The Politeness Principle am Beispiel der Fernsehserie "Coupling"


Hausarbeit, 2008
30 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Linguistische Definitionen des Begriffs der Höflichkeit
2.1 Klassifizierung der „Speech Acts“ nach Austin
2.2 Modelle zum politeness principle
2.3 Das „Face – Saving“ Modell nach Brown und Levinson
2.3.1 Positive Politeness
2.3.2 Negative Politeness
2.4 Nonverbale Kommunikation
2.5 Verbale Kommunikation
2.5.1 Off-record
2.5.2 On-record

3 Analyse des politeness priniciple am Beispiel der Fernsehserie „Coupling“
3.1 Allgemeine Informationen zur Serie
3.2 Anwendung des „politeness principle“ anhand konkreter Situationen in der Serie
3.2.1 Nonverbale Kommunikation
3.2.2 Verbale Äußerungen – off-record
3.2.3 Verbale Äußerungen – on-record

4 Schluss

5 Literaturverzeichnis

6 Appendix

"Durch etwas Höflichkeit und Freundlichkeit kann man Menschen biegsam und gefällig machen. Sonach ist die Höflichkeit dem Menschen, was die Wärme dem Wachs."

- Arthur Schoppenhauer

(www.randomhouse.de; 28.02.08)

1 Einleitung

Bereits Aristoteles bezeichnete den Menschen als zoon politikon was auf deutsch in etwa dem „geselligen Lebewesen“ entspricht (http://www.philolex.de; 18.02.08). Die Vorraussetzung für die Etablierung eines sozialen Umfeldes, ohne das der Mensch nur sehr eingeschränkt bis gar nicht lebensfähig ist, bildet die Kommunikation. Jene wiederum besteht zu einem großen Teil aus verbaler Konversation. Allerdings beinhaltet die verbale Konversation sehr komplexe Prozesse. Es muss beachtet werden, dass der Mensch ein psychologisch hochgradig komplexes Wesen ist, das auf verschiedene Aussagen seiner Mitmenschen dementsprechend reagiert. Demnach spielt es nicht nur eine Rolle was gesagt wird, mindestens genauso wichtig ist in den meisten Fällen wie etwas gesagt wird. Mit dieser Problematik werde ich mich in meiner Arbeit genauer auseinandersetzen. Beginnen werde ich mit den allgemeinen „speech acts“, durch die ich eine Grundlage schaffe, um im weiteren Verlauf der Arbeit detaillierter auf den Spezialfall „politeness“ eingehen zu können. Die Höflichkeit wird im Gegensatz zur groben Umgangsform verwendet, damit sich die Leute im Gespräch wohl fühlen (Green 1996, 148). Hierbei werde ich verschiedene theoretische Ansätze vorstellen und den bedeutendsten kritisch betrachten. Am Bespiel einer Folge der britischen Comedy-Serie „Coupling“, die den praktischen Sprachgebrauch repräsentieren soll, werde ich anschließend diskutieren, ob sich die politeness principles auch im realen Sprachgebrauch wiederfinden oder diese doch nur mehr als Theorieansätze existieren.

2 Linguistische Definitionen des Begriffs der Höflichkeit

2.1 Klassifizierung der „Speech Acts“ nach Austin

Austin unterteilt die Sprechakte zuerst einmal in konstative und performative Äußerungen. Wobei Austin Äußerungen zu den konstatitiven Äußerungen zählt, „ […] that are employed to make assertions or statements […]“ (Austin in Huang 2007, 95) Unter performativen Äußerungen versteht er jene, „[…] that are used to do things or perform acts […]“ (Austin in Huang 2007, 95). Weiter unterscheidet Austin zwischen locutionary, illocutionary and perlocutionary speech acts. Hier definiert Austin den locutionary speech act als den „basic act of speaking” (Austin in Huang 2007, 102). Also die reine phonetische und phonlogische Äußerung des Sprechaktes. Der illocutionary speech act „refers to the type of function the speaker intends to fullfill, or the type of action the speaker intends to accompolish in the course of producing an utterance.” (Austin in Huang 2007, 102). Darunter versteht Austin die eigentliche Aussage der Äußerung, also das was der Sprecher damit ausdrücken möchte. Der letzte und somit auch abschließende Sprechakt wird von Austin als perlocutionary act bezeichnet. Diesen definiert er als „[…] the effect an utterance may have on the addressee.“ (Austin in Huang 2007, 103). Hierbei geht es also mehr um die psychologischen Konsequenzen, die eine Äußerung – bewusst oder unbewusst – auf den Hörer hat. Jedoch gibt es auch bei diesen Definitionen Ausnahmen. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden nicht immer nur eindeutig zuordenbare Sprechakte verwendet. Zur Veranschaulichung sei hier folgendes Beispiel von Searle aufgeführt:

“Can you pass the salt?”

