Kolonisierung Grönlands durch die Wikinger


Seminararbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bewegungen der Wikinger im Nordatlantik
2.1 Färöer Inseln und Island
2.2 Entdeckung Grönlands

3 Erkundung und Besiedlung von Grönland
3.1 Eirik der Rote und seine erste Grönlandreise
3.2 Aufbruch zur Insel und Entwicklung der Kolonie
3.3 Untergang der Wikinger in Grönland

4 Fazit

5 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit den Wikingern wird heutzutage, dem Namen entsprechend, von Räubern zur See gesprochen, die ihrem Ruf vorrauseilten und so angeblich stets mordend vom Norden her durch die Lande zogen.[1] Der Begriff an sich jedoch bezeichnet die damalige Gesamtheit der Bewohner Skandinaviens samt einer umfangreichen Geschichte mit einer hohen Themenkomplexität.[2] Auch die Wikinger mussten sich zu ihrer Zeit mit politischen, religiösen und raumrelevanten Aspekten auseinandersetzen.[3] Die sogenannten Wikingerzüge brachten sie dabei bis in die letzten Winkel Europas und darüber hinaus. Im Osten durchwanderten sie Russland und trafen letztendlich auf das Kaspische und das Schwarze Meer. Im Westen wurde die Küste des Atlantischen Ozeans als Weg bis hin zur Straße von Gibraltar und später schließlich über den Mittelmeerraum genutzt. In anderer Richtung stieß man bereits damals auf Amerika.[4] Die Wikinger, deren große Zeit etwa über 300 Jahre lang von 789 bis 1100 andauerte, waren dabei nicht die ersten nordeuropäischen Seefahrer. Die Iren, Sachsen und weit mehr anderer Völker kamen ihnen zuvor. Ebenso verfügten sie für damalige Zeiten über inaktuelle Navigationstechniken sowie einen eher rückständigen Schiffsbau.[5] Auch dem Klischee der früher stets überlieferten Brutalität und dem damit in Verbindung stehenden Überhang an Gewalttätigkeiten der Nordmänner wurde im vergangenen Jahrhundert durch archäologische Ausgrabungen Einhalt geboten. Es wurden Anhaltspunkte für friedliche Aktivitäten im Bereich des Handels, der Produktion, der Erkundungen und der Besiedlung entdeckt.[6]

Der folgende Text befasst sich mit der Kolonisation im Nordatlantik. Die Skandinavier besiedelten in den dortigen rauen Gewässern zunächst die Färöer Inseln und Island. Der Schwerpunkt soll dabei auf der folgenden Erkundung und Nutzung Grönlands liegen. Es soll geklärt und relativiert werden, wer letztendlich die Insel hoch im Norden entdeckte und wer sie sich schließlich erfolgreich zu Nutzen machte. Das erste Kapitel blickt zunächst auf die bereits angedeuteten Entdeckungen und gibt einen allgemeinen Überblick über deren Verlauf. Zum Ende wird Grönland erstmals in Bezug auf den europäischen Erstankömmling genannt und nach seiner durch die nördliche Lage bedingten Natur definiert. Ebenso wird zu klären sein, wer zu Wikingerzeiten den ersten Versuch unternahm, das Eis der riesigen Insel zu bändigen. Im darauffolgenden Abschnitt wird zunächst die Person von Eirik dem Roten beleuchtet, fälschlicherweise oft als Entdecker angeführt, und schließlich sein erfolgreiches Unternehmen, Grönland aufgrund seiner persönlichen Vorgeschichte als eine Art Bastion der letzten Zuflucht zu kolonisieren. Hierbei wird die systematische aber auch höchstgefährliche Vorgehensweise beschrieben. Die weiteren Punkte geben Auskunft über die Entwicklung und das Leben in der Kolonie und sollen gen Ende die wichtigsten Thesen über den Untergang der Wikinger auf Grönland anführen und diese als zusammenwirkend und nicht widersprüchlich darstellen. Es werden mehrere Faktoren genannt, die schon kurz nach dem Ankommen der ersten Siedler gezeigt haben, dass sich hier keine neue florierende Welt entwickeln konnte und es nur kurzzeitig zu einer Art Blütezeit kam. Um einer Sprengung des Umfangs, insbesondere in Bezug auf möglicherweise nur kurz angesprochene Themen, Vorbeuge zu leisten, werden weitere Informationen rund um die Aspekte des Inhalts per Literaturangabe am Ende nachgereicht. Davor wird im letzten Kapitel ein Überblick über die gesammelten Daten und die erarbeiteten Ergebnisse gegeben, um zu einem abschließenden Kommentar zu kommen.

