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Der Rentenreformprozess in Frankreich seit 1990

Darstellung, Analyse und Erklärung - eine politics-orientierte Untersuchung

Title: Der Rentenreformprozess in Frankreich seit 1990

Seminar Paper , 2006 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Fabian Kühne (Author)

Politics - Miscellaneous
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In nahezu allen Ländern in Europa sind in den vergangenen Jahren Reformschritte in der Rentenpolitik eingeleitet worden – wobei sich die Reformrichtung von früheren Wohlfahrts-Expansionen spätestens seit Anfang der 90er-Jahre auf Reduktionen, Einschnitte, Einsparungen gedreht hat. Auch Frankreich ist hiervon betroffen, dessen Länderbeispiel im Mittelpunkt dieser Arbeit steht.

Grundsätzlich gibt es mehrere Optionen im Bereich von Rentenreformen: Ein Umstellen der Finanzierungsbasis vom Umlageverfahren hin zu mehr Kapitalisierung; eine Erhöhung des Renteneintrittsalters; Änderungen an der Rentenformel und schließlich Änderungen im Indexierungsmechanismus, wobei die Pfadabhängigkeit von Rentensystemen bewirkt, dass mit zunehmender Dauer die Anzahl der Optionen beschränkt werden.

Welche Optionen im französischen Rentenreformprozess seit den frühen 90er-Jahren bis zum heutigen Zeitpunkt verfügbar waren und wie die jeweiligen Reformen konkret gestaltet wurden, soll in dieser Arbeit dargestellt und analysiert werden.

Dabei wird über die Gründe für eine Reformnotwendigkeit aufgeklärt: Warum wurden Reformen geplant bzw. durchgeführt?

Darüber hinaus soll die policy-Dimension berücksichtigt werden: Welche konkreten Reformschritte sind geplant bzw. durchgeführt worden?

Des Weiteren wird auch die politics-Dimension herausgestellt: Wie sind die einzelnen Reformvorhaben konkret umgesetzt worden?

Der Fokus dieser Arbeit liegt dabei auf letzterer Frage, mithin der politics-Dimension: Ziel ist die Herausarbeitung einer Erklärung für den konkreten Verlauf des Rentenreformprozesses in Frankreich – was ist der Grund dafür, dass einige Reformpläne durch die Regierung umgesetzt werden konnten, andere wiederum scheiterten?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Struktur des Rentenversicherungssystems in Frankreich

2.1 Alterssicherung für die Angestellten und Führungskräfte in der Privatwirtschaft (régime général und retraites complémentaires)

2.2 Alterssicherung für die Beschäftigten des öffentlichen Sektors (régimes spéciaux)

3. Der Reformprozess des französischen Rentenversicherungssystems seit 1990

3.1 Reformnotwendigkeit

3.2 Die Balladur-Reform 1993

3.3 Der Juppé-Plan 1995

3.4 Die Jahre 1995-2003

3.5 Die Raffarin-Reform 2003

4. Analyse des Reformprozesses unter dem Gesichtspunkt der politics-Dimension

4.1 Konsens-Erfordernis

4.2 ‚Blame avoidance’

4.3 Erweitertes Vetospieler-Konzept

4.4 Policy-style

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Rentenreformprozess in Frankreich seit 1990 mit dem Ziel, die Gründe für das Gelingen oder Scheitern spezifischer Reformvorhaben aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive zu erklären, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Interaktion zwischen staatlichen Akteuren und den Gewerkschaften liegt.

  • Strukturanalyse des französischen Alterssicherungssystems
  • Darstellung der zentralen Rentenreformen (1993, 1995, 2003)
  • Untersuchung der "politics"-Dimension und politischen Rahmenbedingungen
  • Analyse des Einflusses der Gewerkschaften als ideologische Vetospieler
  • Reflektion über policy-Stile und Konsensfindungsmechanismen

