Die Arbeit fokussiert den frühen Fremdsprachenerwerb und erforscht lerner-spezifische Variationen im Prozess des zielsprachlichen Erwerbs.
Der Autor versucht hierfür die Forschungsfrage zu beantworten: "Unterscheiden sich die fremdsprachlichen Produktionen deutscher Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die Englisch in einem natürlichen Kontext lernen, von denen mutter- sprachlicher Äußerungen, und wenn ja, in welcher Weise findet Variation statt?"
Zunächst werden hierzu allgemeine spracherwerbliche Theorien zum Erst- sowie Zweitspracherwerb beleuchtet. Dabei gilt ein Schwerpunkt den im Phonetik-Phonologie-Erwerb relevanten phonologischen Prozessen. Entsprechend wird eine erste theoretische Antwort auf die Forschungsfrage postuliert. Im empirischen Teil wird die Forschungsfrage mittel kontrastiver Analyse der Sprachsysteme sowie der erhobenen Daten beantwortet und mit den Theorien zusammengeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprache – Eine komplexe menschliche Fähigkeit & wie man sie lernt
2.1 Spracherwerb als Verarbeitung sprachlichen Inputs & die Kreativität des Lerners
2.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung von Spracherwerb
2.3 Anatomische Grundlagen menschlicher Sprach(lern)-fähigkeit
2.3.1 Anatomische Grundlagen und Funktionsweisen des Gehirns im Hinblick auf Sprache
2.3.2 Anatomische Grundlagen der Sprachperzeption
2.3.3 Anatomische Grundlagen der Sprachproduktion
3. Der Erstspracherwerb
3.1 Spracherwerb – Beginn, Voraussetzungen & Aufgaben
3.2 Phonetik-Phonologie-Erwerb
3.2.2 (Frühe) Lautproduktion
3.2.3 Variation als wichtiges Charakteristikum früher phonologischer Entwicklung
4. Der Zweitspracherwerb
4.1 Früher natürlicher Zweitspracherwerb und eine Möglichkeit der Implementierung – Bilinguale Kindergärten
4.2 Zweitspracherwerb und wie er sich vom Erstspracherwerb unterscheidet
4.3 Phonetik-Phonologie-Erwerb in der Zweitsprache
4.3.1 Sprachperzeption im Zweitspracherwerb
4.3.2 Sprachproduktion im Zweitspracherwerb
4.4 Transfer – die Interaktion zweier phonetischer Systeme
5. Variationen in der Zielsprache
5.1 Nicht zielgerechte Sprachproduktion im Zweitspracherwerb sowie ihre Ursachen
5.2 Kontrastive Analyse: Deutsch – Englisch
5.3 Analyse der kontrastierenden Laute sowie sich daraus ergebende mögliche Variationen der Zielsprache
5.3.1 Der labial-velare Approximant [w]
5.3.2 Das Phonem /r/ und seine Allophone
5.3.3 Die (inter)dentalen Frikative [θ] und [ð]
5.3.4 Der Vokal [æ]
5.4 Zusammenfassung und theoriegestützte Antwort auf die Forschungsfrage
6. Empirischer Teil
6.1 Forschungsdesign
6.1.1 Erhebungsdesign
6.1.2 Probanden
6.1.3 Durchführung
6.1.4 Gütekriterien
6.2 Ergebnisse
6.2.1 Überblick der gesamten Daten
6.2.2 Ergebnisse der einzelnen Ziel-Laute und weitere Variationen
6.3 Interpretation der Ergebnisse
6.3.1 Kontrastive / Fehler-Analyse nach Wode 1988
6.3.2 Analyse der erhobenen Daten
7. Abschlussdiskussion, Reflexion, Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die phonetischen und phonologischen Aspekte des Zweitspracherwerbs bei drei- bis sechsjährigen Kindern, die in bilingualen Kindertagesstätten Englisch in einem natürlichen Kontext erlernen. Ziel ist es, durch eine empirische Untersuchung kindlicher Aussprachevarianten zu verstehen, wie diese Lernenden mit den Anforderungen der fremden Lautsprache umgehen und ob bzw. in welcher Weise systematische phonetische Variationen im Vergleich zur Zielsprache auftreten.
- Theoretische Grundlagen zum Erst- und Zweitspracherwerb
- Anatomische und kognitive Voraussetzungen der Sprachperzeption und -produktion
- Empirische Untersuchung von Laut-Variationen (z.B. Interdentale Frikative, TRAP-Vokal)
- Kontrastive Analyse der Sprachsysteme Deutsch und Englisch
- Interpretation kindlicher Aussprachefehler im Kontext der Transferhypothese
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In der zunehmend globalisierten Welt gehört der selbstverständliche sowie sichere Umgang mit Fremdsprachen mittlerweile zu basalen Fähigkeiten. Daher wird heute bereits in der Grundschule (vgl. MKJS 2016: 3) oder bilingualen Kindertagesstätten (KiTas) (vgl. Burmeister 2016) ein Grundstein für lebenslanges Fremdsprachenlernen sowie die Auseinandersetzung mit kultureller Vielfalt gelegt.