2 Bewegungen der Wikinger im Nordatlantik

2.1 Färöer Inseln und Island

Die Ausbreitung der Wikinger im Raum des Nordatlantiks entwickelte sich auf völlig andere Art und Weise, als es von jener in Großbritannien bekannt ist. Von Beginn an bestand jeweils die friedliche Besiedlung als Beweggrund.[7] Die Ausbreitung gen Norden erfolgte hauptsächlich durch norwegische Auswanderer, geschah es weiter südlich noch vor allem durch Dänen und Schweden. In beiden Fällen, auf den Färöer Inseln sowie Island, lebten dort bereits einige hundert irische Mönche vor ihrer Ankunft, die im Namen und im Vertrauen Gottes nördlich ihrer Heimat auf Erkundungstour gewesen sind.[8] Die Färingesaga des Flatöbuches und die Haraldsaga Snorris erzählen, dass die ersten nordischen Siedler zu Zeiten Harald Schönhaars auf die beiden Inseln kamen. Dies war zum Ende des neunten Jahrhunderts.[9] Der irische Mönch Dicuil, so wird es angenommen, spricht aber in einer seiner Schriften von 825 wahrscheinlich schon von den Färöern. Er erwähnt die Mehrzahl von Inseln in den nördlichen Teilen des britischen Meeres, mit ihren Schafen und unzähligen Arten an Seevögeln, und die Tatsache, dass die genannten Einwohner aufgrund des Eintreffens von Seeräubern aus dem Norden diese verlassen hätten. Dieses deutet zugleich einen ersten, den Quellen zufolge kleineren Zuzug von Norwegern an.[10]

Der Großteil der eintreffenden Auswanderer kam möglicherweise aufgrund der vorherrschenden Probleme im Heimatland auf die Färöer und nach Island. Die Reichseinigungsbestrebungen ihres damaligen Königs Harald Schönhaar veranlassten zum einem die freiheitlich denkenden Menschen zum Verlassen des eigenen Landes, um sich nicht der Macht eines Mannes unterstellen zu müssen und Gegner, die diesem in Kämpfen unterlagen und ihr Land verloren, wollten eine Unterwerfung nicht akzeptieren.[11] Viele Flüchtlinge ließen sich somit zur Existenzgründung auf den nordatlantischen Inselgruppen und Island nieder.[12] Allerdings war Island zu dieser Zeit noch nicht überbesiedelt und so scheint es, dass dieser bestehende Konflikt nicht der alleinige Grund war.[13] Die Vorstehenden der Siedlungen waren zumeist aristokratische Häuptlinge des Mittelmaßes. Unter ihnen gab es zum Beispiel keine Könige. Sie galten als jene Menschen Skandinaviens, die mit dem zunehmenden Systemwechsel in ihrer Heimat, nämlich der Zentralisierung der Autorität, zu den Verlierern wurden.[14] Die Regierungsform Islands ähnelte wahrscheinlich jener, die vor diesem Wechsel in den Nordstaaten bei den Wikingern zu finden war.[15] Die Erschließung Islands durch die neuen Siedler galt mit der Einführung des Althing als abgeschlossen. Es handelt sich dabei um eine gesetzgebende und gesetzsprechende Versammlung. Diese war auch für die Christianisierung um 1000 verantwortlich.[16]

Die Organisation des Lebens auf den gebirgigen Färöer Inseln war nahezu identisch. Größere Familien teilten auch hier das Land unter ihrem Gefolge auf. Ebenso gab es ein Thing. Die norwegischen Machthaber bekundeten ihren Machtanspruch über die Inseln im auslaufenden neunten Jahrhundert, was sich jedoch erst um 1180 durchsetzte, als sich die Einwohner schon längst kulturell von ihrer ehemaligen Heimat unterschieden. Eine erste Diözese wurde um 1100 eingerichtet und ungefähr 50 Jahre später dem Erzbistum von Trondheim unterstellt.[17] Die Insulaner konnten ihr neues Land exzellent für die Schafs- und Rinderzucht verwenden. Der Ertrag an Gerste sowie der des Wal- und Fischfangs reichte allerdings zur Selbstversorgung nicht aus. Ebenso das Fehlen von Holz und Eisen sollte schließlich den importierenden Handel unabdingbar machen.[18] Verkaufen konnten die Menschen dort vor allem Wolle, Kleidung und Federn.[19] Einer der ersten Ansiedler unter den Nordmännern auf den Färöern war Grim Kamban. Eine Saga berichtet, dass er womöglich nicht direkt aus Norwegen, sondern aus Irland den Weg dorthin fand. Nach seinem Tot sollen seine Begleiter und die Siedler ihn verehrt haben.[20]

