Pidgin- und Kreolsprachen. Hat Papiamentu eine Zukunft?


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,7


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pidginsprachen
2.1. Definition und Merkmale
2.2. Sozio-historischer Hintergrund und Arten von Pidginsprachen
2.3. Exkurs Superstrat - Substrat - und Adstratsprachen

3. Kreolsprachen
3.1. Kreolisierung - der Entstehungsprozess von Kreolsprachen
3.2. Theorien zur Entstehung von Kreolsprachen
3.3. Arten von Kreolsprachen

4. Papiamientu als spanisch basierte Kreolsprache
4.1. Vergangenheit und Gegenwart - Zur Herausbildung des Papiamentus
4.1.1. Geschichtlicher Umriss der ABC - Inseln
4.1.2. Monogense vs. Polygenese - Zwei Theorien zur Entstehung des Papiamentus
4.2. Merkmale und Besonderheiten des Papiamentus
4.3. Die aktuelle Sprachsituation des Papiamentus
4.3.1. Aktueller Gebrauch
4.3.2. Papiamentu in den Medien und im Bildungssektor
4.3.3. Standardisierung und Varietäten
4.3.4. Beurteilung des Gesamtbildes

5. Schlussbemerkung

Literaturverzechnis

1. Einleitung

Pidgin- und Kreolsprachen entstanden zu einer Zeit, wo weder die technischen Möglichkeiten, noch die schulische Ausbildung so existierten, so dass Menschen aus unterschiedlichen Regionen und dementsprechend unterschiedlichen Muttersprachen nicht miteinander kommunizieren könne, ohne eine neue Sprache zu benutzen. Doch gerade in dieser Kolonialzeit kamen Sklaven aus den unterschiedlichsten Ländern auf gleiche Plantagen und mussten miteinander kommunizieren. So entstanden Pidginsprachen, wovon sich einige zu Kreolsprachen weiterentwickelten. Doch wie genau kam es dazu? Was unterscheidet Pidgins von Kreolsprachen? Diese Punkte müssen zunächst geklärt werden, um eine Analyse der spanisch basierten Kreolsprache Papiamentu vorzunehmen. Papiamentu ist eine Kreolsprache, die auf den ABC-Inseln gesprochen wird. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass sich das Papiamentu durchaus von gängigen Kreolsprachen unterscheidet. Außerdem soll die Frage aufgegriffen werden, ob das Papiamentu eine mögliche Zukunft hat, oder ob es, wie viele andere Kreolsprachen vor ihm, nach und nach aussterben wird. In der heutigen globalisierten Welt sind die Superstratsprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Chinesisch unabdingbar geworden. Sprachen, die nicht dienlich für wirtschaftliche Aufschwünge sind, geraten schnell in den Hintergrund und werden in Schulen kaum erlernt bzw. kaum generell beachtet. Dies wird noch einmal verstärkt, wenn die Sprache, wie das Papiamentu nur eine relativ kleine Sprechergemeinschaft besitzt. Außerdem haben Kreolsprachen einen sehr schweren Standardisierungsprozess vor oder teilweise hinter sich. Wie konnte sich das Papiamentu trotz all dieser Schwierigkeiten behaupten und kann sie es auch in Zukunft noch? Dies wird in der nachfolgenden Arbeit beantwortet werden. Dabei werden, wie bereits erwähnt, Pidgin-und Kreolsprachen analysiert, bevor anhand eines geschichtlichen Umrisses der ABC - Inseln, möglicher Entstehungstheorien und einer genauen Betrachtung der aktuellen Sprachsituation, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Kreolsprache bewertet werden. Für den ersten Teil dienten Standardwerke wie die Bücher von Bartens und Arends/Muysken/Smith als hauptsächliche Quellen. Für die eigentliche Kreolsprache erwiesen sich die Werke von Maurer, Joubert und Kramer als besonders hervorhebend.

2. Pidginsprachen

Im ersten Abschnitt werden die Pidginsprachen analysiert. Dabei soll der Begriff genau definiert werden und Merkmale sowie Arten und Gebrauchsformen aufgezeigt werden. Abschließend wird kurz aufgezeigt, wie Adstrat - Substrat - und Superstratsprachen zusammenhängen, da diese Differenzierung für den zweiten Punkt der Kreolsprachen unabdingbar ist.

2.1. Definition und Merkmale

"A pidgin is a marginal language which arises to fulfil certain restricted communication needs among people who have no common language. In the initial stages of contact the communication is often limited to transactions where a detailed exchange of ideas is not required and where a small vocabulary [...] suffices" (Todd 1990 : S.1).

Mit diesen Worten beschreibt der US-Amerikaner Loreto Todd die Kontaktarten unter denen Pidginsprachen entstanden sind; Handel auf See oder Land, Gespräche zwischen Ureinwohnern oder Sklaven mit dem Kolonialherren oder Gespräche zweier, meist Sklaven, Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen. Pidginsprachen sind dementsprechend für die Zwecke des Handels und der notwendigsten Kommunikation entstandene Verkehrssprachen. Eine zweite Definition ist der ersten ähnlich, betont aber noch einmal, dass Pidginsprachen nicht einfach so entstehen, sondern konkrete Kommunikationssituationen vorhanden sein müssen, damit Pidginsprachen entstehen: "A pidgin is the combination of two or more languages which sometimes occurs in trade contact, multi-ethnic or refugee situations, where participants need a functioning common language.“ (Lawrence/Stockwell 2007: S.3)

Klar ist allerdings, dass der Verwendungszweck von Pidginsprachen nicht über ihren Grund der Erschaffung hinausreicht. Sie bleiben also limitiert, sowohl was den Wortschatz angeht, als auch grammatikalisch gesehen. Geschichtlich gesehen hatten Pidginsprachen zwischen dem 17.-19. Jahrhundert ihre Hochzeit, da die Kolonien und Sklaveninseln Epizentren von Mehrsprachlichkeit und dementsprechend auch Pidginsprachen waren. Außerdem gab es zu dieser Zeit keine weder ausreichend Bildung oder technologischen Fortschritt, um Pidginsprachen abdingbar zu machen. Für ein besseres Verständnis sollen nun die Merkmale von Pidginsprachen nach Singh vorgestellt werden.

