Geographische Kuriositäten


Fachbuch, 2008

297 Seiten


Leseprobe

INHALT

Kein Vorwort, daher schon lesenswert

Kapitel 1 Inselwitze

Kapitel 2 Topographische Kuriositäten

Kapitel 3 Äquatorgeschichten

Kapitel 4 B(M)ergwürdigkeiten

Kapitel 5 Exterritoriale Gebiete

Kapitel 6 Kurioses über Seen und Meere

Kapitel 7 Brückengeschichten

Kapitel 8 Grenzkuriositäten

Kapitel 9 Dislokationen

Kapitel 10 Schiffbares

Kapitel 11 Merkwürdiges aus dem Städtchen

Kapitel 12 Flußgeschichten

Kapitel 13 Kurioses über Straßen

Kapitel 14 Käse Wein aus Holland

Kapitel 15 Kirchenkuriosa

Kapitel 16 Optische Täuschungen

Kapitel 17 Kurioses von Vater Staat

Kapitel 18 Kuriose Eisenbahngeschichten

Kapitel 19 Zeitverschiebungen

Kapitel 20 Kartographische Kuriositäten

Kapitel 21 Fremdländisch anmutende Bauwerke

Kapitel 22 Geologische Kuriositäten

Kapitel 23 Seltsame Naturerscheinungen

Kapitel 24 Kuriose Ortsnamen

Kapitel 25 Lustiges vom Friedhof

Kapitel 26 Das geographische Quiz

Quellen und Bildverzeichnis

Geographische Kuriositäten - also Kuriositäten in der Wissenschaft - ist das überhaupt denkbar? Kein Wissenschaftsgebiet ist frei von Kuriositäten, schon allein deshalb nicht, weil bis heute in allen Sparten der Wissenschaft immer wieder wissenschaftlich Lächerliches in einzigartiger Qualität hervorgebracht und ein Unfug nach dem anderen verkündet wurde. Darum sollte für das Verstehen des Wesens der Wissenschaften diese nicht nur in der festgelegten Norm, sondern auch in den Abweichungen untersucht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Naturgemäß entziehen sich geographische Kuriositäten der statistischen Erfassung. Sie sind daher von der zufälligen Kenntnis einer Fachperson innerhalb einer sachkompetenten Institution abhängig, wodurch ein systematisches Sammeln solcher Merkwürdigkeiten nur partiell möglich ist. Kuriositäten können Einmaligkeiten sein, sie können aber auch mehrfach vorkommen und trotzdem eine Besonderheit darstellen. Ja, man könnte sogar von nicht existierenden Kuriositäten berichten, wie beispielsweise von der Loreley. Kuriositäten können (dem Fachmann) einen frischen Blick auf allzu vertraut Erscheinendes lenken und geben dabei Anlaß zum Nachdenken.

So überraschend und seltsam eine Kuriosität sein kann, so relativ und nicht selten auch subjektiv ist sie in ihrer Interpretation. Kuriositäten können dicke Brocken oder nur Lappalien sein. Kuriositäten können Themen sein, an denen sich Kritik entzündet und sie können sicherlich auch lehrreich sein. Auch wenn auf den ersten Blick viele der aufgeführten geographischen Merkwürdigkeiten scheinbar einen wissenschaftlichen Hintergrund vermissen lassen - er ist in den meisten Fällen nachzuweisen, auch wenn die geographische Kuriosität noch so trivial erscheint.

Die nachfolgende Sammlung enthält »kapitale Böcke«, aber auch manche Trivialität. Rekorde wurden nur dann berücksichtigt, wenn sie von kuriosem Inhalt waren und keinesfalls sollten Punkte wie »Die letzten Wunder der Erde« oder ähnliches behandelt werden; für beide Themen existiert ausrei­chend Literatur. Gerne wurden aber historische Merkwürdigkeiten aufgenommen, denn viele geo­graphische Kuriositäten sind aufgrund ihrer Geschichte ein Stück Vergangenheit und sollten daher irgendwie liebenswert bleiben.

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Man kann alt werden wie‘ne Kuh - und lernt immer noch dazu!

Kein Vorwort, daher schon lesenswert

Das Charakterisieren der einzelnen Staaten war einst die Aufgabe der alten Geographen, den Fürsten unter den Träumern. Die Länderkunde ist aber schon lange nicht mehr allein das Tätigkeitsfeld der Geographie. Mit ihrer Hilfe können wir heute die Geschichte und die Beziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besser verstehen. Durch sie begreifen wir das Wechselspiel von Ursache und Wirkung, von Klima, Umwelteinflüssen und den Gefahren, die unsere Anwesenheit auf dem Planeten Erde gefährden. Aber nicht nur die großen Veränderungen werden uns von der Geographie vermittelt. Auch die alltäglichen sozialen und politischen Probleme werden von ihr dargelegt.

Geographie ist eine vielteilige Wissenschaft, so dass die Frage nach ihrer Definition eine verwirrende Vielfalt von Antworten zur Folge hat. Im Vergleich zu anderen Lehren ist die Erdkunde ein besonders breit angelegtes Fachgebiet. So wird der »geographische Laie« nach­folgend nicht selten auf Themengebiete treffen, die auf den ersten Blick scheinbar gar nicht oder nur am Rande mit der Geographie in Verbindung zu bringen sind; die Teilwissenschaften der Geographie sind mannigfaltig. Die Mathematische Geographie, die Physische Geographie, die Biogeographie, die Anthropogeographie mit ihren zahlreichen Teilgebieten wie Siedlungs-, Kultur-, Sozial-, Wirtschafts-, Handels,- Verkehrs- und politische Geographie sind die großen Untergruppen, von den geographischen Randgebieten, wie beispiels­weise der Historischen Geographie und der Paläogeographie ganz abgesehen.

Soweit, so gut, so wissenschaftlich. Aber: Geographische Kuriositäten - also Kuriositäten in der Wissenschaft - ist das überhaupt denkbar? Für das Verstehen des Wesens der Wissenschaften sollten diese nicht nur in der festgelegten Norm, sondern auch in den Abweichungen untersucht werden. Kein Wissenschaftsgebiet ist frei von Kuriositäten, schon allein deshalb nicht, weil bis heute in allen Sparten der Wissen­schaft immer wieder wissenschaftlich Lächerliches in einzigartiger Qualität hervorgebracht und ein Unfug nach dem anderen verkündet wurde. Sogar in der strengsten aller Wissenschaften, der Mathematik, sind Ungleichheiten bekannt. Nicht umsonst wird hier spöttisch behaup­tet, es sei allein schon kurios, dass es in der Mathematik überhaupt Paradoxen gibt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Verfahren existieren, welche die Wissenschaft beim Entwickeln widersprüchlicher Theorien benutzt (es bedarf keines Beweises, dass diese Verfahren ebenso widersprüchlich sind). Ein Wissenschaftsbereich, der meint, frei von Eigentümlichkeiten zu sein, ist wohl eher eine »Unwissenschaft«.

Naturgemäß entziehen sich geographische Kuriositäten der statistischen Erfassung. Sie sind daher von der zufälligen Kenntnis einer Fachperson innerhalb einer sachkompetenten Institution abhängig, wodurch ein systematisches Sammeln solcher Merkwürdigkeiten nur partiell möglich ist. Schon beinahe müssig ist demnach die Aussage, dass sich zu den in diesem Buch beschriebenen Merkwürdigkeiten noch die eine oder andere hinzugesellen könnte, wenn sie dem Autor bekannt wäre.

Um es mit Goethe zu sagen: Solch eine Arbeit wird eigentlich niemals fertig; man muss sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das Möglichste getan hat.

Kuriositäten können Komik und Lächerlichkeit bedeuten und dadurch eine gewisse Heiterkeit auslösen - sie müssen es aber nicht. Sie können nämlich auch sehr ernste Vorfälle bezeichnen, wenn deren Verlauf eine außergewöhnliche Wende nimmt. »Kurios klingt die Kunde, doch erheiternde Wirkung erweist sie nur in der Ferne - vor Ort macht sich Sorge breit«.

Kuriositäten fanden sich in früheren Zeiten nicht selten im Wissen­schaftsgebiet der Medizin. Es waren bedauernswerte Geschöpfe, denen die Natur einen oder gleich mehrere genetische Streiche gespielt hatte, und die dann als unheimliche, furchteinflößende Abscheulichkeiten gegen Eintrittsgeld in Horrorkabinetten auf Jahrmärkten gezeigt wurden. Kuriositäten können Einmaligkeiten sein, sie können aber auch mehr­fach Vorkommen und trotzdem eine Besonderheit darstellen. Es kann sich um Institutionen handeln, wie man sie woanders nicht findet, Sehenswürdigkeiten, wie sie in Reiseführern nicht nachzulesen sind.

