Seit dem Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts zeichnete sich eine deutliche Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Staaten, die über die Ölreserven verfügten, und den westlichen Produktionsgesellschaften ab. Diese Entwicklung gipfelte in der ersten Ölkrise. Einer der auslösenden Faktoren war die Veränderung der Machtstellung zwischen den Ölreserveländern und den Produktionsgesellschaften sowie ihren dazugehörigen Heimatländern. Dies hatte wenig später die Gründung der Organisation der Erdöl exportierenden Länder – der OPEC – zur Folge. Die OPEC (Organisation of Petroleum Exporting Countries) mit den Gründungsmitgliedern Saudi-Arabien und Venezuela hatte vor 1973 keine wirklich wirksame Politik, spielte sich dann aber in den Vordergrund des weltpolitischen Geschehens.
Entscheidend war die solidarische, politische und wirtschaftliche Nutzung der Marktmacht durch eine Gruppe von Produzentenländern gegenüber einer Gruppe westlicher Verbraucherländer. In erster Linie war die Haltung der Ölländer allerdings gegen die USA und einige andere westliche Industrienationen wegen deren Unterstützung Israels gerichtet. Aber die tatsächlichen Auswirkungen dieses Verhaltens beschränkten sich nicht auf einige westliche Länder. Vielmehr kam es zu einem deutlichen und spürbaren Rückgang der auf den Weltmärkten angebotenen Menge an Erdöl sowie zu einem weltweiten Anstieg des Ölpreises. So kam es 1974 – quasi als Gegenreaktion – zum solidarischen Handeln der westlichen Industrieländer mit der Gründung der Internationalen Energiebehörde (IEA: International Energy Agency).
Zunächst wird untersucht, wie es zur ersten Ölkrise kam und welche Auswirkungen diese auf die Weltwirtschaft hatte. Dann werden Gründung und Aufbau sowie die politische Zielsetzung der IEA unter die Lupe genommen. Schließlich fällt das Augenmerk auf die zweite Ölkrise, die zur ersten Bewährungsprobe für die neue Institution wurde.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Entstehung und Rolle der IEA während der Ölkrise
1. Die erste Ölkrise 1973-74
2. Gründung und Aufbau der IEA
3. Die politische Zielsetzung der IEA
4. Die zweite Ölkrise 1979-81
III. Zusammenfassung
IV. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Genese der Internationalen Energiebehörde (IEA) vor dem Hintergrund der globalen Ölpreiskrisen der 1970er Jahre. Ziel ist es, die Gründungsmotivation, die strukturelle Anbindung an die OECD sowie die politische Funktion der Institution als Reaktion auf die durch die OPEC ausgelösten Versorgungsengpässe und Preissteigerungen kritisch zu beleuchten.
- Historische Analyse der ersten Ölkrise 1973-74 und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
- Untersuchung der Gründungsprozesse und der institutionellen Struktur der IEA.
- Diskussion der energiepolitischen Zielsetzungen und der Definition von Energiesicherheit.
- Bewertung der Rolle der IEA während der zweiten Ölkrise 1979-81 als Bewährungsprobe.
- Reflektion der Bedeutung der IEA im Kontext moderner globaler Energieherausforderungen.
Auszug aus dem Buch
2. Gründung und Aufbau der IEA
Auf dem Ölmarkt herrschte Panik vor. Furcht und Ungewissheit über weitere Verknappungen machten sich breit und weitere Preissteigerungen folgten. Man kann diese Situation als weltweite Aufregung bezeichnen. Stimmen wurden laut, die nach einer Verteilung der gekürzten Ölmenge in den westlichen Industrieländern riefen. Aber nur die Ölgesellschaften verfügten über eine entsprechende Logistik, um dies zu bewerkstelligen. In den USA wurde der gegenteilige Ruf laut, dass die amerikanischen Ölgesellschaften, die nach wie vor ARAMCO-Partner waren, die US-Raffineriegesellschaften vorab versorgen sollten. Diesem Druck haben sie jedoch nicht nachgegeben, wie das Beispiel Deutschlands zeigt, dass mit Öl durch die Töchter der US-Gesellschaften versorgt wurde.