Dieser Ausdruck erscheint auf den ersten Blick wie eine Frage. Dennoch erwartet niemand, der diese vermeintliche Frage stellt, eine Antwort. Viel mehr ist dieser Ausdruck eine Aufforderung jemanden das Salz zu reichen, da man in den meisten Fälle voraussetzt, dass der Hörer physisch in der Lage ist, das Salz zu reichen. „This is an indirect speech act (ISA), which Searle defines to be an utterance in which one speech act is performed indirectly by performing another.“ (Asher and Lascardies; www.cs.brandeis.edu, 18.02.2008). Solche indirekten Sprechakte liegen immer dann vor, wenn keine Verbindung zwischen der Satzart und dem illokutivem Akt besteht (Austin in Huang 2007, 110). Ein spezieller indirekter Sprechakt ist zum Beispiel die Höflichkeit. Diese wird nun anschließend basierend auf den vorausgegangenen Definitionen über Sprechakte genauer erklärt.

2.2 Modelle zum politeness principle

Derzeit findet man in der Linguistik vier gängige Modelle, die das politeness principle zu erklären versuchen (Huang 2007, 116). Huang (2007, 116) nennt das „social norm“ –Modell, das „converstational maxim“ – Modell nach Grice, das „face-saving“ – Modell nach Brown and Levinson und abschließend das „conversational contract“ – Modell nach Fraser. Die genaue Beschreibung aller Modelle würde an dieser Stelle zu weit führen, weshalb ich mich hier nur auf zwei konzentrieren werde. Grices Modell beruht auf dem Co-operative Principle und seinen vier Unterkategorien: Quality, Quantity, Relation and Manner. Wobei Maxime of Quality bedeutet, nur die Wahrheit zu sagen und das Maxime of Quantity besagt, nicht mehr oder weniger zu sagen, als das was notwendig ist. Maxime of Relation verlangt eine Relation zum Vorhergesagten und das Maxime of Manner erwartet eine deutliche und verständliche Ausdrucksweise (Grice in Huang 2007, 25). Das wohl wichtigste und aussagekräftigste Modell ist das „face-saving“-Modell von Brown and Levinson – „It has been the most influential framework of politeness so far, and it provides an important basis for the discussion of the notions of politeness and face” (http://www.ling.helsinki.fi, 18.02.2008). Aus diesem Grund wird dieses Modell im weiteren Verlauf der Arbeit genauer beschrieben und anschließend im zweiten Teil als Grundlage des Vergleichs zwischen theoretischem Ansatz und praktischer Anwendung dienen.

2.3 Das „Face – Saving“ Modell nach Brown und Levinson

Das Modell von Brown und Levinson basiert auf Goffmann’s „notion of face“ (Huang 2007, 116). Diese Theorie geht davon aus, dass prinzipiell jeder versucht sein Gesicht zu wahren beziehungsweise zu schützen. Goffman unterscheidet zwischen positive und negative face, was wiederum Brown und Levinson aufgreifen, um zwischen positive und negative politeness zu unterscheiden. Beide „politeness“ – Formen sind eine Art Reaktion auf das entweder positive oder negative face des Adressaten.

2.3.1 Positive Politeness

Die „positive politeness“ basiert auf dem „positive face“ und versucht somit bei einer Aussage das Gesicht und die Würde des Hörers zu wahren. Laut Brown und Levinson (1987, 101) ähnelt die „positive politeness“ in vielerlei Hinsicht dem normalen linguistischem Verhalten zwischen vertrauten Personen. Brown und Levinson fahren fort, dass es wohl mehr oder weniger nur ein Hauptmerkmal gibt, dass die „positive politeness“ von der normalen linguistischen Interaktion unterscheidet. Diese ist das „element of exaggeration“ (Brown and Levinson 1987, 101). Die Übertreibung wird bei der positiven Höflichkeit verwendet, um auf jeden Fall das positive Gesicht des Adressaten zu bewahren. Weitere essentielle Eigenschaften der „positive politeness“ sind laut Brown and Levinson ‚Gemeinsamkeiten mit dem Adressaten einfordern’, ‚Überzeugen dass der Adressat und der Sprecher ‚Verbündete’ sind’ und ‚die Wünsche und Bedürfnisse des Adressaten zu befriedigen’ (1987, 101-129).

2.3.2 Negative Politeness

Bei der negativen Höflichkeit geht es nicht etwa, wie der Begriff vielleicht vermuten lässt, um etwas schlimmes oder schlechtes. Dieser Begriff ist laut Brown and Levinson (1987, 129) dennoch von der positiven Höflichkeit abzugrenzen: Bei der „negative politeness“ versucht man den Adressaten so wenig wie möglich in seiner Handlungsfähigkeit zu beeinträchtigen. „It is the heart of respect behaviour, just as positive politeness is the kernel of ‘familiar’ and ‘joking’ behaviour.” (Brown and Levinson 1987, 129). Sowohl die positive als auch die negative Höflichkeit stellt eine Möglichkeit dar, einen Face –Threatening – Act (FTA) zu umgehen.

2.4 Nonverbale Kommunikation

Eine weitere Möglichkeit einen FTA zu umgehen, wäre einfach nichts zu sagen. Dies würde bedeuten sich durch nonverbale Kommunikation auszudrücken. „Die nonverbale Kommunikation ist zweifelsohne die ältere Form des Kommunizierens.“ (http://www.br-online.de, 22.02.2008). Formen der nonverbalen Kommunikation wären unter anderem Gestik und Mimik. Bei dem Beispiel mit dem Herüberreichen des Salzes würde dies also bei der nonverbalen Kommunikation ein Deuten des ‚Sprechers’ auf den Salzstreuer sein. Sobald diese nonverbale Kommunikation vom Adressaten verstanden wurde, „then clearly more has been communicated than was said.“ (Yule 1996, 62).

2.5 Verbale Kommunikation

Dennoch stellt die nonverbale Kommunikation nur einen kleinen Bruchteil der zwischenmenschlichen Konversation dar. Der Großteil der Unterhaltung wird durch ‚wirkliches Sprechen’ bestritten. Dies unterscheiden Brown und Levinson in die Kategorien „off record“ und „on record“.

2.5.1 Off-record

Wird etwas „off-record“ kommuniziert meinen Brown and Levinson damit Äußerungen durch eine indirekte Feststellung: „A communitcative act is done off record if it is done in such a way that it is not possible to attribute only one clear communicative intention to the act.” (Brown and Levinson 1987, 211). Zur Veranschaulichung sei hier eines der wohl klassischsten Beispiele aus den alltäglichen indirekten Äußerungen anzuführen:

„Dein Essen sieht aber lecker aus!“

Selten wird diese Aussage als reine Feststellung getroffen. Vielmehr steckt in dieser vermeintlich eindeutigen Exklamation in den meisten Fällen eine indirekte Aufforderung doch von dem so appetitlich aussehendem Essen probieren zu dürfen. Dennoch ist die Aussage vollkommen unverfänglich sowohl für Sprecher als auch Adressaten. Beiden ist es sowohl bei einer bejahenden Reaktion, als auch bei einer ablehnenden möglich, ihr Gesicht zu wahren. Jedoch kann es bei den sogenannten „off-record“ Äußerungen oft zu Missverständnissen kommen. Zum einen ist es möglich, dass der Adressat die indirekte Frage und Aussage des Sprechers nicht erkennt und es aus diesem Grund zu Fehlern in der Konversation kommt. Zum anderen aber kann es auch passieren, dass der Adressat die Aussage überinterpretiert und der Sprecher durch die Exklamation tatsächlich nur eine Feststellung machen wollte und diese keinerlei indirekte Äußerung oder Frage beinhaltet. Um diese Missverständlichkeit zu vermeiden, nennen Brown und Levinson mehrere Faktoren die man bei einer off-record Äußerung beachten sollte. Sie erklären, dass durch den indirekten Sprechakt die Maxime der Relevanz verletzt wird. Dies lässt sich allerdings vermindern, wenn der Sprecher Hinweise gibt und Andeutungen macht (Brown and Levinson 1987, 213). Eine weitere Möglichkeit ist das Erwähnen von Dingen, die assoziiert werden mit dem, was der Sprecher vom Adressaten möchte (Brown and Levinson 1987, 215). Der dritte Anhaltspunkt ist laut Brown and Levinson die ‚Voraussetzung’. Also das Wissen um die Hintergründe der aktuellen Situation, oder was eben der jetzigen Situation vorausgegangen ist. Indiziert wird so etwas beispielsweise durch Wörter wie again oder yet (Brown and Levinson 1987, 217). Brown und Levinson beschreiben noch viele weitere Strategien um eine indirekte Äußerung erfolgreich zu proklamieren. Diese alle auszuführen würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen, weshalb hier nur noch eine abschließende Strategie aufgeführt wird: die der Ungenauigkeit. Diese Verletzung der Maxime der Art und Weise lässt sich durch mehrdeutige und vage Aussagen erzielen. Mehrdeutigkeit kann beispielsweise aus Höflichkeitsgründen durch die Verwendung mehrdeutiger Metaphern erzielt werden. Vage Aussagen ermöglichen es trotzdem eine Antwort zu geben, obwohl es nicht erwünscht ist, exakte Informationen preiszugeben. (Brown and Levinson 1987, 225f.) All diese Methoden dienen nicht dazu den Adressaten zu belügen oder sonst einer negativen Absicht. Diese sind in erster Regel dazu da, durch Anwendung von Höflichkeit die Gesichter der Konversationsteilnehmer zu wahren und dennoch seine Interessen bestmöglich durchzusetzen. Hierbei versucht man die Face-Threatening-Acts (FTA) so weit wie möglich zu entschärfen.

2.5.2 On-record

Das gegenteilige Ausdrücken zum off-record Ausdruck stellt natürlich die direkte Aussage beziehungsweise Frage dar. Hierbei ist es um einiges schwieriger einen Face-Saving-Act (FSA) durchzuführen. Da man dem Adressaten kaum eine Möglichkeit lässt, ohne seine Gesicht zu verlieren, die Forderung oder den Wunsch des Sprechers abzulehnen. Dennoch lässt sich laut Brown und Levinson die on-record Äußerung unterteilen in „without redressive action, baldly“ und „with redressive action“ (1987, 69). Etwas ‚schlicht und ohne entschädigende Handlung’ zu sagen wäre die direkteste Art der Aussage und die on-record Äußerung, die den FTA am wenigsten abschwächt. Sie ist direkt, klar und unmissverständlich (Brown and Levinson 1987, 69). Als Bespiel wäre hier zu nennen:

„Steh auf!“

Diese Form wird häufig im Militär oder auch in der Kindererziehung verwendet. Im alltäglichen Umgang zwischen erwachsenen Personen, die den Formen und Regeln der Höflichkeit mächtig sind, ist diese Form der on-record Äußerungen eher selten zu finden. Die on-record Äußerung mit ‚redressive action’ also mit abschwächender Handlung, ermöglichen dem Adressaten ‚mehr Gesicht’ zu wahren. Diese versuchen den Schaden, der durch die on-record Äußerung entstanden ist, durch Veränderungen, Hinzufügungen oder klaren Äußerungen, dass keine Entstellung beabsichtigt ist, entgegenzuwirken. Hier schließt sich nun der Bogen zum Beginn der Arbeit. Diese Äußerungen können nun nämlich wiederum in positive und negative politeness unterteilt werden. Beide sind jedoch dadurch gekennzeichnet, dass sie durch abschwächende Ausdrücke wie zum Beispiel would you, could you, please etc. den FTA - wie oben bereits erläutert – abschwächen. Die Zusammenhänge zwischen den oben aufgeführten verschiedenen Arten zur Abschwächung des FTA, seien im folgendem Diagramm von Brown und Levinson (1987, 60) zur Veranschaulichung nochmals grafisch dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
The Politeness Principle am Beispiel der Fernsehserie "Coupling"
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
30
Katalognummer
V92813
ISBN (eBook)
9783638066747
ISBN (Buch)
9783640127078
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
13 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 9 Internetquellen!
Schlagworte
Politeness, Principle, Beispiel, Fernsehserie, Coupling, Proseminar
Arbeit zitieren
Verena Keller (Autor), 2008, The Politeness Principle am Beispiel der Fernsehserie "Coupling", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92813

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