Die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson. Eine Darstellung anhand von Beispielen aus dem Russischen


Seminararbeit, 2019

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriff der Metapher

3 Metaphorische Konzepte
3.1 Strukturmetaphern
3.1.1 Herkunfts- und Zielbereich
3.1.2 Beleuchten und verbergen
3.2 Orientierungsmetaphern
3.3 Ontologische Metaphern
3.3.1 Die Gefäß-Metaphern
3.3.2 Personifikation

4 Fazit

5 Bibliografie

1 Einleitung

Metaphern prägen unseren Alltag, unser Denken und Handeln. Sie sind nicht – wie lange angenommen wurde – nur ein rein sprachliches Phänomen, das der poetischen und rhetorischen Sprache zugeordnet wird. Metaphern sind vielmehr ein Geflecht aus Konzepten, welches unser Leben beeinflusst. Das Werk ‚Metaphors we live by‘ von Lakoff und Johnson bietet eine alternative Sicht auf Metaphern. Hier werden Metaphern aus der kognitiv-linguistischen und nicht mehr aus der weit verbreiteten literaturwissenschaftlichen Perspektive betrachtet.

Im Alltag verwenden wir häufig konzeptuelle Metaphern, ohne sie zu bemerken: Um eine gute Seminararbeit zu schreiben, ist es wichtig ein Konzept zu entwickeln. Dieses Konzept ist auf einem Blatt Papier festzuhalten. Für die Arbeit ist Material zu sammeln, aus dem gesammelten Material das wichtigste zu extrahieren, daraus einen Rahmen für die Arbeit zu bilden und am Ende alles zu einem schlüssigen Gesamt bild zusammenzufügen. Bereits in dieser kurzen Ausführung wird deutlich, dass Metaphern unentwegt in der Alltagssprache verwenden werden. Sie sind in allen Lebensbereichen zu finden und strukturieren das gesamte Leben.

Im politischen Diskurs wird der Einfluss von Metaphern bewusst genutzt. Wenn von der „Flüchtlings welle “ gesprochen wird, lenkt es die Sicht auf die Thematik in eine bestimmte Richtung. Das Gehirn verknüpft „Flüchtling“ und „Welle“ miteinander. Eine Welle ist bei der Mehrheit der Menschen als groß und wuchtig abgespeichert. Sie wird mit Gefahr in Verbindung gesetzt, da sie einen leicht umreißen kann. Im Zusammenhang mit „Flüchtling“ wird dadurch das Gefühl einer Bedrohung durch geflüchtete Menschen geschaffen. Hier wird sichtbar wie eine einzige Metapher die Denkweise beeinflussen kann. „Unsere Konzepte strukturieren das, was wir wahrnehmen, wie wir uns in der Welt bewegen und wie wir uns auf andere Menschen beziehen“ (Lakoff/ Johnson 2011: 11).

Die vorliegende Seminararbeit soll aufzeigen, wie sich Metaphern auf das gesamte Leben auswirken, indem ein Einblick in die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson gegeben wird. Die von Lakoff und Johnson vorgenommene Einteilung der Metaphern in Struktur- Orientierungs- und ontologische Metaphern wird den Rahmen der Seminararbeit bilden.

2 Begriff der Metapher

Die Metapher ist ein historischer Gegenstand, welcher schon seit der Antike betrachtet wird (vgl. Rolf 2005:1). Bereits Aristoteles hat sich mit Metaphern beschäftigt. Lieb hat 1964 125 unterschiedliche Definitionen seit der Antike rekonstruiert. Dennoch existiert bis heute keine einheitliche Definition des Begriffs „Metapher“. „Metapher ist bestenfalls ein unscharfer Begriff, und wir müssen uns davor hüten, ihn strengeren Verwendungsregeln zu unterwerfen als in der Praxis tatsächlich zu finden sind“ (Black 1983: 59). Lakoff und Johnson geben eine allgemeine Definition an, die noch nicht die Richtung ihrer Theorie erahnen lässt: „Das Wesen der Metapher besteht darin, daß wir durch sie eine Sache oder einen Vorgang in Begriffen einer anderen Sache bzw. eines anderen Vorgangs verstehen und erfahren können“ (Lakoff/ Johnson 2011: 13). Diese Definition sagt lediglich aus, dass eine Metapher die Bedeutung aus einem Bereich auf einen anderen überträgt (vgl. Schmitt 2017: 39).

