheorie (das Lernen am Modell) Albert Banduras erkennen. Diese besagt, dass beobachtbares Verhalten hauptsächlich durch soziale Modelle vorgegeben wird. „Obgleich das soziale Lernen großenteils auf der Beobachtung realer Modelle beruht, wächst mit der Entwicklung der Kommunikation auch die Bedeutung symbolischer Modelle. In vielen Situationen richten die Menschen ihr Verhalten nach Modellen aus, die ihnen verbal oder bildlich präsentiert werden. […] Auch die Abbildung von Modellen, wie sie das Fernsehen und andere Bildmedien zeigen, beinflu[ss]t das soziale Verhalten.“ (Bandura 1976, S.9; Auslassung S.O). Dieses Zitat Banduras könnte bereits als Hinweis auf die Entstehung eines veränderten Lernens durch neue (soziale) Medien betrachtet werden. So lässt sich dies auch auf die Plattform Instagram, welche zahlreiche visuelle (teils auch auditive) Modelle bietet, münzen. Bei der sozial-kognitiven Theorie wird der Lernprozess von vier „Unterprozessen“ beeinflusst. Den Aufmerksamkeits-, Gedächtnis-, Reproduktions-, und Verstärkungs-/Motivationsprozessen (vgl. Bandura 1976, S.31). Zwar wird das Modelllernen auch von inneren, nicht sichtbaren Vorgängen beeinflusst, Ergebnis des Modelllernens stellt jedoch in der Regel ein beobachtbares, verändertes Verhalten dar. Soziale Vergleichsprozesse hingegen können sich zwar auf das Verhalten der vergleichenden Person auswirken, müssen dies jedoch nicht zwangsläufig. Hier geht es vielmehr um nicht beobachtbare, kognitive und emotionale Prozesse (siehe oben), weshalb die sozial-kognitive Theorie Banduras folgend nicht tiefer thematisiert werden, und nur einen kleinen Exkurs darstellen soll.

Prozesse sozialer Vergleiche sind höchst komplex, kontextbezogen und von unterschiedlichen Einflussfaktoren abhängig (vgl. Döring 2013, S. 300). Zudem ist es nach Döring (2013, S. 300) weitestgehend bewiesen, dass Faktoren wie ein geringes Selbstwertgefühl bzw. eine konkrete Unzufriedenheit auf einer bestimmten Ebene die Vergleichsprozesse fördern, ebendiese Faktoren sind in den Phasen des Heranwachsens, der Identitätsfindung und Entwicklung eines Selbstbildes stark vertreten. Gesellschaftliche und somit zwangsläufig auch meist eigene Ideale werden erst durch soziale Vergleichsprozesse geformt. So schätzt beispielsweise eine junge Frau ihre Konfektionsgröße erst als nicht ideal ein, nachdem sie diese mit einigen Instagramprofilen extrem schlanker Influencer verglich. Wie bereits erwähnt finden Vergleichsprozesse nicht nur hinsichtlich körperbezogener, sondern auch aufgrund symbolischer Merkmale wie des sozialen Status, Beliebtheit, Leistungsfähigkeit, usw. statt. Instagram als eher oberflächliche (Foto-)Plattform bietet jedoch hauptsächlich äußerliche Vergleiche. Festingers Theorie basiert auf neun Hypothesen, welche hier nicht komplett vorgestellt, die zentralen Aussagen dieser jedoch knapp zusammengefasst werden. So wird davon ausgegangen, dass sich Menschen miteinander vergleichen um eigene Fähigkeiten, Meinungen und Eigenschaften beurteilen zu können, mit der Intention in sozialen Situationen angemessen reagieren und agieren zu können (vgl. Gollwitzer; Schmitt 2009, S.33). Hinsichtlich der Auswahl der Vergleichsperson konzentrieren sich Menschen eher auf den Vergleich mit ähnlichen Personen, d.h. die Person muss auf irgendeine Art erreichbar sein bzw. in gewissen Eigenschaften, Merkmalen mit einem selbst kongruieren – hierfür bieten sich Influencer an, da sie im Gegensatz zu anderen Prominenten eine gewisse Nähe vermitteln – (vgl. Gollwitzer, Schmitt 2009, S.24). Sollten gewisse Eigenschaften nicht erreichbar sein, können Diskrepanzen entstehen die der Mensch – mehr oder weniger erfolgreich - auszugleichen versucht. Festinger beschreibt dies als „Uniformitätsdruck“. Grundsätzlich wird zwischen drei Vergleichsarten unterschieden: Dem Aufwärts-Vergleich, also dem messen an Personen, die hinsichtlich eines bestimmten, ausgewählten Merkmals überlegen sind; dem Abwärts-Vergleich, das kontrastieren mit Personen die hinsichtlich des ausgewählten Merkmals unterlegen sind und dem horizontalen Vergleich, Maß ist hier eine Person mit ähnlicher Merkmalsausprägung. (Döring 2013, S. 300). Johnson und Knobloch-Westerwick konnten in Ihrer Studie beispielweise feststellen, dass Abwärts-Vergleiche mit Medienpersonen vor allem dann stattfinden, wenn sich die vergleichende Person selbst in einer eher negativen Stimmung befindet. Aufwärts-Vergleiche - und damit die zentrale Art der Vergleichsprozesse dieser Arbeit - finden hingegen sowohl bei negativer als auch positiver emotionaler Lage statt. (Vgl. Johnson; Knobloch-Westerwick 2014, S. 26).