Zunächst erst einmal geht Singh von der bereits angesprochenen einfachen und rudimentären Grammatik einer Pidginsprache aus. So werden beispielsweise Plural - und Vergangenheitsformen sehr selten oder gar nicht verwendet. Die Reihenfolge der Wörter ist bei vielen Pidginsprachen ebenfalls sehr variabel, nur selten gilt die Regel Subjekt-Prädikat-Objekt. Ein typisches Beispiel wäre hier, dass „Did see you her?“ genauso als richtig in einer englischen Pidginsprache gilt wie die eigentliche Norm „Did you see her?“ Zeitadverbien wie „antes“ oder „manana“ werden benutzt, um die unterschiedlichen Tempusformen zu zeigen und um außerdem eine Konjugation der Verben in Präteritumsformen oder Futurformen zu vermeiden. Als zweites Merkmal nennt Singh „Lack of morphological complexity“ (Singh 2000: S.5). Neben der Grammatik ist also auch die Morphosyntax sehr begrenzt, was im Konkreten bedeutet, dass Suffixe und Präfixe kaum genutzt werden und Flektion, Derivation und Komposition bei Pidginsprachen sehr selten vorkommen. Als drittes Merkmal von Pidginsprachen kommt hinzu, dass sie semantisch sehr einfach sind. Dies bedeutet, dass die Sprecher Vokabular nutzen, welches eine klare und einfache Bedeutung hat. Dies lässt sich an dem Beispiel „nose-hole“ erkennen, welches eine klar erkennbare 2

Bedeutung hat und dementsprechend anstatt von „nostril“ benutzt wird. Das Vokabular ist zudem, wie bereits angesprochen, sehr reduziert. Nur essentielle Wörter, für den Zweck der entwickelten Pidginsprache, werden in den Wortschatz aufgenommen. Meist ist dieser aus einer Ursprungssprache entnommen. Ein letztes Merkmal, was gleichzeitig als Abgrenzung zu Kreolsprachen dient, ist, dass Pidginsprachen niemals Muttersprache von einer Person sein können. Sie entstehen in mehrsprachiger Umgebung und wenn sie von einem Kind als Muttersprache benutzt wird, wird die Pidginsprache zur Kreolsprache. Bevor allerdings diese Unterscheidung vertieft wird, sollen an nächster Stelle erst einmal verschiedene Arten von Pidginsprachen genannt und kurz charakterisiert werden.

2.2. Sozio-historischer Hintergrund und Arten von Pidginsprachen

Die Plantagenwirtschaft wie sie in der Karibik, den Südstaaten der USA und zahlreichen Ländern Lateinamerikas bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts vollzogen wurde, war für die Besitzer ein einfache Möglichkeit an viel Geld zu kommen, jedoch bedeutete es für all die Afrikaner, die auf Sklavenschiffen dorthin gebracht worden. Unter Androhung von drakonischen Maßnahmen war es ihnen verboten, lesen und schreiben zu lernen, weshalb sie ihre Erzählungen und Gesänge nur mündlich von einer Generation zur anderen überliefern konnten. Es lassen sich jedoch fünf verschiedene Arten noch charakterisieren.

Becker beschreibt diese fünf verschiedenen Arten von Pidginsprachen. (vgl. Arends/ Muysken/Norvel 1995: S.27-28), woran man auch den sozio-historischen Hintergrund von Pidginsprachen verstehen kann. Maritime oder nautische Pidgins bilden die erste Art und beschreiben Sprachen, die Segler aus verschiedenen Nationen benutzen um entweder von Schiff zu Schiff oder von Schiff zu Küste zu kommunizieren. Ein typisches Beispiel ist hier die berühmte Lingua Franca. Trade Pidgins lassen sich nicht vollständig von der ersten Art unterscheiden, jedoch gab es zu der Hochzeit von Pidginsprachen auch viele Handelswege auf dem Land, wodurch unter anderem das Chinesische Pidgin-Englisch entstand. Interethische Kontaktsprachen wiederrum wurden bei religiösen Zeremonien, politischen Verhandlungen und anderen eher festlichen Anlässen gesprochen. Diese Art von Pidginsprachen war besonders zu der Zeit der Christianisierung von Lateinamerika wichtig. Die wohl wichtigste Art sind die sogenannten „Work-Force Pidgins“ (Arends, Muysken, Norvel 1995: S.28). Diese wurden von Sklaven entwickelt, um untereinander zu kommunizieren, da es üblich war, auf einer Plantage viele Sklaven aus unterschiedlichen Nationen zu beschäftigen, um Unruhen zu vermeiden. Jedoch entstanden auch Pidginsprachen, wie das Butler-Englisch, die für ein Kommunikation zwischen Sklaven und Kolonialherren zu sorgen. Alle anderen Pidgins sind in der letzten Gruppe zu finden, den restlichen Arten. Darunter zählt zum Beispiel das Chinook-Pidgin, was britische Fischer benutzten, um gute Fangplätze über das Schiffsradio zu verbreiten, ohne, dass es japanische Fischer verstehen können. Nun folgt eine kurze Differenzierung zwischen Adstrat - Substrat - und Superstratsprachen, um nachher Kreolsprachen genau abgrenzen zu können von Kreolsprachen.

