Diese Arbeit befasst sich mit zwei Themenschwerpunkten, wobei das Hauptaugenmerk auf der Glücksforschung liegt, auf welche noch einzugehen sein wird. Sie soll durch die Migrationsforschung, konkreter durch die Aussiedlerforschung, spezifiziert werden. Das besondere Interesse gilt dabei Russlanddeutschen, die als Untersuchungseinheit dienen. Geschuldet ist dies zum einen persönlichem Interesse , andererseits aber auch der nach wie vor problematischen Situation der Aussiedler. Denn waren noch bis zu Beginn der 80er Jahre Aussiedler aus Polen die stärkste Einwandergruppe (Vgl. Koller 1997, S.768; Dietz & Roll 1998, S.18f.), so wurden sie Mitte der 80er Jahre durch russlanddeutsche Aussiedler abgelöst. Spätaussiedlern, die aus der ehemaligen SU stammen, unterstellt man oftmals Benachteiligungen und Folgen durch die deutsche Volkszugehörigkeit (Vgl. Sauer 2005, S.114; Dietz & Roll 1998, S.18). Gleichzeitig waren bereits Ende der 80er Jahre zunehmend mehr Deutsche nicht mehr bereit, Aussiedler als Deutsche anzunehmen (Vgl. Roll 2003, S.31).
So könnte die Diskussion um Aussiedler kontroverser kaum sein. Zum einen unterstellt man ihnen bessere Integrationschancen gegenüber anderen Migranten aufgrund ihres Aussiedlerstatus , andererseits sind aber besonders Aussiedler verstärkt von Arbeitslosigkeit betroffen. Aussiedler von heute haben ähnliche Probleme wie andere Einwanderer und doch wird gerade von ihnen eine verstärkte Integration gefordert (Vgl. Retterath 2006). Die Auflistung der Ursachen für die Abwehrhaltung seitens der deutschen Bevölkerung ist nicht Ziel der Arbeit – aber den Weg zu einer Integration erschwert sie allemal. „Aber sind diese ‚fremden Deutschen’ mittlerweile zu fremd, um in Deutschland erfolgreich oder ‚sozial unauffällig’ integriert zu werden?“ (Brommler 2006: 109).
Seit Beginn der 90er Jahre gibt es grundsätzliche Veränderungen: Angefangen über den stetigen Rückgang der Aussiedlerzahlen , wurde die Gruppe der polnischen Aussiedler durch russlanddeutsche Aussiedler zunehmend abgelöst (Vgl. Dietz 1996, S.12; Bade 1992, S.406). Von den 59.093 Aussiedler, die 2004 nach Deutschland einwanderten, stammten 99% aus den Teilrepubliken der ehemaligen SU (Vgl. InfoDienst Deutsche Aussiedler, Nr.118).
Inhaltsverzeichnis
0.Einleitung
I. Einführung in die Glücksforschung
1. Emotionen in der Psychologie und Soziologie
1.1Definition und Bestandteile von Emotionen
1.2 Aktualität von Glück – Antike bis heute
2. Glück in der Sozialindikatorenforschung – ein Überblick
2.1 Objektivisten versus Subjektivisten
2.2 Maslows Bedürfnishierarchie
3. Glück, (Lebens-) Zufriedenheit und subjektives Wohlbefinden
4. Übersicht über die theoretische Ansätze zur Analyse des subjektiven Wohlbefindens (SWB)
4.1 Ansätze zur Systematik der Begriffe (Mayring) und Theorien (Becker)
4.2 Bottom-up / Top-down (state / trait)
4.3 Culture Theory( Diener & Lucas)
4.4 Die Livability Theorie (Veenhoven)
4.5 Soziale Vergleichstheorie (Festinger)
5. Determinanten auf das Glück
5.1 Einkommen und Arbeitslosigkeit
5.2 Gesundheit
5.3 Soziale Beziehungen
5.4 Weitere Einflussfaktoren
6. Schlussfolgerungen
II. Einführung in die Migrationsforschung
7. Untersuchungseinheit russlanddeutsche Aussiedler
7.1 Russlanddeutsche (Spät-) Aussiedler – Begriffe und gesetzliche Abgrenzung
7.2 Kurzer Exkurs : Geschichte der russlanddeutschen Aussiedler
8. Aussiedlerforschung
9. Glück und Migration
10.Schlussfolgerungen
11.Einstieg in Methoden: Sekundärdatenanalyse
III. Datenanalyse und Auswertung anhand des European Social Survey (ESS)
12. European Social Survey (ESS)
13. Das Forschungsdesign
13.1 Operationalisierung der Begriffe
13.2 Messung der Variablen und Gütekriterien
14. Das Auswahlverfahren und Stichprobenziehung
15. Datenanalyse
15.1 Übersicht über die Stichprobe des ESS 2006 /07
15.2 Überprüfung der Hypothesen
15.3 Vergleich der Stichprobe des ESS 2002 /03
16. Auswertung und Diskussion
IV. Schlussbetrachtungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Magisterarbeit untersucht das subjektive Wohlbefinden russlanddeutscher Spätaussiedler in Deutschland anhand von Daten des European Social Survey. Ziel ist es, die sozioökonomischen Bedingungen aus Sicht der Aussiedler zu bewerten und den Einfluss von Determinanten wie Einkommen, Arbeitslosigkeit, Gesundheit und sozialen Beziehungen auf deren Lebenszufriedenheit zu analysieren, wobei die Arbeit primär explorativen Charakter aufweist.
