Mädchen- und Jungenarbeit. Was beinhaltet Mädchenarbeit?


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Stationen der Mädchenarbeit
2.1 Anfänge geschlechtsspezifischer Erziehung
2.2 Mädchenarbeit heute

3. Handlungsfelder Mädchenarbeit
3.1 Kindertagesstätten
3.2 Schule
3.3 Kinder- und Jugendarbeit

4. Abgrenzung zum Gender-Mainstreaming
4.1 Definition Gender/Gender-Mainstreaming
4.2 Mädchenarbeit vs. Gendermainstreaming

5. Fazit und Ausblick

III. Literaturverzeichnis

II.Abkürzungsverzeichnis

o.J. kein Datum

z.B. zum Beispiel

1. Einleitung

Jugendliche in unserer Gesellschaft befinden sich in einem Dilemma. Zunehmende Individualisie­rung und Pluralisierung lässt die Möglichkeiten der Lebensentwürfe wachsen und fast grenzenlos erscheinen (Bronner und Behnisch 2007, S.85). Auf der einen Seite ergeben sich so für die Heran­wachsenden Freiräume, zahlreiche Optionen und die Möglichkeit sich von alten Rollenbilder zu lö­sen. Auf der anderen Seite fördert diese Freiheit auch Ängste und Unsicherheiten durch Verlust von Struktur und Traditionen. Mädchen sind in dieser Hinsicht noch mehr betroffen als Jungen. Die vor­gegaukelte, unbegrenzte Freiheit sein Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten steht in Wider­spruch zur Realität. Sie wird durch die von der Gesellschaft geschaffenen ungleichen Verhältnisse zwischen Männern und Frauen begrenzt. (Bronner und Behnisch 2007, S.86). Einflüsse wie soziale Umgebung, ethnische Herkunft oder Religion haben Auswirkung auf die zugeschriebene Rolle der Mädchen, was sich wiederum auf die Entwicklungschancen auswirkt (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 6).

Wie kann also die Chancengleichheit in Beruf, Familie und gesellschaftlicher Teilhabe umgesetzt werden? Ein wirksames Instrument ist die Mädchenarbeit, mit der sich diese Arbeit beschäftigen möchte.

Was ist der Inhalt von Mädchenarbeit, in welchen Handlungsfeldern kann sie eingesetzt werden und vor allem, ist diese denn noch zeitgemäß? Die Klärung der grundlegenden Fakten ist wichtig, um sich selbst ein objektives Wissensfundament über das Thema geschlechterdifferenzierte Erziehung zu schaffen. Hierzu werden einführend Informationen über geschichtliche Hintergründe erläutert und verschiedene Bereiche der Mädchenarbeit vorgestellt, sowie der Kontext zum Gendermainstreaming erläutert.

Diese Arbeit soll einen Einblick in die Mädchenarbeit liefern und eine Grundlage und Anregung für weitere, tiefgreifendere Recherche bieten. Geschlechtsdifferenzierte pädagogische Arbeit wird kont­rovers diskutiert. Eine Darstellung verschiedener Positionen zur Mädchenarbeit kann aufgrund der Kürze der Arbeit nicht geleistet werden .

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Nach der Einleitung erfolgt im ersten Kapitel ein Überblick über wichtige Stationen der geschlechtergerechten Mädchenpädagogik. Beispielhaft aus dem breiten Handlungsfeld der Mädchenarbeit werden anschließend im zweiten Kapitel exempla­risch drei Bereiche vorgestellt. Eine Abgrenzung der Mädchenarbeit zum Gendermainstreaming stellt im dritten Kapitel kontroverse und ergänzende Aspekte gegenüber. Abschließend soll das Fazit zeigen, was die Mädchenarbeit in seiner Vergangenheit geleistet hat und welche Bedeutung diese in Zukunft haben wird.

2. Geschichtliche Stationen der Mädchenarbeit

Der Blick auf die Frau, ihre Rolle und die Einsicht der Notwendigkeit von Mädchenarbeit hat sich in den letzten 100 Jahren fortwährend gewandelt (Bronner und Behnisch 2007, S.22). Um den Verlauf darzustellen erfolgt eine Retrospektive über die wichtigsten Meilensteine der geschlechtsspezifischen Erziehung. Der Blick auf die heutige Situation der Mädchenarbeit zeigt Ver­änderungen und neu entstandene Ansätze auf.

