Das Transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA

Hintergrund, Aufgaben und Kritik


Akademische Arbeit, 2014

33 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist die THIP – Hintergrund und Geschichte

3 Struktur, Aufgaben und Ziele

4 Welche Akteure sind beteiligt?

5 Kritik

6 Fazit

Quellen

1 Einleitung

Die andauernde wirtschaftliche Krise, die weiterhin die Wirtschaft der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union beeinflusst, hat dazu geführt, dass nach einer Lösung für das Problem gesucht wird.

Gemeinsame Interessen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten haben Verhandlungen bezüglich einer gemeinsamen Freihandelszone schon seit Jahrzehnten prophezeit, aber erst jetzt ist der Anfang gelegt worden.1 Die Idee eines Abkommens zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika ist somit nicht neu und es haben tatsächlich Regierungen, Unternehmen und Wissenschaftler schon länger die Notwendigkeit so eines Abkommens diskutiert und in den letzten Jahren haben die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Europäische Kommission gemerkt, dass es an der Zeit ist diese Idee ins Leben zu erwecken.2

So wurden in 2013 die Verhandlungen zu der Transalantischen Freihandelszone ins Leben gerufen. Die Verhandlungen laufen immer noch und die beiden Mächte sind noch nicht zu einer endgültigen Entscheidung gekommen, unter anderem auch deshalb, weil die Verhandlungen wegen der Spionageaffäre im Herbst 2013 zwischendurch auf Eis gelegt wurden. In 2014 wurden aber die Gespräche bezüglich der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft wieder aufgenommen.

Das Ziel dieser Arbeit ist es die Inhalte, die möglichen Vorteile und Nachteile der Transatlantischen Freihandelszone bzw. des Transatlantischen Freihandelsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union im Detail zu untersuchen.

Dazu werde ich auf den folgenden Seiten erst einmal die Vorläufer und den Hintergrund dieses Abkommens vorstellen und näher auf die Geschichte der Entstehung der Idee und den Verlauf der Verhandlungen eingehen. Dann werde ich die Struktur, die Aufgaben und die Ziele des Abkommens, wenn es in Kraft tritt, vorstellen. Außerdem werden ich die einzelnen Akteure, die an den Verhandlungen teilnehmen und die von dem Abkommen beeinflusst werden, vorstellen.

Einen besonderen Fokus werde ich in dieser Arbeit auf die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Industrie, den Arbeitsmarkt und die Löhne in den einzelnen Ökonomien bzw. Ländern und sowohl die Nachteile, als auch die Vorteile legen. Insbesondere gehe ich näher auf die möglichen Auswirkungen auf den deutschen Markt ein, weil Deutschland die größte wirtschaftliche europäische Macht ist und somit wohl die meisten Effekte zu spüren bekommen wird.

Anschließend werde ich die Kritik, sowohl bezüglich der möglichen negativen Effekte dieses Abkommens, als auch die Meinungen der Befürworter des Abkommens präsentieren und danach versuchen mein eigenes Fazit zu geben.

2 Was ist die THIP – Hintergrund und Geschichte

Das Transatlantische Freihandelsabkommen oder die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP), oder auf English Transatlantic Trade and Investment Partnership, auch als Transatlantic Free Trade Area (TAFTA) bekannt, ist sich eine in der Verhandlungsphase befindliche Freihandelsvereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und der Europäischen Union (EU)3.

Zu den Teilnehmerstaaten dieses völkerrechtlichen Vertrages gehören die Staaten der Europäischen Union, die Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch Mexiko und Kanada, wie auch die EFTA (Europäische Freihandelsassoziation, engl.: European Free Trade Association) Staaten Island, Norwegen, Lichtenstein und die Schweiz, sowie einige potentielle EU-Beitrittskandidaten, wie die Türkei, Mazedonien u.a.4

Die folgende Karte zeigt die Teilnehmerstaaten des Transatlantischen Freihandelsabkommens – in dunkelblau sind die Vereinigten Staaten von Amerika und die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ausgewiesen, in hellblau sind die anderen Staaten gekennzeichnet, die bei den Verhandlungen zu dem Transatlantischen Freihandelsabkommen involviert sind5:

Das Abkommen soll die Handelsbarrieren in Form von Tarifen, Regelungen, Beschränkungen, Investitionen, etc. in vielen wirtschaftlichen Sektoren entfernen um den Handel zwischen den beiden Kontinenten zu vereinfachen6 und voraussichtlich die Wirtschaft der Europäischen Union um 120 Milliarden Euro, die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika um 90 Milliarden Euro, und die wirtschaftliche Lage der restlichen Länder der Welt um 100 Milliarden erhöhen7.

