Dieser Diskussionsbeitrag zielt darauf ab, das religiöse Leben der Russlanddeutschen Evangeliums-Christen während der Corona-Krise 2020 zu erforschen. Durch die Untersuchung von Presseberichten und die Berücksichtigung religionssoziologischer sowie theologischer Perspektiven bietet der Text tiefe Einblicke in das Verhältnis zwischen Religion und Gesellschaft, speziell in Bezug auf eine spezielle religiöse Gemeinschaft in einem Krisenkontext.
Der Aufsatz untersucht die Rezeption und Darstellung der Russlanddeutschen Evangeliums-Christen in der deutschen Presse während der Corona-Krise 2020, mit einem besonderen Fokus auf die Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Durch die Analyse dieser Berichte werden sowohl die religiösen Orientierungen der Russlanddeutschen als auch ihr kultureller Hintergrund und ihre Geschichte der Ansiedelung in Russland und Rückkehr nach Deutschland beleuchtet. Der Text bietet zudem einen Überblick über die Forschungslage zu diesem Thema. Er befasst sich mit der Konfessionszugehörigkeit und Religiosität der Russlanddeutschen in Deutschland, insbesondere der Rolle der Evangeliums-Christen und Evangeliums-Christen-Baptisten. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse aus religionssoziologischer und theologischer Sicht reflektiert und diskutiert, um ein umfassendes Verständnis des Einflusses gesellschaftlicher Bedingungen auf religiöse Gemeinschaften zu erlangen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Vorbemerkung
Der Anlass
Die Berichterstattung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Die Russlanddeutschen und ihre religiösen Orientierungen
Zur Forschungslage
Die Russlanddeutschen – Ihre Ansiedelung in Russland und ihre Rückkehr nach Deutschland
Die Evangeliums-Christen und die Evangeliums-Christen-Baptisten in Russland
Russlanddeutsche Kultur
Russlanddeutsche Konfessionszugehörigkeit und Religiosität in Deutschland
Die Evangeliums-Christen in Deutschland - Rückkehr zum Anlass
Theoretisches Fazit
Religionssoziologische Perspektive: das gesamtgesellschaftliche Milieu in Deutschland als Kommunikationsbedingung
Theologische Perspektiven
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht als Rezeptionsstudie, wie in deutschen Presseorganen eine spezielle religiöse Vereinigung – die russlanddeutschen Evangeliums-Christen – anlässlich von Corona-Infektionen in ihren Gottesdiensten wahrgenommen wurde. Ziel ist es, aus dieser Analyse zweiter Grades Rückschlüsse auf das Verhältnis von Religion und Gesellschaft zu ziehen sowie theoretische Folgerungen für die Religionssoziologie und die Praktische Theologie abzuleiten.
- Analyse der medialen Wahrnehmung religiöser Minderheiten in Deutschland
- Aufarbeitung der Geschichte und religiösen Identität russlanddeutscher Freikirchen
- Reflexion des Verhältnisses zwischen Freikirchen und landeskirchlichem Milieu
- Diskussion über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf religiöse Zusammenkünfte
- Religionssoziologische Einordnung von Kommunikation und gesellschaftlicher Akzeptanz
Auszug aus dem Buch
Die Russlanddeutschen – Ihre Ansiedelung in Russland und ihre Rückkehr nach Deutschland
Bevölkerungsstatistisch wird für die Zeit zwischen 1939 und 1989 von etwa 850.000 Menschen ausgegangen, die niedrigste Zahl von 760.000 Menschen wird für 1970 registriert, vor und nachher liegt sie relativ konstant bei 0,85 Millionen.
Der Hauptanteil entfällt auf die Wolgadeutschen (Volkszählungen in Russland, in: Wikipedia: Geschichte der Russlanddeutschen: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Russlanddeutschen (Abruf:16.07.2020)).
Die Ansiedelung von Deutschen in Russland geht auf Kaiserin Katharina II zurück (1729- 1796, Kaiserin von Russland seit 1762). Die Einladung, in Russland zu siedeln, erging keineswegs nur an Deutsche, sondern auch an Franzosen, Niederländer und Schweden. Gesiedelt haben in der Mehrheit die Deutschen. Noch in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts sollen es mehr als 30 000 Siedler gewesen sein. Das Interesse der Kaiserin war ein wirtschaftliches. Sie erwartete von den Siedlern starke wirtschaftliche Impulse für die Modernisierung Russlands. Erhebliche Privilegien lockten die Siedler an.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitende Vorbemerkung: Der Autor erläutert den methodischen Ansatz als Rezeptionsstudie, die analysiert, wie Medien über eine spezifische religiöse Vereinigung berichten, um daraus Rückschlüsse auf das Verhältnis von Religion und Gesellschaft zu ziehen.