2.1 Anfänge geschlechtsspezifischer Erziehung

Die Zeit zwischen 1900-1950 war von einer starken Geschlechtertrennung geprägt. Die Beweg­gründe hierfür waren unterschiedlich. Die Nationalsozialisten sprachen dem weiblichen Geschlecht die Aufgabe der Familienfürsorge und Familienerweiterung zu. Die Notwendigkeit von Bildung wurde den Frauen kaum zugeschrieben oder stand zumindest nicht im Fokus. Parallel dazu forderte die erste Frauenbewegung geschlechtshomogene Freiräume, um ihre besonderen weiblichen Fähigkei­ten und berufliche Kompetenzen entfalten zu können (Horstkemper 2001, S. 44). Um Partizipation in der Arbeitswelt zu erreichen, wurden Konzepte basierend auf Werten der Mütterlichkeit geschaf­fen. So erreichte man gesellschaftliche Teilhabe durch pflegende, erzieherische Tätigkeiten (Bron- ner und Behnisch 2007, S.22).

Die Aufbruchstimmung der Studentenbewegungen formte in den 70er Jahren eine neue Frauenbe­wegung. Es wurden Erklärungsansätze für das bestehende Ungleichgewicht und Machtgefälle zwi­schen Männern und Frauen gesucht. Theoretische Untersuchungen über die Sozialisationsprozesse beschrieben Mädchen und Frauen als schutzbedürftig und defizitäre Wesen. Aufgreifende Konzepte der Jugendarbeit sollten Mädchen in geschlechtshomogenen Gruppen befähigen ihre Potentiale zu entdecken und entfalten (Horstkemper 2001, S. 47). Dieser gesellschaftliche Fokus auf die Bedürf­nisse der Mädchen kann als Geburtsstunde der parteilichen Mädchenarbeit bezeichnet werden. Erstmals wurden die Bedürfnisse der Mädchen aus deren Sicht und aus der Sicht der Gesellschaft wahrgenommen (Bronner und Behnisch 2007, S. 22).

In den 80er Jahren wurde mit dem vorgelegten sechsten Jugendbericht eine Verbesserung der Chancengleichheit von Mädchen in der Bundesrepublik Deutschland gefordert. Die Benachteiligun­gen der Mädchen in Familie, Freizeit, Beruf und Jugendhilfe sollten abgebaut werden (Deutscher Bundestag 2011, S.2). In der Jugendarbeit lag der Fokus bisher auf benachteiligte Jungen, deren Bedürfnisse und Interessen. Die Mädchen waren nicht nur in Zahl unterrepräsentiert. Auch bei den Konzepten und der Ausgestaltung der Angebote wurden Ihre Interessen bisher nicht stark genug berücksichtigt (Deutscher Bundestag 2011, S.8). Mit neuen Bereichen in der Jugendarbeit wurden zunehmend Räume für die Interessen und Anliegen von Mädchen geschaffen. Zu nennen sind hier musikalische Jugendarbeit, differenzierte Sportangebote und mädchengebundene Organisations­formen in der Jugendverbandsarbeit (Deutscher Bundestag 2001, S.9).

Mit Einführung des Kinder und Jugendhilfegesetzes 1991 wurde erstmals ein gesetzlicher definierter Anspruch an die Jugendhilfe festgelegt, „die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jun­gen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen zu fördern“ (§9 Absatz 3 SGB VIII). Mädchenarbeit wurde auf Grundlage dieses Geset­zes in beinahe allen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe umgesetzt. Sie geriet aber auch erstmals in Kritik. Die Forderung nach einer neuen Sichtweise und Neuorientierung wurde laut (Kunert-Zier 2008, S.54-55).

