Das Menschenbild in Gutenbergs Schrift "Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie"


Zwischenprüfungsarbeit, 1987
9 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ziele

2. Der Mensch

3. Das Rationalprinzip

4. Folgen für Theorie und Praxis

Literaturverzeichnis

1. Ziele

Dr. Erich Gutenberg legt im Jahr 1928 eine Habilitationsschrift mit dem Titel: „Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie“ vor.[1] Diese Schrift ist die Grundlage des von Gutenberg nach dem zweiten Weltkrieg ent­wickelten sogenannten faktortheoretischen Ansatzes.[2]

Dieser Ansatz beeinflusst noch bis heute deutlich die betriebswirtschaftliche Lehre und Forschung.[3] Gutenberg sieht in der Unternehmung zwei Problemberei­che, den praktisch-organisatorischen und den spezifisch betriebswirtschaftlich theoretischen.[4] Er will sich in theoretischer Absicht mit der Unternehmung befas­sen, um „Regelmäßigkeiten“ in der anscheinenden Regellosigkeit der betriebs­wirtschaftlichen Erscheinungen[5] zu erkennen. Alle dieser Absicht entgegenste­hen­den Elemente der realen Unternehmung werden folgerichtig aus der Betrachtung herausgelassen. Dies gilt hauptsächlich für den organisatorisch-praktischen Bereich des Betriebes. „Die Unternehmung als Objekt betriebswirt­schaftlicher Theorie kann also nicht unmittelbar die empirische Unternehmung sein. Es muss für sie die Annahme gemacht werden, dass die Organisation der Unternehmung vollkommen funktioniert. Durch diese Annahme wird die Organi­sation als Quelle eigener Probleme ausgeschaltet.“[6] (Unterstrichene Passagen im Original gesperrt gedruckt, Ch.W.)

Gutenberg konzipiert eine Modellunternehmung, die „unmittelbar auf die Probleme der Theorie zugeschnitten sein muss“.[7] Die reale Unternehmung eignet sich vor allem deshalb nicht für die Theoriebildung in diesem Sinne, da sie nur existiert und fortbesteht oder untergeht aufgrund des Wirkens von realen Menschen.

„Das Subjekt (Der Mensch, Ch.W.) als ein solches ist nur mit geisteswissen­schaftlichen Methoden zu fassen“[8], schreibt Gutenberg, für die betriebswirtschaft­liche Theorie muss also analog zur Modellunternehmung ein Modellmensch entwickelt werden, der den Anforderungen der Theorie gerecht wird. Es ist Ziel meiner Arbeit, den besonderen Charakter dieses Modellmen­schens aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass hinter Gutenbergs Art der Theo­riebildung auch ein ganz spezifisches Praxisverständnis steht.

2. Der Mensch

Gutenberg ist sich durchaus bewusst, dass sein Untersuchungsobjekt, die Unter­nehmung, erst durch den „bewussten, schöpferischen Akt des Menschen“[9] ent­steht. Er weiß auch um „die schillernde Buntheit des betriebswirtschaftlichen Lebens“[10], aber er ist trotzdem der Ansicht, dass alle diese unterschiedlichen Unter­nehmen einem einzigen Zweck dienen, der „Ausnutzung von Preisdifferen­zen“[11]. Sie haben also nicht den Zweck, Produkte herzustellen oder Menschen Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu geben. Gutenberg sieht die reale Unter­nehmung auch nicht als Organisation, sondern ist vielmehr der Auffassung, dass die Unternehmung eine Organisation hat, die lediglich der Interessendurch­setzung der Unternehmensführung dient.[12] Die Organisation der Unternehmung wird durch die Auswertung von Zahlen gesteuert. Gutenberg schreibt hierzu: „Es handelt sich gerade hier um ein … Hineintasten in die Bewegung der Güter durch die Unternehmung, um ein Aufsaugen der Ziffern, in denen die Veränderungen der Güter zum Ausdruck kommen. ... Sie (die Ziffern, Ch.W.) werden damit zur Grundlage der Betriebsanleitung.“[13]

Durch eine solche Betrachtungsweise verschwinden alle nicht in Zahlen ausdrückbaren (bewertbaren) Geschehnisse in der Unternehmung aus dem Blickfeld. In dem mehr oder weniger guten Funktionieren dieser, als Maschine gedachten Organisation der Unternehmung und in der Individualität ihrer Führer liegt für Gutenberg die Quelle der Unterschiedlichkeiten in der Praxis. Er redu­ziert die empirische Unternehmung auf eine, die den Erfordernissen der Theorie angepasst ist. Dies ist seines Erachtens dadurch zu erreichen, dass die Unter­nehmung als soziales Gebilde, als Organisation neutralisiert wird. Mit der realen Unternehmung und deren Organisation verschwindet auch der reale Mensch aus der Theorie. Die theoretische Unternehmung Gutenbergs konstituiert sich aus drei Bestandteilen:

1 dem grundlegenden Prinzip allen Wirtschaftens (Rationalprinzip),
2. dem betriebswirtschaftlichem Material (Sach- und Leistungsgüter),
3. dem psychophysischem Subjekt.

Als „psychophysisches Subjekt“ bezeichnet Gutenberg die Menschen in der Unternehmung, die mit der Geschäftsführung und der Organisationsgestaltung befasst sind. Sie sind alle einheitlich von dem Rationalprinzip „beherrscht“.[14] Es sind von aller sozialen Interaktion befreite Menschen, deren Funktion es ist, das Rationalprinzip im betriebswirtschaftlichem Material zu realisieren. In der Praxis hängt der Grad, der von ihnen zu verwirklichenden Rationalität von der Größe ihrer „ökonomischen Macht“[15] ab. In der Theorie existiert das Machtproblem nicht, alle Menschen sind gleich vernünftig und deshalb auch gleich mächtig. Hinter dem Begriff Material verbirgt sich noch ein „Restmensch“, die auf ihre Arbeits­leistung reduzierten in der Unternehmung beschäftigten Menschen, die nicht der Unternehmungsführung angehören.

[...]


[1] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929

[2] vgl. Werhahn, P., Menschenbild, 1980,

[3] vgl. Schanz, G., Wissenschaftsprogramme, 1982,

[4] vgl. Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[5] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[6] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[7] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[8] vgl. Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[9] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[10] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[11] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[12] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929, S. 11 und

[13] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[14] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

[15] Gutenberg, E., Unternehmung, 1929,

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Details

Titel
Das Menschenbild in Gutenbergs Schrift "Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Einführung in den Studienschwerpunkt "Arbeit und Sozialstrukturen"
Autor
Jahr
1987
Seiten
9
Katalognummer
V92827
ISBN (eBook)
9783638069830
ISBN (Buch)
9783638954921
Dateigröße
365 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Menschenbild, Gutenbergs, Schrift, Unternehmung, Gegenstand, Theorie, Einführung, Studienschwerpunkt, Arbeit, Sozialstrukturen
Arbeit zitieren
Christian Wiedermann (Autor), 1987, Das Menschenbild in Gutenbergs Schrift "Die Unternehmung als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Theorie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92827

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