Bei meinen Recherchen zu dem mit Die Darstellung der Liebe in der
deutschen Kunst der Spätgotik betitelten Thema meiner Hausarbeit,
musste ich feststellen, dass die Anzahl dazu existierender Tafelbilder sehr
gering ist. Sie sind einzureihen in das Fünftel, das sich nicht mit dem
Thema der Heilsgeschichte oder der Bibel beschäftigte. (1)
Dem ist noch hinzuzufügen, dass der Bestand an gotischer Tafelmalerei
„nach den Schätzungen der Experten zwischen 3 % und 10 % des
ursprünglichen Bestandes“ (2) ausmacht.
Ausschlaggebend hierfür war die hohe Brandlastigkeit der mittelalterlichen
Städte aufgrund des dominierenden Baumaterials Holz. Ihr Übriges
erledigte die Reformationszeit: Sakrale Tafelbilder, die dem Feuer bis
dahin entkommen waren, fielen nun den Bilderstürmen zum Opfer. (3)
Umso glücklicher für die Kunstgeschichte ist der Erhalt dieser knappen
zwanzig Prozent. So kann dennoch ein Einblick in die Malerei der
gotischen Zeit gewährt werden.
Der Ursprung, die Begrifflichkeit und die unterschiedlichen Themen der
Gotik sollen auch den Anfang meiner Arbeit markieren. Wichtig wird
zudem sein, wesentliche Voraussetzungen für die Liebesthematik
aufzuzeigen, wobei die Minnedichtung, das Minnekästchen und die
Tapisserie für mich von Bedeutung sein werden.
Schließlich soll die Tafelmalerei in den Vordergrund rücken, wobei der
Inhalt meines Referats – Der Liebeszauber – dabei den Ausgangspunkt
bilden wird. Der Grund hierfür ist, dass ich diesen Volksbrauch als
Grundlage der Entwicklung einer Liebe heranziehen möchte. Es sollen
insgesamt drei verschiedene Etappen im Leben eines Paares aufgezeigt
werden. Der weitere Verlauf einer Beziehung nach dem Zueinanderfinden
soll anhand des Gothaer Liebespaares und des Brautpaars im Garten
belegt werden.
Dass sich die Paare am Tag ihrer Hochzeit bereits mit ihrem Tod
auseinander setzten, soll zu guter letzt behandelt werden. Die Rückseite
des Tafelbildes Brautpaar im Garten, das sogenannte Totenpaar, soll die
bildliche Grundlage dafür darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die gotische Kunst
– Ursprung, Themen und Innovationen
3. Minnekästchen und Bildteppiche
– zwei Ursprünge der Darstellungen der Liebe in der Kunst des Mittelalters
3.1 Das Minnekästchen
3.2 Der Bildteppich
4. Die Darstellung verschiedener Phasen der Liebe in der Tafelmalerei
4.1 Das Entflammen der Liebe
4.2 Das tiefe Gefühl der Liebe im Augenblick des Zusammenseins
4.3 Die Unendlichkeit der Liebe bis in den Tod
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Liebe in der deutschen Kunst der Spätgotik, wobei sie die Entwicklung von der höfischen Symbolik bis zur individuellen Tafelmalerei analysiert und die Forschungsfrage verfolgt, wie verschiedene Phasen menschlicher Zuneigung und Vergänglichkeit künstlerisch verarbeitet wurden.
- Wandel der Kunstauffassung von religiösen zu profanen Themen
- Bedeutung der Minnedichtung und ritueller Geschenke wie Minnekästchen
- Ikonografie der Liebe in der Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts
- Symbolik von Treue, Erotik und Vergänglichkeit (Totenpaar)
Auszug aus dem Buch
4.1 Das Entflammen der Liebe
Der Ausspruch Feuer und Flamme für jemanden sein kommt nicht von ungefähr. Dieses Synonym für das Verliebtsein in eine Person hat seinen Ursprung vermutlich in einem Volksbrauch, der etliche Jahrhunderte zurückreicht – dem sogenannten Liebeszauber. Ein gleichnamiges Tafelbild (Abb. 1) entstand in der Zeit um 1470/80 durch die Hand eines unbekannten Meisters vom Niederrhein in der Technik Öl auf Holz. Dieses kleine, in die deutsche Spätgotik einzuordnende Kunstwerk misst gerade mal 16 cm in der Breite und 22 cm in der Höhe. Es passt auf Grund seiner Größe in den Wandel der Kunstauffassung der damaligen Zeit und damit in einen privaten Nutzungszweck. Vermutlich ist es „als Werbungs- oder Hochzeitsgeschenk überreicht“ (32) worden.
