Frühkindliche Betreuung. Herausforderungen, Qualität und Konsequenzen

Ein kurzer Einblick


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Gesetzlicher Hintergrund frühkindlicher Betreuung ab den 1990er Jahren

3 Herausforderungen frühkindlicher Betreuung für die Betroffenen
3.1 Eltern und Familie
3.2 Kind
3.3 ErzieherInnen

4 Qualität in der frühkindlichen Betreuung
4.1 Aufgaben der ErzieherInnen
4.1.1 Aufgaben der Leitung
4.2 Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der ErzieherInnen
4.3 Faktoren für eine positivere Entwicklung für das Kind

5 Reflexion

1 Einleitung

Für eine gesunde psychische Entwicklung ist es wichtig, die lebenswichtigen Grundbedürfnisse eines Kindes zu erfüllen. Gerade deshalb ist eine qualitativ hochwertige frühkindliche Betreuung von großer Bedeutung (Brisch 2009: 1).

Frühkindliche Betreuung ist ein Thema, das besonders in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat und immer mehr diskutiert wurde und wird. In den letzten 15 Jahren hat sich in der Kindertagesbetreuung so viel getan wie noch nie. 2004 wurde der OECD-Länderbericht „Politik der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung der BRD“ verfasst, in dem das fehlende Angebot von Plätzen für Unterdreijährige kritisiert wird und gefordert wird, dass öffentliche Bildung, Erziehung und Betreuung mehr als nur ein Rechtsanspruch werden. Eine weitere Forderung ist die Anhebung des Ausbildungsniveaus in diesem Bereich und mehr Forschung auf dem Gebiet der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Erziehung. Einiges wurde bisher bereits umgesetzt. Im Jahr 2002 war in Westdeutschland für vier Prozent der Unterdreijährigen ein Angebot verfügbar. 2013 lag der Wert bereits bei 24 Prozent in Westdeutschland und bei 50 Prozent in Ostdeutschland und bei einem Gesamtwert für ganz Deutschland von 29 Prozent. An der Umsetzung wird kritisiert, dass es dabei mehr um Quantität, also um die Zahlen von Plätzen, als um Qualität bezüglich der Professionellen und der Institutionen selbst geht (Leu 2015: 7f).

Deshalb wird es im Folgenden um die Frage gehen, was die Konsequenzen frühkindlicher Betreuung sind. Dazu wird zuerst der gesetzliche Hintergrund seit den 1990er Jahren erläutert. Anschließend wird es um die Herausforderungen der frühkindlichen Betreuung für die Eltern, das Kind und die ErzieherInnen gehen. Im Anschluss daran werden die Qualitäten der ErzieherInnen erläutert und auf ihre Aufgaben und Fähigkeiten, sowie die Aufgaben der Leitung eingegangen. Darauf basierend werden einige Faktoren für Chancen auf eine positivere Entwicklung des Kindes erläutert. Abschließend wird es ein Fazit geben, in dem es unter anderem um die Professionalisierung der ErzieherInnen in Hinblick auf frühkindliche Betreuung geht.

2 Gesetzlicher Hintergrund frühkindlicher Betreuung ab den 1990er Jahren

Der demographische Wandel sowie Strukturwandel in der Wirtschafts- und Arbeitswelt beeinflussen die Diskussion um die frühkindliche Betreuung und die Arbeit in der Betreuung. In den letzten Jahren entstand eine Abkehr des Alleinerziehermodells. Außerdem bewegen veränderte Zeitstrukturen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Kuhnhenne, Miethe, Sünker, Venzke 2012: 17f).