2.3. Exkurs Superstrat - Substrat - und Adstratsprachen

Wenn die Sprache S1 eine Ursprungssprache einer Gemeinschaft ist und diese dann durch S2 verdrängt wird, meist im Zuge von Eroberungen oder anderen sonstigen sich verändernden Machtpositionen, wird S1 zum Substrat von S2 bzw. der Substratsprache. S2 wird das Superstrat von S1 und zu der Superstratsprache. Als Beispiel dient hier das Gallische, welches nach der Eroberung von Cäsar zur Substratsprache wurde, wohingegen das Lateinische zum Superstrat vom Gallischen wurde.

Eine Adstratsprache ist eine Sprache S1 bzw. ein Adstrat von Sprache S2, wenn ein Teil der Sprechergemeinschaft von S2 auch S1 spricht, ohne dass sich ein klares Prestige - oder Machtgefälle zwischen den beiden Sprachen erkennen lässt. Beispielsweise ist das Englische ein Adstrat in der deutschen Bevölkerung.

Diese verschiedenen Verhältnisse sind historisch zu verstehen, da sie immer an eine historisch besondere Situation gebunden sind und nicht von alleine auftreten können. In der Regel setzt sich die Superstratsprache gegen die Substratsprache durch, was man in Lateinamerika erkennen kann. Dort haben sich das Spanische und das Portugiesische gegenüber den Ursprungssprachen der Ureinwohner durchgesetzt. In den seltensten Fällen nehmen die Eroberer die Substratsprache an, so aber zum Beispiel geschehen bei der Eroberung Spaniens durch die Goten am Ende des Altertums.

3. Kreolsprachen

Folgend sollen nun Kreolsprachen genauer beleuchtet werden. Zunächst wird der Prozess der Kreolisierung analysiert werden, wobei bei diesem Punkt auch die Abgrenzung zu Pidginsprachen vollzogen wird und eigene Merkmale aufgezeigt werden. Weiterführend werden zwei sehr bekannte Theorien zur Herausbildung von Kreolsprachen dargestellt, bevor abschließend eine Unterscheidung von verschiedenen Arten von Kreolsprachen vollzogen wird.

3.1. Kreolisierung - der Entstehungsprozess von Kreolsprachen

Wird eine Pidginsprache zur Muttersprache von Menschen, nennt man diesen Prozess Kreolisierung. Diese Personen sind in der Regel Nachfahren der Pidginsprecher, also meist Kinder von Sklaven. Dieser Kreolisierungsprozess hat weder einen genau bestimmbaren Anfang, noch ein klar erkennbares Ende. Somit ist es nicht immer klar erkennbar, ob eine Pidginsprache schon als Kreolsprache bezeichnet werden kann, denn es reicht nicht ein Muttersprachler aus, sondern es muss eine signifikant große Sprechergemeinschaft sein, welche die Kreolsprache nun als ihre Muttersprache bezeichnet. Kreolsprachen entstanden wie bereits gesagt meistens im Umfeld von Sklavenarbeitern zu der Kolonialzeit. Einige der Kreolsprachen sind bis heute erhalten geblieben, wie das Palenquero oder das Tok-Pisin, aber es gibt auch eine Reihe von ausgestorbenen Kreolsprachen, wie zum Beispiel dem Berbice Dutch Creole oder dem Kreoldänisch. Dies liegt daran, dass Kreolsprachen, wie Pidginsprachen normalerweise ein sehr niedriges Prestige haben, weil es von der Unterschicht gesprochen wurde. Diese Kreolsprachen wurden dann von den Superstratsprachen nach und nach verdrängt. Es gibt allerdings weitere klare Merkmale, was eine Kreolsprache von Pidginsprachen unterscheidet. Nicht nur hat sie Muttersprachler, sondern sie hat einen weitaus breiteren Wortschatz als Pidginsprachen, mit welchem nicht nur die Arbeitssituationen beschrieben werden können, sondern auch alltägliche, häusliche Dinge. Eine Kreolsprache ist aus mehreren Sprachen gemischt, benutzt aber meistens grammatikalische, phonologische und semantische Phänomene ihrer Superstratsprache. Im Schriftlichen werden Kreolsprachen selten verwendet, was auch später beim Papiamentu belegt werden kann. Die Grammatik von Kreolsprachen ist sehr einfach und dennoch lassen sich bereits hier Grundbausteine erkennen. Bei französisch und englisch basierten Kreolsprachen ist die Wortstellung meist SVO, bei spanisch und portugiesisch basierten Kreolsprachen VSO (Arends, Muysken, Norvel 1995: S.31). Eine Genusunterscheidung findet kaum statt.

Die berühmte Sprachwissenschaftlerin Annegret Bollée merkt allerdings an, dass diese Merkmale zum einen nicht auf alle Kreolsprachen zutreffen und zum anderen nicht ausreichend sind. Sie plädiert dafür, sprachexterne Faktoren besonders zu analysieren und Kreolsprachen nicht zu stark miteinander zu vergleichen, sondern jede in ihrem eigenen sozialen und historischen Bild zu betrachten.