Welche Effekte könnte nun der Vergleich mit einer (vermeintlich) überlegenen Medienperson, einer Influencerin haben? Vor allem die Aufwärts-Vergleiche mit den Influencern können negative Auswirkungen haben, da die mediale Vermittlung des (oft fiktionalen) „Besser-Seins“, der perfekten Inszenierung der Person durch Instagram und das schwierige Erreichen dieser Ideale, das adoleszente Selbstbild und Selbstwertgefühl verunsichert, buchstäblich aus dem Konzept bringen kann (vgl. Döring 2013, S.301f.). Da die „typischen“ Influencer tendenziell eher positive Beiträge auf Instagram veröffentlichen (siehe Kapitel 1.2), kann die vergleichende Person den Eindruck gewinnen, diese hätten weniger Probleme und allgemein ein erfolgreicheres Leben (vgl. Kneidinger-Müller 2017, S.66f.). Diese Vergleichs- und Bewertungsprozesse finden in der Regel unbewusst statt und können bei einer neutralen oder positiven Bewertung harmlos sein, wird das eigene Selbst jedoch geringer, negativer als die Vergleichsperson eingeschätzt, kann es wie bereits erwähnt zu Verunsicherungen führen. Die Folgen dieser Verunsicherungen können enorm sein, Krankheiten wie Anorexie, Bulimie und Depressionen aber auch Kaufsucht (die Werbewirkung der Influencer ist nicht außer Acht zu lassen) und der Drang nach (operativen) Schönheitseingriffen können, neben anderen Auswirkungen, durch diese Art von Vergleichsprozessen ausgelöst und/oder verstärkt werden. Natürlich können auch die anderen beiden Vergleichsarten bei exzessiver „Ausführung“ problematisch werden, diese Arbeit fokussiert jedoch auf die Aufwärts-Vergleiche mit Medienpersonen. Vertieft sollte das ganze durch die Empirie in Kapitel 3 werden. Dabei sollten auch die Vor- und Nachteile Instagrams, sowie gewisser Vergleichsprozesse deutlich werden. Zunächst wird jedoch eine kleine Zusammenfassung dieses geballten Kapitels folgen.