Der Anlass: Dieses Kapitel beschreibt die konkreten Vorfälle von Corona-Infektionen in Bethäusern in Frankfurt und Bremerhaven im Mai 2020 und die daraus resultierende breite Presseresonanz.
Die Berichterstattung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Der Autor untersucht detailliert die Beiträge der FAZ zu den Vorfällen und konstatiert eine sorgsame, fachkundige Berichterstattung, die versucht, Hintergründe der Glaubensgemeinschaft zu verstehen.
Die Russlanddeutschen und ihre religiösen Orientierungen: Hier werden die historische Ansiedelung der Russlanddeutschen, ihre kulturelle Identität sowie ihre Konfessionszugehörigkeit in Deutschland nach der Rückkehr betrachtet.
Die Evangeliums-Christen in Deutschland - Rückkehr zum Anlass: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Gruppierungen der Evangeliums-Christen-Baptisten und geht auf deren teils hohe Öffentlichkeitsscheu sowie die Hintergründe ihrer Gottesdienstgestaltung ein.
Theoretisches Fazit: Der Autor reflektiert allgemein die Bedingungen journalistischer Berichterstattung über religiöse Themen und diskutiert das Verhältnis von evangelischen Landeskirchen zu russlanddeutschen Freikirchen im Kontext der aktuellen gesellschaftlichen Situation.
Religionssoziologische Perspektive: das gesamtgesellschaftliche Milieu in Deutschland als Kommunikationsbedingung: Es wird analysiert, wie Medien Aktualität definieren und welche Rolle religiöse Einstellungen bei der Auswahl und Rezeption von Informationen spielen.
Theologische Perspektiven: Abschließend werden die Verwurzelung von Religionen in kulturellen Kontexten und die Herausforderungen für die Theologie im Umgang mit dem Zerfall der Volkskirche sowie der Begegnung zwischen verschiedenen kirchlichen Strömungen thematisiert.
Schlüsselwörter
Russlanddeutsche, Evangeliums-Christen, Baptisten, Corona-Pandemie, Religionssoziologie, Freikirchen, Medienanalyse, Frankfurter Allgemeine Zeitung, religiöse Identität, Gottesdienst, Integration, Volkskirche, Praktische Theologie, gesellschaftliche Wahrnehmung, Migrationsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der medialen Rezeption russlanddeutscher Freikirchen nach Corona-Infektionsfällen in deren Gottesdiensten im Jahr 2020.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Geschichte der Russlanddeutschen, die Struktur russlanddeutscher Freikirchen, die Rolle von Religion in der Berichterstattung sowie das Verhältnis zwischen Freikirchen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch eine Analyse zweiter Grades zu verstehen, wie Presseorgane religiöse Minderheiten wahrnehmen und welche Rückschlüsse dies auf das Verhältnis von Religion und Gesellschaft erlaubt.
Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?
Es handelt sich um eine Rezeptionsstudie, bei der publizierte Berichte über die Vorfälle systematisch auf ihre inhaltliche Darstellung und die zugrunde liegenden journalistischen Bedingungen hin analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse der FAZ-Berichterstattung, die historische und kulturelle Einordnung der Russlanddeutschen sowie eine differenzierte Betrachtung der Evangeliums-Christen und Baptisten in Deutschland.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Russlanddeutsche, Evangeliums-Christen, Freikirchen, Mediale Rezeption, Corona-Krise, Religion und Gesellschaft.
Inwiefern beeinflusst der historische Hintergrund die heutige Wahrnehmung der Gemeinden?
Traumatische Erfahrungen aus der Sowjetzeit führen laut Autor zu einer gewissen Skepsis gegenüber staatlichen Anordnungen und einer ausgeprägten Öffentlichkeitsscheu, was die Kommunikation der Gemeinden prägt.
Welche Rolle spielt die Kultur für die Verbreitung der Virusinfektionen laut Autor?
Der Autor legt nahe, dass spezifische russlanddeutsche Kulturmuster wie die Freude an der Gemeinschaft, gemeinsame Mahlzeiten und herzliche Begrüßungsrituale bei der Verbreitung eine Rolle spielen könnten, unabhängig vom religiösen Faktor.
Was ist das Fazit zur Berichterstattung der FAZ?
Die Berichterstattung wird als ungewöhnlich sorgsam und kundig bewertet, da sie Sachverhalte beleuchtete, die in anderen Medien oder wissenschaftlichen Kontexten kaum Beachtung fanden.
Welche Empfehlung gibt der Autor für das Verhältnis zwischen Landeskirchen und Freikirchen?
Er empfiehlt, die landeskirchliche Fixierung zu verlassen, gegenseitige Achtung zu üben und eine reale Begegnung zwischen den verschiedenen Gruppierungen vor Ort anzustreben.
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- Karl-Fritz Daiber (Author), 2020, Die russlanddeutschen Evangeliums-Christen. Zur Wahrnehmung religiösen Lebens aus Anlass der Corona-Krise von 2020, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924174