Eine kurze Erzählanalyse von "Die Füße im Feuer" von C.F. Meyer


Ausarbeitung, 2020

7 Seiten

Chris K. (Autor)


Leseprobe

Inhalt

Die Ballade – eine Definition

Die Definition der Erzählanalyse

Die Erzählanalyse der Ballade „Die Füße im Feuer“ von C.F. Meyer

Quellen

Die Ballade – eine Definition

Eine Ballade ist eine abgeschlossene Erzählung mit einer einfachen Vers-, Reim- und Strophengestaltung. Sie war besonders in der Zeit des „Sturm und Drang“ bis in das 19. Jahrhundert beliebt. In der Goethezeit war die sogenannte Kunstballade beliebt, die volksnah und einfach strukturiert war. Es handelt sich um mystische Erzählungen, wie auch bei den Volksballaden oder auch Skandalgeschichten ebenso wie bei den Bänkelsängen des Jahrmarktes. Die Ballade behandelt abgeschlossene Handlungen, die wunderbar oder numinos sind. Die Erzählung zeichnet sich durch einen vermittelnden Erzähler aus, dennoch gibt es auch Dialoge. In der Ballade existiert die dramatische Gestaltung, die lyrische Formung und die epische Erzählung gleichzeitig. In der heutigen Zeit existiert die Ballade beispielsweise in Form des Kabaretts oder der politischen Ballade (vgl. Spörl 2006: 176 f.).

Die Definition der Erzählanalyse

Die Erzähltextanalyse zeichnet sich durch eine strukturelle Analyse eines Erzähltextes aus. Es teilt sich in die Zeit, die Art des Redens (Modus), die Erzählperspektive und den Inhalt.

Zeitlich kann man die Reihenfolge definieren. Dies bedeutet, man geht der Frage nach, ob etwas gleichzeitig mit dem Geschehen erzählt wird, also chronologisch, ob etwas in der Vergangenheit (Analepse) oder in der Zukunft erzählt wird (Prolepse) (vgl. Lahn 2016: 297ff.). Darüber hinaus ist es möglich, die Erzähldauer eines Textes zu definieren. Hier wird das Verhältnis von erzählter Zeit zur Erzählzeit definiert. Liegt eine sogenannte Zeitraffung vor, ist die erzählte Zeit deutlich länger, als die Erzählzeit und es werden nur wenige Infos Preis gegeben. Wenn sich die erzählte Zeit und die Erzählzeit decken, so spricht man von zeitdeckendem Erzählen. Zeitdehnung liegt vor, wenn die reale Zeitspanne kürzer ist, als die Erzählzeit. Man spricht von einer Ellipse, wenn erzählte Zeit ausgespart wird (vgl. Lahn 2016: 297ff.). Nun behandelt die Erzählanalyse auch die Frequenz des Erzählens. Singulatives Erzählen erzählt einen Vorgang, der einmal geschehen ist, nur ein Mal. Repetitives Erzählen erzählt einen Vorgang, der einmal geschehen ist, mehrmals. Iteratives Erzählen erzählt einmal, was mehrfach geschehen ist (vgl. Lahn 2016: 159).

Der Modus beschreibt die Direktheit der Erzählung. Diese zeigt sich beispielsweise schon in der Textsorte, wie Bericht, Beschreibung oder Reflexion. Man unterscheidet generell die Erzählung von Worten und die gesprochene Rede. Daran orientiert sich nun der Erzählmodus. Der Narrative Modus, auch „erzählte Rede“ genannt, beinhaltet die Erwähnung des Sprechakts in Form eines Gesprächsberichts (vgl. Lahn 2016: 306). Der dramatische Modus ist durch die Widergabe der direkten, autonomen Rede geprägt. Der gemischte Modus, auch transponierte Rede genannt, ist eine Mischform von direkter und indirekter Rede. Nicht nur die Erzählung, auch die Gedanken werden auf diese Art und Weise gegliedert (vgl. Lahn 2016: 299ff.).

Die Fokalisierung beschreibt, in wie weit die Erzählung von den subjektiven Eindrücken des Erzählers bestimmt ist. Die externe Fokalisierung zeigt eine recht objektive Erzählweise aus der Außensicht auf. Die interne Fokalisierung beschreibt, dass der Erzähler nur das weiß, was auch die Figur weiß und wahrnimmt. Die Nullfokalisierung zeigt eine auktoriale Übersicht. Hier weiß der Erzähler mehr als die Figur (vgl. Lahn 2016: 300ff.).

