Viele in Deutschland ansässige Unternehmen gründen, auf Grund der schnell
voranschreitenden Globalisierung und der Einbindung in den internationalen
Wettbewerb, Tochtergesellschaften oder Betriebstätten jenseits der eigenen
Landesgrenzen. Der Gesetzgeber sieht in der Globalisierung zunehmend die
Gefahr, dass Steuerzahlungen ins Ausland verlagert werden. Er wirkt durch die
Einführung der Zinsschranke den Versuchen von Unternehmen entgegen, ihre
erwirtschafteten Erträge ins niedriger besteuerte Ausland zu verlagern um
Steuerausfälle in Millionenhöhe zu vermeiden. Finanziert sich beispielsweise
ein im Inland ansässiges Unternehmen durch Kredite einer im Ausland ansässigen
Tochter oder Betriebstätte, sind die Zinsaufwendungen im Inland Betriebsausgaben,
die den Gewinn und dadurch die Steuerlast des inländischen
Unternehmens mindern. Dem Gesetzgeber entgehen Steuern, da der Gewinn
des inländischen Unternehmens durch den Abzug der Zinsaufwendungen als
Betriebsausgaben geringer ist und dadurch auch die Höhe der Steuerzahlung
im Inland geringer ausfällt. Die Zinserträge hingegen sind bei dem im Ausland
ansässigen Tochterunternehmen oder Betriebstätte Erträge, die dann auch im
Ausland der niedrigeren Steuer unterliegen. Diese Erträge entgehen dem deutschen
Gesetzgeber. Durch die Einführung der Zinsschranke will der Gesetzgeber
diese grenzüberschreitenden Gestaltungen verhindern und einer Gewinnverlagerung
ins niedriger besteuerte Ausland entgegenwirken.
Außerdem muss der Gesetzgeber die Senkung des Körperschaftsteuersatzes
von 25 % auf 15 % bzw. die Einführung einer einheitlichen Gewerbesteuermesszahl
i. H. von 3,5 % kompensieren. Die Zinsschranke soll als Gegenfinanzierungsmaßnahme
der Steuerentlastungsmaßnahmen greifen, „… das deutsche
Steueraufkommen sichern…“ und dazu beitragen „… dass die Finanzierungslasten
in einem internationalen Konzern fairer verteilt würden…“ Diese Studienarbeit soll einen Einblick in die Anwendung der Zinsschranke geben
und anhand einer Vergleichsrechung zeigen, wie sich die Einführung der
Zinsschranke auf die Steuerlast mittelständischer Unternehmen auswirkt. Es
wird vor allem auf die unter die Zinsschrankenregelungen fallenden Zinsaufwendungen,
die Abgrenzung der Konzernzugehörigkeit i. S. d. Zinsschranke
und auf einen möglichen Untergang des Zinsvortrags eingegangen. Umwandlungsrechtliche
Probleme werden nicht betrachtet. Auswirkungen auf Seiten von
Anteilseignern sollen nicht Gegenstand dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesetzliche Grundlagen
3 Begriffserläuterungen
3.1 Betrieb i. S. d. § 4h EStG
3.2 Maßgeblicher Gewinn / Maßgebliches Einkommen i. S. d. § 4h EStG / § 8a KStG
3.3 Fremdfinanzierungsaufwendungen i. S. d. § 4h EStG
4 Grundprinzip der Zinsschranke
4.1 Begrenzung der Abzugsfähigkeit von Fremdfinanzierungsaufwendungen
4.2 Ermittlung des Schuldzinsenüberhangs
4.3 Befreiungen von der Zinsschranke
4.3.1 Freigrenze
4.3.2 Konzernzugehörigkeitskriterium
4.3.2.1 Nicht konzernzugehörige Betriebe
4.3.2.2 Konzernzugehörige Betriebe
4.3.4 Escape-Klausel (Eigenkapitalquotenvergleich)
4.3.5 Befreiungsverbote
4.4 Prüfungsschema der Zinsschranke
5 Zinsvortrag
5.1 Anwendungsvorschriften
5.2 Ermittlung
5.3 Probleme
5.3.1 Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit
5.3.2 Untergang durch Aufgabe des Betriebs