2.2 Mädchenarbeit heute

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde von einem Teil der Gesellschaft die bisher feststehende Tatsache der Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt. Es beinhaltete einen Versuch, durch Auflö­sung der sozial konstruierten Kategorien auch eine Aufhebung der hierarchischen Unterschiede und Machtgefälle zwischen Mann und Frau zu erreichen (Kunert-Zier 2008, S. 55). Auf die Mädchenar­beit kamen neue Herausforderungen zu. Der Schwerpunkt sollte nun nicht mehr ausschließlich auf der Ausbildung einer emanzipierten Weiblichkeit gesetzt werden. Die Förderung der Mädchen, sich ein persönliches Wertebild und Lebensentwürfe zu bilden, unabhängig von einer klaren Zuordnung zu Weiblichkeit oder Männlichkeit war das Ziel. Also der Herausbildung einer Gewissen Gleichgül­tigkeit gegenüber Geschlechtlichkeit (Kunert-Zier 2008, S. 56).

Unabhängig von dieser konträren Meinung hat sich die Mädchenarbeit in vier verschiedenen Berei­chen geschlechtergerechter Erziehung weiterentwickelt. Neben der Mädchenarbeit finden sich heute Jungenarbeit, geschlechtergerechte Koedukation und Cross Work Konzepte (Wallner 2008, S.15). Während bei der Mädchen- und Jungenarbeit vornehmlich in geschlechtshomogenen Gruppen ge­arbeitet wird, steht bei der Koedukation die gleichberechtigte und hierarchiefreie Begegnung von Mädchen und Jungen im Mittelpunkt. Differenzierte Betrachtung der Geschlechterrollen und Vermit­teln von Wissen um die eigene Position stehen hier im Mittelpunkt. Cross Work Ansätze stehen für die Arbeit mit dem Gegengeschlecht. Eine Pädagogin arbeitet mit Jungen und ein Pädagoge arbeitet mit Mädchen. Der Hintergrund ist das Bestreben typische Rollenbilder von Erwachsenen aufzubre­chen. Ein hohes Maß an Sensibilität ist in Hinblick auf Distanzwahrung bei diesem Konzept gefordert (Wallner, 2008, S.16). Nach der Darstellung der Meilensteine der Mädchenarbeit, werden nun Beispiele aus verschiedenen Handlungsfeldern vorgestellt.

3. Handlungsfelder Mädchenarbeit

Wie bereits in Kapitel 2.1 skizziert, ist Mädchenarbeit in fast allen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe vertreten. Um Unterschiede der verschiedenen Bereiche darzustellen, wurden Beispiele aus verschiedenen Altersstufen herangezogen, die nachfolgend beschrieben werden.

3.1 Kindertagesstätten

Immer mehr Kinder werden bereits in sehr jungen Jahren in Tageseinrichtungen versorgt. Wurden im Jahr 2006 noch 253.884 Kinder fremdbetreut, waren es im Jahr 2019 bereits 687.427 Kinder unter drei Jahren die regelmäßig eine Krippe oder Kindertagesstätte besuchten (Statistisches Bun­desamt 2020). Der Sozialisationsprozess im frühesten Alter findet also zunehmend nicht mehr aus­schließlich durch die Eltern und nahen Verwandten statt, sondern durch pädagogisch geschultes 3 Personal. Ein wichtiger Bereich früh auf die geschlechtergerechte Erziehung von Kinder Einfluss zu nehmen ist die Mädchenarbeit in Kindertagesstätten. Sie wird hauptsächlich durch indirekte Einwir­kung wie Umgebungsgestaltung, Sprache und Kommunikation oder Spielmaterial geleistet (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 14-16).

Das räumliche Umfeld der Kindertagesbetreuung wird so gestaltet, dass sich Mädchen ohne stere­otype Sichtweisen entwickeln können. Mädchen haben auch ungehinderten Zugang zu den Berei­chen, die bisher eher den Jungen zugeschrieben wurden, z.B. Ritterburg oder Bauecke. Darstellun­gen zeigen Alltagssituationen und Berufe jenseits von geschlechtsstereotypen Zuordnungen. Poster von Männern, die kochen oder Frauen die Autos reparieren, fördern eine gleichberechtigte Vorstel­lung von Geschlechterrollen (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 14-15). In Bezug auf Sprache und Kommunikation muss bei geschlechtergerechter Erziehung und Mädchenarbeit auf klischeehafte Rollenbilder geachtet werden. Bücher sind diesbezüglich eine Grundlage für Gesprächsanlässe, veraltete Zuschreibungen zu thematisieren (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 15). Bei der Aus­wahl der Spielmaterialien muss darauf geachtet werden, ob geschlechtstypische Unterschiede her­vorgehoben werden und Mädchen damit in alte Geschlechterrollen gedrängt werden. Mädchen sol­len dazu angeregt werden verschiedene Spielmaterialien auszuprobieren. Polizeikostüm, Pfeil und Bogen oder Werkzeugtaschen sind nicht nur den Jungen vorbehalten (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 16).

