Magersucht – ein wahres Problem? Die Magersucht betrifft mehr und mehr Menschen, ohne dass wir es überhaupt realisieren. Auf Grund der herrschenden Schönheitsideale ist das Schlanksein für uns etwas Selbstverständliches, etwas Gegebenes. Wir erkennen die Magersucht nicht als schwerwiegendes Problem, weil wir über die Magersucht zu wenig wissen, weil wir in der Gesellschaft noch zu wenig über sie reden.
Das Forschungsinteresse der vorliegenden Seminararbeit richtet sich auf die Art und Weise wie sich die Magersuchtproblematik innerhalb der deutschen Gesellschaft mehr Gehör verschafft und als Problem anerkannt wird. Im Vordergrund steht dabei der Versuch, die folgende Forschungsfrage zu beantworten: Stellt die Magersucht ein durch die Gesellschaft kommunikativ-konstruiertes Problem dar? Die hierfür vorgeschlagene Methodik soll an dieser Stelle kurz erläutert werden. Das hiesige Vorgehen besteht darin, zu erklären wie wir innerhalb einer Gesellschaft überhaupt Wirklichkeiten konstruieren. Anhand dieser Erklärung soll gezeigt werden, wie die Magersuchtproblematik zu einer gesellschaftlichen Wirklichkeit konstruiert wird.
Dieser Ansatz führt zur folgenden Gliederung der Seminararbeit: Im ersten Teil soll erklärt werden, wie wir durch Kommunikation in der Lage sind unsere gesellschaftliche Wirklichkeit zu konstruieren und zu verändern. Im zweiten Teil wird untersucht, welche Akteure durch welche Art der Kommunikation versuchen, die Magersucht in Deutschland zu einem gesellschaftlich Problem zu konstruieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die gesellschaftliche Wirklichkeit als Ergebnis der Kommunikation
2.1 Konstruktion der subjektiven Wirklichkeit
2.2 Die Plausibilität der gesellschaftlichen Wirklichkeit
2.3 Veränderung der gesellschaftlichen Wirklichkeit durch Kommunikation
3 Die Magersucht - eine gesellschaftlich-kommunikative Konstruktion
3.1 Die Magersucht – in unseren Schönheitsidealen versteckt
3.2 Die gesellschaftlichen Konstrukteure der Magersuchtproblematik
3.2.1 Selbsthilfegruppen
3.2.2 ‘Pro-Ana‘-Gruppen
3.2.3 ‘No Anorexia‘ – eine Kampagne mit Einfluss
3.2.4 Die Fernsehmedien
3.3 Die Arena – Ort des Diskurses
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Magersucht als ein durch gesellschaftliche Kommunikation konstruiertes Problem verstanden werden kann. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie Akteure durch gezielte Kommunikation Magersucht in den öffentlichen Diskurs einbetten und somit als gesellschaftliches Problem etablieren.
- Konstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit durch Kommunikation
- Einfluss von Schönheitsidealen auf die Wahrnehmung von Magersucht
- Analyse verschiedener Akteure der Problemkonstruktion (Selbsthilfe, Pro-Ana, Medien)
- Rolle der Massenmedien als Transmitter zwischen Diskurs und Gesellschaft
- Die Funktion der „Arena“ als Ort der diskursiven Aushandlung
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Die Fernsehmedien
Als einer der wichtigsten Akteure, der den Diskurs über die Problematik beeinflusst, kann man die öffentlich-rechtlichen und die privaten Rundfunkanstalten in Deutschland bezeichnen. Wichtig sind die Fernsehmedien deshalb, weil sie eine der Hauptinformationsquellen der Gesellschaft sind und somit eine breite Öffentlichkeit erreichen können. Die Fernsehmedien beteiligen sich auf zwei Arten am Diskurs über die Magersucht.
Einmal treten sie mit einer sehr breiten Öffentlichkeit in Kommunikation und haben zum Hauptziel, die Gesellschaft über die Magersucht zu informieren und die schwerwiegenden Folgen dieser Krankheit aufzudecken. Durch diese Art der fernsehmedialen Kommunikation werden vor allem zwei Zielgruppen angesprochen. Auf der einen Seite Erwachsene, wie Eltern und Lehrer und auf der anderen Seite Jugendliche, die als besonders anfällig für die Magersucht gelten. Fernsehformate wie ‘Bravo-TV‘ konzentrieren sich auf die Kommunikation mit Jugendlichen, denen sie die Gefahren und Risiken dieser Krankheit aufzeigen wollen, so zum Beispiel in einer Sendung vom 30.04.2006 mit dem Thema „Schlank sein um jeden Preis“ (Bravo-TV, 21.11.2007). Sender wie ARD und ZDF konzentrieren sich hingegen auf das erwachsenere Publikum, welches sie versuchen für Merkmale und Verhaltensweisen der Magersucht zu sensibilisieren. Ihr Anliegen ist es, dass Eltern und andere Bezugspersonen von Jugendlichen Symptome erkennen, um frühzeitig mögliche Fälle der Magersucht in ihrem Umfeld wahrzunehmen. Magersucht ist oftmals ein Rennen gegen die Zeit; je länger diese Krankheit unentdeckt bleibt, desto schwieriger ist der Kampf gegen sie.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Magersucht ein und stellt die Forschungsfrage, ob es sich dabei um ein kommunikativ-konstruiertes gesellschaftliches Problem handelt.
2 Die gesellschaftliche Wirklichkeit als Ergebnis der Kommunikation: Dieses Kapitel erläutert theoretisch, wie Menschen durch soziale Kommunikation eine gemeinsame, gesellschaftlich akzeptierte Wirklichkeit konstruieren und verändern.
3 Die Magersucht - eine gesellschaftlich-kommunikative Konstruktion: Hier wird untersucht, welche konkreten Akteure und Mechanismen dazu beitragen, Magersucht in Deutschland zu einem öffentlichen Problem zu machen.
4 Zusammenfassung: Das Fazit bestätigt die Forschungsfrage teilweise und stellt fest, dass sich Magersucht aufgrund fehlender durchschlagskräftiger Institutionen erst im Aufbau zu einem anerkannten gesellschaftlichen Problem befindet.
Schlüsselwörter
Magersucht, Kommunikation, gesellschaftliche Wirklichkeit, Konstruktion, Pro-Ana, Selbsthilfegruppen, Fernsehmedien, Diskurs, Schönheitsideal, soziale Probleme, Öffentlichkeitsarbeit, Risikodiskurse, Arena, Wahrnehmung, soziale Konstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Magersucht in unserer Gesellschaft durch kommunikative Prozesse als ein relevantes soziales Problem wahrgenommen und konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Konstruktion subjektiver und objektiver Wirklichkeit, die Rolle der Kommunikation bei der Problemwahrnehmung sowie die spezifische Arena der Akteure, die sich mit Magersucht auseinandersetzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Magersucht ein durch die Gesellschaft kommunikativ-konstruiertes Problem darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Forschung, die auf theoretischen Ansätzen der Konstruktion von Wirklichkeit und Diskursanalyse aufbaut.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Wirklichkeitskonstruktion und die empirische Untersuchung verschiedener Akteure, wie Internetgruppen, Medien und Kampagnen, die das Thema Magersucht auf die Agenda setzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind gesellschaftliche Wirklichkeit, kommunikative Konstruktion, Diskurs, soziale Probleme, Schönheitsideale und die „Arena“ der Akteure.
Welche Rolle spielen Pro-Ana-Gruppen bei der Konstruktion des Problems?
Pro-Ana-Gruppen stellen einen speziellen Akteur dar, der Magersucht nicht als Krankheit, sondern als Lifestyle interpretiert und durch eigene Kommunikationsformen wie Glaubensbekenntnisse eine konträre Wirklichkeit zu etablieren versucht.
Warum wird die Bedeutung der Fernsehmedien in der Arbeit so stark hervorgehoben?
Die Medien fungieren als wichtige Transmitter zwischen Akteuren und der breiten Öffentlichkeit und haben durch ihre Reichweite die Macht, ein Thema entweder massiv zu thematisieren oder im öffentlichen Diskurs zu prägen.
- Quote paper
- Eric Schmidgall (Author), 2007, Die kommunikative Konstruktion der Magersuchtproblematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92645