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Balladur-Reform 1993

Die konservative Regierung unter Premierminister Edouard Balladur nahm 1993 einige der zwei Jahre zuvor im Weißbuch entwickelten Vorschläge auf: So wurden die Beitragszeiten für eine abschlagsfreie Rente von 37,5 Jahre auf 40 Jahre erhöht, zudem wurde für die Rentenberechnung die Zeitspanne der ‚besten Jahre’ im Sinne des höchsten Verdienstes von 10 auf 25 erhöht; darüber hinaus ist die Rentenanpassung von der Lohn- und Gehaltsentwicklung auf die Preisindexierung umgestellt worden (vgl. Neumann / Veil 2005: 106). Allerdings betreffen all diese Maßnahmen nur das Basissystem der Rentenversicherten in der Privatwirtschaft, was zu einer steigenden Ungleichheit zwischen privatem und öffentlichem Sektor führte (vgl. Schild / Uterwedde 2006: 287). Zusätzlich wurde der steuerfinanzierte Fonds FSV (Fonds de Solidarité Vieillesse) geschaffen, der die Kosten versicherungsfremder Leistungen decken soll (vgl. Veil 2004: 66).

Für die Regierung galt es, den Widerstand des Arbeitnehmerlagers zu brechen, da die Gewerkschaften in Frankreich einen hohen Mobilisierungsgrad aufweisen (vgl. Schludi 2005: 195). Um dies zu ermöglichen, wurden die Gewerkschaften in die Verhandlungen über die Reform miteinbezogen – ein Staatsbediensteter, der an der Verhandlungsrunde teilnahm, schildert die Situation folgendermaßen: „Es war wichtig für uns, die Zustimmung der CFDT zu gewinnen, da wir wussten, dass die FO und die CGT uns auf jeden Fall feindlich gegenüberstehen würden. … Wir benötigten mindestens die Neutralität der anderen Gewerkschaften. Es war auch wichtig zu vermeiden, dass die FO eine zu radikale Position einnahm. Im Endeffekt waren sie dagegen, aber sie reagierten nicht so, wie sie es 1995 gegen den Juppé-Plan getan haben. Sie mobilisierten nicht ihre Mitglieder mit der Aussage, dass die neue Gesetzgebung schändlich sei.“ (Interview im französischen Sozialministerium vom 20.12.1996, zit. nach Bonoli 2001: 257; Übersetzung F.K.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel definiert den Rahmen der Untersuchung und leitet die Forschungsfrage hinsichtlich der Erfolgsbedingungen von Rentenreformen in Frankreich ab.

2. Struktur des Rentenversicherungssystems in Frankreich: Hier werden die organisatorischen Besonderheiten der französischen Alterssicherung, unterteilt in Privat- und öffentlicher Sektor, erläutert.

2.1 Alterssicherung für die Angestellten und Führungskräfte in der Privatwirtschaft (régime général und retraites complémentaires): Dieses Kapitel beschreibt das dreigliedrige Versicherungssystem der Privatwirtschaft und dessen Finanzierungslogik.

2.2 Alterssicherung für die Beschäftigten des öffentlichen Sektors (régimes spéciaux): Der Abschnitt beleuchtet die berufsständische Organisation und die spezifischen Konditionen der Rentenberechnung im öffentlichen Dienst.

3. Der Reformprozess des französischen Rentenversicherungssystems seit 1990: Eine chronologische Analyse der Reformbemühungen von 1990 bis 2003 unter Berücksichtigung von policy- und politics-Dimensionen.

3.1 Reformnotwendigkeit: Dieses Kapitel analysiert die ökonomischen und demographischen Faktoren, die den Reformdruck auf das französische Rentensystem seit den 90er-Jahren erhöhten.

3.2 Die Balladur-Reform 1993: Eine Untersuchung der erfolgreichen Reformschritte im privaten Sektor und der Verhandlungsstrategie der Regierung.

3.3 Der Juppé-Plan 1995: Eine Darstellung der gescheiterten Reformpläne und der massiven sozialen Proteste, die diese auslösten.

3.4 Die Jahre 1995-2003: Dieses Kapitel behandelt die Zeit der Reformzurückhaltung unter Jospin und die Einführung von Sicherungsinstrumenten wie dem Reservefonds.

3.5 Die Raffarin-Reform 2003: Eine Analyse der jüngsten Reform, die eine stärkere Angleichung des öffentlichen Sektors an die Bedingungen der Privatwirtschaft vorsah.

4. Analyse des Reformprozesses unter dem Gesichtspunkt der politics-Dimension: Hier erfolgt eine theoretische Reflexion über die Bedingungen erfolgreicher Reformimplementierung in Frankreich.