In Kindertagesstätten wird damit für Mädchen der Grundstein für ein Bewusstsein von Gleichberech­tigung und Partizipation gelegt. Auf der nächsten Ebene, der geschlechtergerechte Erziehung in der Schule werden weitere Schwerpunkte gesetzt die nachfolgend dargestellt werden.

3.2 Schulen

Um eine Teilhabe und Chancengleichheit für Mädchen in beruflicher Hinsicht sicherzustellen, muss früh eine schulische Gleichberechtigung vorhanden sein. Diese zu fördern kann über die Mädchen­arbeit in der Schule über verschiedene Parameter umgesetzt werden. Sprachgestaltung, Unter­richtsmaterialien und auch die Raumgestaltung können Inhalte von Mädchenarbeit in der Schule sein (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 27-31).

Der Sprachgestaltung kommt eine hohe Bedeutung zu. In mündlicher und schriftlicher Form muss eine geschlechtsneutrale Bezeichnung oder beide Geschlechter benennende Form umgesetzt wer­den. Im täglichen Sprachgebrauch vermittelt die Verwendung des generischen Maskulinums ein fal­sches Bild der männlichen Dominanz und muss vermieden werden. Auch die Verkörperung von Personen in Unterrichtsmaterialien muss kritisch betrachtet werden, um Rollenklischees zu vermei­den (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S.30).

Die Raumgestaltung bietet vielfältige Möglichkeiten positiven Einfluss zu nehmen. Darstellungen und Bilder zeigen die Kompetenzen und Fähigkeiten von Mädchen. Aufnahmen vom letzten Mäd­chenfußballturnier oder Fotos aus dem Schreinerpraktikum stellen die vielfältigen Interessen der Schülerinnen dar. Homogen gestaltete Rückzugsräume bieten Sicherheit und Raum für ungestörte 4 Kommunikation. Der gesamte Schulbereich soll so gestaltet sein, dass er grundsätzlich beide Ge­schlechter anspricht (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 29). Nachfolgend wird ein Teilbereich der Kinder- und Jugendhilfe, die offenen Kinder- und Jugendarbeit, im Kontext der Mädchenarbeit dargestellt.

3.3 Offene Kinder- und Jugendarbeit

Das Ziel der Mädchenarbeit in der offenen Kinder- und Jugendarbeit ist eine Befähigung das Leben selbstbestimmt zu gestalten. In bildungsfernen, problembehafteten Familien sind Mädchen stark in Unterstützungsprozesse eingebunden. Hilfe bei Betreuung der Geschwister oder im Haushalt wer­den vorzugsweise von weiblichen Nachkommen erwartet. Durch die besseren Sprachkenntnisse vermittelt durch die Schule, leisten diese oft Übersetzungsdienste bei Behörden oder Arztbesuchen. Das alles sind Aufgaben, die ein Kind oder einen Jugendlichen überfordern können und die Autono­mieentwicklung beeinflusst. Mädchenarbeit kann durch das Aufarbeiten der sich daraus ergebenden Konflikte eine Hilfe sein und Stärkung der Wahrnehmung der eigenen Grenzen und Stärken fördern (Freie Hansestadt Hamburg 2014, S. 20).

Im Rahmen der Mädchenarbeit in der offenen Kinder- und Jugendarbeit bieten sich vielfältige Mög­lichkeiten geschlechtshomogene Angebote bereitzustellen. In Jugendzentren, Jugendfreizeiteinrich­tungen oder Jugendräumen werden Kurse speziell für Mädchen wie Selbstverteidigung, Veranstal­tungen zu frauenspezifischen Themen oder Diskussionsabende angeboten. Sie bieten geschützten Raum sich untereinander auszutauschen und bei Bedarf Problemlagen mit dem pädagogischen Per­sonal zu besprechen. Eine weitere Möglichkeit der Mädchenarbeit in die offenen Kinder und Jugend­arbeit ist Bereiche wie Sportplatz, Teestube oder Gruppenräume für bestimme Zeiten nur für die Mädchen freizuhalten. Damit werden Möglichkeiten geschaffen Aktivitäten in Anspruch zu nehmen die sonst als Jungendomäne gelten (Klees, Marburger und Schumacher 2011, 62-64). Nachdem ein Überblick über verschiedene Handlungsfelder der Mädchenarbeit dargestellt wurde, folgt eine Begriffsdefinition und Unterscheidung zum Gender/Gendermainstreaming.