Eine allgemeingültige Definition, wo die bereits angesprochenen Merkmale teilweise erkennbar sind, gibt Holm: „A creole has a jargon or a pidgin in its ancestry; it is spoken natively by an entire speech community, often one whose ancestors were displaced geographically so that their ties with their original language and sociocultural identity were partly broken. Such social conditions were often the result of slavery." (Holm 2000: S.1)

3.2. Theorien zur Entstehung von Kreolsprachen

Bevor im Abschnitt 4.1.2. zwei Theorien zur Entstehung von Kreolsprachen beschrieben werden, sollen hier noch zwei weitere, sehr bekannte Theorien vorgestellt werden.

Derek Bickertons Bioprogramm-Theorie ist sowohl einfach, als auch umstritten. Sie sagt aus, dass der Mensch ein angeborenes Sprachprogramm besitzt, dass unvollkommene Sprachen selbstständig weiterentwickelt. Der Begriff unvollkommene Sprache kann als adäquates Synonym für Pidgins gelten, sodass Bickerton davon ausgeht, dass es in der Natur des Menschen liegt, diese Sprachen zu vervollständigen. Dabei nutzt der Mensch eine innere Universalgrammatik, die es ihm ermöglicht, grammatikalische Regelmäßigkeiten zu erkennen und zu erweitern, sowie neue Wörter 5 bilden zu können. Bickertons Theorie kann nicht nachgewiesen werden, da man die Natur eines Menschen nicht theoretisieren kann, sondern man sie lediglich beobachten. Doch gerade die Kreolsprachen verstärken Bickertons Theorie, da während der Sklavenzeit auf den Plantagen Kinder oft ohne Eltern aufwuchsen und trotzdem die Pidginsprache nicht nur lernten, sondern auch ohne elterliche Hilfe zu einer für sie Muttersprache und damit auch Kreolsprache weiterentwickelten. Dennoch bleiben Zweifel an Bickertons Theorie und es ist schwer vorstellbar, dass sich in naher Zukunft eindeutige Beweise finden lassen werden, die diese These stützen.

Eine zweite, unter Wissenschaftlern sehr weit verbreitete Theorie ist die sogenannte Substrattheorie. Diese sagt nun aus, dass Kreolsprachen ihren Wortschatz von den Superstratsprachen, also dem Spanischen, dem Portugiesischen, dem Französischen usw., übernommen wurde und die Grammatik von den unterlegenen, also den Substratsprachen entlehnt wurde. Es lassen sich sehr viele Beispiele, unter anderem auch das Papiamentu, finden, die diese Theorie stützten. Jedoch ist sie meist nur der Ausgangspunkt von Wissenschaftlern, wie Kreolsprachen entstehen. Im Punkt

4.1.2. wird deutlich, wie die Kreolforscher*innen weiter argumentieren.

3.3. Arten von Kreolsprachen

Kreolsprachen können ebenso wie Pidginsprachen aufgrund ihrer geschichtlichen und soziokulturellen Herausbildung in verschiedene Arten eingeteilt werden. Arends erkennt drei klar erkennbare Arten. (vgl. Arends/Muysken/Smith 1995: S.5) Die erste Gruppe bilden die sogenannten Plantagenkreols. Da es, wie bereits beschrieben, berechnendes Kalkül der Plantagenbesitzer war, Sklaven aus verschiedensten afrikanischen Regionen und Sprachen auf einer Plantage arbeiten zu lassen, entstanden besonders viele Plantagenkreols. Diese sind Sprachen, die von den Sklaven gesprochen wurden, zumeist auf den Feldern. Jedoch waren nur circa 50 % der Sklaven Feldarbeiter. Es gab auch Haussklaven, Bausklaven oder Fischjagdsklaven. Eine besondere Rolle spielen sowohl die sogenannte „creole mama“, als auch die „black overseers“. Erstere war eine ältere Frau, die auf die nicht arbeitsfähigen Kleinkinder der anderen Sklaven aufpasste und zweiterer war ein Sklave der die Aufsicht auf die anderen Sklaven hatte, aber auch mit den weißen Plantagenbesitzern hatte. All dies zeigt, dass Plantagenkreols einen weitaus höheren Wortschatz und eine höhere Grammatik hatten, als es der Name vielleicht andeutet. Zudem stimmen die allgemeinen KZ-ähnlichen Bilder in den Köpfen der Allgemeinheit über die Sklaverei nicht ganz überein mit der damaligen Realität. Es gab durchaus sexuelle Beziehungen, Begräbnisse, festliche Rituale und manchmal auch einen kleinen Handel zwischen den Sklaven. Erst so konnten Plantagenkreols so wichtig werden und dementsprechend wurden auch die Sprachen immer komplexer und wichen immer mehr von den ursprünglichen Pidginsprachen ab.

Als zweite Art sind die Fortkreols zu nennen. Forts sind befestigte Stützpunkte, welche damals besonders an der westafrikanischen und den karibischen Küsten erbaut wurden, um die Kolonien zu schützen. Fortkreols nutzte man als Kontaktsprache zwischen Afrikanern unterschiedlicher Herkunft und zwischen afrikanischen Sklaven und Europäern, um die Verteidigung zu organisieren. Außerdem lebten viele Weiße auch mit afrikanischen Frauen zusammen und entwickelten Beziehungen zu ihnen. So wurden die Fortkreols erweitert, bis hin zu den Kindern von Weißen und Schwarzen, die besonders stark von den Fortkreols geprägt wurden.

