Der gesetzliche Mindestlohn. Theoretische Auswirkungen und Vor- und Nachteile


Seminararbeit, 2020

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Auswirkungen und Grundlagen von Mindestlöhnen
2.1 Hauptgedanke des Mindestlohns
2.2 Die neoklassische Theorie
2.2.1 Auswirkung aus neoklassischer Sichtweise
2.3 Die keynesianische Theorie
2.3.1 Auswirkungen aus keynesianischer Sichtweise

3 Vorteile des Mindestlohns
3.1 Verringerung der Armut
3.2 Ankurbelung der Konjunktur
3.3 Beseitigung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit

4 Nachteile des Mindestlohns
4.1 Verringerung von Arbeitsplätzen
4.2 Mindestlöhne erhöhen Inflationsgefahr
4.3 Erhöhung der Bürokratie

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

u. a. unter anderem

evtl. eventuell

bspw. beispielsweise

BIP Bruttoinlandprodukt

1 Einleitung

Der gesetzliche Mindestlohn ist eine vom Staat vorgeschriebene untere Lohngrenze zum Schutz der Arbeitnehmenden. Er kann sowohl flächendeckend, auf regionaler Ebene als auch Branchenspezifisch eingeführt werden und wird als Stunden- oder Monatslohn festgelegt.

Kaum eine andere wirtschaftspolitische Maßnahme wird unter Ökonomen und Politikern so kontrovers diskutiert wie der Mindestlohn. Befürworter betrachten es als Sozialmaßnahme, die Gegner als Arbeitsplatz-Vernichter.

In der folgenden Arbeit werden die theoretischen Auswirkungen eines gesetzlichen Mindestlohnes auf dem Arbeitsmarkt genannt und diskutiert sowie Vor- und Nachteile des Mindestlohnes der Bundesrepublik Deutschland anhand der praktischen Erfahrung verglichen.

Die Arbeit wird in zwei Teilen gegliedert. Der erste Teil beschäftigt sich mit den theoretischen Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohnes aus neoklassischer und keynesianischer Sichtweise. Im zweiten Teil werden die Auswirkungen des Mindestlohnes auf Deutschland genannt so das am Ende der Arbeit eine Antwort zum Nutzen des Mindestlohnes gefunden werden kann.

2 Theoretische Auswirkungen und Grundlagen von Mindestlöhnen

2.1 Hauptgedanke des Mindestlohns

In der neoklassischen Theorie entspricht der Arbeitsmarkt einem normalen Gütermarkt. Das Angebot wird durch die Arbeitnehmer, die Nachfrage durch die Arbeitgeber gestellt, während der Preis den Löhnen, und die Menge den eingestellten Personen entspricht. Es wird angenommen, dass vollständige Konkurrenz besteht, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer über alle notwendigen Informationen verfügen und alle Arbeitnehmenden identisch sind.1

Des Weiteren wird die Arbeitsnachfrage als elastisch betrachtet,2 weil beide Seiten frei entscheiden dürfen, zu welchem Lohn sie Arbeit anbieten beziehungsweise nachfragen, entsteht im Markt ein Gleichgewichtslohnsatz.

Wird ein gesetzlicher Mindestlohn eingeführt, der über dem Marktlohn liegt, so ist das Arbeitsangebot grösser als die Arbeitsnachfrage. Daraus erfolgt die Entstehung unfreiwilliger Arbeitslosigkeit und ein Beschäftigungsrückgang. Dies hat zwei Gründe: Zum einen sehen sich Arbeitgeber gezwungen, Arbeitnehmer zu entlassen und weniger Stellen zu schaffen, wenn durch den Preisanstieg für Arbeitskräfte die Grenzproduktivität kleiner als die Lohnkosten ist. Zum anderen steigt durch die Lohnerhöhung der Anreiz erwerbsfähiger aber nicht erwerbstätiger Personen zu arbeiten, was eine Angebotserhöhung zur Folge hat.3

So wären Rentner motiviert, wieder zu arbeiten oder Studenten angereizt, sich trotz hohem Stress eine Nebentätigkeit zu suchen, sie könnten aber nur schwer eine Beschäftigung finden.

Dies sind die Gründe, wieso die neoklassische Theorie Mindestlöhne als uneffektive staatliche Maßnahme betrachtet.

Wird ein Mindestlohn unter dem Marktgleichgewichtslohn gesetzt, so hat dies bei vollständiger Konkurrenz keine Auswirkung auf die Beschäftigung. Fragen Arbeitgeber zum Mindestlohn nach, ist die Nachfrage größer als das Angebot so das ein Nachfrageüberschuss beziehungsweise Arbeitermangel vorhanden ist. Arbeitgeber finden nicht genügend Arbeitskräfte und müssen deswegen die Löhne erhöhen bis das Gleichgewicht erreicht wird.4 In diesem Fall existiert keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit und es gilt der Marktlohn.