Es können auch verblüffende Erscheinungen mit hintergründiger Entstehungsgeschichte sein, aber auch äußerlich durch ihre Normalität getarnte Merkwürdigkeiten, die wegen ihrer Eigenart Lesestoff liefern.

Ja, man könnte sogar von nicht existierenden Kuriositäten berichten, wie beispielsweise von der Loreley. Kuriositäten können (dem Fach­mann) einen frischen Blick auf allzu vertraut Erscheinendes lenken und geben dabei Anlass zum Nachdenken. Merkwürdigkeiten sind Sachverhalte, an denen man besonders gut lernen kann. Erst über die Merkwürdigkeit macht man sich das Übliche, Gewöhnliche, Typische bewusst.

So überraschend und seltsam eine Kuriosität sein kann, so relativ und nicht selten auch subjektiv ist sie in ihrer Interpretation. Was den Laien und vielleicht auch den einen Experten verblüfft, wird dem anderen nur ein müdes Lächeln kosten. In der Altmark ist beispielsweise der Begriff der sieben »verkehrten Kirchen« wohlbekannt. Diese Sakral­bauten haben eine Gemeinsamkeit: ihr Turm steht im Osten.

»Verkehrt« heißen diese Ostturmkirchen deshalb, weil bei den altmär­kischen Dorfkirchen der Turm sonst durchweg im Westen steht. Die Oststellung des Kirchturms wurde in der Altmark als so ungewöhnlich und regelwidrig empfunden, dass dies in Beelitz sogar Anlass zu einer Sagenbildung gab (Verdrehung durch Riesenhand). In Mitteldeutsch­land, besonders von Halle an südlich, kommen Osttürme auf dem Lande oft vor und in Thüringen scheinen sie bei weitem zu überwiegen. In diesem Fall ist also in einer Gegend eine Kuriosität, was andernorts der Normalfall ist.

In Marburg, in Richtung Schloss, ganz in der Nähe der lutherischen Kirche, stehen zwei mehrstöckige Fachwerkhäuser mit einer Besonder­heit: sie besitzen neben dem Eingang im Erdgeschoß einen zweiten Eingang unter dem Dach, weil das Dachgeschoß auf der gleichen Ebene des Kirchvorplatzes liegt. Was bei den Hanggehöften im Schwarzwald, wo man in das Dachgeschoß mit hochbeladenem Heuwagen hereinfährt ganz normal ist, das wird in Hessen als Kuriosität empfunden.

Ich sah einmal einen Biologen in helles Entzücken geraten, als er eine bestimmte Blattlausart in der »falschen« Gegend an der »falschen« Pflanze fand, wo sie offenbar sichtlich regelwidrig gut gedieh. Flüsse, die ins Meer münden, werden flussabwärts, also von der Quelle zur Mündung kilometriert. Die Donau, der Mississippi, der La Plata und der Jangtse sind ab Mündung, also flussaufwärts kilometriert. Hier wird also die »Rückwärtskilometrierung« als völlig normal empfunden, anderwärts ist sie eine Merkwürdigkeit.

Kuriositäten können dicke Brocken oder nur Lappalien sein. Kuriosi­täten können Themen sein, an denen sich Kritik entzündet und sie können sicherlich auch lehrreich sein. Jede widersprüchliche Hypothese wird wohl von irgendwelchen unerwarteten Wendepunkten der Wissenschaft in der Problemstellung oder den Lösungswegen berichten. Hat sich die Thematik daher in manchen Punkten als Fundort der Gewinnung neuer Erkenntnisse erwiesen und bei der Entwicklung nützlicher Ideen geholfen, vielleicht sogar zur Steigerung wissenschaft­lich-geographischer Bemühungen beigetragen - es ist nichts dagegen einzuwenden.

Auch wenn auf den ersten Blick viele der aufgeführten geographischen Merkwürdigkeiten scheinbar einen wissenschaftlichen Hintergrund vermissen lassen - er ist in den meisten Fällen nachzuweisen, auch wenn die geographische Kuriosität noch so trivial erscheint. Hierbei sollte der Leser stets versuchen, die Antworten auf die Frage nach den »geistigen Backgrounds« selber zu finden. Also - lesen sie nicht zu schnell. Das Verständnis über einen tieferen Sinn ergibt sich nicht selten erst beim zweiten Hinlesen.

Wenn man sich beispielsweise einmal die Tatsache vor Augen führt, dass seit der (Wieder-) Entstehung der Baltischen Staaten in der neues­ten Zeit durch die Städte Kibartei, Sovietsk und Narva Staatsgrenzen verlaufen, dann liegt hier eine geographische Kuriosität vor, die eine Menge wissenschaftliche und politische Gedanken zulässt. Oder wenn an anderer Stelle dieses Buches die flach erscheinende Aussage gemacht wird, dass das Orchester des Operettenstaates Monaco mehr Mitglieder hat als seine Garde, so lässt sich über diese Aussage nur partiell schmun­zeln. Bei weiterer Betrachtung muss die Frage erlaubt sein, wozu der Ministaat überhaupt eine Garde benötigt. Selbstverständlich ausschließ­lich zur Repräsentation. Zu Verteidigungszwecken ist sie genauso ungeeignet wie eine Parkuhr. Die nächste Frage ist dann zwangsläufig die nach der generellen Problematik solcher mittelalterlichen Klein­fossilien, die durch diverse »Servicemaßnahmen« der Nachbarstaaten, wie beispielsweise Polizei, Zoll, Verwaltung, Außenpolitik, Haushalts­zuschüsse etc. künstlich am Leben erhalten werden.

Die Wahl des Themas soll hier aber primär den Wunsch äußern, nicht um jeden Preis in bierernster und hochwissenschaftlicher Weise, sondern auch in unterhaltender Art Ausnahmesituationen in der Geographie und in ihren angrenzenden Gebieten zu skizzieren. Es ist nämlich nicht einzusehen, warum ernsthafte Bücher notwendigerweise knochentrocken akademisch und darum totlangweilig sein müssen. Wer diesbezüglich jedoch ein Witzbuch oder spektakuläre Sensationsnummern erwartet, sollte dieses Buch gleich wieder aus der Hand legen. Wer sich aber einer Exkursion vom periodisch wiederkehrenden Einerlei weg zu nicht alltäglichen Gegebenheiten anschließen möchte, fährt mit diesem Werk richtig, immer vorausgesetzt, sein Interesse gilt - wie bereits erwähnt - der »Erdkunde« und ihren Randgebieten.

Die nachfolgende Sammlung enthält »kapitale Böcke«, aber auch man­che Trivialität. Rekorde wurden nur dann berücksichtigt, wenn sie von kuriosem Inhalt waren und keinesfalls sollten Punkte wie »Die letzten Wunder der Erde« oder ähnliches behandelt werden; für beide Themen existiert ausreichend Literatur. Gerne wurden aber historische Merk­würdigkeiten aufgenommen, denn viele geographische Kuriositäten sind aufgrund ihrer Geschichte ein Stück Vergangenheit und sollten daher irgendwie liebenswert bleiben.

Sind Kuriosa das Normale?

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Düsseldorf, im Winter 2007 Der Autor

KAPITEL 1 Inselwitze

Merkwürdiges über Inseln

Inseln haben den Geist und die Emotionen der Menschen zu allen Zeiten bewegt. Wohl kaum eine andere Prägung von Mutter Na­tur gestaltet das Bild der Erde so mannigfaltig und ereignisreich wie die Inseln. Ausschlaggebend hierfür ist offenbar die gänzliche Abgeschlossenheit der Eilande durch das einrahmende Wasser, wobei es für überzeugte Inselfreunde kaum von Wichtigkeit ist, ob eine Insel im Meer oder in einem See liegt.

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Wenn die Bewohner der kleinen Insel Mindemoja an das Festland gelangen wollen, ist das mit einer einzigen Bootsfahrt nicht getan. Sie müssen sich gleich zweimal »in die Riemen legen«, um ihr insula- nes Umfeld endgültig verlassen zu können. Diese seltsame Etappenfahrt ist damit zu erklären, daß die Insel Mindemoja im gleichnamigen Mindemoja-See liegt, der wiederum einer der großen Seen auf der größten Binneninsel der Welt, Manitoulin ist und diese ist letztlich lokalisiert im Huron-See, Kanada.

Eine Insel in einem See auf einer Insel in einem See....

