Daidalos und Ikaros. Unterrichtseinheit für eine 6. Klasse (Deutsch, Gymnasium)


Unterrichtsentwurf, 2007

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Bemerkungen
1.1 Die Klasse 6c
1.2 Der Raum Nr. X

2. Didaktische Überlegungen
2.1 Die Stellung der Stunde im Lehrplan
2.2 Die Stellung der Stunde im Unterrichtszusammenhang
2.3 Sachanalyse

3. Planung der Stunde
3.1 Ziele der Unterrichtsstunde
3.2 Didaktische Schwerpunkte
3.3 Begründung der Arbeits- und Sozialformen
3.4 Begründung des Medieneinsatzes
3.5 Geplanter Verlauf der Stunde
3.6 Geplantes Tafelbild

4. Literaturangaben und Internetquellen:

5. Anlagen

1. Allgemeine Bemerkungen

1.1 Die Klasse 6c

Seit Februar unterrichte ich die 33 Schüler der Klasse 6x[1] im Fach Deutsch. Die Klasse setzt sich aus 12 Mädchen und 21 Jungen zusammen.

Ein großer Teil der Schüler beteiligt sich aktiv und regelmäßig am Unterricht; es befinden sich jedoch auch einige zurückhaltendere Mädchen und Jungen in der Klasse, die aber bei gezielter Nachfrage den Unterricht oft durch brauchbare Beiträge bereichern. Ein Schüler ist zum Halbjahr, von einer deutsch-chinesischen Schule kommend, in die 6c eingetreten. Er ist gut in die Gemeinschaft integriert und zeigt durchwegs positive Leistungen.

Drei Jungen und ein Mädchen besitzen ein Attest über Legasthenie. Die Schreibschwäche der betroffenen Jungen und Mädchen spiegelt sich deutlich in ihren Aufsätzen wider.

In der Klasse herrscht ein angenehmes Unterrichtsklima. Die Leistungsfähigkeit ist als durchschnittlich bis gut zu bewerten. Vor allem in den von mir gehaltenen Schulaufgaben konnten recht ordentliche Schnitte erzielt werden (3. Schulaufgabe: 2,97; 4. Schulaufgabe: 3,00).

1.2 Der Raum Nr. X

Das Zimmer der Klasse 6c ist so gestaltet, dass bei der Projektion von Folien die rechte Seitentafel eingeklappt werden muss, wodurch das Tafelbild halbseitig verdeckt wird.

Leider weist der Raum angesichts der Klassenstärke keine ausreichende Größe auf, sodass die Platzsituation relativ beengend ist. Ich habe darauf verzichtet, für die Lehrprobe auf einen anderen Raum auszuweichen. Ausschlaggebend dafür war zum Einen die Tatsache, dass die Ausweichmöglichkeiten sehr begrenzt sind und andere Klassenzimmer nicht wesentlich größer sind. Zum Anderen halte ich es für sinnvoll, wenn sich die Klasse auch in der Lehrprobe in ihrem gewohnten Raum befindet, zumal das Zimmer durch die Dekoration mit von den Schülern gestalteten Plakaten und Postern einen individuellen Charakter und ein besonderes Ambiente besitzt.

2. Didaktische Überlegungen

2.1 Die Stellung der Stunde im Lehrplan

Der Fachlehrplan Deutsch sieht für die 6. Jahrgangsstufe im Lernbereich „Sich mit Literatur und Sachtexten auseinandersetzen“ (6.4) das Vertrautwerden mit Stoffen der Antike in jugendgemäßer Bearbeitung vor. Insbesondere werden hierbei die epischen Kleinformen genannt. Die Schüler sind der Gattung „Sage“ bereits in der 5. Klasse begegnet, da der Lehrplan in dieser Jahrgangsstufe die „einfache[n] Gestaltungsprinzipien und Formelemente von Erzählung, Märchen und Sage“[2] vorsieht. Die Beschäftigung mit den klassischen Mythen baut also zum Teil auf Bekanntem auf. Sie gewährleistet die Besinnung auf die Anfänge der europäischen Literatur und gewährleistet dadurch die vom Lehrplan geforderte ästhetische Bildung der Schüler. Durch die Behandlung der Sage gewinnen die Schüler, wie vom Lehrplan gefordert, „Einblick in die Eigengesetzlichkeit literarischer Welten“[3].