Für das Verständnis der Seminararbeit ist es wichtig einige Begriffe abzugrenzen. In diesem Schriftwerk wird der Begriff „Konzept“ als „[…] mentale Informationseinheit im Langzeitgedächtnis, in der bzw. über die Menschen ihr Wissen über die Welt abspeichern, organisieren und kategorisieren (Kategorie), und damit ein elementarer Baustein der Kognition“ definiert (Metzler 2016: 369). Menschen zergliedern die Wirklichkeit in für sie relevante Einheiten, indem sie einzelne gedankliche Einheiten in Konzepte zusammenfassen. Konzepte können als einzelne gedankliche Einheit, wie z. B. „Vater“ oder „Mutter“ oder als Sets von zusammengehörigen Einheiten, wie z. B. „Obst“ und „Gemüse“ auftreten. Wird ein Konzept mithilfe eines anderen Konzeptes erklärt sprechen Lakoff und Johnson von einer konzeptuellen Metapher (vgl. Lakoff/ Johnson 2011: 12). Konzeptuelle Metaphern wie ZEIT IST GELD (ВРЕМЯ - ЭТО ДЕНЬГИ), AGRUMENTIEREN IST KRIEG (СПОР - ЭТО ВОЙНА), LIEBE IST EINE KRANKHEIT (ЛЮБОВЬ - ЭТО БОЛЕЗНЬ) fassen in sich sprachlich codierte Metaphern.

3 Metaphorische Konzepte

Das Neue an der Metapherntheorie von Lakoff und Johnson ist das Konzeptsystem der Metaphern. Einzelne sprachliche Metaphern lassen sich zu zusammenhängenden Konzepten verbinden. Wenn davon gesprochen wird, die Zeit nicht sinnlos zu vergeuden und stattdessen diese produktiv zu nutzen, bewegen wird sich im metaphorischen Konzept ZEIT IST GELD (ВРЕМЯ – ЭТО ДЕНЬГИ) bewegt. Dabei werden bestimmte Aspekte aus dem Konzept GELD (ВРЕМЯ) aufgegriffen und auf das Konzept der ZEIT(ДЕНЬГИ) übertragen. Eine sprachlich codierte Metapher zu diesem Konzept ist: „Dieses Gerät wird Ihnen viel Zeit ersparen“ (Это устройство сэкономит Вам много времени).

Da „Geld“, im Gegensatz zur „Zeit“, ein fassbarer Gegenstand ist, wird durch die metaphorischen Ausdrücke ein besserer Zugang zum abstrakten Begriff der „Zeit“ geschaffen.

In unserer Kultur wird „Zeit“ unter bestimmten Aspekten des Konzeptes „Geld“ betrachtet . Denn in unserer Vorstellung steht Geld in einem engen Zusammenhang mit Zeit. In vielen Stellenanzeigen für Ausbildungsberufe wird ein Stundenlohn angegeben. Personen mit einer akademischen Laufbahn verhandeln oft ein bestimmtes Gehalt pro Monat bzw. pro Jahr, woraus sich ein Stundenlohn berechnen lässt. Im weiteren Sinne wird daher pro Stunde bezahlt. Ein Hotelpreis beispielsweise richtet sich nach der Anzahl an Tagen und ein Telefon-gespräch wird im Prepaidbereich pro Minute abgerechnet. Diese Sichtweise auf „Zeit“ ist, entwicklungshistorisch betrachtet, relativ neu. Geld in der Form wie es heute existiert, gab es nicht immer und es spielt auch heute noch in manchen Kulturkreisen nicht so eine große Rolle wie in Industriestaaten. In solchen Kulturen wird Geld mit anderen Metaphern beschrieben. Folglich ist die Betrachtung der Zeit, als wertvolles Gut und begrenzte Ressource, welche gut einzuteilen und nicht zu verschwenden ist, eine kulturspezifische. Diese Sichtweise prägt unsere Lebenseinstellung. Sie lässt uns bestimmen wie mit Zeit umzugehen ist und hat einen direkten Einfluss auf unser Denken und Handeln.