Die Stimme beschreibt die Handlungsbeteiligung und den Ort des Erzählens. Extradiegetisches Erzählen ist das primäre Erzählen. Es beschreibt die Rahmenerzählung. Das Intradiegetische Erzählen, auch sekundäres Erzählen genannt, erzählt die Binnenerzählung. Das metadiegetische Erzählen ist die Binnenerzählung in der Binnenerzählung (vgl. Lahn 2016: 300ff.). Im Zusammenhang mit der Handlungsbeteiligung ist der heterodiegetische Erzähler, ein Erzähler, welcher in der 3. Person erzählt und keine Figur der erzählten Welt ist (vgl. Lahn 2016: 103ff.). Der Homodiegetische Erzähler erzählt in der 1. Person und ist eine Figur der erzählten Welt. Der Autodiegetische Erzähler spricht in der 1. Person und dies als Hauptfigur (vgl. Lahn 2016: 298ff.).

Als letzter Bestandteil der Erzählanalyse sei die Erzählte Welt genannt. Die erzählte Welt als inhaltlicher Raum kann homogen oder heterogen, uniregional oder pluriregional, aber auch möglich oder unmöglich sein. Mit anderen Worten kann es sich beispielsweise um mehrere Orte und oder um eine vielfältige Welt handeln. Die erzählte Welt enthält auch jene darin handelnde Figuren. Diese kann man in Haupt- und Nebenfiguren, in Figurenkonstellationen gliedern. Hier lassen sich leicht Figurencharakterisierungen erstellen. Die Handlung gliedert sich mit zeitlicher Längenzunahme in Ereignis, Geschehen und Geschichte. Innerhalb der Handlung lässt sich die Motivierung, das Handlungsschema mit seiner Entwicklung und seinem Höhepunkt herausarbeiten. So lassen sich auch die Themen und Motive erschließen. Erzähltexte bestehen meist aus einem Hauptthema und oft einigen Nebenthemen. Das Hauptthema ist oft das Leitmotiv. Dieses wird von verschiedenen anderen stützenden oder schmückenden Motiven begleitet (vgl. Lahn 2016: 234ff).

Die Erzählanalyse der Ballade „Die Füße im Feuer“ von C.F. Meyer

Im Folgenden wird die Ballade „Die Füße im Feuer“ von C.F. Meyer nach den obig beschriebenen Kriterien eigenständig analysiert. Die Ballade ist in Bezug auf die zeitliche Ordnung chronologisch erzählt. Ein Reiter, ein Kurier des französischen Königs sucht Herberge in einem Schloss. Hier hat er früher jemanden Umgebracht und nun Angst aufzufliegen. Er wird erkannt aber vom Hausherrn verschont (vgl. Grimm 2008: 324ff.). Diese Erzählung wird chronologisch berichtet. Das heisst es wird ohne große Sprünge nach der zeitlichen Abfolge berichtet. Die Erzählgeschwindigkeit ist dabei Zeitraffend, denn die Ballade ist offensichtlich von einer geringeren Erzählzeit als die erzählte Zeit. Die Ballade ist in Form des singulativen Erzählens geschrieben. Es wird somit einmal erzählt, was sich einmal ereignet hat. Kleinere Zeitsprünge zeichnen die Ballade aus. Diese sind allerdings nur sehr kurz. In Vers 52-55 wird ein Zeitsprung deutlich. Der Reiter hat bereits geschlafen und geträumt und der Hausherr ist ihm durch eine Nebentür zugestiegen und steht bereits im Zimmer.

Die Distanz der Erzählung ist gemäßigt. Es handelt sich um eine beschreibende Erzählung. Die Figurenrede ist Form der zitierten, direkten Rede gehalten. Hier herrscht der Dramatische Modus vor. Die Sprechersicht ist von einer neutralen Gesprächsweise geprägt. Dabei spricht man folglich von einer externen Fokalisierung. Ähnlich wie auch die zeitliche Ordnung, in Form des chronologischen Erzählens, ist auch der Zeitpunkt des Erzählens gleichzeitig mit der Tat. Die Tat und das Erzählen finden also gleichzeitig statt. Die Erzählebene ist extradiegetisch. Die Rahmenerzählung wird direkt erzählt, es gibt keine Erzählung in einer Erzählung. Die Handlungsbeteiligung ist distanziert. Die Ballade wird aus Sicht eines heterodiegetischen Erzählers erzählt. Dabei berichtet der Erzähler als 3. Person und beschreibt die Handlung, indem er keine Person der erzählten Welt ist.