Mit den ersten Wikingern auf Island werden drei verschiedene Namen verbunden. Zum einem spricht man von Gardar, einem Schweden, sowie Naddod und Floki Vilgerdason, zwei Norwegern. Der erste nannte das Land nach sich selbst, Gardarsholm, nachdem er vom Kurs abgekommen war, Island entdeckte und schließlich herausfand, dass es eine Insel war. Naddod erreichte die Insel sturmbedingt und erlebte auf der Rückfahrt einen Schneesturm, woraufhin er das Land Snaeland, das Schneeland, taufte.[21] Der dritte im Bunde, Floki Vilgerdason, unternahm eine turbulente Reise mit dem Ziel, dort zu siedeln. Der einbrechende Winter, der kalte Frühling und die eisbedeckten Landschaften brachten ihm schließlich den Namen Island in den Sinn.[22] Das Gebiet unterschied sich zu Beginn von dem der Färöer durch ein hohes Aufkommen an Birkenwälder. Diese wurden in den Jahren der Kolonisierung jedoch durch Abholzung stark dezimiert, was letztendlich sogar neben der Überweidung auf den Flächen zu einem Engpass an rohstoffreichen und brauchbaren Land führte.[23] Islands erste Diözese wurde 1056 in Skálholt errichtet. Bis ins dreizehnte Jahrhundert fiel die Macht im Lande einigen wenigen Familien in die Hände. Dies führte zu einem Bürgerkrieg, dessen Resultat neben noch anderen zu nennenden Faktoren in der Herrschaftsübernahme durch den norwegischen König 1263 endete.[24]

Die Koloniesierung der Färöer und Islands war die langlebigste Verbreitung skandinavischer Kulturen durch die Wikinger. Überall anders in Europa wurden die Siedler Generation für Generation in die lokalen Populationen aufgenommen und integriert, bis nur noch wenige Spuren auf ihre heimischen Wurzeln deuteten. Vor allem aber in Island, wo es keinerlei einheimische Völker vor den Wikingern gab, erhielten sich die Kolonisten Zeichen ihres Ursprungs. Ihre Sprache entwickelte sich aus westnorwegischen Dialekten und ihre Geschichten wurden in einer bemerkenswerten Literatur niedergeschrieben.[25] Spricht man von der europäischen Entdeckung, Erkundung und Besiedlung Grönlands, so kommt man unter keinen Umständen an der Erwähnung der Färöer Inseln sowie Islands vorbei. Sie sollten in allen drei Punkten stets den Ausgang markieren und damit einen großen Anteil an der ihnen folgenden Geschichte haben, welche schließlich bis nach Amerika reichte. Sie hatten quasi den Status einer Art Satellitenstaat inne, den man für größere Nordatlantikexpeditionen anfahren, aber auch als Ort für die Niederlassung nutzen konnte.

[...]


[1] Simek, Rudolf: Die Wikinger, München 1998, S.7ff.

[2] Ebd., S.7ff.

[3] Ebd., S.7ff.

[4] Brøndstedt, Johannes: Die grosse Zeit der Wikinger, Neumünster 1964, S.24.

[5] Haywood, John: Encyclopedia of the Viking Age, London 2000, S.6f.

[6] Ebd., S.6.

[7] Haywood, John: The Penguin Historical Atlas of the Vikings, London 1995, S.86.

[8] Ebd., S.86.

[9] Brøndstedt: Die grosse Zeit der Wikinger, S.51.

[10] Brøndstedt: Die grosse Zeit der Wikinger, S.51; Vgl. Haywood: Encyclopedia of the Viking Age, S.69.

[11] Simek: Die Wikinger, S.63.

[12] Ebd., S.63.

[13] Haywood: The Penguin Historical Atlas of the Vikings, S.87.

[14] Ebd., S.87.

[15] Ebd., S.87.

[16] Simek: Die Wikinger, S.65.

[17] Haywood: Encyclopedia of the Viking Age, S.69.

[18] Haywood: Encyclopedia of the Viking Age, S.69.

[19] Ebd., S.69.

[20] Jones, Gwyn: A history of the Vikings, Oxford 1984, S.270.

[21] Ebd., S.273.

[22] Ebd., S.273f.

[23] Haywood: Encyclopedia of the Viking Age, S.101.

[24] Ebd., S.101.

[25] Haywood: Encyclopedia of the Viking Age S.102; Vgl. Haywood: The Penguin Historical Atlas of the Vikings, S.94f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kolonisierung Grönlands durch die Wikinger
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Proseminar "Die Wikinger"
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V92585
ISBN (eBook)
9783638065122
ISBN (Buch)
9783640327270
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kolonisierung, Grönlands, Wikinger, Proseminar
Arbeit zitieren
Matthias Sühl (Autor), 2008, Kolonisierung Grönlands durch die Wikinger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92585

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