4. Abgrenzung zum Gender-Mainstreaming

Das Wort „Gender“ begegnet uns mittlerweile in fast allen Bereichen des täglichen Lebens. Wir fin­den Gleichstellungsgrundsätze in politischen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Bereichen (Stiegler 2008, S. 19). Nachfolgend soll geklärt werden, um was es bei diesem vielbeachteten Wort inhaltlich geht und welche Auswirklungen die Entwicklung des Gendermainstreamings auf die Mäd­chenarbeit hat.

4.1 Definition Gender/Gender-Mainstreaming

Mit dem Begriff Gender wird eine Unterscheidung von angeborenem und anerzogenen Geschlecht beschrieben. Erklären lässt sich das am besten durch die Übersetzung der englischen Begriffe „Sex“ und „Gender“. Sex steht für die körperlichen Merkmale und Unterscheidung von Mann und Frau, 5 also Merkmale, die von Geburt an vorhanden sind. Gender definiert die durch Sozialisation zuge­schriebenen Erwartungen, Rollenbilder und Verhaltensweisen (Bronner und Behnisch 2007, S. 13). Diese durch Erziehung und Gesellschaft zugeteilten Geschlechtsmerkmale beeinflussen ein Leben lang und können auch zu Benachteiligungen führen. Die Auflösung der Zweigeschlechtlichkeit soll im Umkehrsinn zu Chancengleichheit und Auflösung nicht akzeptabler Machtgefälle führen (Bronner und Behnisch 2007, S. 15).

Gender-Mainstreaming bedeutet folglich die Umsetzung dieser Geschlechterperspektive. Eine reale Gleichstellung der Geschlechter soll durch politische Entscheidungen und Organisationsprozesse auf allen Ebenen vorangetrieben werden. Das setzt Fachwissen und ein Bewusstsein für die Ge- schlechterdimensionen der Führungskräfte voraus, die dieses Wissen an die nächste Ebene der Mitarbeiter und Kollegen weitergeben. Das Ziel ist durchgängig gelebte „Gender-Kompetenz“ (Horst­kemper 2001, S. 42).

4.2 Mädchenarbeit vs. Gendermainstreaming

Es wird kontrovers diskutiert, ob Gendermainstreaming die Mädchenarbeit ersetzt, unterstützt oder ihr sogar entgegensteht (Horstkemper 2001, S. 42). Wie bereits im oben genannten Abschnitt skiz­ziert ist die Jugendhilfe dazu verpflichtet, die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jun­gen zu berücksichtigen. Nach dem Grundsatz der Gleichheit sollen demnach die Angebote der Mäd­chenarbeit Partizipation an allen Bereichen ermöglichen, die auch den Jungen möglich sind.

Gender Mainstreaming geht demnach einen Schritt weiter als Mädchenarbeit. Das bedeutet nicht nur eine Zurverfügungstellen der Angebote und Maßnahmen für Mädchen. Hier steht die Darstellung einer Offenheit gegenüber subjektiven Vorstellungen von Geschlechtlichkeit im Mittelpunkt. Den Mädchen sollen Möglichkeiten der Lebensgestaltung fernab von einer zwei Geschlechter Klassifi­zierung aufgezeigt werden. Die Orientierung an eigenen Wünschen, Plänen und Vorstellungen un­abhängig von gesellschaftlich zugeschriebenen Rollen soll herausgehoben werden (Horstkemper 2001, S.53-54).

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Mädchen- und Jungenarbeit. Was beinhaltet Mädchenarbeit?
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V925350
ISBN (eBook)
9783346251275
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mädchenarbeit Jugendsozialarbeit
Arbeit zitieren
Barbara Moller-von Lossow Moller (Autor:in), 2020, Mädchen- und Jungenarbeit. Was beinhaltet Mädchenarbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925350

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