Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, den Prozess der Herausbildung und der Entwicklung eines Wirtschaftssystems nach sowjetischem Vorbild in der SBZ bzw. DDR zu untersuchen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht dabei die Zentrale Plankommission als das wesentliche Instrument der Organisation der staatlichen Planung, Lenkung und Kontrolle des Wirtschaftsprozesses. Ferner werden im Zentrum der Untersuchung die Entstehung, die Entwicklung und die Bedeutung der Zentralen Plankommission für die DDR-Wirtschaft betrachtet.
Das erste Kapitel leitet in die Thematik der Arbeit ein und stellt den Verlauf im Überblick dar. Das zweite Kapitel beschreibt danach die theoretischen Grundlagen dieser Arbeit. Hierbei werden wichtige Begriffe definiert, gegeneinander abgegrenzt und das Modell der Zentralverwaltungswirtschaft dargestellt. Das folgende Kapitel 3 beschäftigt sich mit den historischen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in der SBZ und der DDR bis zur Entstehung der Zentralen Plankommission. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Deutsche Wirtschaftskommission, die als Vorgängerinstitution der ZPK gilt. Das vierte Kapitel stellt im Anschluss die Leitungs- und Planungsprozesse in ihrem Ablauf und die Entwicklungsetappen der ZPK dar. Auf die Kapitel 3 und 4 aufbauend wird im fünften Kapitel die Bedeutung des Systems der zentralen Planung und Lenkung für die Wirtschaft der DDR näher beleuchtet. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen dabei die Macht bzw. der Einfluss der ZPK und ihr Beitrag zum Erfolg bzw. Misserfolg der Wirtschaft der DDR. In diesem Zusammenhang sollen die aufgestellten Schlüsselfragen beantwortet werden. Die Zusammenfassung im letzten Kapitel soll die Ergebnisse dieser Arbeit darstellen und einen Ausblick geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Begriffliche Einordnung und Abgrenzung
2.2. Zentralverwaltungswirtschaft
3. Historische und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen
3.1. Ziele der sowjetischen Deutschlandpolitik und historische Rahmenbedingungen
3.2. Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen
3.3. Die Deutsche Wirtschaftskommission
3.4. Planung, Lenkung und Kontrolle der Wirtschaft bis zur Gründung der Staatlichen Plankommission
4. Entwicklung der Zentralen Plankommission
4.1. Typen, Organe und Methodik der Planung
4.2. Aufbau des Sozialismus (1950 - 1962)
4.2.1. Historische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
4.2.2. Organisation der Planung und Leitung
4.2.3. Zusammenfassung
4.3. Phase der Wirtschaftsreformen (1963 - 1970)
4.3.1. Historische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
4.3.2. Organisation der Planung und Leitung
4.3.3. Zusammenfassung
4.4. Rezentralisierung und Zusammenbruch (1971 - 1989)
4.4.1. Historische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
4.4.2. Organisation der Planung und Leitung
4.4.3. Zusammenfassung
5. Bedeutung des Systems der zentralen Planung und Lenkung für die Wirtschaft der DDR
5.1. Gründe für den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems
5.2. Bedeutung der Zentralen Plankommission für die Wirtschaft der DDR
5.3. Sowjetischer Einfluss auf die Wirtschaft der DDR
5.4. Einfluss der Zentralen Plankommission
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht den Prozess der Herausbildung und Entwicklung des zentralistischen Wirtschaftssystems in der DDR mit besonderem Fokus auf die Rolle der Zentralen Plankommission. Das primäre Ziel ist es, die Funktionsweise dieses Planungsinstruments, seinen Einfluss auf die Wirtschaftsführung sowie seinen Beitrag zum Erfolg oder Misserfolg des DDR-Wirtschaftssystems wissenschaftlich zu analysieren.
- Historische Entstehung und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen in der SBZ und DDR.
- Struktureller Aufbau und methodische Arbeitsweise der Zentralen Plankommission.
- Vergleich zwischen den marktwirtschaftlichen und zentralverwaltungswirtschaftlichen Funktionsprinzipien.
- Analyse der verschiedenen Phasen der wirtschaftlichen Planung, vom Aufbau des Sozialismus bis zum Zusammenbruch.
- Untersuchung des sowjetischen Einflusses auf die DDR-Wirtschaftsstrukturen.