Große sportliche Ereignisse haben nicht selten unbedeutende Orte welt­bekannt gemacht. Squaw Valley, Cortina d’Ampezzo, Albertville und andere waren, bevor sie olympische Winterspiele ausrichteten, ländliche Nobodies. Daß eine bis heute namenlose Sandbank in die Annalen der Sportgeschichte einging, ist vielleicht nicht jedem bekannt. Und das kam so: Gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts war in allen Staaten der U.S.A. und auch in Mexiko der Profiboxsport verboten. So auch der Titelkampf im Schwergewicht zwischen Ruby Robert Fitzsimmons und Peter Maher im Jahre 1896. Der scheinbar unwiderstehliche Drang mancher Menschen zu kämpfen und das gleichermaßen unwiderstehli­che Bedürfnis anderer, Zeugen eines solchen Kampfes zu sein, zwang die Boxveranstalter zur Improvisation, weil es trotz des Boxverbotes eine Menge reicher Leute gab, die sich einen solchen Spaß ein dickes Bündel Banknoten kosten ließ. Die Promotoren reagierten schnell und bauten den Boxring auf einer isolierten Sandbank im Rio Grande auf, vierhundert Meilen von El Paso entfernt. Man muss sich das einmal vorstellen! Dreihundert Leute unternahmen für die damalige Zeit eine höchst anstrengende Reise, um auf einer kleinen Sandbank in einem Fluss einen Kampf zu sehen, der, nebenbei bemerkt, sicherlich einer der enttäuschendsten Titelkämpfe in der Geschichte des Boxens war, denn Fitzsimmons schlug den Hünen Maher in fünfundneunzig Sekunden k.o.

Die Karriere einer Sandbank

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Ein verbotenener Weltmeisterschaftskampf im Schwergewichtsboxen anno 1896 auf einer Sandbank im Rio Grande.

Insel - reich

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Der Saimaasee in Finnland hat zwar eine Größe von 4400 Quadratkilome­tern - was etwa der neunfachen Fläche des Bodensees entspricht - jedoch ist nur ein Drittel davon Wasser. Die anderen zwei Drittel seiner Fläche bestehen aus rund 36000 Inseln.

Inseln ohne Ende - der Saimannsee in Finnland

Eine der vernichtensten Infektions­krankheiten ist der Milzbrand (gr. Anthrax = »Kohle«, auch »fressendes Geschwür»), der durch den Bacillus anthracis verursacht wird. Der Erreger besitzt die Fähigkeit, in sumpfigen Böden jahrelang zu überleben und gegen Kälte, Wärme, Trockenheit und selbst gegen Desinfektionsmittel äußerst widerstandsfähig zu sein. Weidetiere wie Schafe und Rinder, die auf verseuchten Böden grasen, sind durch Milzbrand besonders gefährdet. Der Milzbrand ist also eine Tierkrankheit, die jedoch auf den Menschen übertragbar ist und oft tödlich endet.

Insel des Todes

Weil die Krankheit sehr ansteckend und giftig ist und wegen ihrer schnellen Verbreitung, wurde der Milzbranderreger im zweiten Welt­krieg von den Engländern bezüglich seiner Verwendung als biologi sches Kampfmittel getestet. Um geheime Versuche mit Milzbrand­sporen durchführen zu können, befahl 1941 die britische Regierung die Räumung der Insel Gruinard, die etwa fünf Kilometer vor der schottischen Küste liegt.

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Das Betreten der »Milzbrandinsel« Gruinard war 45 Jahre lang strengs tens verboten.

Sporen sind besonders widerstandsfähige Dauerformen der allein zur Sporenbildung befähigten Bazillen. Schafe wurden mit Milzbrand­erregern infiziert, ihr Tod exakt belegt. Damit keine Epidemie auftreten konnte, vernichteten die Wissenschaftler im Anschluss daran die infektiö­sen Tierleichen. Trotzdem brach 1943, in dem Jahr, in dem die Versuche beendet wurden, auf dem schottischen Festland eine Milz­brandepidemie aus. Wahrscheinlich wurden die Sporen durch Wind und Wasser von der Insel zur Küste befördert.

Unverzüglich und ohne Aufsehen kamen die Wissenschaftler nach Gruinard zurück um die Heide in Brand zu setzen, mit dem Ziel, die Milzbranderreger definitiv zu vernichten. Untersuchungen ergaben je­doch, dass sich die langlebigen Sporen inzwischen im Boden befanden und dort prächtig weitergediehn. Hierauf erklärte die britische Regie­rung das Eiland, welches inzwischen von den Einheimischen die »Milzbrandinsel« genannt wurde, zum Sperrgebiet. In Abständen lande­ten die Wissenschaftler auf Gruinard, um Bodenanalysen anzufertigen. Noch in den 70er Jahren fand man zahlreiche Erreger, so dass die Entseuchungsmaßnamen weitergeführt wurden. 1987 wurden Tiere auf die Insel zurückgebracht. Da sie nicht erkrankten, wurde das Gebiet ein Jahr später - 45 Jahre nach dem verhängnisvollen Experiment - zur Besiedlung freigegeben.

Weil’s gerade zuvor so schön medizinisch war: wer meint, mit den Langerhansschen Inseln endlich ein noch unbeflecktes Ferienziel gefun­den zu haben, ist sowohl geographisch als auch medizinisch nicht ganz auf der Höhe - es handelt sich hierbei um Zellarten in der Bauchspei­cheldrüse.

Professor Brinkmann klärt auf

Auf der Orkney-Insel North Ronaldsay gibt es eine einzigartige Schafrasse, die sich nur von Seetang ernährt.

Hmmm, lecker...

Mikronesien, das »Kleininselgebiet«, Melanesien das »Schwarzinsel gebiet«, Polynesien, das »Vielinselgbiet« - eine beliebig erscheinende geographische Gliederung? Es existieren nämlich nicht die jeweiligen Pendanten »Großinselgebiet« (Megalonesien), »Weißinselgebiet« (Leukonesien) und »Weniginselgebiet« (Oligonesien). Von der Anzahl der Inseln ausgehend könnte Mikronesien ebenso gut als Polynesien bezeichnet werden und bei den Melanesiern ist mit einem Viertel aller bekannten Sprachen dieser Erde und einer Fülle von Kultur­provinzen eine überraschende Mannigfaltigkeit vorzufinden. Wenn also die Begriffsbildung jeweils von unterschiedlichen Eigenarten ausge­gangen ist, so verbirgt sich dahinter dennoch eine Aufteilung, die unter bestimmten Beschränkungen den kulturellen und anthropologischen Charakteristika der jeweils dort lebenden Menschen gleichkommt.

Paradox

Fünfzehn bis zwanzig Vereine in einer Liga versprechen meist viele interessante sportliche Vergleiche. Manchmal kann es aber auch etwas weniger sein. Etwa 45 Kilometer südwestlich von Land’s End, Cornwall, im Atlantik am Eingang zum Ärmelkanal, liegen, von einer Golfstrom­drift umspült, die Scilly-Inseln. Hier bestreiten zwei Clubs (in Zahlen: 2), nämlich die Woolpack Wanderers und die Garrison Gunners, in der wohl kleinsten Liga der Welt sowohl eine Meisterschaft in zwanzig (20 !) Begegnungen, als auch noch zwei verschiedene Pokalwettbewerbe. Irgendwie sind die Briten manchmal...

Man(n) kennt sich

Die vergessene Insel

Die einstige Donauinsel Ada Kal eh (deutsch Inselburg, auch Neu- Orsova genannt), heute im Stausee versunken, war von den Österreichern als Festung ausgebaut worden, musste 1739 an die Türkei abgetreten werden. Der Berliner Kongress 1878, welcher den russisch-türkischen Krieg 1877/78 beendete und die politischen Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel neu regelte, nahm der Türkei zwar die Herrschaft über Ada Kaleh - wies sie aber merkwürdigerweise niemandem zu. Dieser eigenartige Zustand wirkte sich so aus, dass die Flussinsel de facto zunächst weiterhin türkisch blieb. Folglich herrschten dort noch lange die Türken, obwohl die Ufer beiderseits schon längst rumänisch, respektive bulgarisch waren. Seit dem Ende des ersten Weltkrieges ist die Insel Bestandteil Rumäniens.

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Die türkische Bevölkerung war geblieben, damit auch der türkische Charakter der Siedlung mit den Ruinen verfallener Festungswerke, den Basaren, kleinen Kaffeehäusern, malerischen Gässchen und einer Moschee, die kurioserweise im ehemaligen österreichischen Verwal­tungsgebäude eingerichtet war. Beim Bau des Djerdap-Kraftwerkes wurde Ada Kaleh überflutet, womit ein reizvolles türkisch-orientales Relikt mitten in Europa der modernen Zivilisation weichen musste.

