Sozialpolitik im „Dritten Reich“

Eine Bewertung der sozialen Entwicklung in Deutschland ab 1933 im Kontext der wirtschaftlichen Situation


Seminararbeit, 2007
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was heißt „sozial“?

3. Deutschland zur Zeit der „Machtergreifung“ Hitlers
3.1 Entwicklung der Wirtschaft bis 1933
3.2 Arbeitsmarktentwicklung bis 1933
3.3 Soziale Verhältnisse in der Weimarer Republik

4. Soziale Zielsetzungen der NSDAP

5. Maßnahmen der NSDAP

6. Erfolge und Entwicklung ab 1933

7. Fazit

1. Einleitung

Das entscheidende ist die soziale Frage.“[1]

In der heutigen Zeit würde eine solche Bemerkung von einem Politiker in einem Sozialstaat wie dem deutschen wohl niemanden in großes Erstaunen versetzen. Wenn mit dieser Äußerung jedoch Adolf Hitler mit dem Vermerk, dass dies keine bloße Demagogie, sondern seine reale und rationale Überzeugung sei, zitiert wird, kann man als Leser wohl eine gewisse Skepsis nicht vermeiden. Hatte Hitler, der es in seinem Buch „Mein Kampf“ als humanste Tat der Menschheit bezeichnete, den „defekten Menschen“ die Möglichkeit zu nehmen wiederum „defekte“ Nachkommen zu zeugen,[2] und dessen Herrschaft durch die gewaltsame Unterdrückung der Minderheiten gekennzeichnet war, tatsächlich eine soziale Leitlinie? Und wenn man diese Frage bejaht, welchen Stellenwert hatte sie im Nationalsozialismus eingenommen? Gerade bei der Beantwortung der zweiten Frage ist sich die Geschichtsschreibung noch immer uneinig. Während einige Autoren die Meinung vertreten, dass die sozialen Aspekte einen fundamentalen Einfluss auf alle anderen Entscheidungen der nationalsozialistischen Führung hatten und somit „die soziale Frage [...] das Gravitations-Zentrum des NS-Staates“[3] bildete, bewerten andere Wissenschaftler die Sozialpolitik im „Dritten Reich“ als eine den zentralen politischen Zielen des NS-Regimes untergeordnete Komponente nationalsozialistischer Herrschaft.[4]

Es soll jedoch nicht das Ziel dieser Arbeit sein die Widersprüchlichkeit dieser Ansichten aufzulösen. Vielmehr führt sie uns zu der eigentlichen Kernfrage der Hausarbeit.

Wie sozial war der Nationalsozialismus?

Sinnvollerweise wird sich die Hausarbeit auf eine Analyse des Zeitraums zwischen 1933 und 1939 konzentrieren, da das Einbeziehen der Kriegsjahre als einer politischen und gesellschaftlichen Extremsituation eine verzerrte Darstellung der Entwicklung zur Folge haben könnte.[5] Im Zentrum der Untersuchung wird eine Überprüfung der konkreten staatlichen Maßnahmen im Bereich der Sozialpolitik stehen.

Hierfür ist es jedoch notwendig zunächst einmal den Terminus sozial und den Rahmen der Sozialpolitik klar abzugrenzen. Da sich einerseits das Verständnis dessen, was allgemein als sozial angesehen wird, sowie andererseits die wirtschaftlichen Gegebenheiten, die die Grundlage staatlicher Sozialmaßnahmen bilden, im letzten halben Jahrhundert in Deutschland grundlegend verändert haben, ist eine bloße Begriffsbestimmung nach unserem heutigen Maßstab nicht ausreichend. Deshalb ist es erforderlich, die wirtschaftlichen, ideologischen und sozialen Umstände, die zum Ende der Weimarer Republik herrschten, zu analysieren, und darauf aufbauend die Maßnahmen der nationalsozialistischen Führung zu betrachten.

Das größte Problem einer Arbeit, die den Anspruch erhebt, dieses noch immer prekäre Thema möglichst objektiv zu untersuchen, ist die ideologische Durchsetzung der Politik im Nationalsozialismus. Eine in allen Belangen objektive Arbeit müsste demnach die Untersuchung nach Religion, „Rasse“ und weiteren ideologisch relevanten Eigenschaften differenzieren. Jedoch würde eine solche Unterscheidung über den Rahmen dieser Seminararbeit bei weitem hinausgehen. Ich werde mich bei der Analyse der Sozialpolitik aus diesem Grund auf einige wichtige Maßnahmen, Regelungen und Gesetze konzentrieren.

2. Was heißt „sozial“?

In den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussionen wird man derart oft mit dem Begriff „sozial“ konfrontiert, dass mittlerweile die Grenzen der Sozialpolitik verschwommen sind und oftmals unklar ist, welche Maßnahmen wirklich in den Bereich fallen. Eine für das Thema der Arbeit adäquate Definition schließt in die Sozialpolitik alle Maßnahmen ein, die darauf gerichtet sind, ein Mindestmaß an sozialer Sicherheit bei Krankheit, Erwerbslosigkeit oder im Alter zu gewährleisten.[6] Man kann die Aufgabe der Sozialpolitik also als eine Grundsicherung in Notsituationen verstehen. Mit anderen Worten soll durch sozialpolitische Initiativen die Absicherung existenzieller Risiken erreicht werden.[7] Man kann somit als fundamentale Ausgangsthese für diese Hausarbeit festhalten, dass ein Staat als sozial zu bezeichnen ist, wenn er die Bürger die sich nicht selbst versorgen können, soweit unterstützt, dass sie mindestens ein finanzielles Existenzminimum erreichen.