Maroonkreols sind die letzte Art von Kreolsprachen. Sie entwickelten sich von Sklaven, die von den Plantagen geflohen waren und nun in kleineren Gemeinschaften relativ isoliert von den Plantagen lebten. Da die Sklaven aber meist schon die Plantagenkreols sprachen, sind Maroonkreols diesen sehr nahe und unterscheiden sich normalerweise kaum von den Plantagenkreols.

Eine andere Form der Differenzierung von Kreolsprachen nimmt Chaudenson vor, der zwischen indogenen und exogenen Kreolsprachen unterscheidet. Indogene Kreolsprachen sind Sprachen, wo immer noch die Muttersprache der Sklaven gesprochen wurde und mit exogenen Kreolsprachen werden die Sprachen bezeichnet, wo die Muttersprache der kreolisierten Bevölkerung nicht mehr gesprochen wurde.

4. Papiamientu als spanisch basierte Kreolsprache

Im letzten Teil dieser Arbeit soll das Papiamentu genauer betrachtet werden. Nachdem ein historischer Einblick gegeben wird, sollen Merkmale und Besonderheiten der Kreolsprache gezeigt werden, bevor im letzten Abschnitt die aktuelle Sprachverwendung des Papiamentus dargestellt werden, um abschließend ein Résumé zu ziehen.

4.1. Vergangenheit und Gegenwart - Zur Herausbildung des Papiamentus

4.1.1 .Geschichtlicher Umriss der ABC - Inseln

Papiamientu ist eine Kreolsprache, die von circa einer viertel Million Einwohnern der sogenannten ABC - Inseln (Aruba, Bonaire, Curacao) gesprochen wird. Der Name der Sprache ist die substantivierte Form des Verbes „papia“, was entweder aus dem Portugiesischen oder dem Spanischen kommt und beides in etwa dieselbe Bedeutung hat (Spanisch „papear“: „lallen, plappern; Portugiesisch „papear“: „flüstern, schwatzen“) Entdeckt wurde die größte der drei Inseln Curacao bereits 1499 durch den Spanier Alonso de Ojeda. 1527 gliederte man alle drei Inseln in das spanische Königreich ein, nachdem man 8 Jahre zuvor die einheimischen Indios nach Hispaniola gebracht wurden. Seit 1634, als die Holländer die Inseln eroberten, entwickelte sich Curacao zum „Sklavendepot der Holländer für ganz Amerika“ (Bernecker, 1995, S.246). Zu den zwei Bevölkerungsgruppen der Holländer und der Sklaven, die circa zu 33% aus der Region Kongo - Angola und zu zwei Dritteln aus Westafrika stammten, kamen ab 1659 sephardische Juden aus Brasilien, Portugal und Amsterdam. Diese sprachen Portugiesisch, Spanisch sowie Ladino und stellten in den folgenden Jahrhunderten etwa die Hälfte weißen Einwohner. Als Juden standen sie zwar gesellschaftlich unter den Holländern, jedoch über den Sklaven, weshalb Bernecker sie zutreffender Weise als „Unterschicht der Oberschicht“ (Bernecker 1995: S.247) beschreibt. Portugiesisch galt lange Zeit als Amtssprache, wurde aber im Laufe des 18. Jahrhunderts vom Niederländischen abgelöst. Heute sind die ABC - Inseln autonome Länder, die jedoch Teil des niederländischen Königreiches sind. Amtssprachen sind das Niederländische und Papiamento, wobei letztere die dominantere Verkehrssprache ist. So sprechen 82,8 % der Einwohner Curacaos, 91,4 % der Menschen auf der Insel Bonaire und 70, 7 % auf der Aruba Papiamentu.

4.1.2. Monogense vs. Polygenese - Zwei Theorien zur Entstehung des Papiamentus

Es gibt viele verschiedene Theorien, welche die Genese des Papiamentus beschreiben. Folgend sollen nun die zwei bedeutendsten davon vorgestellt und bewertet werden; die Monogenese und die Polygenese.

Die Vertreter der erstgenannten Theorie beleuchten den Aspekt der Existenz eines portugiesischen Proto - also Ursprungspidgin in Afrika genauer. Dieses sogenannte afroportugisisches Protokreol, kurz APPK soll, als Sprache der afrikanischen Sklaven, der Ausgangspunkt sämtlicher Pidginsprachen gewesen sein. Später soll es, abhängig der Region, von den unterschiedlichen Superstratsprachen modifiziert wurden sein. Im Falle des Papiamentus wären das das Niederländische, das Portugiesische und das Spanische Der Einfluss afrikanischer Pidgins auf Kreolsprachen ist ohne Zweifel zutreffend und für die Kreolisierung von wichtiger Bedeutung. Jedoch sind sie für das Papiamentu nicht haltbar. Anhand der Daten lässt sich erkennen, dass die Sklaven nur eine sehr kurze Zeit in den jeweiligen Sklavenlagern auf Curacao blieben und dann vorwiegend nach Kolumbien, Brasilien oder Venezuela verkauft wurden. Die Aufenthaltsdauer und dementsprechend der Kontakt der Sklaven mit Weißen, Aufsehern oder Seefahrern war demnach viel zu kurz um einen entscheidenden Einfluss zu gewährleisten. Außerdem lassen sich in eben jenen Ländern keine Spuren der Kreolsprache finden. Nichtsdestotrotz ist klar ersichtlich, dass eine Modifizierung durch Superstratsprachen, vor allem durch das Spanische, stattgefunden hat. Zahlreiche Wörter sind aus dieser Sprache entlehnt und sorgten erst dafür, dass das Papiamentu so einen großen Wortschatz besitzt.