Die ersten Schritte zur heutigen Diskussion über frühkindliche Betreuung und Erziehung begannen mit dem 1996 eingeführten Gesetz auf einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Einrichtung für alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Dabei wurde jedoch ausschließlich die Anzahl der Plätze und nicht die Qualität der Betreuungseinrichtungen in den Blick genommen. Aspekte wie Gruppengrößen, Betreuungsschlüssel, Qualifikationen der ErzieherInnen und Ausstattungen der Einrichtungen wurden zum Großteil nicht beachtet. 2005 trat das Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) in Kraft, das für Unterdreijährige aus Familienverhältnissen mit besonderem Bedarf einen „Quasi-Rechtsanspruch“ auf einen Platz in einer Erziehungseinrichtung oder Pflegestelle gewährleisten sollte (Haug-Schnabel 2009: 136). Mit dem TAG wurde ein erster Schritt zur Verbesserung der Versorgung mit Plätzen für unterdreijährige Kinder getan. Die Jugendämter waren bereits vorher verpflichtet ein bedarfsgerechtes Angebot an Plätzen zu gewährleisten. Dabei war der Begriff „bedarfsgerecht“ nicht genauer definiert, was zur Folge hatte, dass die unterschiedlichen Kreise und Städte sehr verschiedene Ausbauniveaus aufwiesen. Mit dem „Quasi­Rechtsanspruch“ wurden die Familien bestimmten Kriterien unterzogen, um zu entscheiden ob dem unterdreijährigen Kind ein Platz zusteht. Dabei wurden die Erwerbstätigkeiten der Eltern und der Unterstützungsbedarf des Kindes als Orientierung zur Entscheidung verwendet. Wenn das Recht auf einen Platz festgelegt wurde, konnten die Eltern zwischen einer Tageseinrichtung und einer Tagespflege im Rahmen des vorhandenen Angebots wählen (Wiesner 2013: 137f).

Des Weiteren trat 2005 das Kinder- und Jugendhilfeförderungsgesetz (KICK) in Kraft. Im KICK finden sich weitere Verbesserungen zum Ausbau der Tagesbetreuung. Teile des KICKs sind Kooperations- und Informationspflichten, eine Neuregelung des Erlaubnisvorbehalts für die Kindertagespflege, die Einführung sozial gestaffelter Elternbeiträge für die öffentlich finanzierte Tagespflege und eine Neuordnung der Statistik für Kinder in Tageseinrichtungen und in öffentlich finanzierter Kindertagespflege. Diese wurde deutlich verbessert. Seit 2007 wurden die Daten jährlich erhoben. Dabei wurde nicht nur die Quantität, sondern auch der tatsächliche zeitliche Umfang der Inanspruchnahme der Kinder berücksichtigt. Des Weiteren beinhaltet das KICK die Einbeziehung der Tageseinrichtungen in den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung. Einrichtungen, die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe erbringen, also auch Kindertageseinrichtungen, wurden in das Schulkonzept einbezogen (Wiesner 2013: 138).

Im Jahr 2008 trat das Kinderförderungsgesetz (KiFöG) in Kraft. Mit diesem Gesetz wurde aus dem „Quasi-Rechtsanspruch“ auf einen Platz für Unterdreijährige ein tatsächlicher Rechtsanspruch ab dem Jahr 2013. Der Deutsche Bundestag hat infolgedessen jährliche „KiFöG-Berichte“ beschlossen. Diese dienen der Sozial- und Bildungsberichterstattung, da nur mit Planungsprozessen und gezielter Beobachtung ein bedarfsdeckendes Angebot an Plätzen für Unterdreijährige gewährleistet werden kann (Wiesner 2013: 138).

3 Herausforderungen frühkindlicher Betreuung für die Betroffenen

3.1 Eltern und Familie

In der frühkindlichen Betreuung ist es wichtig, dass die Eltern eine unterstützende Rolle übernehmen. Das betrifft auch die Eingewöhnung in die neue Umgebung der frühkindlichen Betreuung. Da eine neue Umgebung für das Kind meist Stress bedeutet, gibt die Eingewöhnung mit der primären Bezugsperson, also meist den Eltern, dem Kind ein Gefühl von Sicherheit. Dazu gehört es, mit der betreuenden Person Absprache zu halten. Wichtig ist, dass das Kind zuerst eine Mutter- und/oder Vaterbindung aufbaut und dann eine gemeinsame Bindung zu einer weiteren Bezugsperson gestaltet wird (Haug-Schnabel 2009: 143f).

