Gleich im ersten Satz ihrer Einleitung stellen Berger und Luckmann (im folgenden B & L) ihre Grundthese auf, die auch schon dem Titel des Buches zu entnehmen ist: dass die Wirklichkeit, wie jeder Einzelne sie erlebt, sowie das Wissen, das er davon besitzt, von der ihn umgebenden Gesellschaft „konstruiert“ ist. Mit „Wirklichkeit“ meinen sie die Lebenswelt des „einfachen Mannes“, und sie definieren sie als „Qualität von Phänomenen, die ungeachtet unseres Wollens vorhanden sind“. „Wissen“ umschreiben sie als die „Gewissheit, dass Phänomene wirklich sind“ (...1).
Inhaltsverzeichnis
1.0 Einleitung / Bemerkungen zur Vorgehensweise
2.0 Was ist Soziologie? Versuch einer Annäherung
3.0 Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit – Eine Theorie der Wissenssoziologie
3.1 Einleitung: Das Problem der Wissens-Soziologie
3.2 1. Kapitel: Die Grundlagen des Wissens in der Alltagswelt
a) Die Wirklichkeit der Alltagswelt
b) Gesellschaftliche Interaktion in der Alltagswelt
c) Sprache und Wissen in der Alltagswelt
4.0 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit verfolgt das Ziel, eine verständliche Einführung in die soziologische Denkweise zu geben und darauf aufbauend die zentralen Konzepte der Wissenssoziologie nach Berger und Luckmann zu erläutern. Dabei wird insbesondere untersucht, wie das Wissen in der Alltagswelt gesellschaftlich konstruiert wird und welche Rolle Interaktion sowie Sprache dabei spielen.
- Grundlagen der Soziologie als Lehre von der Gesellschaft
- Die theoretischen Kernkonzepte der Wissenssoziologie
- Die Struktur und Bedeutung der alltäglichen Lebenswelt
- Mechanismen gesellschaftlicher Interaktion und Typisierung
- Die zentrale Funktion von Sprache als Objektivationsmedium
Auszug aus dem Buch
a) Die Wirklichkeit der Alltagswelt
Im ersten Kapitel ihres Buches beschreiben B & L, wie genau die Wirklichkeit der Alltagswelt des „gesellschaftlichen Normalverbrauchers“ (21) und sein Bewusstsein davon aufgebaut sind. Zunächst einmal stellen sie fest, dass jede Art von Bewusstsein (also eines ‚Sich-bewusst-seins’) von etwas „intentional“ ist. Das bedeutet, dass es immer „auf ein Objekt“ gerichtet ist, ob es sich dabei um einen äußeren Gegenstand, einen Gedankengang oder ein Gefühl handelt. Man kann also nicht Bewusstsein an sich erlangen, sondern nur ein Bewusstsein von etwas (...23).
Weiter stellen sie fest, dass sich im Bewusstsein jedes Menschen verschiedene „Bereiche“ (24) von Wirklichkeit darstellen und dass er sich von einer dieser Wirklichkeitsebenen zur anderen bewegen kann, so zum Beispiel von der ‚realen Welt’ in die ‚Welt der Träume’. Wir alle sind mit dieser Art von „Sprung“ (28) von einer Realität zur anderen vertraut und gehen selbstverständlich damit um.
Es gibt jedoch eine Wirklichkeit, die uns allen gemein ist, und zwar die „Wirklichkeit der Alltagswelt“. B & L bezeichnen diese als „Wirklichkeit par exellence“, oder auch „oberste Wirklichkeit“ (...24). Sie hat diesen Rang verdient, weil sich ihr niemand entziehen oder sie ignorieren kann. Sie war bereits vorhanden, bevor wir geboren wurden und ist völlig unabhängig unseres Erlebens von ihr. Insofern besitzt sie die größtmögliche Objektivität.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Einleitung / Bemerkungen zur Vorgehensweise: Der Autor erläutert den Aufbau der Hausarbeit, der von einer allgemeinen Annäherung an die Soziologie zu einer spezifischen Analyse von Bergers und Luckmanns Werk führt.