2.6 Darum hat Social Media uns im Griff

Eine kleine Zusammenfassung

Ein gewaltiges Kapitel, dass nun so knapp wie möglich zusammengefasst werden soll. Es wurde sich in 2.1 darauf geeinigt, den Begriff des Selbstbildes, passend für die Thematik rund um die Plattform Instagram und junge Frauen, zu wählen. Definiert wird hier das Selbstbild als eine Art Verschmelzung mit dem Selbstkonzept, als Entwicklungsvorstufe des vielschichtigen Konstrukts der Identität und beeinflusst von sozialen Vergleichsprozessen. Gegenstand dieser Arbeit soll die Einschätzung gewisser Einflüsse Instagrams auf das Selbstbild weiblicher, in der Adoleszenzphase befindlicher bzw. junger Erwachsener, sein. Gegenstand ist also das Bild, das eine junge Frau sich selbst gegenüber vertritt, beinhaltet also Überzeugungen über eigene Fähigkeiten, Merkmale, den sozialen Status und natürlich äußere Faktoren wie körperliche Attraktivität. Die weiteren Definitionen in 2.1 helfen dem grundlegenden Verständnis der Arbeit. Im Abschnitt zur Medienaneignung geht es um die Nutzung, Wahrnehmung, kognitive Verarbeitung und Bewertung dargebotener Inhalte Instagrams. Von Bedeutung ist hier das Zusammen- und Wechselspiel der weiblichen Nutzerin der Plattform und Instagram selbst, zudem wird Instagram in seinem Umfang erst durch die Nutzerin tatsächlich geformt und existent. Sowohl der Prozess der Medienaneignung als auch die subjektive Wirkung Instagrams sind von Persönlichkeitsmerkmalen der Nutzerin wie einem geringen/hohen Selbstwertgefühl, einer depressiven Grundhaltung, ..., sowie familiären, sozialen und situativen Gegebenheiten bedingt. Hinsichtlich der Medienwirkung lassen sich bei Instagram momentan eher kurzzeitige als langfristige Effekte erforschen. Die Medienaneignung als auch die Medienwirkung können sowohl positiv als auch negativ erfolgen. Das Konstrukt des Eskapismus, also des Flüchtens aus der Realität mit Medien, lässt sich sowohl dem Prozess der Medienaneignung - hinsichtlich der Motivation Medien zu nutzen – und dem Wirkungspotenzial Instagrams, zuordnen. So wird angenommen, Instagram werde zur kurzzeitigen Flucht aus dem Alltag und eben deshalb genutzt, gleichzeitig kann die Nutzung automatisch eine eskapistische - negative als auch positive – Wirkung haben. Das wohl essentiellste Theorem zur Nutzung und Wirkung Instagrams auf junge Frauen stellt der soziale Vergleich in Kapitel 2.5 dar. Konzentriert wird sich in dieser Arbeit vor allem auf die Aufwärts-Vergleiche mit - vermeintlich – überlegenen Medienpersonen. Eine junge Frau vergleicht sich bei der Nutzung Instagrams also automatisch hinsichtlich körperlicher, aber auch symbolischer Merkmale – unabhängig von der Bewertung dieser Vergleiche - mit den dargestellten Inhalten (z.B. Strandfotos) der Influencer. Zudem wurde festgestellt, dass diese Aufwärts-Vergleiche durch ein geringes Selbstwertgefühl oder eine konkrete Unzufriedenheit verstärkt werden können. Die u. a. gefährlichen Folgen dieser Vergleiche sollten in Kapitel 2.5 deutlich geworden sein, trotzdem müssen soziale Vergleichsprozesse – nachdem sie bei jedem Menschen mehrmals täglich unbewusst stattfinden – nicht zwangsläufig etwas Negatives bedeuten. Es sollte verständlich geworden sein, dass sich Medienaneignung und Medienwirkung gegenseitig beeinflussen, teilweise überschneiden und nicht eindeutig zu trennen sind. Da nun grundlegende Nutzungsmotive und bereits einige der möglichen Wirkungen Instagrams vorgestellt wurden, kann im nächsten Kapitel endlich die, mit Mädchen bzw. jungen Frauen zwischen 14 und 27 durchgeführte, Empirie vorgestellt und ausgewertet werden.

3. Was macht Instagram mit dir?

Die Empirie

Um der Frage nachzugehen, welche Effekte die Plattform Instagram nun tatsächlich auf junge Frauen hat lag es nahe, diese anhand einer kleinen Umfrage zu messen. Dazu wurden insgesamt 136 junge Frauen im Alter von 14 bis 27 über einen Online-Fragebogen mithilfe des Programms „SoSciSurvey“ zur Forschungsfrage „Effekte der Social Media Plattform Instagram – hinsichtlich des Selbstbildes - auf junge Frauen“, befragt. Die Befragung basiert größtenteils auf der Selbsteinschätzung der Teilnehmerinnen. Folgend wird zunächst der Fragebogen und das allgemeine Vorgehen hinsichtlich der Teilnehmerinnen, dem Zugang zu diesen, des Pretests und der allgemeinen Datenerhebung vorgestellt und daraufhin die Hypothesen aufgestellt. Darauf folgt dann zunächst die Präsentation allgemeiner Ergebnisse, woraufhin schließlich die Hypothesen überprüft und bestätigt bzw. widerlegt werden um genauere Konsequenzen Instagrams auf junge Frauen zu untersuchen. Die Datenauswertung erfolgte über das Statistikprogramm SPSS. Auf eine Wiederholung der grundlegenden Definitionen wird verzichtet, da dies bereits in den theoretischen Kapiteln erfolgte.