Die erzählte Welt ist recht homogen und uniregional, sie handelt von dem Kurier des Königs und seiner Übernachtung in einem Schloss, in welchem der Kurier eine Vorgeschichte hat. Zeitlich wird ein Abend, eine Nacht und der nächste Morgen beschrieben. Die Hauptfigur der Ballade ist der Kurier. Als eine weitere Figur ist hier der Edelmann zu nennen, welcher ihm die Tür öffnet. Die Schaffnerin, das Edelmägdlein, und ein Knabe spielen nur Nebenrollen. Die Frau des Edelmannes wurde vor Zeiten durch den Kurier ermordet. Es zeigt sich hier eine Dreieck-Figurenkonstellation, in welcher der Reiter die Frau des Edelmannes ermordet hat, aber jener Edelmann sich gnädig gegenüber diesem Reiter zeigt. Die Handlung hat ihren Höhepunkt in der Szene, in welcher sich der Reiter mit dem Edelmann nach dem Aufwachen in einem Raum befindet. Dieser Höhepunkt wird stark durch die negative Spannung zwischen den Wohnungsbewohnern und dem Reiter in die Höhe getrieben. Die Spannung entlädt sich schnell, als der Edelmann den Kurier unbeschadet weiterziehen lässt. Das Leitmotiv dieser Ballade ist die Geschichte der Übernachtung. Dieses Leitmotiv wird durch das Hauptthema unterstützt, nämlich der Mord an der Frau des Edelmannes. Dieses Hauptthema prägt die gesamte Stimmung des Gedichtes und findet ihren Höhepunkt mit dem Aufwachen des Reiters (siehe Ballade).

Die Ballade ist in die Zeit der Hugenottenkriege geschrieben (1562 bis 1710). Der Reiter ist Diener König Ludwigs den XIII. (vgl. Lahn 2016: 321f.). Es ist wie folgt aufgebaut: „1. Vers 1-6: Ein königlicher Kurier fordert während eines nächtlichen Unwetters Unterkunft auf einem Adelssitz. 2. Vers 7-19: Der Hausherr selbst nimmt ihn freundschaftlich auf. Nach dem Eintritt in den vom Herdfeuer schwach erhellten Saal erinnert der Gast sich mit Entsetzen daran, daß er schon früher an diesem Ort gewesen ist. 3. Vers 20-35: Ein ebenfalls schreckhaftes Wiedererkennen nimmt er bei den Kindern des Gastgebers wahr, die beim Tischdecken helfen. In seiner Erinnerung steigt die Untat wieder auf, die er vor drei Jahren, während einer Unternehmung gegen die Hugenotten, begangen hat: die Folterung der Hausherrin, die den Ehemann nicht hatte verraten wollen. Die Imagination wird von dem – noch – ahnungslosen Hausherrn beendet, der den Gast zu Tisch bittet. 4. Vers 36-44: Das Verhalten der Kinder und des Gastes bei Tisch ist vom Entsetzen des Widererkennens bestimmt. Der Gast überspielt seine Angst mit der betont energischen Forderung, ihm sein Lager anzuweisen. Abgehend sieht er, wie eines der Kinder mit dem Vater flüstert. 5. Vers 45-50: Allein in seinem Gemach erlebt der Kurier den Höhepunkt des Unwetters und seiner Todesangst. Als draußen ruhiger Regen einsetzt, übermannt ihn der Schlaf. 6. Vers 51-57: Im Traum wiederholt er abermals seine Untat, diesmal – seiner Todesangst gemäß – zuletzt selbst als Opfer: das Feuer verschlingt ihn. Vor dem aus dem Angsttraum auffahrenden steht, heimlich in das Gemach gelangt, der über Nacht ergraute Hausherr und mahnt zur Abreise. 7. Vers 58-71: Der Hausherr gleitet den Gast durch eine friedliche Morgenlandschaft, die freilich Spuren des nächtlichen Tobens aufweist. Der Kurier, immer noch voll Angst, weist präventiv auf seinen Status als Schutzbefohlener des größten Königs hin. Der Edelmann nimmt die Formel in ganz anderem Sinne bestätigend auf. Er erweist so die abermalige Niederlage des Verbrechers, aber auch die Schwere des Kampfes, den er durchfechten musste, bis er imstande war, der Rache Gottes nicht vorzugreifen.“ (Lahn 2016: 322f.). Der Reiter ist als Person zu jeder Zeit fremdbestimmt. In Vers 67 erkennt er dies und behauptet selbst: „Ich bin ein Knecht des Königs“ (vgl. V. 67).