Sehnsucht nach der englischen Küche

Die Besatzung des Schiffes, welche an der Vorbereitung der Seekarten für die britische Kriegsmarine arbeitete, tat dies wohl auch am Weih­nachtstag - allerdings mit einer großen Portion Heimweh. So erhielten zwei kleine Inseln vor der Küste des heutigen Namibias ihren Namen: Plumpudding Island und Roastbeef Island.

In Unterzahl

Die 24 000 Einwohner der Shetland Inseln sind auf ihrem kleinen Eiland stark in der Minderzahl gegen die 30 000 Tölpel, 140 000 Lummen, 250 000 Papageientaucher, 300 000 Eissturmvögel und mindestens 330 000 Schafe.

Auf der karibischen Insel St. Martin grenzen die Niederlande und Frankreich aneinander. Vor über drei Jahrhunderten teilten die Inselrennen Niederländer und die Franzosen die Insel untereinander auf, die gerade von den Spaniern evakuiert worden war. Die Geschichte dieser ausnahmsweise unblutigen Teilung wird so erzählt: Fast zur gleichen Zeit landeten die Franzosen und die Niederländer auf der Insel, nachdem die Spanier festgestellt hatten, dass die Insel für sie ganz und gar uninteressant war. Nun standen sich die Truppen der beiden Nationen gegenüber. Naheliegend war jetzt die obligatorische Prügelei. Die Laune (oder die schlappmachende Hitze) der Tropen ließ sie aber nicht zu den Waffen greifen. Ihre Anführer beschlossen, die Aufteilung anders vorzunehmen. Die Franzosen stellten sich an einem Ende der Insel auf, die Niederländer am anderen. Vorwärts, Marsch. Wo sie aufeinandertreffen, sollte die Grenze sein. Hierbei waren die Franzosen erstaunlicherweise wohl einen Zacken schneller, so daß heute die Insel zu drei Fünftel französisches Territorium darstellt.

Inselrennen

Einzigartig und höchst eigenartig ist auf der kleinen Insel das Gefühl des rasanten Wechsels vom blitzsauberen Ort des holländischen Glocken­spiels zum Charme und Geist eines französischen Marktfleckens fährt man in kürzester Zeit von der niederländischen »Hauptstadt« Phlilipsburg zur französischen »Metropole« Marigot.

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Obwohl die Grenze nur symbolischen Charakter hat, es weder Wachen noch Schranken gibt und so unangenehme Belästigungen wie Zoll und Steuern nicht bekannt sind, besitzen die beiden Inselhälften nicht die gleiche Strom­spannung und - die Telefonleitungen auf der 93 Quadratkilometer kleinen Insel hängen nicht zusammen, wodurch die Verbindungen von einem zum anderen Teil der Insel, die an der Grenze nur wenige Meter betragen kann, erst über Paris und Amsterdam (!) gehen muss, wie übrigens auch jede Entscheidung der einen Seite, die eventuell auch die andere betreffen könnte

Ein Inselrennen wie oben beschrieben, war auf dem kleinen Eiland Ile Verte mangels Rennbahn nicht möglich, trotzdem gehört das Miniinselchen heute noch zur Hälfte zu der Inselgruppe St. Pierre & Miquelon und damit zu Frankreich; die andere Hälfte gehört Kanada. Die Teilung resultiert aus dem jahrzehntelangen, erbitterten und blutigen Kampf (eine andere Insel heißt auch Massacre) der Franzosen mit den Engländern um diese Inseln.

Minispaltung

Auf der mikronesischen Insel Yap benutzen die Einwohner Steinringe als Geld. Hierbei handelt es sich aber nicht um münzgroße Steinchen, sondern um aus dem Fels geschlagene Blöcke aus Aragonit mit einem Durchmesser von 3 m und mehr, die bis zu 15 Tonnen wiegen. Das Steingeld besitzt ein rundes Loch in der Mitte, durch das für den Transport ein Stock gesteckt wird, wodurch es eine gewisse Ähnlich­keit mit einem Mühlrad besitzt. Einen Sparstrumpf lässt sich schlecht damit anlegen und so stehen die etwa noch 6000 Talerchen vor den Häusern und am Straßenrand. Yap bezeichnet sich deshalb auch als »Insel des Steingeldes«.

Dickes Portemonnaie

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Macht ausgebeulte Taschen: Steingeld auf der Südseeinsel Yap.

Wechselhaft

Die Insel Wangerooge ist genau genommen gar keine Ostfriesische Insel. Sie gehört zum Wangerland, dem sie auch ihren Namen verdankt. Das Wangerland ist Teil des Landkreises Friesland, der wie­derum zum alten Großherzogtum Oldenburg gehört und das hat mit Ostfriesland nichts zu tun. Dennoch haben die Wangerooger nichts dagegen, zu den Ostfriesischen Inseln gezählt zu werden, denn sie ha­ben schon eigenartigere Sachen erlebt. Das kleine Eiland wechselte nämlich, allerdings ungewollt, in relativ kurzer Zeit fast schneller seine Landesherren, als die Gezeiten es um die sandige Schöne tun. Nach dem Tode der friesischen Regentin Maria von Jever, die von 1500 bis 1575 gelebt hat, fiel Wangerooge zunächst an Oldenburg und danach an die Grafen von Anhalt-Zerbst. So geriet die Insel 1793 mit der Kai­serin Katharina von Russland unter den Zarenadler. Im Jahre 1807 kam Wangerooge an Holland, wurde 1810 von Frankreich annektiert und wurde 1813 nochmals russisch. Doch schon fünf Jahre später war die Insel wieder Teil des Großherzogtums Oldenburg. Heute gehört Wangerooge, wie erwähnt, zum Landkreis Friesland und damit, wie alle Ostfriesischen Inseln, zum Bundesland Niedersachsen.

Die Speis-Spritze

75 Kilometer nordwestlich von der Insel Grimsey liegt einsam im Atlantik der 35 Meter lange und 33 Meter breite Felsen Kolbeinsey.

Er ist der nördlichste Teil Islands. Der Zahn der Zeit, sprich Eis und Erosion machen das Gestein stetig brüchiger, und sein Untergang wäre wohl eine sichere Sache, wenn er nicht eine so wichtige Funktion hätte. Der Felsbrocken ist nämlich einer der Punkte, von dem die Fischereigrenzen Islands gezogen wer­den. Und genau diese Ansprüche auf Fischgründe lassen den auch Mevenklint genannten Felsblock nicht kommentar­los ins Meer absacken, weil er ständig mit Betoninjektionen vor dem Versin­ken bewahrt wird.

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Ähnlich wie oben verhält es sich mit der zu Japan gehörenden Perece- Vela-Insel, auch als Douglas Reef bekannt. Dieses Atoll bildet den süd- Teures Inselchen lichsten Punkt des japanischen Hoheitsgebietes. Das 5 x 1,7 km große Riff ist naturgemäß ungewohnt und bildet lediglich Platz für eine meteo­rologische Beobachtungsstation. Und trotzdem ist dieses Inselchen ein ganz schön teures Pflaster. Da bei Flut nur noch wenige Quadratkilome­ter im Inneren des Riffgürtels über die Wasseroberfläche ragten, hat die japanische Regierung mit Flutbrechern einen Schutzgürtel angelegt. Mit dem Verlust des Eilandchens hätte Japan nämlich 40 000 qkm (!) seiner Hoheitsgewässer mit reichen Fischgründen und Kobaltvorkommen verloren. Das Unternehmen kostete immerhin schlappe 200 Millionen Dollar. Nach internationalem Recht wäre das Atoll über kurz oder lang internationales Gewässer geworden, wenn der letzte Riffsockel in weni­gen Jahren ins Meer gestürzt wäre.

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Die Perece-Vela-Insel bildet den südlichsten Punkt des japanischen Hoheitsgebietes

Wenn gegen den von Menschen verursachte Anstieg der Erdatmos- phäre weiterhin nichts unternommen wird, ist der Untergang vieler Inseln durch den Anstieg der Meeresspiegel eine sichere Sache. Sechs Inseln der südasiatischen Republik Malediven sind schon von der Landkarte verschwunden und spätestens in hundert Jahren wird diese und andere Inselstaaten im Meer versunken sein.

Atlantis der Neuzeit

Seit zweihundert Jahren ist der Rhein gezeichnet, gestochen, gemalt, fotografiert, beschrieben und in allen Tonlagen begeistert besungen worden. Im Rhein zu leben, können aber nur wenige von sich behaup­ten. Dort, wo der Rhein sich im Neuwieder Becken, etwa zwei Kilome­ter unterhalb der Moselmündung bei Koblenz, in einer Biegung nach Westen wendet, liegt im Strom die Insel Niederwerth.

