Diese Arbeit soll einen themenspezifischen Beitrag zur Populismusforschung leisten und wird deshalb der Frage nachgehen, welche Rolle der Klimawandel für den Rechtspopulismus, hier im Speziellen für den Rechtspopulismus der AfD, spielt. Als theoretische Grundlage dient das Werk des niederländischen Politikwissenschaftlers Cas Mudde „Populist Radical Right Parties in Europe“ das in einem ersten Schritt nachvollzogen und dabei auf Zugänge zum Thema der Arbeit untersucht wird.
Anschließend wird entlang dieser Zugänge die Rolle der Thematik des Klimawandels für die AfD untersucht, wobei der Fokus zunächst auf der Bundesebene der Partei liegt. Weiterhin werden die zwei stärksten Landesverbände Sachsen und Thüringen Gegenstand der Arbeit sein. Die abschließende Zusammenfassung der Erkenntnisse erläutert die mögliche Rolle des Klimawandels für den Populismus, auch im Hinblick auf eine mögliche Konkretisierung oder Ergänzung von Muddes Theorie, und setzt sich mit der Integrierbarkeit populistischer Klimapolitik auseinander.
Mit dem Erstarken populistischer Parteien in westlichen Demokratien steht scheinbar auch der Klimawandel wieder zur Disposition. In besonderer Weise verdeutlicht das Donald Trump, der bereits 2012 den Klimawandel als Erfindung der Chinesen, mit der Absicht, die US-amerikanische Wirtschaft wettbewerbsunfähig zu machen.
Eine seiner ersten Amtshandlungen als Präsident der USA war der Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen der Vereinten Nationen, das 2015 von 195 Staaten zur Erreichung des 2-Grad-Ziels unterzeichnet worden war. Den Ausstieg begründete er mit den unfairen und negativen Folgen der Einhaltung des Abkommens für Wirtschaft und Arbeitsmarkt der USA und seiner Verpflichtung gegenüber dem US-amerikanischen Volk.
Trump zeigt sich ganz offen als vehementer Klimawandelleugner und spricht dadurch einer Politik im Sinne des Klimaschutzes jegliche Relevanz ab. Doch wie steht der Rechtspopulismus in Deutschland – politisch vertreten durch die Alternative für Deutschland (AfD) – zur Thematik des Klimaschutzes? Bedient sich die Partei ähnlich wie Donald Trump der Leugnung des Klimawandels oder vertritt sie lediglich andere Ansichten als die etablierten Parteien zur Umsetzung des Klimaschutzes? Kann die Klimawandelleugnung gar als populistisches Phänomen bezeichnet werden?
Inhaltsverzeichnis
1 There is no such thing as climate change
2 Rechtspopulismus und Klimawandel
2.1 Theorie der populist radical right party nach Cas Mudde
2.1.1 Definition, Terminologie und Zuordnung der AfD
2.1.2 Volk und Elite als zentrale Bezugsgrößen
2.1.3 Themenspezifische Zugänge der Theorie
2.2 Die AfD und der Klimawandel
2.2.1 AfD Deutschland
2.2.2 AfD Sachsen
2.2.3 AfD Thüringen
2.3 Die Rolle des Klimawandels für die AfD als populist radical right party
3 It’s climate change, stupid!
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Klimawandels innerhalb der rechtspopulistischen Politik, wobei die Alternative für Deutschland (AfD) als zentrales Fallbeispiel dient. Ziel der Analyse ist es, auf Basis der Theorie von Cas Mudde zu klären, wie die AfD das Thema Klimaschutz instrumentalisiert, um populistische Kernideologien wie Nativismus und Elitenkritik zu bedienen und ihren Anspruch auf einen "issue ownership" in diesem Politikfeld zu festigen.