Wirtschaftsbarrieren zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union sind relativ gering und zwar erstens aufgrund der langjährigen Mitgliedschaft beider Akteure in der Welthandelsorganisation (englisch World Trade Organisation, WTO) und zweitens aufgrund jüngster Abkommen8, wie des Open-Skies-Abkommens (englisch EU-US Open Skies Agreement) und der Arbeit des Transatlantic Economic Council (TEC).9 Die Europäische Kommission erwartet, dass dieser Kanal des transatlantischen Handelspaktes den globalen Handel zwischen den betreffenden Akteuren um 50% steigern wird10. Jedoch sind die wirtschaftlichen Beziehungen angespannt und es finden häufige Handelsauseinandersetzungen zwischen den beiden wirtschaftlichen Mächten statt, viele von welchen in die Entscheidungsgewalt der Welthandelsorganisation fallen11. Wirtschaftliche Gewinne der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft wurden in dem gemeinsamen Bericht des Weißen Hauses und der Europäischen Kommission prognostiziert12.

Eine Art der Transatlantischen Freihandelszone wurde noch in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vorgeschlagen, und zwar im 1990 und in 1998, unter anderem unter dem Namen Wirtschafts-NATO oder auch das s.g. Multilaterale Investitionsabkommen, das von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Aktivisten stark kritisiert wurde und dann aufgrund des Widerstands von Frankreich scheiterte13. Diese Idee wurde später in 2006 von der Deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel als Reaktion auf die andauernde wirtschaftliche Krise und das Stocken der vielseitigen Handelsverhandlungen der Welthandelsorganisation, wie auch den Zusammenbruch der Doha Welthandelsgespräche, aufgegriffen.14 Außerdem würde eine Reform der europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und der hohen Grunderzeugnisproduktpreise bedeuten, dass beide Seiten bereit wären die Landwirtschaft zu diskutierten und die Offenheit ihrer Märkte zu überdenken.15

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Europäische Union unterzeichneten am 30. April 2007 eine Rahmenvereinbarung, die eine Vertiefung der transatlantischen gemeinsamen Wirtschaftsvereinbarung zwischen den beiden Akteuren beinhaltet16. Daraufhin wurde der Transatlantische Wirtschaftsrat (TEC) gegründet, dessen Aufgabe es war sich mit der Einigung zwischen den beiden Mächten zu beschäftigen17. Zwischen der Europäischen Union und Kanada wurde das Europäisch-Kanadische-Handelsabkommen CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) in 2009 geschaffen, als möglicher Zusammenschluss des „großen transatlantischen Abkommens“.18

Bei dem EU-US-Gipfeltreffen, das am 28. November 2011 stattfand, sprachen sich der Präsident des europäischen Rates Herman van Rompuy und US-Präsident Barack Obama im Rahmen des Transatlantischen Wirtschaftsrates (TEC) für die Gründung der High-Lever Working Group on Jobs and Growth aus.19 und somit fand die erste Tagung dieser Unterorganisation am 23. April 2012 statt und daran nahmen vor allem Wirtschaftslobbyisten wie die Bertelsmann-Stiftung oder Business Europe teil, während diese Arbeitsgruppe von dem EU Handelsbeauftragten Karel de Gucht und dem US Handelsvertreter Ron Kirk (United Stades Trade Representative (USTR)) geleitet wurde20.