5.3.3 Untergang bei Ausscheiden eines Gesellschafters
5.3.4 Untergang bei Übertragung von Anteilen an Kapitalgesellschaften
6 Auswirkungen der Zinsschranke auf mittelständische Unternehmen
6.1 Anwendung des § 4h EStG auf Körperschaften
6.2 Vergleichsrechnung
6.2.1 Ohne Anwendung der Zinsschrankenregelungen
6.2.2 Mit Anwendung der Zinsschrankenregelungen
6.2.3 Vergleich der Steuerbelastung mit und ohne Anwendung der Zinsschrankenregelungen
6.3 Auswirkungen auf die Gewerbesteuer
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Anwendung der Zinsschranke gemäß der Unternehmenssteuerreform 2008 und deren Auswirkungen auf die Steuerlast von mittelständischen Unternehmen. Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die gesetzlichen Regelungen die intendierte Steuergerechtigkeit erreichen oder zu einer unverhältnismäßigen Belastung führen.
- Grundlagen und Definitionen zur Zinsschranke nach § 4h EStG
- Mechanismen zur Ermittlung des Zinsvortrags und dessen Problematik
- Analyse der Konzernzugehörigkeit und Befreiungsregelungen
- Vergleichsrechnung der steuerlichen Auswirkungen auf mittelständische Kapitalgesellschaften
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Freigrenze
Wie bereits in 3.1. Betrieb i. S. v. § 4h EStG erwähnt, fallen alle gewerblichen Unternehmen, egal welcher Rechtsform sie angehören oder welche Bilanzierungsart sie gewählt haben, unter den Anwendungsbereich der Zinsschrankenregelung. Der § 4h Abs. 2 S. 1 Buchst. a bis c EStG enthält 3 Ausnahmen, die den Anwendungsbereich der Zinsschrankenregelung einschränken und bestimmten Betrieben einen steuerlich vollständigen Abzug der Zinsaufwendungen erlauben.
§ 4h Abs. 2 S. 1 Buchst. a EStG besagt, dass die Zinsschranke nicht anzuwenden ist, wenn der negative Zinssaldo (Schuldzinsenüberhang) eines Betriebes in einem Wirtschaftsjahr weniger als 1.000.000 EUR beträgt. Wird diese Freigrenze überschritten, finden die Anwendungen der Zinsschranke auf sämtliche Zinsaufwendungen des Betriebes, nicht nur auf die Zinsaufwendungen, welche die Freigrenze überschreiten, Anwendung. Wird diese Grenze nicht überschritten, können die Zinsaufwendungen steuerlich voll als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Durch diese Regelung will der Gesetzgeber sicherstellen, dass kleine und mittelgroße Betriebe nicht durch die Regelungen der Zinsschranke betroffen sind. Ob dies dem Gesetzgeber gelungen ist, bleibt fraglich. Denn die Grenze von 1.000.000 EUR ist sehr gering und die Wahrscheinlichkeit, dass auch mittelgroße Betriebe diese Grenze überschreiten und dadurch die Zinsschranke anwenden müssen, ist hoch. Besonders Betriebe, die Projekte über einen längeren Zeitraum vorfinanzieren müssen, sind davon betroffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Hintergründe der Unternehmensteuerreform 2008 und die Zielsetzung des Gesetzgebers, Gewinnverlagerungen ins Ausland durch die Einführung der Zinsschranke zu verhindern.
2 Gesetzliche Grundlagen: Dieses Kapitel verankert die Zinsschranke rechtlich im Einkommensteuer- und Körperschaftsteuergesetz und definiert den zeitlichen Anwendungsbereich.
3 Begriffserläuterungen: Es werden die wesentlichen Begriffe wie "Betrieb", "maßgeblicher Gewinn" und "Fremdfinanzierungsaufwendungen" im Kontext der neuen Steuerregelung präzise definiert.
