Internet und Hypertext - Auf dem Weg zur allumfassenden Enzyklopädie?


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jay D. Bolter – Eine Vision

3. Hypertext – Der Schlüssel zum vernetzten Wissen

4. Wikipedia – Die Verwirklichung von Bolters Vision?

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Idee und Grundrealisierung der ersten Computernetzwerke stammt aus dem militärischen Bereich der USA. Das Ziel der US-Armee war es, die damals an verschiedenen Orten bestehenden Computerzentralen zum Schutz der darauf befindlichen Daten zu vernetzen. Aus diesem Ziel heraus entstand im Jahre 1969 das ARPAnet, d. h. das Versuchsnetz der Advances Research Projects Agency, welche lediglich dem Militär und den auf diesem Gebiet tätigen Forschern zugänglich war. Jedoch bereits im Jahre 1971 erfolgte die Aufhebung der bestehenden Nutzungsbeschränkungen und eine Ausweitung der Vernetzung. Hieraus resultierten mehrere unabhängige Netzwerke an Universitäten, Firmen und Behörden. 1986 erfolgt schließlich die Gründung des National Science Foundation Network (NSFNET), einem wissenschaftlichen Forschungsnetz, dem kurz zuvor die Abspaltung des militärischen Netzes vorausging. Der hieraus resultierende Zusammenschluss aller bis dahin bestehenden Netzwerke zum NSFNET führte im Jahre 1989 zur Abschaltung des immer noch aktiven ARPAnet. Im Jahre 1992 begann man schließlich mit der Installation eines ersten leistungsstarken Netzwerkes in Europa, welches im Jahre 1993 schließlich zur Inbetriebnahme des heute bekannten World Wide Web (WWW) führte, welches heute unter dem Begriff des Internets weltweit bekannt ist und mit Hilfe einer grafischen Benutzeroberfläche von einem immensen Teil der Weltbevölkerung genutzt wird.

Die Basis dieses größten Netzwerkes der Welt bildet ein gemeinsames Protokoll, das so genannten TCP/IP-Protokoll (Transmission Control Protocol / Internet Protocol). Seine Funktionsweise ist gleichsam simpel wie genial. Die zu transportierenden Daten werden in kleine Pakete zerlegt und an ihrem Bestimmungsort schließlich wieder zusammengefügt. Dies ermöglicht eine relative schnelle Datenübertragung. Neben der Nutzung von TCP/IP existiert auch noch das Client-Server-Prinzip, d. h. ein zentraler Hauptserver stellt Daten zur Verfügung, die dann von einem Heimcomputer, dem so genannten Client, aus abgerufen werden können. Die Übertragung der Daten erfolgt in der Regel über Telefonkabel oder seit neuestem auch über Satelliten oder über bereits bestehende TV-Kabel, wobei die Eigentümer dieser Leitungen, die Provider, dem Verbraucher die Nutzung des Internets gegen Entgelt zur Verfügung stellen.

Das Internet hält für den Nutzer heute eine Vielzahl unterschiedlichster Dienste bereit. Unter anderem wären hier zu erwähnen:

- E-mail (electronic mail) à das Versenden von elektronischer Post
- FTP (File Transfer Protocol) à Up- und Download von Daten in und aus dem Internet
- Newsgroups à Themenbezogene Foren
- IRC (Chatrooms) à Echtzeitkommunikation mit anderen Usern per Tastatur
- MUDs (Multi User Dungeons) à Rollenspiele im Netz
- WWW (World Wide Web)