Leben im Rhein

Mit der unbewohnten Insel Graswerth, die sich nördlich anschließt, bildet sie die politische Ortsgemeinde Niederwerth. Die Binneninsel ist die einzige selbständige Inselgemeinde in der Bundesrepublik. Von dem benachbarten Vallendar auf dem Festland ist Niederwerth gut 180 Meter getrennt und durch eine Brücke verbunden. Etwa 1300 Menschen leben heute auf dem etwa 3,6 Kilometer langen und 221 Hektar großen Eiland, das 1275 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Haupterwerbszweig war früher der landwirtschaftliche Anbau von Hopfen, Erbsen, Grüngemüse, Nuß- Kirsch- und Pflaumenbäumen und Weinreben. Heute noch gilt Niederwerth als der Obst- und Gemüsegarten von Koblenz, der von etwa 10 Vollerwerbs- und 60 Nebenerwerbslandwirten bearbeitet wird. Besonders begehrt:

Spargel aus Niederwerth. Die meisten Einwohner pendeln heute zur Arbeit in die Nachbarschaft nach Vallendar, Koblenz, Neuwied und ins Kannenbäckerland.

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Das glaubt uns keiner!

Zwei Männer wollten von New York nach Europa über den Atlantik segeln und hatten eine Karte, auf der die Insel Sable Island1 nicht ein­gezeichnet war. Als sie nachts der Alarm des Tiefenmessers weckte, glaubten sie ihrer Karte und gingen von einer Fehlfunktion aus. Kurz darauf warfen gewaltige Wellen das Boot auf einen nebligen Sand­strand. Ihre totale Verwirrung und Orientierungslosigkeit war perfekt, als in der Stille aus dem Nebel ein Auto mit texanischem Nummern­schild auftauchte, sie beinahe umfuhr, ein Mexikaner ausstieg und dies alles, obwohl ihre Karte keine Insel in dieser Region zeigte. Der Mexi­kaner führte übrigens wissenschaftliche Untersuchungen für eine texanische Firma durch.

Kreißsaal

41 Kilometer vor der Nordküste Islands liegt die 5,3 Quadratkilometer große Insel Grimsey. Hier, auf der nördlichsten Ansiedlung Islands, verläuft der Polarkreis direkt durch das Schlafzimmer des dortigen Bezirks­rates.

Nicht die günstigen Steuern und Zölle machen die Eigenart der Kanal­inseln aus. Es sind vielmehr neben den klimatischen, die mannigfaltigen anachronistischen Merkwürdigkeiten, die wohl einzigartig auf der Welt sind. Die Inseln liegen im Einflussgebiet der Warmwasserheizung Golf­strom, dessen klimatische Wirksamkeit hier ein sehr mildes Klima und dadurch eine Vegetation zulassen, die in ähnlichen Breiten des europäi­schen Festlandes im Freiland nicht zu finden ist. Die südlichste der Kanalinseln, Jersey, liegt beispielsweise fast auf demselben Breitengrad wie Heilbronn. Palmen und andere subtropische Pflanzen stehen in Parks und Gärten, und an besonders geschützten Stellen wachsen sogar Apfelsinen und Zitronen.

Merkwürdiges aus dem Kanal

Politisch gesehen sind die Inseln britisch, wie ja auch lange Zeit das normannische Festland britisch war, geographisch gehören sie aber zu Frankreich. Nicht umsonst sagt man von den Bewohnern der Kanalin­seln: sie reden Englisch, beten Französisch und fluchen Normannisch. Hieraus ergibt sich die auffallende Mittelstellung zwischen den beiden Staaten. Die Sprache ist mit französischen Ausdrücken durchsetzt, die Küche ist weitgehend französisch und das ganze Leben hat, zumindest im Sommer etwas südlich Beschwingtes. Bummelt man durch die größeren Orte mit ihren bis in den späten Abend geöffneten Läden, kommt man sich fast vor wie in Italien oder Südfrankreich.

In hohem Maße kurios ist neben den klimatischen Eigentümlichkeiten ein spektakuläres Relikt aus der frühen normannischen Rechtsordnung der Kanalinseln, der »Clameur de Haro«. Hierbei handelt es sich um eine noch heute gültige (!) einstweilige Verfügung, die, wird sie streng interpretiert, ausschließlich bei Grundstücksstreitigkeiten verwendbar ist. Kern dieses Rechtsmittels ist der Ausruf »Haro! Haro! Haro! à l’aide, mon Prince, on me fait tort!« »Haro« wird für die Anrede »Ha, Rollo« gehalten, mit der die Untertanen den Herzog der Normandie persön­lich um Hilfe bitten konnten. In Jersey und Guernsey muß dieser Bitte noch das Vaterunser auf französisch hinzugefügt werden. Die bean standete Aktion ist dann sofort zu beenden, bis ein Gerichsturteil herbei­geführt ist.

Wie ein äußerst anachronistisch wirkendes Feudalsystem erscheint dem Besucher das Regime auf der Kanalinsel Sark, das den Eindruck erweckt, Sark sei die letzte absolute Monarchie in Europa. Das von 600 Einwoh­nern bewohnte, 5,2 Quadratkilometer große Mini-Eiland wird nämlich noch von einem Lehnsmann, der hier Seigneur genannt wird, »regiert«. Gegen eine geringe jährliche Zahlung an die britische Krone hat der Besitzer der Insel noch heute fast unbegrenzte Rechte: le treizième, die Haupteinnahmequelle, beschert dem Seigneur den dreizehnten Teil des Kaufpreises bei Immobiliengeschäften, die von den Inselbewohnern auch nur mit Bewilligung des Lehnsherren getätigt werden dürfen; poulage (ein lebendes Huhn pro Haus und Jahr) wird ebenso in Geld beglichen wie der zehnte der jährlichen Ernte, dime, ursprünglich jede zehnte Korngarbe. Außerdem besitzt der Seigneur noch Mahlrechte sowie Steuerrechte auf Lämmer und Wolle. Darüber hinaus verfügt er über die Hoheitsrechte der Dreimeilenzone um Sark, er darf als einziger Bewoh­ner der Insel Tauben und Hündinnen halten, und wenn einer der Insulaner ohne Erben das Zeitliche segnet, fällt dessen Landbesitz an den Lehnsträger zurück.

Übrigens steht hier auch das wohl kleinste Gefängnis der Welt; es kann immerhin zwei Häftlinge aufnehmen.

Die »verrückte« Vulkaninsel

Guadeloupe ist ein Überseedepartement Frankreichs, bestehend aus einer Gruppe von neun Inseln als Teil der Kleinen Antillen. Die beiden Hauptinseln sind Basse-Terre und Grande Terre, die nur durch den Rivière salée voneinander getrennt sind. Dieser »salzige Fluss« ist ein schöner geographischer Euphemismus, denn er ist de facto nur ein schmaler Mangrovenkanal. Trotzdem sind diese geographischen Fakten noch nicht unbedingt ein Knaller. Komisch wird die Sache erst, wenn man die Namen der beiden Hauptinseln mit ihren topographischen Gegebenheiten vergleicht. Die im Osten der Insel gelegene Grande- Terre ist flach und kleiner als die sich im Westen erstreckende Basse-Terre, die immerhin mit dem 1.467 Meter hohen La Soufrière den höchsten Berg der Kleinen Antillen besitzt. Warum dieser Wider­spruch? Nun, die Inseln wurden nicht nach ihrem Relief, sondern nach ihrer Position benannt, die ihr Windmuster bestimmt. Basse-Terre soll hier also unter dem Wind und Grande Terre über dem Wind bedeuten. Manchmal bedarf es eben erst der Geographieforschung, um Franzö­sisch zu lernen.

Ahoi!

Vor der dänischen Insel Bornholm liegen die beiden Eilande Erthol- mene, was übersetzt Erbseninseln bedeutet. Die beiden Winzlinge Christianso und Frederikso können mit einigen verwaltungstechnischen Kuriositäten aufwarten. So werden sie nicht von Bornholm aus verwal­tet. Es gibt auch keinen Bürgermeister, wohl aber einen Inselkomman­danten, der wie in alten Zeiten respektvoll Gouverneur genannt wird. Sein Chef ist der Verteidigungsminister in Kopenhagen, aus dessen Schatulle auch das Geld für das gesamte öffentliche Leben auf diesen merkwürdigen Inseln kommt. Seit 300 Jahren unterstehen alle Isulaner der Marine in der fernen Hauptstadt. Die topographische Lage als öst­lichster Punkt Dänemarks und die sich daraus ergebende stategisch- militärische Situation ist die Ursache dieser verwaltungstechnischen Rarität. Noch nach dem zweiten Weltkrieg, in der Zeit des Kalten Krieges waren die Inseln militärisch von größter Wichtigkeit. Von hier aus wurden die Lauscher gen Russland aufgesperrt, sprich: hier befand sich ein Abhörzentrum, zur Kontrolle des Ostens. Nach der Öffnung der Ostgrenzen wurde der Zustand, warum auch immer, bis heute beibehalten.

