Das Ziel der Interventionsstudie ist die Untersuchung der Einflüsse von Erklärvideoproduktionen als Lehr-Lernstrategie auf Conceptual Change Prozesse bei Kindern der dritten Jahrgangsstufe. Zu diesem Zweck wurden aus einer Verbindung von qualitativen und quantitativen Verfahren im Prä-/Postdesign Daten kindlicher Vorstellungen zu naturwissenschaftlichen Phänomenen des Wasserkreislaufs und deren Weiterentwicklungen in Abhängigkeit drei verschiedener Interventionsphasen erhoben.
Dabei stellte sich insbesondere heraus, dass die Erstellung von Erklärvideos durch die Schülerinnen und Schüler bei diesen einen positiven Einfluss auf deren Conceptual Change Prozesse in Form von Wissenszuwächsen in Abhängigkeit von motivationalen, volitionalen und sozial-interaktionalen Faktoren nimmt. Die Ergebnisse reihen sich in die aktuelle Forschung des bildungswissenschaftlichen sowie sachunterrichtsdidaktischen Sektors ein, die sich in den bisher verfassten Arbeiten auf Erklärvideos als Hilfsmittel durch deren Rezeption durch die Kinder beschränken. Die Forschungsarbeit gibt einen Einblick in eine spezifische Einsatzmöglichkeit des Erklärvideos fernab der Betrachtung dessen als bloßes Hilfsmittel zur Vermittlung von Inhalten. Dabei gerät die eigenständige Produktion dieser durch die Schülerinnen und Schüler als Unterrichtsmethode unter Betrachtung des didaktischen Mehrwerts in den Fokus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung und theoretischer Hintergrund
2.1 Präkonzepte im Sachunterricht
2.1.1 Theoretischer Kontext
2.1.2 Forschungsstand zu Präkonzepten zum Interventionsthema „Wasserkreislauf“
2.2 Conceptual Change im naturwissenschaftlichen Sachunterricht
2.2.1 Begriffsklärung des Conceptual Change
2.2.2 Bedingungen für Konzeptveränderungen bei Kindern
2.2.3 Conceptual Change begünstigende Faktoren
2.3 Digitale Medien im Sachunterricht
2.4 Videos im 21.Jahrhundert
2.4.1 Aktuelle Entwicklung
2.4.2 Das Video als didaktisches Medium
2.4.3 Aktueller Forschungsstand zu Erklärvideos
3 Ableitung der Fragestellung und möglicher Hypothesen
4 Methode
4.1 Erhebungsinstrumente
4.2 Stichprobe
4.4 Begründung des methodischen Vorgehens in Bezug auf die Interventionen
5 Ergebnisse
5.1 Präkonzepterhebung
5.1.1 Verdunstung
5.1.2 Kondensation
5.1.3 Versickerung
5.2 Ergebnisse der Lernspuren
5.2.1 Verdunstung
5.2.2 Kondensation
5.2.3 Versickerung
5.3 Prätest
5.4 Posttest
5.5 Fragebogen Interesse zum Fach/Vorerfahrung Erklärvideo
5.6 Fragebogen Rahmenkonzepte, Motivation und soziales Konstrukt
6 Wissenschaftliche Diskussion
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Interventionsstudie untersucht, inwiefern die eigenständige Produktion von Erklärvideos durch Grundschüler der dritten Jahrgangsstufe als Lehr-Lernstrategie deren Conceptual-Change-Prozesse bezüglich des Wasserkreislaufs beeinflusst.
- Conceptual Change und kindliche Alltagsvorstellungen im Sachunterricht
- Didaktischer Einsatz digitaler Medien und Erklärvideos
- Experimentelles und modellbasiertes Lernen als Interventionsmethode
- Metakognitive Lernstrategien durch Videoproduktion
- Einfluss motivationaler und sozialer Faktoren auf den Lernerfolg
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Das Video als didaktisches Medium
Erklärvideos sind kurze Clips mit einer Laufzeit von etwa 2-5 Minuten, die einen komplexen Sachverhalt didaktisch reduziert einfach vermitteln. Der Begriff wird synonym zu Lernvideos verwendet (vgl. ARNOLD/ZECH, 2019, S.9) und erfährt immer größerer Beliebtheit im Bildungssektor. Sie sind bezogen auf den Stil „generisch offen“ (vgl. ebd.): sowohl in der Legetechnik, Screencasts, Motion-Graphics, oder auch in einer Stop-Motion-Animation kann das Erklärvideo zahlreiche Formen annehmen. Bei der Vielzahl an Möglichkeiten seien an dieser Stelle nur diese beispielhaft genannt. In der vorliegenden Studie wird die Stop-Motion-Animation zur Anwendung kommen, dazu wird in folgenden Kapiteln vertieft eingegangen. Die Erklärvideos bedienen sich meist einfachen, nicht wissenschaftlichen Erklärungsmustern, um komplexe Zusammenhänge deutlich zu machen. Durch einen einfachen Satzbau und den Verzicht auf gehobene Sprache wird die Merkfähigkeit durch die subjektive Beteiligung der RezipientInnen gefördert. Im Unterschied zum Unterrichtsfilm überzeugt das Erklärvideo durch seine Kürze und Interaktivität: „Es erklärt, leitet an, ruft aber zur Eigenhandlung auf“ (vgl. ebd. S.10). Dabei orientiert es sich mit Storytelling-Elementen emotional am Bedürfnis der KonsumentInnen. Durch den Alltagsbezug, in den die Inhalte integriert werden, wird zudem eine höhere Identifikation gewährleistet (vgl. SIMSCHEK/KIA 2017, S.20).
