Der Utilitarismus ist, vor allem in der englischsprachigen Welt, eine der wichtigsten
und meist diskutierten moralphilosophischen Theorien, die seit den Anfängen im 19.
Jahrhundert auch von vielen Seiten kritisiert wurde. Die Vertreter dieser Ethik mussten
sich stets gegen heftige Vorurteile verteidigen und auch heutzutage werden Debatten
unter dem Gesichtspunkt des Utilitarismus geführt, ob beispielsweise Terroristen die
Folter angedroht oder sogar gefoltert werden dürfen, wenn dadurch Menschenleben
gerettet werden können.
Jeremy Bentham gilt mit seinem Werk ‚Eine Einführung in die Prinzipien der Moral
und der Gesetzgebung’ als der Begründer des Utilitarismus. John Stuart Mill hat in
seinem Essay ‚Der Utilitarismus’ die Theorien seines Vorgängers weiterentwickelt,
gegen Vorwürfe verteidigt, indem er missverständliche Aspekte deutlicher formulierte
und manches ein wenig veränderte. Die größte Veränderung ist die Einführung des
qualitativen Aspekts bei der Bewertung von Freuden und Leiden bei Mill, während
Bentham sich auf den quantitativen beschränkte. Darauf werde ich am Schluss meiner
Arbeit eingehen, nachdem ich die Grundzüge der Theorien beider erläutert und
miteinander verglichen habe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie von Jeremy Bentham
3. Biographie von John Stuart Mill
4. Die Grundzüge Jeremy Benthams Utilitarismus
4.1 Das Prinzip der Nützlichkeit
4.2 Quantitativer Hedonismus
4.3 Benthams Sanktionsmodell
5. John Stuart Mills Utilitarismus im Vergleich zu dem Benthams
5.1 Das Nützlichkeitsprinzip nach Mill
5.2 Einführung des qualitativen Aspekts
5.3 Das Motiv einer Handlung
5.4 Die Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips und die Bedeutung der Erziehung
5.5 ‚Beweis’ für das Nützlichkeitsprinzip
6. Zusammenfassung
7. Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht die utilitaristischen Theorien von Jeremy Bentham und John Stuart Mill, um deren Kernkonzepte, Differenzen und methodischen Ansätze zur moralischen Handlungsbewertung aufzuzeigen.
- Grundlagen des Utilitarismus bei Jeremy Bentham
- Weiterentwicklung und qualitative Aspekte bei John Stuart Mill
- Gegenüberstellung der quantitativen vs. qualitativen Bewertung von Glück
- Analyse der Sanktionsmodelle zur Motivation moralischen Handelns
- Die Rolle der Erziehung im Utilitarismus von John Stuart Mill
Auszug aus dem Buch
5.2 Einführung des qualitativen Aspekts
Mill verteidigt sich gegen den Vorwurf der Schweineethik. Er sagt nicht nur, dass Lust auch durch geistige Tätigkeit hervorgerufen wird, er behaupte sogar, dass diese hochwertiger ist als rein körperliche Freuden. Der Wert der Freude hängt bei ihm nicht - wie bei Bentham - nur von der Quantität ab, sondern ebenso von der Qualität. Doch wie ist die Qualität einer Freude festzumachen? Nach Mill ist „von zwei Freuden […] diejenige wünschenswerter, die von allen oder nahezu allen, die beide erfahren haben – ungeachtet des Gefühls, eine von beiden aus moralischen Gründen vorziehen zu müssen - , entschieden bevorzugt wird.“ Und das ist für ihn zweifelsohne die geistige Freude, da ein intelligenter Mensch nicht auf seine geistigen Fähigkeiten verzichten möchte, selbst wenn er davon überzeugt wäre, dass er dann glücklicher ist, oder wie Mill es überspitzt ausdrückt: „Besser unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr“.