Es wurde insbesondere auf die Möglichkeiten und potentiellen Schwierigkeiten, welcher so ein Abkommen mit sich bringen würde geschaut und das Ergebnis war, dass wenn ein umfassender Vertrag alle Sektoren abdecken würde es positive Auswirkungen hätte, indem der Welthandel offener wäre und somit ein willkommener Wachstum und höhere Arbeitsstellenerschaffung auf beiden Seiten des Atlantik stattfinden würde.21

Ebenfalls im Februar 2013, am 12. hat der US-amerikanische Präsident Barack Obama hat in seinem jährlichen State oft he Union so ein Abkommen gefordert und am nächsten Tag hat der der Vertreter der Europäischen Union Jose Manuel Barroso verkündet, dass Verhandlungen zum Thema dieses Abkommens in Kürze stattfinden werden22.

In Juni 2013 haben die ersten Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika angefangen und bis Ende des Jahres die dritte Verhandlungsrunde erreicht. Das ganze geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit23.

Im Gegensatz zu vorherigen Verträgen, welche von den USA unterschrieben wurden, ist die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft kein Abkommen mit Niedriglohnländern, denn die Löhne innerhalb der Europäischen Union sind größenmäßig vergleichbar mit denen in den Vereinigten Staaten und die europäischen Arbeits- und Umweltstandards sind unter anderem sogar strikter, als in den USA.24

Im Juli 2013 wurden von der Europäischen Kommission einige Positionspapiere, die unterschiedliche Aspekte der Verhandlungen beinhalten, veröffentlicht und den Vertretern der US-Regierung vorgezeigt.25

Die europäische Seite wird bei den Verhandlungen von der Europäischen Kommission repräsentiert, doch nach der Spionage- und Überwachungsaffäre im Herbst 2013 sprechen sich einige Mitglieder der Europäischen Kommission, wie z.B. die Justizkommissarin Viviane Reding für eine Verschiebung oder sogar ein Ruhen der Verhandlungen mit dem Grund, dass Partner sich nicht gegenseitig ausspionieren sollen und somit kann auch über keinen gemeinsamen transatlantischen Markt gesprochen werden26.

Seit dem Dezember 2013 wurden neue Verhandlungspartner erwählt – auf der Seite der Vereinigten Staaten ist es Dan Mullaney und auf der Seite der Europäischen Union ist es Ignacio Bercero.27

Voraussichtlich sollen die Verhandlungen bis Ende des Jahres 2014 abgeschlossen werden.28

3 Struktur, Aufgaben und Ziele

Von den 29 Kapiteln der Verhandlungsschriften zum Transatlantischen Freihandelsabkommen behandeln nur fünf den Handelsaspekt. Die folgenden Bereiche sind ebenfalls Teil der Verhandlungen bzw. werden von dem Abkommen beeinflusst, wenn es in Kraft tritt:

Zum Einen die Lebensmittelsicherheit und die Umweltschutzpolitik, zum Anderen die medizinische Versorgung und die Arbeitnehmerrechte, aber auch insbesondere die landwirtschaftlichen Familienunternehmen, die Internetfreiheit und die finanziellen Regelungen.29

Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft ist in fünfzehn spezifische Arbeitsgruppen aufgeteilt, von welchen jede für einen bestimmten Bereich zuständig ist. Der Aufgabenbereich der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft ist sehr umfangreich, zu den wichtigsten Bereichen zählen zum Einen die Eliminierung aller Handelstarifsätze und die Reduzierung aller Tarifpolitik Barrieren und eine engere Zusammenarbeit zwischen den EU- und den US-Kontrollorganen, aber auch die IP-Sicherheit und unter anderem auch die Beschränkung der Subventionen für staatliche Unternehmen.30

Die wichtigsten Konfliktpunkte ist die europäische Politik bezüglich der Beschränkung von Importen genetisch manipulierter Lebensmittel, wie auch die europäische freiere Regelung des finanziellen Sektors, und auf der anderen Seite die strikteren inländischen Gesetze für die US-amerikanischen Banken.31

So ein Abkommen wird einen Einfluss auf die Handelskosten zwischen den beiden Mächten haben, denn die tariflichen Barrieren und bestimmte nicht-tarifliche Barrieren bezüglich des Handels werden aufgehoben oder erweitert32.