2.2 Die Stellung der Stunde im Unterrichtszusammenhang

Die Lehrprobe mit dem Thema „Die Sage von Daidalos und Ikaros“ stellt die fünfte Stunde einer auf sechs Stunden angelegten Unterrichtssequenz dar. In der ersten Stunde (21.06.2007) wurden die Schüler mit der von Richard Carstensen nacherzählten Sage „Das hölzerne Pferd“ in die Thematik der Mythologie eingeführt. Neben inhaltlichen Aspekten stand der „wahre Kern“ als Eigenschaft der antiken Sagen im Mittelpunkt. Weitere Sagenmerkmale wurden von den Schülern gesammelt und in Form einer Definition gesichert. In der zweiten Stunde der Sequenz (22.06.2007) begegneten die Schüler mit dem Text „Odysseus bei den Phaiaken“ einer Episode aus den Irrfahrten des griechischen Helden. Unter anderem wurde den Schülern anhand dieses Textes bewusst, dass die Sagen lange Zeit mündlich (z.T. von Sängern) überliefert wurden, bis man sie in schriftlicher Form festgehalten hat. Am Text „Prometheus“ erarbeiteten die Schüler in der darauf folgenden Stunde[4] (28.06.2007), dass Sagen in vergangenen Zeiten oft die Funktion hatten, den Menschen die Grundfragen des Lebens zu beantworten. Dazu zählen die Fragen nach dem Ursprung der Welt, der Entstehung des Menschen und der Herkunft von Leid und Krankheit. In der Stunde vor der Lehrprobe (05.07.2007) lernten die Schüler den Helden Theseus kennen, der auf Kreta den Minotaurus besiegt und mithilfe eines magischen Wollknäuels den Weg aus dem Labyrinth wiederfindet. Die Lehrprobenstunde (09.07.2007) selbst behandelt die Sage von Daidalos und Ikaros, nacherzählt von Richard Carstensen. Im Mittelpunkt steht die Charakteristik der beiden Hauptfiguren, die damit eng in Verbindung stehende Problematik von Schuld und Strafe sowie die Motive des Daidalos und Ikaros für ihre folgenschweren Handlungen. In der Deutschstunde am 11.07.2007 wird die Sequenz mit der Behandlung eines Sachtextes abgeschlossen. Im Mittelpunkt steht die Frage Was ist wahr an der Welt der antiken Epen?. Bei dem Text handelt es sich um eine Reportage, die sich mit Ausgrabungen des Tübinger Professors Manfred Korfmann in der Ruinenstadt Troja beschäftigt.[5]

2.3 Sachanalyse

Die Ikaros-Sage ist uns am vollständigsten von Ovid in seiner Ars amatoria und in den Metamorphosen überliefert. Die im Unterricht eingesetzte Fassung stammt von Richard Carstensen.

Daidalos, der sich laut der Sage mit seinem Sohn Ikaros auf Kreta in Gefangenschaft befindet, sehnt sich nach Freiheit. Da er diese auf dem Seeweg nicht erreichen kann, fertigt er für sich und seinen Sohn Flügel an, mithilfe derer beide gemeinsam die Insel in Richtung Heimat verlassen. Weil Ikaros nicht auf das Gebot seines Vaters hört, gerät er zu nah an die Sonne und findet deshalb den Tod. Auf den ersten Blick führt der Ungehorsam des Sohnes gegenüber seinem Vater zum Absturz. Der Text lässt jedoch die Deutung nicht zu, die alleinige Schuld beim Sohn zu suchen. Letztlich handelt es sich beim Sturz und Tod des Ikarus auch um die Bestrafung des Daidalos aufgrund der Schuld, die er einst durch die Ermordung seines Schülers auf sich geladen hat. Die Schuld des Daidalos wird bereits in den ersten Zeilen des Textes deutlich, welche ihn dem Leser als Mörder vorstellen und Eitelkeit, Neid und Eifersucht als Charaktermerkmale nennen. Beschäftigt man sich mit der Frage nach den Gründen für den Sturz des Ikaros, so muss als weitere Komponente neben dem Übermut des Ikaros auch die Hybris des Daidalos berücksichtigt werden: Die Tatsache, dass er die Kräfte der Natur bezwingt und sich göttergleich in den für den Menschen nicht bestimmten Luftraum wagt, muss in der mythologischen Welt der Sage als frevelhaft gedeutet werden.