Eine weitere Herausforderung, die frühkindliche Betreuung für die Eltern darstellt, ist die gerade unter ErzieherInnen häufig vertretene Meinung, dass Unterdreijährige in den ersten Jahren von ihrer Mutter erzogen werden sollten. Das führt zu einer Abwertung berufstätiger Mütter und partnerschaftlich orientierten Paaren. Außerdem wird der Aufbau einer Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und weiteren ErzieherInnen beeinträchtigt. Eine weitere Herausforderung für die Eltern stellt dar, dass in der Debatte um frühkindliche Betreuung häufig das „ob“ und nicht das „wie“ diskutiert wird. Dadurch verliert die Umsetzung und Qualität der Betreuung an Bedeutung (Haug-Schnabel 2009: 136ff).

3.2 Kind

Auch das Kind steht in der frühkindlichen Betreuung vor Herausforderungen. Ein wichtiger Aspekt ist die bei ErzieherInnen häufig vorherrschende Einstellung gegenüber frühkindlicher Betreuung „Okay, betreuen wir diese Kinder eben auch noch“. Diese Einstellung ist kein guter Einstieg in die Betreuung Unterdreijähriger, nimmt Einfluss auf den Umgang mit den Kindern und wird den Ansprüchen und Bedürfnissen der Säuglinge und Kleinstkinder nicht gerecht. Des Weiteren werden Kinder mit besonderen Bedürfnissen häufig nicht berücksichtigt, was sowohl für die Kinder selbst, als auch für die Eltern eine Herausforderung darstellt.

Ein großer Kritikpunkt der frühkindlichen Betreuung ist das System der Betreuung, da dieses häufig immer noch nicht auf die unterdreijährigen Kinder angepasst wurde, sondern die Kinder in das System gezwängt werden, was ebenfalls dazu führt, dass die Bedürfnisse der Unterdreijährigen nicht berücksichtigt und den Bedürfnissen der älteren Kinder angepasst werden. Zudem sind viele Einrichtungen nicht für Unterdreijährige ausgelegt, da die Möglichkeit der frühkindlichen Betreuung bei der Konzeptionsentwicklung der Einrichtungen häufig noch gar nicht angedacht war (Haug-Schnabel 2009: 137f).

Des Weiteren werden in der frühkindlichen Betreuung häufig die Grundbedürfnisse der Säuglinge nicht erfüllt, da diese meist nicht ins System passen oder sogar unter den

ErzieherInnen nicht bekannt sind. Da die ErzieherInnen meist eine Bindungsperson für die Kleinstkinder darstellen, sollte der Betreuungsschlüssel 1:2 oder 1:3 sein, was bedeutet, dass ein/e ErzieherIn für zwei bis drei Säuglinge zuständig ist. Durch einen ErzieherInnenmangel liegt der Betreuungsschlüssel in der Realität jedoch häufig bei 1:6 oder sogar 1:8, was zu Entwicklungsproblemen bei den Kindern führen kann, da eine Bindungsmöglichkeit nicht vollständig gegeben ist. Es können kein feinfühliger Austausch und individuelle Betreuung gewährleistet werden, wodurch der Bindungsaufbau verhindert wird. Zudem wird den ErzieherInnen häufig vermittelt, keine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, da das nicht professionell sei. Da Bindung für ein Kind jedoch ein Grundbedürfnis ist, sucht es danach, empfängt diese allerdings nicht immer.

Eine weitere Herausforderung für das Kind ist das mit der neuen Umgebung verbundene Stressempfinden. Eine Eingewöhnung in ein neues Umfeld bedeutet zuerst immer Stress. Je jünger das Kind ist, desto höher wird dieser Stress empfunden. Zur Co-Regulation des Stresses und zum Erlernen der Fähigkeit zur Selbstregulation benötigt das Kind die Unterstützung der ErzieherInnen. Die wechselseitige Beziehung zwischen Kind und ErzieherIn ist hierbei von großer Wichtigkeit (Brisch 2009: 8ff).