Zwar enthalten diese Begriffsbestimmung und die Einführung des Existenzminimums als unpräziser Wert Diskussionspotential. Da diese These jedoch lediglich ein hilfreiches Kriterium für die Beantwortung der genannten Frage sein soll und nicht in Anspruch nimmt, als allgemeingültige Definition eines Sozialstaates zu fungieren, ist sie an für diese Arbeit ausreichend.

Eine weitere, besonders in Bezug auf die ideologische Durchsetzung der Politik nicht zu vernachlässigende Definition erweitert die Begriffsbestimmung noch um die Problematik der Ungleichheit in der Bevölkerung und schreibt der Sozialpolitik die Verantwortung für die Bekämpfung einer wachsenden Disparität zu.[8] Basierend auf diesen beiden Definitionen wird die abschließende Bewertung ambivalent ausfallen. Zum einen wird ein generelles Resümee aufklären, ob fundamentale Sozialpolitik im Nationalsozialismus in Deutschland vorhanden war und wie der Erfolg einzuschätzen ist und zum anderen wird darüber hinaus eine Bewertung der sozialen Maßnahmen unter der dem Aspekt des Gleichheitsprinzip folgen.

Konkrete Untersuchungsgegenstände werden dementsprechend die Entwicklung der staatlich gewährten Versicherungsleistungen im Fall von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Rente sowie Reallohnentwicklung und institutionelle Veränderung der dem sozialen Bereich zuzuordnenden Organisationen nach 1933 sein. Letzteres schließt vor allem die Gewerkschaften und die neu gegründeten nationalsozialistischen Organisationen wie die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt und die Deutsche Arbeitsfront ein. Dabei werden in erster Linie die Verschiebung der Zuständigkeiten in den Institutionen und die Veränderung ihrer Ziele in die Untersuchung mit einbezogen werden. Des Weiteren werden Segmente wie die Familien- und Jugendpolitik, die Wohnungspolitik und die Fürsorge- und Wohlfahrtspolitik zumindest partiell in die Analyse miteinbezogen.

Darüber hinaus wäre es jedoch nicht gründlich die immense Problematik der Massenarbeitslosigkeit bei der Betrachtung der sozialen Probleme und der versuchten Lösungen der Nationalsozialisten zu ignorieren. Es ist aus diesem Grund nötig, die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und deren Erfolge in Bezug auf die zum Zeitpunkt des Machtantritts Hitlers vorherrschende Lage in die Analyse mit einzubinden.

Wie also stand es in den Jahren 1932 und 1933 um Deutschland? Wie hoch war die Arbeitslosigkeit, auf welchem Niveau stand die soziale Sicherung und wie stabil war die deutsche Wirtschaft nach den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise?

[...]


[1] Adolf Hitler, zitiert nach: Lauermann, Manfred, Das Soziale im Nationalsozialismus, in: Land, Rainer/Ruben, Peter, Berliner Debatte Initial 9, (1998), S. 37.

[2] Prinz, Michael, Wohlfahrtsstaat, Modernisierung und Nationalsozialismus: Thesen zu ihrem Verhältnis, in: Otto, Hans-Uwe/Sünker, Heinz (Hrsg.), Soziale Arbeit und Faschismus, Frankfurt am Main, 1989, S. 52.

[3] Lauermann, Das Soziale im Nationalsozialismus, S. 38.

[4] Kranig, Andreas, Arbeitnehmer, Arbeitsbeziehungen und Sozialpolitik unter dem Nationalsozialismus, in: Bracher, Karl Dietrich/Funke, Manfred/Jacobsen, Hans-Adolf, in: Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft 2., ergänzte Auflage, Bonn, 1993, S. 138.

[5] Lampert, Heinz, Staatliche Sozialpolitik im Dritten Reich, in: Bracher, Karl Dietrich/Funke, Manfred/Jacobsen, Hans-Adolf (Hrsg.), Nationalsozialistische Diktatur 1933-1945. Eine Bilanz, Bonn, 1986, S. 177.

[6] Kirchner, Bernd/Pollert, Achim/Polzin, Javier Morato, Art. „Sozialpolitik“, in: Das Lexikon der Wirtschaft. Grundlegendes Wissen von A bis Z, Bonn, 2004, S. 149.

[7] Schubert, Klaus/Klein, Martina, Art. „Sozialpolitik“, in: Das Politiklexikon 3., aktualisierte Auflage, Bonn 2003, S. 270.

[8] Schmidt, Manfred G., Art. „Sozialpolitik“, in: Andersen, Uwe/Woyke, Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik 4., völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Bonn 2000, S. 538f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sozialpolitik im „Dritten Reich“
Untertitel
Eine Bewertung der sozialen Entwicklung in Deutschland ab 1933 im Kontext der wirtschaftlichen Situation
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V92681
ISBN (eBook)
9783638065160
ISBN (Buch)
9783638951876
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Literaturangaben werden in den Fußnoten komplett zitiert
Schlagworte
Sozialpolitik, Reich“, Nationalsozialismus, Politik, Drittes Reich, Hitler, NSDAP
Arbeit zitieren
Steffen Schröder (Autor), 2007, Sozialpolitik im „Dritten Reich“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92681

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