Es gibt zwei mögliche Szenarien, wie das Abkommen gestalten werden könnte33:

Die erste Variante ist das so genannte umfassende Lockerungsszenario. In diesem Fall wird die Handelskostenmatrix so angepasst, dass dadurch fingierte Änderungen im Handelsverkehr erreicht werden, die der ökometrisch berechnetem Handelserschaffung aus beobachtbaren Freihandelsabkommen entsprechen34. Die Reduktion der Barrieren eröffnet echte Ressourcen, die für nützliche Aktivitäten angewendet werden können, welche wiederrum in direkter Weise die Gemeinwohlsteigerungen der betreffenden Wirtschaften beeinflussen können. Und das hängt nicht davon ab, wie nicht tarifliche Barrieren letztendlich reduziert werden – durch gegenseitige Anerkennung verschiedener Standarte, durch Angleichung oder Eliminierung von Maßnahmen, die benachteiligend sind.

Die zweite Variante ist das so genannte tarifliche Szenario. In diesem Fall wird angenommen, dass die Handelsmatrix so geändert wird, dass die Handelskosten zwischen den USA und den europäischen Ländern durch das Ausmaß der angewandten Tarife auf diese zweiseitigen Beziehungen, reduziert werden. Bestimmte Ausnahme für spezielle Produkte werden wahrscheinlich bestehen bleiben, aber im Durchschnitt ist eine Reduktion gegen Null für alle Waren sehr sinnvoll35.

Im Vergleich zu dem umfassenden Lockerungsszenario bedeutet die Eliminierung von Tarifen hauptsächlich, dass der Einkommenstransfer von Kunde zum Staat umgewandelt wird und während Tarife, neben dem Verteilungseffekt noch einen Verlust an Wohlstand erzeugen, ist dieser Verlust sehr gering wenn die Tarife so niedrig sind, wie in diesem Fall36.

Einige Vorschläge für das Transatlantische Freihandelsabkommen beinhalten auf der amerikanischen Seite auch die Teilnehmer der Nordamerikanischen Freihandelszone (North American Free Trade Area) Kanada und Mexiko und auf der europäischen Seite, die Mitglieder der Europäischen Freihandelsassoziation Norwegen, Island, Schweiz und Lichtenstein (EFTA)37.

Mexiko hat schon ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Freihandelsassoziation und der Europäischen Union und Kanada hat ebenfalls ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Freihandelsassoziation und steht in den Verhandlungen mit der Europäischen Union38. Diese Verhandlungen könnten durch das Transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika vereinheitlicht werden und somit eine größere Freihandelszone bilden.

Dem Transatlantischen Wirtschaftsrat (TEC) zufolge geht es bei dem Abkommen nicht in erster Linie um den Zollabbau, denn obwohl eine Menge tarifliche Barrieren und Mengenbeschränkungen vorhanden sind, die mit dem Abkommen abgelöst werden soll, verläuft der Handel über den Atlantik hinweg auch jetzt schon größtenteils reibungslos und nur etwa vier bis sieben Prozent des ganzen transatlantischen Handelsumfangs sind derzeit den Zöllen zuzuordnen39. Das Hauptziel des Transatlantischen Freihandelsabkommens ist vielmehr der Abbau der nichttariflichen Handelsbeschränkungen, wie die Gleichstellung von öffentlichen Aufträgen, Angleichung von Lebensmittelgrenzen und Gesundheitsstandards, Anpassung von Umweltstandards, die Deregulierung des Finanzsektors und die Angleichung der Industriestandards40.

Die Öffentlichen Aufträge beinhalten die Gleichstellung von Wirtschaftsobjekten auf beiden Seiten, was die Möglichkeiten im Wirtschaftsraum angleichen würde. Z.B. würde in diesem Fall eine polnische Baufirma genau die gleichen Chancen, wie z.B. eine texanische haben eine Brücke in New York oder in Paris zu bauen41.