3.3 Erzieherinnen

Auch die ErzieherInnen sind vor Herausforderungen frühkindlicher Betreuung gestellt. Häufig werden sie in ihrer Ausbildung nicht auf die Altersklasse, die Eltern der Kinder und deren Ängste und Wünsche sowie den Umgang mit diesen vorbereitet. Daraus resultiert häufig die bereits genannte Einstellung „okay, betreuen wir diese Kinder eben auch noch“, was zu einer niedrigen Motivation zur Betreuung der Unterdreijährigen und zu einer Störung der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern führt. Auch für die ErzieherInnen stellt es eine Herausforderung dar, dass das System der Betreuung nicht der Altersklasse entsprechend angepasst wurde. Wenige Einrichtungen waren auf die Betreuung von Kleinstkindern und Säuglingen vorbereitet und die ErzieherInnen erhielten häufig keinen Einstieg in die Kleinstkindpädagogik. Deshalb stehen sie nicht selten vor völlig neuen Aufgaben, auf die sie nur mangelhaft vorbereitet werden. Dazu gehört zu einem Großteil auch die Haltung gegenüber dem Kind, seinen Eltern und der frühkindlichen Betreuung im Allgemeinen. Ein weiterer Aspekt, der eine Herausforderung für die ErzieherInnen darstellt, ist dass die Eltern immer häufiger nicht aus Betreuungsnot, sondern aus der Überzeugung frühkindliche, außerfamiliäre Betreuung fördere die Schul- und Bildungskarriere des Kindes ebendiese in Anspruch nehmen. Daraus resultieren gewisse Anforderungen an die ErzieherInnen und auch hierbei ist gelegentlich nicht die bestmögliche Erziehungspartnerschaft vorhanden. Ein weiteres Problem stellt neben der mangelnden Vorbereitung eine ebenfalls mangelnde Teambegleitung und kollegiale Beratung dar. Häufig gibt es keine Fachkompetenz für altersgerechte Entwicklungsunterstützung (Haug-Schnabel 2009: 136ff).

Des Weiteren werden an Stellen, an denen sich Erzieherinnen für Bildung, Erziehung und Förderung der Kinder einsetzen, Mittel gekürzt, Stellen abgebaut und die Arbeitsbedingungen verschlechtert (Wehrmann 2008:12). im Gesamten geht es bei der Aufgabe der Betreuung von Säuglingen und Kleinstkindern nicht nur darum zu pflegen sondern auch um Bildungs- und Entwicklungsumgebungen für die Kinder, was bedeutet, dass die ErzieherInnen Bezugspersonen, MitlernerInnen und UmgebungsgestalterInnen sein müssen. Vielfältige Anregungen sind wirkungsvoll, wenn sie auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt sind und von ihnen zugewandten Menschen kommen. Eine Schwierigkeit der Erzieherinnen ist es vom „Basteltanten-Image“ weg, hin zur pädagogischen Fachkraft für 0-6-Jährige zu gelangen. Des Weiteren ist nach wie vor die schlechte Bezahlung der ErzieherInnen eine Herausforderung (Haug-Schnabel 2009: 139f).

4 Qualität in der frühkindlichen Betreuung

Um eine qualitativ hochwertige frühkindliche Betreuung zu ermöglichen, müssen ErzieherInnen bestimmte Aufgaben, Kompetenzen und Fähigkeiten haben und erlernen.

4.1 Aufgaben der Erzieherinnen

Eine der wichtigsten Aufgaben der ErzieherInnen ist die Bereitschaft zu einer Erziehungspartnerschaft mit den Eltern des Kindes. Dabei müssen die ErzieherInnen auf die Eltern eingehen, ihre Wünsche und Ängste ernst nehmen und beachten, und sie in ihrer jeweiligen Lage „abholen“. Dazu gehört auch die Reflexion der eigenen Haltung gegenüber dem Kind, seinen Eltern und frühkindlicher Betreuung im Allgemeinen (Haug-Schnabel 2009:139)

Je jünger das Kind ist, desto wichtiger ist die Kooperation zwischen Eltern und ErzieherIn. Kinder spüren, welches Verhältnis ihnen wichtige erwachsene Personen zueinander haben. Deshalb ist es für das Kind einfacher, zu den ErzieherInnen eine Beziehung aufzubauen, wenn es die genannte Kooperation spürt. Die gegenseitige Kooperation ist hierbei das Fundament der Erziehungspartnerschaft (Jungbauer 2017: 5).

