Die Kommerzialisierung des Sports hat dazu geführt, dass sich ehemals ehrenamtlich geführte Vereine bezüglich ihres Umsatzes und der Mitarbeiterzahl längst zu mittelständischen Unternehmen entwickelt haben. Neben der Konkurrenz um sportlichen Erfolg rückt dadurch für die Clubs zunehmend der stetig steigende wirtschaftliche Wettbewerb in den Fokus. Im Mittelpunkt steht dabei eine strategische Neuausrichtung und deren Teilaspekte, z.B. die Fokussierung auf Kernkompetenzen, Kostensenkungsprogramme, Business Reengineering sowie die Hebung und der Ausbau von Erfolgspotenzialen. Da es bisher jedoch wenige Überlegungen zu strategischem Management bei Fußballclubs gibt, gilt es zunächst folgende Frage zu beantworten:
- Welche Besonderheiten müssen beim strategischen Management eines Fußballunternehmens berücksichtigt werden?
Ein Instrument, das im strategischen Management vor allem bei der Strategieimplementierung eingesetzt wird, ist die Balanced Scorecard (BSC). Bei Unternehmen, die bisher noch nicht nach einer einheitlichen Strategie geführt werden, kann sie darüber hinaus auch bei der Strategieentwicklung helfen. Da dies bei einer Mehrzahl der Fußballclubs der Fall sein dürfte, wird im zweiten Teil der Arbeit folgende Frage geprüft:
- Wie kann, unter Berücksichtigung der erörterten Besonderheiten, eine BSC zur Strategieumsetzung bei einem Fußballunternehmen ausgestaltet sein?
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
I. Problemstellung
II. Gang der Untersuchung
III. Stand der Forschung
B. Theoretische und begriffliche Grundlagen
I. Begriffsbestimmung professioneller Fußball und Fußballunternehmen
II. Strategisches Management und Balanced Scorecard
C. Der professionelle Fußball in Deutschland
I. Wettbewerbe und Organisationen im professionellen Fußball
1. Organisation und Struktur des Berufsfußballs in Deutschland
2. Die Bundesliga als Markt für Fußballunternehmen
II. Aktuelle Entwicklungen im professionellen Fußball
1. Zunehmende gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Branche
2. Neuartige Anforderungen an das Management von Fußballunternehmen
D. Charakteristika professioneller Fußballunternehmen
I. Rechtsform und Unternehmensziel
II. Interdependenz von sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg
III. Hohe Bedeutung des Humankapitals
IV. Emotionale Bindung der Fans
V. Assoziative Konkurrenz
E. Wesentliche Treiber des Erfolgs von Fußballunternehmen
I. Wirtschaftliche Aktivitäten von Fußballunternehmen
1. Einnahmestruktur von Fußballunternehmen
2. Ausgabenstruktur von Fußballunternehmen
II. Treiber des sportlichen Erfolgs
1. Effiziente Nachwuchsarbeit
2. Funktionierendes Scouting zur ständigen Rekrutierung von Humankapital
III. Treiber des wirtschaftlichen Erfolgs
1. Steigerung der Zuschauereinnahmen
2. Aufbau, Positionierung und Steuerung einer „eigenen Marke“
3. Ökonomisch sinnvolle Diversifikation
4. Integration eines modernen Vergütungssystems
5. Sonstige Treiber des wirtschaftlichen Erfolgs
F. Strategische Führungsinstrumente für Fußballunternehmen
I. Bedeutung strategischer Fragestellungen für Fußballunternehmen
II. Anforderungen an ein strategisches Führungsinstrument
G. Strategieentwicklung und –umsetzung in Fußballunternehmen mittels BSC
I. Vorstellung des Modellvereins FC Diplomarbeit 06
II. Strategische Grundlagen für den FC Diplomarbeit 06
1. SWOT-Analyse
2. Entwicklung einer Vision für den FC Diplomarbeit 06
III. Entwicklung einer BSC für den FC Diplomarbeit 06
1. Festlegung der Grundarchitektur
2. Konkretisierung strategischer Ziele
3. Darstellung von Ursachen-/Wirkungsketten mittels Strategy Map
4. Festlegung von Messgrößen, Zielwerten und strategischen Maßnahmen
H. Bewertung der BSC als strategisches Führungsinstrument für Fußballunternehmen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie strategisches Management und insbesondere die Balanced Scorecard (BSC) in professionellen Fußballunternehmen implementiert werden können, um den wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen bei gleichzeitiger Wahrung des sportlichen Erfolgs zu begegnen.
