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Die Reichskleinodien

Bedeutung, Symbolik und Gebrauch der Herrschaftszeichen des Alten Reiches

Title: Die Reichskleinodien

Seminar Paper , 2007 , 38 Pages , Grade: 1-

Autor:in: Christian Lannert (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

(...) Innerhalb einer solchen Gesellschaftsordnung kam der Person des Herrschers eine heilsgeschichtlich relevante, göttlich legitimierte Qualität zu.
In besonderem Maße galt dies für das Heilige Römische Reich. Über Karl den Großen (800-814) führte es sich auf das Imperium Romanum zurück und glaubte sich bereits im Licht des kommenden Reiches Christi. Seine Herrscher verstanden sich als Schutzherren der Kirche und der ganzen Christenheit. Daher wurde der Deutsche König und Römische Kaiser in besondere Gewänder gehüllt, er trug als heilig angesehene Waffen in der Hand und eine Krone auf dem Haupt, die seine Erhabenheit über alle anderen Menschen deutlich machte.
Auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung erschienen die Reichskleinodien als „Unterpfand und Siegel“ der Herrschaft, denn das Römisch-Deutsche Reich war keine erbliche Monarchie. Seine Herrscher wurden gewählt und erwiesen ihre Rechtmäßigkeit daher nicht durch Erbrecht, sondern durch den Besitz der überlieferten und anerkannten Insignien.
Die Reichskleinodien hatten jedoch nicht von Anfang an diese Bedeutung, vielmehr durchliefen sie eine lange Entwicklung, in der sie von prinzipiell austauschbaren Herrschaftszeichen zu unverwechselbaren Symbolen des Reiches wurden.
Der Diskurs, der im Folgenden geführt werden soll, will Licht in diese Vorgänge bringen. Es soll untersucht werden, welche Rolle die Reichskleinodien im Bereich des zeremoniellen Handels und im politischen Denken ihrer Zeit spielten. Anschließend werden die eingangs bereits erwähnten Insignien beschrieben und ihre Symbolik erläutert. Ebenso wird auf Zusammensetzung und Genese der Objektgruppe eingegangen werden. Ein besonders Augenmerk soll hierbei der Heiligen Lanze zukommen, die aus verschiedenen Gründen eine herausragende Sonderstellung unter den deutschen Reichskleinodien besitzt und sich in besonderer Weise eignet, exemplarisch den Charakter eines mittelalterlichen Herrschaftszeichen anschaulich zu machen. Ihre Bedeutung speiste sich gleichermaßen aus christlich-biblischer Tradition, germanischer Überlieferung und dem Erbe des antiken Römischen Kaiserreiches. Sie war Gegenstand zeitgenössischer Rechtsauffassungen und frommen Wunderglaubens und in ihrer Ausdeutung einem sich ständig wandelndem Prozess unterworfen, der ihr durch die Jahrhunderte immer neue Facetten abgewann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

I. 1. EINFÜHRUNG UND FRAGESTELLUNG

I. 2. BEMERKUNGEN ZUR REICHSKLEINODIENFORSCHUNG

II. DIE REICHSKLEINODIEN IM RITUELLEN HANDELN DER DEUTSCHEN HERRSCHER

III. GENESE UND ZUSAMMENSETZUNG

III. 1. „SACHEN BESTIMMTER ART, NICHT BESTIMMTE SACHEN“

III. 2. VERFESTIGUNG UND SAKRALISIERUNG

IV. DIE REICHSKLEINODIEN IM EINZELNEN

IV. 1. DIE KRONE

IV. 2. DAS SZEPTER

IV. 3. DAS REICHSSCHWERT

IV. 4. DAS ZEREMONIENSCHWERT

IV. 5. DER REICHSAPFEL

IV. 6. DER KAISERLICHE ORNAT

IV. 7. DIE REICHSHEILTÜMER

V. DIE HEILIGE LANZE

V. 1. FORSCHUNGSÜBERBLICK

V. 2. HERKUNFT DER LANZE

V. 3. DAS SÄCHSISCHE HAUS

V. 4. VON OTTO I. ZU OTTO III.

V. 5. HEINRICH II. UND DIE UMBENENNUNG DER LANZE

V. 5. DAS SALISCHE HAUS

V. 6. DIE STAUFER

VI. SCHLUSSBEMERKUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung, den rituellen Gebrauch und die Genese der Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches. Ziel ist es, die Entwicklung dieser Herrschaftszeichen von funktionalen Insignien hin zu sakralisierten Symbolen der Reichslegitimation nachzuvollziehen und ihre Rolle im politischen Denken sowie im Herrscherzeremoniell zu klären.

  • Wissenschaftliche Analyse des mittelalterlichen Insigniengebrauchs.
  • Untersuchung der Entstehung und Veränderung der Objektgruppe Reichskleinodien.
  • Die Rolle der Heiligen Lanze als zentrale Reliquie und Herrschaftssymbol.
  • Der Bedeutungswandel von den ottonischen Herrschern bis zur staufischen Zeit.
  • Die religiöse und juristische Legitimation der königlichen Herrschaft durch den Besitz der Kleinodien.