Es ist wichtig, ein Klima zu schaffen, das förderlich für Veränderung in der Einstellung gegenüber der Betreuung ist. Dies kann durch Inspiration und Ermutigung untereinander und von der Leitung gefördert werden. Es muss eine allgemeine Vorbereitung auf die U3- Betreuung geben. (Haug-Schnabel 2009: 139).

In der Zeit mit und am Kind selbst ist eine Vor- und Nachbereitungszeit hilfreich, um die Einstellung und darauf basierenden Handlungen zu reflektieren und zu verändern. Unterstützend sind Teamaufgaben innerhalb des Kollegiums möglich. In der Betreuung von Säuglingen und Kleinstkindern geht es um das „Füttern“ und Beantworten kleinkindlicher Themen. Dabei muss der/die ErzieherIn präsent sein, das Kind jedoch allein handeln lassen. Seine/Ihre Aufgabe ist es, das Kind dabei zu beobachten, zu unterstützen und gegebenenfalls zu schützen, ohne dabei selbst oder für das Kind zu handeln oder aktiv in sein Tun einzugreifen. Dabei ist es jedoch wichtig, mit dem Kind im Dialog zu sein, indem seine Tätigkeiten beobachtet, wahrgenommen und aufgegriffen werden. Die Aufgabe der ErzieherInnen ist es hierbei, das Lernen des Kindes in seinen Tätigkeiten zu erkennen und seinen Bildungsprozess in Rücksprache mit ihm zu erforschen und zu gestalten (Haug- Schnabel 2009: 140f).

Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Beziehungsgestaltung. Durch emotionale Unterstützung und soziale Interaktion lernt das Kind. Auch die sozial-kognitiven Fähigkeiten sind davon betroffen. Deshalb ist die Beziehungsgestaltung für die Entwicklung des Kindes von Bedeutung. Ein wichtiger Faktor ist hierbei, dass die Fachkräfte die Bedürfnisse des Kindes und der Gruppe im Blick haben und diese befriedigen. Zur Unterstützung der Lernprozesse ist die Aufgabe der ErzieherInnen, eine anregende Spiel- und Lernumgebung bereitzustellen und Lernprozesse zu gestalten, in denen sich die Fachkräfte mit den Kindern über Phänomene und Lerngegenstände austauschen können. Die konkrete Interaktion mit dem Kind spielt hierbei die wichtigste Rolle. Eine weitere Aufgabe ist die Klassenführung und Organisation. Das bedeutet, dass die Fachkräfte die Rahmenbedingungen von Interaktionen innerhalb der Gruppe steuern müssen, sodass Lern- und Entfaltungsvoraussetzungen gegeben sind (Wadepohl 2015: 5ff).

Eine Herausforderung ist der Umgang mit kultureller Vielfalt. Die ErzieherInnen haben die Aufgabe die unterschiedlichen Sichtweisen der Eltern und KollegInnen wahrzunehmen und diese zu thematisieren. Im Hinblick darauf tragen die ErzieherInnen eine Verantwortung für die Chancengerechtigkeit. Eine weitere Aufgabe ist, Anzeichen für eine Kindeswohlgefährdung frühzeitig zu erkennen, zu interpretieren und dementsprechend zu handeln (Betz 2013: 261).

Im Hinblick auf die Einrichtung haben die Fachkräfte den Auftrag kleine Gruppen mit möglichst ausreichend personellen Ressourcen, altersgerechten Spiel- und Explorationsmöglichkeiten, Schlafmöglichkeiten und einem Wickeltisch zu gewährleisten. Die Räumlichkeiten müssen so vorbereitet werden, dass sie vielfältige Bewegung erlauben, damit die Kinder forschen und entdecken können. Die Räumlichkeiten sollen also Anreize für ein selbstständiges Explorationsverhalten bieten.

