Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Beschreibung der Medienberichterstattung über Bitcoin. Der Fokus liegt dabei auf den inhaltlichen Aspekten der Artikel, um zu erkennen, wie der Bitcoin in der Berichterstattung dargestellt wird und ob sich die Deutungsmuster im Laufe der Zeit ändern. Im Zuge der Datenerhebung sollen aber auch Informationen wie das Ressort, in dem der Artikel erschienen ist, erhoben werden. Es ist hier vorstellbar, dass das Thema einen fachspezifischen Kreis angesprochen hat und daher Artikel vielleicht vermehrt im Technik-Ressort beheimatet waren; vielleicht überwiegt aber auch ein anderes Ressort wie das der Wirtschaft aufgrund der Tatsache, dass mit Bitcoin Waren und Dienstleistungen bezahlt werden können.
Das Forschungsziel dieser Arbeit ist die inhaltliche Untersuchung der Medienberichterstattung rund um den Bitcoin. Bevor das Ziel empirisch verfolgt wird, gilt es einige Grundlagen zu klären. Dazu zählen eine ausführliche Beschreibung des Bitcoins, um die Voraussetzung für eine weitere Diskussion in der restlichen Arbeit zu schaffen. In diesem Abschnitt werden auch relevante Begriffe wie Blockchain oder Mining fallen. Nachdem im darauffolgenden Schritt der Begriff des (Massen)Mediums geklärt wurde, wird ein Blick auf die Funktionen und den Qualitätsanspruch derselben geworfen. Im Speziellen wird das Medium Zeitung vorgestellt und außerdem Theorien zur Nachrichtenauswahl, um zu verstehen, wie JournalistInnen aus der Fülle an Meldungen selektieren. Teil des Forschungsinteresses ist außerdem die Erhebung der journalistischen Darstellungsform und der Ressorts, weshalb auch sie im Verlauf der Arbeit Berücksichtigung finden.
Nachdem der theoretische Hintergrund der Arbeit geklärt wurde, erfolgt eine Übersetzung des Forschungsinteresses in konkrete Forschungsfragen, die in weiterer Folge empirisch beantwortet werden sollen. Im Anschluss folgt noch eine Eingrenzung des Untersuchungsmaterials und der Stichprobe, sowie eine Beschreibung der Herangehensweise. Außerdem wird für die Untersuchung ein Codebuch erstellt, das als Fragebogen an die zu untersuchenden Texte verstanden werden kann und im Anhang dieser Arbeit ersichtlich ist. Erst wenn all diese Punkte abgeschlossen sind, kann die Inhaltsanalyse vier österreichischer Tageszeitungen durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Analyse werden nicht nur in einem eigenen Kapitel ausformuliert, sondern abschließend zur Beantwortung der Forschungsfragen auf den Punkt gebracht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Einführung
1.2 Wissenschaftliche Relevanz und Forschungsstand
1.3 Zielsetzung
1.4 Aufbau
2 Bitcoin
2.1 Anfänge
2.2 Funktionsweise und Eigenschaften
2.2.1 Dezentral
2.2.2 Mining
2.2.3 Blockchain
2.2.4 Pseudonym
2.3 Zahlungsmittel und Währung
2.4 (Inter)nationales Interesse am Bitcoin
2.4.1 Erstes Aufkommen in den Medien
2.4.2 Google, Wikipedia und Twitter
2.4.3 Der Bitcoin und Österreich
3 (Massen)Medien und Öffentlichkeit
3.1 Begriff des Mediums
3.2 Funktionen
3.3 Qualitätsanspruch
3.4 Zeitungen
3.4.1 Darstellungsformen
3.4.2 Zeitungsressorts
3.5 Nachrichtenselektion
3.5.1 Gatekeeper
3.5.2 Nachrichtenfaktoren
3.5.3 News Bias
3.6 Agenda Setting
3.7 Framing
3.7.1 Ursprünge und Definition
3.7.2 Arten von Frames und Frame-Elementen
3.7.3 Inhaltszentrierte Medienframes
3.7.4 Dynamik von Frames
4 Forschungsfragen
5 Methode
5.1 Inhaltsanalytische Identifikation von Medienframes
5.2 Untersuchungsmaterial und -zeitraum
5.3 Operationalisierung
6 Ergebnisse
6.1 Frame-Elemente und Medienframes
6.2 Themen- und Framingzyklus
6.3 Frames je journalistischer Darstellungsform
6.4 Frames je Zeitungsressort
7 Diskussion, Fazit und Ausblick
7.1 Diskussion der Ergebnisse
7.2 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Medienberichterstattung über den Bitcoin in Österreich inhaltsanalytisch zu untersuchen, um zu identifizieren, wie das Thema in österreichischen Tageszeitungen dargestellt wird und wie sich die entsprechenden Deutungsmuster (Frames) im zeitlichen Verlauf entwickeln.
