Diese Arbeit zeigt die spieltheoretische Lösung der vorgelagerten Stufe der Investitionswahl des bekannten mikroökonomischen Oligopol-Cournotspiels. Hierbei wird auf die Fälle simultaner, sequentieller und kooperativer Investitionswahl der Dyopolisten eingegangen. Es wird herausgearbeitet, ob es einen First-Mover-Advantage gibt und welche spieltheoretischen Instrumentarien und Gleichgewichtskonzepte zum Einsatz kommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Grundmodell
2.1 Einordnung und Charakterisierung des Modells
2.2 Simultaner Fall
2.3 Sequentieller Fall
3 Vergleich und Diskussion der Ergebnisse
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht spieltheoretisch, wie die wechselseitige Abhängigkeit der Investitionsentscheidungen in einem Dyopol die strategischen Handlungsspielräume und Ergebnisse von Marktteilnehmern beeinflusst.
- Spieltheoretische Modellierung von Investitionsentscheidungen
- Analyse simultaner versus sequentieller Investitionsstrategien
- Untersuchung des First-Mover-Advantage im Investitionsdyopol
- Einfluss der Reaktionsverbundenheit auf Nettobarwerte und Gesamtgewinne
Auszug aus dem Buch
2.2 Simultaner Fall
In Anlehnung an die von Rasmusen (2001) vorgeschlagene Darstellung wird im Folgenden der Spielrahmen kurz dargestellt.
Spieler: Zwei Investoren i (mit i∈{1,2}) stehen sich auf einem Markt als Dyopolisten gegenüber.
Handlungssequenz: Die beiden Investoren wählen ihre Investitionsvolumina Ii aus ihren stetigen Strategieräumen Si ∈ [0,∞[ simultan und nicht revidierbar aus.
Informationsverteilung: Die Informationsstände der Spieler sind symmetrisch. Spieler i ist in Unkenntnis der Investitionswahl von j und umgekehrt.
Pay-offs: Die Einzahlungsüberschüsse der Spieler ergeben sich aus dem auf den Zeitpunkt t=1 diskontierten Zahlungsstrom Ai (Ii,Ij) = b⋅Ii-c⋅(Ii2+Ii⋅Ij) vermindert um die nach t=1 aufgezinste Anfangsauszahlung q⋅Ii somit als Nettobarwert: Gi (Ii,Ij) = b⋅Ii-c⋅(Ii2+Ii⋅Ij)- q⋅Ii mit i,j∈{1,2} und i≠j (1)
Die beiden Investoren wählen ihre Investitionsvolumina simultan und irreversibel. Simultan bedeutet im strategischen Sinne, dass keiner die Investition des Anderen beobachten kann. Die individuell optimalen Investitionen ergeben sich aus der Bedingung erster Ordnung der Nettobarwertfunktion. Somit ergibt sich für Investor Ii: ∂Gi(Ii,Ij)/∂Ii = b - 2⋅c⋅Ii - c⋅Ij - q = 0 ⇔ Ii(Ij) = (b-q)/(2⋅c) - Ij/2. (2)
Man erkennt an obiger Reaktionsfunktion, die gegenseitige Beeinflussung der Investitionsvolumina. Die optimalen Investitionen der einzelne Spieler lassen sich also nur in Abhängigkeit der Investition des Konkurrenten bestimmen. Da diese Entscheidung im simultanen Fall nicht beobachtet werden kann, sind die Investoren gezwungen das Investitionsvolumen des anderen zu antizipieren und diese Erwartung in die eigene Investitionswahl mit einzubeziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die spieltheoretische Untersuchung von Investitionsentscheidungen bei Reaktionsverbundenheit in einem dyopolistischen Wettbewerb.
2 Das Grundmodell: Vorstellung der theoretischen Modellannahmen, unterteilt in einen simultanen und einen sequentiellen Entscheidungsfall unter asymmetrischen bzw. symmetrischen Informationsbedingungen.
3 Vergleich und Diskussion der Ergebnisse: Gegenüberstellung der Nettobarwerte und Investitionsvolumina der betrachteten Spielvarianten im Vergleich zum kooperativen Fall.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Würdigung der Ergebnisse sowie Transfer der Erkenntnisse auf reale Marktbeispiele wie die Halbleiterindustrie.
Schlüsselwörter
Spieltheorie, Investitionsentscheidung, Reaktionsverbundenheit, Dyopol, Simultaner Fall, Sequentieller Fall, First-Mover-Advantage, Nash-Gleichgewicht, Nettobarwert, Strategisches Verhalten, Investitionsvolumen, Stackelberg-Modell, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Investitionsentscheidungen von zwei konkurrierenden Unternehmen (Dyopol) unter Berücksichtigung strategischer Interdependenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Reaktionsverbundenheit der Marktteilnehmer, der Unterschied zwischen simultanen und sequentiellen Spielzügen sowie der ökonomische Vorteil des First-Movers.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss strategischer Investitionsplanung auf die Nettobarwerte der Akteure spieltheoretisch zu quantifizieren und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine spieltheoretische Modellierung auf Basis mikroökonomischer Investitionsfunktionen verwendet, um Nash-Gleichgewichte in verschiedenen Spielkonstellationen herzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die mathematische Analyse simultaner Investitionen sowie die Modellierung sequentieller Investitionsabfolgen, um den "First-Mover-Advantage" aufzudecken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Spieltheorie, Reaktionsverbundenheit, First-Mover-Advantage, Stackelberg-Modell und Nettobarwert.
Wie unterscheidet sich der simultane vom sequentiellen Fall?
Im simultanen Fall müssen Investoren den Zug des anderen antizipieren, während im sequentiellen Fall der First-Mover die Entscheidung des Folgers durch seine eigene Investitionshöhe strategisch beeinflussen kann.
Was lässt sich aus der Analyse für die Praxis ableiten?
Die Arbeit deutet an, dass Unternehmen in Märkten mit hoher Reaktionsverbundenheit – etwa bei Computerchips – durch strategisches Vorpreschen (Stackelbergführung) Wettbewerbsvorteile erzielen können.
- Arbeit zitieren
- Kai Nekat (Autor:in), 2002, Strategische Investitionsplanung in Situationen mit Reaktionsverbundenheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9284