In dieser Ballade werden viele Kontrasteffekte eingearbeitet. Das Gedicht ist dabei metrisch sehr regelmäßig gebaut. Es handelt sich um jambische Trimeter, welche zwölfsilbig sind und einen Auftakt besitzen. Der angesprochene Kontrast zeigt sich beispielsweise in Bezug auf die Balladengattung, und der Tatsache, dass es trotz des epischen Charakters keinen erzählenden Erzähler gibt, der sich tatsächlich zeigt. Inhaltlich wird die bedrohliche Situation, in welche sich der Reiter begegnet in den Versen 11-15 untermauert. Hier wird erläutert, dass der Saal, welcher der Reiter betritt, sehr undeutlich und bedrohlich wirkt. Im Gegensatz dazu wird in der ersten Versgruppe ein freundliches und helles Bild der Wohnung gezeichnet. Konkret beängstigt den Reiter der auffällige Herd (V.12, 16, und 18), das Flackern des Feuers (V. 13) und auch die Bilder und das Frauenportrait (V. 13f.), welches als Vorausdeutung interpretiert werden könnte (vgl. Grimm 2008: 324ff.). „Den Schluss der zweiten (Vers-)gruppe bildet effektvoll die erste Wiederaufnahme des titelgebenden Leitmotivs: ,Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut‘ (V.19). Sie erfolgt als aus der Angst hervorgetriebene Erinnerungsimagination und ist die Keimzelle für das Aufbrechen der vollen Erinnerung in der dritten und den Höllentraum in der sechsten Versgruppe.“ (Grimm 2008: 328).

Das Retardationszeichen (…) deutet in Vers 15 eine Bedrohungsempfindung an. Um dagegen anzugehen wirft sich der Reiter „in den Sessel“ und starrt auf die bedrohlichen Bilder (V.16f.). Weitere Retardationszeichen verdeutlichen den Gespanntheitszustand. Die dritte Versgruppe ist von einem großen Schnitt geprägt. Es wird eine Idylle entgegengestellt, welche aber nur künstlich aufgebaut ist (vgl. Grimm 2008: 328f.). Die Erinnerungsimagination des Reiters an die Tat beginnt in Vers 25ff. Dabei werden Vorstellungen aneinandergereiht. Die Situation wird nochmal in Vers 27-32 nacherlebt. Durch das Nacherleben werden Angst und Selbstkritik aufgrund von unvorsichtigem Verhalten ausgelöst (vgl. Grimm 2008: 330): „Wer hieß dich hier zu Gaste gehen, dummer Narr? / Hat er nur einen Tropfen Bluts, erwürgt er dich.“ (V.33f.). Ein weiterer Kontrast ist jener der Angst des Reiters vor der Konfrontation mit dem Hausherr und der tatsächlich stattfindenden Konfrontation. Hier geht es darum, dass der Leser weiß, wie leicht der Hausherr seine Tat hätte umsetzen können. Der Hausherr ist zu Beginn der Ballade freundlich und am Ende ebenso – und dies trotz einer veränderten Ausgangslage. Der innere Kampf des Hausherrn spiegelt sich dabei im Unwetter der Übernachtungsnacht. Am Ende wird der Sieg gefeiert. Ein schönes Morgen- und Naturbild zeigt dies in Vers 58-64. Dabei wird im Kontrast zum vorherigen Sturm klargestellt, dass sich kein Lüftchen mehr regt aber der Sturm viel zerstört hat. In Vers 70f. wird deutlich, dass der Bote immer noch abhängig und unselbstständig ist, und nicht verstanden hat, dass der Edelmann ihn aus Edelmut verschont hat (vgl. Grimm 2008: 333f.).

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Details

Titel
Eine kurze Erzählanalyse von "Die Füße im Feuer" von C.F. Meyer
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
7
Katalognummer
V925198
ISBN (eBook)
9783346245649
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, erzählanalyse, füße, feuer, meyer, Die Füße im Feuer Interpretation, Die Füße im Feuer Analyse, Conrad F Meyer, Erzählanalyse schreiben, Erzählanalyse über Meyer, Erzählanalyse über Die Füße im Feuer, Erzählanalyse Meyer, Erzählung Analyse, Germanistik Meyer, Germanistik Lyrik Meyer, Lyrik Meyer
Arbeit zitieren
Chris K. (Autor), 2020, Eine kurze Erzählanalyse von "Die Füße im Feuer" von C.F. Meyer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925198

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