Auszug aus dem Buch

V. 5. Heinrich II. und die Umbenennung der Lanze

Nach Ottos III. Tod in Italien 1002 stellte sich die Frage nach einem legitimen Nachfolger. Nach einigen Verwicklungen setzte sich Heinrich II. als Nachfolger durch und in Mainz wurde ihm durch die Heilige Lanze die cura regni übertragen. Der Akt wurde vor einer Versammlung des sächsischen Adels in Merseburg wiederholt. Wieder kommt der Heiligen Lanze eine herausragende Rolle zu. Otto III. hatte sie so sehr als Herrschaftszeichen etabliert, dass Heinrich II. größten Wert auf sie legen musste, um seinen umstrittenen Thronanspruch durchzusetzen.

Die Krönung stellte ein zeitgenössischer Illustrator im Herrscherbild des Regensburger Sakramentars dar. Es bemüht sich um eine theologische Begründung von Heinrichs Herrschaft. Er empfängt stehend seine Erhöhung durch Christus, der in einer Mandorla auf dem Bogen des Himmels thront. Das Königtum Heinrichs ist gottgewollt, er reicht mit Kopf und Oberkörper in die Mandorla hinein, Christus selbst hält eine Krone über sein Haupt.

Neben der Krone verleiht der Himmel Heinrich II. zwei weitere Herrschaftszeichen: Ein Schwert und die Heilige Lanze, die ihm von zwei Engeln überreicht werden. Es ist ihre erste Darstellung auf einem Herrscherbild, was den engen Bezug zu Heinrichs Krönung in Mainz verdeutlicht.

Während der Herrschaft Herinrichs II. macht sich ein Bedeutungswandel und –zuwachs der Lanze bemerkbar: Sie wird zur Lanze des Heiligen Mauritius.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Einführung in die Fragestellung und den Forschungsstand zur Bedeutung der Reichskleinodien.

II. DIE REICHSKLEINODIEN IM RITUELLEN HANDELN DER DEUTSCHEN HERRSCHER: Analyse der Insignien als Symbole für den Herrscher und deren Funktion in Krönungszeremonien.

III. GENESE UND ZUSAMMENSETZUNG: Untersuchung der historischen Entwicklung und der Austauschprozesse bei der Zusammenstellung der Reichskleinodien.

IV. DIE REICHSKLEINODIEN IM EINZELNEN: Detaillierte Beschreibung der einzelnen Insignien wie Krone, Szepter, Reichsschwert und Reliquien.

V. DIE HEILIGE LANZE: Tiefgehende Analyse der Herkunft, der religiösen Aufladung und der historischen Rolle der Heiligen Lanze als zentrales Machtsymbol.

VI. SCHLUSSBEMERKUNG: Zusammenfassendes Fazit über den Bedeutungswandel der Kleinodien vom Mittelalter bis zur Spätmittelalterlichen Musealisierung.

Schlüsselwörter

Reichskleinodien, Heilige Lanze, Mittelalter, Herrschaftszeichen, Krönungszeremonie, Reichsschatz, Legitimation, Sakralisierung, Reliquien, Otto I., Heinrich II., Mauritius, Herrschaftsinsignien, Imperium Romanum, Reichskrone.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung, Symbolik und dem rituellen Gebrauch der Reichskleinodien des Römisch-Deutschen Reiches im Mittelalter.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Entstehung der Insigniensammlung, die Einbettung in das Herrscherzeremoniell und die spezifische religiöse Bedeutung von Reliquien als Machtzeichen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Rolle die Reichskleinodien im politischen Denken und bei der Herrschaftsausübung der deutschen Könige und Kaiser spielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die quellenkritisch mittelalterliche Bildzeugnisse, Inventarlisten und zeitgenössische Texte auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der einzelnen Insignien (Krone, Szepter, Schwerter, Ornat) sowie eine vertiefende Untersuchung der Heiligen Lanze.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Reichskleinodien, Heilige Lanze, Herrschaftslegitimation, Sakralisierung und Mittelalterliches Zeremoniell.

Warum wurde die Heilige Lanze unter den Ottonen so wichtig?

Sie wurde als „Wunderwaffe“ und Zeichen göttlicher Auserwählung betrachtet, die den ottonischen Herrschern in Kriegen und Schlachten den Sieg verleihen sollte.

Inwiefern hat sich die Bedeutung der Reichskleinodien gewandelt?

Anfangs waren sie persönliches Eigentum der Herrscher, wurden jedoch im Laufe des Spätmittelalters zunehmend als eigenständige Symbole des Reiches und der institutionellen Herrschaft wahrgenommen.

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Details

Title
Die Reichskleinodien
Subtitle
Bedeutung, Symbolik und Gebrauch der Herrschaftszeichen des Alten Reiches
College
University of Heidelberg  (Historisches Seminar)
Course
HS Mittelalterliche Krönungsorte und Nekropolen im europäischen Vergleich
Grade
1-
Author
Christian Lannert (Author)
Publication Year
2007
Pages
38
Catalog Number
V92867
ISBN (eBook)
9783638069540
ISBN (Book)
9783640179480
Language
German
Tags
Reichskleinodien Mittelalterliche Krönungsorte Nekropolen Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Lannert (Author), 2007, Die Reichskleinodien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92867
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