Was die Lebensmittelgesetze und Gesundheitsstandards anbelangt so werden z.B. genetisch manipulierte Lebensmittel in Europa gekennzeichnet und sind überwiegend auch verboten, jedoch sieht die Lage bei diesem Thema in den Vereinigten Staaten ganz anders aus: beinahe 90 Prozent der Zuckerrüben, Sojabohnen und des Maises sind in den USA genetisch verändert und es existieren in den Vereinigten Staaten auch keine Kennzeichnungspflichten dafür42. Jedoch ist dieser Prozess auch umgekehrt – einige Lebensmittel und Produkte, die in Europa stark verbreitet sind, aber nicht auf besondere Weise gekennzeichnet werden müssen unterliegen wiederrum in den Vereinigten Staaten bestimmten Beschränkungen und zum Beispiel wird der französische Käse „Roquefort“, welcher aus Rohmilch hergestellt wird, in den USA von den Gesundheitsbehörden als fragwürdig eingestuft43. Einige Konzerne, wie unter anderem auch Monsanto üben schon seit Langem Kritik an diesen Beschränkungen bezüglich des europäischen Marktes aus und möchten deshalb mit der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft die Deckelung bzw. die Herunterstufung dieser Standards erreichen, um zum Beispiel auch gentechnisch veränderte Produkte, Lebensmittel und Pflanzensorten ohne Einschränkung auch auf dem europäischen Markt vertreiben zu können44.

Bei den Umweltstandards gibt es ebenfalls Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union: im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten von Amerika darf in vielen Ländern der Europäischen Union kein Fracking ausgeübt werden und dementsprechend darf auch kein durch Fracking gewonnenes Gas eingeliefert werden45. Aus diesem Grund wurde im Dezember 2013 das Thema Fracking in die nicht-öffentlichen Verhandlungen bezüglich der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft aufgenommen46.

Bei der Deregulierung des Finanzsektors geht es zentral darum, dass durch die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft die Kontrollen und einschränkenden Regelungen bzw. Gesetze im Finanzsektor zurückgenommen werden sollen, denn nach der Finanzkrise in 2007 wurden in den Vereinigten Staaten die Regelungen im Finanz- und Banksektor stark verschärft47. Ein Teil dieser Verschärfungen war zum Beispiel der partielle Verbot und die Reglementierung risikobürgender Finanzprodukte, welcher bis jetzt als einer der Gründe für die Finanzkrise von 2007 angesehen werden48.

Die Industriestandards, aber auch die Handel-, Gewerbe- und Finanzdienstleistungsstandards sind bedeutend und bestimmend für die Zukunft, vor allem in der Wirtschaft, weswegen die einheitlichen Standards bei den Verhandlungen zu der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft die größten Schwierigkeiten beraten49. Jedoch zeigt die Vergangenheit, dass keine US-Regierung jemals bereit war die nationalen Kultur- und Spezialinteressen, aber auch die Souveränitäten auf tiefer Ebene ändern zu lassen50.

Die Ziele des Abkommens beinhalten das Wirtschaftswachstum, die Senkung der Arbeitslosigkeit und die Erhöhung des Durchschnittseinkommens der Arbeitnehmer in den Teilnehmerstaaten51. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der US-amerikanische Präsident Barack Obama und der Vertreter der Europäischen Union José Manuel Barroso betonen mehrmals die möglichen positiven Effekte dieses Abkommens und im Februar 2013 äußerte sich die Bundeskanzlerin Merkel dazu, indem sie sagte, dass das ein großer Wunsch von ihrer Seite aus ist, dass dieses Abkommen geschlossen wird.52

Wenn die Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft durchgesetzt wird, so könnten dank diesem Abkommen ein Drittel des Welthandels freigegeben und Millionen von neuen Jobs geschaffen werden53.

Die tariflichen Barrieren zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Europäischen Union sind jetzt schon ziemlich niedrig (im Durchschnitt 4%) und die Bereiche, in welchem echte Gewinne für Unternehmen, Arbeitsstellenerschaffung und Kundenwert erzielt werden können sind die so genannten nicht-tariflichen Barrieren (NTBs, englisch Non-Tariff Barriers)54. NTBs sind das Ergebnis der Unterschiede zwischen den Regelungen und Standards.

