Die Geld-, Währungs- und Handelspolitik Chinas


Seminararbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Liberalisierung ab 1978
2.1 Handelspolitik
2.2 Entstehung zwei unterschiedlicher Wechselkurse
2.3 Währungskopplung an den USD

3. Der WTO Beitritt

4. Chinesische Geldpolitik zur Steuerung der Inflationsrate
4.1 Chinesische Instrumente zur Steuerung der Geldmenge
4.2 Ursachen und Lösungen der hohen Inflationsrate 1994
4.3 Ursachen und Lösungen der Deflation zwischen 1998 und 2003
4.4 Renminbi unter aktuellem Inflationsdruck

5. Analyse der heutigen Währungspolitik
5.1 Steigender Aufwertungsdruck gegenüber des USD
5.2 Renminbi Kopplung an einen Währungskorb

6 Heutige Handelspolitik Chinas

7 Schlussbetrachtung

I Anhang

II Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“Steigt Chinas Staatsfond in die globalen Rohstoffkonzerne ein?“ so titelte eine deutsche Finanzzeitschrift 2007.1 Die Angst vor China, aber auch die Chancen, die eine solch große Volkswirtschaft mit sich bringt, werden auf der Welt immer stärker diskutiert. So blickt man auf ein recht stabiles jährliches Wachstum von ca. 9% innerhalb der letzten 15 Jahre, welches die Volksrepublik vor allem durch die fortlaufende Liberalisierung und den dadurch wachsenden Handel erreichte. Bei der Geldpolitik wiederum schaut man auf volatile Inflationsraten und immer noch planwirtschaftliche Elemente zur Geldmengensteuerung. In der Währungspolitik nimmt China dagegen für die Weltwirtschaft eine immer wichtigere Rolle ein.

Ziel dieser Seminararbeit ist es, einen Überblick über die Entwicklung und den heutigen Stand der Geld-, Währungs- und Handelspolitik Chinas zu geben. Hierbei wird auf die wichtigsten Etappen der Entwicklung eingegangen und immer wieder ein Bild der heutigen und zukünftigen Position gegeben. Auf der ersten Seite werden die handelswirtschaftlichen Strategien der chinesischen Führung seit der Öffnung 1978 ausgeführt.

Im nächsten Teil wird auf die Entwicklung der Währungspolitik eingegangen und das System der langen Dollarbindung erklärt.

Anschließend behandelt diese Seminararbeit den WTO Beitritt und die daraus resultierenden Folgen. Im Anhang (Teil 1) wird hierzu speziell auf die Dumping Vorwürfe gegen China eingegangen.

Der darauf folgende Abschnitt beschäftigt sich mit den Problemen und Lösungen der chinesischen Inflation und Deflation. Außerdem wird hier ein Überblick über die geldpolitischen Instrumente der chinesischen Regierung und Zentralbank gegeben.

Nachdem die Geldpolitik Chinas erläutert wurde, wird auf die Entstehung der Währungsreserven, welche auch eine bedeutsame Inflationsursache darstellen, eingegangen. Speziell wird hier die Bindung der chinesischen Währung an den USD und die daraus entstehende Unterbewertung behandelt.

Im Anhang (Teil 2) finden sich auch zu diesem Thema weitere Informationen. Es werden die Vor- und Nachteile der Unterbewertung ausführlich erklärt und auf den Nutzen bzw. die Schwachstellen des fixierten Wechselkurses eingegangen.

Im nächsten Gliederungspunkt wird das von China gewählte Wechselkursmodell des Währungskorbs erklärt und das Ausmaß der Unterbewertung neu bemessen. Der vorletzte Teil nutzt nun die Informationen über Währungs- und Geldpolitik sowie den WTO Beitritt, um ein abschließendes Bild des chinesischen Außenhandels zu geben.

Zum Schluss werden die gewonnen Informationen bewertet und es wird ein Blick in die Zukunft Chinas gewagt, speziell für weitere Entwicklung der Geld-, Währungs- und Handelspolitik.