3.1 Allgemeines zum Forschungsvorgehen

3.1.1 Der Fragebogen

Der Fragebogen lässt sich in drei Teile untergliedern. Der erste, soziodemographische Teil beschäftigt sich mit dem Geschlecht – wobei die Angabe „männlich“ zu einem Abbruch der Befragung führt, da männliche Teilnehmer nicht relevant für die Forschungsfrage sind - , dem Alter, den höchsten Bildungsabschluss und der Tätigkeit der Befragten. Der nächste Abschnitt erhebt die Nutzungshäufigkeit und -intention der Teilnehmerinnen und fragt konkret nach, welche Influencer abonniert werden bzw. warum diesen gefolgt wird. Der letzte und wichtigste Teil der Empirie fordert die Selbsteinschätzung der Mädchen zum Einfluss Instagrams auf die Einstellung sich selbst gegenüber. Dazu wurden die Teilnehmerinnen allgemein nach ihrem Wohlbefinden hinsichtlich des eigenen Körpers/Aussehens befragt und anschließend, ob sich dieses durch die Nutzung Instagrams verändert. Ebenso wurde sich nach einer Veränderung des Verhaltens (hinsichtlich der Bereiche Sport, Politik, Ernährung und Umwelt) durch Instagram erkundigt. In diesem Teil wird auch die jeweilige Meinung der Teilnehmerin hinsichtlich dessen gefordert, ob diese Influencer als realistische Vorbilder wahrnehmen, Instagram ihnen realistische Körperbilder vermittelt und wie bedenklich die Plattform allgemein für die adoleszente Entwicklung des Selbstbildes eingeschätzt wird. Einen besonderen Teil der Forschung stellt eine Satzvervollständigung dar. Hier sollen die Frauen mit wenigen Worten den Satz „Durch Instagram fühle ich mich…“ vervollständigen. Abschließend wurde anhand einer offenen Frage die Möglichkeit gegeben, noch persönliche Anmerkungen zum Thema hinzuzufügen, dies war jedoch nicht zwingend. (Siehe auch Anhang Fragebogen)

3.1.2 Pretest

Um den Fragebogen möglichst verständlich zu gestalten, wurde – unabhängig voneinander – ein Pretest mit zwei jungen Frauen durchgeführt. Dieser ergab, dass nur kleine Änderungen der Befragung nötig waren, beispielsweise die Anordnung der Antwortkategorien oder die Umformulierung einiger Fragestellungen. Um das Spektrum etwas zu erweitern wurden bei den Auswahlmöglichkeiten der verschiedenen Influencer, auf den Hinweis einer Testerin, noch einige hinzugefügt. Die Durchführung betrug jeweils höchstens zehn Minuten, was sich auch in der späteren tatsächlichen Befragung bestätigte.

3.1.3 Feldzeit und Datenbereinigung

Der Fragebogen wurde am 10.03.2019 freigeschaltet und konnte bis einschließlich 22.05.2019 online ausgefüllt werden. In dieser Zeit wurden insgesamt 164 Interviews durchgeführt. Bevor mit den Daten gearbeitet wurde, unterliefen diese einer Bereinigung, durch welche die Daten von Personen über 27 ausgeschlossen wurden, da sich das Thema auf besonders junge Frauen bezieht. Insgesamt konnten so 136 übrige Interviews ausgewertet werden. Die Fragen wurden teilweise nicht von allen Teilnehmerinnen beantwortet, da dies für die Darstellung einiger Ergebnisse jedoch nicht unbedingt relevant ist, wurden die Daten trotzdem berücksichtigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Die Social Media Plattform Instagram. Mögliche Effekte auf das Selbstbild junger Frauen
Untertitel
Eine kritische Beleuchtung und empirische Studie
Hochschule
Hochschule München
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
77
Katalognummer
V923648
ISBN (eBook)
9783346251176
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Influencer, Medienwirkung Sozialer Vergleich, Selbstdarstellung, Schönheitswahn, Selbstbild Instagram
Arbeit zitieren
Sofia Ostler (Autor), 2019, Die Social Media Plattform Instagram. Mögliche Effekte auf das Selbstbild junger Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923648

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