Das United Kingdom´s Centre für Economic Policy Research schätzt ein, dass etwa 80 Prozent der potentiellen wirtschaftlichen Gewinne aus dem Transatlantischen Freihandelsabkommen davon abhängen, ob die vielfältigen Konflikte zwischen den Regelungen in den USA und in der EU bezüglich der behördlichen Bestimmungen reduziert werden, angefangen bei der Lebensmittelsicherheit bis hin zu Automobilteilen55. Eine erfolgreiche Strategie, laut Thomas Bollyky vom Council on Foreign Relations und Anu Bradford von der Columbia Law School, sollte sich auf die Sektoren konzentrieren, bei welchen die transatlantischen Handelsziele und die Regelungen sich überschneiden, wie in den Bereichen Pharmazeutika, landwirtschaftliche Erzeugnisse und finanzielle Dienstleistungen. Dadurch wird gewährleistet, dass Europa und die USA Standardverfertiger und nicht Standardmitspieler in der Weltwirtschaft bleiben, wodurch die Hersteller weltweit weiterhin an die USA und die EU-Standards streben werden.

Genaue Beispiele wären folgende:

- Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft könnte es der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika ermöglichen gegenseitig die Standarte bei der Automobilsicherheit anzuerkennen, sodass die Autos auf beiden Seiten des Atlantik verkauft werden könnten, ohne spezielle Tests und Prüfungen;
- Eine Lockerung der Dienstleistungen könnte europäischen Fluggesellschaften ermöglichen auch Inlandflüge in den Vereinigten Staaten zu tätigen, denn heute z.B., wenn ein Flug von Paris nach Los Angeles fliegt und in New York einen Zwischenstopp einlegt, ist es nicht erlaubt neue Passagiere aufzunehmen und so muss halb leer diese Strecke fliegen.56

Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft soll ein anspruchsvolles, umfassendes und hochstandardisiertes Handels- und Investitionsabkommen werden, dass bedeutende Vorteile für beide Akteure in Bezug auf internationalen Wettbewerb, den Arbeitsmarkt und das wirtschaftliche Wachstum bietet.57 Die Ziele des Ankommens sind im Einzelnen folgende:

- den europäischen Markt, der momentan für die USA schon der größte Exportmarkt ist, weiter öffnen, die Menge der Produkte und Dienstleistungen in 2012 im Wert von 458 Milliarden Dollar, die die USA in die EU exportiert haben, weiter erhöhen;
- alle Handelstarife eliminieren und die nicht-tariflichen Barrieren lösen, um den Handelsverkehr, einschließlich der landwirtschaftlichen Produkte, zu vereinfachen;
- besseren Marktzugang im Dienstleistungssektor erlangen;
- den globalen Wettbewerb der Klein- und mittelständischen Unternehmen fördern;
- die Kosten der Unterschiede in den Regelungen und Standards bedeutend reduzieren, um größere Kompatibilität, Transparenz und Kooperation zu fördern, während ein hohes Niveau an Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz aufrechterhalten wird;
- Regeln, Vorschriften und neue Arten der Zusammenarbeit auf globaler Ebene entwickeln.58

4 Welche Akteure sind beteiligt?

Die beiden Akteure zusammen repräsentieren 60% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP), 33% des Welthandels in Gütern und 42% des Welthandels an Dienstleistungen.59 Das Wachstum der wirtschaftlichen Macht der EU hat zu einer Reihe von Konflikten zwischen den beiden Mächten, obwohl beiden Akteure nur mit 2% des Handels von dem gegenseitigen Wirtschaftsmarkt abhängen60. Die Freihandelszone zwischen den beiden Mächten würde das potentiell größte Freihandelsabkommen in der Geschichte repräsentieren, denn Sie würden zusammen 46% des globalen BIP betragen61.

Die US-Investitionen in die EU sind drei Mal so hoch, wie die US-Investitionen nach ganz Asien und die EU-Investitionen in die USA sind acht Mal so hoch, wie die EU-Investitionen nach Indien und China zusammen62. Die infrabetrieblichen Umsetzungen betragen schätzungsweise ein Drittel des transatlantischen Handels insgesamt63. Die USA und die EU sind die größten Handelspartner der meisten anderen Länder in der Welt und betragen ein Drittel des globalen Handelsverkehrs. Aufgrund der jetzt schon niedrigen tariflichen Barrieren (weniger als 3%), ist es notwendig die nicht tariflichen Barrieren aufzuhaben, um dieses Abkommen erfolgreich zu machen64.