- Analyse von Framing-Prozessen in der Berichterstattung
- Empirische Untersuchung österreichischer Tageszeitungen
- Identifikation von Medienframes und deren Dynamik
- Rolle von journalistischen Darstellungsformen und Ressorts
- Zusammenhang zwischen Medienberichterstattung und Kursverlauf
Auszug aus dem Buch
1.1 Einführung
Mit dem Ziel, Zahlungen ohne zwischengeschaltete Finanzinstitutionen durchzuführen, wurde der Bitcoin als dezentrale Onlinewährung geschaffen (Nakamoto, 2008a, S. 1). Die erste echte Transaktion fand 2010 statt, als zwei Pizzen mit 10.000 Bitcoins bezahlt wurden (Wallace, 2011). Im selben Jahr wurden Bitcoins auch das erste Mal online gehandelt, damals zu einem Preis von knapp fünf US-Cent je Einheit (Yermack, 2015, S. 34f.). Seither erlebte die Kryptowährung (die verschlüsselte Währung, abgeleitet von der Kryptografie, Anm. d. Verf.) zahlreiche Höhen und Tiefen, mit Preisschwankungen zwischen 1.000 und 20.000 US-Dollar in nur einem Jahr. Mit jeder Talfahrt wurde der Bitcoin als Blase und für tot erklärt (Jilch, 2018a, S. 9), wobei gerne auf die Tulpenmanie im 16. Jahrhundert Bezug genommen wird, eine Spekulationsblase der niederländischen Wirtschaftsgeschichte. Damals stieg der Preis für Tulpenzwiebel durch das hohe Interesse sehr stark an, bis er abrupt abstürzte („Dem Bitcoin könnte es bald wie der Tulpe ergehen“, 2017).
Erst kürzlich wurden in Österreich (APA-Online-Manager Library, 2019a) Artikel mit Schlagzeilen wie „Schon 1.000 Krypto-Währungen tot“ (Österreich, 2019, S. 20) bzw. „Bitcoin: Vom Mega-Hype in die Hölle“ (Jilch, 2018b, S. 20) aufgemacht. Entsprechend einer Website, auf der Medienberichte gesammelt werden, in denen der Bitcoin totgesagt wird, ist die Mutter aller Kryptowährungen bereits 364-mal gestorben. Der erste „Todesfall“ wurde am 15. Dezember 2010 gemeldet und trug den Titel „Why Bitcoin can’t be a currency“ und der letzte stammt vom 25. Juni 2019 und lautete „None more foolish than what’s being said to rationalize the Bitcoin bubble“ (Bitcoin Obituaries, o.J.). Auf einer ähnlichen Website lassen sich zu jeder „Todesanzeige“, die in Form eines Grabsteins abgebildet ist, sogar Blumen niederlegen. Der Preis pro Blume, die auch eine Beileidsbekundung beinhaltet, beträgt 0,01 Millibitcoins oder auch 1.000 Satoshis, was zum Zeitpunkt des Schreibens umgerechnet in etwa 0,11 US-Dollar sind (Bitcoin Graveyard, o. J.). Ein Satoshi ist die kleinste Einheit eines Bitcoins, ähnlich einem Cent, und wurde nach dem Erfinder Satoshi Nakamoto benannt, dessen Identität trotz zahlreicher Bemühungen bislang ungeklärt ist (Lam & Lee, 2015, S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Hinführung zum Thema Bitcoin und Erläuterung des Forschungsinteresses sowie der Relevanz für die Kommunikationswissenschaft.
2 Bitcoin: Umfassende technische und inhaltliche Einführung in das Thema Bitcoin, inklusive Funktionsweise, Mining, Blockchain-Technologie und ökonomischer Einordnung.
3 (Massen)Medien und Öffentlichkeit: Theoretische Fundierung zum Mediensystem, journalistischen Funktionen, Nachrichtenselektion und insbesondere der Framing-Theorie.
4 Forschungsfragen: Formulierung der zentralen Forschungsfrage sowie der acht untergeordneten Subforschungsfragen für die empirische Analyse.
5 Methode: Beschreibung des methodischen Vorgehens der Inhaltsanalyse, der Operationalisierung und der Auswahl des Untersuchungsmaterials.
6 Ergebnisse: Darstellung der erhobenen Daten, Identifikation der sieben Medienframes und Analyse des Themen- bzw. Framingzyklus.
7 Diskussion, Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen, Interpretation der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Bitcoin, Kryptowährung, Framing, Medienberichterstattung, Inhaltsanalyse, Journalismus, Nachrichtenfaktoren, Themenzyklus, Blockchain, digitale Währung, Österreich, Tageszeitungen, Gatekeeper, Wirtschaft, Konflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Kryptowährung Bitcoin in österreichischen Tageszeitungen medial dargestellt („geframed“) wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die technologische Funktionsweise des Bitcoins, die mediale Berichterstattung sowie die theoretische Verortung im Framing-Ansatz der Kommunikationswissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Identifikation von Deutungsmustern (Frames) in der Berichterstattung und deren zeitliche Entwicklung sowie die Analyse der Dynamik dieser Frames.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Inhaltsanalyse angewandt, bei der 297 Zeitungsartikel mittels eines entwickelten Codebuchs induktiv-quantitativ untersucht wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Bitcoin und Mediensysteme sowie die methodische Durchführung und detaillierte Ergebnispräsentation der Inhaltsanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bitcoin, Framing, Medienberichterstattung, Inhaltsanalyse, Journalismus und Blockchain sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Welche sieben Frames wurden identifiziert?
Die identifizierten Frames sind: „Vorsicht vor DiebInnen und BetrügerInnen“, „Seriöse Wertanlage und Quelle für Steuereinnahmen“, „Zahlungsmittel für kriminelle Aktivitäten“, „Von Kriminelle für Kriminelle“, „Technologie: Segen und ein wenig Fluch“, „Positiv behaftetes Zahlungsmittel“ und „Warnung vor Risiken“.
Wie korrelieren die Ergebnisse mit dem Bitcoin-Kurs?
Die Analyse zeigt, dass der Themenlebenszyklus der Berichterstattung ähnlich wie der Kursverlauf des Bitcoins verläuft, wobei starke Kursanstiege meist zu einem Anstieg der medialen Aufmerksamkeit führen.
- Arbeit zitieren
- Heidrun Kubart (Autor:in), 2019, Die Darstellung der Kryptowährung Bitcoin in der Medienberichterstattung. Eine Framinganalyse österreichischer Tageszeitungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/923850