Auszug aus dem Buch
2.2. Zentralverwaltungswirtschaft
Den Begriff der „Zentralverwaltung der Wirtschaft“ gebrauchte bereits der deutsche Philosoph, Historiker und Politiker Friedrich Engels. In die wirtschaftswissenschaftliche Literatur führte der deutsche Nationalökonom Walter Eucken den Ausdruck der „Zentralverwaltungswirtschaft“ erstmals ein. In der Wirtschaftsordnung der Zentralverwaltungswirtschaft entsteht das Wirtschaftssystem aufgrund von Entscheidungen einer Zentralstelle. Das Wirtschaftssystem ist darauf ausgerichtet, die Ziele dieser Zentralstelle zu verwirklichen. Dabei folgt das Wesen der Zentralverwaltungswirtschaft einem bestimmten gesellschaftlichen Leitbild. Es stehen die kollektive Verantwortung und die Solidarität der einzelnen Wirtschaftssubjekte zueinander im Mittelpunkt. Außerdem haben sich die Einzelinteressen den Kollektivinteressen jederzeit unterzuordnen.
Das System der Zentralverwaltungswirtschaft geht von der Annahme aus, die Produktion, den Bedarf und die Verteilung, also alle wirtschaftlichen Vorgänge, rational planen und im Voraus festlegen zu können. Der Staat oder eine staatliche Planungsbehörde plant den Verbrauch, die Produktion, den Einkommen sowie letztlich auch die Preise. Über die Preise kann wiederum auf den Verbrauch steuernd eingegriffen werden. Grundsätzlich gilt, dass sich zentrale Planung und freie Marktpreise ausschließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Ausgangslage der SBZ und die Entstehung des zentralisierten Wirtschaftssystems nach sowjetischem Vorbild ein.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale ökonomische Begriffe sowie das theoretische Modell der Zentralverwaltungswirtschaft definiert und von anderen Wirtschaftsordnungen abgegrenzt.
3. Historische und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel analysiert die Nachkriegsentwicklung, die Bedeutung der Deutschen Wirtschaftskommission und die sowjetische Einflussnahme.
4. Entwicklung der Zentralen Plankommission: Hier wird der organisatorische Aufbau und die Planungsmethodik der Plankommission in drei zeitlichen Phasen bis 1989 detailliert nachgezeichnet.
5. Bedeutung des Systems der zentralen Planung und Lenkung für die Wirtschaft der DDR: Das Kapitel befasst sich mit den systembedingten Ursachen des Zusammenbruchs der DDR-Wirtschaft und dem Einfluss der Zentralen Plankommission.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle der SED-Führung und der zentralen Planung beim Scheitern des Wirtschaftssystems.
Schlüsselwörter
DDR, Zentrale Plankommission, Zentralverwaltungswirtschaft, Planwirtschaft, SED, Wirtschaftsgeschichte, SBZ, Sowjetische Militäradministration, Wirtschaftsplanung, Volkswirtschaft, Planbilanzierung, Sozialismus, Wirtschaftsreformen, DDR-Wirtschaft, Systemtransformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Wirtschaftssystem der DDR als Zentralverwaltungswirtschaft und untersucht die Zentrale Plankommission als zentrales Steuerungsinstrument der staatlichen Planung und Lenkung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des DDR-Wirtschaftssystems, die Rolle der sowjetischen Besatzungsmacht, die verschiedenen Phasen der Planungsgeschichte und die systemimmanenten Ursachen des ökonomischen Scheiterns.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Aufbau und die Entwicklung der wirtschaftlichen Planungshierarchien in der DDR nachzuvollziehen und den Einfluss der Zentralen Plankommission kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historische-analytische Diplomarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung von Dokumenten und Regierungsbeschlüssen der DDR basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung bis 1950, die chronologische Entwicklung der Zentralen Plankommission in drei großen Epochen bis 1989 sowie die Analyse der Systemschwächen, die zum Zusammenbruch führten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Zentrale Plankommission, DDR-Wirtschaft, Planwirtschaft, sowjetisches Vorbild, Systemtransformation und Wirtschaftsreformen.
Welche Rolle spielte die Sowjetunion bei der Etablierung des Wirtschaftssystems?
Die Sowjetunion gab durch die SMAD das Modell der Zentralverwaltungswirtschaft vor und beeinflusste über die SKK und direkte politische Vorgaben maßgeblich die Ausgestaltung der DDR-Wirtschaftsstrukturen.
Warum scheiterten die Wirtschaftsreformen, etwa das NÖSPL?
Das Scheitern wird durch den Widerspruch zwischen ökonomischer Rationalität und dem politischen Führungsanspruch der SED sowie durch die Unzulänglichkeit des zentralistischen Planungsmodells erklärt.
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- Diplom-Kaufmann Martin Fritsch (Author), 2007, Die Zentrale Plankommission als Instrument zur Planung und Lenkung der Wirtschaft der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92543