Bei der Eingewöhnung des Kindes in die neue Umgebung ist es wichtig, dass die Fachkräfte den Eltern klare Anleitungen und Informationen geben. Diese sollten an die Bedürfnisse des Kindes angelehnt werden, aber auch anhand eines wissenschaftlichen fundierten Konzepts erstellt werden (Jungbauer 2017: 4f).

4.1.1 Aufgaben der Leitung

Um die Qualität der frühkindlichen Betreuung und Erziehung zu gewährleisten, sind auch die Aufgaben der Leitung von Bedeutung. Zum einen muss die Leitung das Potenzial und der Qualität der jeweiligen Einrichtung aufzeigen. Des Weiteren ist es wichtig, dass die Pädagogik- und Beziehungsangebote nicht vernachlässigt werden. Deshalb hat die Leitung die Aufgabe des Managements der Teilzeitkräfte. Zudem ist es wichtig, die Motivation zur beruflichen Weiterentwicklung zu haben, um die Einrichtungen den Bedingungen entsprechend anzupassen. Dabei geht es auch darum, die Einrichtung als lernende Organisation und Bildungseinrichtung zu gestalten (Haug-Schnabel 2009: 139).

4.2 Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Erzieherinnen

Neben den Aufgaben, die die ErzieherInnen zu erledigen haben, gibt es verschiedene Kompetenzen, Fähigkeiten und Interessen, die sie erfüllen sollten, wenn sie in der Kleinstkinder- und Säuglingsbetreuung arbeiten. Die wichtigste Voraussetzung ist hierbei die Freude an der Arbeit mit Kleinstkindern und Säuglingen und die Bereitschaft, sich auf diese einzulassen. Außerdem ist es wichtig, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass man das Kind durch sein Verhalten und die eigene emotionale Gestimmtheit in seinem Befinden und Handeln beeinflusst. Des Weiteren sind Feinfühligkeit, Achtsamkeit und ein respektvoller Umgang grundlegende Fähigkeiten, die die Fachkräfte besitzen müssen. Eine weitere Fähigkeit ist „Selbstsicherheit, um Akzeptanz und Verständnis dafür aufzubringen, anfangs Leuchtturm, Stütze und Nabel der Welt zu sein, dann erste Ablösungstendenzen zu akzeptieren und rüde Kontakt- oder Hilfeablehnung als beginnende Selbstwirksamkeit und steigendes Selbstvertrauen des Kindes zu begrüßen“ (Haug-Schnabel 2009: 141). Zusätzlich ist die Fähigkeit der Selbstreflexion sehr wichtig, da nur durch Reflexion die eigene professionelle Kompetenz weiterentwickelt und verändert werden kann. Des Weiteren müssen die Fachkräfte eine professionelle Haltung bewahren, dabei jedoch trotzdem die Beziehung zu den Kindern aufbauen (Wadepohl 2015: 12f).

Da ErzieherInnen durch ihre Arbeit einen Teil zur Chancengleichheit beitragen, ist auch die Reflexionsfähigkeit gegenüber gesellschaftlichen Strukturen wichtig. Das bedeutet, dass sie Diskriminierung und Privilegierung erkennen und reflektieren können müssen (Betz 2013: 261).

Neben den Fachspezifischen Aufgaben und Fähigkeiten sind häufig auch administrative Qualifikationen und interpersonale Kompetenzen gefordert. Dabei geht es häufig um Verwaltungsaufgaben und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge, Management, Öffentlichkeitsarbeit sowie Kompetenzen zur Konfliktfähigkeit und Stressbewältigung (Rudolph 2012: 19).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Frühkindliche Betreuung. Herausforderungen, Qualität und Konsequenzen
Untertitel
Ein kurzer Einblick
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V923674
ISBN (eBook)
9783346250940
ISBN (Buch)
9783346250957
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frühkindliche, betreuung, herausforderungen, qualität, konsequenzen, einblick
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Frühkindliche Betreuung. Herausforderungen, Qualität und Konsequenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923674

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