Das WWW ist das heute populärste Informationssystem im Internet. Es zeichnet sich durch Hypertext-Verknüpfungen zwischen den einzelnen Dokumenten aus, welche es dem User erlauben durch bestehende Sinnverknüpfungen von einem Dokument zum nächsten zu springen. Hierher stammt auch der Begriff des Surfens im Internet. Zusätzlich bildet das WWW eine Schnittstelle zu allen bisher genannten Diensten (vgl. Hoffmann 2003). An dieser Stelle wird deutlich, das dass Internet ein Potential bietet, welches noch kein Medium zuvor für sich beansprucht hat, d. h. allen außer einem vielleicht. Betrachtet man sich die Strukturen des Internets, d. h. seine Größe und die daraus resultierenden Erkenntnis der Vernetztheit aller Daten, so ähnelt es einem Medium welches schon seit längerem Bekannt ist. Die Rede ist an dieser Stelle von der Enzyklopädie. Unter einer Enzyklopädie verstehen wir die „zusammenfassende Darstellung des gesamten Wissens oder eines Teilgebiets, entweder nach Sachgruppen oder nach dem Alphabet geordnet“ (Meyer 1996, S. 239). Es handelt sich also um eine Art Datenbank in der Wissen gesammelt und nach ganz bestimmten Kategorien oder Systemen geordnet wird. Synonym wird im deutschen Sprachraum auch manchmal das Wort Lexikon verwendet, wobei Enzyklopädien und Universal-Lexika neben Wörterbüchern und Fachlexika nur einer bestimmten Form von Lexika angehören, die es sich zur Aufgabe gemacht haben das Wissen der Zeit geordnet zur Verfügung zu stellen (vgl. Schlieker 2005). Wirft man nun einen Blick in eine Enzyklopädie oder ein Lexikon wird einem neben den Tatsachen der Wissensammlung und -ordnung noch ein weiteres Merkmal auffallen, welches ich an einem Beispiel aus Meyers großen Handlexikon aus dem Jahre 1996 kurz belegen möchte.

„ Enzyklopädie die, veraltet Konversationslexikon zusammenfassende Darstellung des gesamten Wissens oder eines Teilgebiets, entweder nach Sam (enkyklios paideia), die 7 freien Künste, Nachschlagewerk der Aufklärung ( á Enzyklopädisten). Daneben gibt es Fachwörterbücher oder Realenzyklopädien der Einzelgebiete. “ (Meyer 1996, S. 239).

Besonderes Augenmerk möchte ich hier auf „( á Enzyklopädisten)“ legen. Es handelt sich hier um einen Verweis auf einen weiteren Artikel oder ein weiteres Stichwort innerhalb des Lexikons, welches dem Sinn nach zum gelesenen Artikel passt. Der Sinn wird dadurch hergestellt, dass die bis zum Jahre 1780 erschienen französischen Enzyklopädien durch Enzyklopädisten unter der Leitung von D. Diderot erstellt wurden (vgl. Meyer 1996). Wir sehen dass ein Wissensgebiet auf ein weiteres Wissensgebiet verweist und den Leser so zu immer neuem Wissen führt. Hierbei handelt es sich um eine Eigenschaft die auch das WWW mit seinen Hypertextverknüpfungen bereithält. Jay David Bolter, ein amerikanischer Medienwissenschaftler, entwickelte in seinem 1997 erschienen Text „Hypertextualität, Internet, Interaktivität“ die Vision einer durch das Internet realisierten interaktiven allumfassenden Enzyklopädie. Dieser Vision ist diese Arbeit gewidmet. Ist eine solche Vision überhaupt realisierbar und wenn ja, welche Risiken aber auch Potentiale bietet sie? Beginnen werde ich mit einer genaueren Darstellung von Bolters Gedanken und Ideen um mich dann genauer dem Thema der Interaktivität zu widmen. Geklärt werden soll, was Hypertext überhaupt ist, wie er realisiert wird und in welcher Verbindung er schließlich zur Interaktivität steht. Darauf aufbauend werde ich mich dann den daraus resultierenden Risiken und Möglichkeiten widmen, um in einem abschließenden Fazit die Frage zu beantworten, ob eine allumfassende interaktive Enzyklopädie überhaupt realisierbar ist.