Die Polygenese dagegen sagt aus, dass Kreolsprachen dort entstanden sind, wo man sie heute noch spricht; in diesem Fall also auf den ABC - Inseln. Bartens datiert den Zeitpunkt dieser Polygense auf das späte 17. Jahrhundert (Bartens 1995: S.247). Dies ist der Zeitpunkt, wo ein rasanter Anstieg der eingeführten Sklaven zu erkennen ist und auch die sephardischen Juden auf die Inseln kamen. Eine große Mehrheit der Zwangsarbeiter arbeitete in den Haushalten der weißen Bevölkerung und kam somit sehr oft und sehr leicht in Kontakt mit den Superstratsprachen. Die Juden galten als gute Handelspartner und waren auf Curacao gern gesehen, zumal das 8 einheimische Interesse der Niederländer an einer Überfahrt sehr gering war. Allerdings waren sie ja wie Bernecker sagte die Unterschicht der Oberschicht und hatten also wenig Prestige. Deswegen hatten sie aber auch mehr Kontakt zu den Sklaven.

Dass sich das Papiamentu als iberoromanische Kreolsprache entwickelte, anstatt zu einer niederländischen Kreolsprache, liegt für Kramer daran, dass die niederländische Sprache nur zu einem kleinen Teil wichtig für die nationale Identität ist. Weiterhin führt Kramer folgend aus: „Sprachloyalität ist keine niederländische Eigenschaft [...] Bei der niederländischen Bevölkerung gibt es kaum nationale Gefühle der Verbundenheit mit der eigenen Sprache. Daher sind Niederländer aus Gründen der Nützlichkeit immer bereit, sich anderer Sprachen zu bedienen.“(Groenboer Waarom het Nederlands geen wereldtaal is geworden (2002) zitiert aus Kramer 2004: S. 125). Die Westindien Company WIC und später die Angestellten der WIC betrieben die meisten Plantagen auf Curacao. Für den Handel benutzte man zu dieser Zeit eine Form des Portugiesischen, weshalb es die Plantagenbetreiber sprachen. Durch den vermehrten Kontakt mit spanischen Kaufmännern wurde dieses Portugiesisch aber auch noch etwas hispanisiert. Kramer geht davon aus, dass dieses Handelsportugiesisch als Kontaktsprache zwischen den Plantagenbesitzern und den Sklaven fungierte (Kramer 2004: S.136). Die gleiche Sprache wurde auch von den sephardischen Juden und den Niederländern zur Kommunikation benutzt, weswegen Kramer argumentiert, dass sich daraus die ursprüngliche Form des Papiamentus entwickelte und die es für die folgenden Generationen von Sklaven zur Muttersprache wurde.

4.2. Merkmale und Besonderheiten des Papiamentus

Das Papiamentu hebt sich von anderen Kreolsprachen hauptsächlich durch zwei wichtige Merkmale hervor. Zum einen hat es ein relativ hohes Prestige, was für Kreolsprachen eher untypisch ist. Dies soll unter anderem dadurch entstanden sein, dass Kindermädchen oftmals Papiamentu gesprochen haben. Dadurch kamen die reichen, privilegierten Kinder bereits sehr früh in Kontakt mit der Kreolsprache, was nur für eine Erhöhung des Prestiges sorgen konnte. In welchem Maße dies allerdings geschehen ist, kann momentan noch nicht ausreichend geklärt werden. Zweitens lässt sich feststellen, dass es für das Papiamentu kein homogenes Superstrat gab. Dies bedeutet, dass sowohl Wortschatz, als auch grammatikalische, semantische und morphologische Phänomene nicht auf eine Sprache zurückzuführen sind. Bei den vielen verschiedenen Sprachen, die auf den ABC-Inseln zur Kommunikation genutzt wurden, gab es keine Sprache, die so ein extrem hohes Prestige erreichen konnte, dass sie zu der einen wichtigen Superstratsprache werden konnte. Stattdessen koexistierten das Niederländische, das Portugiesische und das Spanische relativ friedlich und sorgten so dafür, dass es zahlreiche Entlehnungen des Papiamentus aus allen drei Sprachen entwickelten. Anbei soll nun eine Tabelle mit dem Grundvokabular des Papiamentus und den drei Superstratsprachen als Beweis dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(überarbeitet übernommen von Wikipedia)

Im Folgenden werden nun noch kurz sprachliche Merkmale des Papiamentus dargestellt. Im Papiamentu bleiben Subjekt und Prädikat immer unveränderlich. Statt Verben zu konjugieren, benutzen die Sprecher des Papiamentu Zeit- und Aspektpartikel. Außerdem findet keine sprachliche Unterscheidung zwischen den verschiedenen Geschlechtern statt. Der Wortschatz stammt überwiegend aus dem Spanischen oder dem Portugiesischem. Der Rest des Vokabulars, circa 40 %, stammt aus dem Niederländischen oder dem Französischen. Im täglichen Sprachgebrauch fällt zudem auf, dass Papiamentu eine tonale Sprache ist, was bedeutet, dass Tonhöhe und die Betonungen bedeutungsunterscheidend sind. Sind die ersten Merkmale typisch für eine spanisch basierte Kreolsprache, ist letzteres Merkmal doch eher untypisch, da man dieses in der Regel mit asiatischen Sprachen verbindet.