In Bezug auf die Zielsetzung im Fremdsprachenunterricht hat in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden (vgl. Müller-Hartmann & Schocker-v. Ditfurth 2016: 20). Heute gilt daher eine allgemeine Interkulturelle Kompetenz als das übergeordnete Ziel jeden Fremdsprachenlernens. Diese geht über die schlichten Fähigkeiten des Lesens, Schreibens, Verstehens und Sprechens hinaus und folgt dem Prinzip „Fluency before Accuracy“ (vgl. ebd.: 18ff.; Council of Europe 2001: 43; MKJS 2016: 3). Auf Grund dieses kommunikativen Ansatzes steht heute die gelingende Kommunikation gegenüber einer akkuraten Aussprache im Vordergrund. Die Bedeutsamkeit von zielgerechter Aussprache darf jedoch keinesfalls gänzlich missachtet werden, denn sie kann als unmittelbare Barriere von Kommunikation betrachtet werden, wenn sie nicht einen gewissen Grad an zielgerechter Genauigkeit hat (vgl. Marks 2011: 65). Die Tatsache, dass die meisten Kommunikationen daran scheitern, dass Nicht-Muttersprachler nicht zielgerechte Aussprache aufweisen, und nicht etwa durch grammatikalische oder lexikalische ‚Fehler‘ bedingt sind, zeigt die Bedeutung einer zielgerechten bzw. professionellen sprachlichen Performanz (vgl. Jenkins 2000: 84-91).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die wachsende Bedeutung bilingualer Erziehung und die Verschiebung des Fokus im Fremdsprachenunterricht von reiner grammatikalischer Akkuratesse hin zu kommunikativer Kompetenz.
2. Sprache – Eine komplexe menschliche Fähigkeit & wie man sie lernt: Das Kapitel bietet eine theoretische Fundierung über die Natur von Sprache als System und beleuchtet die komplexen anatomischen sowie kognitiven Prozesse, die dem Spracherwerb zugrunde liegen.
3. Der Erstspracherwerb: Hier werden die Mechanismen der Lautentwicklung beim Erstspracherwerb analysiert, wobei besonders der Übergang von intuitiver Wahrnehmung zur bewussten Lautproduktion im Vordergrund steht.
4. Der Zweitspracherwerb: Dieses Kapitel vergleicht den natürlichen Zweitspracherwerb mit dem Erstspracherwerb und diskutiert die Rolle des Transfers sowie phonetische Herausforderungen in einer Zweitsprache.
5. Variationen in der Zielsprache: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Gründe für nicht zielgerechte Sprachproduktion sowie eine kontrastive Untersuchung spezifischer deutscher und englischer Laute.
6. Empirischer Teil: In diesem Hauptteil wird das Forschungsdesign der Fallstudie beschrieben, die Ergebnisse der kindlichen Sprachproduktionen präsentiert und diese interpretativ in den Kontext der theoretischen Fehleranalyse gestellt.
7. Abschlussdiskussion, Reflexion, Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammenfassend bewertet, die Forschungsfrage beantwortet und der Forschungsverlauf kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Zweitspracherwerb, Phonetik, Phonologie, Interferenz, Kontrastive Analyse, Sprachperzeption, Sprachproduktion, Bilinguale Kindertagesstätten, Lautvariation, Transfer, Linguistik, Kindliche Sprachentwicklung, Interkulturelle Kompetenz, Sprachinput.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die Englisch als Zweitsprache in einem natürlichen Kontext erlernen, bestimmte englische Laute produzieren und welche phonetischen Variationen dabei auftreten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der phonetische Zweitspracherwerb bei Kindern, die Rolle von Sprachinput in bilingualen Kitas, kontrastive Linguistik zwischen Deutsch und Englisch sowie die systematische Analyse von Aussprachevariationen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die kindliche Sprachproduktion in einer Zweitsprache zu analysieren, um zu verstehen, ob und wie der Transfer von der Muttersprache (Deutsch) die Aussprache in der Zielsprache (Englisch) beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign in Form einer Fallstudie gewählt, basierend auf empirischen Daten aus Video- und Tonaufnahmen von Interviews mit Kindern in einer bilingualen Kindertagesstätte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl die theoretische Aufarbeitung der Sprachwissenschaft und des Spracherwerbs als auch den empirischen Teil, in dem konkrete Sprachbeispiele der Kinder analysiert und interpretiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Spracherwerb, Interferenz, phonetische Variation, kontrastive Analyse, bilinguale Kitas und Sprachperzeption charakterisiert.
Welche Rolle spielt das "TRAP-Vokal"-Beispiel in der Untersuchung?
Der TRAP-Vokal [æ] dient als exemplarisches Beispiel für einen Laut, der im Deutschen nicht existiert. Die Untersuchung zeigt, dass Kinder diesen Vokal systematisch durch deutsche Vokale wie [ε] ersetzen, was die Assimilationshypothese stützt.
Warum ist das Alter der Kinder für die Studie relevant?
Das Alter von drei bis sechs Jahren ist eine sensible Phase für den phonologischen Erwerb. Die Studie betrachtet, ob in diesem Alter bereits eine phonologische Bewusstheit vorhanden ist, die zu systematischen Ersetzungsstrategien führt.
Was bedeutet "Transfer" in diesem Kontext?
Transfer bezeichnet den Prozess, bei dem Lernende ihr sprachliches Wissen aus der bereits erlernten Muttersprache nutzen, um die neue Zielsprache zu strukturieren oder zu produzieren, was oft zu den beobachteten phonetischen Variationen führt.
Welche Bedeutung haben die Ergebnisse für die Praxis in Kitas?
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Qualität des sprachlichen Inputs durch die Erzieher und zeigen, dass "Fehler" im kindlichen Spracherwerb keine Defizite sind, sondern als Teil des natürlichen Lern- und Reorganisationsprozesses betrachtet werden sollten.
- Arbeit zitieren
- Simone Fay (Autor:in), 2018, Englischlernen in bilingualen Kindergärten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925578