2. Jay D. Bolter – Eine Vision

Jay David Bolter, Jahrgang 1951 ist ein amerikanischer Medienwissenschaftler und Professor of New Media am Georgia Institute of Technoloy in Atlanta (vgl. Bolter 1997). Nach seinem Studium promovierte er im Jahre 1997 zum Ph. D. Classics und erlangte im Jahre 1978 seinen Master-Abschluss in Computer Science an der Universität von North Carolina. Er ist einer der bekanntesten Vordenker zur Theorie des elektronischen Schreibens und des Hypertextes. Bolter forscht zur kulturellen und sozialen Bedeutung des Computers und zum Hypertext. Seine aktuellen Interessensschwerpunkte liegen im Bereich der Annotation und Remedation. Zusammen mit Michael Joyce entwickelte er das Hypertext-System Storyspace (vgl. Wikipedia 2008 [1]).

Im nachfolgenden Abschnitt werde ich zunächst Bolters Kerngedanken zusammenfassen. Um Zugang zu seinen Gedankengängen zu bekommen erachte ich den von ihm getroffenen Vergleich zwischen dem gewöhnlich Buch und der Enzyklopädie als überaus wichtig. Das Buch zeichnet sich durch seine bestehenden festen Strukturen aus, d. h. die Anordnung der in ihm enthaltenen Informationen erfolgt in linearer Reihenfolge. Es ist in der Regel nicht möglich bestimmte Kapitel zu überspringen, da dies zum Verlust des roten Fadens führen würde und das aufeinander aufbauende Wissen nicht zum angedachten Gesamtkonzept zusammengefügt werden kann. Eine Ausnahme bildet die Enzyklopädie auch in ihrer gedruckten Form. Sie ist vom Charakter her hypertextuell, da sie immer wieder auf neue Bereiche innerhalb des Bandes oder auch innerhalb verschiedener Bände verweist. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang an das in der Einleitung gebrachte Beispiel zur Enzyklopädie und den Enzyklopädisten. Genau wie beim Buch ist es auch bei den heutigen Textverarbeitungsprogrammen noch so, das die produzierten Texte eine geradlinige Struktur aufweisen. Auch wenn im Internet heute noch relativ lineare Strukturen herrschen, was zum einen auf die heutigen Nutzer und auch die linearen Strukturen innerhalb der Computersysteme zurückzuführen ist, wird eine Übersetzung in den Hypertext über kurz oder lang erfolgen. Genauso verhielt es sich auch mit der Übersetzung von Manuskripten zum gedruckten Buch. Wenn Autoren in Zukunft Texte für das Netz produzieren, wird von ihnen geradezu erwartet werden, hypertextuelle Strukturen zu bedenken. Dies führt schließlich dazu, dass auch die im Netz enthaltene Lektüre hypertextuell wird. Somit entspricht das Internet geradezu der Verwirklichung des enzyklopädischen Gedankens. Das Netz wird zukünftig nur noch aktuelle Texte enthalten. Altes Wissen wird sehr schnell an Bedeutung verlieren und schließlich ganz aus dem Blickwinkel der Gesellschaft verschwinden. Ebenso wird der Zuwachs an Wissen beständig steigen, auch wenn heute noch nicht alle Texte und Bilder digitalisiert wurden. Dies wird sich in den kommenden Jahren jedoch gravierend ändern. Das WWW wird den Hypertext zu einem zentralen Genre kultureller Kommunikation werden lassen und zu einer allumfassenden interaktiven Enzyklopädie werden (vgl. Bolter 1997).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Internet und Hypertext - Auf dem Weg zur allumfassenden Enzyklopädie?
Hochschule
Hochschule Fulda
Veranstaltung
Die Realität der Massenmedien
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V92512
ISBN (eBook)
9783638061841
ISBN (Buch)
9783638950848
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet, Hypertext, Enzyklopädie, Realität, Massenmedien, Wissen
Arbeit zitieren
Mathias Schäfer (Autor), 2008, Internet und Hypertext - Auf dem Weg zur allumfassenden Enzyklopädie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92512

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