4.1 Konsens-Erfordernis: Das Kapitel erläutert die Bedeutung konzertierter Aktionen für die politische Durchsetzbarkeit von Reformvorhaben.

4.2 ‚Blame avoidance’: Eine Analyse des politischen Versuchs, die Verantwortung für unpopuläre Einschnitte zu streuen oder zu vermeiden.

4.3 Erweitertes Vetospieler-Konzept: Dieses Kapitel diskutiert, warum Gewerkschaften in Frankreich trotz fehlender formaler Vetoposition als ideologische Vetospieler agieren.

4.4 Policy-style: Hier wird der französische Reformstil analysiert und in das Konzept des "pre-emptive trade-off" eingeordnet.

5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die zentrale Rolle der Gewerkschaftsinteraktion für den Reformerfolg.

Schlüsselwörter

Rentenreform, Frankreich, Gewerkschaften, Sozialversicherung, Reformprozess, Politikwissenschaft, Vetospieler, Konsens, Alterssicherung, Sozialpartner, Leistungsreduktion, Mobilisierungspotential, Reformnotwendigkeit, Rentensystem, Umlageverfahren

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den politischen Prozess der französischen Rentenreformen seit 1990 und untersucht, warum einige Reformprojekte erfolgreich umgesetzt werden konnten, während andere am gesellschaftlichen Widerstand scheiterten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Struktur des französischen Rentensystems, die Chronologie der Reformen von 1993 bis 2003 und die theoretische Auseinandersetzung mit der "politics"-Dimension, insbesondere dem Einfluss organisierter Interessen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Herausarbeitung einer Erklärung für den konkreten Verlauf des Rentenreformprozesses, mit dem Fokus auf den Gründen, warum Regierungen bei bestimmten Vorhaben erfolgreich waren und bei anderen nicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine politikwissenschaftliche Analyse angewandt, die durch die Einbeziehung theoretischer Konzepte wie des akteurzentrierten Institutionalismus, des Vetospieler-Konzepts und verschiedener "policy-style"-Typologien den Reformprozess systematisiert und reflektiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des französischen Rentensystems, eine chronologische Darstellung der Reformen unter Balladur, Juppé und Raffarin sowie eine tiefergehende analytische Reflexion dieser Vorgänge.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Rentenreform, Sozialversicherung, Gewerkschaften, Vetospieler, Konsens, Rentensystem, Reformnotwendigkeit und Mobilisierungspotential.

Warum wird die Rolle der Gewerkschaften als so bedeutend für den Reformprozess hervorgehoben?

Gewerkschaften in Frankreich besitzen aufgrund ihrer hohen Mobilisierungskraft ein erhebliches Protestpotential gegen unpopuläre Maßnahmen, weshalb ihre Zustimmung bzw. Neutralisierung ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Regierungsplänen ist.

Inwiefern unterscheidet sich der Ansatz von Juppé 1995 von dem von Balladur 1993?

Während Balladur 1993 Verhandlungen mit den Sozialpartnern suchte und Zugeständnisse machte, verfolgte Juppé 1995 einen konfrontativen Kurs, indem er Reformen ohne Konsultation durchsetzen wollte, was zu seinem Scheitern führte.

Was bedeutet der Begriff "pre-emptive trade-off" im Kontext dieser Arbeit?

Er beschreibt eine Strategie, bei der die Regierung einem Widerstand durch potenzielle Opponenten zuvorkommt, indem sie Reformen auf die Präferenzen organisierter Interessen abstimmt, ohne die Akteure direkt in den Verhandlungsprozess einzubeziehen.

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Details

Title
Der Rentenreformprozess in Frankreich seit 1990
Subtitle
Darstellung, Analyse und Erklärung - eine politics-orientierte Untersuchung
College
University of Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Rentenreformen im internationalen Vergleich
Grade
1,7
Author
Fabian Kühne (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V92775
ISBN (eBook)
9783638066907
ISBN (Book)
9783638953092
Language
German
Tags
Rentenreformprozess Frankreich Rentenreformen Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Kühne (Author), 2006, Der Rentenreformprozess in Frankreich seit 1990, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92775
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