2. Liberalisierung ab 1978

2.1 Handelspolitik

Vor 1978 war das Wirtschaftssystem Chinas eine staatlich gelenkte Planwirtschaft, erst nach dem Tod von Mao Zedong und der Machtübernahme Deng Xiaopings im Dezember 1978 setze ein Prozess der Reformen ein, welcher China verändern sollte.2

Als erster Ansatz wurde von der neu ausgerichteten Regierung die Importsubstitution ins Auge genommen, so wurden durch hohe Zölle und Quoten Importe erschwert und somit die Selbstfertigung attraktiver gemacht. Außerdem wurden vier Sonderwirtschaftszonen eingerichtet, in denen mit ausländischem Kapital Unternehmen gegründet werden konnten.3 Diese Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung hatten weit reichende Sonderprivilegien wie den leichteren Zugang zu Rohstoffen, niedrigere Steuersätze, besseres Stromnetz, höheren Schutz der Eigentumsrechte, leichtere Genehmigungsverfahren und einfacheren Zugang zu Devisen, um nur die Bedeutendsten zu nennen.4

Ausländische Investoren konnten jetzt zu Weltmarktbedingungen produzieren und die billige Arbeit in China nutzen. Als Folge dessen, flossen in den darauf folgenden Jahren, Milliarden USD, ausländische Direktinvestitionen (ADI) in die Sonderwirtschaftszonen.5 China erschloss sich dadurch Zugang zu neuem Wissen, Produkten und ausländischem Kapital, außerdem schufen die ADI indirekt Arbeitsplätze, welche die Volksrepublik benötigte, um Entlassungen in den dringend zu sanierenden Staatsbetrieben auszugleichen.

Seitdem Mitte der achtziger Jahre eine weltweite Tendenz; weg von Importsubstitution stattfand, rückte China 1987 die Exportorientierung in den Mittelpunkt ihrer rasch entwickelnden Wirtschaftspolitik. Als erstes wurden mit inländischen, meist noch zu 100% staatlichen Unternehmen, welche bereits Außenhandelsrechte hatten, Management-Verantwortungsverträge geschlossen.6 Diese regelten die Aufteilung des Gewinns und der Deviseneinnahmen zwischen Staat und Unternehmen. Außerdem wurden immer häufiger gewinnabhängige Entlohnungsformen für Manager in den Staatsbetrieben eingeführt und deren Entscheidungsspielraum erweitert.

Das Interesse ausländischer Investoren an dem florierenden Wirtschaftsaufschwung der chinesischen Ostküste teil zu haben wuchs ständig, vor allem Investoren angrenzender Länder entdeckten den gewinnversprechenden Produktionsstandpunkt. Ein weiterer bedeutsamer Punkt des Aufschwungs war, der niedrige Wechselkurs des chinesischen Renminbi - in der Einheit Yuan - welche nicht nur chinesische Exporte verbilligte, sondern auch ADI attraktiver machte.

2.2 Entstehung zwei unterschiedlicher Wechselkurse

Vor 1978 war der Wechselkurs des Renminbi für China und die Weltwirtschaft aufgrund der niedrigen Handelsbedeutung eher uninteressant. Im Zuge der Öffnungspolitik wurde 1981 ein zweiter - von der Regierung festgelegter - Wechselkurs für bestimmte Handelsgeschäfte eingeführt. In diesem System konnten Unternehmen Devisen für den Import benötigter Waren kaufen und überschüssige Devisen verkaufen. 1985 wurde dieses System aufgrund des komplizierten Antragsverfahrens wiederum verändert. 7

Neben dem staatlich fixierten einheitlichen Wechselkurs wurde ein zusätzliches Devisentransaktionssystem geschaffen, in dem zum ersten Mal der Wechselkurs des Renminbi durch Angebot und Nachfrage bestimmt war, jedoch hatten nur Unternehmen mit ausländischer Kapitalbindung Zugang zu diesen Devisen-Swap- Märkten.

Die freie Kursbildung führte zunehmend zu einem Auseinanderdriften der beiden Währungskurse. 1993 lag der marktmäßig bestimmte Kurs 50% unter dem staatlich fixierten. Dies führte nicht nur zu verbotenen, aber extrem gewinnbringenden Arbitragegeschäften, sondern auch zur nachlassenden Konkurrenzfähigkeit der Staatsbetriebe.8

2.3 Währungskopplung an den USD

Dieses absurde System wurde 1994 mit Hinblick auf die gerade genannten Probleme abgeschafft und die chinesische Regierung führte einen einheitlichen Wechselkurs ein. Dabei wurde der staatlich fixierte Kurs abgewertet und an den, der Swapmärkte angepasst. 9

Dieser neue Einheitskurs war zwar offiziell flexibel, jedoch orientierte die People`s Bank of China den Wechselkurs sehr stark an dem USD. So konnte die PBC den Wechselkurs stabil halten, begab sich jedoch in kein Verpflichtungsverhältnis und konnte ihre Politik (wenn auch sicherlich nicht ohne das Einverständnis der Regierung) unabhängig durchsetzen. Der Renminbi (RMB) wertete sich von der Einführung 1994 bis 1996 von 8,618 RMB je USD auf 8,277 RMB ab und blieb danach neun Jahre (mit einer maximalen Abweichung von 0,001) konstant.10