3.1 Strukturmetaphern

Die Metapher ZEIT IST GELD (ВРЕМЯ – ЭТО ДЕНЬГИ) gehört zu den sogenannten Strukturmetaphern. Wie bereits erläutert, wird hier ein Konzept (ZEIT) von einem anderen Konzept (GELD) her metaphorisch strukturiert (vgl. Lakoff/ Johnson 2011: 22). Die zu dem Konzept „Zeit“ gehörigen sprachlichen Metaphern sind: „Sie vergeuden meine Zeit.“ (Вы попусту тратите мое время.), „Dieses Gerät wird Ihnen Zeit ersparen.“ (Это приспособление сэкономит вам много времени.), „Ich habe so viel Zeit für sie vergeudet.“ (Я столько потратил на нее времени.) und usw.- Geld ist aufgrund von der zu Beginn dieses Kapitels aufgestellten Metapher eine begrenzte Ressource und ein kostbares Gut (vgl. Lakoff/ Johnson 2011:16f.).

Ein weiteres Beispiel für eine Strukturmetapher ist ARGUMENTIEREN IST KRIEG (СПОР – ЭТО ВОЙНА). Diese beinhalten sprachliche Metaphern, wie: „Er hat seine Arbeit verteidigt.“ (Он защитил свою работу.), „Ich schmettere seine Argumente ab .“разбил его аргументацию.) und „Seine Kritik traf ins Schwarze.“ (Его замечания били точно в цель.). Beim Argumentieren wird nicht nur in Kriegsbegriffen gesprochen, sondern ebenfalls danach gedacht und gehandelt. Der Diskussionspartner wird als Gegner betrachtet, vor dem es sich zu verteidigen gilt: „Sie können Ihre Behauptung nicht verteidigen.“ (Вы не сможете защитить свои утверждения.). Folglich gewinnt ein Kommunikationspartnern, während der andere verliert: „Im Streit konnte ich nicht gegen ihn gewinnen.“ ( Я не мог победить его в споре. ). Für die Argumentation wird eine Strategie zurechtgelegt, der „Kampf“ wird geplant: „Sie sollten nicht auf diese Strategie zurückgreifen, der Feind wird Sie dem Erdboden gleichmachen.“ (Не стоит прибегать к этой стратегии, противник сотрет Вас с лица земли.). Jedoch wird in diesem Fall der Kampf nicht physisch, sondern verbal ausgetragen.

Der Ursprung für eine derartige Sichtweise auf Diskussionssituationen liegt in einer Metapher, welcher sich selten bewusst gemacht wird. Diese Metapher manifestiert sich nicht nur in der Art und Weise, wie über den Streit gesprochen wird, sondern auch in der Art und Weise, wie ein Streit zu verstehen ist. Die Vorstellung einer Diskussion spiegelt sich in der Handlungsweise wieder.

3.1.1 Herkunfts- und Zielbereich

Das vielschichtige Konzept des Argumentierens wird mit der Kriegsmetaphorik zugänglicher gemacht. „Die Hauptfunktion der Metapher besteht darin, abstrakte und komplexe Zusammenhänge sowohl sprachlich als auch kognitiv fassbar zu machen“ (Drewer 2003: 5). Während einige Bereiche des Lebens greifbar und verständlich erscheinen, benötigen andere eine umfassendere Erklärung. Um umständliche Erklärungen zu vermeiden, werden Metaphern benutzt. Die Strukturmetaphern nehmen dabei eindeutige Konzepte als Herkunftsbereich (z. B. KRIEG) und machen damit komplexe Konzepte des Zielbereichs (z. B. ARGUMENTIEREN) anschaulich und verständlich. Bei der konzeptuellen Metapher ARGUMENTIEREN IST KRIEG (СПОР – ЭТО ВОЙНА) wird das Konzept des Krieges partiell auf das Konzept des Argumentierens übertragen.

Jedes Konzept kann unter unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Der Zielbereich eines metaphorischen Konzepts bleibt gleich, während der Herkunftsbereich variabel ist. „Argumente dienen als Basis oder als das Fundament einer Argumentation“ (Аргументы выполняют роль основания, или логического фундамента аргументации) ist ein Beispielsatz für das metaphorische Konzept THEORIEN (und ARGUMENTE) SIND GEBÄUDE. Der Zielbereich ARGUMENTIEREN bezieht in diesem Fall die Metaphorik von einem anderen Herkunftsbereich (GEBÄUDE). Bei der Übertragung der Eigenschaften eines Konzeptes auf das andere wird nur „ein Teil des Wissens über den Herkunftsbereich auf den Zielbereich projiziert“ (Drewer 2003: 6). Bei der Übertragung des gesamten Wissens aus dem Herkunftsbereich auf den Zielbereich wären die beiden Konzepte identisch miteinander und das eine Konzept wäre nicht mehr mit dem anderen erklärbar.