Der Text beantwortet die Frage nach den Handlungsmotiven der Hauptpersonen nur zum Teil. Während klar ist, dass Daidalos seinen Schüler aus Eifersucht und Neid getötet hat und er die Flügel aufgrund der Sehnsucht nach seiner Heimat und seines Freiheitswunsches anfertigt, bleiben die Beweggründe des Ikaros für die Missachtung des väterlichen Gebots weitgehend im Dunkeln. Hier lässt der Text Freiraum zur Interpretation. Während bei Ovid steht, dass Ikaros begann, sich am kühnen Flug zu erfreuen und er durch die Begierde nach dem Himmel angezogen wurde, nennt der Carstensen-Text lediglich den Übermut, der den jungen Ikaros trieb, des Vaters Gebot zu missachten. An dieser Stelle ist es die Aufgabe des Lesers, die Leerstellen zu füllen und herauszufinden, wie es zu erklären ist, dass Ikaros sich plötzlich in höhere Regionen erhebt. Der Text lässt offen, ob Ikaros bewusst gegen das väterliche Gebot verstößt oder ob er angesichts der Freude am Flug und der empfundenen Freiheit die Anweisungen schlichtweg vergisst.

3. Planung der Stunde

3.1 Ziele der Unterrichtsstunde

Durch die Behandlung der Sage von Daidalos und Ikaros im Unterricht sollen bei den Schülern folgende Lernziele erreicht werden:

Die Schüler sollen

- …die Sage lesen, den Inhalt erfassen und mit eigenen Worten wiedergeben können.
- …durch das Erarbeiten der Charaktereigenschaften der Protagonisten in der Technik der Textarbeit geschult werden.
- …sich mit der Problematik von Schuld und Strafe in der Sage auseinandersetzen.
- …sich in die Person des Ikaros hineinversetzen und auf kreative Art und Weise Handlungsmotive des Ikaros erarbeiten.
- …die Bedeutung der antiken Sage für die Menschen heute erkennen.

3.2 Didaktische Schwerpunkte

Ein erster Schwerpunkt liegt darin, den Inhalt der Sage zu erfassen, der die Grundlage für die folgenden Phasen der Unterrichtsstunde ist. Das Hauptgewicht der Stunde liegt auf der Erarbeitung der Charaktere der beiden Hauptfiguren Daidalos und Ikaros. Dazu gehört auch das Erfassen von Handlungen und ihren Folgen sowie das Ermitteln bzw. die Suche nach den Motiven der handelnden Personen.

In der Lehrprobe verzichte ich bewusst darauf, die Sage von Daidalos und Ikaros auf einen etwaigen Vater-Sohn-Konflikt zu reduzieren. Diese Reduktion erscheint mir problematisch, da bei Carstensen das Motiv des Ikaros, das ihn zu seinem Höhenflug und zur Missachtung des väterlichen Gebots treibt, nicht deutlich aus dem Text hervorgeht. Aus diesem Grund bekommen die Schüler die Möglichkeit, selbst herauszufinden, welche Motive hinter dem Übermut des Sohnes stecken.

Da es für die Schüler der 6. Jahrgangsstufe möglicherweise schwierig ist, den Daidalos als ambivalente Figur mit positiven und negativen Eigenschaften zu erkennen, werden sie gezielt durch den Arbeitsauftrag dorthin gelenkt.

[...]


[1] Die Namen sowie die Klasse und das Klassenzimmer wurden unkenntlich gemacht.

[2] http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1g6.de/index.php (21.9.2006)

[3] ebd.

[4] Aufgrund der Seminartage (25.-27.06.2007), eines Schullandheimaufenthaltes der Klasse (02.-04.07.2007) und einer geographischen Exkursion (06.07.2007) kam es zu einigen Stundenausfällen, was die Tatsache erklärt, dass zwischen den einzelnen Stunden relativ viel Abstand ist.

[5] Vgl. Deutschbuch 6, S. 218f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Daidalos und Ikaros. Unterrichtseinheit für eine 6. Klasse (Deutsch, Gymnasium)
Veranstaltung
Lehrprobe im Studienseminar
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V92570
ISBN (eBook)
9783668384019
ISBN (Buch)
9783668384026
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Daidalos, Ikaros, Lehrprobe, Studienseminar, Jahrgangsstufe 6, Sagen, Mythologie, Stundenentwurf, Sage, Sekundarstufe, Gymnasium, Unterrichtsskizze, Unterstufe, Unterricht
Arbeit zitieren
Wolfgang Kulzer (Autor), 2007, Daidalos und Ikaros. Unterrichtseinheit für eine 6. Klasse (Deutsch, Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92570

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