Gleichzeitig wurde 1994 mit der gerade beschriebenen Reform der Zugang zum Devisenmarkt für Handelstransaktionen erheblich erleichtert. Der reine Kapitalverkehr ohne außenwirtschaftlichen Hintergrund hingegen ist bis heute noch stark reguliert.11 Dies mag aus ökonomischen Liberalisierungsvorteilen zunächst negativ erscheinen, da beispielsweise falsche Anreize durch fehlende marktkonforme Zinssätze entstehen. Positiv kann aber die verringerte Abhängigkeit vom Ausland gesehen werden. So konnten durch die niedrigen kurzfristigen ausländischen Einlagen in der Volksrepublik (nur 10% der Auslandschulden waren kurzfristiger Natur) in der Asienkrise größere Kapitalabflüsse verhindert werden.12

Auf die; wenn auch im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern nur leicht- gesunkene Geldmenge in der Asienkrise, reagierte die PBC mit fünf drastischen Zinssenkungen von beispielsweise 10,6% auf 3,8% für einjährige Anlagen.

Diese Zinssenkung und die glaubwürdige Aussage der People`s Bank of China den Wechselkurs im Vergleich zum USD nicht abzuwerten, ließen China die Asienkrise 1997-1998 annähernd unbeschadet überstehen. China erwies sich in dieser Zeit als wirtschaftlicher “Anker“ des asiatischen Raumes und konnte seinen Ruf als krisensichere aufstrebende Wirtschaftsnation weiter ausbauen.

3. Der WTO Beitritt

Schon bei der Gründung der WTO 1994 bewarb sich China um eine Mitgliedschaft. Die erforderliche zwei Drittel Mehrheit die China für den Beitritt benötigt hätte, scheiterte an einigen westlichen Industriestaaten. Die Volksrepublik erhielt lediglich den Beobachtungsstatus.13

Nach erfolgreichen bilateralen Verhandlungen mit den USA 1999 und Europa 2000 wurden wichtige Unterstützer für einen WTO Beitritt gefunden. Zusätzlich brachte China wichtige Reformen auf den Weg, die für einen erfolgreichen WTO Beitritt unausweichlich gewesen wären. So sicherte sich China die Zustimmung der wichtigsten Länder und wurde - wenn auch unter einigen Zugeständnissen - am 11.12.2001 Mitglied der WTO.

Damit Chinas Exportwirtschaft die günstigen Einfuhrbedingungen der anderen WTO Staaten nutzen konnte, mussten sie nicht nur den eigenen Markt dem Ausland schrittweise öffnen, sondern auch bestehende „local content-Auflagen“14 auflösen, genau wie andere „nicht tarifäre Handelshemmnisse“.15 Ein wichtiges bedeutsames Zugeständnis Chinas, war die Vereinbarung, dass die Volksrepublik von den Mitgliedsländern noch für maximal 15 Jahre nicht als Marktwirtschaft angesehen werden darf. Die genauen Auswirkungen dieser Vereinbarung werden in Teil 1 des Anhangs ausführlich besprochen.

4. Chinesische Geldpolitik zur Steuerung der Inflationsrate

4.1 Chinesische Instrumente zur Steuerung der Geldmenge

Aus den bisher angesprochenen zahlreichen Reformen ist zu erkennen, dass Chinas Wirtschaft ständig Veränderungen unterlag. Vor allem die Inflationsrate neigte durch die ständigen Reformen zu einer hohen Volatilität (siehe folgende Abbildung). China musste einen Weg finden diese zu stabilisieren.