3.1.2 Beleuchten und verbergen

Die partielle Übertragung des Kampfkonzeptes auf die Argumentationsvorgänge beeinflusst das Denken und das Handeln eines Menschen. Einige Aspekte eines Konzeptes rücken durch die konzeptuelle Metapher in den Vordergrund, während andere in den Hintergrund geraten. Beim Argumentieren werden bestimmte Handlungen ausgeführt, während andere unterlassen werden. Die Argumentation wird in Bildern des Kampfes konzeptualisiert und verbirgt damit andere Aspekte. Einer dieser Aspekte kann die Kooperation sein. Sich auf ein Kompromiss zu einigen ist schwieriger, wenn es als selbstverständlich erscheint den Diskussionspartner als Gegner zu betrachten . In einer imaginären Kultur, in der das Argument anstelle von Krieg als Tanz konzeptualisiert wird, passiert folgendes: Der Diskussionspartner wird zum Performer und das Ziel wird zu einer harmonischen Tanzperformance. Das gesamte Argumentationskonzept würde sich in dieser Kultur von unserem unterscheiden. Folglich würden die Angehörigen dieser Kultur anders über das Argumentieren sprechen und denken. Die entsprechenden Handlungen würden von Vertretern einer solchen Kultur nicht als Streit betrachtet werden. An diesem hypothetischen Beispiel wird deutlich, dass – je nach dem in welchen Metaphern gesprochen wird – unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dasselbe Phänomen sichtbar werden. Abhängig davon in welchem Konzept man gerade spricht, steuert es auch Einen gedanklich in eine bestimmte Richtung. Verschiedene Konzepte können ganz unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund rücken. Liebe kann eine Krankheit sein, aber auch Magie. Liebe wird mit Verrücktheit konzeptualisiert, während sie auch mit Physik beschrieben werden kann. Jede dieser Metaphern beleuchtet einen Aspekt, während sie andere Aspekte verbirgt. Die konzeptuelle Metapher LIEBE IST EINE KRANKHEIT (ЛЮБОВЬ – ЭТО БОЛЕЗНЬ) verweist auf den pathologischen Aspekt der Liebe. Hier wird Liebe als ein Leiden konzeptualisiert: „Wenn ich dich sehe zieht sich bei mir alles im Magen zusammen.“ (Когда я тебя вижу у меня все сжимается в животе.) oder „Die Liebe frisst mich von Innen auf .“ (Любовь съедает меня изнутри.). Während eine Krankheit als eine Beeinträchtigung betrachtet wird, wird mit Magie etwas Außergewöhnlicher und Aufregendes assoziiert. Zu dem Konzept LIEBE IST MAGIE (ЛЮБОВЬ – ЭТО МАГИЯ) gehören Äußerungen wie diese: Ich bin verzaubert von dir (Я тобой очарован) und Der Zauber unserer Beziehung ist verflogen (Волшебство наших отношений ушло). Je nachdem welche Metapher gebraucht wird lenkt sie die Sichtweise auf das Konzept der Liebe in eine bestimmte Richtung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson. Eine Darstellung anhand von Beispielen aus dem Russischen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Slavistik)
Veranstaltung
Kognitive Linguistik und Konstruktionsgrammatik in den slavischen Sprachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V925905
ISBN (eBook)
9783346260406
ISBN (Buch)
9783346260413
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kognitive Metapherntheorie, Kognitive Linguistik, Metaphern, Lakoff und Johnson, Lakoff, Johnson, Metaphors we live by, Leben in Metaphern, Metaphorische Konzepte, Strukturmetaphern, Orientierungsmetaphern, Ontologische Metaphern
Arbeit zitieren
Lia Greiberg (Autor), 2019, Die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson. Eine Darstellung anhand von Beispielen aus dem Russischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/925905

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson. Eine Darstellung anhand von Beispielen aus dem Russischen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden