Im Hinblick auf die Malerei ist mit seinem Namen der Begriff Hochrenaissance verbunden. Sie ist zeitlich etwa zwischen 1500 und 1540 einzuordnen. Leonardo selbst beschreibt ihr Anliegen folgendermaßen:
„Die Malerei bewahrt lebendig jene Harmonie der schön entsprechenden Glieder, welche die Natur mit all ihren Kräften zu erhalten nicht vermöchte. Sie erhält das Abbild einer göttlichen Schönheit, dem Zeit oder Tod sein Naturvorbild rasch zerstört hat.“ (4)
Damit möchte ich meine eigentlichen Erläuterungen beginnen und auf den Auszug aus dem „Buch von der Malerei“ eingehen. Die Argumentation Leonardos erfolgt anhand zwei unterschiedlicher Gesichtspunkte.
Die Aufwertung der Malerei begründet er zuerst anhand der Erläuterungen, dass sie eine Wissenschaft sei. Danach macht er ihre Bedeutung anhand zahlreicher Vergleiche deutlich. Es findet eine Gegenüberstellung zwischen den verschiedenen Künsten, größtenteils zwischen der Malerei und der Dichtkunst statt. Der Text
ist in sieben Teilbereiche unterteilt. Ich möchte nun folgend auf die einzelnen Abschnitte eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Leben Leonardo da Vincis in der Zeit der Renaissance - Erfindungen, Entdeckungen, historische Ereignisse
2. Leonardo da Vincis Argumentationen für die Aufwertung der Malerei
3. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Begründung Leonardo da Vincis für die Aufwertung der Malerei als eine ernstzunehmende Wissenschaft innerhalb der Epoche der Renaissance. Im Zentrum steht dabei die Analyse, wie er die Malerei gegenüber anderen Künsten, insbesondere der Dichtkunst, durch mathematische Fundierung, anatomische Studien und das menschliche Sehvermögen legitimiert.
- Biographische Einordnung Leonardo da Vincis im Kontext der Renaissance
- Die wissenschaftliche Fundierung der Malerei durch Mathematik und Geometrie
- Vergleichende Analyse: Malerei versus Dichtkunst
- Die Bedeutung des menschlichen Auges als primäres Erkenntnisorgan
- Die Rolle des Künstlers als Uomo Universale
Auszug aus dem Buch
1. Abschnitt: „Ob die Malerei Wissenschaft ist oder nicht“
Zunächst einmal ist zu sagen, dass Leonardo da Vinci die Malerei als Wissenschaft verstand. Der Grund dafür war seiner Meinung nach, das „sie auf der mathematischen Perspektive und auf dem genauen Studium der Natur beruhe“ (5). Die wichtigsten Tätigkeiten des Malers seien damit das Beobachten und das Studieren. Denn erst dadurch könne er das genaue Abbild dessen wiedergeben, was die Natur hervorgebracht hat. So schrieb er beispielsweise:
‚Damit ein Maler bei den Stellungen und Gesten, die man im Nackten darstellen kann, sich als ein guter Gliedmaassen-Macher und -Zusammenordner erweisen könne, so ist es etwas sehr Nothwendiges für ihn, dass er die Anatomie der Nerven (oder Sehnen), Knochen, Kurz- und Langmuskeln kenne, damit er bei den verschiedenen Bewegungen und Kraftäußerungen wisse, welcher Nerv oder Muskel der Veranlasser der Bewegung sei […].’ (6) (Anlage 3)
Doch nicht nur das Studium der Anatomie sondern auch das der Proportionen sei wichtig und gerade hier lassen sich die geometrischen und mathematischen Grundlagen erkennen. Er beweist so, dass die Malerei auf einer Wissenschaft beruhe und damit eben eine solche sei. Anhand von zwei Beispielen werde ich das verdeutlichen. Zunächst einmal möchte ich auf die Proportionsfigur Vitruvs (Anlage 6) eingehen, die Leonardo nach seinen eigenen Messungen und Untersuchungen berichtigte (Anlage 7).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Leben Leonardo da Vincis in der Zeit der Renaissance - Erfindungen, Entdeckungen, historische Ereignisse: Dieses Kapitel liefert einen biographischen Abriss Leonardos und bettet sein Wirken in den geistesgeschichtlichen Kontext der Renaissance ein, geprägt von Humanismus und wissenschaftlichem Aufbruch.
2. Leonardo da Vincis Argumentationen für die Aufwertung der Malerei: Der Hauptteil untersucht die methodische Argumentation Leonardos, der die Malerei durch den Bezug auf Mathematik, Anatomie und die Überlegenheit des visuellen Sinnes gegenüber dem Wort als vollwertige Wissenschaft definiert.
3. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Leonardo die Malerei als geistige Arbeit begreift, die durch ihre Nachahmung der Natur und ihre Wirkung auf die menschliche Seele eine höhere gesellschaftliche Anerkennung verdient.
Schlüsselwörter
Leonardo da Vinci, Renaissance, Malerei, Wissenschaft, Kunsttheorie, Anatomie, Geometrie, Humanismus, Uomo Universale, Dichtkunst, Wahrnehmung, Naturtreue, Proportionslehre, Sehvermögen, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Rechtfertigung Leonardo da Vincis, warum die Malerei als eine exakte Wissenschaft betrachtet werden sollte und nicht bloß als körperliche Handwerkskunst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die wissenschaftlichen Grundlagen der Malkunst, die Bedeutung der anatomischen Studien, den Vergleich der Sinneswahrnehmungen und die Abgrenzung der Malerei zur Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Argumentationsweise Leonardos aufzuzeigen, mit der er den Status der Malerei im intellektuellen Gefüge der Renaissance anhob.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt die Verfasserin?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Methode, indem sie Auszüge aus Leonardos „Buch von der Malerei“ zitiert und diese systematisch in sieben Abschnitten interpretiert und kontextualisiert.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert, wie Leonardo die Malerei durch mathematische Perspektive, Anatomiekenntnisse und die direkte Abbildung der Natur als eine Form der Wissenschaft etabliert, die der Poesie in der Erkenntnisvermittlung überlegen ist.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Renaissance, Wissenschaft, Anatomie, Malerei, Geometrie und Humanismus charakterisieren.
Wie begründet Leonardo die Überlegenheit der Malerei gegenüber der Dichtkunst?
Leonardo argumentiert, dass das Auge das zuverlässigste Erkenntnisorgan ist und Bilder die Realität unmittelbarer und verständlicher vermitteln können als das geschriebene Wort, das sprachlicher Interpretation bedarf.
Warum spielt die Proportion des menschlichen Körpers eine so wichtige Rolle?
Für Leonardo waren anatomische Proportionen, wie etwa in seinen Studien zu Vitruv, der mathematische Beweis dafür, dass Malerei auf exakten geometrischen Gesetzen und der systematischen Erforschung der Natur basiert.
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- Janet Neßmann (Author), 2003, Wie begründet da Vinci die Aufwertung der Malerei?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92790