Im Bidassoa-Fluß, einem Grenzfluß zwischen Spanien und Frankreich liegt eine niedrige Schwemmlandinsel mit dem Namen Ile de la Conférence. Das Eiland, das auch Ile de Faisans genannt wird, ist mit 230 Quadratmeter Fläche nicht größer als ein Einfamilienhaus und ist das kleinste Territorium auf der Welt, welches über einen besonderen Status verfügt.

Ein Haufen Sand mit Sonderstatus

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Die Fasaninsel ist das kleinste Kondominium der Welt: Es gehört sechs Monate zu Frankreich und sechs Monaten nach Spanien

Seit dem fünfzehnten Jahrhundert haben auf der Insel, die wohl besser als Sandbank bezeichnet wird, mehrere Friedenskonferenzen zwischen Spanien und Frankreich stattgefunden - Verträge auf Inseln und Brücken waren früher gängige Praxis. Die wohl wichtigste Konferenz endete im 1659 im Pyrenäenvertrag, der die gegenwärtige Grenze zwischen Spanien und Frankreich festlegt. Um dieses Ereignis zwei Jahrhunderte später zu gedenken, bestätigte ein Staatsvertrag die gemeinsame Herrschaft der beiden Staaten über das Mini-Eiland. Damit ging ein 230 Quadratmeter großer Sandhaufen in die diplomatische Geschichte und in das interna­tionale Recht ein. Das Polizeirecht gilt alternativ für die Dauer von sechs Monaten für beide Staaten. Ebenso ist die Insel über einen Zeitraum von sechs Monaten Bestandteil des französischen Zollbereichs und wird dann für die anderen sechs Monate von spanischen Zoll abgelöst. Das geltende Strafrecht wird nach der jeweiligen Staatsangehörigkeit des Straftäters angewandt. Bei Ausländern gilt die Gesetzmäßigkeit des zum Zeitpunkt der Straftat ausübenden Staates. Abschließend stellt sich dazu nur eine Frage: Wer begeht auf einem unbewohnten, unbebauten, etwa tennisplatzgroßen Haufen Geröll eine Straftat?

KAPITEL 2 Wie ist die Lage?

Topographische Kuriositäten

Bei der Beschreibung der Bodenformen, der Gewässer, Siedlungen und Verkehrswege sowie anderen Gegebenheiten der Erdoberfläche werden so manche Vorgänge wirksam, die zu topographischen Merkwürdigkeiten führen.

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Eines der topographisch sonderbarsten Länder der Erde ist der Insel­staat Kiribati im Pazifischen Ozean. Sein Staatsgebiet erstreckt sich 1800 Kilometer in nord-südlicher Richtung und 3800 Kilometer in westöst-licher Richtung. Die 33 größeren, meist nur einige Meter hohen Inseln sind über eine Fläche von ungefähr fünf Millionen Quadrat­kilometern verstreut. Die gesamte Landfläche beträgt nur 886 Quadratkilometer. Daraus ergibt sich ein Verhältnis von Landfläche zu Wasserfläche von ca. 1:5600.

Die Wasserstaaten

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Das wiederum bedeutet, Kiribatis Wasserfläche ist etwa halb so groß wie Europa, seine darin lokalisierte Landfläche hat aber lediglich die Größe Berlins. Kein anderes Land besitzt ein derart unausgeglichenes Verhältnis zwischen Land und Wasserfläche wie Kiribati.

Nicht ganz so diskrepant wie Kiribati, aber ebenfalls eines der eigen­artigsten Staatengebilde, ist die zu den kleinsten Ländern der Welt zählende Südseeinselgruppe Tuvalu. Acht winzig kleine Inseln mit der Gesamtbodenfläche von 24,6 Quadratkilometer, also etwas größer als die nordfriesische Insel Amrum und über 500000 mal kleiner als Kana­da, liegen in großen Abständen verstreut als »Inselkette« über eine Länge von knapp 580 Kilometer in der Wasserwüste des Pazifik. Übrigens, auch das ein Kuriosum: Tuvalu bedeutet »Acht Inseln« - es sind aber neun.

Würde man das Gebiet von Französisch-Polynesien auf eine europäische Landkarte übertragen mit Tahiti an der Stelle von Paris, dann würden die Gambier-Inseln in Rumänien, die Marquesas bei Stockholm und die Austral - Inseln in Sizilien liegen. Das alles bei einer Landfläche von nur etwa 4000 Quadratkilometern, also der Hälfte Korsikas.

Noch einmal Südsee

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Kleinigkeiten

Weil es gerade so schön war, noch einmal eine Rechnung: Die Gesamt­zahl der Inselwelt Ozeaniens beläuft sich auf über 3000 Eilande, auf denen ungefähr fünf Millionen Menschen leben, die aber, wenn man Papua-Neuguinea als größte Landmasse weglässt, nur 89000 Quadrat­kilometer Land mit zwei Millionen Einwohnern umfassen, was etwa der Fläche Österreichs und der Einwohnerzahl Budapests entspricht.

Kolonialverschnitt

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Der Staat Äquatorialguinea, als Nachfolgestaat von Spanisch-Guinea, kann als Beispiel für zahlreiche andere Fälle gelten, in denen in Afrika und anderswo die topographische Landkarte durch das Eingreifen des europäischen Kolonialismus entscheidend geprägt worden ist. Das Land setzt sich aus dem festländischen Mbini (früher: Rio Muni), das mit 26017 Quadratkilometern über 90% der gesamten Staatsareals ausmacht und von 70% der Gesamtbevölkerung bewohnt wird, der Insel Bioko (früher: Fernando Póo, 2034 Quadratkilometer) und aus der Insel Pagalu (früher: Annobón, 17 Qua­dratkilometer) zusammen.

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Bioko liegt vor der kame­runischen Küste, 150 Kilo­meter von Mbini entfernt - hier befindet sich eigenar­tigerweise auch die Haupt­stadt - und Pagalu ist eine Insel im offenen Ozean, 400 Kilometer vor der Kü­ste von Gabun. Die bei­den Inseln sind wiederum 600 Kilometer voneinander entfernt. Damit es topographisch noch eigenartiger wird, liegt zwischen den beiden Inseln ein anderer Doppelinselstaat: Sao Tomé und Principe. Die drei Staatsteile von Äquatorialguinea und die zwei dazwischenliegenden Inseln von Sao Tomé und Pricipe haben, wie oben bereits angespro­chen, keinen anderen als nur einen kolonialgeschichtlichen Zusammen­hang. Das erklärt die Mischung aus kontinentalen sowie maritimen Elementen bei Äquatorialguinea.

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Kolonialhistorische Ursachen begründen auch die topographische Gestalt von Malaysia, als Nachfolgestaat von früheren britischen Besit­zungen auf der malaiischen Halbinsel und in Nord-Borneo. Der 1963 gegründete Staat Malaysia gliedert sich in ein West- und ein Ost- Malaysia. Beide Teile sind durch das Südchinesische Meer 900 (!) Kilo­meter voneinander entfernt.

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Verblüffend ist die Tatsache, daß die Erde weit weniger dicht besiedelt ist, als allgemein angenommen wird. Auf Armeslänge zum Nachbarn verteilt, fänden alle Bewohner der Erde auf der Baleareninsel Mallorca Platz - allerdings nur auf Stehplätzen.

Das deutsche Kleinstaatensystem erreichte nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges seinen unrühmlichen Höhepunkt. Hierdurch hatte das Reich den Charakter eines Staates so gut wie verloren. Es war zu einem irregulären und fast einem Monstrum ähnelnden Gebilde degradiert, zu einer »Kartographischen Sülze« rudimentiert.

Siebenmeilenstiefel

Wer zur damaligen Zeit, sogar noch bis 1920, gut zu Fuß war, konnte über den bekannten Rennstieg in Thüringen an einem Tag neun(!) Länder durchwandern, unter ihnen sogar Preußen und Bayern. Die Auflösung des alten Deutschen Reiches brachte eine politische »Flurbereinigung«, an deren Ende der moderne Flächenstaat stand; mit topographischen Siebenmeilenstiefeln läßt sich heute nicht mehr wandern. Jedoch lassen sich auch noch vereinzelt – allerdings motorisiert – ähnliche »Rekorde« aufstellen:

Der Limburger Zipfel (um Maastricht, Pfeile im Bild rechts), eingezwängt zwischen Belgien und Deutschland, ist an seiner engsten Stelle nur ca. fünf Kilometer breit. Wer an der niederländischdeutschen Grenze in dem deutschen Örtchen Isenbruch startet und sich direkt zur niederländischen Gemeinde Susteren begibt um von dort sofort weiter ins belgische Städtchen Maaseik zu fahren, hat am Ende für diese »Dreiländerfahrt« mit Ortsgeschwindigkeit höchstens sieben Minuten benötigt.

