Die Arbeit beinhaltet eine informelle Diagnose und ist darauf fokussiert, dem betreffenden Jugendlichen mit Mathematik-Problemen zu helfen. Für die Basis angemessener Hilfe bedarf es zunächst eines Überblicks über die mathematischen Fähigkeiten sowie generelle Probleme des Jugendlichen. Diese Arbeit befasst sich daher hauptsächlich mit dem Zahlverständnis, wobei auch Überschneidungen zum Operationsverständnis aufgezeigt werden, da diese in diversen Aufgaben bzw. deren Lösungen einhergehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Anamnese – Beschreibung des Jugendlichen
3. Basale und Pränumerische Diagnostik
4. Diagnose mathematischer Leistungen – Schwerpunkt Zahlverständnis
4.1 Zählen – Zahlwortreihe
4.2 Zahlen lesen und schreiben
4.3 Zahldarstellung, Zahlauffassung und Stellenwertsystem
4.4 Mengenwahrnehmung / Mengenverständnis
4.4.1 Perzeptive Mengenbeurteilung
4.4.2 Mengeninvarianz
4.4.3 Kognitive Mengenbeurteilung
4.5 Zahlbeziehungen
4.5.1 Vorgänger / Nachfolger
4.5.2 Verdoppeln / Halbieren
4.5.3 Teil-Ganzes-Beziehung
4.5.4 Ordinales Zahlverständnis
4.5.5 Relationales Zahlverständnis
4.6 Zusammenfassung der mathematischen Leistungen
5. Transkription der Diagnose
5.1 Transkript eines exemplarischen Ausschnitts
5.2 Auswertung der Transkription
6. Förderung
6.1 Förderziele – Ausgewählte Inhaltsbereiche und deren Umsetzung
6.2 Organisation der Förderung
7. Reflexion mit persönlicher Meinung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine informelle Diagnose bei einem Jugendlichen mit Schwierigkeiten in Mathematik durchzuführen, um gezielte Förderansätze abzuleiten, ohne dabei eine medizinische Diagnose im Sinne der WHO zu stellen.
- Anamnestische Erfassung der Lernausgangslage
- Diagnostik basaler mathematischer Kompetenzen und des Zahlverständnisses
- Analyse von Denk- und Rechenprozessen durch Transkription
- Entwicklung individueller Förderziele und Strategien
- Reflexion über die Rolle des Förderers und familiäre Einflussfaktoren
Auszug aus dem Buch
4.3 Zahldarstellung, Zahlauffassung und Stellenwertsystem
Grundsätzlich wird bei der Zahlauffassung getestet, ob einer bestimmten vorgegebenen Anzahl von Objekten die zugehörige (Kardinal-)Zahl zugeordnet werden kann und vice versa (vgl. Kittel 2011: 112; Kaufmann/Wessolowski 2011: 21). Da sich im Verlauf der mit B. verbrachten Zeit zeigte, dass es diesbezüglich keine Schwierigkeit hatte, wurde eine derartige Aufgabenstellung im informellen Test vernachlässigt. Jedoch wurde eine modifizierte, schwierigere Art der Zahlauffassung integriert. Dabei sollte er sich mittels vorgegebener, ausgefüllter Stellenwerttafel die betreffenden Zahlen mental vorstellen und anschließend verbalisieren, wie im weiteren Verlauf dargestellt wird. Zunächst sollte jedoch getestet werden, ob und inwiefern Bastians Fähigkeit Zahlen darzustellen, ausgebildet ist. Hierzu sollte er zunächst die vorgegebenen Zahlen vorlesen und mittels Zehnersystem-Material enaktiv darstellen, d.h. legen. Anschließend sollte er verbalisieren, wie viele Tausender, Hunderter, Zehner und Einer er benötigte, sowie die betreffende Zahl in eine Stellenwerttafel eintragen. Vorgegeben waren die Zahlen 1 503 und 2 379. Beide Zahlen konnte B. problemlos lesen sowie mit dem Material legen (s. Abb. 7).
Der Transfer auf die symbolische Ebene – beide Zahlen korrekt in die Stellenwerttafel eintragen – stellte ebenfalls kein Problem dar (s. Abb. 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Intention der Arbeit und Abgrenzung von einer klinischen Diagnose einer Rechenstörung.
2. Anamnese – Beschreibung des Jugendlichen: Vorstellung der Lebenssituation des Jugendlichen sowie Analyse bisheriger mathematischer Leistungsschwächen.
3. Basale und Pränumerische Diagnostik: Untersuchung der emotionalen und kognitiven Voraussetzungen, die für mathematisches Lernen grundlegend sind.
4. Diagnose mathematischer Leistungen – Schwerpunkt Zahlverständnis: Detaillierte Analyse des numerischen Verständnisses anhand verschiedener Teilbereiche vom Zählen bis zum relationalen Verständnis.
5. Transkription der Diagnose: Dokumentation eines Diagnosegesprächs zum besseren Verständnis der Denkprozesse des Jugendlichen.
6. Förderung: Ableitung konkreter Förderziele und organisatorische Empfehlungen zur Unterstützung des Schülers.
7. Reflexion mit persönlicher Meinung: Zusammenfassende Einschätzung der Arbeit und der persönlichen Entwicklung der Autorin im Diagnoseprozess.
Schlüsselwörter
Mathematikdiagnose, Zahlverständnis, Dyskalkulie, Förderziele, Stellenwertsystem, Mengeninvarianz, Lernförderung, Basale Kompetenzen, Operatives Verständnis, Diagnostik, Mathematikunterricht, Schülerbiografie, Individuelle Förderung, Zahlbeziehungen, Zahlwortreihe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert eine informelle mathematische Diagnose bei einem Jugendlichen, um dessen individuelle Stärken und Schwächen im Zahlverständnis zu identifizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Anamnese des Lernenden, die Analyse basaler mathematischer Konzepte wie das Stellenwertsystem und Mengenverständnis sowie die Ableitung pädagogischer Fördermaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Jugendlichen durch eine strukturierte informelle Diagnose bei seinen Mathematikproblemen zu helfen, statt eine medizinische Diagnose einer Rechenstörung zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt informelle diagnostische Aufgaben, Verhaltensbeobachtungen, Einzelgespräche und eine Transkriptionsanalyse, um die Denkwege des Jugendlichen sichtbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Zählen, dem Lesen und Schreiben von Zahlen, dem Verständnis des Stellenwertsystems sowie dem relationalen und ordinalen Zahlverständnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mathematikdiagnose, Zahlverständnis, Förderziele, Stellenwertsystem und individuelle Lernförderung charakterisiert.
Warum ist das Verständnis von "Mitte" und "Hälfte" für den Jugendlichen problematisch?
Der Jugendliche kann diese Begriffe mathematisch noch nicht differenzieren und auf den Zahlenstrahl übertragen, was auf ein noch nicht gefestigtes Verständnis relationaler Zahlbeziehungen hinweist.
Welche Rolle spielt die emotionale Verfassung für den Lernprozess?
Emotionale Instabilität, ausgelöst durch familiäre Umbrüche, führt beim Jugendlichen oft zu Impulsivität, Konzentrationsschwierigkeiten und Resignation bei schwierigen Aufgabenstellungen.
Warum wird die Einbeziehung der Mutter in den Förderprozess empfohlen?
Da die Mutter eine wichtige Stabilitätsanker-Funktion ausübt, kann eine Einbeziehung helfen, den Jugendlichen emotional zu stützen und die Lernatmosphäre positiv zu gestalten.
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- Simone Fay (Author), 2017, Eine Diagnose (-Arbeit) zur Rechenstörung (Zahlverständnis), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925589