4 Grundprinzip der Zinsschranke: Hier werden die Funktionsweise der Zinsschranke, die Ermittlung des Schuldzinsenüberhangs sowie diverse Befreiungstatbestände und ein Prüfungsschema detailliert erläutert.
5 Zinsvortrag: Dieses Kapitel widmet sich der Handhabung nicht abzugsfähiger Zinsen, deren Ermittlung und den kritischen Aspekten des Untergangs von Zinsvorträgen.
6 Auswirkungen der Zinsschranke auf mittelständische Unternehmen: Anhand einer praxisnahen Vergleichsrechnung werden die finanziellen Folgen der Zinsschranke für ein mittelständisches Unternehmen sowie Auswirkungen auf die Gewerbesteuer analysiert.
7 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bewertet die Zinsschranke kritisch hinsichtlich ihrer Zielerreichung und identifiziert bestehenden Nachbesserungsbedarf bei Begriffsdefinitionen.
Schlüsselwörter
Zinsschranke, Unternehmensteuerreform 2008, § 4h EStG, Fremdfinanzierung, Schuldzinsenüberhang, Zinsvortrag, Steuerlast, Kapitalgesellschaft, Gewerbesteuer, Konzernzugehörigkeit, Eigenkapitalquote, Leistungsfähigkeitsprinzip, Betriebsausgabenabzug, Steuerentlastung, Gewinnverlagerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Studienarbeit untersucht kritisch die durch die Unternehmensteuerreform 2008 eingeführte Zinsschranke und deren Auswirkungen auf die Steuerbelastung mittelständischer Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die gesetzlichen Grundlagen der Zinsabzugsbeschränkung, die Definition von Fremdfinanzierungsaufwendungen, die Anwendung von Befreiungstatbeständen sowie die steuerlichen Konsequenzen für Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, ob die Zinsschranke als Gegenfinanzierungsmaßnahme zur Steuersenkung gerechtfertig ist oder ob sie mittelständische Betriebe in ihrer Finanzierungstätigkeit ungebührlich einschränkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Analyse der gesetzlichen Vorschriften kombiniert mit einer praxisorientierten Vergleichsrechnung, um die Auswirkungen der Zinsschranke auf ein Modellunternehmen aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Funktionsweise der Zinsschranke, das Prüfungsschema, den Umgang mit Zinsvorträgen sowie eine quantitative Gegenüberstellung der Steuerlast mit und ohne Anwendung der Zinsschrankenregelungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Zinsschranke, Zinsvortrag, Fremdfinanzierung, § 4h EStG, mittelständische Unternehmen und Steuerbelastung.
Führt jede Zinsaufwendung automatisch zur Anwendung der Zinsschranke?
Nein, es gibt Freigrenzen (1 Mio. EUR Schuldzinsenüberhang) und spezifische Befreiungsmöglichkeiten, wie den Eigenkapitalquotenvergleich, die den Anwendungsbereich der Zinsschranke begrenzen.
Warum wird der Zinsvortrag in der Arbeit kritisch gesehen?
Der Zinsvortrag wird kritisch betrachtet, da die Möglichkeit besteht, dass vorgetragene Zinsaufwendungen aufgrund von Untergangstatbeständen (wie etwa der Aufgabe des Betriebs oder schädlichen Anteilsübertragungen) endgültig steuerlich verloren gehen, was dem Leistungsfähigkeitsprinzip widerspricht.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der aktuellen Regelung?
Die Autorin bewertet die Zinsschranke grundsätzlich als geeignetes Instrument zur Vermeidung von Gewinnverlagerungen, kritisiert jedoch die zu weite Fassung der Begriffe und die Härte der "Fallbeilwirkung" bei der Freigrenze.
- Quote paper
- Katja Weber (Author), 2008, Die Zinsschranke - Eine kritische Analyse der Anwendung und der Auswirkungen bei mittelständischen Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92729