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Könnten wir die Erde auf die Größe einer Billardkugel verkleinern, Tastbefund dann wären wir nicht in der Lage, die höchsten Berge und die tiefsten Gräben zu ertasten. Die Erde ist nämlich im Verhältnis zu ihren Gebirgszügen und Meerestiefen derart groß, daß sie sich noch glatter als eine Billardkugel anfühlen würde.

Tastbefund

Könnte man die ganze Erde an der Oberfläche einebnen und zu einem glatten Ball machen, so würde das Wasser die ganze Erdkugel in einer Höhe von 2500 Meter bedecken.

Abgedeckt

Der Prototyp der langgestreckten Staatsflächen, dessen Längsachse mehr als das dop-pelte der mittleren Querachse mißt, ist Chile, das 21 mal länger ist als breit; würden Landkarten von Chile in einem Stück gedruckt, so wären sie bei nur 30 cm Breite vier Meter lang.

Lang und schlank

Gambia hat ähnliche Maße, bei ihm stehen Länge und Breite im Verhältnis 20:1.

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Schmale Taille

Norwegen ist in seiner Nord-Süd-Richtung 2000 Kilometer lang. In seiner Ost-West-Richtung an seiner engsten Stelle in der Provinz Nord­land aber nur vier Kilometer breit.

Höhen und Tiefen

Der höchste Punkt der Schweiz ist die Dufourspitze, 4634 Meter hoch. Der tiefste Punkt des Binnenlandes liegt nur gerade 68 Kilometer davon entfernt, es ist der Seeboden des Lago Maggiore, 79 Meter unter dem Meeresspiegel.

Kanadische Riviera

Der größte Teil aller Kanadier lebt auf der Höhe von Italien. Toronto liegt zum Beispiel südlicher als Mailand und sogar das frostige Montreal ist südlicher als alle deutschen Städte lokalisiert. Etwa 20 Millionen der 27 Millionen Kanadier wohnen südlicher als der Bodensee. Das Kanada trotzdem häufig mit »kalt« in Verbindung gebracht wird, liegt darin begründet, daß es dort trotz aller südlichen Breitengrade im Winter wesentlich kälter werden kann als in unseren Regionen. Auch reicht dort ein großer Teil des Landesgebietes weit in nördliche Regionen, wo allerdings nur wenige Menschen leben. Nebenbei bemerkt: der Name Kanada stammt etymologisch von dem irokesischen Wort »kanata« ab, was soviel wie »Dorf« heißt. Somit wird das zweitgrößte Land der Erde heute noch »Dorf« genannt.

Sieben mal, sieben mal..

Auch in der Geographie fasziniert die Zahl 7: Die Sieben Hügel

Roms, die sieben Weltmeere, die sieben Kirchen in der Altmark, der siebte Himmel, das Siebengebirge, die Region Siebenbürgen, um nur einige zu nennen - auch die bolivianische Stadt Sucre liegt auf sieben Hügeln...

Einschnitte

Das Meer hält die Niederlande nicht nur ständig unter der Bedrohung einer Überschwemmung, es dringt auch in seinen Buchten tief in das Festland ein. Die Gesamtlänge der Küstenlinie des Landes erreicht 1075 Kilometer, das überschreitet die Länge des niederländischen Territoriums auf einer Geraden vom südwestlichsten Punkt bis zum nordöstlichsten um mehr als das dreifache und seine Breite um das achtfache.

Auch Länder nehmen ab und zu ab und zu

Die heutigen Schwankungen der Erdkruste im Gebiet der Ostsee stehen in ihrer Größe durchaus nicht denen der Vergangenheit nach, obwohl sie selbstverständlich innerhalb der kurzen Zeit eines Menschen­lebens wenig spürbar sind. Die unterirdischen Kräfte wirken in den verschiedenen Teilen des Meeres unterschiedlich. Die nördlicher Küste steigt an, die südliche und südwestliche dagegen sinken ab. So nimmt das Territorium Finnlands in jedem Jahrzehnt um mehrere Quadratkilo­meter zu, die Flächen Dänemarks, Ostdeutschlands und Polens dagegen nehmen ständig ab. Das Festland im Gebiet von Kopenhagen senkt sich mit einer Geschwindigkeit von einem Millimeter pro Jahr, im Norden des Botnischen Meerbusens hebt sich die Küste um 10 Milimeter im Jahr. Aufgrund der selben Tatsache nimmt Island jedes Jahr ein bischen zu, äh... wird Island jedes Jahr ein bischen breiter.

Los Angeles, Kalifornien, liegt bekanntlicherweise direkt an der Westkü ste der U.S.A. Nicht bekannt ist vielleicht die Tatsache, daß der Reisen­de, der sich von hieraus nach Reno im Bundesstaat Nevada bewegen möchte, aufgrund der Topographie Kaliforniens weiter nach Westen und nicht nach Osten fahren muss.

Das kann doch gar nicht sein, oder?

Wer vom Atlantischen in den Pazifischen Ozean fahren möchte, um beispielsweise von der Ostküste der USA an die Westküste derselben zu gelangen, schippert durch den Panama-Kanal. Durch denselben geht die Fahrt jedoch nicht, wie oftmals angenommen, von Ost nach West, sondern von West nach Ost. Wie das? Nun, vom Atlantik führt die künstliche Wasserstraße erst einmal von Nord nach Süd, dann jedoch nach Südost, wodurch der Eintritt in den Pazifik östlich von Austritt aus dem Atlantik erfolgt. Ursache ist eine Krümmung der Landenge vom Mittelamerika, wodurch Schiffe, die von Osten nach Westen wollen, einen Teil der Strecke ostwärts fahren müssen.

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Die beiden Weltmeere können durch eine bloße Kopfbewegung durchs Fenster betrachtet werden. Geht nicht? Auf Kap Horn steht eine kleine hölzerne Kapelle (das ist an und für sich schon eine kleine Überra­schung). Das spärliche Licht fällt durch zwei ebenso kleine Fenster, eines auf jeder Seite. Vor dem einen Fenster liegt der Pazifik, vor dem anderen der At­lantik. Nirgendwo sonst liegen die Küsten der beiden Ozeane so nah beieinander, das beide quasi nur durch ein Kopf­schütteln zu sehen sind. Dreht man den Kopf jetzt einmal komplett um (am ratsamsten inclusive Körper), kann man durch die geöffnete Tür die Stelle sehen, wo 24 000 Kilometer Küste in einen Haufen grasbewachsener Felsen auslaufen.

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Durchblick

Der Irazú, mit 3.432 Metern höchster Vulkan von Costa Rica, wartet mit einer besonderen topographischen Kuriosität auf. An klaren Tagen während der Trockenzeit (Januar bis März) kann man vom Kraterrand aus beide Weltmeere sehen:

Da guckste, wa?

Die türkis schimmernde Karibikküste des Atlantiks auf der einen - und den Golf von Nicoya (Pazifik) auf der anderen Seite.

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Hervorgerufen durch die oben er­wähnte Krüm­mung der Land­brücke zwischen Nord- und Süd­amerika ergibt sich das Phänomen, die Sonne über dem Pazifischen Ozean aufgehen und im Atlanti­schen Ozean untergehen zu sehen.

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Da guckste, wa?

Apropos Sehen: Entgegen allen anders lautenden Hypothesen: Kein Bauwerk kann vom Mond aus erblickt werden. Auch nicht, wie oftmals behauptet, die Chinesische Mauer. Nicht einmal von erdnahen Umlaufbahnen aus. Sie ist zwar sehr lang, aber nur etwa 12m breit - sonst müßte ja auch jede Autobahn zu sehen sein.

Wer trotzdem behauptet, er könne die Mauer vom Erdtrabanten sehen, der müsste zwangsläufig auch in der Lage sein, eine Atadose aus 400 Kilometer Entfernung zu erkennen.

Überall ist Alaska

Alaska ist der nördlichste, westlichste und östlichste Bundesstaat der USA. Wie geht das denn? Nun, mit dem »östlichsten Staat« ist das einwenig Definitionssache: Die Aleuten dehnen sich bis über die Datumsgrenze am 180. Breitengrad aus und werden daher oft - vor allem von Alaskanern - klar als »östlich« gewertet. Allerdings schlägt die Datumsgrenze einen »politischen Bogen« um die Aleuten, was das Argument wieder hinfällig macht.