2.2 Die neoklassische Theorie

Die Verfechter der neoklassischen Theorie orientieren sich an die von Adam Smith (1723-1790) propagierte „unsichtbare Hand des Marktes“ (1776) und dem Sayschen Gesetz, welches besagt, „dass jedes Güterangebot sich seine Nachfrage schafft“.5 Somit wird davon ausgegangen, dass sich ein Markt von selbst, ohne staatliche Eingriffe, reguliert und zu einem Marktgleichgewicht findet. Sie plädieren für liberale ökonomische Rahmenbedingungen die Privatinitiativen fördern, und sind für die Abschaffung von Monopolen und staatlicher Interventionen in der Wirtschaft. Die Umsetzung dieser Ideen wird als angebotsorientierte Wirtschaftspolitik bezeichnet, Kerngedanke dabei ist, dass Löhne und Steuern die Wirtschaft direkt beeinflussen.

2.2.1 Auswirkung aus neoklassischer Sichtweise

Neben der Auswirkung, dass Arbeitsplätze vernichtet werden, besteht bei den Befürwortern des neoklassischen Modells eine Reihe zahlreicher weiterer Argumente und Auswirkungen bezüglich des gesetzlichen Mindestlohns.

So argumentieren Gegner von Mindestlöhnen, dass nur Erwerbstätige von höheren Löhnen profitieren, von denen ein großer Teil nicht zu den Hauptverdienern des Haushaltes gehört, sondern Zweit- oder Drittverdiener aus Familien mittleren bis hohen Einkommens sind.6 Somit wäre ein Mindestlohn eine uneffektive politische Maßnahme zur Bekämpfung von Armut und Langzeitarbeitslosigkeit, denn durch die höheren Löhne bevorzugen es Arbeitgeber erfahrene bzw. qualifizierte Personen statt meist unerfahrene und unqualifizierte Langzeitarbeitslose zu beschäftigen. Der Rückgang der Arbeitsnachfrage würde sich dagegen für Nebenverdiener minimal auswirken da sie dank einkommensstärkerer Haushaltsmitglieder nicht darauf angewiesen sind zu arbeiten, während Haushalte, bei denen beispielsweise Schüler oder Studenten Mindestlöhne beziehen, zu höheren Einkommen gelangen würden, was zu einer Vergrößerung der Schere zwischen Arm und Reich führt.

Ein weiterer Punkt ist, dass durch Erhöhung der Bruttolöhne im Falle einer Nicht- oder Schlechtanpassung von Steuer- und Transfersysteme Erwerbstätige in eine höhere Steuerklasse einfließen und Ansprüche auf Sozialleistungen verlieren könnten.7 Dies würde einen kontraproduktiven Effekt zur Folge haben und zu einer Einkommensminderung sozialschwacher Haushalte führen.

Zu guter Letzt sind die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen und Entwicklungen einer Volkswirtschaft bei der Einführung eines Mindestlohnes zu nennen, sofern dieser über den Marktgleichgewicht liegt. Unter der Annahme des neoklassischen Modells, dass ein Mindestlohn Arbeitslosigkeit verursacht und Beschäftigungsstellen verringert, folgt ein Einkommensrückgang der Bevölkerung, was zeitgleich eine Senkung der Binnennachfrage zur Folge hat. Daraus ergibt sich eine Verminderung des Bruttoinlandproduktes und ein negativer Druck auf das Preisniveau, was die Wahrscheinlichkeit einer Deflation erhöht. Der Wohlstand einer Volkswirtschaft schrumpft.

2.3 Die keynesianische Theorie

Die keynesianische ist die der neoklassischen gegenübergestellten Theorie. Ihr bekanntester Vertreter ist der Brite John Maynard Keynes (1883-1946), von dem sich auch der Name ableitet.

Sie geht davon aus, dass sich in einer Marktwirtschaft nicht automatisch ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht mit Vollbeschäftigung bilden kann, sondern der Staat in das Wirtschaftsgeschehen nachfragesteigernde Impulse setzen muss, um eine negative Wirtschaftsentwicklung zu vermeiden.8 Beispiele wären erhöhte staatliche Konsumausgaben bei Rezession oder Sozialmaßnahmen wie der Mindestlohn.