Das Bild zeigt das Innere eines zeitgenössischen Zimmers in der Zentralperspektive. Dieses ist ausgestattet mit einem hölzernen Dielenfußboden und einer flachen Holzdecke. Im rechten Bildhintergrund befindet sich die ebenfalls auch Holz gefertigte Eingangstür. Links daneben steht ein halbgeöffneter Regalschrank, in dem hochpoliertes Geschirr zu erkennen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Seltenheitswert spätgotischer Tafelbilder außerhalb religiöser Kontexte und definiert die Forschungsziele zur Liebesthematik.
2. Die gotische Kunst: Dieses Kapitel erläutert die historischen Ursprünge der Gotik und den Wandel zur Einbeziehung profaner Gefühle in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
3. Minnekästchen und Bildteppiche: Der Abschnitt untersucht Vorläufer der Liebesdarstellung und die symbolische Bedeutung von Geschenken in der höfischen Kultur.
4. Die Darstellung verschiedener Phasen der Liebe in der Tafelmalerei: Das Hauptkapitel analysiert exemplarisch anhand von Tafelbildern die Stadien des Verliebtseins, der festen Bindung und der finalen Vergänglichkeit.
5. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die Entwicklung der Liebesdarstellung zusammen und würdigt die Bedeutung der Tafelmalerei für die Privatisierung der Kunst.
Schlüsselwörter
Spätgotik, Tafelmalerei, Minne, Liebeszauber, Gothaer Liebespaar, Brautpaar im Garten, Ikonografie, Totenpaar, Vergänglichkeit, Minnekästchen, Bildteppich, Symbolik, Ehe, Hofkultur, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Liebe in der deutschen Kunst der Spätgotik, insbesondere den Übergang von religiöser Malerei zu profanen Themen wie menschlicher Zuneigung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Minnedichtung, rituellen Geschenken, der Entstehung der Tafelmalerei und der ikonografischen Bedeutung von Liebe und Tod.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll aufgezeigt werden, wie mittelalterliche Künstler verschiedene Etappen einer Beziehung – vom ersten Werben bis zum Tod – visuell und symbolisch darstellten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine kunsthistorische Bildanalyse, ergänzt durch den Vergleich mit literarischen Quellen und zeitgenössischen Volksbräuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Minnekästchen als Geschenkkultur sowie die detaillierte Bildbesprechung von Tafelbildern wie dem „Liebeszauber“ und dem „Gothaer Liebespaar“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Spätgotik, Tafelmalerei, Minne-Symbolik, Erotik und Vergänglichkeit beschreiben.
Warum wird dem „Liebeszauber“ besondere Aufmerksamkeit geschenkt?
Das Werk dient als Ausgangspunkt für die Analyse, da es den damals verbreiteten Volksbrauch der Andreasnacht thematisiert und als Werbungs- oder Hochzeitsgeschenk fungierte.
Was zeigt die Rückseite des „Brautpaars im Garten“?
Die Rückseite zeigt das sogenannte Totenpaar, das die Verwesung der Leichname darstellt und somit einen drastischen Kontrast zur jugendlichen Frische der Vorderseite bildet.
Welche Bedeutung hat das „Schnurlin“ beim Gothaer Liebespaar?
Es fungiert als wertvolles Liebespfand der Frau und symbolisiert die tiefe Bindung des Paares, das sich über bestehende ständische Unterschiede hinweggesetzt hat.
Welche Rolle spielen Tiere in der spätgotischen Bildsprache?
Tiere wie Hunde, Papageien oder Schlangen werden als komplexe Bedeutungsträger für Treue, Erotik, Jungfräulichkeit oder Laster (Luxuria) eingesetzt.
- Quote paper
- Janet Neßmann (Author), 2005, Die Darstellung der Liebe in der deutschen Kunst der Spätgotik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92782