Daraus geht schon hervor, dass Mill einen Unterschied zwischen Glück (happiness) und Zufriedenheit (content) macht. Er gibt durchaus zu, dass ein niedriger begabtes Wesen leichter zufrieden zu stellen ist als ein höher begabtes, denn letztes „verlangt mehr zu seinem Glück“. Er sei auch größeren Leiden ausgesetzt, Leiden an dem Gefühl, dass er nie vollkommenes Glück erreichen wird. Doch durch seine höheren Fähigkeiten kann er dies ertragen, was der dumme Mensch nicht könnte, der nur deshalb zufrieden ist, weil er sich dieser Unvollkommenheit nicht bewusst ist. Grund für das Bestehen auf seine geistige Begabung ist nach Mill das Gefühl der Würde, die seiner Überzeugung nach einen großen Teil des Glücks ausmacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Utilitarismus als moralphilosophische Theorie und Skizzierung der wesentlichen Unterschiede zwischen Benthams quantitativen und Mills qualitativen Ansatz.
2. Biographie von Jeremy Bentham: Darstellung des Lebenslaufs und der zentralen philosophischen Interessen des Begründers des Utilitarismus.
3. Biographie von John Stuart Mill: Überblick über das Leben von John Stuart Mill, geprägt durch das Erziehungsexperiment seines Vaters und seine spätere kritische Auseinandersetzung mit Bentham.
4. Die Grundzüge Jeremy Benthams Utilitarismus: Erläuterung des Nützlichkeitsprinzips, des quantitativen Hedonismus und des Sanktionsmodells nach Bentham.
5. John Stuart Mills Utilitarismus im Vergleich zu dem Benthams: Detaillierter Vergleich der Ansätze, inklusive der qualitativen Aufwertung der Freuden, der Rolle von Motiven, Sanktionen und dem Versuch eines Beweises des Nützlichkeitsprinzips.
6. Zusammenfassung: Synthese der wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Theorien in Bezug auf die Bewertung von Handlungen und deren gesellschaftliche Umsetzung.
7. Schlussgedanke: Kritische Reflexion über die Schwierigkeiten und die utopische Natur des Utilitarismus in der praktischen Anwendung.
Schlüsselwörter
Utilitarismus, Jeremy Bentham, John Stuart Mill, Nützlichkeitsprinzip, Hedonismus, Moral, Glück, Freude, Leid, Sanktion, Erziehung, Gemeinschaftsgefühl, Moralphilosophie, Quantitative Bewertung, Qualitative Bewertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des Utilitarismus, ausgehend von Jeremy Bentham bis hin zu den Modifikationen durch John Stuart Mill.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind die Definition von Lust und Leid, die Messbarkeit von Glück sowie die Frage, wie Individuen motiviert werden können, zum Wohle der Gemeinschaft zu handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen dem quantitativen Ansatz Benthams und dem qualitativen Ansatz Mills systematisch gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse und den direkten Vergleich theoretischer Positionen der beiden Philosophen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Biographien, die Erläuterung der Grundkonzepte Benthams und einen ausführlichen Vergleich mit den Anpassungen durch Mill.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Utilitarismus, Hedonismus, Nützlichkeitsprinzip, qualitative Unterschiede von Freuden und die Bedeutung der Erziehung für eine utilitaristische Ethik.
Wie unterscheidet sich der Glücksbegriff bei Bentham und Mill?
Während Bentham Glück rein quantitativ durch ein Kalkül von Lust und Leid misst, führt Mill einen qualitativen Aspekt ein, der geistige Freuden höher bewertet als rein sinnliche.
Was meint Mill mit dem „Beweis“ für das Nützlichkeitsprinzip?
Mill versucht rational zu begründen, dass Glück das einzige Ziel menschlichen Strebens ist, wobei er laut der Autorin jedoch einen logischen Fehlschluss begeht.
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- Sofie Sonnenstatter (Author), 2006, Utilitarismus - Über die Theorien von Jeremy Bentham und John Stuart Mill, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92819