- Analyse rechtspopulistischer Mechanismen nach Cas Mudde
- Untersuchung der Klimapolitik der AfD auf Bundes- und Landesebene (Sachsen/Thüringen)
- Rolle der wissenschaftlichen und politischen Elitenkritik in der AfD-Argumentation
- Wirtschaftliche Argumentationslinien als Verknüpfung von Populismus und Nativismus
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Volk und Elite als zentrale Bezugsgrößen
Ein Aspekt in Muddes Theorie, der als Zugang zur themenspezifischen Untersuchung des Rechtpopulismus – im Falle der vorliegenden Arbeit in Bezug auf die Thematik des Klimawandels – von Bedeutung ist, liegt in der, der populistischen Kernideologie zugrunde liegenden, Differenzierung zwischen Volk und Elite als zentrale Bezugsgrößen populistischer Politik. Zur Spezifizierung des Volks verweist Mudde auf den Begriff des heartland nach Paul Taggart, einen Ort, “in which, in the populist imagination, a virtuous and unified population resides“24. Laut Mudde verdeutlicht das Konzept, dass die populistische Vorstellung des Volks weder real noch inklusiv, stattdessen eine mystifizierte Konstruktion der Gesamtbevölkerung darstellt.25
Näher bestimmt sich das Volk im Populismus nur im Rahmen von dessen manichäistischen Weltbild: Die Welt teilt sich in gut und schlecht, die in- und die outgroup, das gute Volk und die korrupte Elite. In dieser Freund-Feind-Dichotomie bleibt das Volk recht vage gefasst und definiert sich vorerst ex negativo als Spiegelbild des Gegenübers und anhand dessen vermeintlichen negativen Eigenschaften.26 Mudde skizziert daraufhin vier Feind-Kategorien, denen sich das Volk als ingroup gegenübergestellt sieht: “(1) those within both the nation and the state; (2) those outside of the nation but within the state; (3) those within the nation but outside the state; and (4) those outside both the nation and the state“27. In die erste Kategorie fallen politische, wirtschaftliche und kulturelle Akteure, die als nationale Elite zusammengefasst werden. Dieser Elite wird in nativistischer Argumentation der Verrat an der Nation und in populistischer Argumentation die Korruption gegenüber dem Volk vorgeworfen. Für den themenspezifischen Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist relevant, dass als Folge des ausgeprägten Freund-Feind-Schemas des Populismus Akteure, die zu einem der beiden vorgeworfenen Zwecke mit der nationalen Elite kollaborieren, ebenfalls in diese Feind-Kategorie fallen, so auch wissenschaftliche Experten, sofern sie nicht der Implementierung des Volkswillens dienen.28
Zusammenfassung der Kapitel
1 There is no such thing as climate change: Die Einleitung beleuchtet das Erstarken populistischer Parteien und deren distanziertes Verhältnis zum Klimaschutz, illustriert am Beispiel von Donald Trump und der AfD.
2 Rechtspopulismus und Klimawandel: Das theoretische Hauptkapitel definiert den Rechtspopulismus anhand der Konzepte von Cas Mudde und analysiert die Programmatik der AfD sowie deren Landesverbände hinsichtlich der Klimaschutzthematik.
3 It’s climate change, stupid!: Das Schlusskapitel resümiert, dass der Klimawandel für die AfD als Instrument dient, um ein moralisches Alleinvertretungsanspruch-Narrativ zu bedienen und Paradoxien in der nationalen und globalen Interessenvertretung aufzuzeigen.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, AfD, Klimawandel, Klimaschutz, Cas Mudde, Nativismus, Populismus, Elitenkritik, Energiewende, issue ownership, Politische Kommunikation, Parteienforschung, Deutschland, Wirtschaftspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die AfD den Klimawandel als politisches Thema nutzt, um ihre rechtspopulistische Ideologie zu verbreiten und sich gegen etablierte politische sowie wissenschaftliche Akteure zu positionieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Populismusforschung, die Energie- und Klimapolitik der AfD sowie die theoretische Fundierung durch das Modell von Cas Mudde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Rolle die Klimaschutzthematik im rechtspopulistischen Diskurs der AfD spielt und inwiefern diese als "coathanger" für nativistische und autoritäre Kernideologien dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die politikwissenschaftliche Theoriebildung nach Cas Mudde und wendet diese im Rahmen einer explorativen Inhaltsanalyse auf Parteiprogramme und öffentliche Äußerungen der AfD an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung nach Mudde und die empirische Anwendung auf das Grundsatzprogramm der AfD sowie die Wahlprogramme der Landesverbände Sachsen und Thüringen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechtspopulismus, Nativismus, Elitenkritik, Klimaschutz-Instrumentalisierung und issue ownership charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Argumentation der Landesverbände von der Bundes-AfD?
Die Landesverbände, insbesondere Sachsen, zeigen eine noch drastischere Rhetorik in der Leugnung des Klimawandels und kombinieren die Kritik mit spezifischen, regionalen Forderungen, etwa zum Erhalt der Braunkohle.
Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Dimension in der AfD-Klimapolitik?
Die Wirtschaft dient als zentrales Argumentationsmittel, um die "Energiewende" als elitengesteuerte Maßnahme darzustellen, die dem deutschen Volk und Wohlstand schadet.
- Arbeit zitieren
- Selina Winkler (Autor:in), 2018, Die AfD und der Klimawandel. Die Rolle des Klimawandels im Rechtspopulismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/926148