Die OECD-Länder diskutierten, ob es eine Reaktion der westlichen Länder geben müsse. Die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) besaß zwar ein Verteilungssystem, das aber nicht in Kraft trat. Bekanntlich war die Energieversorgung nicht von Europa für Europa zu lösen. Zum einen waren auch die Niederlande mit dem größten europäischen Ölhafen in Rotterdam vom Embargo betroffen. Zum anderen hatte die OPEC ihre Preise und Produktionsmengen für den weltweiten Handel festgelegt. Die OECD war nicht in der Lage, eine gemeinsame Entscheidung ihrer Mitgliedsländer herbeizuführen, weil die Ansichten über materielle und institutionelle Fragen sowie das politische Verhältnis zu den arabischen Staaten auseinander gingen. Wegen der nach den Statuten der OECD erforderlichen Einstimmigkeit kam keine Entscheidung zustande.
Die Initiative ergriff der damalige US-Außenminister Henry Kissinger, der am 12.12.1973 in einer Rede vor der Pilgrims’ Society in London eine solidarische internationale Zusammenarbeit bei der Energiepolitik vorschlug. Eine Aktionsgruppe sollte allgemeine Grundsätze der Zusammenarbeit definieren und in folgenden spezifischen Gebieten Maßnahmen einleiten: Energieeinsparung durch rationellere Nutzung der bestehenden Vorräte, Förderung der Entdeckung und Erschließung neuer Energiequellen, Anreize für die Produzenten zur Erhöhung des Angebotes und Koordination eines internationalen Forschungsprogramms zur Entwicklung neuer Technologien.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Ölproduzenten und westlichen Staaten, die in der ersten Ölkrise gipfelte und die Gründung der IEA als Gegenmaßnahme erforderlich machte.
II. Entstehung und Rolle der IEA während der Ölkrise: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen der ersten Ölkrise, den institutionellen Aufbau der IEA, ihre energiepolitischen Ziele und ihre Funktion während der zweiten Ölkrise zwischen 1979 und 1981.
III. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die historische Relevanz der IEA und verdeutlicht anhand von aktuellen Beispielen die anhaltende Bedeutung der Energiesicherheit für die Weltwirtschaft.
IV. Anhang: Der Anhang enthält das Literaturverzeichnis der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Internationale Energiebehörde, IEA, Ölkrise, OPEC, Energiesicherheit, Ölpreis, Erdöl, Energiepolitik, OECD, Rohstoffmärkte, Energieversorgung, Versorgungsengpass, Weltwirtschaft, Ölförderung, Energieeinsparung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entstehungsgeschichte der Internationalen Energiebehörde (IEA) und deren Rolle und Funktionsweise in den Krisenjahren des Ölmarktes während der 1970er und frühen 1980er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung des globalen Ölmarktes, die politische Machtverschiebung durch die OPEC, die institutionelle Etablierung der IEA sowie das Konzept der Energieversorgungssicherheit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, den historischen Kontext und die Beweggründe für die Gründung der IEA zu untersuchen und zu bewerten, wie die Organisation auf die Versorgungsstörungen reagierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Fachliteratur, offiziellen Dokumenten und zeitgenössischen Berichten zur Energiepolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der ersten Ölkrise 1973-74, die institutionelle Gründung und Zielsetzung der IEA sowie die Untersuchung der zweiten Ölkrise 1979-81 als erster Bewährungsprobe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind IEA, OPEC, Ölkrise, Energiesicherheit, Energiepolitik und Rohstoffabhängigkeit.
Warum war die Gründung der IEA trotz bestehender OECD-Strukturen notwendig?
Die OECD war aufgrund ihres Erfordernisses der Einstimmigkeit nicht in der Lage, schnell und effektiv auf die spezifischen Notlagen im Energiesektor zu reagieren, was die Schaffung einer spezialisierten Institution erforderlich machte.
Wie hat sich die IEA in der zweiten Ölkrise bewährt?
In der zweiten Ölkrise ab 1979 fungierte die IEA erfolgreich als koordinierende Instanz, die durch Informationsaustausch, Anreize zur Lagerhaltung und eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie zur Stabilisierung beitrug.
Ist die IEA ein Instrument gegen die OPEC?
Obwohl die OPEC die IEA zeitweise als Gegenkartell bezeichnete, ist dies laut Autor unzutreffend, da die IEA keine Preis- oder Mengenvereinbarungen im Sinne eines Kartells trifft.
Wie definiert die IEA heute den Begriff der Energiesicherheit?
Die IEA definiert Energiesicherheit als die Gewährleistung diversifizierter Energieangebote zu erschwinglichen Preisen, um ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.
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- Piotr Grochocki (Autor), 2007, Die Entstehung der Internationalen Energiebehörde (IEA) und deren Rolle während der Ölkrise, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92705