Im Gegensatz zum neoklassischen Modell ist die Beeinflussung der Nachfrage Grundlage der keynesianischen Theorie, weswegen die Umsetzung der Theorie als nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik bezeichnet wird. Zwischen Löhnen und Beschäftigung besteht demnach kein direkter Zusammenhang.9

2.3.1 Auswirkungen aus keynesianischer Sichtweise

Neben den schon genannten Auswirkungen besteht eine weitere Reihe aus Sicht der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik. Ein Mindestlohn kann Substitutions- und Einkommenseffekte auslösen. Durch den Anstieg der Löhne erklären sich mehr Menschen bereit, in den Arbeitsmarkt einzutreten und dafür bspw. auf das Gut Freizeit zu verzichten. Durch die erhöhte Anzahl an Arbeitskräften kann so die Produktivität einer Volkswirtschaft zunehmen, allerdings muss dafür die entsprechende Arbeitsnachfrage vorhanden sein, ansonsten entsteht unfreiwillige Arbeitslosigkeit.

Der entgegengesetzte Effekt, das Einkommenseffekt, besagt, dass durch den Anstieg der Löhne das Einkommen genügend hoch ist, um weniger zu arbeiten.10 So werden Zweitbeschäftigungen aufgegeben oder die Arbeitszeit wird verkürzt. Die frei gewordenen Arbeitsplätze können durch Arbeitssuchende gefüllt werden und die Beschäftigung steigt an. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass Mindestlöhne eine Lohnuntergrenze bilden und meistens nur das Existenzminimum abdecken. Einkommenseffekte treten somit in der Realität aufgrund von Mindestlöhnen seltenen ein, jedoch trägt ein Mindestlohn zur Armutsbekämpfung bei.

Mindestlöhne können des Weiteren Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt bekämpfen. Oft bestehen zwischen verschiedenen Gruppen wie Männer und Frauen, Aus- und Inländer oder Alte und Junge Lohnunterschiede trotz gleicher Arbeitsleistung.

Abschließend kann noch gesagt werden, dass höhere Löhne für eine erhöhte Produktivität der einzelnen Arbeitskräfte führen können. Hoch produktive Arbeitskräfte bekommen höhere Löhne11. Demnach erhöht ein Lohnanstieg die Motivation und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz.

3 Vorteile des Mindestlohns

3.1 Verringerung der Armut

Erwerbstätige deren Lohn nahe oder beim Mindestlohn liegt und mit nicht erwerbstätige Haushaltsmitgliedern leben, müssen deutlich mehr Arbeitsstunden leisten und können eventuell selbst dann die Armutsgefährdungszone nicht verlassen, sofern keine staatlichen Transferzahlungen erhalten werden. Nichtsdestotrotz ist nicht zu verleumden, dass ein Mindestlohn Armut nicht verringert.

3.2 Ankurbelung der Konjunktur

Wie bereits erwähnt sehen Befürworter der keynesianischen Lehre eine Ankurbelung der Konjunktur als unmittelbare Folge einer Einführung des Mindestlohnes. Vor allem Deutschland gutes Beispiel um die Effekte des Mindestlohnes zu untersuchen.

Werden die beiden Konjunkturindikatoren, das Bruttoinlandsprodukt und die privaten Konsumausgaben beobachtet, wird ersichtlich, dass nach Einführung des flächendeckenden Mindestlohnes im Januar 2015 sowohl das BIP als auch die privaten Konsumausgaben stetig gestiegen sind.

Weil die Löhne einer Volkswirtschaft nicht der einzig ausschlaggebende Faktor für die Entwicklung des BIPs sind, ist der Verlauf der privaten Konsumausgaben ebenso relevant.

[...]


1 Vgl. SGB-Expertengruppe Mindestlohn, (2011), S. 63-64

2 Vgl. Mankiw & Taylor, (2012), S. 527

3 Vgl. Detzer, (2010), S. 413

4 Vgl. Schuster, (2013), S. 17

5 Vgl. Flaschel & Groh, (1996), S. 53

6 Vgl. Mankiw/Taylor, (2012), S. 152

7 Vgl. SGB Expertengruppe Mindestlohn, (2012), S. 69

8 Vgl. Yollu-Tok/Sesselmeier, (2012), S. 58

9 Vgl. Detzer, (2010), S. 414

10 Vgl. SGB-Expertengruppe Mindestlohn, (2011), S. 66

11 Vgl. Mankiw/Taylor, (2012), S. 481

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der gesetzliche Mindestlohn. Theoretische Auswirkungen und Vor- und Nachteile
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V924361
ISBN (eBook)
9783346258311
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mindestlohn, theoretische, auswirkungen, vor-, nachteile
Arbeit zitieren
Farouk Saou (Autor), 2020, Der gesetzliche Mindestlohn. Theoretische Auswirkungen und Vor- und Nachteile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924361

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