Im didaktischen Zusammenhang werden Erklärvideos zur Vermittlung neuer Inhalte, sowie zur Festigung bereits erlernten Wissens verwendet. Häufig wird es in ersterem Zusammenhang genutzt, bei dem sowohl Orientierungs-, als auch tiefgründiges Wissen durch die RezipientInnen angeeignet werden soll. Videosequenzen werden dabei zunehmend Teil multimedialer Lernumgebungen, da sie vor allem komplexe Zusammenhänge kurz und prägnant und didaktisch reduziert darstellen (vgl. NIEGEMANN ET AL., 2004, S. 153). Das Video kann als „elektronisch vermittelte bzw. gespeicherte (Ton-) Filmaufnahme“ (ebd.) definiert werden, die sich „als eine Reihe von Einzelbildern, die so schnell hintereinander aufgezeichnet bzw. abgespielt werden, dass sie den Eindruck fließender Bewegung erzeugt“ (PETKO, 2014, S.62), versteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung digitaler Medien und der Digitalisierung im Schulalltag vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen und Studien.
2 Begriffsklärung und theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert Präkonzepte von Kindern, den Conceptual-Change-Prozess im Sachunterricht sowie die Rolle von Erklärvideos als didaktisches Medium.
3 Ableitung der Fragestellung und möglicher Hypothesen: Hier wird das Ziel der Studie definiert, den Einfluss selbst erstellter Erklärvideos als metakognitive Lernstrategie auf den Lernprozess zu untersuchen.
4 Methode: Dieses Kapitel beschreibt das Forschungsdesign, die Erhebungsinstrumente (Prätest/Posttest, Fragebögen, Lernspuren) und die Stichprobenauswahl.
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse der Präkonzepterhebung, der Lernspuren sowie der quantitativen Tests werden detailliert dokumentiert und ausgewertet.
6 Wissenschaftliche Diskussion: In der Diskussion werden die Ergebnisse unter Einbeziehung der theoretischen Grundlagen kritisch bewertet und mit bestehenden Studien verglichen.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont das Potenzial der Videoproduktion als festes didaktisches Element im Sachunterricht.
Schlüsselwörter
Sachunterricht, Wasserkreislauf, Erklärvideo, Conceptual Change, Grundschule, Digitale Medien, Lernstrategie, Präkonzepte, Modellieren, Stop-Motion-Animation, Interventionsstudie, naturwissenschaftliches Lernen, Schülerorientierung, Wissenszuwachs, Medienkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich die eigenständige Erstellung von Erklärvideos durch Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse auf ihre Lernprozesse und das Verständnis naturwissenschaftlicher Phänomene auswirkt.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen sind der Conceptual Change (Konzeptwechsel), die Förderung des naturwissenschaftlichen Verständnisses des Wasserkreislaufs und die didaktische Integration digitaler Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob die Produktion von Erklärvideos als aktive Lernstrategie positive Einflüsse auf die Konzeptveränderung bei Kindern hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Studie nutzt ein Prä-/Posttest-Design, qualitative Inhaltsanalysen von Lernspuren und standardisierte Fragebögen, um sowohl Wissenszuwächse als auch motivationale Faktoren zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der theoretische Rahmen, die methodische Konzeption der verschiedenen Interventionsphasen (Experimente, Modellieren, Videoproduktion) sowie die anschließende Ergebnisauswertung und Diskussion präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind Wasserkreislauf, Erklärvideo, Conceptual Change, Sachunterricht und mediale Bildung.
Warum wurde ausgerechnet das Thema Wasserkreislauf gewählt?
Das Thema dient als anschauliches Beispiel für einen dynamischen, naturwissenschaftlichen Prozess, bei dem Kinder häufig stabile Fehlvorstellungen (Präkonzepte) aufweisen, die einen Konzeptwechsel erfordern.
Welchen Einfluss hatte die Stop-Motion-Technik auf das Projekt?
Die Stop-Motion-Technik ermöglichte den Kindern einen kreativen und handlungsorientierten Zugang, erforderte jedoch eine klare Strukturierung durch die Lehrkraft, um Struktur- und Orientierungsprobleme während der Produktion zu vermeiden.
- Quote paper
- Michelle Beyer (Author), 2020, Erklärvideos bei Conceptual Change Prozessen im Unterricht. Das Unterrichtsbeispiel des Wasserkreislaufs in der dritten Klasse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924090