NoCh mal Alaska: Erdteilhopping

Da heißt ein kleiner Felsen Little Diomede Island. Er ist der nordwest- lichste Punkt der U.S.A. und liegt direkt südlich des Polarkreises auf einer Breite von 65,40°. Getrennt von dem russischen Besitz Big Diomede Island ist er durch einen schmalen, reißenden Kanal. Vor ein paar tausend Jahren, vor dem Ende der Eiszeit, war Diomede Teil einer Landbrücke, über die die ersten menschlichen Bewohner Amerikas kamen. Auch heute noch kann man unter bestimmten Voraussetzungen hier in der Gegend spazierengehen: Das russische Festland ist nur 48 Kilometer entfernt und das amerikanische noch weniger. Asien und Amerika liegen hier so nah beieinander wie Duisburg und Dortmund, und im Winter, wenn das Meer zufriert, kann man von einem Kontinent zum anderen wandern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Little Diomede Island (links) und Big Diomede Islanad in der Bering See

St. Mary’s College liegt in St Mary’s City, in St. Mary’s County, in Maryland.

Oh’ Maria!

Die kanadische Stadt Hamilton, Ontario, ist dem Äquator näher als dem Nordpol und die kanadische Stadt Halifax am Atlantik ist näher bei Großbritannien als bei der kanadischen Stadt Vancouver am Pazifik.

Die Nation, die über einen Erdteil reicht.

Die Stadt Mount Isa in Queensland, Australien, hat mit 41000 km2 die größte Ausdehnung aller Städte weltweit. Die Stadt mit der größten Silbermine der Welt ist demnach flächenmäßig so groß wie die Nieder­lande, besitzt jedoch im Gegensatz zu den fast 15 Mio. Niederländern nur 24000 Einwohner.

Großflächig

Auch nicht von Pappe ist die Flächenausdehnung der nordschwedischen Stadt Kiruna. Die »Erzstadt« zählt zwar nur rund 30000 Einwohner, weist aber dem gegenüber ein »Stadtgebiet« von 20000 km2 auf, was ungefähr der Größe von Hessen entspricht. Etwa 90 km vom Zentrum entfernt, aber noch innerhalb der Gemeindegrenze von Kiruna(!), erhebt sich der höchste Berg Schwedens, der Kebnekaise.

Etwas mickriger dagegen ist die Flächengröße von Arnis, der kleinsten Stadt Deutschlands: 0,45 km2.

Kleinflächig

Bis in das Jahr 1959 betrug die Größe des Seifenopernstaates Monaco 1,49 km2. Aufschüttungen an der Küste führten in diesem Jahr zu einer fast unglaublichen Größenausdehung. Die Landfläche des Zocker­territoriums wurde hierdurch nämlich auf sage und schreibe 1,89 km2 erweitert.

Expansionsknall

Die einzige Stadt, die auf zwei Erdteilen liegt ist Istanbul; sie besteht aus einem asiatischen und einem europäischen Teil.

Doppelsitz

Die Landgemeinde Baiersbronn im Murgtal ist mit 190 km2 die größte der Bundesrepublik - das ganze Fürstentum Lichtenstein fände bequem Platz.

Großgemeinde

Nicht jedes Land mit geringer Bevölkerung ist auch flächenmäßig klein. Grönland ist beispielsweise mit nur 45 000 Einwohnern größer als Italien, Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, mit zusammen 300 Millionen Bewohnern.

Riesig

Anormale Zipfel

Zu den topographisch-territorialen Anomalien gehören Exklaven und Enklaven, Korridore und Gebietszipfel. Zu den letzteren sind zu zählen der Limburger Zipfel, Der Zipfel von Triest, der Pansch-Zipfel, der »Panhandle« von Alaska und der wohl kurioseste: der Caprivi-Zipfel.

Der Caprivi-Zipfel stößt als schmaler Landstreifen im nördlichen Nami­bia in 460 km (!) Länge und 30 - 100 km Breite bis zum Sambesi vor. Dieses höchst eigenartige Gebilde ist beim Abschluß des Grenzvertrages zwischen Deutschland und Portugal am 30.12.1886 entstanden und sollte Deutschland einen Anteil am Sam­besi und gleichzeitig die Gelegenheit geben, dem weiteren, nach Norden ausgerichteten Druck des britischen Südafrika zu blockieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Apropos: Der Caprivi-Hauptort heißt Katima Mulilo (in unterschiedlichen Schreibweisen). Übersetzt bedeutet dies »Mach Feuer an«. Erklärung: Während der frühen Kolonialzeit hat hier der verantwortliche Kartograph, der etwas in seine Karte eintragen wollte, seinen einheimischen Füher, der gleichzeitig Chef der Träger war, gefragt, wie den der Ort hier heissen würde. Dieser gab aber gerade einem der Träger noch den Befehl »Mach Feuer an«, was so Eingang in alle Karten von dort bis heute gefunden hat.

Ganz weit unten

Nicht das Kap der guten Hoffnung ist der südlichste Punkt Afrikas, sondern das Nadelkap oder Cap Agulhas. Es liegt nämlich noch 65 Kilometer südlicher als das Kap der guten Hoffnung.

Ganz weit oben

Der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes ist Nordkinn. Das vielbesuchte Nordkap selbst ist nur ein imposantes felsiges Vorgebirge der Nachbarinsel Mageröya.

Mexiko, Mexiko, Mexiko

Die Stadt Mexiko (City) liegt im Bundesstaat Mexiko im Land Mexiko.

Das doppelte Lottchen

In Belgien liegt das berühmte Waterloo 100 km südlichöstlich von Brügge. In Deutschland liegt Waterloo 33 km westlich von Brügge. Hä?? Okay, die Aussage im ersten Satz ist klar. Aber...

Der Name des deutschen Waterloos geht tatsächlich auf die historische Schlacht bei Waterloo in Belgien zurück.

Wie ja alle Leser wissen, fand diese Schlacht 1815 statt, in der der preußische General Blücher gemeinsam mit dem englischen Feldherrn Wellington Napoleon besiegte. An der Seite Blüchers kämpfte ein gewisser Graf von Voß, der zur Herrschaft Stavenow gehörte. Das hier zu besprechende (spätere) Waterloo gehörte zu dieser Herrschaft.

In den Jahren 1816 und 1817 wurde durch Gesetz im Lande Preußen den damaligen Leibeigenen bzw. Bauern die Möglichkeit eingeräumt, sich von den Frontdiensten Ihrer Herrschaften freizukaufen.

Damit verbunden war jedoch für die Bauern, dass sie ein Drittel ihrer Land- und Forstwirtschaftlichen Flächen an die Herrschaften abzutreten hatten. So erhielt der Graf als Ablösung der feudalen Lasten Länderei­en, die er jetzt bewirtschaften wollte. Für seinen neuen Besitz brauchte er nun einen Namen. So beantragte er beim preußischen König den Ortsnamen „Waterloo“, womit der King aber absolut nicht einverstanden war; er hielt offenbar sehr wenig angetan von ausländischen Namen für brandenburgische Dörfer. Das wiederum verstimmte den Grafen und er ließ dem König mitteilen, das Vorwerk dann »Wasserloch« zu nennen. Dieser Name gefiel Friedrich Wilhelm Ш. natürlich noch weniger und stimmte dem Ortsnamen »Waterloo« zu.

Und wie kommt Brügge dahin? Gemeint ist hier das »Prignitz-Brügge« ; entstanden durch Zuwanderer aus Flamen, die im Rahmen der deut­schen Ostexpansion neben ihrer Sprache, ihren Sitten und Bräuche auch ihre Ortsnamen mitbrachten.

Bei der Gelegenheit: Weltweit 26 Kommunen tragen den Namen des belgischen Schlachtortes. So existiert beispielsweise ein Waterloo in England, in Rußland, in den USA, in Kanada, in Australien.

Eigentlich nicht ganz nachzuvollziehen, ist der Name Waterloo doch »Der Inbegriff des Verlorenhabens«.

[...]


1 Sable Island ist eine kanadische Insel im Atlantik. Sie liegt 200 km vor dem Fest­land, 300 km süd-östlich von Halifax, gehört zur Provinz Neuschottland und ist einer der abgelegensten Orte Kanadas.

Ende der Leseprobe aus 297 Seiten

Details

Titel
Geographische Kuriositäten
Autor
Jahr
2008
Seiten
297
Katalognummer
V92498
ISBN (eBook)
9783638070195
ISBN (Buch)
9783638955300
Dateigröße
47590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geographische, Kuriositäten
Arbeit zitieren
Manfred Schmidt (Autor), 2008, Geographische Kuriositäten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92498

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