Zur Steuerung der Geldmenge und damit der Inflationsrate nutzte China teilweise andere Möglichkeiten als die westlichen Demokratien. So waren Offenmarktgeschäfte und Kapitalmarkt nicht in ausgeprägter Form vorhanden. Dafür machte sich die PBC sehr stark die Steuerung der Geldmenge über die Mindestreserve zu nutzen, die in China großen Schwankungen unterlag, beispielsweise senkte die Zentralbank im Jahr 1998 im Rahmen der Asienkrise die Mindestreserve von 13% auf 8%.16 So konnten größere Kapitalabflüsse aus Abwertungserwartungen des Renminbi kompensiert werden.17 Zur Steuerung der Inflationsrate erließ die Regierung zusätzlich Preisobergrenzen für bestimmte Produkte. Dies führte zwar zur Stabilisierung der Inflation, da aber kein Angebot zu dem Preis die Nachfrage decken konnte, entstanden logischerweise Versorgungsengpässe. 18

Zusätzlich zu den genannten Einflussmöglichkeiten gab es lange Zeit einen vom Planungskomitee festgelegten Kreditplan. Wenn die Kreditkontingente gesenkt wurden, konnte so die Geldmenge verringert und damit die Inflationsrate gedrückt werden. An die Stelle des verbindlichen Kreditplans trat 1998 durch den Liberalisierungsprozess eine Kreditempfehlung, diese hatte für die Staatsbanken jedoch ähnlichen Bindungscharakter.19

Die traditionelle Steuerung der Geldmenge über Leitzinsen nutzt China nur sehr schwach. Zum einen besitzen chinesische Geldanleger kaum andere Alternativen für ihre Geldanlagen. Zum anderen werden Kreditentscheidungen selten am Zinssatz festgemacht, sondern eher im Rahmen von Kreditplänen. Zusätzlich war lange Zeit der Zinssatz für Chinas Unternehmen in der Investitionsplanung eher nebensächlich.20

4.2 Ursachen und Lösungen der hohen Inflationsrate 1994

1994 lag die Inflationsrate je nach Quelle zwischen 24,1% und 26%.

Eine Ursache ist zum einen die Importsubstitutionsorientierung, welche die Inflationsrate steigen ließ, da die Produkte nun kostenintensiver im Inland hergestellt werden mussten. Zum anderen nährten auch die vermehrten Exporte die Inflationsrate, da die Weltmarktpreise von den meisten inländisch hergestellten Produkten deutlich höher waren als die Inlandspreise. Dies galt vor allem bei industriell hergestellten Gütern. Eine weitere grundlegende Ursache für die hohe Inflationsrate von 1994 war, dass Staatsdefizite über die staatliche Notenpresse finanziert wurden.21

Die Steuerung der Geldmenge erwies sich für die PBC immer schwerer, da neue Finanzinstitutionen geschaffen worden waren die den Geldschöpfungs- mechanismus ankurbelten. 1995 wurde in China die Finanzierung von Staatsdefiziten durch die Notenpresse verboten und die Emittierung von Staatspapieren rückte an diese Stelle. Außerdem wurde ein neues Bankengesetz verabschiedet, welches der Zentralbank die Kontrolle der neuen Banken erleichterte. So konnte das Geldmengenwachstum und die Inflationsrate wieder in “normale“ Bahnen gelenkt werden.

[...]


1 Zitathttp://www.finanzen.net/nachricht/Steigt_Chinas_Staatsfond_in_die_globalen_Rohstoffkonz erne_ein__600679 Stand 23.04.2008.

2 Vgl. Herr (2008), URL.

3 Vgl. Fischer (2005), China S. 334.

4 Vgl. Klenner (2006), S. 70.

5 Vgl. Fischer (2005), S. 334.

6 Vgl. Pascha (2005), S. 102.

7 Vgl. Herr (2008), URL.

8 Vgl. Fischer (2005), S. 346/347.

9 Vgl. Fischer (2005), China S. 347.

10 Vgl. Hoffmann und Lanzeni (2003), URL S. 4.

11 Vgl. Fischer (2005), China S. 347.

12 Vgl. Klenner (2006), S. 35.

13 Vgl. Hoeffner (2005), URL.

14 Eine Vorschrift die Ausländer die im Inland fertigen dazu zwingt Vorprodukte aus dem Inland zu beziehen.

15 Vgl. Fischer (2005), S. 337.

16 Zum Vergleich, in der EU liegt die Mindestreserve seit langem bei 2 %.

17 Vgl. Klenner (2006) S. 85.

18 Vgl. Klenner (2006) S. 112-113.

19 Vgl. Klenner (2006), S. 24.

20 Vgl. Geiger URL S. 1.

21 Vgl. Klenner (2006), S. 51.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Geld-, Währungs- und Handelspolitik Chinas
Hochschule
Hochschule Pforzheim  (Hochschule)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V92454
ISBN (eBook)
9783638061643
ISBN (Buch)
9783640524563
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geld-Währungs-, Handelspolitik, Chinas
Arbeit zitieren
Jörg Gathmann (Autor), 2008, Die Geld-, Währungs- und Handelspolitik Chinas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92454

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