4.3. Die aktuelle Sprachsituation des Papiamentus

Um einen geeigneten Einblick in die aktuelle Sprachsituation des Papiamentus zu geben, werden die Bereiche aktueller Gebrauch, Papiamentu in den Medien und im Bildungswesen, sowie die Standardisierung und einige Varietäten genauer beleuchtet, um ein Gesamtbild entstehen zu lassen.

4.3.1. Aktueller Gebrauch

Tabelle 2: Familiensprachen auf den ABC-Inseln

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Cenco de 1981 (Maurer 1998 : 143)

Diese Tabelle von Maurer aus dem Jahr 1998 zeigt, dass Papiamentu die Standartsprache auf den den ABC - Inseln ist. Circa 85 % der Einwohner der drei Inseln gaben an, Papiamentu in häuslicher Umgebung zu sprechen. Dies zeigt eine sehr hohe Dominanz der Kreolsprache. Bemerkenswert ist außerdem, dass das Niederländische als zweite Amtssprache nur von 6 % der Bevölkerung zuhause gesprochen wird und Englisch dicht mit 5,5 % folgt. Das ist insofern beachtlich, da das Englische beim Entstehungsprozess des Papiamentus nicht beteiligt war. Obwohl circa 65 % des Wortschatzes aus dem iberoromanischen Sprachraum stammen, nehmen diese Sprachen nur einen marginalen Prozentsatz in dieser Erhebung ein. Dies beweist, dass das Papiamentu ein sehr hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt und es ist unwahrscheinlich, dass das Papiamentu diese Stellung verliert. Vielmehr gehen Forscher davon aus, dass das Papiamentu seine Vormachtstellung ausbauen wird.

4.3.2. Papiamentu in den Medien und im Bildungssektor

Auch in den Medien zeigt sich die Vormachtstellung des Papiamentus. Auf der Hauptinsel Curacao gibt es acht Tageszeitung, wobei sechs von ihnen auf Papiamentu gehalten sind und lediglich zwei auf Niederländisch schreiben (Joubert 2002:161).

Auf den ABC Inseln gibt es circa 20 Radiostationen, wovon nur eine auf Niederländisch sendet, während die restlichen die kreolische Sprache benutzen.

In den Parlamenten der ABC-Inseln wird zwar nur Papiamentu gesprochen, aber die Dokumente werden auf Niederländisch verfasst (Joubert 202: 161). Schaut man sich das Bildungswesen an, sind Prozesse zu beobachten, die gegenüber dem täglichen Gebrauch als sehr 11 verwunderlich einzustufen sind. Zwar war Papiamentu bis 1936 ein integrales Pflichtfach in den Schulen, wurde aber durch ein Gesetz im selbigen Jahr verboten und das Niederländische wurde als einzige Unterrichtssprache tituliert. Daraufhin sanken die Schulleistungen rapide, was wiederrum zur Folge hatte, dass die Wiedereinführung des Kreolischen gefordert wurde. Dies geschah allerdings erst 1986 in den Grundschulen und erst 2003 in den weiterführenden Schulen.

4.3.3. Standardisierung und Varietäten

Zwar wurde das erste schriftliche Zeugnis des Papiamentus 1776 gefunden, was allerdings nicht bedeutete, dass es bald zu einer standardisierten Form der Kreolsprache kommen sollte. Erst 1953 veröffentlichte Antoine Maduro ein Buch zur Orthographie und zur Herkunft der Wörter des Papiamentus. Dabei verwendete er meist die etymologische Rechtschreibung. Dies sorgte jedoch für viele Probleme, da circa 28 % des Wortschatzes aus dem Niederländischen stammten und die Kinder bereits zu dieser Zeit kaum in Kontakt dieser Sprache kamen. Dies war auch eine Ursache für die bereits erwähnten schlechten Schulleistungen. Kritiker forderten nun, statt einer etymologischen Rechtschreibung eine phonologische Schrift zu benutzen. Für diesen Streit gab es lange Zeit keine Lösung und so beschloss die Regierung der Niederländischen Antillen 1984 die „Komishon Standarisashon di Papiamentu“ zu gründen. Die Insel Aruba stieg allerdings zwei Jahre später aus dieser Kommission aus und gründete ihre eigene. Bis 2002 waren laut Joubert so erst circa 6000 Wörter standardisiert. Dies ist auch der Grund, warum das Parlament zwar Papiamentu spricht, aber eben die Dokumente auf Niederländisch verfasst. Zum Vergleich: der deutsche Sprachwortschatz hat circa 300 000-350 000 Wörter.

Varietäten lassen sich dadurch auch schwer untersuchen. Maurer betont allerdings, dass es typische Varietäten auf den einzelnen Inseln gibt, die sich durchaus merklich unterscheiden. Es gibt für die Insel Curacao noch eine Einteilung von Van Wijk, welche allerdings aus dem Jahr 1958 stammt. Er unterscheidet zwischen dem Papiamentu der Nachfahren der sephardischen Juden, die einen erhöhten Anteil spanisch basierter Wörter benutzen, dem Papiamentu mit sehr starken niederländischen Einfluss und dem Standardpapiamentu, welches eine Mischform aus beiden vorherigen ist (Monteanu 1996: 180).