- Grundlagen der Glücksforschung und theoretische Ansätze (SWB)
- Rechtliche und historische Einordnung russlanddeutscher Aussiedler
- Empirische Sekundärdatenanalyse mittels European Social Survey (ESS)
- Messung und Einflussfaktoren auf das Glücksempfinden (Arbeit, Gesundheit, Soziales)
- Vergleich der Ergebnisse zwischen Aussiedlern und der einheimischen Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
1. Emotionen in der Psychologie und Soziologie
In diesem Abschnitt gilt es, Aussagen über die Relevanz von Emotionen nicht nur im Bereich der Psychologie, sondern besonders im Bereich der Soziologie zu erörtern. Die Prägnanz des Emotions-Begriffs rührt an dieser Stelle daher, dass Glück eine Emotion ist, die man empfinden kann (Glücksempfinden). Glück ist wie Neid oder Ärger als Emotion zu begreifen (Vgl. Flam 2002; Vester 1991).
Emotionen spielen nun nicht nur in der Psychologie, genauer der Emotionspsychologie (Vgl. Otto et al. 2000), sondern zunehmend auch in der Soziologie eine Rolle (Vgl. Schützeichel 2006, S.7). Die Emotionspsychologie hat ihre Wurzeln in der Philosophie, die sich bereits vor mehr als 2000 Jahren mit Emotionen beschäftigt hat (Vgl. Schmidt-Atzert 1996, S.13ff.). Für das Konzept der Emotionen haben sich dabei drei Komponenten entwickelt. Der Ausdruck fand Eingang durch die Mimikbeschreibungen des Arztes Piderit, das Erleben durch die Untersuchungen von W. Wundt (1903). Diese von ihm erarbeiteten Hauptdimensionen ermöglichen eine Erklärung des emotionalen Erlebens. Körperliche Veränderungen treten bei starken Emotionen auf.
Zusammenfassung der Kapitel
0.Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themen Glücksforschung und Aussiedlerforschung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem subjektiven Wohlbefinden russlanddeutscher Spätaussiedler.
I. Einführung in die Glücksforschung: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen und soziologischen Grundlagen von Emotionen, Glück und subjektivem Wohlbefinden sowie deren Erfassung in der Sozialindikatorenforschung.
II. Einführung in die Migrationsforschung: Hier werden der Begriff des Spätaussiedlers, die rechtlichen Rahmenbedingungen und der aktuelle Forschungsstand zur Integration dieser Gruppe dargestellt.
III. Datenanalyse und Auswertung anhand des European Social Survey (ESS): Dieser Teil beschreibt das Forschungsdesign, die Operationalisierung der Variablen und präsentiert die empirische Sekundärdatenanalyse sowie Diskussion der Ergebnisse.
IV. Schlussbetrachtungen und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Hypothesenprüfungen zusammen und diskutiert Implikationen sowie Ansätze für zukünftige Forschung zur Situation der Russlanddeutschen.
Schlüsselwörter
Glücksforschung, subjektives Wohlbefinden, Russlanddeutsche, Spätaussiedler, Migration, Integration, European Social Survey, Lebenszufriedenheit, Sozialindikatoren, Arbeitslosigkeit, Gesundheit, soziale Beziehungen, Sekundärdatenanalyse, sozioökonomische Bedingungen, Bedürfnisbefriedigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Glücksempfinden und der Lebenszufriedenheit von russlanddeutschen Spätaussiedlern in Deutschland im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentral sind die Glücksforschung, die soziologische Migrationsforschung sowie die empirische Analyse von Einflussfaktoren auf das Wohlbefinden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das subjektive Wohlbefinden und die Bewertung sozioökonomischer Bedingungen durch Russlanddeutsche zu messen und mittels Hypothesen zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt eine quantitative Sekundärdatenanalyse der Daten des "European Social Survey" (ESS) durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Fundierungen von Glück, die Geschichte der Aussiedler, die Operationalisierung der Begriffe und die statistische Auswertung der ESS-Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Russlanddeutsche, Glücksforschung, subjektives Wohlbefinden, Migration, Integration und Lebenszufriedenheit.
Warum wird speziell das subjektive Wohlbefinden von Migranten untersucht?
Die Messung des Glücksempfindens erlaubt Rückschlüsse auf den Zustand einer Gesellschaft und ermöglicht eine bessere Integrationsarbeit sowie ein tieferes Verständnis für die Lebenssituation von Migranten.
Hat die Aufenthaltsdauer einen Einfluss auf das Glücksempfinden?
Ja, die Arbeit deutet darauf hin, dass die Aufenthaltsdauer und damit verbundene Sprachkenntnisse und soziale Integration einen Einfluss auf die Angleichung an das Lebensniveau der Aufnahmegesellschaft haben.
- Arbeit zitieren
- Christiane Matthes (Autor:in), 2008, Russlanddeutsche und ihr Glücksempfinden , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92457