Auswirkungen: Vorteile und Nachteile

Das Ineinandergreifen von Ländern durch Handel ist ein wichtiger Indikator der Zusammenarbeit, nicht nur bezüglich der Handelspolitik, sondern auch in vielen anderen politischen und wirtschaftlichen Bereichen, wie der Produktionstechnik, Dienstleistungen und Landwirtschaft65.

[...]


1 economycrisis.org 2014

2 European Commission 2013: 2 (a)

3 Felbermayr, G., Prof. Ph.D.; Heid, B.; Lehwald, S. 2013: 4

4 economycrisis.org 2014

5 economycrisis.org 2014

6 European Commission 2013: 2 (a)

7 European Commission 2013: 3 (a)

8 European Commission 2013: 2 (a)

9 The Economist Newspaper Limited 2014

10 The Economist Newspaper Limited 2014

11 European Commission 2013: 4f. (a)

12 European Commission 2013: 4f. (a)

13 The Economist Newspaper Limited 2014

14 European Commission 2013: 2 (a)

15 European Commission 2013: 2 (a)

16 The Economist Newspaper Limited 2014

17 The Economist Newspaper Limited 2014

18 The Economist Newspaper Limited 2014

19 European Commission 2013: 2 (a)

20 Bromund, T. R. Ph.D.; Hederman, R. S. Jr.; Riley, B.; Coffey, L. 2013

21 European Commission 2013: 2 (a)

22 taz.de 2013

23 ZEIT ONLINE 2013

24 economycrisis.org 2014

25 European Commission 2013 (b)

26 FAZ.NET 2014

27 Office of the United States Representative 2013

28 Office of the United States Representative 2013

29 economycrisis.org 2014

30 Boskin, M.J. (2013)

31 Boskin, M.J. (2013)

32 Felbermayr, G., Prof. Ph.D.; Heid, B.; Lehwald, S. 2013: 9

33 Felbermayr, G., Prof. Ph.D.; Heid, B.; Lehwald, S. 2013: 9

34 Felbermayr, G., Prof. Ph.D.; Heid, B.; Lehwald, S. 2013: 9

35 Felbermayr, G., Prof. Ph.D.; Heid, B.; Lehwald, S. 2013: 9

36 Felbermayr, G., Prof. Ph.D.; Heid, B.; Lehwald, S. 2013: 9

37 Forum: 50

38 Forum: 50

39 International Trade News 2014

40 International Trade News 2014

41 Wallach, L. 2013

42 Wallach, L. 2013

43 Wallach, L. 2013

44 Wallach, L. 2013

45 Schmitz, G.P. 2013

46 Schmitz, G.P. 2013

47 Wallach, L. 2013

48 Wallach, L. 2013

49 Wallach, L. 2013

50 Wallach, L. 2013

51 Jungholt, T., Wegin, C. 2013

52 Jungholt, T., Wegin, C. 2013

53 Jungholt, T., Wegin, C. 2013

54 European Commission (a) 2013: 3

55 European Commission (a) 2013: 3

56 European Commission 2013: 4 (a)

57 Office of the United States Representative 2013

58 Office of the United States Representative 2013

59 European Commission 2013: 4 (a)

60 European Commission 2013: 4 (a)

61 European Commission 2013: 4 (a)

62 European Commission 2013: 4 (a)

63 European Commission 2013: 4 (a)

64 European Commission 2013: 4 (a)

65 European Commission 2013: 5 (a)

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Das Transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA
Untertitel
Hintergrund, Aufgaben und Kritik
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,1
Autor
Jahr
2014
Seiten
33
Katalognummer
V925164
ISBN (eBook)
9783346246592
ISBN (Buch)
9783346246608
Sprache
Deutsch
Schlagworte
transatlantische, freihandelsabkommen, hintergrund, aufgaben, kritik
Arbeit zitieren
Yevgeniya Marmer (Autor), 2014, Das Transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925164

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden