Die Hochzeit Kaiser Karls V. mit Isabella von Portugal - Im Vergleich zur Hochzeit Friedrichs III. mit Eleonore von Portugal


Seminararbeit, 2006
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Liebe auf den ersten Blick?

B) Die Hochzeit Kaiser Karls V. mit Isabella von Portugal – im Vergleich zur Hochzeit Friedrichs III mit Eleonore von Portugal – und die daraus resultierenden Ehen
I. Die mittelalterliche Vorstellung von Ehe
II. Die Hochzeit Friedrichs III.
1. Gründe für die Hochzeit
2. Die Hochzeitszeremonie
3. Die Ehe
III. Die Hochzeit Karls V.
1. Karls Beweggründe für eine Heirat mit Isabella
von Portugal
2. Die Hochzeit
3. Das Eheleben
IV. Vergleich
1. Gründe
2. Hochzeitsfeiern
3. Ehen

C) Liebe lässt sich nicht erzwingen.

Literaturverzeichnis

A) Liebe auf den ersten Blick?

Gibt es sie wirklich, die Liebe auf den ersten Blick? Man wird diese Frage wohl nie eindeutig beantworten können. Manche Menschen schwören darauf, andere hingegen glauben nicht daran. Wieder anderen bleibt oder blieb nichts anderes übrig als zumindest darauf zu hoffen. In der Vergangenheit war es durchaus üblich, dass Menschen, die sich noch nie vorher gesehen hatten, miteinander verheiratet wurden. In einigen Kulturkreisen ist diese Vorgehensweise noch heute weit verbreitet. Wenn die Betroffenen Glück hatten, entwickelte sich wirkliche Liebe aus der erzwungenen Verbindung. Andere blieben Zeit ihres Lebens oder bis zum Tod des Partners unglücklich. Die Motive von Eltern, die ihre einander „versprochenen“ Kinder, die in vielen Fällen nicht mehr voneinander wussten als den Namen, verheirateten, divergierten stark. Für die einen waren Ansehen und ein guter Name, für die anderen Geld, Macht und Einfluss die ausschlaggebenden Kriterien. Die Wurzeln für ein solches Verhalten führen weit in die Vergangenheit zurück. Schon in der Antike wurden politische Gründe als Motive für Verehelichungen erkennbar. Ihre Blütezeit erlebte die Heiratspolitik jedoch erst im Mittelalter[1], denn in jener Zeit waren die Fürstenhäuser in dieser Hinsicht äußerst aktiv.[2] In der Neuzeit ging die Ehediplomatie aufgrund der ausgebildeten Nationalstaaten zurück.[3] Auch die Hochzeiten Friedrichs III. mit Eleonore von Portugal und Karls V. mit Isabella von Portugal fanden ohne ein vorhergehendes Treffen oder gar Kennen lernen statt. Im Folgenden soll ein Vergleich dieser beiden Hochzeiten – die eine ist dem Spätmittelalter, die andere der Frühen Neuzeit zuzuordnen – angestellt werden.

B) Die Hochzeit Kaiser Karls V. mit Isabella von Portugal – im Vergleich zur Hochzeit Friedrichs III. mit Eleonore von Portugal - und die daraus resultierenden Ehen

I. Die mittelalterliche Vorstellung von Ehe

Wenn man in der heutigen Zeit von arrangierten und erzwungenen Verheiratungen hört, schüttelt man den Kopf und wertet dies als einen Rückschritt ins Mittelalter. Es ist wahr, im Mittelalter war es insbesondere bei dynastischen Ehen üblich, dass sich die Ehepartner erst bei der Vermählung zum ersten Mal sahen. Die Herrscherhäuser verfolgten eine zielstrebige Heiratspolitik, in der dynastische und politische Aspekte Vorrang hatten. Wenn die aus der Heiratspolitik resultierende Ehe sich als kinderlos erwies, erfolgte daraufhin eine Annullierung dieser Ehe.[4] Der Vollzug der Ehe und die Erfüllung der ehelichen Pflichten zum Zweck der Kinderzeugung spielte im Mittelalter eine sehr große Rolle. Verheiratet zu sein ohne sexuelle Annäherung kam sozusagen einem Ehebruch gleich.[5] Jedoch waren die Auffassungen im Christentum und im Islam unterschiedlich. Das Christentum duldete den Beischlaf nur als Mittel zur Fortpflanzung, während der Islam den Trieb zum ehelichen Geschlechtsakt höher stellte als den zur Erzeugung von Nachkommen bestimmten.[6] Die Hochzeit an sich setzte sich aus drei essentiellen Bestandteilen, im Einzelnen Festmahl, Hochzeitsnacht und Heimführung, zusammen.[7] Die Hochzeitsnacht, in der die Ehe vollzogen wurde, stellte dabei wohl das wichtigste Ereignis der Hochzeitsfeier dar und fand zumindest teilweise im Beisein der Öffentlichkeit statt. Vor Publikum ließ sich der Bräutigam im Brautbett nieder, zu welchem die Braut von Verwandten geleitet wurde.[8] Ab diesem Zeitpunkt jedoch spielte sich das Geschehen unter Ausschluss der Allgemeinheit ab und der Bräutigam verschloss die Tür.[9] Neben der Öffentlichkeit der Hochzeitsnacht soll es auch Mütter gegeben haben, die ihre Kinder vor Publikum - beispielsweise auf dem Marktplatz – gebaren, um nicht der Kindesunterschiebung beschuldigt werden zu können.[10]

II. Die Hochzeit Friedrichs III.

1. Gründe für die Hochzeit

Friedrich zögerte hinsichtlich einer Vermählung - wie es seinem rationalen und misstrauischen Wesen gleichkam – ziemlich lange.[11] Dem entsprechend zog sich auch die Umwerbung der portugiesischen Infantin jahrelang hin.[12] Ein möglicher Grund für die auffallend spät einsetzende Brautschau kann in einem Eintrag in Friedrichs Memorandenbüchern gefunden werden. Hier schrieb er von der Liebe als „schädlicher Leidenschaft“[13]. Zur Brautschau wurden Bevollmächtigte an den portugiesischen Hof entsandt, die von einem Maler begleitet wurden.[14] Ein möglicher Beweggrund Friedrichs für die Wahl Eleonores war, dass er in irgendeiner Form an den von Portugal ausgehenden Entdeckungsreisen interessiert war.[15] Weiterhin ist denkbar, dass Friedrich aufgrund der guten Kontakte der Portugiesen zu den burgundischen Herzögen eine Heirat mit Eleonore erstrebenswert fand.[16] Geld dürfte auch eine Rolle gespielt haben, jedoch belief sich die Mitgift in diesem Falle auf eine verhältnismäßig geringe Summe und dürfte somit nicht der wesentlich ausschlaggebende Grund gewesen sein.[17] Weitere Motive mögen die vielgepriesene Schönheit Eleonores[18], ebenso wie das allgemein überaus gute Ansehen des portugiesischen Herrscherhauses[19] gewesen sein. Der wichtigste Grund dürfte aber Friedrichs Sorge um einen Nachfolger gewesen sein. Die Geburt eines Kindes hatte höchste Priorität für ihn.[20] Eleonore, die ein Mitspracherecht hinsichtlich der Wahl ihres Ehemannes besaß, entschied sich selbst für Friedrich.[21]

2. Die Hochzeitszeremonie

Die Quellenlage über die Hochzeit Friedrichs und Eleonores ist ausgezeichnet. Wegen der gleichzeitigen Kaiserkrönung Friedrichs finden sich ein ausführlicher Bericht von Enea Silvio Piccolomini[22] und eine sehr detaillierte Darstellung der Ereignisse aus der Feder des Nikolaus Lanckmann von Falkenstein.[23] Nach der Beschreibung des zuletzt genannten, begab sich die zukünftige Kaiserin - nach der formalen Hochzeit mit einem Stellvertreter Friedrichs - mit ihrem Gefolge auf die lange Reise nach Italien. Dort erst sollte die rechtmäßige Vermählung mit Friedrich stattfinden. Die erste Begegnung der beiden fand in Siena statt. Der Kaiser war aufgrund der geringen Körpergröße seiner zukünftigen Ehefrau im ersten Moment etwas konsterniert, beruhigte sich aber, als er sich der makellosen Schönheit Eleonores bewusst wurde. Es folgte eine herzliche Umarmung.[24] Die Hochzeit von Friedrich und Eleonore fand schließlich am 16. März 1452 in Rom statt.[25] Die Trauung – sowie die Kaiserkrönung – führte der Papst selbst durch.[26] Vollzogen wurde die Ehe jedoch erst am 16. April in Neapel.[27] Der Grund dafür ist in der Hingabe des Kaisers zur Astrologie zu finden. Seiner Ansicht nach hätte man mit der Hochzeitsnacht noch bis zum 6. November 1452 warten sollen.[28] Nach Enea Silvios Auffassung wollte Friedrich den ersten ehelichen Beischlaf nicht in Italien, sondern erst in heimischen Territorien ausüben.[29] So seltsam wie der verspätete Vollzug der Ehe mutet auch die sogenannte Hochzeitsreise der beiden an. Diese war lediglich die Rückreise von Neapel, fand allerdings auf getrennten Wegen statt.[30]

[...]


[1] vgl. Lebe, Königreich, S. 13.

[2] vgl. Prevenier / de Hemptinne, Ehe, Sp. 1636 – 1637.

[3] vgl. Lebe, Königreich,

[4] vgl. Prevenier / de Hemptinne, Ehe, Sp. 1636-1637 und D’Avray, Medieval marriage, S. 1.

[5] vgl. Kuttner / Pennington, Carnal Delight, S. 383.

[6] vgl. Reitzenstein, Liebe, S. 9.

[7] vgl. Schröter, Ehe, S. 112.

[8] vgl. Schröter, Ehe, S. 121.

[9] vgl. Freiberg, Tristan, V. 661 – 682: „her Tristan ginc zu bette [...] und leit in grozen vrouden sich. Ysote die maget wenninclich die wart gevuret im al dar [...] und giengen hin vur. Karsie die tet zu die tur. Tristan stunt uf und sloz da vur ouch einen rigel groz.

[10] vgl. dazu Erzählungen zur Geburt Friedrichs II. bei Fischer – Fabian, Cäsaren, S. 300.

[11] vgl. Krones, Leonor, S. 57.

[12] vgl. Krones, Leonor, S. 59.

[13] vgl. Krones, Leonor, S. 57.

[14] vgl. Krones, Leonor, S. 59.

[15] vgl. Koller, Friedrich III., Sp. 942.

[16] vgl. Koller, Eleonore, Sp. 1804.

[17] vgl. Koller, Kaiser, S. 116.

[18] vgl. Keussen, Bericht, S. 319: „Est enim estatis, ut apparuit, 14 aut 15 annorum, mediocris stature, colore quidem pallido et albissimo, indita enim veste aurea cum capitalibus aureis...“. vgl. auch Krones, Leonor, S. 60.

[19] vgl. Koller, Kaiser, S. 116.

[20] vgl. Koller, Kaiser, S. 137.

[21] vgl. Koller, Kaiser, S, 118.

[22] Enea Silvio de’ Piccolomini, der spätere Papst Pius II. war ein Vertrauter Friedrichs III. und wurde von diesem sogar zum Sekretär der kaiserlichen Kanzlei ernannt. Er verfasste u.a. die „Historia Friderici III. sive Historia Austriaca“. Vgl. Esch, Pius II., Sp. 2190 – 2191.

[23] Nikolaus Lanckmann aus dem Ort Falkenstein in Niederösterreich war der Hofkaplan Friedrichs. Er wurde nach Lissabon geschickt um Eleonore nach Italien zu begleiten. Er berichtete in seinem Werk „Historia desponsationis, benedictionis et coronationis imperatoris Friderici III. et coniugis ipsius Eleonorae“ von der Kaiserkrönung und Hochzeit Friedrichs. Vgl. Walsh, Korrespondenz, S. 432 - 433.

[24] vgl. Krones, Leonor, S. 71., Enea Silvio, S. 53.

[25] bzw. am 1. August 1451 durch Prokuration in Lissabon, vgl. dazu Koller, Friedrich III., Sp. 940.

[26] Vgl. Lanckmann, Desponsatio, 45: „Item decima sexta die mensis Marcii scilicet feria quinta qua canitur Salus populi ego sum, Sanctissimus Dominus Papa, dominum imperatorem Dominum Fridericum et eius augustam Dominam Leonoram uirginem etc. ad Sanctum Petrum in facie ecclesie copulauit et in nomine Domini coniunxit.“

[27] vgl. Krones, Leonor, S. 75.

[28] vgl. Walsh, Korrespondenz, S. 425.

[29] vgl. Kollár, Analecta, Sp. 302f.: „Leonoram autem sponsam suam nondum cognoverat, quod id operis in Alemaniam referre volebat, sive ne sanguis Italicus sibi nasceretur, sive aliud religionis in mente gerens“.

[30] vgl. Krones, Leonor, S. 75.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Hochzeit Kaiser Karls V. mit Isabella von Portugal - Im Vergleich zur Hochzeit Friedrichs III. mit Eleonore von Portugal
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
"Wie der Kaiser unter die Haube kommt"
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V92562
ISBN (eBook)
9783638064743
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochzeit, Kaiser, Karls, Isabella, Portugal, Vergleich, Friedrichs, Eleonore, Haube
Arbeit zitieren
Carolin Kummer (Autor), 2006, Die Hochzeit Kaiser Karls V. mit Isabella von Portugal - Im Vergleich zur Hochzeit Friedrichs III. mit Eleonore von Portugal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92562

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