- Besonderheiten des strategischen Managements in Fußballunternehmen
- Die Balanced Scorecard als Instrument zur Strategieentwicklung und -umsetzung
- Analyse von Erfolgsfaktoren (sportlich und wirtschaftlich) im Profifußball
- Entwicklung eines Modellvereins zur praktischen Anwendung der BSC
Auszug aus dem Buch
I. Rechtsform und Unternehmensziel
Im deutschen Vereinsfußball konnten bis zur Änderung des Lizenzspielerstatuts im Oktober 1998 lediglich eingetragene Vereine die Bundesligalizenz erwerben. Seitdem ist es den Clubs freigestellt, Lizenzspielabteilungen in einer beliebigen Rechtsform auszugliedern. Voraussetzung ist lediglich, dass der Dachverein weiterhin als e.V. geführt wird und mindestens 50% der Stimmrechte der ausgegliederten Gesellschaft besitzt. Das Hauptargument der Fußballunternehmen, einen Rechtsformwechsel durchzuführen, ist dabei die verbesserte Möglichkeit der Kapitalbeschaffung.
Für das Zielsystem eines Fußballunternehmens hat die Rechtsform entscheidende Bedeutung: Während für Kapitalgesellschaften davon ausgegangen werden kann, dass sie wirtschaftliche Ziele (Gewinnmaximierungsziele) verfolgen, stehen für gemeinnützige Vereine laut Satzung andere Ziele im Fokus, so z.B. die Ertüchtigung der Mitglieder oder die Jugendbetreuung.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Einführung in die Problemstellung des strategischen Managements im Profifußball und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
B. Theoretische und begriffliche Grundlagen: Definition der zentralen Begriffe und Vorstellung des Konzeptes des strategischen Managements sowie der Balanced Scorecard.
C. Der professionelle Fußball in Deutschland: Detaillierte Betrachtung des Marktumfeldes, der Wettbewerbsstrukturen und der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen im deutschen Profifußball.
D. Charakteristika professioneller Fußballunternehmen: Untersuchung spezifischer Besonderheiten wie Rechtsform, Interdependenz von sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg sowie der Bedeutung von Humankapital und Fankultur.
E. Wesentliche Treiber des Erfolgs von Fußballunternehmen: Analyse der Einnahme- und Ausgabenstrukturen sowie der entscheidenden Faktoren für sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg.
F. Strategische Führungsinstrumente für Fußballunternehmen: Diskussion der Notwendigkeit strategischer Planung und Ableitung von Anforderungen an Instrumente im Profifußball.
G. Strategieentwicklung und –umsetzung in Fußballunternehmen mittels BSC: Entwicklung und Anwendung einer Balanced Scorecard an einem fiktiven Modellverein, dem FC Diplomarbeit 06.
H. Bewertung der BSC als strategisches Führungsinstrument für Fußballunternehmen: Kritische Evaluierung der Eignung und Grenzen der BSC als Führungsinstrument im speziellen Branchenkontext des Profifußballs.
Schlüsselwörter
Profifußball, Strategisches Management, Balanced Scorecard, Fußballunternehmen, Sportökonomie, Erfolgstreiber, Personalmanagement, Scouting, Nachwuchsförderung, Markenführung, Diversifikation, Vereinsmanagement, Zielsysteme, Finanzierung, Unternehmenssteuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit widmet sich dem strategischen Management von professionellen Fußballclubs und der Entwicklung einer Balanced Scorecard (BSC) als maßgeschneidertes Führungsinstrument.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Besonderheiten von Fußballunternehmen, die Identifikation von sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgstreibern sowie den Transfer von betriebswirtschaftlichen Managementmethoden auf den Profifußball.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, eine Antwort auf die Frage zu geben, wie Fußballunternehmen durch eine BSC ihre Strategien entwickeln und operativ erfolgreich umsetzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine fundierte Literaturanalyse durchgeführt, ergänzt durch Experteninterviews, um den theoretischen Rahmen zu spannen, welcher anschließend anhand eines konstruierten Modellvereins (FC Diplomarbeit 06) praktisch angewendet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Branche, die Identifikation von Erfolgsfaktoren (z.B. Humankapital, Marke) und die schrittweise Konstruktion und Bewertung einer BSC für einen Modellclub.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Profifußball, Strategisches Management, Balanced Scorecard, Erfolgstreiber und Vereinsführung charakterisieren.
Warum ist eine spezielle BSC für Fußballvereine notwendig?
Aufgrund der besonderen Zielpluralität zwischen sportlichem Erfolg und wirtschaftlicher Stabilität sowie der hohen Bedeutung immaterieller Werte, wie der emotionalen Fanbindung, reicht eine klassische, rein finanzorientierte Unternehmenssteuerung nicht aus.
Welche Rolle spielt der Modellverein "FC Diplomarbeit 06"?
Er dient als praxisnahe Fallstudie, um zu illustrieren, wie die abstrakten Anforderungen an ein strategisches Führungsinstrument in konkrete Ziele, Messgrößen und Maßnahmen innerhalb einer BSC übersetzt werden können.
Wie bewertet der Autor den Nutzen der BSC?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die BSC bei entsprechender fachlicher Expertise als wertvolles Instrument zur Professionalisierung und Steuerung von Fußballunternehmen dienen kann, insbesondere um eine Brücke zwischen sportlicher Vision und betriebswirtschaftlicher Realität zu schlagen.
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- Diplomkaufmann Christian Wilhelms (Author), 2007, Strategisches Management professioneller Fußballclubs und Erstellung einer beispielhaften Balanced Scorecard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92445