2.0 Was ist Soziologie? Versuch einer Annäherung: In diesem Kapitel wird der Mensch als soziales Mängelwesen definiert, das zur Überlebenssicherung auf gesellschaftliche Strukturen und Arbeitsteilung angewiesen ist.
3.0 Die Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit – Eine Theorie der Wissenssoziologie: Dieser Abschnitt führt in die Grundthese ein, dass soziale Wirklichkeit und das Wissen darüber kollektiv konstruiert sind und nicht auf rein ideologische Betrachtungen reduziert werden dürfen.
3.1 Einleitung: Das Problem der Wissens-Soziologie: Hier wird das Anliegen der Autoren dargelegt, eine Wissenssoziologie zu begründen, die sich mit allem befasst, was in einer Gesellschaft als Wissen gilt.
3.2 1. Kapitel: Die Grundlagen des Wissens in der Alltagswelt: Dieses Kapitel behandelt die Analyse der obersten Wirklichkeit (Alltagswelt), die durch Intersubjektivität, Typisierungen und sprachliche Objektivationen strukturiert ist.
4.0 Schlussbemerkung: Der Autor reflektiert das gelesene Werk und wirft weiterführende Fragen zur Einordnung abweichender Bewusstseinsformen in das theoretische Modell der Autoren auf.
Schlüsselwörter
Wissenssoziologie, Alltagswelt, Gesellschaftliche Konstruktion, Intentionalität, Intersubjektivität, Typisierung, Sprache, Objektivation, Wissensvorrat, Rezeptwissen, Relevanzstruktur, Sozialisation, Sinnprovinzen, Interaktion, Wirklichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine zusammenfassende Einführung in die soziologische Theoriebildung, speziell fokussiert auf das Werk „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ von Peter L. Berger und Thomas Luckmann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Wesen des Menschen als soziales Wesen, der Aufbau der Alltagswelt als „Wirklichkeit par excellence“, gesellschaftliche Interaktionsformen und die Bedeutung von Sprache für die Objektivation von Wissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, die komplexen theoretischen Grundlagen der Wissenssoziologie verständlich aufzubereiten und zu zeigen, wie das tägliche Wissen in einer Gesellschaft konstruiert und verteilt wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt eine zusammenfassende Literaturanalyse des Primärtextes von Berger und Luckmann sowie eine kritische Reflexion des Inhalts im Rahmen einer einführenden Hausarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Annäherung an den soziologischen Begriff, eine Erläuterung des Problems der Wissenssoziologie und eine detaillierte Zusammenfassung der Grundlagen des Wissens in der Alltagswelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Wissenssoziologie, Objektivation, Alltagswelt, Typisierung und Intersubjektivität geprägt.
Wie unterscheiden Berger und Luckmann zwischen „Wirklichkeit“ und „Wissen“?
Sie definieren Wirklichkeit als eine Qualität von Phänomenen, die unabhängig von unserem Wollen existieren, während Wissen die Gewissheit ist, dass diese Phänomene tatsächlich vorhanden sind.
Warum spielt die Sprache eine so zentrale Rolle in diesem Modell?
Sprache ist für die Autoren das wichtigste Medium, um subjektive Erfahrungen zu „objektivieren“, also in eine für andere verständliche, allgemeingültige Form zu bringen.
Was ist mit dem Begriff der „Enklaven“ gemeint?
Enklaven bezeichnen andere Wirklichkeitsebenen, wie etwa Träume oder ästhetische Erfahrungen, die sich von der „obersten Wirklichkeit“ des Alltags unterscheiden, aber dennoch in diese integriert werden können.
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- David Jahn (Author), 2007, Über "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" – Eine Theorie der Wissenssoziologie von Peter L. Berger & Thomas Luckmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92856