4.3.4. Beurteilung des Gesamtbildes

Beinahe konträr stehen sich die Entwicklungen des täglichen Gebrauches und der sehr langsamen Standardisierung entgegen. Obwohl Papiamentu von knapp 90 % der Menschen alltäglich gebraucht wird, gibt es bis heute kein ausreichendes Standardwerk für die Kreolsprache. Dies zeigt wie wichtig die mündliche Überlieferung der Kreolsprache ist und was für ein sehr hohes Prestige sie hat. Wären andere Superstratsprachen noch präsenter auf den drei Inseln, wäre dies sehr gefährlich für die Sprache. Da die niederländische Sprache allerdings seit jeher kaum Expansionsbestrebungen zeigt, ist eine Ausbreitung dieser Sprache als zweifelhaft zu beurteilen. Durch die gegenwärtige Situation und die geographische Lage auf Inseln ist es allerdings sehr schwer für andere Sprachen ihren Einfluss zu vergrößern. Allgemein betrachtet weist die Problematik der Standardisierung Parallelen zum Spanischen auf, die dieses Problem regelten, indem sie für jedes wichtige spanischsprechende Land Sprachakademien gründeten, welche nun im konstanten Austausch miteinander stehen. Dies könnte auch eine Lösung für die ABC-Insel sein. Es wird ein spannender Prozess sein, der vermutlich jedoch noch viele Jahre dauern wird.

5. Schlussbemerkung

In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, das Papiamentu als spanisch basierte Kreolsprache zu betrachten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Papiamentu ein besonderes Phänomen in der Kreolforschung ist. Es genießt ein ungewöhnlich hohes Prestige und eine sehr hohe Dominanz im alltäglichen Gebrauch. Obwohl der Standardiserungsprozess sehr stockend vorankommt und durch die globale Welt auch die Einflüsse von anderen Sprachen nicht weniger werden, hat es integralen Bestandteil auf den ABC - Inseln. Das Papiamentu wirkt relativ stabil und kein Dekreolisierungsprozess wirkt gefährdend auf die Sprache ein. In der Zukunft ist es allerdings von Nöten, dass sich der Prozess zur Verallgemeinerung des Papiamentus beschleunigt, sodass auch offizielle Dokumente in der Kreolsprache geschrieben werden. Außerdem muss die schulische Förderung intensiviert werden und eine Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Inseln verstärkt werden. Durch die Lage der Inseln und die sehr hohe Dominanz im Alltagsgebrauch stehen dem Fortbestand der Kreolsprache eigentlich keine externen Faktoren im Weg. Viel mehr wirkt es so, dass die Sprache mit sich selbst zu kämpfen hat bzw. die Sprecher es zu tun haben. Für die Zukunft werden diese Fragen spannend zu beobachten sein.

Literaturverzechnis

- Bachmann, Iris: Die Sprachwerdung des Kreolischen. Eine diskursanalytische Untersu­chung am Beispiel des Papiamentu. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2005,
- Bartens, Angela: Die iberoromanisch-basierten Kreolsprachen: Ansätze der linguistischen Beschreibung. Peter Lang, Frankfurt am Main u.a. 1995,
- Bollée, Annegret: Beiträge zur Kreolistik. Annegret Bollée. Herausgegeben sowie mit Vor­wort, Interview, Schriftenverzeichnis und Gesamtbibliographie versehen von Ursula Reutner als Festgabe für Annegret Bollée zum 70. Geburtstag. Helmut Buske Verlag, Ham­burg 2007
- Boretzky, Norbert: Kreolsprachen, Substrate und Sprachwandel. Harrassowitz, Wiesbaden 1983
- Joubert, Sidney: La estandarizaciön de una lengua criolla: elpapiamento, in: Matthias Perl, Klaus Pörtl (Eds.), Estudios de lingüistica hispanoamericana, brasilena y criolla; Bd. 35. Frankfurt a.M / Berlin: Peter Lang, S.149-169. (2002):
- Holm, John A.: Pidgins and Creoles. Cambridge University Press, Cambridge u.a. 1988.
- Kramer, Johannes: Die iberoromanische Kreolsprache Papiamento: eine romanistische Darstellung, Hamburg: Buske 2004
- Knörr, Jacqueline: Kreolisierung versus Pidginisierung als Kategorien kultureller Differen­zierung: Varianten neoafrikanischer Identität und Interetethik in Freetown/Sierra Leone. LIT Verlag, Münster u.a. 1995
- Lefebvre, Claire: Creoles, their Substrates, and Language Typology. John Benjamins
- Maurer, Philippe: Die Verschriftung des Papiamentu”, in: Wolfgang Dahmen et al. (Eds.), Zum Stand der Kodifizierung romanischer Kleinsprachen, Tübingen: Narr, S. 349-362 (1991)
- Pagel, Steve: Spanisch in Asien und Ozeanien. Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. 2010,
- Perl Matthias,Schwegler Matthias: América negra: panorâmica actual de los estudios lingüisticos sobre variedades hispanas, portuguesas y criollas. Vervuert Verlag, Frankfurt a.M., Iberoamericana, Madrid 1998
- Todd, Loreto: Pidgins and Creoles. Routledge, London, 1990

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16 von 16 Seiten

Details

Titel
Pidgin- und Kreolsprachen. Hat Papiamentu eine Zukunft?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Insititut für Romanistik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V924456
ISBN (Buch)
9783346236678
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papamientu, Pidginsprachen, Kreolsprachen
Arbeit zitieren
Erik Wießner (Autor), 2020, Pidgin- und Kreolsprachen. Hat Papiamentu eine Zukunft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924456

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